1: Mumbai, 9.9.2007 – Besuch von Mount Mary

Flug wieder über Doha nach Mumbai

Der Flug mit Quatar Airways war diesmal angenehmer als im Jänner, es war eine gute Idee, einen Gangplatz zu reservieren. Da kann man aufstehen wenn man will und ist auch so nicht so eingeengt. Und der Film „Oceans 13“ kam über die Ohrstöpsel auch auf Deutsch.

Ich habe mich in Wien im Dutyfree Shop noch mit Suchard Schokolade und Whiskey eingedeckt, damit ich über die 3 Wochen komme. habe aber dann in Doha nicht widerstehen können und nochmals Mini-Raider und Mars gekauft.

Alles ging glatt, sogar die WCs waren sehr sauber, die Wartezeit von 2,5 Std. verging rasch, ich bin sogar eine Weile im Ruheraum gelegen. Dann hieß es aber beim Checkin zuerst 30 Minuten und dann 1 Stunde Verspätung, weil das Flugzeug aus Dubai noch nicht da war. Also doch nochmals warten.

Endlich war es dann so weit, Checkin in langer Schlange, ich habe bis fast zum Schluss gewartet. Wie schon bekannt, zuerst Pass- und Boardingpasskontrolle, dann hinunter zum Bus, dort wieder Kontrolle des Boardingpass, könnt sich ja über die Rolltreppe was verändert haben….

Und dann, ich bemühe mich ja, keine Vorurteile zu haben, überhaupt wenn die momentane Lektüre das Buch von Peter Ustinov „Achtung Vorurteile“ ist. Aber das war es schon sehr schwer! Auf einmal stellt einer der Kontrollore fest, dass der Bus zu klein ist – ist sicher das erste Mal, das ein voller Airbus A320 von Doha wegfliegt…. Hektisches Funken, ein weiterer Bus muss geordert werden, der kommt dann rasch nach 10 Minuten, wieder etwas mehr Verspätung. Planung war da nicht unbedingt im Spiel, um es nicht gar zu verallgemeinern.

Dann aber hinein in den Flieger, der war dann gar nicht voll, hab mich gefreut, dass wir hier sogar jeder unseren eigenen Flatscreen im Vordersitz eingebaut hatten. Die Stewardess klärte uns noch auf, „Video on demand“ funktioniere aber erst nach dem Take-off. Also warten wir, eigentlich so richtig multikulturell, habe ich mir gedacht. Neben mir saß eine Hindi-Frau mittleren Alters, dann ich und auf der anderen Seite des Ganges (nicht der Fluss, wir sind ja noch in Doha am Boden gewesen!) ein junger indischer Moslem, der immer hektisch aufsprang, davonrannte und irgendwann ganz geschafft zurückkam.

Dann der Take-off, ich habe das natürlich wieder verschlafen, wir hatten schon ein Stück Steigflug hinter uns, weil alle Lichter schon ganz winzig waren. Alle rundherum haben schon intensiv auf den Bedienungsknöpfen herumgespielt, die ganz unpraktisch in der Armlehne untergebracht sind, da kommt man ganz toll dazu! Aber so wirkliche Ergebnisse gabs nicht, denn wenn man versuchte, das Menü von Arabisch auf englisch umzustellen, war man wieder am Anfang. Irgendwie hats dann meine Nachbarin bis zur Filmauswahl gebracht, aber jeder Film den sie starten wollte, erschien 3 Sekunden und dann war der Bildschirm schwarz. So erging es allen, also kein TV, da konnte ich mich wieder auf den Peter Ustinov konzentrieren. Dazwischen kam schon ganz annehmbares Indian Style Essen, so vergeht die Zeit auch recht rasch.

Statt um 4:40 sind wir dann nach ziemlich genau 3 Std Flug um 5:30 gelandet. Das Immigrationsformular habe ich diesmal schon im Flugzeug ausgefüllt, daher wars dann nicht mehr so hektisch, die Passkontrolle kein Problem, auch das Röntgen des Gepäcks ging ganz schnell. Dann hinaus, ich habe in meinem Führer gelesen, dass es einen Schalter für Prepaid Taxis gibt, da will ich gleich hin. Da werde ich vom Zollbeamten gestoppt, ich gebe meine Gedanken nicht genau wieder ich sah mich nur schon 2 Stunden später in einem Hinterzimmer des Flughafens meinen Koffer wieder einräumen. Aber, der Ustinov hat recht, man soll keine Vorurteile haben, der Zöllner wollte nur den kleinen Abschnitt des Immigrationsformulars, den ich noch im Pass hatte.

Prepaid Taxi zum Hotel

Der Schalter für Prepaid Taxis war auch gleich ein paar Meter weiter, rasch bestellt und bezahlt, ich bekomme einen Bon, mit dem ich dann draußen mein Taxi 8504 finden sollte. Draußen wie schon in Hyderabad eine riesige, fast unheimliche Menschentraube.  Die machen auch nichts anderes als warten, genau wie in Wien, nur es wirkt total anders. Schon kommt ein Inder auf mich zu er bringt mich zu meinem Taxi, er möchte unbedingt Euros, weil er hat sonst kein Einkommen, aber ich hab nur 10er und größer, das ist schon etwas zu viel fürs Koffer tragen, er bekommt dann 100 Rupien, ist auch nicht wenig, aber damit sind auch seine Vorurteile bestätigt, dass wir Europäer uns Unsummen für alles mögliche leisten können. Man sieht – Indien hat mich wieder!

Hier sehen die Taxis zum Unterschied von Hyderabad wie die Fiat 1100 aus. Meines ist innen schon richtig modern, mit Plastikverkleidungen und Klimaanlage, aber von außen unterscheidet es sich von den billigeren uralten mit Holzarmaturenbrett überhaupt nicht. Ich gebe dem Fahrer den Zettel mit der Hoteladresse, er fragt mich, ob ich wisse wo das sei. Na ja eigentlich nicht wirklich so genau, irgendwo in  Mumbai Central müsste es sein – so stehts am Zettel. Da sagt der Fahrer „say the address“, jetzt weiß ich woher der Wind weht – er kann nicht lesen, also lese ich ihm vor, er freut sich und weiß anscheinend genau wo wir hin müssen. Da fast kein Verkehr ist, fährt er irrsinnig schnell (eigentlich nicht, die Straße ist autobahnartig, aber ich habe mich bei 80 km/h hier das erste Mal gefürchtet). Manchmal bremst er doch und schlägt einen Haken, weil wieder ein Schlagloch da ist, in das mindestens das ganze Rad hineinpassen würde. Dann auf der ersten Spur, ein Auto liegt am Dach, die Polizei ist auch schon da, mehr sehe ich nicht, wir sind doch recht schnell unterwegs. Anscheinend denkt der Fahrer aber auch nach und fährt auf einmal (für indische Verhältnisse) richtig zivilisiert.  Außerdem kommen wir jetzt in die Stadt, wir fahren an der Küste entlang und bald sind wir direkt beim Hotel.

Mir geht’s wieder so wie in Hyderabad, die Straße kommt mir total eng vor rund überfüllt. Das Hotel ist in einer kleinen Sackgasse, von außen recht sauber, aber bei weiten nicht so schön wie das im Jänner. Aber sie wissen wenigstens, daß ich komme und ich kann auch gleich aufs Zimmer, muss nur einen halben Tag mehr zahlen, aber darüber mag ich jetzt gar nicht mehr diskutieren. Ich will nur mehr die Füße ausstrecken.

Einchecken

Das Zimmer ist ok, groß genug, ein normales Zimmer halt, die Kästen wie überall zu klein, aber es geht auch so irgendwie. Ich strecke mich am Bett aus, da schlafe ich sicher gut, bin nur gespannt wie ich mich an das permanente Hupkonzert wieder gewöhne. Wollte gerade eindösen, da läutet es an der Tür, der Boy bringt die Zeitung, da habe ich noch was zum Ansehen. Ich finde das Bild einer Kirche und im Text wird darauf hingewiesen, dass es Umleitungen und Behinderungen am Mount Mary gibt, weil ganze Woche der Geburtstag der Mutter Maria gefeiert wird. Das will ich mir auch ansehen.

Feier „Maria Geburt“ am Mount Mary

Das Taxi ist schnell organisiert, nach einer halben Stunde bin ich dort und reihe mich auch in den Pilgerstrom ein.  Auf der ganzen Strecke zur Basilika gibt es Standeln für Kerzen und andere Wachsfiguren zum Opfern, Blumenhändler laufen herum und Tausende, junge Leute, Familien, ältere Menschen, wandern den Berg hinauf. Ich kaufe auch 2 Kerzen, das macht auf einmal das Leben viel leichter, ich erspare mir viele NOs. Dann taucht die Kirche auf, davor ein riesiges Zelt, da hat die Messe schon begonnen, klingt von der Lautmalerei wie bei uns, nur halt auf Hindi-Englisch. Sehr feierlich, alle singen mit, beim Halleluja kann ich auch mitsingen, das ist genau wie unseres, aber die englischen Gebete gehen natürlich nicht. Ich bekomme mit, dass der Bischof von Mumbai die Messe feiert. Wie ich später draufkomme macht er das unter einem exakten 1:1 Abbild des Altarraums der Kirche!

Die Katholiken sind eine Minderheit von rund 4% aber bei 16 Millionen Mumbaikern (so heißen die Einwohner laut Reiseführer!) kommt doch eine ganz erkleckliche Anzahl zusammen. Außerdem feiern auch alle anderen Religionen mit und kommen zu diesem Fest. Zur Kommunion sollen dann aber doch nur die Katholiken gehen, wie der Bischof nochmals betont. Die Katholiken, oder die, die so aussehen und auch ich bekommen eine Art „Ausweis“ um zur Kommunion gehen zu können.

Ein unvorstellbares Gedränge entsteht, bei mehreren 1000 Menschen kein Wunder, noch dazu sind die Inder generell ungeduldig und neigen zum Drängeln (schon wieder ein Vorurteil, oder ist es nur die Erfahrung von Hyderabad?) Aber dann bekommen doch alle die heilige Kommunion, der Zug der Menschen setzt sich Richtung Haupteingang des Gotteshauses in Bewegung, ich bin mittendrin und lass mich treiben. Es geht außen vorbei an einem weiteren Bauwerk, einer Art Brücke, wo oben noch eine Marienstatue steht. Auch da wälzen sich die Massen drüber, da will ich aber nicht mehr mitmachen. Die Kirche ist mit naiven Malereien von Bibelszenen, sehr im englischen Kolonialstil ausgestaltet, und vorne ist dann das Original der Magna Mater von Mumbai, sie ist mit einem riesigen Blumenherz geschmückt und auch so über und über mit Blumen verziert. Die Menschen bringen ihre Blumen und Kerzen, ich komme gar nicht so weit vor und nehme meine Kerzen mit hinaus. Ich finde draußen ein wunderschönes großes Holzkreuz, auch hier opfern die Pilger ihre Kerzen und Blumen, da kann ich dann auch meine Kerzen dazulegen.

Dann gehe ich wieder den Berg hinunter, die ersten Stunden in Mumbai haben richtig beeindruckend begonnen. Ich bin hundemüde und will zurück ins Hotel.

Zurück ins Hotel

Der erste Taxler will mich nicht mitnehmen oder weiß nicht wo mein Hotel sein könnte, der zweite bringt mich dann. Auf einmal stinkt es so was von erbärmlich, zum Erbrechen, ich komme erst nach einer Zeit drauf, dass wir uns auf der Route der Müllautos befinden! Gott sei Dank schwindelt sich der Fahre endlich vorbei, geht gar nicht so leicht, obwohl er eh bis zum letzten Zentimeter heranfährt. Im Hotel gibt’s dann wieder eine Rast, bis der Hunger zu stark wird.

Ich werde die Gegend ums Hotel erkunden, den Internetpoint suchen und mir alles ansehen.  Der Verkehr ist am Nachmittag viel ärger, ich muss mich wieder daran gewöhnen, über die 3 Spuren drüber zu kommen, nach ein paar Mal Seitenwechsel geht’s schon wieder, nur einen Radfahrer hätte ich fast gerammt…

Ich finde den Internetpoint, da werde ich am Abend dann meine Mails versenden und abrufen, muss nur mein Laptop mitbringen, wenn ich alles fertig habe. Gegenüber des Hotels ist eine Shopping Mall, mit 4 Stockwerken, hier gibt’s vom Schneider über Restaurants bis zu einem indischen „Billa“ alles, er heißt hier nur „Food Bazar“. Ich nehme mir ein paar Flaschen Getränke und einige Bananen mit und weiß, dass ich hier sicher wieder einkaufe. Dann such ich mir was zum Essen und finde ein super Chicken Tikka Masala (ein Rezept dafür gibt es am Ende), das gar nicht arg scharf ist. Damit ist der Hunger auch gestillt, ich geh ins Hotel zurück, muss noch Mails für die Firma vorbereiten und die Fotos auf den Laptop stellen.

Chicken Tikka Masala, Rezeptlink unten

Der Internetpoint, gegenüber des „Mumbai Central“-Bahnhofs ist klein und irre heiß aber die sind sehr entgegenkommend, es ist kein Problem, mein Notebook anzustecken und meine Mails abzuarbeiten. Es ist aber nur so schwül drinnen, ich bin nach einer guten halben Stunde richtig froh wieder draußen zu sein, obwohl wir da auch sicher noch an die 35 Grad haben. Dann geht’s nur mehr zurück ins Hotel, das Treiben auf der Straße und in den Läden nochmals ein bisschen beobachten, dann reichts für den ersten Tag.

Zum Weiterlesen

2: Mumbai, 10.9.2007 – Der erste Kurstag

Rezept

Tikka Masala Recipe

Links

Achtung VORURTEILE-Peter-Ustinov

Basilica Mount Mary Mumbai

Sightseeing in Dresden

Dresden nur der Weihnachtsmärkte wegen zu besuchen wäre sehr zu kurz gegriffen. Berichtet habe ich euch davon auch schon hier:

Daß die Stadt aber auch auf große Persönlichkeiten zurückblicken kann, könnt ihr ebenfalls in meinem Post zu Caspar David Friedrich und Erich Kästner nachlesen. Bei der Besichtigung der Stadt haben wir dann noch einige andere kennengelernt. Der erste Abend nach unserer Ankunft gehörte der Atmosphäre des Striezelmarktes, auch dazu mehr im Blog zu den Weihnachtsmärkten.

Hop On Hop Off mit persönlicher Ansprache

Für den nächsten Tag, den Samstag, haben wir uns eine Hop On Hop Off Stadtrundfahrt vorgenommen. Wir machen das fast immer in einer Stadt, in der wir noch nicht gewesen sind, um einen Überblick zu bekommen, wie die Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten sind. Der Startpunkt der Rundtour liegt nahe des Kulturpalasts, nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt. Wir buchten gleich eine Führung in der Semperoper dazu, so hatten wir gleich einige Highlights auf einmal. Die Vorbereitungen für den Stollenmarkt waren auch schon im Gange, die ersten kostümierten Gruppen trafen soeben ein.

Ungewöhnlich war die Rundfahrt dadurch, daß ein sehr netter und kompetenter Dresdner Reiseführer alles mit trockenem (sächsischem?) Humor erklärte und uns nicht eine unpersönliche Konservenstimme durchführte. Die erste Station war am Zwinger, gegenüber des, wie praktisch alle historischen Gebäude Dresdens, wunderschön renovierten Staatsschauspiels.

Weiter ging es an der ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze und dem Sächsischen Landtag und der Semperoper vorbei zwischen Elbe und Brühlscher Terrasse insgesamt 22 Stationen durch.

Odol kommt aus Dresden

Beim Hygienemuseum, dem einzigen seiner Art weltweit, lernten wir, daß das Odol Mundwasser eine der vielen Dresdner Erfindungen ist, auf die ich später noch komme und dem Erfinder eines der drei Elbschlösser, das Lingnerschloss einbrachte.

Gläserner VW mit ungewisser Zukunft

In der Gläsernen Manufaktur von VW standen am Samstag natürlich die Fließbänder still und wir konnten beim Vorbeifahren die halbfertigen ID.3 durch die Glasscheiben sehen. Die Autokrise ist im Autoland Sachsen ein Riesenthema, hängt doch jeder 8.Arbeitsplatz in Sachsen vom Auto ab. Der Busfahrer und der Reiseführer waren einer Meinung, daß Dresden zusperren kann, wenn hier noch mehr Betriebe schließen.

Das Blaue Wunder

Die Route ging weiter vorbei am Großen Garten bis zum Blauen Wunder, einer der ersten strompfeilerfreien Stahlfachwerk-Brücken Europas und dann den steilen Hang des Elbufers neben den beiden Bergbahnen hinauf zum „Weißen Hirsch“, dem ehemaligen Kurort mit den Jugendstilvillen. Obwohl es mit der Kur ab dem 2.Weltkrieg vorbei war, haben wir aber auch wieder einige Privatkliniken hier oben gesehen.

Die Pfunds Molkerei

Mit Blick auf die drei Elbschlösser ging es weiter zur Pfunds Molkerei, dem angeblich „schönsten Milchladen der Welt“, welcher 1892 von den Gebrüder Pfund eröffnet wurde. Auf fast 250 m² handbemalten Fliesen der Firma Villeroy & Boch erzählt das Geschäft die Geschichte der Gebrüder Pfund. Christstollen und Käse neben vielen anderen Milchprodukten werden von den Besuchern fleißig gekauft. Und hier gab es auch die erste Kondensmilch Deutschlands.

Carola und der Goldene Reiter August

Weiter ging es dann über den Albertplatz mit dem Erich Kästner Museum hinunter zum Carolaplatz. Hier wichen wir von der originalen Route ab, die im September 2023 eingestürzte Carola-Brücke ist sicher noch einige Jahre bis nach dem notwendigen Neubau nicht benützbar.

Darum ging die Umleitung vorbei am Goldenen Reiter mit dem „Augustusmarkt“ im Hintergrund über die Augustus-Brücke über die Elbe und an der Brühlschen Terrasse bis zum Albertinum und wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt beim Kulturpalast.

Jetzt hatten wir gut eine Stunde Zeit bis zur Führung in der Semperoper, dabei konnten wir den Abzug des Radeberger Spielmannszugs vom Stollenmarkt beobachten ( siehe link) und auf dem Weg im Café Emil Reimann noch eine heiße Schokolade und eine Waffel genießen.

Die Semperoper

Der Architekt Gottfried Semper ist sowohl für meine Schweizer Frau als auch für einen Österreicher wie mich nicht ganz ohne Bezug. Er baute in Zürich unter anderem das Hauptgebäude der Lehranstalt und die Sternwarte sowie das Stadthaus in Winterthur. In Wien finalisierte er die beiden Hofmuseen (Kunsthistorisches Museum, Naturhistorisches Museum) und den südliche Flügel der Neuen Burg (zwischen Heldenplatz und dem Burggarten). Dresden prägte er mit dem Opernhaus, der Synagoge und der Gemäldegalerie.

Die Führung durch die Semperoper

Man trifft sich zur Führung vor dem Eingang und wird dort abgeholt und in Gruppen eingeteilt. Zum Fotografieren braucht man eine eigene Lizenz um 3 Euro, eine auf jeden Fall sinnvolle Investition. In der rund einstündigen Highlightführung erfährt man Geschichten und Geschichte aus 183 Jahren Semperoper.

Der erste Theaterbau von Gottfried Semper aus dem Jahr 1841 noch als Königliches Hoftheater ist im Jahr 1869 schon wieder abgebrannt. Obwohl er im Jahr 1849 an den Dresdner Maiaufständen teilnahm und nach Paris und London fliehen musste, wurde Semper trotzdem mit dem Neubau betraut und so wurde 1878 die Oper in ihrer heutigen Form eröffnet.

Nach der Zerstörung durch die Luftangriffe 1945, bei denen von der Semperoper bis auf die Außenmauern nichts blieb, besaß die Sächsische Staatsoper 40 Jahre kein eigenes Haus mehr. Nach der SED-Direktive konnte 1977 mit dem möglichst originalgetreuen Wiederaufbau gestartet werden. Die Pläne waren verschwunden, so wurde nach Bildern, alten Rechungen usw. rekonstruiert. 40 Jahre nach der Zerstörung wurde 1985 die Semperoper als „Symbol des Friedens“ mit der letzen 1944 gespielten Aufführung, dem „Freischütz“ von Carl Maria von Weber feierlich in ihrem vollen Glanz wiedereröffnet.

Die Frauenkirche

Ein weiteres besonderes Symbol Dresdens für Zerstörung und Wiederaufbau ist die Frauenkirche. Sie wurde bei den alliierten Luftangriffen wie ein Großteil der Stadt zerstört und wurde dann von den DDR-Behörden als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung als Ruine mit Schutthaufen belassen, während andere Gebäude, wie die Sophienkirche und das Alberttheater, abgerissen wurden.

Wenn man das wiedererrichtetete Gebäude betritt, stockt der Atem, so überwältigend ist die Atmosphäre in ihrer Helligkeit.
Da der ursprüngliche Bau eine Reihe von statischen Problemen hatte, konnte der Wiederaufbau nicht mit den Originalmaterialien bewerkstelligt werden und so ist es ein modernes Bauwerk in altem Gewand, schon mit möglichst vielen Originalteilen. In den Jahren 1994 bis 2005 erfolgte mit einer fast beispiellosen Spendensammlung der Bau fast vollständig privat finanziert. Es war zwar nicht immer alles eitel Wonne, aber das Ergebnis spricht für sich. Leider war die Zeit zu kurz um ein Konzert zu hören, aber in der Zwischenzeit konnten wir im Fernsehen ein Weihnachtskonzert sehen, auch das ein besonderes Erlebnis.

Der Fürstenzug

Am Rückweg zum Hotel kamen wir am Fürstenzug an der Augustusstraße vorbei. Es ist ein imposantes 102 Meter langes Bild auf der Rückseite des Stallhofs im Residenzschloß, aus 23.000 Fliesen gefertigt und damit das größte Porzellanbild der Welt. Die überlebensgroßen Abbildungen aus 1876 zeigen die Wettiner Fürsten vor goldenem Hintergrund anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums der Wettiner. Die Fliesen der Meißner Porzellanmanufaktur waren so hitzebeständig, dass sie sogar die Bombardierung Dresdens 1945 und die Feuer weitgehend überstanden.

Das Albertinum

Der von mir schon seit der Schule irgendwie bewunderte Casper David Friedrich hat uns ins Albertinum geführt. Das ehemalige Zeughaus, das seit 1889 ein Museum gewordenen ist, erhielt seinen Namen zu Ehren des damaligen Königs Albert (reg. 1873–1902). Zu DDR Zeiten waren aus Platzgründen nicht nur Teile der Skulpturensammlung untergebracht, es waren interimistisch auch Auszüge aus der Porzellansammlung, des Kupferstich-Kabinetts, des Münzkabinetts, des Grünen Gewölbes sowie des Historischen Museums im Albertinum eingelagert, die dann je nach Baufortschritt wieder ins Residenzschloß zurückzogen.

Seit der Wiedereröffnung nach dem Umbau von 2006-2010 beherbergt es die Galerie Neue Meister und die Skulpturensammlung ab 1800. Aktuell gilt dem Vorreiter der Moderne, Caspar David Friedrich zu seinem 250. Geburtstag eine Sonderausstellung, über die ich bereits in meinem Extablog LINK geschrieben habe. Der sehenswerte überdachte Innenhof erweitert das Museum um ein hochwassergeschütztes Depot ohne das historische Gebäude zu stören.

Die Straßenbahnlinie 1 und die Buslinie 63 brachten uns anschließend direkt zum Loschwitzer Weihnachtsmarkt, aber auch zu den nächsten beiden Attraktionen.

Das Blaue Wunder

Eine halbe Stunde mit den Öffis dauert die Fahrt bis nach Loschwitz. Dabei geht es über die beindruckende Stahlbrücke, die als eine der ersten in Europa ohne Mittelpfeiler auskommt, über die Elbe. Der Name Blaues Wunder leitet sich einerseits von dem ursprünglich himmelblauen Anstrich der Brücke ab, der erst nach 2015 als Farbbefund wiederentdeckt wurde, sowie von der Konstruktion der 1890er Jahre ohne Stützpfeiler, die als „Wunder“ betrachtet wurde.

Die Schwebebahn

Bahnfans kommen in Dresden ebenfalls auf ihre Rechnung. Sie ist nicht so bekannt wie die Wuppertaler Schwebebahn, stammt aber vom gleichen Ingenieur. Nicht nur die Station an sich und die Fahrt über 84 Höhenmeter, sondern auch der Blick über den Elbhang hinunter auf Fluss und Stadt ist die paar Euro Aufzahlung zur DVB Tageskarte wert. In der Bergstation gibt es neben der Aussichtsterrasse auf dem seit 2001 zugänglichen Dach auch eine recht interessante Ausstellung über die Geschichte der Bahn.

Die Neustädter Markthalle

Wir haben die Markthalle als Abstecher vom Augustusmarkt besucht, sie ist ein architektonisch interessanter Gründerzeitbau, der seit dem Jahr 2000 eigentlich ein Einkaufszentrum ist und daher vom Flair mit Markthallen in anderen Städten leider nicht mithalten kann. Wer Architektur mag, kommt zumindest teilweise auf seine Rechnung, wegen des Marktes muss man nicht unbedingt herkommen.

Die Dreikönigskirche

Wenn man die Hauptstraße, wo der Augustusmarkt stattfindet, hinuntergeht, liegt links die Markthalle und rechts  Dreikönigskirche. Der Eingang ist unscheinbar und lässt nicht auf eine Kirche sondern eher auf ein Restaurant schließen. Das liegt daran, daß seit dem Wiederaufbau „Das Haus der Kirche “ unter anderem auch ein Veranstaltungszentrum und ein Mittagsrestaurant beherbergt. Nach der Wende war es auch einige Jahre der Sitz des neuen Sächsischen Landtags.

Die Kirche wurde während der Bombardierung 1945 bis auf den Turm und einige wenige Teile vollständig zerstört. Mit dem Wiederaufbau wurde erst 1984 begonnen und 1991 in der heutigen Form abgeschlossen. Der wieder ausgestellte Barockaltar blieb unrenoviert und dient auch als Mahnmal gegen den Krieg. (Bildquelle: Wikipedia)

Ein weiteres besonderes Detail ist der Dresdner Totentanz, ein Renaissance-Fries, das nach vielen Zwischenstationen über die Jahrhunderte seit 1990 wieder dort gezeigt wird, wo er sich vor dem Bau der Dreikönigskirche ab 1730 befand. (Bildquelle: Wikipedia)

Am Weg hinaus entdeckten wir dann noch eine kleine, aber sehenswerte  Ausstellung von historischen Adventkalendern.

Der Goldene Reiter

Seit 1736 steht der Goldene Reiter am Neustädter Markt, am Fuß der Augustusbrücke und momentan am unteren Ende des Augustusmarktes, der nach ihm, August dem Starken benannt ist. Das bekannteste Denkmal Dresdens ist blattvergoldet und zeigt den berühmten Herrscher auf einem sich aufbäumenden Lipizzanerhengst. Auf jeden Fall imposant und Wert nochmals ohne Weihnachtsmarkt im Hintergrund besucht zu werden.

Der Neumarkt

Wenn man es nicht wüsste, denkt man am Neumarkt, nahe der schwarzen Martin Luther Statue, man stünde mitten in einem barocken Viertel mit wunderschön renovierten Gebäuden. Dabei wurde das ganze Viertel rund um die Frauenkirche im Februar 1945 bei der Bombardierung Dresdens komplett zerstört.

Der Wiederaufbau nach der Fertigstellung der Frauenkirche bringt zwar die Atmosphäre vor der Zerstörung zurück und versucht trotzdem mit modernsten Mitteln das Gebiet für Menschen, Betriebe und Fremdenverkehr attraktiv zu machen. Ich denke, es werden (hoffentlich) noch Bücher über die zweite Entstehung des Neumarkt-Gebietes geschrieben. Die Dresdnerinnen und Dresdner haben es angeblich angenommen, die Touristen und so auch wir auf jeden Fall.

Die Kreuzkirche

Die Kreuzkirche am Altmarkt gleich hinter dem Striezelmarkt ist die evangelische Hauptkirche der Stadt. Wir haben sie am späten Nachmittag besucht und die Schlichtheit des rauhen Innenverputzes auf uns wirken lassen, der eigentlich in den Aufbaujahren von 1946-55 einerseits aus der finanziellen Not heraus, andererseits um die aus damaliger Sicht überladene Jugendstilornamentik loszuwerden, verwendet wurde.

In der Geschichte bis zum Ende der DDR war die Kreuzkirche immer wieder ein wichtiges Symbol der Freiheit. 1982 fand erstmals eine von Jugendlichen getragene, unter dem Dach der Kirche organisierte Gedenkveranstaltung statt, die vom üblichen Zeremoniell abwich – ein stilles Gedenken. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beäugte dies kritisch. 

Auch 1989 stand die Kreuzkirche wieder im Mittelpunkt der Geschichte. Der Weg der Demonstranten vor dem Mauerfall führte immer von der Kreuzkirche am Altmarkt durch die Stadt, sehr oft stark behindert durch die Stasi.

Der Kulturpalast

An unserem letzten Vormittag in Dresden wollten wir nicht mehr zu viel herumlaufen, darum haben wir uns den Kulturpalast bis zum Schluß aufgehoben. Der modernistische DDR-Bau wurde 1969 eröffnet und hatte den größten Mehrzwecksaal der Stadt Dresden, der für Konzerte, Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen sowie Tagungen und Kongresse genutzt wurde.

1989 wurde der Kulturpalast für einige Stunden sogar zur Bühne der Weltpolitik: bei seinem historischen Besuch in Dresden gab der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten der ehemaligen DDR Hans Modrow hier eine internationale Pressekonferenz. Die damaligen Ereignisse gelten heute als Meilensteine auf dem Weg zur Deutschen Einheit.

Nach einem mehrjährigen Umbau ab 2013 samt Einbau eines neuen, nicht unumstrittenen Konzertsaales wurde der Kulturpalast im April 2017 wiedereröffnet. Leider ist der Konzertsaal nur bei einem Konzert zu besichtigen, darauf mussten wir aus Zeitgründen verzichten.

Im Zuge des Umbaus wurden auch die beiden zentralen städtischen Bibliotheken auf rund 5500 Quadratmetern unter einem Dach zur städtischen Zentralbibliothek vereinigt. Hier konnten wir uns fast nicht mehr losreißen, das Konzept mit den frei zugänglichen Bücherregalen und den unzähligen Leseplätzen in angenehmer Umgebung hat uns extrem gut gefallen.

Die Halle im ersten Stock lädt genauso wie das Cafe im zweiten Stock zum Blick durch die Glasfasade auf den Altmarkt ein, momentan vom Striezelmarkt eingenommen bis zur Kreuzkirche links und dem Zugang zum Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie auf der rechten Seite.

Der Weg der roten Fahne

Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch das imposante 30×10,5 Meter große Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ zum 20jährigen Jubiläum der DDR auf der Westseite des Gebäudes, das seit 2001 als Kulturdenkmal ausgewiesen ist.

Der Zwinger

Zum Abschluss unseres Dresden-Besuches machten wir noch eine Runde durch die Außenanlagen des Dresdner Zwingers. Derzeit ist das noch eine große Baustelle, aber ein paar Bilder machen wahrscheinlich nicht nur uns Appetit auf einen neuen Besuch.

Die Stadt der Erfindungen

Ein paar Funfacts zum Abschluss: nicht nur der spezielle Christstollen (1486), 1886 die erste Kondensmilch oder das Mundwasser Odol (1892) stammen aus Dresden, sondern ebenfalls 1892 der saugfähige Holzfilz-Bierglasuntersetzer (Bierdeckel). Melitta Filtertüten, die Zahnpastatube und die Reiseschreibmaschine traten ebenfalls aus dieser Stadt den Siegeszug um die Welt an. Mehr gibt’s noch auf den beiden Bildern unten.

Es ist noch vieles in der Stadt und der näheren Umgebung wert besucht zu werden, so müssen wir auf jeden Fall wiederkommen.

Links

https://www.stadtrundfahrt.de/stadtrundfahrten/grosse-stadtrundfahrt/

15: Ein Rückblick mit den Augen von 2024

Ich erinnere mich noch immer gerne an meinen ersten Besuch in Indien, wenn es auch ein absoluter Kulturschock war, als ich in der Nacht in Hyderabad am uralten Flughafen Begumpet landete und nicht wie vereinbart mit einem Taxi abgeholt wurde. Schon gut ein Jahr später, nach der Eröffnung des Rajiv Gandhi International Airport im März 2008 stellte Begumpet den gesamten kommerziellen Flugetrieb ein.

Dafür übertraf das Hotel rasch meine Erwartungen und auch an das scharfe Essen gewöhnte ich mich recht rasch. Ich habe auch alle möglichen Gewürze mit nach Hause genommen, die man heute schon fast alle auch bei uns im Supermarkt bekommt, damals waren sie aber noch sehr exotisch.

Ich hatte einige Wochen vorher gerade zum Rauchen aufgehört, da half mir sehr, daß überraschenderweise im Hotel und im ganzen Schulungszentrum von Siemens strengstes Rauchverbot herrschte, strenger als damals bei uns in Wien. Aber ich fuhr trotzdem mit den Kollegen (im ersten Kurs in Hyderabad waren wir nur Männer, in Mumbai war das dann nicht mehr so) in den Pausen vom elften Stock hinunter und ging mit ihnen rauchen. Das war für mich ein ganz guter Test, nicht rückfällig zu werden und ich bin es bis heute nicht geworden.

Auf dem Moped durch den indischen Stadtverkehr, ein Erlebnis der besonderen Art

Eine weitere spannende Herausforderung war der Streik der Taxifahrer, der sich über fast eine Woche hinzog. Sie wehrten sich gegen die Umstellung auf digitale Taxameter, die natürlich viel schwerer zu manipulieren waren. Das Hoteltaxi war nicht immer einfach zu bekommen und kostete mehr als das zehnfache eines 3-Wheelers und war für meine indischen Kollegen unbezahlbar. Ich hätte aber sonst auch nie das Erlebnis gehabt, den indischen Großstadtverkehr vom Moped meines Kurskollegen aus wirklich auf Tuchfühlung zu erleben. Die Streiks wurden sehr militant geführt, laut einem Zeitungsbericht wurde schon der eine oder andere Streikbrecher von den Kollegen verprügelt. Einen umgeworfenen 3-Wheeler habe ich ebenfalls gesehen.

Wie man am Bild unten sieht, hat sich am Verkehrsgeschehen auch 2024 nichts geändert.

Bombenanschläge bald nach meinem Besuch

In der beeindruckenden Lasershow im Lumbini Stadion wollte man die Konflikte zwischen Moslems und Hindi kleinreden und das auch mit dem Märchen von der Hindu-Prinzessin und dem Moslem-Prinzen beweisen, aber ich habe einige Male im Straßenverkehr Konfrontationen zwischen hinduistischen und moslemischen Fahrern miterlebt. Einmal hat ein hinduistischer Mopedfahrer meinem moslemischen Taxifahrer durch das geöffnete Seitenfenster eine Ohrfeige gegeben, weil er ihn angeblich abgedrängt hatte. Die Lasershow ist aber auch heute noch ein Publikumsmagnet.

Das bringt mich zu den Bombenanschlägen im Lumbini Stadion durch moslemische Attentäter einige Monate später, bei denen insgesamt  44 Personen starben. Eine Bombe explodierte exakt in dem Sektor, wo ich mich noch einige Wochen vorher aufgehalten habe. Ich habe das an der gelben Farbe der Bestuhlung erkannt. Ähnlich ist es mir aber auch später in Mumbai und Bangkok ergangen.

Das Verhältnis zwischen den beiden Religionen ist bis heute nicht friktionsfrei, es kommt von beiden Seiten immer wieder zu Übergriffen und auch Attentaten und Morden.

Smog über den indischen Großstädten

In einem Tagebucheintrag schrieb ich über die Luftverschmutzung durch den zunehmenden Flugverkehr, der in den Zeitungen von Hyderabad damals diskutiert wurde. Das allein ist es nicht, es wurden bereits damals hunderte neue Autos pro Tag (!!) nur in dieser einen Stadt zugelassen und die zunehmende Industrialisierung leistete auch ihren Beitrag.

Die Zahl der Autos hat allein in Greater Hyderabad zwischen 2017 und 2024 von 900.000 auf rund 1,5 Millionen zugenommen.

Die Dunstglocke über der Stadt war daher schon damals beinahe undurchdringlich. Heute ist die Stadt nach Delhi, Kolkata und Mumbai an 4.Stelle der indischen Städte mit der höchsten Luftverschmutzung.

Marmorabbau mit Kinderarbeit

Erst Jahre nach meinem Besuch habe ich in Österreich eine Dokumentation über den Marmorabbau in Indien und dessen Export gesehen, wo die Kinderarbeit und die hygienischen Bedingungen thematisiert wurden. Indien ist neben China der größte Marmorerzeuger. Kinderarbeit ist in Indien ebenso verboten wie etwa Schuldknechtschaft, aber beides ist leider noch immer ein wichtiger Faktor. Es gibt zwar auch Zertifizierungen wie etwa für Natursteine Fair Stone und Xertifix, aber es wird aus meiner Sicht noch viele Jahre dauern, bis die Kinderarbeit in Indien komplett verschwunden sein wird.

Die sozialen Gegensätze sind für uns Europäer schwer zu ertragen

Auch wenn ich neben meinem Training ein recht umfangreiches Sightseeing-Programm hatte, war ich doch nach einigen Wochen wieder froh nach Hause zu kommen, die sozialen Gegensätze waren doch recht groß. Andererseits sind manche Gewohnheiten für unsere europäischen Augen eigenartig und ungewohnt. So sind nicht alle, die auf dem Gehsteig schlafen, obdachlos. Es könnte sein, daß es im Haus zu heiß ist, oder sie es einfach nur aus Sicherheitsgründen tun, damit niemand in ihr Geschäft einbricht. Auch wenn für europäische Augen manche Stadtteile slumartig aussehen, sind das Häuser für die unteren Kasten. Den Unterschied habe ich noch krasser bei meinem nächsten Aufenthalt in Mumbai und Goa kennen gelernt.

Als Europäer muß man auch aufpassen, die Relationen nicht zu übersehen. Man kann einem Bettler nicht 100 Rupies (damals rund 50 Cent) geben, wenn das Taxi für eine halbe Stunde zwischen 80 und 150 Rupies kostet.

Heute ist Hyderabad einerseits eine extrem moderne und für Investoren interessante Stadt, andererseits sind auch die Slums und damit auch sozialen Probleme eher gewachsen. Derzeit gibt es in der Greater Hyderabad Municipal Corporation (GHMC) 1452 Slums, von denen in den nächsten 5 Jahren 686 eine bessere Infrastruktur (Trinkwasser-Leitungen, sanitäre Einrichtungen) erhalten sollen.

Persönliches Resümee

Wie ich am Beginn meiner Blog-Serie schon erwähnt hatte, war ich einer der ersten europäischen Capgemini-Mitarbeiter, die zu einem SAP-Training nach Indien fliegen konnten. Daher war es auch als Motivation interessant, den daheim Gebliebenen Einblicke in die Erlebnisse in Indien zu geben und darum wurde ich auch gebeten, diese auf unserer Intranet Plattform „Talent“ zu veröffentlichen.

Einige Jahre später war das dann für neue Kolleginnen und Kollegen zumindest in Deutschland und Österreich, die damals in der DACH-Region vereint waren, schon Teil der Standard-Ausbildung. Danach begann aber bald die Ära der Online Trainings.

Das SAP Training war anfangs recht schwierig, da ich dem Hindi-Englisch zu Beginn nur recht schwer folgen konnte, was aber von Tag zu Tag besser wurde. Das war aber auch eine sehr gute Vorbereitung auf die später noch intensivere Zusammenarbeit mit meinen indischen Kolleginnen und Kollegen bis zum letzten Arbeitstag im November 2023, wo ich einen Teil meiner letzten Aufgaben an ein indisches Team übergeben habe.

Der europäische Cash&Carry Markt wurde vor einigen Jahren an eine indische Kette verkauft und meinen Maßanzug hatte ich noch viele Jahre.

Meine Erlebnisse in Hyderabad abseits der von Europäern oder Amerikanern ausgetretenen Touristenpfade möchte ich aber nicht missen, obwohl sie vom zweiten Besuch dann im September in Mumbai nochmals getoppt wurden. Aber dazu kommt dann eine Serie im Jahr 2025.

*Alle Bilder in diesem Beitrag stammen aus aktuellen Internet-Recherchen

Links

Der alte Flughafen Begumpet
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Begumpet_Airport

Bomben in Hyderabad
https://en.m.wikipedia.org/wiki/August_2007_Hyderabad_bombings

https://www.ndtv.com/india-news/two-convicted-for-twin-blasts-in-hyderabad-in-2007-three-acquitted-sentencing-on-monday-1910887

https://www.derstandard.at/story/1361240725774/sieben-tote-bei-anschlaegen-in-indischer-metropole-hyderabad

https://www.dw.com/de/mehr-als-40-tote-bei-bombenanschl%C3%A4gen-in-s%C3%BCdindien/a-2752364

https://www.tagesspiegel.de/internationales/ethnische-gewalt-in-indien-muslime-und-christen-werden-verfolgt-getriezt-ermordet-10317301.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Indien

Luftverschmutzung
https://sigmaearth.com/de/hyderabad-is-the-most-polluted-city-in-south-india/

https://www.siasat.com/hyderabad-at-no-4-among-indias-most-polluted-2439732/

https://telanganatoday.com/more-vehicles-add-to-traffic-chaos-in-hyderabad

Hyderabad vs Mumbai: where better to live 2024

https://www.properties.market/in/blog/upcoming-developing-areas-in-hyderabad-2024/

https://www.properties.market/in/blog/hyderabad-vs-mumbai-city-which-city-suits-your-lifestyle/

https://timesofindia.indiatimes.com/city/hyderabad/rapid-urban-expansion-triggering-ventilation-crisis-in-hyderabad-study/articleshow/115858473.cms

https://www.newindianexpress.com/cities/hyderabad/2010/Dec/28/city-slums-to-be-improved-214588.html

14: My training in India

A very short review in Capgemini Intranet (Talent)

In Hyderabad a SAP SD training was organized by Siemens India, which I participated for 2 weeks. The challenge was not only to learn as much as possible about SAP SD but also to gain a very small insight into the way of thinking and working with IT people in India.

The first impression was overwhelming. A big crowd, more like a wall of people was waiting in front of the airport entrance. I tried to separate that crowd and to organize a taxi to my hotel.

After some discussions I took a car to the hotel and the traffic caught me totally. I immediately forgot that in India the driving is on the left hand side but to be honest  you can not figure that out. Indians drive nearly without any rules. Two traces in one direction means up to 7 vehicles (cars, motor rickshas, motorbikes, bicycles and hand trucks mixed) so you are happy to sit in a car.

The Siemens house was guarded on every floor by 2 securities. They checked everyone, whether we had an USB stick, a CD-rom or a camera with us. That was not allowed, security is handled really strictly, but not only here, in most public areas too. Around 40 people were waiting for the different trainings, most of them were from India. Gintautas from Latvia and me we were the only Europeans.

The team in our training room at Siemens Hyderabad, my seit is the Red one in the last row

Our trainer, Mr. Ketan Dafle, asked what we were expecting from this training, all of us mentioned that we wanted to be educated in SD, because it was needed for our companies, or similar answers. But Ketan requested the Indian team members to be honest, everyone of them would attend this training to go abroad to earn more money in US or Europe. And this was one of the impressions I got in that very short time: most of these people are hungry for knowledge, they do have so much power to get better trained and educated.

Ketan wanted to get all of the eleven team members to a very high level. Therefore we should do our exercises minimum 3 times a week, but no one of us could imagine that seeing the booklet (400 pages) for the first week. As all members were well educated and most of them had already a good knowledge of the business processes, we had only very small discussions on this and we were concentrating on SAP SD, entering orders, confirming them, creating customers and pricing conditions and so on. Most important for me was to be trained on the customizing area.

Teamwork was perfect to me, I have never met this in that quality ever before on a training. The colleagues tried to get the best information and to practice as much as possible, really eager to learn. We also had a lot of fun together during our sessions.  At the end Ketan really praised us for doing good work and we finished already our lessons on Thursday. So we had one full day (except the Saturdays) for training on the system and studying and reviewing our lessons together with lots of discussions for finding solutions.

As I wanted to have some memory of my team members, I tried to smuggle my camera into the office and it worked. The security guards didn’t check my bags perfectly anymore because I was friendly and patient to them. I had a bad conscience, because they trusted me. But now I have some photographs of my team in India.

During the Sundays I took a car with a driver from the hotel to do some sightseeing, as that is affordable for Europeans and gives a lot of comfort. I had the chance to see most of the important landmarks from Hyderabad, starting from the Charminar, to the famous Hindu temple Birla Mandir, the mosque Mecca Mashid and the world’s biggest Buddha statue in middle of  Hussain Sagar. This is a big lake in the middle of the so called Twin town of Hyderabad and Secundarabad. On my last day before going to airport I visited Ramoji Film City, one of these 4 studio cities where the well known Bollywood films are produced.

Outside the SD training these two weeks were a big challenge for me: I met a totally different culture and tried to understand the way of thinking on a focus of working together with our colleagues in Mumbai. I am sure, when we pick up the best parts and ideas of both cultures, we will be able to fulfil all our business requirements and the requests of our clients.

Zum Weiterlesen

15: Ein Rückblick mit den Augen von 2024

Farbenfrohes Dresden im Advent

Im Gedenken an die Opfer von Magdeburg

Wir waren am zweiten Adventwochenende 2024 in Dresden, die Veröffentlichung dieses Blogs war vor dem Heiligen Abend geplant. In der Zwischenzeit hat ein Attentäter in Magdeburg auf dem dortigen Weihnachtsmarkt 5 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Im Gedenken an alle diese Menschen, die mit den Zielen des Attentäters, welche auch immer das sein mögen, nichts zu tun haben, aber mit ihren Verwandten und ganz Deutschland leiden müssen, stehen meine Erinnerungen an die Dresdner Weihnachtsmärkte, wo wir uns sehr wohl und sicher gefühlt haben.

Dresdner Weihnachtsmärkte

Die Stadt Dresden steht schon jahrelang auf unserer Bucketlist, aber mehr als einmal am Weg nach Mecklenburg-Vorpommern vorbeizufahren, ist bis jetzt nicht daraus geworden. Doch heuer haben wir beschlossen, uns am zweiten Adventwochenende den Dresdner Striezelmarkt anzusehen.

Unsere Anreise

Nachdem wir schon relativ lang vorgeplant hatten, konnten wir die ÖBB Sparschiene nutzen und mit dem Railjet bis Prag und dann weiter mit der Tschechischen Bahn bis Dresden zu fahren. Da das Wetter im Winter ja nicht so gut vorhersehbar ist, haben wir diese entspannte Variante gewählt und nicht bereut.

Unser Hotel

Hier war unsere Vorgabe: sehr zentral und doch bezahlbar. Darum fiel unsere Wahl auf das IBIS Budgethotel Dresden City in der Wilsdruffer Straße, keine zwei Gehminuten vom Alten Markt entfernt, wo auch der berühmte Striezelmarkt stattfindet. Die Zimmer sind zwar sehr klein, aber die Lage wiegt das bei weitem auf. Das Hotel-Frühstück ist ok, es gibt aber in der näheren Umgebung so viele Möglichkeiten, die wir ebenfalls probieren wollten. Die Links dazu findet ihr am Ende!

Der Striezelmarkt

Der Striezelmarkt ist eindeutig der größte und schönste Weihnachtsmarkt in Dresden. Daß er noch dazu das 590. Jubiläum feiert, wurde uns auch erst während des Besuches bewusst. 1434 das erste Mal urkundlich erwähnt, findet er am Alten Markt statt und lockt mittlerweile bis zu 2 Millionen Besucher pro Jahr an.

Die Stände sind alle extrem liebevoll geschmückt, wobei natürlich die Themen Holzkunst aus dem Erzgebirge und Dresdner Stollen überwiegen. Neben viel Kunsthandwerk kommen natürlich die leiblichen Genüsse auch nicht zu kurz, sächsischer Glühwein, Rostbratwurst, Dresdner Stollen und Quarkkeulchen (dafür findet ihr auch das Rezept unten) wollen verkostet werden. Wir haben uns aber als Unterlage für Punsch und Glühwein an das ebenfalls einzigartige Dresdner Handbrot gehalten. Das ist ein Brotteig mit eingebackenem Käse entweder mit Schinken oder Champignons und mit Suchtfaktor, was sich manchmal auch an längeren Schlangen vor dem Stand niederschlägt.

Und weil es das bei uns nicht gibt, habe ich nach einem Rezept dafür recherchiert, ihr findet es am Ende, es ist (noch) nicht ausprobiert, klingt aber sehr authentisch.

Natürlich darf auch die mit 14,62 Meter Höhe weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide nicht fehlen. Sie wurde 1999 sogar in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Die Weihnachtsbäume sind alle mit den schönen Dresdner (Herrnhuter) Weihnachssternen geschmückt. Dieser zwölfzackige Stern aus Papier oder auch schon aus Kunststoff in verschiedenen Farben, der von innen elektrisch beleuchtet ist, wird schon seit mehr als 160 Jahren von der Herrnhuter Brüdergemeine hergestellt.

Wenn man durch die Gassen des Marktes mit seinen über 200 Ständen schlendert (das sollte man nicht an Samstagen und Sonntagen tun, weil man sonst durchgeschoben wird), entdeckt man jedesmal wieder etwas Neues, ob kulinarisch oder kunsthandwerklich.

Der Striezelmarkt ist zwar der bekannteste Dresdner Weihnachtsmarkt, aber er ist nur einer von mindestens 9 Märkten, die man besuchen könnte. Der nächste den wir im Auge haben ist:

Der Loschwitzer Weihnachtsmarkt

Diesen Weihnachtsmarkt erreicht man vom Zentrum mit der Straßenbahnlinie 1 und mit der Buslinie 63 direkt nach einer der ersten strompfeilerfreien Stahlfachwerk-Brücken Europas, die deswegen auch liebevoll „Blaues Wunder“ genannt wurde, der Name ist ihr bis heute geblieben.

Im alten Loschwitzer Dorfkern findet der auch Elbhangfest Weihnachtsmarkt genannte Markt heuer bereits zum 26.Mal statt. In den ersten beiden Adventwochen lädt die anheimelnde Atmosphäre der kleinen Fachwerkhäuser und Hütten im Ludwig-Richter-Stil (dem ebenfalls berühmten Dresdner Romantikmaler) zum Bummeln vom Körnerplatz durch die Friedrich-Wieck-Straße ein. Viele Angebote aus dem Kunsthandwerk, wo man fast nicht nein sagen kann, viele Leckereien für den Gaumen und die im Lichterglanz erstrahlende Geschäfte und kleinen Höfe ergänzen das Flair auf dem Elbhangfest-Weihnachtsmarkt.

Den Posaunenchor und das A Capella- Adventskonzert konnten wir leider nicht hören, dafür haben wir wieder ein spezielles kulinarisches Schmankerl entdeckt. An einem Stand gab es georgisches Fladenbrot, Khachapuri genannt, gefüllt oder eher belegt mit einer Salsa aus roten Rüben (rote Bete) und einem Joghurt-Käse Dip. Auch dafür habe ich ein Rezept gefunden, die Salsa und der Dip kann nach eigenem Geschmack zubereitet werden.

Einen besonders schönen Blick auf den Loschwitzer Dorfkern mit dem Blauen Wunder hat man von der  nahegelegenen Schwebebahn, aber davon mehr im Artikel über die Dresdner Sehenswürdigkeiten.

Neumarkter Adventmarkt

Auch oder gerade weil der Neumarkt in Dresden mit der Frauenkirche im Hintergrund komplett neu aufgebaut und in vielen Teilen rekonstruiert wurde, gehört er sicher zu den schönsten Plätzen Deutschlands. Erst seit 2023 ist dieser Prozess abgeschlossen und die barocke Form vor dem 2.Weltkrieg wiederhergestellt.

Als „Dresden-Neuling“ ist es fast unvorstellbar, daß erst nach 50 Jahren Brache dieses Viertel praktisch von den Grundmauern neu errichtet wurde. Das Konzept des „Advent auf dem Neumarkt“ schließt daran an und soll zeigen, wie es zwischen 1830 und 1920 hier aussah. Die Bilder der Vedutenmaler ermöglichen das ziemlich authentisch. Ein bisschen dazu gibt es auch in meinem Blog zu Caspar David Friedrich:

Und so bemühen sich die Veranstalter, möglichst nur traditionelle, bodenständige Erzeugnisse mit hoher Qualität von kostümierten Handwerkern, Künstlern und Händlern anzubieten. Die Kulinarik darf natürlich auch nicht zu kurz kommen und dominiert aus unserer Sicht hier bereits den Markt. Trotzdem haben wir hier beim mehrfachen gemütlichen Durchschlendern zwar die Idylle genossen, aber nicht das Spezielle gefunden.

Der traditionelle Weihnachtsmarkt an der Frauenkirche

Zuallererst sticht die Glühweinpyramide am Eingang zur Münzgasse ins Auge. Dann laden auf dem Weg hinunter zur Brühlschen Terrasse Rostbratwurst, Maroni, Trdelnik Baumkuchen und  französischer Nougat zum Kosten ein und die Kunst aus dem Erzgebirge, Keramik und Plauener Spitze dürfen auch nicht fehlen. Die Frauenkirche im Hintergrund tut ihr übriges, um die Adventstimmung zu erhalten.

Wir haben es auch gleich genutzt, um mit einer Portion heißer Maroni in der Hand von der Brühlschen Terasse den Blick links auf die Augustus-Brücke, rechts auf die im September  2024 eingestürzte Carola-Brücke und über die Elbe zu genießen.

Der Augustusmarkt

Schon von Weitem sieht man die weiß-goldenen Pagoden, die an das Zeithainer Lustlager August des Starken von 1730 erinnern sollen. Auch der Goldene Reiter vor dem südlichen Eingang ist ein Abbild des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen und die Augustus-Brücke von der Altstadt herüber ist ebenfalls nach ihm benannt.

Daher trägt natürlich der hier veranstaltete Weihnachtsmarkt, der sich durch die ganze Allee über rund 500 Meter bis fast hinauf zum Albertplatz zieht, ebenfalls seinen Namen. Dieser zweitgrößte Dresdner Weihnachtsmarkt hat sich der Internationalität verschrieben, unter anderem ukrainische, philippinische, georgische, indische, tschechische und syrische Spezialitäten zeigen das. Die Striezel der Bäckerei Ottendorfer werden sogar noch mit dem Trabi ausgeliefert (oder doch nur beworben?)

Damit ist der Augustusmarkt vor allem ein weihnachtlicher Streetfoodmarkt mit internationalen Angeboten. Kettenflieger, Riesenrad und Kinderkarussell ergänzen das Programm und lassen dafür die Kinderherzen höher schlagen.

Der blau leuchtende Weihnachtsbaum und das überlebensgroße erzgebirgische Wärmespiel mit der Darstellung einer Weihnachtskrippe im Mittelteil sollen sächsische Tradition einerseits und Internationalität der Stadt Dresden andererseits zeigen.

Nicht nur die Kinder freuen sich über den 4 Meter hohen lila Teddy, der seit 2022 den Beginn des Marktes am anderen Ende markiert. Man glaubt es nicht, aber es gibt bereits eine Petition für und eine gegen den Bären und im letzten Jahr wurde ihm von Vandalen sogar der Kopf angerissen. Das wurde von Überwachungskameras gefilmt, es war aber niemand erkennbar. Trotzdem wurde daraufhin der Datenschutzbeauftragte der Stadt Dresden aktiv und schränkte die Kameraüberwachung stark ein.

Zur Eröffnung im November gibt es seit einigen Jahren sogar eine echte Goldene Reiterin, ob es dazu auch schon Petitionen gibt, konnte ich nicht herausfinden.

Die Goldene Reiterin Foto: Sylvio Dittrich

Der Stollenmarkt

Jeweils am 2.Adventsamstag findet am Eingang zum Neumarkt, direkt neben dem Kulturpalast in der Wilsdruffer Straße der Stollenmarkt statt. August der Starke ließ im Rahmen seines Zeithainer Lustlagers das erste Mal einen Riesenstollen für seine berühmten und weniger berühmten Gäste backen. An diese Tradition wollten die Dresdner nach der Wende anknüpfen, um alte Traditionen wieder zu beleben.

In Begleitung des Radeberger Spielmannszuges und aller Zünfte oder Berufsgruppen Dresdens wurde der riesige Christstollen zur Bühne gebracht und in kleine Stücke geschnitten und verkauft. Leider haben wir dieses Event fast verpasst und gerade noch den Auszug Richtung Neumarkt erwischt, daher gibt es keine Fotos des Riesenstollens.

Der Mittelaltermarkt im Stallhof

Wir sind keine Mittelalterfans und noch dazu ist das der einzige Weihnachtsmarkt in Dresden, bei dem Eintritt verlangt wird. Daher kann ich euch hier nichts dazu erzählen. Der Rahmen im Stallhof des Residenzschlosses, einem der wenigen original erhalten gebliebenen Turnierplätze der Welt, ist sicher perfekt geeignet für diese Art von Markt und er wird vom Publikum auch sehr gut angenommen.

Unsere Mitbringsel

Am Striezelmarkt kauft man natürlich einen Dresdner Stollen, den es in verschiedensten Arten gibt. Wir haben ihn (die Version mit Mandeln ohne Rosinen) schon aufgegessen, darum gibt es kein eigenes Foto davon. Von den Krippen für unsere Sammlung gibt es aber eines.

https://www.dresdnerstollen.com/de/dresdner-christstollen

Fazit

Wenn man Weihnachtsmärkte mag, ist man in Dresden mindestens genauso gut bedient wie in Wien, denn es gibt eine recht große Anzahl davon, die im Großen und Ganzen jeder für sich ihre eigene Atmosphäre haben. Die Veranstalter achten darauf, möglichst authentisch zu bleiben, so findet man zum Glück keine Marktschreier, die Gemüsehobel und ähnliches anbieten. Die Ausgestaltung der der Stände ist praktisch überall liebevoll und dem jeweiligen Marktthema entsprechend. Alles in allem auf jeden Fall zu empfehlen.

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Striezelmarkt
https://recherche.smb.museum/detail/2471606/dresdner-weihnachtsstern-mit-elektrischer-beleuchtung
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Stern
https://www.mdr.de/religion/herrnhuter-bruedergemeine-geschichte-100.html
https://elbhangfest.de/weihnachtsmarkt/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Richter
https://dresden-magazin.com/kultur/dresdner-neumarkt-interview/
https://www.dresden.de/de/stadtraum/zentrale-projekte/neumarkt/Quartier-VI-Das-Gruene-Gewandhaus.php
https://www.dresden.de/de/stadtraum/zentrale-projekte/Neumarkt.php
https://www.adventaufdemneumarkt.de/nachrichten-leser/advent-auf-dem-neumarkt-2024.html
https://www.dresden-christmas.de/weihnachtsmaerkte/weihnachtsmarkt-an-der-frauenkirche/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trdelnik
https://www.weihnachtsmarkt-dresden.de/
https://www.dresden-christmas.de/weihnachtsmaerkte/augustusmarkt-neustaedter-advent/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Zeithainer_Lustlager
https://augustusmarkt.de/de/news/artikel/lilly-baumann-ist-die-neue-goldene-reiterin.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Stollenfest
https://www.mittelalter-weihnacht.de/

Unsere Frühstückslokale

https://www.dresden1900.de/fruehstueck/

https://dresden.wilma-wunder.de/

https://www.max-dresden.de/max-altstadt/fruhstuck

Rezepte

https://zimtkeksundapfeltarte.com/rezept/dresdner-handbrot-weihnachtsmarkt-zu-hause
https://www.familienkost.de/rezept_quarkkeulchen_mit_kartoffeln_original_ddr_rezept.html
https://www.gusto.at/rezepte/khachapuri-11461373

Darf man Gauguin noch ansehen? – Gaugin unexpected im Kunstforum Wien

Neben der Albertina ist das Bank Austria Kunstforum Wien auf der Freyung auch ein regelmäßiger Fixpunkt für mich geworden.

Seltene Gauguin Retrospektive

Im Herbst und Winter 2024 steht das erste Mal seit 1960 eine große Retrospektive zum Werk Paul Gauguins in Wien auf dem Programm, ein Grund mehr, sich das anzusehen. Und weil ich nach meinem Albertina-Besuch noch Zeit hatte, nutzte ich diese wahrscheinlich nicht so rasch wiederkommende Gelegenheit.

Zu sehen sind Bilder von seinen Anfängen als Postimpressionist bis hin zu seiner Vorreiterrolle als einer der Väter der Moderne, wobei seine Weiterentwicklung vom Spätimpressionisten zum Symbolisten und Synthetisten im Mittelpunkt steht. Seine Bildsprache war ihrer Zeit weit voraus und wirkte so bis ins 20. Jahrhundert und noch bis heute.

Fragen

Aber- darf man einen Künstler, der mehrfach mit 13 jährigen Mädchen zusammenlebte und auch Kinder mit ihnen hatte, überhaupt heute noch ausstellen und ansehen? Ich will mir kein Urteil über das Leben Gauguins anmaßen, weil auch der Zusammenhang mit der damaligen Lebensweise in den Kolonien und der damaligen Gesetze (Codex Napoleon, nachdem Mädchen mit 12 Jahren geheiratet werden dürfen) nicht ausser Acht gelassen werden darf.

Aber es ist auf jeden Fall notwendig, nicht nur die Werke in seiner künstlerischen Kraft zu sehen, sondern aus dem Kontext heraus zu betrachten, was die Unterschiede zwischen damals und heute sind und genau so ob wir sogenannten westlich geprägten Menschen heute mit Menschen anderer Kulturen immer korrekt umgehen.

Der Versuch von Antworten

Das Kunstforum schreibt auf ihre Homepage zur Ausstellung: „Heute, unter den Aspekten von postkolonialistischem Diskurs und Sexismus- und Missbrauchs-Debatten, hinterfragen wir die Figur und die Haltung eines Künstlers, dessen formalästhetisch neues und aufregendes Werk uns weiterhin begeistert.“ Und weiter : „Heute müssen wir der Figur Gaugin vor dem Hintergrund unseres Verständnisses von Exotik, Kolonialismus, Missbrauch Minderjähriger und kultureller Aneignung begegnen.“

Auf einer Schautafel einer Ausstelllung in der National Gallery in London vor einigen Jahren hieß es ebenfalls sehr deutlich: „Zur Zeit Gauguins waren frauenfeindliche Fantasien über polynesische Frauen weit verbreitet … Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Gauguin seine privilegierte Stellung als westlicher Besucher ausnutzte, um die vorhandenen sexuellen Freiheiten bis aufs letzte auszuschöpfen.“

Unter dieser Prämisse bin ich dann auch durch die Ausstellung gegangen. Farbenprächtige Bilder die auf Tahiti Wirklichkeit, Wunschtraum und möglicherweise auch Angeberei zur Gewinnmaximierung ineinander verschmelzen, lassen uns aber nicht los.

Zwiespältiges Erlebnis

Ein ausgewanderter Banker in Geldnöten, der den Geist der Zeit als privilegierter Europäer sicher ausgenutzt hat, malt Bilder die in ihrer Intensität seinesgleichen suchen und heute noch genauso fesseln. Die Ausstellung lässt mich zwiespältig zurück.

Zur Klarstellung: Ich möchte aber auch keine Cancel Culture, in der Ausstellungen dieser Art nicht mehr möglich sind und mit falsch verstandener Political Correctness Zensur ausgeübt wird. Wichtig dabei ist aber die kritische Auseinandersetzung und die richtig dargestellte Einordnung in die aktuelle Denkweise.

Links

https://www.kunstforumwien.at/de/ausstellungen/500014/Gauguin-unexpected
https://www.derstandard.at/story/2000134936702/ein-mythos-ist-nicht-mehr-zu-retten-paul-gauguin-in
https://www.sueddeutsche.de/kultur/gauguin-portraits-in-london-auch-ich-in-ozeanien-1.4676755
https://wien.orf.at/stories/3275561/
https://www.monopol-magazin.de/die-verstoerende-seite-des-malerhelden

13: Besuch der Ramoji Filmcity und danach Heimreise

Heute ist der Tag der Heimreise, ich habe am Abend noch versucht, ob der Koffer eh zugeht. Das Zimmer muss ich erst nach 16 Uhr räumen, da kann ich vor dem Abflug nochmals duschen.

Wie immer gibt’s, als ich nach dem reservierten Auto frage, Diskussionen, ja in 5 Minuten, nein es dauert etwas länger, noch 10 Minuten, dann nach einer halben Stunde ist das Auto doch da. Ich frage mich, ob es einen Unterschied macht, wenn ich reservierte oder nicht, ich werde es nie erfahren.

Die Ramoji Filmcity liegt rund 40 km außerhalb von Hyderabad, wir verlassen auf einer Ausfallsstraße relativ rasch die eigentliche Stadt. Der Unterschied wird zuerst dadurch sichtbar, daß die Häuser niedriger werden. Am Straßenrand liegen große Rohre, sie sind Teil des neuen Trinkwasserprojekts von Hyderabad, das gerade im Laufen ist und die Stadt flächendeckend mit gutem trinkbarem Wasser versorgen soll.

Slums

Dann sehe ich das erste Mal Slums hier in Indien, Hütten im Lehmboden mit Wellblech oder Plastik gedeckt, irrsinnig viel Dreck und Gerümpel rundherum.  Hyderabad hat einen Slumanteil von ca. 18%, das Umland, das zu „Greater Hyderabad“ eingegliedert werden soll, bis zu 60%. Laut Zeitungsberichten gehört es daher auch zur neuen Strategie, durch die Vergrößerung und Verbesserung der Infrastruktur, diesen Anteil drastisch zu verringern.

Marmorverarbeitung am Straßenrand

Hier ist auch das Zentrum der Marmorverarbeitung, ein Betrieb reiht sich nach dem anderen, weißer und dunkler Marmor in großen Mengen überall. daneben größere offene Hütten, die den Marmorbildhauern als Wohn- und Werkstätte dienen. Mit vielen Hindu-Göttern in allen Größen, die zum Verkauf angeboten werden. Kann aber nicht wirklich ein gutes Geschäft sein, wenn man so leben muss.

Es geht weiter, nach einiger Zeit erscheint auf der rechten Seite der Eingangsbereich zur Filmcity. Mein Fahrer gibt mir seine Handynummer, er wartet, bis ich ihn wieder anrufe, um zurückzufahren.

Besichtigung von Bollywood

Ein Angestellter möchte mir unbedingt die große Führung um 750 Rp verkaufen, mir reicht aber die ganz normal Tour um 250 Rp. Beim Anstellen benehmen sich alle genauso wie im Straßenverkehr, jeder rennt einfach hin und kümmert sich absolut nicht darum, ob jemand vor ihm schon da war, das fällt mir später am Flughafen beim Einchecken wieder auf.

Ich werde nach der üblichen Leibesvisitation zu einem Bus geschickt. Der ist uralt und soll uns ins Zentrum der Filmstadt bringen. Hier ist neben dem Eingangsbereich nur Steppe. Nach 8 km Fahrt sind wir dort, es sieht nach einem Mittelding aus einem Hollywood und Indien aus. Die einzige Show, die ich mir angesehen habe, war eine Western-Stuntshow. Lustig, wenn Inder als Cowboys verkleidet sind. Die Inder sind davon begeistert, mich reißt es nicht vom Hocker.

Dann mache ich noch eine Rundfahrt mit einem der Busse, wir fahren durch die Kulissen diverser Bollywoodfilme. Meine Mitfahrer erkennen vieles davon wieder.

Beim Weitergehen werde ich immer wieder beobachtet  und dann von diversen Schülergruppen angesprochen, die unbedingt ein Foto mit mir machen wollen. Man ist ja als Europäer doch sehr exotisch!

Ich fahre dann wieder mit einem Bus zurück zum Ausgang und rufe meinen Fahrer an, damit er mich abholt. Kurz nach 15 Uhr sind wir wieder zurück im Hotel. Ich lasse meine Rechung machen und ersuche um ein Taxi. Ich habe aber meinen Fahrer für den ganzen Tag gebucht, wie es sich nach einiger Zeit herausstellt.

Kompliziertes Prozedere am Flughafen

Bei der Abfahrt sagt mir der Rezeptionist, daß ich den Fahrer direkt zahlen solle, er bekomme 1500 Rp. Super, ich hab aber nur mehr 1020, was machen wir so kurz bevor ich eigentlich am Flughafen sein sollte. Wir rufen nochmals im Hotel an, der erklärt dem Fahrer, wo er mich zu einem Bankomaten bringt und ich nach einigen Schwierigkeiten und mit der Hilfe eines hinter mir wartenden Inders dann 1000 Rp herausbekomme. So kann ich meinen Fahrer zahlen.

Am Flughafen Menschenmassen vor dem Gebäude, ich kämpfe mich durch. Nach einer Überprüfung stehe ich auf einmal direkt vor den Schaltern der Air Quatar. Ich stelle mich an, es dauert ewig (so kommt es mir zumindest vor), bis ich dran komme. Da sagt mir der Angestellte, ich habe um 7 kg zuviel, ich muss 5 kg nachzahlen, macht ungefähr 5600 Rp., etwas mehr als 100 Euro.  Ich weiß nicht wieso ich soviel mehr haben sollte, der Koffer muss schon beim Hinflug zu schwer gewesen sein. Super, schon wieder ein Geldproblem unter Zeitdruck, kann ich mit Amex zahlen? Ich werde zum Schalter am anderen Ende der Halle gelotst, dort akzeptiert man meine Karte aber nicht. Die Araber wollen nicht viel mit den Amis zu tun haben. Was mach ich jetzt? Da fällt mir ein, ich habe ja noch 100 Euro im Koffer. Ein Manager von Air Quatar hilft mir meine Koffer hinter dem Schalter zuerst zu finden und dann zu öffnen, ich hole meine 100 Euro auf dem Förderband kniened raus, wir schließen den Koffer. Wieder zurück, Geld wechseln und zahlen, mir bleiben dann genau 120 Rp über.

Dann ist alles problemlos, ich bekomme mein Ticket und stelle mich bei einer der Schlangen bei den Ausreiseschaltern an. Bin ich eh in der richtigen Schlange, so sicher ist das ja nie. Einer in der Schlange erklärt, dass das die Schlange für Quatar sei. Wieder ein Zettel für die Ausreise zum Ausfüllen, ich schreib die falsche Flugnummer drauf, es fällt nicht auf. Die Kontrollen scheinen sehr streng, sie sind aber meiner Meinung reine Automatismen. Nach der Röntgenkontrolle nochmals Leibesvisitation, dann in die nächste Schlange vor der Tür zum Flugzeug  (Gate kann man dazu eigentlich nicht sagen). Wieder Kontrolle des Boardingpass, ich glaube das ist jetzt zum 4.Mal. Ihr Handgepäck ist nicht abgestempelt! Wo hätte ich denn das machen lassen sollen????

Sie müssen wieder zurück zur Kontrolle! Na gut, ich reg mich heute über nichts mehr auf und gehe zurück. Bei der Damenkontrolle ist niemand und ich frage dort nach dem Stempel. Ich bekomme 2 Streifen abgestempelt und wickle diese um die Griffe, jetzt komme ich durch die Kontrolle. Über die Stiege hinunter, dort wartet der Bus. Und wieder eine Kontrolle, der Bordingpass wird wieder genau angesehen, hab gar  nicht gewusst, dass das ein so wichtiges Dokument ist. Ich hab aber keine Ahnung wie ich bis hierher ohne diesen Zettel gekommen wäre. Mir kommt das schon sehr nach Beschäftigungstherapie vor. Arbeitszeit kostet ja praktisch nichts.

Heimflug

Dann endlich im Bus, das Einsteigen zieht sich wieder, weil wir nur hinten einsteigen dürfen, um die Business Kunden nicht zu stören.

Dann sitze ich endlich drin, es geht wirklich Richtung Heimat. So sehr es mir gefallen hat, ich bin doch froh nach Hause zu kommen.

Zum Weiterlesen

14: My training in India

Links

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Ramoji_Film_City

https://konsument.at/markt-dienstleistung/grabsteine-aus-indien-ethik-report

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kinderarbeit_in_Indien#:~:text=Die%20indische%20Regierung%20erweiterte%202006,%2C%20Hotels%2C%20Spas%20und%20Kurh%C3%A4usern.

2 Söhne Dresdens feiern Geburtstag: Caspar David Friedrich und Erich Kästner

Caspar David Friedrich im Albertinum in Dresden

Zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich, der zwar nicht in Dresden, sondern in Greifswald geboren wurde, aber die meiste Zeit seines Lebens in dieser Stadt verbracht hatte, hat das Albertinum in Dresden eine große Ausstellung seiner Werke im Kontext mit den Bildern seiner zeitgenössischen Freunde und Weggefährten auf die Beine gestellt respektive an die Wände im Untergeschoss gehängt.

Das erste Mal hat mich dieser Künstler in den Bann gezogen, als ich 1974 als Briefmarken sammelnder Bub eine Marke der Deutschen Bundespost zum 200.Geburtstag von Caspar David Friedrich bekam, die das Gemälde „Mann und Frau den Mond betrachtend“ aus dem Jahr 1824 zeigt. Da sich dieses Bild in der Nationalgalerie in Berlin befindet, wird es in Dresden nicht gezeigt, daher stelle ich ihm ein etwas früheres, ähnliches Bild, nämlich „Zwei Männer bei der Betrachtung des Mondes“ von 1819/1820 gegenüber, das prominent in der Ausstellung gezeigt wird.

Das letzte Mal war dieses Zusammentreffen mit dem WALD Kalender 2024 der Österreichischen Bundesforste, wo in jedem Monat ein Bild eines anderen Künstlers aus Materialien aus dem Wald dargestellt wird.

Ich bin kein Kunstgeschichtler, sondern nur an schönen Bildern interessiert, daher ist möglicherweise meine Sicht nicht richtig, wissenschaftlich fundiert ist sie sicher nicht. Meine Kusine, die Kunstgeschichte studiert hat, mag mich eventuell korrigieren, aber mir ging es im direkten Vergleich in der Ausstellung wie jemandem, der eine interessante Dokumentation zu einem Thema gesehen und nachher einen fesselnden Roman zum gleichen Thema gelesen hat. Darum seht ihr hier unten auch nur Bilder C.D.Friedrichs.

Die meisten seiner Weggefährten und Zeitgenossen sind für mich Dokumentatoren, exakt bis zur Darstellung der letzen Haarspitze oder des kleinsten Astes eines Baumes. So definiert zum Beispiel der berühmte „Canaletto-Blick“ auf die Stadtsilhouette von der Hofkirche bis zur Brühlschen Terrasse fast fotorealistisch die Gestalt der Stadt Dresden bis heute. Leider haben wir es aus zeitlichen Gründen nicht geschafft, uns das ebenfalls anzusehen.

Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke von Bernardo Bellotto
(„Canaletto“) 1748 – Gemäldegalerie Alte Meister

Diese Technik der sogenannten Vedutenmalerei mit Hilfe einer Camera Obscura verwendete Caspar David Friedrich zwar auch, er malte aber sozusagen zusätzlich über das exakte Abbild eines Baumes oder Sonnenuntergangs noch seine Stimmungen und Gefühle dazu.

Dabei darf man aber nie seine Bezüge zur damaligen politischen Situation, der Bedeutung der Religion für ihn und der Liebe zu Dresden und ihrer Umgebung übersehen.

Beim Rundgang durch die Stadt entdeckt man auch andere Hinweise, wie zum Beispiel das Denkmal für den Maler Caspar David Friedrich auf der Brühlschen Terasse vor dem Albertinum. Es ist dem Gemälde Georg Friedrich Kerstings von 1811, „Caspar David Friedrich in seinem Atelier“ nachempfunden. Eine Gedenktafel an der Kreuzkirche erinnert an seine Hochzeit mit der um vieles jüngeren Caroline Bommer im Jahr 1818.

Die Ausstellung kann noch bis 6.Jänner 2025 im Albertinum in Dresden bewundert werden.

Erich Kästner im Haus für Literatur

Etwas im Schatten des großen Malers steht der in der Dresdener Neustadt geborene Erich Kästner, der heuer 125 Jahre alt geworden wäre und vor 50 Jahren, am 29. Juli 1974 starb.

Er kam 1899 in einer Mansardenwohnung in der Königsbrücker Straße 66 zur Welt. Nur wenige Schritte entfernt erlebte der Autor unvergessener Bücher wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“ oder „Fabian“ als Bub viele schöne Stunden.
Erich Kästner verbrachte als Bub viel Zeit am Albertplatz in der Villa seines Onkels Franz Augustin in der Antonstraße 1. Er beschrieb auch in seiner Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ (1957) wie er von der Gartenmauer des Hauses aus das bunte Treiben überblickte. Zur Kaiserzeit war ja der Albertplatz  einer der zentralen Dresdner Verkehrsknotenpunkte. Heute zeigt ein Bronzedenkmal den kleinen Erich genau so wie beschrieben auf der Mauer sitzend.

Die restaurierte Villa von Kästners Onkel beherbergt nach vielen Wirren seit fünfundzwanzig Jahren das Erich Kästner Museum. Das Konzept des sogenannten „micromuseums“ wird beim Eintritt ins Museum erklärt, als Besucher kann man in vielen kleinen bunten Schubladen mit Zeitungsartikeln, Briefen und Fotos stöbern, Filme ansehen und Tondokumente nachhören und so im wahrsten Sinn des Wortes Einblick in Erich Kästners Leben und Werk bekommen. Leider sind aus urheberrechtlichen Gründen Fotos dort nicht erlaubt, daher muß man das selbst gesehen, gehört und „begriffen“ haben.

https://www.sachsens-museen-entdecken.de/fileadmin/_processed_/c/d/csm_uid275_museumskern_vk_f370332bf9.jpg

Was mir besonders gefallen hat: Erich Kästner demonstrierte bereits 1961, 3 Tage nach meiner Geburt, in München gegen die Atomkraft

Auch im Kulturpalast, wo neben dem Konzertsaal auch eine tolle städtische Bibliothek untergebracht ist, wird nicht auf ihn vergessen. Diese Schaumstoffwürfel werden von manchen Besuchern als Fußstütze oder als Arbeitstischchen verwendet.

Was verbindet Caspar David Friedrich und Friedrich Gauermann? – Mein Spiel mit ChatGPT

Caspar David Friedrich und Friedrich Gauermann sind beide bedeutende Maler des 19. Jahrhunderts, die in der deutschen Kunstgeschichte eine wichtige Rolle spielen.
Caspar David Friedrich (1774-1840) gilt als einer der führenden Vertreter der Romantik. Seine Werke sind bekannt für ihre emotionale Tiefe, symbolische Landschaften und die Darstellung des Menschen in der Natur. Er verwendete oft Licht und Schatten, um Stimmungen zu erzeugen und die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu thematisieren.

Friedrich Gauermann (1807-1862) war ein österreichischer Maler, der ebenfalls in der Romantik tätig war. Er ist bekannt für seine realistischen Darstellungen von Landschaften und ländlichen Szenen, oft mit einem Fokus auf das Leben in der Natur. Gauermann schuf Werke, die sowohl romantische als auch realistische Elemente vereinen und oft die Beziehung zwischen Mensch und Landschaft thematisieren.

Die Verbindung zwischen Friedrich und Gauermann liegt also in ihrer Zugehörigkeit zur Romantik und ihrem Interesse an der Darstellung von Landschaften und der Beziehung des Menschen zur Natur. Während Friedrich eher mystische und symbolische Elemente in seinen Bildern betonte, legte Gauermann mehr Wert auf die realistische Darstellung des ländlichen Lebens. Beide Künstler trugen jedoch zur Entwicklung der romantischen Landschaftsmalerei bei und sind Teil des kulturellen Erbes dieser Epoche.

Diesen Vergleich habe ich mir nicht selbst erarbeitet, sondern die Frage an ChatGPT gerichtet. Gauermann habe ich als Vergleich deswegen genommen, da er in meiner näheren Heimat im südlichen Niederösterreich, in Miesenbach geboren wurde und dort auch einen großen Teil seines Lebens verbrachte.

Die obige Antwort wurde innerhalb von Sekunden 1:1 von einem KI Tool gegeben. Falsch ist sie aus meiner Sicht nicht, wird aber weder Gauermann noch Caspar David Friedrich vollständig gerecht, die beide auf ihre Art weit mehr als der typische Romantikmaler waren. Möglicherweise müsste ich die Frage noch exakter stellen, um ein wirklich gutes Ergebnis zu bekommen. Aber andererseits, je genauer ich die Frage stellen kann, desto weniger benötige ich eine KI zur Beantwortung, verifizieren muß ich ja trotzdem noch immer. Vielleicht sollte ich das nächste Mal die Quellen auch anfordern. Der Text selbst ist dafür grammatikalisch und orthographisch richtig, was ja heutzutage auch schon recht viel ist.

Aber für mich hier ist das ja nur ein kleines Spiel…

Ich spiele das Spiel weiter und stelle eine Landschaft von C.D.Friedrich einer Landschaft von F.Gauermann gegenüber – mir gefällt beides auf eine andere Art.

Links

Caspar David Friedrich
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Romantik
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vedute
https://albertinum.skd.museum/ueber-uns/
https://albertinum.skd.museum/ausstellungen/caspar-david-friedrich-wo-alles-begann/
https://www.mdr.de/kultur/ausstellungen/caspar-david-friedrich-merkmale-100.html
https://www.bundesforste.at/newsroom/stories-videos/detail/news/das-making-of-zum-wald-kalender-2024.html

https://www.neustadt-ticker.de/206629/alltag/vor-100-jahren/ein-besonderer-osterspaziergang-2024
https://www.kim-hotel.de/de/Canaletto-Blick-Dresden.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gauermann

Erich Kästner
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Als_ich_ein_kleiner_Junge_war
https://www.kaestnerhaus-literatur.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Werk_von_Erich_Kästner
https://www.sachsens-museen-entdecken.de/museum/275-erich-kaestner-museum

https://www.christophschumann.de/dresden-spurensuche-caspar-david-friedrich-erich-kaestner-2024/

Zum Weiterlesen

Caspar David Friedrich in New York

11: Gewürze, Gehälter, Grauer Himmel, Greater Hyderabad

Ich war schon meinen Anzug anprobieren, der wird ziemlich edel! Muss er aber auch, ich bin sicher in einem der teuersten Anzuggeschäfte hier.

Beim Heimgehen hab ich mir noch Socken bei einem Straßenhändler und vorm Hotel noch 6 kleine Bananen um 10 Rp (= ca 20 Cent) beim Bananenhändler gekauft, direkt von der Dolde herunter geschnitten.

Was ich auch einmal feststellen muss, ich habe nicht ein einziges Mal ein ungutes Gefühl gehabt, oder mich nicht wohl gefühlt. Nicht ein einziges Mal ist mir etwas gefährlich vorgekommen, auch nicht spät in der Nacht. Obwohl ich heute durch eine relativ dunkle enge Gasse gegangen bin, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass es irgendwie gefährlich sein könnte. Ungute Situationen sind nur mit den Bettlerinnen, da ich mich dabei einfach nicht wohl fühle wenn ich sie nicht beachte. Aber alle sagen mir, dass das die einzige Möglichkeit ist, damit zurechtzukommen

Ich habe mir vom Hotelboy Gewürze besorgen lassen, bin schon gespannt, was er mir morgen so alles bringt.

Das Essen heute im Blue Fox war wahrscheinlich das letzte Mal, weil wir morgen vielleicht etwas gemeinsam machen zu meinem Abschied. Leider ist der Eindruck etwas getrübt, weil mein Biryani mit Lamm (eine Spezialität von Hyderabad, eine Art Reisfleisch) leider mit vielen Knochensplittern versetzt war. Da hab ich, obwohl es sonst sehr gut und natürlich ziemlich scharf war, bei der Hälfte aufhören müssen, damit ich es nicht über den Tisch spucke.

In der Zeitung habe ich heute gelesen, dass man plant, ein „Greater Hyderabad“ durch eine Eingliederung von 12 Umlandgemeinden zu errichten. Diese Megacity soll 700 km2 groß werden und in Kürze die 10 Millionen Einwohnergrenze überschreiten. Natürlich gibt’s da auch Widerstände, aber ich bin sicher, man wird davon auch in Europa hören.

Strenge Sitten herrschen bei der Stadtverwaltung: Angestellte, die ein bestimmtes Formular nicht abgegeben haben, erhalten den Jännergehalt nicht ausbezahlt. So etwas sollte man bei uns einmal versuchen….

Die Luftverschmutzung durch Billigflieger ist hier zu einem Thema geworden. Sie hat in den letzten 6 Jahren um 600% zugenommen. Kein Wunder, gab es am Flughafen von Hyderabad im Jahr 2000 40 Flüge täglich so sind es heute 250 und es werden täglich mehr. Ich persönlich denke aber auch, dass der rasant zunehmende Autoverkehr auch so seinen Anteil hat. Vor einigen Tagen hab ich ein Foto in der Zeitung gesehen, das den Parkplatz vor dem Microsoft-Haus zeigt, er ist voll von Autos, kein Unterschied mehr zu Europa.  In der Stadt wird der Individualverkehr sicher noch weiter zunehmen, da helfen ehrgeizige Öffi-Projekte auch nicht.

Das Wirtschaftswachstum ist rasant, das Bauaufkommen gigantisch, ich denke dass die Stadt in 5 Jahren ganz anders aussehen wird. Die jungen Leute sind alle äußerst motiviert und dazu noch ziemlich gut ausgebildet. Aber, wie unser Kursleiter uns schon am Anfang erklärte, dass für viele die Motivation ist, eine SAP-Zertifizierung zu bekommen, um nach Übersee zu gehen und dort gut zu verdienen. (Nach dem oft plakatierten Slogan „I Want A Dollar Salary“)

Ich habe mich heute mit unserem Kursleiter unterhalten, der sicher zu den Spitzenverdienern gehört, mit seinen umgerechnet 1000 Euro im Monat als Freelancer.  Er meint, daß das Gehaltsniveau in nächster Zeit sicher stärker steigen wird, da die Leute ja auch wissen, was in Europa für die gleiche Leistung gezahlt wird.

Was mir zum Unterschied zu meinen beiden indischen Kollegen von Capgemini aufgefallen ist, dass hier alle sehr proaktiv sind und selbst etwas in die Hand nehmen können. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Nachdem ich mit meinem Manager Christoph besprochen habe, den 2. Teil meines Trainings möglichst in Mumbai zu machen, damit ich auch dort ins Capgemini Office kommen kann, bin ich gespannt, wie es dort sein wird.

Zum Weiterlesen

12: Letzter Kurstag, neuer Anzug und eine hinduistische Verlobungsfeier

Links

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Greater_Hyderabad_Municipal_Corporation

https://sigmaearth.com/de/hyderabad-is-the-most-polluted-city-in-south-india/

Rezepte

Hyderabad Lamm Biryani https://germanabendbrot.de/2023/04/28/kucha-gosht-ki-biryani-oder-lamm-biryani/

Joghurt Dip https://utopia.de/ratgeber/raita-ein-rezept-fuer-den-indischen-joghurtdip_191533/

Ein Nachmittag in der Albertina in Wien

Die Grafische Sammlung

Die Albertina war vor Klaus Albrecht Schröder eine altehrwürdige Sammlung von Druckgrafiken, die zum Großteil aus dem Besitz von Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen stammt. Das sicher berühmteste Bild daraus ist der sogenannte „Dürer-Hase“, den wahrscheinlich jedes Kind vom Zeichenblock kennt und der mich immer schon fasziniert hat. 2019 wurde er zum letzten Mal ausgestellt, ich habe ihn damals natürlich gesehen.

Die Sammlung Batliner

Eine weitere Anziehungskraft hat für mich die Sammlung Batliner, die seit 2007 als Dauerleihgabe Werke des Impressionismus und dem Postimpressionismus von Monet, Renoir und Cézanne bis zum Deutschen Expressionismus u.a. von Kokoschka und Böckl und als Draufgabe noch Bilder von Picasso zeigt. Ich sehe sie mir immer wieder einmal an, diesmal habe ich sie ausgelassen, weil mir sonst die Zeit für die anderen Ausstellungen gefehlt hätte.

Claude Monet | Blick auf Vétheuil | 1881 | Öl auf Leinwand | © Albertina, Wien. Sammlung Batliner

Chagall

Die finale Ausstellung von Klaus Albrecht Schröder nach 25 Jahren als Direktor der Albertina widmet sich dem Werk Marc Chagalls, der aus einer jüdisch-orthodoxen Arbeiterfamilie aus Witebsk stammt (damals im russischen Zarenreich, heute in Belarus), wo Chagall in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.

Die Bilder Chagalls zeigen die Umwälzungen in seinem Leben, von der Periode in Paris über die Zeit in der Heimat während der russischen Revolution und wieder in Paris, von wo er 1941 nach Amerika fliehen muss. Sie erzählen immer wieder auch Teile der Geschichte der osteuropäischen Juden, vom Leben im Schtedtl und seines eigenen damit untrennbar verbundenen seelischen Zustandes. Ab 1948 lebte Chagall in Südfrankreich und starb dort 1985 mit 97 Jahren.

Ich zeige euch hier nur ein paar Bilder aus den rund 100 ausgestellten Werken der verschiedensten Schaffensperioden, um Appetit auf die Ausstellung zu machen, die noch bis 9.Februar 2025 zu sehen ist.

Robert Longo

Die Präsentation der Bilder von Robert Longo (geboren 1953 in Brooklyn) genauso wie der von Gottfried Helnwein im letzten Jahr passen aus meiner Sicht ganz perfekt in die Tradition der Grafischen Sammlung Albertina.

Als ich im Untergeschoss ankomme, bin ich gleich vom ersten Werk überwältigt. Dieser Photorealismus in Schwarzweiß zieht nicht nur mich, sondern den Großteil der Menschen in der Ausstellung in ihren Bann. Auf den ersten Blick glaubt man ein Photo vor sich zu haben, auf den zweiten Blick denkt man an eine perfekte Kopie eines Photos und erst am dritten Blick erkennt man die Transformierung in eine überdimensionale Kohlezeichnung, wo das eigentliche Motiv des Bildes etwas ganz anderes ist als das auf den ersten Blick sichtbare.

„Die spannenden Licht- und Schatteneffekte der Zeichnungen betonen die Plastizität der Dinge und die Tiefe des Raumes. Sie lassen das Motiv ebenso real wie unwirklich erscheinen. Das satte Schwarz der in das Papier eingeriebenen Kohle verschlingt jegliches Licht.“ So beschreibt es der erklärende Text auf der Albertina-Homepage. Ich füge dem nichts mehr hinzu und lasse einige Bilder für sich sprechen, den Rest muss man gesehen haben und das geht noch bis 26.Jänner 2025.

Adrian Ghenie

Genauso ambivalent, wie ich vor den originalen Bildern Egon Schieles stehe, blicke ich in der Ausstellung im Erdgeschoß auf die Bilder von Adrian Ghenie.

Er beschäftigt sich mit Schieles verlorenen Werken, von denen es nur Schwarz-Weiß-Fotografien gibt. Adrian Ghenies eindringliche künstlerische Fähigkeit bringt diese verschollenen Kunstwerke in einer zumindest für mich eher verstörenden Art zurück. Die Figuren erinnern eher an Aliens, als an Menschen und versuchen so, die expressiven Empfindungen Schieles herauszuarbeiten.

Andrian Ghenie, 1977 in Rumänien Baia geboren und heute in Berlin lebend, erkundet Schieles expressive Empfindungen in seinem hier gezeigten Zyklus „Schattenbilder“ weniger in stilistischer Hinsicht, sondern in jener der inneren „Haltung“, wie der Künstler es ausdrückt.

Die eigenen Erkundungen der Ausstellung dazu sind noch bis 2.März 2025 möglich.

Links

http://www.albertina.at
https://www.news.at/menschen/abschied-klaus-albrecht-schroeder
https://www.derstandard.at/story/3000000246113/klaus-albrecht-schroeder-tritt-ab-den-hasen-kenn-ich-wirklich-zur-genuege
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Albertina_(Wien)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Marc_Chagall
https://www.albertina.at/ausstellungen/chagall/
https://www.albertina.at/ausstellungen/robert-longo/
https://www.albertina.at/ausstellungen/adrian-ghenie/

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Helnwein