Eigentlich wollten wir heute in Dubai sein

Sätze, die mit „Eigentlich“ beginnen, sind irgendwie verdächtig. Es war anders geplant, als es dann gekommen ist. In unserem Fall ist eigentlich nichts passiert. Wir können im sicheren Zuhause bleiben, auch wenn wir uns schon monatelang auf diesen Urlaub in Vietnam mit einer Zwischenlandung in Dubai gefreut hatten. Millionen anderer können das nicht.

Die Weltgeschichte in Form eines amerikanischen Präsidenten hat mit seinem epischen Zorn (Epic Fury) das Leben von Millionen Menschen durcheinander gewirbelt, unseres nur ganz wenig, aber das von anderen sehr kräftig. Ein unterdrücktes Volk hat Hoffnung auf Freiheit und Demokratie,  ein anderes Volk hat die Hoffnung, dass sie nicht mehr durch Raketen bedroht werden. Ein Präsident hat die Hoffnung, dass sein Land noch greater wird und dabei die eine oder andere Ölmilliarde für ihn oder sein Umfeld abfällt.

Eine Hoffnung des Präsidenten wird aber immer kleiner, nämlich die auf den Friedensnobelpreis. Aber im Zweifelsfall ist das auch nicht mehr wichtig, er kann ja eine Gegenorganisation zum Nobelpreis-Kommitee gründen, Supertrump-Kommitee wäre dafür sicher ein guter Name. Die würden dann jedes Jahr dem Vorsitzenden auf Lebeszeit die Supertrump-Statue übergeben. Und „The Logical Song“ ist die naheliegende Hymne. Dass diese von der Gruppe mit dem „a“ im Namen ist, stört dabei nicht.

Und die Hoffnungen auf eine friedlichere Welt, auf ein weiteres Anspringen der Konjunktur und mehr Zuversicht sind nach wenigen Tagen schon wieder vorbei. Ein Regimewechsel steht nicht mehr auf der Agenda, kein einziger Toter wird wieder lebendig, im Gegenteil, es werden wie beim letzten Angriff, alle, die nur die Möglichkeit gehabt hätten, irgendetwas an den amerikanischen oder israelischen Geheimdienst zu verraten, zum Tod verurteilt oder zumindest im Gefängnis landen. Und natürlich auch die, die dem zynischen Aufruf des amerikanischen Präsidenten gefolgt sind und bei Protesten mitgemacht haben. Für ihn sind das Kollateralschäden, wie auch die eigenen Soldaten. Seine Idee ist in der Zwischenzeit schon wieder ganz anders.

Und ob ein Schah von Trumps Gnaden mittel- und langfristig die Akzeptanz in der Bevölkerung finden und dabei nicht den Versuchungen der Korruption erliegt, ist auch alles andere als sicher. Wie er die Revolutionsgarden, wo ja viele auf persönliche Vorteile verzichten müssten, friedlich und ohne Bürgerkrieg auflösen könnte, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt. Auch die religiösen Führer werden sich nicht ohne weiteres zurückziehen und einen säkularen Staat zulassen.

Und ob dieses Machtvakuum nicht den Konflikt zwischen saudi-arabischen Sunniten und iranischen Schiiten wieder stärker aufflammen läßt, ist auch alles andere als sicher. Der Beschuss einer saudi-arabischen Raffinerie durch den Iran könnte da schon ein Vorbote sein.

Es bleibt nur noch die Hoffnung, dass niemand in der arabischen Welt und in Europa auf die Nadelstiche der iranischen Mullahs in Form von Drohnen und Raketen falsch reagiert und den vom iranischen Regime gewollten Flächenbrand auslöst, der nicht mehr zu kontrollieren ist.

Die weitere Hoffnung der in der Region gestrandeten Urlauber wird hoffentlich bald erfüllt, dass sie rasch nachhause kommen können. Ob die Hoffnung aller dort Lebeneden auf ein baldiges Ende der Beschüsse durch Drohen und Raketen berechtigt ist, muss sich auch erst weisen.

Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in dieser Region müssen sehr wahrscheinlich alle Beteiligten und besonders die ungewollt Betroffenen wieder auf lange Zeit begraben.

Den Menschen dort wäre es zu wünschen, dass sie die Chance bekommen, rasch wieder in ein Stück Normalität zurückzukehren.

Wir und wahrscheinlich viele andere in Europa auch haben die Chance bekommen, später wieder den ursprünglichen Urlaubsplan zu verwirklichen. Zynismus von uns Europäern den Menschen im Nahen und Mittleren Osten gegenüber, die wieder der Spielball verschiedenster Interessen sind, ist daher nicht angebracht.