7: Mumbai, 17.9.2007 – Eigentlich nichts besonderes

Ich wollte im September 2007 über diesen Tag meines Mumbai-Aufenthalts gar nichts schreiben, aber rückblickend betrachtet ist mein persönlicher Culture Clash, der einen Lernprozess bei mir einleitete, das wirkliche Thema in diesem Tagebucheintrag zu einem nicht besonders ereignisreichen Tag.

Eigentlich wollte ich heute gar nichts schreiben, aber jetzt gibt’s es doch einiges, das ich loswerden möchte.

Am Morgen war der Frühstücksraum überfüllt und kein Platz zu bekommen, nach 10 Minuten wurde dann endlich ein Tisch frei. Ich holte mir meine Cornflakes, auf einmal stellten 2 Inder ihre Teller wortlos her und setzten sich. Das ist so eines der Dinge, die anscheinend nicht nur über Skype nicht funktionieren, und das ist die Kommunikation mit anderen, die man nicht kennt. Es wird so getan, wie wenn die anderen nicht da wären, so nach dem Motto, ich nehme auf dich nicht Rücksicht, dafür musst du auf mich Acht geben. Das ist im Straßenverkehr so, der, der vorne ist, gibt den Ton an und die hinten können hupen, aber im Prinzip ist das egal. Oder wenn jemand durch eine Tür geht, wird die ausgelassen und kann zuknallen, egal ob jemand nachkommt.

Höflichkeit ist gegenüber Fremden nur geschäftlich, aber nicht alltäglicher Umgang. Niemand sagt in der Früh Guten Morgen, wenn er einen Raum betritt, begrüßt werden maximal Freunde. Das haben mir meine Kurskollegen erklärt und sie finden das eigentlich gar nicht so toll, sie bemühen sich jetzt sichtlich, einen etwas anderen Umgang zu pflegen. Damit wird mir die Kommunikationsweise meiner beiden Capgemini-Kollegen auch klarer, auch wenn sie mich weiterhin auf die Palme bringen wird.

Beim Überqueren der Straße bin ich im Prinzip ja geübt, aber heute wäre ich doch fast mit einem Pferd zusammengerannt, weil damit rechnet man ja als Europäer nicht wirklich. Kaum verschnauft und umgedreht, steht das zweite (eh mit Reiter) hinter mir. Zu den tierischen Erlebnissen gehört auch, dass ich gestern das erste Mal einen Hund gesehen habe, der am Motorroller mitgefahren ist!

Am Abend war ich beim McDonalds, davon gibt’s einige in Mumbai, einen schräg vom Hotel. Es war lecker indisch, aber wenn man nicht auf die Straße gesehen hätte, hätte es (fast) irgendwo auf der Welt sein können. Die Preise sind um einiges niedriger, aber für indische Verhältnisse doch gehoben, ein BicMac Menu kostet 120 Rupies, das ist etwas mehr als 1 Euro. Das Publikum ist richtig gemischt, aber doch eher die Oberschicht, aber es war genauso ein moslemischer Opa im Hawai-Hemd mit Tochter mit Kopftuch (sonst wäre ich nicht auf Moslems gekommen) und Enkeltochter in Jeans und T-Shirt dabei. Zwei tratschende Freundinnen, es sah so aus wie wenn es die gleichen Themen wie in Europa wären, versandten dazwischen SMS. Nur Türsteher in Uniform gibt’s in Europa beim Mäci nicht.

Als ich zum Zimmer gehe, wartet schon der Hotelboy, der für mein Zimmer zuständig ist. Er sagt, meine Wäsche sei fertig, ob er sie bringen könne. Natürlich, ich bin gespannt, wie alles aussieht. Ich habe heute in der Früh Hemden, T-Shirts, Hosen, Unterwäsche und Socken zum Waschen gegeben.

Jetzt ist alles retour, sauber und gebügelt und an jedem Stück, auch an jeder Socke, hängt ein Zettel mit der Zimmernummer.

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8: Mumbai, 22.9.2007 – Ganeshas werden in Chowpatty rituell versenkt, das macht hungrig

Heute, am 25.Februar, ist der Tag des Schachtelsatzes

Es ist ja Fasching, von den deutschen Freunden auch Karneval genannt, und da darf man Dinge wie den Tag des Schachtelsatzes, die schon allein deswegen, weil sie eine deutsche Erfindung sind, recht oft recht ernst genommen werden, mit einem zumindest österreichischen kleinen Augenzwinkern betrachten und muß sich dabei nicht politisch korrekt auf die Zunge beißen.

Grafik: Copyright bzbasel.ch / Hannes Nüsseler

Eigentlich, und ich bin schon mittendrin, denn eigentlich sollte man keinen Satz mit diesem Wort beginnen, wenn man aussagekräftig rüberkommen möchte, eigentlich gehen mir diese künstlich geschaffenen  Tage des … an allem vorbei, was ich habe, aber der Tag des Schachtelsatzes fordert mich schon vor dem Frühstück heraus, ihm auf den Grund zu gehen.

Der Schachtelsatz ist, so wie ich ihn verstehe, in sich verschränkt, damit die Klar- und Einfachkeit verschleiert wird, um das, was man aussagen möchte, nicht sofort jedem, der meint ihn durchschaut zu haben, preiszugeben und sich so den Nimbus von besonderer Intellektualität zu geben.

Die Juristen freuen sich, daß zumindest jemand sie versteht, weil der deutsche Cartoonist und Blogger Bastian Melnyk vor gut 10 Jahren die Idee zu diesem Feiertag gehabt haben soll, was aber nicht dazu geführt hat, sich zu hinterfragen  und den vielen Anstrengungen, Gesetze zu vereinfachen und für alle verständlich zu machen, nachzugehen und bleiben diese daher auch weiterhin beinahe ein Synonym für Schachtelsätze.

Kuriose Feiertage – 25. Februar © 2022 Sven Giese

Obwohl es nach Meinung vieler auch anders ginge, sind zum Beispiel Gebrauchsanweisungen noch immer schwer zu durchschauen, weil sie trotz KI vor Schachtel- und noch ärger, richtigen Bandwurmsätzen strotzen und das vielfach noch in grottenschlechter Übersetzung, was dazu führt, daß selbst die, die sie lesen wollen, das recht bald aufgeben.

Sogar die Wiener Zeitung, die ja mehr als 300 Jahre so etwas wie das gedruckte Gedächtnis und Gewissen Österreichs war, das man heute nicht mehr zu brauchen scheint, hat sich in mehreren Artikeln mit dem Phänomen des Schachtelsatzes auseinandergesetzt und wurde vielleicht auch deswegen in der Printversion eingestellt.

Vielleicht oder sogar sicher bin auch ich mit diesem Ansatz zumindest fast aus der Zeit gefallen, wenn ich im Zeitalter von Tiktok, X oder Instagram mit ihren Short Messages über etwas schreibe, das mehr als 20 Sekunden in Anspruch nimmt, und werde möglicherweise auch deshalb ebenfalls abgeschafft und im besten Fall noch archiviert.

Auch wenn mich Germanist:innen eventuell für meine Kreationen steinigen möchten, habe ich es heute trotzdem, genau am Tag des Schachtelsatzes, hoffentlich geschafft, zumindest einmal eine korrekte, der Definition einer solchen entsprechende, Hypotaxe so zu erstellen, daß allen klar ist, wie diese funktioniert, und die Intention dahinter auch zu verstehen.

Wenn nicht, hilft es auch nicht, weil ich gehe jetzt frühstücken.

Links

https://www.kuriose-feiertage.de/tag-der-schachtelsaetze/
https://tu-dresden.de/tu-dresden/newsportal/news/tag-des-schachtelsatzes-zwischen-eleganz-und-groteske
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kalenderblatt/tag-der-schachtelsaetze-100.html
https://www.seubert-pr.de/blog/2019/02/25/tag-der-schachtelsaetze/
https://www.bzbasel.ch/basel/das-wort-zum-tag-25-februar-im-irrgarten-des-satzgefueges-ld.2251982

https://www.cbs.de/blog/kommunikationsfaehigkeit-3-beispiele-die-sie-in-alltaeglichen-mails-vermeiden-sollten
https://www.tagblatt-wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr-kultur/1018705-Saetze-wie-Matrjoschki.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wiener_Zeitung

6: Mumbai, 16.9.2007 – Elefanteninsel, Shiva und Hotel-Luxus

Heute habe ich zum Zähneputzen das erste Mal Himalaja -Wasser verwendet, bin gespannt, wie sich das auswirkt! Dieses Wasser gibt’s in der Shoppingmall günstiger als die Flasche Wasser im Hotel – obwohl das bei einem Preis von 25 Rupies eigentlich egal ist.  Das Einzige, worüber man schon nachzudenken beginnt, ist dass wir zuhause das Wasser aus der Leitung trinken können und es gar nicht zu schätzen wissen.

Einer meiner Kurskollegen meinte, die Elefanten-Insel sei ein Tagesausflug, daher bin ich sofort nach dem Frühstück los. Der Taxifahrer wollte mir wieder eine Tour einreden, ist gar nicht so leicht die abzuwimmeln.

Die Boote fahren vom „Gateway to India“ ab. Das ist eine Art Bogen der 1924 nur für den Besuch des englischen Königs George V. im Hafen gebaut wurde und imposant aussieht. Direkt dahinter steht das Nobelhotel „Taj Mahal Palace & Tower“, links das historische Gebäude und rechts der Hochhausneubau.

Sofort nach der Ankunft werde ich von „Guides“ überfallen, die mir ihre Dienste anbieten oder den Führer zu weit überhöhten Preisen verkaufen wollen. Sie erklären, dass auf der Insel alles noch teurer ist (was laut Reiseführer nicht stimmt) und man so quasi ohne sie verloren sei. Ich schaffe es trotzdem,  sie alle abzuwimmeln und mein Ticket für das Boot zu bekommen. Es wartet schon, direkt unterhalb des „Gateway to India“. Kaltes Wasser in Flaschen gibt’s auch direkt vorm Einsteigen, das ist sicher notwendig. Nachdem ich gerade heute meine Kappe vergessen habe, lasse ich mich zum Kauf eines Hutes überreden, über den ich dann später noch recht froh bin.

Eine Unzahl von bunten Booten wartet darauf, die Touristen zur Insel zu bringen, auch wenn sie schon recht alt zu sein scheinen, sind sie auf den ersten Blick doch vertrauenserweckend. Der Ausflug zur Elefanteninsel scheint eher eine Sache der Upperclass zu sein, die Passagiere sind alle besser gekleidet und haben das Auftreten von Geschäftsleuten oder Ähnlichem. Zwei ältere Damen ganz in Weiß werden von einem Diener oder Butler begleitet, der sie während der Wartezeit vorm Boot mit einem Sonnenschirm schützt und dann auch beim Einsteigen behilflich ist. Ich muss mich morgen erkundigen, wer das sein könnte. Bei den jüngeren Leuten sieht man den Unterschied nur bei den Mädchen oder Frauen, die Männer sind fast alle gleich mit Hose und Hemd gekleidet und wirken zumindest auf mich eher schlampig, während ihre Partnerinnen tolle Saris und schönen Schmuck tragen. Manche sind aber auch ganz westlich in Jeans und T-Shirt bekleidet. Viele haben Henna-Malereien auf ihren Händen. Alle, von jung bis alt haben aber ein Piercing im linken Nasenflügel, wo man auch wieder die Unterschiede von der Modeschmuckblume bis zum Diamanten sieht.

Die Fahrt dauert rund eine Stunde und führt an vielen Supertankern und Schiffen für den Öltransport und an Raffinerien vorbei. Beim Aussteigen geht’s über ein bereits angelegtes Boot drüber und wir werden sofort wieder von Indern, die ihre Dienste anbieten und sich als Führer betätigen wollen, vereinnahmt. Man muss resolut auftreten, sonst hat man keine Ruhe. Um 10 Rupies gibt’s ein Ticket für den Minizug über die doch recht lange Mole wer weiß wie weit. Der erste Zug ist überfüllt, ich warte mit einigen Touristen auf den nächsten, das dauert gar nicht lange, nach gut 5 Minuten sitzen wir auch drin. Am Ende der Mole geht’s um eine Kurve und dann noch rund 100 Meter weiter bis zur Endstation, das wäre zu Fuß auch kein Problem gewesen.

Dort heißt es dann 10 Rupies Eintritt zu bezahlen, ich wundere mich noch, dass der Reiseführer einen Extraeintritt für Ausländer nennt, da ist keine Rede davon. Dann geht’s auch schon den Berg hinauf, wer möchte, kann sich von 4 Indern mit einer „Sänfte“, einem Holzsessel, der an 2 Stangen gebunden ist, hinauftragen lassen, kostet 300 Rupies hin/retour. Das kommt mir aber dann doch zu dekadent vor. Links und rechts sind wieder die Standeln mit den Glücksbringern und Andenken, ich schwindle mich durch, ohne zu viel zu schauen, ich mache das erst am Rückweg.  Eine eher dicke ältere Engländerin lässt sich hinauftragen, die 4 Träger sind mit ihrer Last unter dauernden „Away“-Rufen ziemlich rasch unterwegs, sie sind sicher froh, wenn sie ihre Last wieder los sind.  Hier sind auch die ersten Affen zu sehen, die auf einer Tafel als die eigentlichen Herren der Insel bezeichnet werden. Sie sind recht putzig und ein willkommenes Fotomotiv für alle Touristen. Die Hitze ist extrem, doch dann sind die Stufen endlich zu Ende und der Eingang zu den Kultstätten ist da. Hier stimmt’s dann, wieder Eintritt zahlen, 10 Rupies für Inder, 250 Rupies für Ausländer, die EU mit ihrer Gleichbehandlung ist da weit weg und der Reiseführer hat doch recht.

Ein paar Meter weiter ist der erste und größte Shiva-Tempel, eine Säulenhalle, die im 7. Jahrhundert nach Chr.  in den Felsen hinein gehauen wurde. Imposant sind die Götterstatuen an den Wänden, die zwar schon alle in eher schlechtem Zustand, aber trotzdem beeindruckend sind und zu den bedeutendsten Werken hinduistischer Bildhauerei überhaupt und so auch zum UNESCO-Kulturerbe gehören. Bei den älteren Indern sind das nicht nur antike Steine, sondern sie werden wirklich verehrt, sie ziehen die Schuhe aus, beten und singen auch und schmücken die Schreine mit Blumen.

Vorbei an weiteren Höhlentempeln und bunt blühenden Bäumen geht es den Hügel der Insel hinauf, dann ist der schöne breite Weg zu Ende.  Ein Wegweiser zeigt zum „Cannon Hill“, der von hier in ein paar Minuten erreichbar sein soll. Bin gespannt, warum der so heißt, aber nachdem auch hier Kriege geführt wurden, kann ich es mir denken. Der Weg führt wieder steil durch den Wald bergauf, ohne schützendes Blätterdach wäre die Hitze noch unerträglicher. Dann sehe ich neben dem Weg die erste Heilige Kuh in „freier Wildbahn“, nachher sehe und höre ich noch einige. Wie ich mir gedacht habe, gibt’s hier zwei riesige Kanonen mit Unterstand, der Ausblick hinunter aufs Meer ist aber noch viel interessanter.

Ich wandere einen flacheren Weg zurück, bis ich wieder beim Eintritt bin. Sitzen ist jetzt auch schon gut und ich kaufe mir bei einem Imbiss ein Cola und sehe den Affen zu, die hier ähnlich wie bei uns das Essen stibitzen, wenn sie können.

Auf dem Weg die Stufen hinunter muss ich natürlich auch einige Sachen kaufen, da kommt man nicht daran vorbei. Zuerst ist es ein kleiner aus Marmor geschnitzter Elefant, dann ein Bild von Ganesha, auf einen Blatt gemalt. Weiter unten wird’s dann nach langen Verhandlungen, die mir schon peinlich sind, noch ein aus Holz geschnitzter und 2 Zinn-Ganeschas. Und weil sie so schön bunt sind, kaufe ich dann auch noch einen aus Stein. Auch wenn das alles praktisch nichts kostet, ist es nun genug und ich mache mich auf den Weg zum Boot. – Bild Ganeshas

Die Affen sitzen fad am Rand herum, einem komme ich anscheinend zu nahe, er erschrickt und knurrt mich an.  Unterwegs kaufe ich noch einen frisch gegrillten Maiskolben, der mit Limettensaft eingestrichen wurde, das ist richtig lecker. Der Minizug steht nicht da, darum gehe ich den Retourweg zu Fuß, so weit ist das auch wieder nicht und das Warten ohne Unterstand in der Hitze wäre auch nicht lustig. Dann geht’s mit dem Boot wieder retour, der Anblick der „Gateway of India“ mit dem „Taj Mahal“ Hotel in der Hafeneinfahrt ist dann überwältigend.

Mein Mumbai-Reiseführer behauptet, dass man das Hotel besichtigen kann und ich probiere das natürlich aus. Der Anblick ist überwältigend, das Personal freundlich und ich mische mich gleich unter eine Gruppe von amerikanischen Touristen und ziehe mit ihnen durch die Gänge vorbei an den Geschäften mit allen Designern bis zur Poolbar und der Lobby als Verbindung zwischen altem und neuem Teil. Es ist wirklich wert, den Abstecher gemacht zu haben.

Kaum bin ich aus dem Hotel draußen, soll ich schon wieder Luftballons kaufen oder werde in ein Geschäft eingeladen, dabei bin ich nur auf der Suche nach einem ATM, ich habe mein Geld fast aufgebracht und kann mir sonst nichts mehr zu essen kaufen oder ins Hotel zurückfahren. Da werde ich das erste Mal von einer jungen, wirklich sehr hübschen Inderin angesprochen und sie fragt mich ob ich etwas brauche und ob sie mir helfen könne. Ich lehne dankend ab, sie will dann wissen von wo ich komme und schätzt mich nach ein paar Worten rasch als Deutsch sprechend ein, was sie mit einem Schwall von „Bittedanke-GutenTagGutenMorgen“ beweist.  Ich lehne trotzdem ab, da dreht sie den Spieß um und bittet mich um Hilfe, sie sei nicht das „Bad Girl“, für die ich sie halte und warum ich so böse sei.  Ich lehne trotzdem ab, da bleibt sie zurück, anscheinend weil ein Polizist weiter vorne auftaucht.

Bei der nächsten Kreuzung entdecke ich das Cafe Mondegar, das laut Reiseführer Kult ist. Da ist wirklich nicht zuviel versprochen, die Karikaturen eines Künstlers aus Goa und die Einrichtung sind wirklich cool. Das KingFisher-Bier ist kalt und der Chickenburger ist auch lecker. Im TV läuft gerade ein Kricket-Spiel, das ist der Nationalsport der Inder, darum ist auch der Tisch unter dem Fernseher frei!

Dann geht’s mit dem Taxi zurück ins Hotel, ich bin hundemüde und ich muss auch noch meine Unterlagen weiterlesen, wenn ich die Zertifizierung am Ende bestehen will.

Zum Weiterlesen

7: Mumbai, 17.9.2007 – Eigentlich nichts besonderes

Links

Elephanta (Insel) – Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/Cafe_Mondegar

https://en.wikipedia.org/wiki/Leopold_Cafe

Caspar David Friedrich in New York

Ausstellungsplakat: Copyright Metropolitan Museum of Art

Es soll ja Menschen geben, die nach einem Jahr Caspar David Friedrich rauf und runter in Deutschland noch nicht genug davon haben. Wenn sie dann auch noch trotz Trump in die USA fliegen mögen und sich über einen Österreich-Bezug freuen, ist für sie „The Soul of Nature“ („Die Seele der Natur“) im renommierten New Yorker Metropolitan Museum in Manhattan genau richtig.

Noch bis 11. Mai 2025 sind dort und 75 Werke dieses Landschaftsmalers der Romantik zu sehen, die ähnlich dem Konzept in Dresden, von ausgewählten Werken anderer zeitgenössischer Künstler begleitet werden.

Georg Friedrich Kersting, Caspar David Friedrich in seinem Atelier, um 1812, Öl/Lw, 53,5 × 41 cm (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Foto: Reinhold Wallner)

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den drei deutschen Spezialisten für diesen Künstler, der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Hamburger Kunsthalle und weiteren Leihgaben von anderen öffentlichen Institutionen und Privatsammlungen in Europa. Außerdem findet man, zum ersten Mal vereint und daher auch für Europäer besonders interessant, die einzigen 5 Bilder Caspar David Friedrichs, die sich in Museen in den USA befinden (im Metropolitan Museum of Art, im Kimbell Art Museum, im J. Paul Getty Museum, in der National Gallery of Art und im Saint Louis Art Museum).

Den Österreich-Bezug bin ich noch schuldig. Es gibt ja immer wieder Österreicher, die die Bedeutung der Kunst in die Welt hinaustragen. Max Hollein, gebürtiger Wiener und Sohn des auch in der Kunstwelt nicht ganz unbekannten Architekten Hans Hollein, gehört auf jeden Fall dazu. Er ist nach einigen Stationen in Deutschland und den USA seit August 2018 der 10. Direktor des Metropolitan Museum of Art seit Bestehen.

Ich werde nicht dort sein, aber den anderen Fans dieses Künstlers wollte ich diese Info trotzdem nicht vorenthalten, weil die Ausstellung in dieser Form einzigartig ist und wahrscheinlich auch einmalig bleiben wird.

Rückblick auf die Ausstellung in Dresden

Falls jemand neugierig ist und meinen Blog dazu nicht gelesen hat:

Weitere Links

https://www.metmuseum.org/de/press-releases/caspar-david-friedrich_german-2025-exhibitions


https://www.dw.com/de/caspar-david-friedrich-erobert-manhattan/a-71548230


https://stfndw.com/2018/kunst/max-hollein-portrait-direktor-metropolitain-museum/

5: Mumbai, 15.9.2007 – Mit Millionen anderen beim Ganesh-Festival

Heute habe ich mir vorgenommen, auch ein bisschen am Ganesh-Festival teilzunehmen. es beginnt genauso genommen heute – auch wenn schon in den letzten Tagen immer wieder Umzüge mit Ganesh-Statuen gemacht wurden – und dauert 10 Tage. Zusätzlich dazu hat auch noch der moslemische Fastenmonat Ramadan begonnen.

Mein indischer Kollege Swapnil hat mir geraten, zu Lalbaugh Cha Raja zu gehen. Der Taxifahrer möchte mir unbedingt eine Tour einreden, die sicher interessant ist, doch ich habe irgendwie das Gefühl, er will mich linken und ich sage ab, auch weil ich ja bei den Ganesh Festivitäten dabei sein will. Dafür knöpft er mir 150 Rupien für die Fahrt ab, ein Drittel wäre wahrscheinlich der richtige Tarif gewesen. Warum komme ich mir bei Moslems hier immer übers Ohr gehauen vor?

Ich stürze mich ins Geschehen und lasse mich von der Menschenmenge treiben, da taucht schon der erste „Tempeleingang“, der nur fürs Festival errichtet wurde, auf. Ich gehe durch und mache mich auf die Suche nach Ganesh. Am Ende der Gasse ist dann der Tempel und eine lange Menschenschlange steht schon davor. Einige Inder laden mich ein von hinten bis zur Statue zu gehen, aber die Gottheit ist noch hinter einem Vorhang verhüllt und man erklärt mir, dass er erst in einer Stunde weggezogen wird. Das ist mir dann doch zu lange und ich gehe wieder raus. Bei einem der vielen Shops kaufe ich dann auch ein paar Ganesh Souvenirs für zuhause. Auf der Straße gehe ich wieder mit der Masse mit und biege dann in eine Seitengasse ein und gehe zur dahinter liegenden Straße. Überall wird Gemüse und Obst verkauft, es ist eine unbeschreibliche Farbenpracht. Der Trommellärm und das Pfeifen sind ohrenbetäubend und übertönen sogar das Hupen und den Verkehrslärm.

Lastwagen mit trommelnden und singenden jungen Leuten fahren vorbei, sie winken und freuen sich, dass ich sie grüße und fotografiere. Überhaupt geht trotz der Menschenmassen alles sehr gesittet zu. Die Polizei ist sehr präsent und ein starker Ordnerdienst ist auch eingerichtet. Ich gehe weiter durch die Marktstände entlang der Straße und sehe auch, woher die Hühner kommen, an einem Stand wird gerade ein großer Behälter mit Hühnerleber gefüllt.  Da weiß ich, daß ich das sicher nicht esse, obwohl sie auf vielen Speisekarten zu finden ist.

Noch ein viel imposanterer Tempeleingang, aber man kann da nicht hinein, die Menge wird umgeleitet und ich schwindle mich ein paar Meter weiter in die Schlange. Ich denke ich habe mir viel erspart, aber als um die Ecke biegen ist dort eine Halle mindesten 50×30 Meter, in der wir wie in Disneyland in Schlangenlinien bis zum Securitycheck geleitet werden. Dies Überprüfung gibt es hier praktisch überall, wo mehr Menschen sind, wie zum Beispiel bei allen Shopping Malls. Kurz vorm Check wird Wasser in Metallbechern verteilt, meiner Verdauung zuliebe verzichte ich aber darauf.

Ich freue mich, daß wir jetzt gleich beim Elefantengott sind, aber leider ist da noch eine Gasse mit mehr als 100 Metern, wo sich 2 Menschenschlangen langsam dahinbewegen. Links und rechts wieder die Andenkenshops, endlich auch einer der Getränke verkauft. Ein lauwarmes Sprite hilft mir den Hitzestau und meine Trockenheit zu bekämpfen. Dann bin ich endlich auch vorne beim Tempel und es geht alles ziemlich schnell, die Menschenmenge drängt vorbei, ich kann gerade einige Fotos machen und bin schon wieder draußen. Mindestens 3 Fernsehkameras sind aufgebaut und in den Seitengassen stehen die Übertragungswagen mit ihren Satellitenantennen. 

Auf der Straße geht’s mit unvermindertem Lärm weiter, ich komme raus aus dem Treiben und gehe ein paar Meter weiter, da fängt es zu tröpfeln an. Ich gehe zum nächstbesten Taxi und steige ein, da schüttet es auch schon. Das Fahrzeug hat keine Scheibenwischer und der Fahrer versucht die rutschende Kupplung mit noch mehr Schalten zu überlisten. Er schafft es aber dann trotzdem bis zum Hotel.

Ich dusche den Schweiß und Staub hinunter und werfe mich aufs Bett, schlafe sofort ein und wache erst nach mehr als einer Stunde wieder auf. Ich werde jetzt meine Bücher hernehmen und wiederholen, zum Sightseeing bin ich ja nicht hierher gekommen. 3 Stunden intensive Wiederholung machen mich einerseits sicherer, andererseits habe ich das Gefühl, überhaupt nichts mehr zu wissen. Es ist schon lang her, in dieser Form gelernt zu haben und ich fühle mich irgendwie in meine Schulzeit zurückversetzt.

Ich fülle in der Shoppingmall meine Getränkevorräte auf und lasse mir dann an der Rezeption erklären, wie ich nach Chowpatty Beach komme. Sie schlagen mir vor, mit dem Bus zu fahren, da der um diese Zeit schneller als das Taxi sei. Also fahre ich das erste Mal mit dem Bus, diese sind gar nicht so schlecht, und überfüllt ist er auch nicht. Bei der Endstation erklärt mir der Schaffner noch, wie ich weitergehen soll, um an die Bucht zu kommen. Der Ausblick ist imposant, auch in der Dunkelheit sieht man über die kleine Bucht im Arabischen Meer mit den Hochhäusern und den Leuchtreklamen obendrauf im Hintergrund. Es sind noch viele Menschen hier, sie liegen im Sand oder spazieren am Wasser entlang. Ich gehe zwar auch durch den überraschend sauberen Sand, aber gar so nahe muss ich nicht hin und keine 10 Pferde würden mich da hineinbringen. Dabei erinnere ich mich, dass ich noch vor 2 Wochen in Piräus am Hafen war.

Dann mache ich mich auf der Suche nach einem Restaurant, was aber gar nicht so einfach ist. Ich marschiere einige Straßen entlang und treffe wieder einmal auf einen Ochsenkarren, die man hier immer noch manchmal sieht. Es sind auch, so scheint es zumindest, alle männlichen Moslems auf der Straße. Sie schlendern in ihren weißen Gewändern herum oder sitzen in den Kaffeehäusern, es ist ja schon dunkel, sie dürfen jetzt essen und trinken. Endlich, am Eingang zu einer Marktgasse sehe ich ein Restaurant, das mir vertrauenserweckend vorkommt. Das Chicken Korma schmeckt dann auch lecker. Anschließend gehe ich noch durch die Marktgasse und lasse die Gerüche von Obst, Gemüse und Kräutern auf mich wirken. Zurück würde ich mit dem Bus nicht finden, daher nehme ich mir dann doch ein Taxi.

Rezept

https://www.lecker.de/cremiges-chicken-korma-wie-vom-inder-129881.html

Zum Weiterlesen

6: Mumbai, 16.9.2007 – Elefanteninsel, Shiva und Hotel-Luxus

Die Vierteltelefon-App

Ich bin derzeit aus familiären Gründen mit der näheren Geschichte beschäftigt und dabei auf ein für jüngere Generationen unverständliches Gerät gestoßen: das Vierteltelefon. Für die Generation Y und jünger unter meinen Lesenden: Es wurde dabei nicht das Handy in vier Teile geteilt, da es das bis Anfang der 1990er praktisch noch nicht gab.

Beim Vierteltelefon im Festnetz teilten sich bis in die späten 1980er Jahre vier Benutzer nur eine Kupfer-Leitung. Nur wenn keiner der anderen drei telefonierte, konnte der oder die Vierte jemanden anrufen oder angerufen werden. Da hieß es geduldig sein beim Warten, meistens wusste man ja gar nicht, wer die anderen drei waren. Umgekehrt war klar, daß man sich kurz halten sollte, damit die anderen auch die Chance zum Telefonieren hatte. Um ein Klischee zu bedienen, wer als Vierteltelefon-Partner eine Familie mit einem jungen Mädchen hatte, war arm dran.

Im Vergleich zu heute war das natürlich einerseits deutlich entschleunigt, andererseits war die Warterei nervaufreibend. Klar und damals selbstverständlich war aber auf jeden Fall, daß niemand rund um die Uhr erreichbar und verfügbar war.

Und als der Kabarettist Klaus Eckel in einem Interview in Radio NÖ (für die Generation Z und jünger: Ja, es gibt noch immer Menschen, die sich über UKW eine Stunde lang ein Interview genau dann anhören wenn es gesendet wird, und nicht streamen oder als Podcast konsumieren) genau darüber philosophierte, wie entschleunigt das Vierteltelefon damals war, hatte ich eine Idee, wie wir selbst, unsere Kinder und Enkelkinder dieses Gefühl zurückbekommen könnten.

Für einen IT-Menschen, wenn auch in Pension, kann das ja nur mittels einer digitalen Lösung sein. Es gibt zum Beispiel ja schon Apps, die den Commodore 64, der ebenfalls in den 1980ern in vielen Haushalten als erster Homecomputer in Verwendung war, auf dem aktuellen PC oder Tablett simuliert wird. Ähnliches soll auch eine Vierteltelefon-App können.

Natürlich beschreibe ich das mit meinem Projektmanager-Hintergrund in einer agilen User-Story. Vielleicht können wir gemeinsam in 5 einwöchigen Sprints diese App weiterentwickeln. Für Nicht-IT-Menschen: ein Sprint ist ein Zeitraum zur Sammlung von Vorschlägen und Ideen, die dann eingearbeitet werden.

User Story: Die Vierteltelefon-App

1. Als Großvater (=Product Owner) ist mit wichtig, der Enkelkinder-Generation zu vermitteln, daß das Handy nicht immer und automatisch zur Verfügung stehen muss.
2. Eine App soll die Situation in meiner Jugend simulieren.
3. Die Vierteltelefon-App soll die Handys im Familienverbund so schalten, dass es wie ein Festnetz-Vierteltelefon reagiert
4. Ein Zufallsgenerator (oder doch eine KI) soll bei Verwendung des Handys entscheiden, ob das Handy funktioniert oder nicht. Da wir im Jahr 2025 sind, betrifft das nicht nur die Sprachfunktion, sondern alle installierten Apps.
5. Weiters soll die Blockade durch einen der anderen Teilnehmer zwischen 5 und 30 Minuten dauern. Die Sperre muss Passwort-geschützt sein und darf nicht zu einfach zu lösen sein.
6. Auch die Eltern sollen diese App auf ihren Handys installieren, die Umgehung auf ihrem Handy verkürzt die Wartezeit aller anderen im Familienverbund eingetragenen User um 30%. Die Wartezeit zu überschreiten, verlängert die Wartezeit der Anderen um den gleichen Prozentsatz.
7. Ziel der App soll es sein, die Handyverwendung aller im Familienverbund Eingetragenen spielerisch zu reduzieren.

Akzeptanzkriterien

1. Bonuspunkte je Teilnehmer kommen allen für gemeinsame Aktivitäten zugute
2. Das Verständnis für eine Handy- und Tablett-freie Zeit soll so gestärkt werden
3. Die Familie soll wieder gemeinsame Aktivitäten ohne elektronische Medien haben

Fazit

Die Kommentarfunktion unten wartet auf euren Input, den ich am Ende jedes Sprints zusammenfassen und veröffentlichen werde. Ich freue mich auf viele Ideen!

Vielleicht können das dann meine ehemaligen Entwickler-Kolleginnen und Kollegen bei Capgemini in einem kleinen Trainingsprojekt umsetzen?

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Generation_Y
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Generation_Z
https://www.fernsprecher.at/lexikon/#:~:text=Bei%20einem%20Viertelanschluss%20wurden%20an,l%C3%A4ndlichen%20Gegenden%20besser%20ausgenutzt%20werden
https://www.heise.de/news/30-Jahre-Mobilfunk-in-oesterreich-98121.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Commodore_64
https://www.klauseckel.at/

4: Mumbai, 14.9.2007 – Ganesha und Victoria

Die letzten Tage bestanden nur aus Kurs, dann schnell zum Internetpoint, die letzten Mails senden und empfangen und ein Chat mit Evi, damit sie nicht so einsam ist. Sie ist seit mittwochabends in der Schweiz, daher kein Chat übers Wochenende. Ich habe dafür mit meiner holländischen Managerin Dieske gesprochen, die wissen wollte wie’s mir so geht und wie es meinem Agfa-Projektkollegen Swapnil mit den Demerger-Änderungen für Griechenland geht. Ich habe nachher Swapnil vorgeschlagen, dass er mich im Hotel anrufen soll, das ist einfacher als ein Chat im Internetpoint. Ich bin aber komischerweise nur am Badezimmertelefon erreichbar. Hat aber dann trotzdem funktioniert mit Laptop am Bett und die Telefonschnur in die Länge gezogen. Wir werden uns nächsten Samstag im Capgemini-Office hier in Mumbai treffen und ein paar Stunden gemeinsam arbeiten und uns auch kennen lernen.

Heute ist unser Trainer nicht erschienen, so haben wir halt ganzen Tag geübt, das war auch ganz gut so. Ich habe dann noch meine Agfa-Arbeiten erledigt und schon um 17:30 Schluss gemacht. Nachdem mir Manuel vorgeschlagen hat, aufs Dach des Hotels zu gehen, musste ich das natürlich gleich machen und den Ausblick über Central Mumbai mit der Kamera festhalten. Auch von hier ist es umwerfend und für europäische Augen schwer nachzuvollziehen.

Ich will noch rasch einen Orangensaft trinken, stoße aber das Glas mit der Wasserflasche um, Gott sei dank bin ich im Badezimmer. Ich rufe den Zimmerservice, der auch rasch kommt und alles – so denke ich – ordentlich reinigt.  Er verwendet dazu eine ganz klare Chemikalie, die er aus einer gewöhnlichen Wasserflasche spritzt, ist ja total verwechslungssicher! Oder war es doch nur Wasser?

Dann beschließe ich, noch mit dem Taxi zum Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (ehemals Victoria Station) zu fahren, das ist ein riesiger alter Bahnhof im Kolonialstil. Der Verkehr ist extrem, eben Freitagabend Rush Hour, Dann kommt ein Stück Stadtautobahn mit ganz wenig Verkehr und der Fahrer glaubt, wieder einmal ein Rennen gewinnen zu müssen. Wir kommen aber dann doch heil an. Der Anblick ist toll in der untergehenden Sonne, ich muss natürlich auch sofort in die kleine davor liegende Parkanlage hinein und ein paar Fotos schießen.

Die Securities sind davon nicht sehr begeistert und erklären mir sehr höflich gestikulierend, dass ich hinausgehen sollte. Meine Fotos habe ich eh in der Zwischenzeit, eines noch schnell gemacht, dann gehe ich in die Bahnhofshalle. Alles ist im Kolonialstil, aber mit digitalen Uhren über jedem Gleis und die Züge sind typisch indisch überfüllt. Frauen in bunten Saris, Männer mit Laptoptaschen, Muslims in ihren weißen Gewändern, alle hängen bei den offenen Türen heraus und halten sich nur an einer Hand fest, genau so, wie man sich einen indischen Zug vorstellt. Dabei gibt es laut Reiseführer über 2000 Zugverbindungen nur in Mumbai!

Ich beschließe, noch die Umgebung zu erkunden, da hier auch ein Markt ist, aber ich gehe rasch mit ernstem Blick durch, so werde ich nicht gefragt und belästigt. Auf einmal sehe ich Lichtergirlanden ein paar Strassen entfernt. Als ich näher komme, entpuppt sich das als Tempel, der schon für das morgige Ganesh Chaturthi aufgebaut ist, ein gigantischer Aufwand. Ich bin schon richtig gespannt auf den morgigen Tag!

Dann suche ich mir wieder ein Taxi für die Rückfahrt. Der Fahrer will 100 Rupies wegen des Verkehrs und weil es schon dunkel ist und anscheinend überhaupt. Ich diskutiere gar nicht drüber und steige ein. Am Ende der Stadtautobahn bremst er abrupt ab, schlägt einen Haken und biegt in eine schmale Seitengasse ein, in die sich normalerweise keine Autos verirren dürften, die Leute weichen nur sehr unwillig aus, ich sehe so richtig in ihren Gesichtern stehen: „Was will der verrückte Europäer hier?“ Ganz wohl fühle ich mich – das erste Mal in Indien – dabei aber auch nicht und versuche aus dem Fahrer herauszubekommen, ob ihm klar ist, dass er mich zum Hotel Sahil bringen soll. Er murmelt etwas Unverständliches und mir wird noch mulmiger. Aber nach 2 Ecken sind wir bei einer Kreuzung, die ich von der Hinfahrt kenne und ganz nah beim Hotel ist – er hat eine Abkürzung genommen und sicher eine Viertelstunde erspart. Die Zeitersparnis und Spannung sind wirklich 100 Rupies wert!

Ich gehe noch rasch in die Shopping Mall, um einen indischen Snack zu essen und dann zurück ins Zimmer. Im Badezimmer haben in der Zwischenzeit hunderte Miniameisen die Überreste des Orangensafts entdeckt. Ich rufe wieder den Zimmerservice, der nun mit 2 Mann und stärkeren Chemikalien und mehr Tüchern anrückt. Nach 10 Minuten ist – hoffentlich – alles beseitigt.

Auf einmal ein Lärm (weit mehr als normal) und Getrommel draußen, es zieht anscheinend wieder ein Ganesh-Umzug vorbei. Ich schnappe meinen Fotoapparat und laufe schnell hinunter und erreiche den Zug sogar noch vor dem Hotel. Die mitziehenden Männer sind alle gut drauf und freuen sich, dass ich sie fotografiere.

Das reicht für heute, habe gerade noch ein paar von meinen „Haustieren“ gemordet und meinen Deospray als Vertilger benützt, ich will jetzt den Zimmerservice wirklich nicht mehr kommen lassen, es ist immerhin Mitternacht. Morgen müssen sie aber nochmals gründlich reinigen!

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5: Mumbai, 15.9.2007 – Mit Millionen anderen beim Ganesh-Festival

3: Mumbai, 11.9.2007 – Der Kurs geht weiter

Ich war natürlich wieder zu früh beim Kursgebäude und habe daher die Umgebung erkunden müssen. Die Welt, Indien, und Mumbai im Besonderen sind gerettet, in der angeschlossenen Shopping Mall gibt’s einen Marcs & Spencer, einen McDonalds und einen Subway, jetzt kann nichts mehr passieren!

Nach dem gestrigen etwas ruhigeren Beginn gab es heute gleich eine Wiederholung im Stil der Zertifizierungsfragen. Das ist gut und auch ernüchternd für alle. Wir wissen viel, aber alles ungenau. da gibt’s noch einiges aufzuarbeiten! Dann ging es los mit dem 3.Buch und dem Shipping Prozess mit allen Fein- und Gemeinheiten. Ich fühl mich zwar ganz wohl, aber muss mich ordentlich hineinknien. Die nächsten späten Abende gehören neben der Arbeit für mein Projekt für mein Agfa-Projekt dem wiederholten Auf- und Durcharbeiten der ersten beiden Bücher.

Heute ist schon ein Taxi vorm Haus gestanden, der mich dann Richtung Hotel Sahil, sprich zuerst ins Internetcafe bringen sollte, das gegenüber des großen Bahnhofs Mumbai Central liegt. Das war aber gar nicht so einfach, auf einmal sind wir 10 Minuten mit abgeschaltetem Motor an einer Kreuzung gestanden, weil einfach nach allen Richtungen gar nichts mehr ging. Das obligate Müllauto haben wir Gott sei Dank kurz vorher noch überholt!

An das Betteln kann ich mich nicht gewöhnen, obwohl ich am Gehsteig wie die Inder ohne einen Blick zur Seite zu machen vorbei gehe. Heute hat aber ein kleines Mädchen mit riesengroßen Augen beim Autofenster herein gegriffen und etwas geflüstert. Ich hätte sie am liebsten mitgenommen! Das Problem ist nur, wenn ich ihr etwas gegeben hätte, wären innerhalb von Sekunden 10 Kinder da gewesen!

Im Hotel hat mir dann der Manager seine Abrechnung erklärt, daher war sein Preis für die Nachverrechnung des ersten Halbtages ok. Ich habe ihm aber erklärt, dass das Preis-Leitungsverhältnis hier nicht stimmt, obwohl das Zimmer und auch das Frühstücksbuffett in Ordnung ist. Er erklärte mir aber die Situation mit viel zu wenig Hotelbetten in Mumbai, was die Preise natürlich in die Höhe treibt.

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4: Mumbai, 14.9.2007 – Ganesha und Victoria

2: Mumbai, 10.9.2007 – Der erste Kurstag

Heute war der erste Kurstag. Ich dachte mir, ich komme früh genug, damit ich mich anmelden kann und bin bereits vor 8:30 dort gewesen, aber vor 9 Uhr wird da nicht aufgesperrt. Das hat sogar einen Kurskollegen (er macht MM) aus Nigeria gewundert. Mich wundert dafür, dass sich ein Afrikaner über die Hitze in Mumbai beklagen kann!

Kennenlernen und los geht’s – auch in Mumbai

Um 9:30 ist dann endlich der Manager da, er hat mich äußerst freundlich und zuvorkommend begrüßt und mir jede Unterstützung zugesagt. In der Zwischenzeit wurde mein PC aufgesetzt, dann konnte ich auf meinen Platz, alle anderen warteten schon, und haben mich wirklich nett aufgenommen und mich natürlich gleich ausgefragt, von wo ich komme und warum ich den Kurs eigentlich da mache. Ich habe alles genau erklärt, in der Zwischenzeit ist auch der Vortragende eingetroffen und hat mir auch seine Unterstützung zugesagt. Da war ich aber schon ziemlich demoralisiert, ich dachte, ich kann das Tempo sicher nicht mithalten. Dann hat er aber begonnen, die nächsten Kapitel vorzutragen, dabei wurde mir wieder leichter, es ging um Einschluss- und Auschlußlisten für Material und um den Naturalrabatt, da ist vieles wieder aufgetaucht. Ich habe dann dazwischen wieder alles mögliche nachgeblättert und wiederholt und bei der Mitarbeit immer mehr festgestellt, dass ich gar nicht so weit von den anderen weg bin. Die kommen übrigens alle, bis auf meinen Tischnachbarn, der heute krank ist, aus Mumbai. Nur ein weiterer Kollege ist zwar Inder, lebt aber schon seit Jahren in UK. Damit bin ich diesmal der einzige Europäer.

Das Mitttagsbuffet ist auch ok, wieder vegetarisch wie in Hyderabad, mit Saucen und viel Reis und dem Naan-Brot, das sind die indischen Pfannkuchen, die eigentlich als essbares Besteck dienen. Ich probier aber nicht aus, es so zu verwenden, ich hätte dann das Essen sicher überall, nur nicht im Mund und esse mit dem Löffel. Wieder fällt mir auf, dass es bei weitem nicht so scharf wie in Hyderabad ist, man kann das eigentlich ohne Probleme essen. Meine Kollegen bestätigen, dass in Hyderabad so ziemlich am schärfsten von ganz Indien gegessen wird.

In der Shopping Mall zum Abendessen

Nach dem Kurs geht’s mit dem Taxi wieder zurück ins Hotel, dann gehe ich wieder in der gegenüberliegenden Shopping Mall essen. Ich bestelle mir ein irgendetwas Masala, das ist ähnlich wie ein Omelett, aber eher ohne Ei mit einer super gewürzten Kartoffelmasse drauf und guten Saucen dazu. Als Europäer sitzt man dabei immer irgendwie in der Auslage, ich bemühe mich daher so gut wie möglich, diesmal mit der rechten Hand zu essen, es sind sichtbar sehr viele Moslem um mich herum. Das geht anscheinend ganz gut, weil ich relativ schnell uninteressant werde, ohne dass ich ein Grinsen oder eine ähnliche Gefühlsregung bemerke. Kann aber auch sein, dass sich alle so gut in Griff haben. Wieder was zu den Vorurteilen – es scheint so zu sein, dass sich viele Mumbaiker total im Griff haben. Mein Taxifahrer verzog keine Miene, er drückte aber sichtbar seine Gefühle mit dem Fingerdruck auf die Hupe aus.

Auch wenn ich hin und her springe, zum Taxifahren fällt mir nochmals etwas ein. Es sieht zwar nicht so aus, die Stadtverwaltung ist aber sehr bemüht, die Stadt sauber zu halten, ich bin heute schon wieder hinter einem Müllauto hergefahren und ein zweites hab ich noch gesehen auf meine 20-minütigen Fahrt zum Hotel.

In der Shopping Mall gibt’s unter anderem auch einen Shop für exklusive Burkas (das schwarze Kleid der muslimischen Damen), die es dort mit Strass besetzt oder kunstvoll gold bestickt und ähnlich zu erwerben gibt. Das erinnert mich wieder daran, wie ich am Flughafen von Doha eine junge Muslimin mit einer Burka, wo auf dem Rücken in Silber D-I-O-R wie auf einer Kette senkrecht aufgefädelt, eingestickt oder aufgedruckt war. Dazu hatte sie einen Hüftschwung, da kann sich die Erotik miniberockter Girls in Europa verstecken, und sie ging so, dass man sah, dass sie das auch wusste.

Da sind wir wieder beim Vorurteil, dass die Burka alles verstecken soll, anscheinend drücken manche Frauen heute damit auch etwas anderes aus. Aber dazu müsste man forschen, und bis zu den Muslims in Europa ist das auch noch nicht durchgedrungen, aber das mag auch nur ein Vorurteil sein! Laut Reiseführer sind die Muslime eine Minderheit von 14 Prozent in Mumbai, aber sie sind hier weit präsenter als in Hyderabad. Dafür sieht man viel weniger Frauen in den tollen farbenfrohen Saris, und dafür weit mehr im westlichen Stil mit Jeans und Bluse.

Der indische Verkehr hat mich wieder

Zu einem weiteren Vergleich mit Hyderabad bin ich heute auch noch gekommen, während ich die Strasse vor dem Hotel, mittlerweile genauso cool wie die Inder, überquert habe und in einer Staubwolke gestanden bin. In Hyderabad gab es praktisch überhaupt keine unasphaltierten Straßen, hier gibt’s solche Stellen überall. Dafür haben die Mopedrikschas im Zentrum keine Chance gegen die „Fiat“-Taxis, während es in Bandra, das zum nördlichen Teil Mumbais gehört, noch sehr viele gibt. Was mir noch auffällt, hier sind die Slums mitten im Stadtgebiet, anders als in Hyderabad, wo sich dieser „normale“ Teil des indischen Lebens hauptsächlich in den Randbezirken abspielt. Hier habe ich auch noch 2 Ochsenkarren gesehen, die im Zentrum von Hyderabad bereits verboten sind.

Ich denke, alle unsere Anstrengungen in Österreich, den CO2-Ausstoß zu verringern, werden in kürzester Zeit nur in Mumbai mit den 1000en alten Taxis und Lastautos zunichte gemacht – von der Industrie und den Raffinerien gar nicht zu sprechen. Irgendwie klar, nachdem allein Mumbai fast doppelt so viele Einwohner wie ganz Österreich hat. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich hier in absehbarer Zeit etwas Sichtbares ändern wird. Man sieht andererseits zum Beispiel noch viel weniger private neue Autos als in Hyderabad, die ja, so denke ich, schon mit Kat ausgestattet sind.

Im Internetpoint

Im Internetpoint kennen sie mich schon von gestern, ich bekomme sofort einen Platz, ein PC wird wieder abgesteckt, damit ich mein Laptop an das Netzwerk bringen kann. So kann ich wieder meine Mails abarbeiten und sogar mit Evi über Skype sprechen. Und dann zahle ich für nicht ganz eine Stunde online nur 35 Rupien, das sind rund 60 Cent!

Bezahlung im Hotel

Dann geht’s zurück ins Hotel, dort wartet schon der Manager auf mich und möchte den vollen Betrag für Zimmer gleich kassieren. Ich erkläre ihm, dass ich schon ausnahmsweise eine Anzahlung gemacht habe und sicher nicht rund 1800 Dollar im Voraus zahle, auch nicht mit Kreditkarte.  Dafür möchte er den halben Tag von gestern in Cash und rechnet mir dafür 3025 Rupien vor. Mir kommt das extrem viel vor und schlage ihm vor, das frühestens morgen zu begleichen. Er ist unglücklich, akzeptiert aber und erklärt mir, dass jemand von der Buchungscompany morgen schon die 1800 Dollar abholen wolle. Ich erkläre ihm, dass die meiner Meinung nach genauso warten sollten wie er. Ich sehe im Zimmer nach, wie viel das kosten dürfte, ich komme da aber nur auf 1930 Rupien, muss mir morgen daher seine Berechnungsart für einen halben Zimmerpreis erklären lassen, bevor ich bezahle!

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Rezepte

Original Naan-Rezept in einer Pfanne

Links

Mumbai – Indiens multireligiöse Metropole

Verkehrspolitik in Mumbai