13: Mumbai, 2.10.2007 – Sightseeing vor dem abendlichen Heimflug

Dieser letzte Tagebucheintrag ist der einzige, der nicht bereits im Jahr 2007 entstanden ist. Den letzten Tag im Capgemini Office überspringe ich und berichte 17 Jahre später nur mehr von der Besichtigung der größten Moschee von Mumbai, bevor der Flug heim geht.

Haji Ali Dargah

Die Moschee Haji Ali ist das größte Sehenswürdigkeit in Mumbai, daher ist sie am letzten Tag meines Aufenthalts in Mumbai auf meiner ToDo-Liste.


Die Moschee, die im 19. Jahrhundert erbaut wurde, liegt auf einer kleinen Insel vor Mumbai und ist nur über eine Art Damm zu erreichen und steht jeder Religion offen.


Das Inselmausoleum beherbergt den Sarg von Pir Haji Ali Shah Bukhari, einem muslimischen Heiligen, der während einer Pilgerreise nach Mecca verstarb. Der Legende zufolge schwamm der Sarg mit dem Verstorbenen auf wundersame Weise über das Meer und endete an der Küste von Mumbai. Diesem größten islamischen Heiligen seiner Zeit zu Ehren wurde die Moschee Haji Ali erbaut.
Die Haji Ali Dargah ist ein indo-islamisches, architektonisches Meisterwerk und zieht jährlich tausende von Pilgern und Besuchern in ihren Bann.

Das wunderschöne Kuppelgebäude mit dem herrlichen Minarett, das atemberaubend schön geschmückte Innere der Moschee Haji Ali ist einen Besuch auf jeden Fall wert.

Was man als Europäer auch nicht übersehen kann, sind die Bettler und Geldwechsler am Damm hinaus zur Moschee. Die Bettler haben alle möglichen Verkrüppelungen oder sind geistig gehandikapt. Sie warten auf die Almosen der Pilger und Touristen und hier kommen die Geldwechsler ins Spiel. Da die wenigsten Menschen hier 10-Rupies-Münzen in der Geldtasche haben, wechseln sie einen 100-Rupies Schein auf 9 Stück 10 Rupies-Münzen. 10% Kommission – ich denke es ist klar, wer hier wirklich verdient.

Ich bin nach diesen Wochen in Mumbai mit all den Eindrücken, den freundlichen, lebensfrohen Menschen, wo sehr viele danach brennen, mehr zu erreichen und in irgendeiner Form weiter zu kommen, noch immer überwältigt.

Die vielen Farben, Gerüche und Laute lassen einen nicht so einfach aus, aber der extreme Unterschied zwischen arm und Mittelklasse ist für europäische Augen auf Dauer auch nur sehr schwer zu verkraften. Von den wirklich Reichen, die es in dieser Millionenstadt ebenfalls zu tausenden gibt, spreche ich nicht, da ich die nicht wirklich gesehen habe.

Das gleiche gilt auch für die Umweltsituation nicht nur in der Millonenmetropole Mumbai, sonder auch im Umland und auch in Goa, die auch für uns Europäer unvorstellbar ist, hier muß noch vieles passieren, wobei da das Wachstum des Landes und der Wirtschaft die Sache nicht einfacher macht.

Mit Gottvertrauen nach Mariatrost

In diesem Blog erzähle ich von einer weiteren E-Bike-Runde bei Graz und vom Besuch einer der wichtigsten steiermärkischen Wallfahrtskirchen und ihrer Lego-Miniatur.

Der Samstag meines ersten Wochenendes bei meinem Reha-Aufenthalt war ja wunderschön sonnig und wurde von mir zu einem Kurztrip ins Puch-Museum genutzt. Das weckte in mir die Lust, am Tag darauf die Basilika Mariatrost zu besuchen, die Komoot-Route dazu hatte ich bereits daheim gefunden.

Auf einem Höhenrücken Richtung Graz

Kurz nach dem Mittagessen startete ich im Zentrum von Lassnitzhöhe los, diesmal in die quasi andere Himmelsrichtung, denn Mariatrost liegt im Nordosten der Stadt Graz, während sich das Puch-Museum im Stadtteil Puntigam im Süden von Graz befindet.

Über die Landesstraße führte die Route, in diesem Bereich ein Teil der „Grazumrundung Ost“ zur Hönigtalkirche und dort den Weinberg hoch und gleich wieder hinunter in die Höhenstraße.

Entlang der recht vielen Grazer Radwege

Weiter ging es die Höhenstraße und dann steil hinunter nach Ragnitz wo ein breiter Radweg, der Hönigtalradweg R52 die Hauptstraße begleitet, bis er links in eine Siedlung auf einen wunderschönen Weg, an einem Künstleratelier vorbei und weiter den recht idyllischen Ragnitzbach entlang bis zum St.Leonhard- Friedhof mit dem Odilien-Institut, einer fast 150 Jahre alten Hilfseinrichtung für Sehbehinderte, dahinter rechts hinaus bis zum Universitätsklinikum.

Hier stimmte die Komoot-Route mit den bestehenden Straßen nicht mehr überein, anscheinend waren einige Neubauten des riesigen Spitalskomplexes noch nicht berücksichtigt. Ab dem Hilmteich befand ich mich dann auf dem Radweg R23, dem Mariatroster Radweg entlang der Straßenbahnlienie 1 bis zum Tramway-Museum am Fuß des Kirchenberges.

Die Basilika in der Original-Farbe

Die Basilika Mariatrost, die seit der Neufärbelung ab 2021 wieder neben dem historischen Kalkweiß in einem rötlichen Ockerton erstrahlt, das dem Original sehr nahe kommt, ist kurz vorher ins Blickfeld gerückt.

Die letzten Kilometer hatte es zu tröpfeln begonnen und der Himmel über der aufwendig renovierten doppeltürmigen Basilika wurde immer schwärzer. Hier begann das bereits erwähnte Gottvertrauen, daß ich die steile Straße auf den Purberg zur Kirche mit dem Rad hinauf noch halbwegs trocken schaffe, und mir dabei 216 Stufen und das Anziehen der Regenjacke ersparen konnte.

Die Basilika in ihrer ganzen Pracht und eine gar nicht so kleine Lego-Miniatur

Während ich den barocken Kirchenraum einer der berühmtesten Wallfahrtsstätten der Steiermark betrat, wurde der Regen immer stärker, doch ich war im Trockenen. Gleich in einem Seitenaltar rechts fiel mir eine 2x2m große Vitrine mit einer im Bau befindlichen Basilika aus Lego-Steinen auf. Mit einer kleinen Spende kann man mithelfen, sowohl an der kleinen Kirche weiterzubauen als auch die Renovierung des Originals zu unterstützen.

Der Hochaltar mit der Gnadenmutter, die 1695 mit einer barocken Ummantelung aus einer spätgotischen  Marienstatue von 1465 entstannden ist, schimmert in einem zumindest für mich ungewöhnlichem Graublau, das fast mystisch wirkt. Auch die Kanzel ist ein besonderes Barockjuwel aus dem Jahr 1779. Das Kuppelfresko mit der Gottesmutter Maria als Himmelskönigin ist ebenfalls mehr als einen Blick wert. Auch die Wandfresken der Seitenaltäre mit Geschichten des Wallfahrtsortes haben ein besonderes Flair.

Die Fastenkrippe aus Passeil

In einem Seitentrakt wird eine kleine Besonderheit ausgestellt: Eine Passionskrippe aus dem Besitz des Krippensammlers Dr. Bernd Mayer aus Passeil mit allen 14 Kreuzwegstationen ist noch bis zum Sonntag nach Ostern zu sehen. Mehr dazu gibt’s in einem Blog am Karfreitag.

Das Gottvertrauen wurde belohnt

Als ich die Kiche verließ, regnete es noch so stark, daß ich beschloss, unter dem Vordach beim Kirchenshop abzuwarten, bis der Regen zumindest weniger wurde. Gute 10 Minuten später wurde mein Gottvertrauen belohnt und der Regen hörte auf.

So fuhr ich die extrem steile nasse Straßen relativ langsam wieder hinunter und nach rund einem Kilometer war schon wieder alles trocken und das blieb auch so auf dem ganzen Rückweg bis zum Ausgangspunkt auf der Lassnitzhöhe.

Von der Lassnitzhöhe nach Mariatrost und zurück

Links

https://www.freizeitinfo.at/Angebot/2758/Kirche_Hönigtal_in_Kainbach_bei_Graz.html
https://www.odilien.at/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Basilika_Mariatrost
https://www.graztourismus.at/de/sightseeing-kultur/sehenswuerdigkeiten/basilika-mariatrost-graz_shg_1438
LEGO: https://www.katholische-kirche-steiermark.at/portal/home/fotos/gallery/6390.html
https://www.cityradeln.at/grazer-radwege.html
Komoot-Route: https://www.komoot.de/tour/2114896445?ref=aso

12: Mumbai, 27.9.2007 – Auch der Kurs ist zu Ende

Der letzte Kurstag im September 2007 wird nochmals zur Diskussion über kulturelle Unterschiede genutzt, Mailadressen getauscht und Erinnerungsfotos werden gemacht. Nach einigen Stunden sind auch meine Tickets für mein Goa-Wochenende endlich da.

Heute ist der Tag des Abschieds, unser Kursleiter redet uns nochmals ins Gewissen und baut uns trotzdem auf. Ich werde auch gefragt und lobe unser gutes Klima und die Zusammenarbeit in der Gruppe, wir besprechen aber auch einige der Unterschiede zwischen Indien und Europa, und wo jede Seite lernen muss, darauf zu achten. Unser Kursleiter spricht genau dieses Thema der Unverbindlichkeit an, das mich in den letzten Tagen oft innerlich zum Kochen gebracht hat. Dann geht’s ans Verabschieden, alle wünschen sich gegenseitig das Beste, die Mailadressen sind ausgetauscht.

Eine Kollegin, Chetna, möchte sich noch schnell mit mir fotografieren lassen. Die anderen hänseln sie, soweit ich das mitbekommen habe, schon seit Tagen und sagen mir dann, sie habe sich in mich verguckt. Aber beim Verabschieden ist sie dann im Gegensatz zu den letzten Tagen ganz schüchtern und winkt nur kurz bei der Tür und ist schon weg.

Fabian bietet mir an, den Flug nach Goa über Genovate zu buchen, man sieht, er möchte wieder einiges gut machen. Ich nehme dankend an, warte aber dann doch rund 4 Stunden, bis die Internet-Tickets da sind. Ich sitze in der Zwischenzeit halt alleine noch da und schau mir die Customizing-Schirme durch. Fabian gibt mir dann noch die Telefonnummer eines Freundes in Goa, an den ich mich morgen wenden soll.

Der Schneider ist auch mit dem Anzug fertig, ich bin gespannt, wie er passt, nachdem ich gestern bei der Anprobe mit der Jacke noch recht unzufrieden war. Man merkt die Nervosität, aber ich fühle mich gleich wohl und dem Schneider ist auch leichter. Nachdem ich draußen bin, stecken alle die Köpfe zusammen, man sieht förmlich die Erleichterung, weil ich zufrieden bin. ich muss innerlich lachen, er hat ein ähnliches Erfolgserlebnis wie wir nach einem erfolgreichen Golive!

Und morgen gehts nach Goa, was mich da wohl erwartet?

Wenn einer eine Reise tut

Wenn einer am Österreichischen Vorlesetag sich kurz von der Reha abmeldet, bekommt er schöne Geschichten zu hören und lernt neue Autoren kennen, die sogar aus der Heimat kommen und noch dazu gesunde Säfte produzieren und kann darüber in seinem Blog erzählen.

Unter diesem Motto veranstaltete die Kurkommission Lassnitzhöhe am Österreichischen Vorlesetag am 28. März 2025 eine Lesung. Drei bekannte Persönlichkeiten aus Lassnitzhöhe, nämlich Walter Gantner, Sigrid Haydo-Prugger und Bernhard Valta lasen lustige und manchmal nachdenkliche Geschichten, in denen es im weitesten Sinn ums Reisen ging.

Vom Paprika-Äquator zum finnischen Heurigen, was der Rumpelzopf mit seinem Steckenpferd erlebte, über den Urlaub mit Eugen Roth bis zu Uranis Reise um die Welt von Matthias Claudius reichten die Texte die uns als Publikum erfreuten.

Für mich aus dem Bezirk Baden kommend mit einer Schweizer Frau war aber das Tagebuch der Radreise von Christoph Breinschmid und Elisabeth Plöchl von Baden bis nach Marokko unter dem Titel „Jeden Tag etwas mitgehen lassen“ ein besonderer Leckerbissen. Sie produzieren auch gesunde Säfte, die sie in Marokko kennen gelernt hatten.

Die beiden Autoren erzählen mit einem Eintrag von einer ihrer Tagesetappen vom Bodensee bei Konstanz bis in die Schweiz hinein, wie sie ein Schweizer Banker ins „Rhybadi“ Schaffhausen einlud, um in seinem Tagebuch von einer guten Tat berichten zu können, daß der Rheinfall kein Reinfall, sondern einer der größten Wasserfälle Mitteleuropas ist, und von ihrem Preiswert-Quartier in Bau um nur 35 Euro mit allem Komfort im Zimmer mit Komplettausstattung vom Bett über Nachtkästchen, Tisch, Sessel und mit WC und Dusche am Gang.

Bei meiner Motorrad-Fahrt im Juni 2024 in die Schweiz hatte ich in meinem Quartier in der Nähe von Thusis ein ähnlich hochwertiges Zimmer, aber das kostete im Vergleich nicht mehr ganz so günstige 85 Franken.

So ging die kurzweilige Vorlesestunde rasch zu Ende, leider mußte ich zurück ins Reha-Spital eilen um noch mein Abendessen zu bekommen und konnte mich nicht mehr mit den Vorlesenden unterhalten.


In den Links unten könnt ihr aber mehr Details zu den Autoren, Büchern und Texten finden.

Wer es noch nicht gelesen hat, kann hier auch meine Erlebnisse auf der Fahrt mit dem Motorrad in die Schweiz nachlesen.

1: Mit dem Motorrad in die Schweiz

Links

https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/zrp/lesen/vorlesetag.html
https://www.lassnitzhoehe.gv.at/2025/03/25/oesterreichischer-vorlesetag/

https://www.projekt-gutenberg.org/claudius/gedichte/chap004.html
https://rhybadi.ch/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rheinbadeanstalt_(Schaffhausen)
https://www.besonder.at/collections/lesespass
http://rumpelzopf.at/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Christoph_Mauz
https://vormagazin.at/eine-hommage-an-das-juengste-bundesland/
https://www.deutschelyrik.de/der-urlaub.html

Mit dem KTM-Rad ins Puch-Museum

Das Puch-Museum in Graz ist für Oldtimer-Interessierte genauso spannend wie für jemand, der die Erinnerungen an das Moped der Jugend oder das Motorrad des Vaters oder Großvaters auffrischen möchte. Zusätzlich sieht man viele Innovationen der Grazer Automobilindustrie der letzten Jahre.

Abwechslung zur Reha

Die Reha nach meiner Hüftoperation beschäftigt mich von Montag bis Samstag Mittag, aber das Wochenende will auch genützt werden. Dafür habe ich mein E-Bike mitgenommen und Komoot nach einigen Routenvorschlägen befragt. Dabei habe ich herausgefunden, daß das Puch-Museum nur einige 100 Meter von einer dieser Strecken entfernt liegt.

Die Rad-Anfahrt im Komoot, Link dazu unten

Die Rehaklinik auf der Lassnitzhöhe liegt, wie der Name schon sagt, auf einem Höhenrücken mit toller Rundumsicht, also geht es zuerst vom Ortszentrum einmal den Berg hinunter, diesen Teil bis zum Radweg R49, dem „Mostwärtsradweg“ entlang der Autobahn bin ich am Mittwoch bereits gefahren. So sind die 200 Höhenmeter nach gut 6 km rasch erledigt und ich weiß, daß ich die am Rückweg wieder rauf muss.

Dann geht es wunderschön durch Waldstücke und einen Bach entlang und durch Siedlungsgebiet bis an die Mur, wo ich nach der Überquerung des sogenannten Gasrohrstegs am Murradweg R2 lande und noch einige 100 Meter bis zum neuen Puchsteg mit dem tollen „Stadtstrand“ fahre und dort in der Sonne einen Cappuccino geniesse, bevor ich das Puch-Museum suche.

Ein Museum an historischer Stelle

Das Johann-Puch-Museum befindet sich seit 2012, exakt 100 Jahre nach dem Bau in der letzten authentischen Halle der Puchwerke, der Halle P, die buchstäblich im letzten Moment im Jahr 2003 unter Denkmalschutz gestellt wurde.  In dieser Halle P war Johann Puch noch persönlich tätig. Dort wurde der Puch Alpenwagen gebaut und später der Steyr-Puch Pinzgauer, dort haben sich hundert Jahre Puch-Geschichte ereignet.

Gleich beim Betreten links eine der berühmten Puch 500 Rennsemmeln in Silber, Bergrennen-erprobt, und so geht es immer weiter quer durch die erste Hälfte der 3000 m2 Ausstellungsfläche. Ein wunderschönes weiß-schwarzes Steyr-Baby sticht ins Auge.

Der Steyr-Puch 500

Ein zentrales Objekt dieses Museums ist natürlich der Puch 500. In die Rohkarosserie des Fiat Nuova 500 wurde der von Erich Ledwinka entwickelte luftgekühlte Boxermotor mit rund 16 PS eingebaut und ermöglichte für damalige Verhältnisse gute Fahrleistungen. Dem Fiat 500 mit Reihenmotor war der Steyr-Puch bei gleichem Benzinverbrauch und größerer Laufruhe deutlich überlegen und das vollsynchronisierte Getriebe war fortschrittlich und vorteilhaft auf bergigen Straßen, was die legendären Motorsport-Ergebnisse ermöglichte.

Österreichische Zweirad-Geschichte

Nach den Rollern auf der einen Seite kommen auf der anderen die legendären „Stangl-Puchs“ MS 50 in allen Variationen, die DS 50 und nicht zu vergessen die Puch Maxi aller Generationen, sogar die dreimillionste in Gold ist zu sehen. Die Motorräder, die in den 1950ern den Ton angaben, nämlich die 125er SV in allen Farben und Varianten runden die Palette der Zweiräder ab.

Puch Fahrradtradition

Die Fahrräder waren der Beginn der Fahrzeugproduktion bei Puch. Eine Sammlung vom Waffenrad, Fahrrad mit Hilfsmotor bis zum Rennrad und Mini-Klapprad kann man sich einen Überblick über die breite Palette von Puch-Erzeugnissen machen. Das Konzept eines Verbrenner-Hilfsmotors der Styriette aus dem Jahr 1938 wurde 2010 mit einem elektrischen Radnabenmotor in die Jetztzeit transferiert.

Vom Haflinger zur G-Klasse

Neben den Haflingern und Pinzgauern für die verschiedensten Anwendungsbereiche gibt es auch einige in Graz gebaute Fahrzeuge, wie den Puch G, der zur Mercedes G-Klasse wurde, einen offenen Puch Panda, den VW Bulli 4×4, oder einen Golf Country.

Der koreanische Vinfast President ist eine 2020 gebaute „limited Edition“ deren Stückzahl auf 500 begrenzt wurde, und eines davon steht als Leihgabe im Museum.

Nicht zu vergessen ist das original „Explosionsmodell“ eines Mercedes GT AMG in Aluminium unlackiert.

Magna Design-Studien

Die Firma Magna präsentiert im Museum eine Reihe von Design-Studien, die meisten unter der Marke MILA (steht für Magna Innovative Lightweight Auto) von einer neuen Version des Haflinger über SUVs bis zu spannenden Roadstern, die aber alle nicht über dieses Stadium hinaus gekommen sind.

Mit einem Eintritt von 8 Euro (2025) taucht man in der Orignal-Halle ein in die Welt und in die Historie der Puch-Werke und ihrer legendären Erzeugnisse. Manches weckt Erinnerungen, manches ist Neuland und alles zusammen geschichtsträchtig.

Zurück wieder mit dem Rad

Der Rückweg im Komoot, Link dazu unten

Der Rückweg geht dann überraschenderweise vorbei an der Merkur-Arena, der Heimat von Sturm Graz und GAK, und durch einige Seitengassen wieder auf den R49 und den Berg hinauf auf die Lassnitzhöhe.

Links

https://www.fahr-radwege.com/MostwaertsradwegR49.htm
https://www.graztourismus.at/de/sightseeing-kultur/sehenswuerdigkeiten/stadtstrand-graz_shg_7753
https://www.johannpuchmuseum.at/
https://stangl.stangl.eu/stangl-puch
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Johann_Puch_Museum_Graz
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Steyr-Puch_500

https://elfar.ch/content/produkte/e-bikes/styriette/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mercedes-AMG_GT
https://www.tuned1.at/magna-steyr-mila-first-family-member/

Hinfahrt: https://www.komoot.de/tour/2112212018?ref=aso
Rückfahrt: https://www.komoot.de/tour/2112646283?ref=aso

Erwin Wurm in der Albertina Modern

Der künstlerische Ansatz von Erwin Wurm hat mich in diesem Blog zu einer etwas anderen Herangehensweise an sein Werk herausgefordert.

Mit (m)einer nicht ganz ernst gemeinten Annäherung an Enzesfeld

Ich habe eine sehr weit hergeholte These: der weltbekannte Künstler Erwin Wurm muß mindestens zweimal in meinem Heimatort Enzesfeld gewesen sein. Worauf ich diese These stütze, lest ihr in diesem Blog. Zu einigen anderen Skulpturen gebe ich euch auch meinen ganz unkünstlerischen Zugang weiter und erzähle zum Schluß noch eine kleine Geschichte mit echtem Enzesfeld-Bezug.

Besuch der Ausstellung fast im letzten Moment

Fast hätte ich es übersehen, daß die Erwin Wurm Ausstellung in der „Albertina Modern“ am Wiener Karlsplatz bereits am 9.März 2025 zu Ende geht und so bin ich am Freitag davor noch rasch in Zug und U-Bahn gesprungen um mir dieses Ereignis zu gönnen. Wer es ganz verpasst hat, hat von 7.März bis 7.September 2025 im Linzer Francisco Carolinum die Chance, mit seinen fotografischen Werken einen weiteren Teil des umfangreichen Schaffens des Künstlers zu sehen. (Siehe Link unten)

Retrospektive  zum runden Geburtstag

Aus Anlass seines 70. Geburtstags zeigte die „Albertina Modern“ erstmals eine umfassende Retrospektive seines vielseitigen Werks, das uns in Form von Skulpturen, Zeichnungen und Handlungsanweisungen, Videos und Fotografien einlädt, das Paradoxe und Absurde unserer Welt zu beleuchten.

Erwin Wurm, der eigentlich Maler werden wollte, aber dann statt in der Malerklasse in der Bildhauerklasse landete, zählt zu den international bekanntesten zeitgenössischen Kunstschaffenden Österreichs. Schon allein deswegen ist es interessant, sich mit ihm und seinem Werk auseinanderzusetzen.

Mein persönlicher erster Zugang zu Erwin Wurm war bereits 2010 im damaligen Essl-Museum in Klosterneuburg. Dort habe ich das erste Mal das „Narrow House“ gesehen, ein Modell seines Elternhauses, das er auf ein Sechstel seiner Größe in der Längsachse reduziert hatte. 2011 war Wurm damit auf der 54. Kunstbiennale in Venedig vertreten.

Schmelzende Häuser

Eine Weiterentwicklung dieses Themas ist auch in dieser Ausstellung zu finden, ein Haus mit Klassenzimmer kann sogar betreten werden und wirkt zumindest auf mich einerseits sehr einengend, andererseits weckt es Erinnerungen an das nicht mehr bestehende Gymnasiumsgebäude in Wieselburg, das damals ohne Verzerrung ähnlich ausgesehen hatte.

Paradox und vielleicht auch absurd

Das Paradoxe und Absurde zog mich sofort nach dem Eintreten in den Bann, denn es ist wahrscheinlich gar nicht so einfach, Alltagsgegenstände vom Socken über Kleidungsstücke bis zu Autos und Häusern so verändert darzustellen, daß die Aussage dahinter eine ganz andere, meist paradoxe Verzerrung wird.

Seine konzeptionellen Anfänge noch während des Studiums kamen aus den Materialien, die er nahe seines Ateliers fand, nämlich Kleidungsstücke, Holz und Metall. Als Bildhauer mit der Malerei in seinen Genen begann er dann die Gegenstände so zu formen, daß sie den menschlichen Körper thematisieren und dann zuerst mehrfarbig und später einfarbig zu bemalen.

Psyche und was es ist

Das erste Indiz, daß Erwin Wurm in Enzesfeld künstlerische Anleihen genommen haben könnte, findet man am Spielplatz. Das ist nicht irgendein Spielplatz, denn die Figuren wurden unter der Leitung des Bildhauers Mathias Hietz im Rahmen eines Steinbildhauersymposions von international renommierten Künstlern in den Jahren 1981/82 gestaltet. Und eine dieser Figuren könnte Erwin Wurm zumindest als Inspiration gedient haben, wie die Fotos hier beweisen. Einen Haken hat die Figur auf unserem Spielplatz: die Kinder müssen ohne Handlungsanweisungen herausfinden,  was sie damit machen könnten. Erwin Wurm gibt auf seiner Figur diverse Tipps,  was man damit machen könnte und sollte – für Erwachsene sicher anregend, Kinder brauchen das nicht.

Es gibt aber auch Handlungsanweisungen, die die Betrachter und „Begreifer“ in ihrer Freiheit nicht einengen, was aber dazu führt, daß die Securities in der Albertina die Bälle  von Zeit zu Zeit aufsammeln und zusammenlegen um das Kunstwerk nicht zu verlieren.

Hier in diesem Youtube Video erklärt Erwin Wurm, wie er es wirklich meint: 

Fat Car

Das zweite Indiz für einen Enzesfeld-Bezug zeigte sich unübersehbar in Form eines roten Cabrios. Mein Bekannter R. aus Enzesfeld besitzt ein rotes Ford Mustang Cabrio und Erwin Wurm hat anscheinend dieses Cabrio aufgeblasen, ausgestopft, wattiert, gefüttert, bis es so adipös aussieht. Die untenstehenden Bilder beweisen das aus meiner Sicht perfekt.

Übrigens, Erwin Wurm hat neben fünf anderen Autos hier eigentlich einen roten Porsche verwandelt.

Performative Skulpturen

Eine der für mich beeindruckensten Objekte fand ich unter den „performativen Skulpturen“, bei denen Erwin Wurm typische Alltagsgegenstände verformt und verunstaltet. Für einen Mitteleuropäer wie mich ist das zwar kein Alltagsgegenstand, aber leider gibt es gerade heute leider viele, für die eine Pistole genau das ist.

Erwin Wurm hat sie, wie wenn sie mit einem Autoreifen überfahren worden wäre, verformt und unbrauchbar gemacht, und das überdimensional.

Ein Hinweis an die großen Führer unserer Zeit, der leider ungehört und ungesehen zu sein scheint.

Unter Studienkollegen spricht es sich einfacher

Zum Abschluss habe ich nach den zugegeben sehr konstruierten Bezügen eine Geschichte, die mir mein Freund, der akademische Maler Prof. Christian Kvasnicka, der seit vielen Jahren in Enzesfeld lebt, erzählt hat. Erwin Wurm und Christian Kvasnicka sind fast gleich alt und kennen sich daher schon seit dem Studium.

Jahre später wollte der Marketing-Chef der Wien Energie, Dr. Peter Meierhofer, als letzte Ausstellung des Wien Energie-Museums in der Spittelau eine Erwin Wurm-Schau ausrichten. Nur hatte er ein Problem: Erwin Wurm reagierte nicht auf die Einladung, weder per Anruf, Mail, noch brieflich. Peter Meierhofer kannte Christian Kvasnicka aus dessen Tätigkeit als Leiter des „Art Collectors Club“ des Wiener Roten Kreuzes und schilderte ihm sein Problem.

Erwin Wurm war schon sehr arriviert und zählte bereits zu den international bekanntesten zeitgenössischen Kunstschaffenden Österreichs. So sah er für sich das Potenzial einer Ausstellung bei der Wien Energie nicht, doch Christian konnte ihn mit einem kurzen Anruf überzeugen, bedeutende Werke zur Verfügung zu stellen, ohne zu viel mit Details zu tun zu haben. Die Assistentin Christians, Monika Schlucker sollte als einzige Kontaktperson fungieren. Erwin Wurm kam dann sogar in der Vorbereitungszeit in die Spittelau und zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Die Ausstellung wurde ein Riesenerfolg und die Wien Energie ist seit damals Besitzerin einer Skulptur von Erwin Wurm, eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Aus dem Essl Museum wurde die „Albertina Klosterneuburg“

Wer es nicht mehr wissen sollte, das Essl Museum im Besitz von Karl-Heinz Essl hat zwischen 1999 und 2016 fast 200 Austellungen zeitgenössischer internationaler und österreichischer Kunst in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Seit 9. April 2024 ist es als „Albertina Klosterneuburg“ wiedereröffnet.

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erwin_Wurm
https://www.albertina.at/albertina-modern/
https://www.albertina.at/albertina-modern/ausstellungen/erwin-wurm/
http://sammlung-essl.at/museum__sammlung/das_essl_museum
https://www.ooekultur.at/exhibition-detail/erwin-wurm
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bildhauersymposion_Lindabrunn
https://www.wienerwald.info/ausflug/a-bildhauer-symposion-lindabrunn
https://www.galerie-albertina.at/kunstwerke/34263/fat-convertible/
https://www.museum-joanneum.at/skulpturenpark/entdecken/skulpturen/36-fat-car
http://www.kvasnicka.at
https://www.wienenergie.at/privat/erleben/standorte/wien-energie-erlebniswelt/
https://www.roteskreuz.at/wien/artcollectorsclub

Feurio!

Ich finde, der untenstehende Blog, der der Frage nachgeht, ob E-Autos öfter in Flammen aufgehen als Verbrenner (Spoiler: Nein, tun sie nicht.) ist wert, gelesen zu werden. Er nimmt der Diskussion dazu aus meiner Sicht etwas die Aufgeregtheit, was ja bei an sich sachlichen Themen nicht schadet.

Statistisch brennen E-Autos nicht öfter als Verbrenner, lese ich in der Zeitung …

Feurio!

10: Mumbai, 25.9.2007 – Das Ganesh Chaturthi ist zu Ende

In diesem weiteren Blog zu meinem Mumbai-Aufenthalt 2007 erzähle ich von einem Umzug aus tausend Fronleichnamsprozessionen gleichzeitig, vermischt mit einem Rave beim Ganesh Visarjan, wo nach dem 10-tägigen Fest Ganesh Chaturthi tausende Ganesha-Statuen im Arabischen Meer versenkt werden.

Ich habe gerade was falsch gemacht und meine literarischen Ergüsse nicht gespeichert. Eine Stunde Schreiberei einfach weg, da brauch ich einen Schluck Whiskey, bevor ich nochmals anfange, auch wegen der Verdauung. Mit der hatte ich aber hier eh noch keine Probleme.

Mein Stammtaxifahrer wartete schon auf mich. Es ist ein älterer Mann mit weißem Haar und Bart und einem unaufgeregten Fahrstil, er kommt auch mit wenig Hupen aus. Er entschuldigt sich sogar, dass er gestern nicht da war und beklagt sich über die anderen undisziplinierten Autofahrer und Fußgänger. Diese gehen zu mindestens 2/3 auf der Fahrbahn, auch wenn der Gehsteig begehbar wäre. Dieses Verhalten ist noch ein Überbleibsel aus einer Zeit, wo hauptsächlich Ochsenkarren unterwegs waren, die man heute aber nur mehr vereinzelt in der Stadt sieht. Es passt aber nicht zu dem Verkehrschaos dieser Millionenmetropole.

Gestern habe ich mich bei Fabian von Genovate (dem Kursveranstalter) erkundigt, wann und wo ich am Freitag meine Prüfung haben werde. Er hat mich auf heute vertröstet, muss ihn daher nach der Mittagspause gleich besuchen. Unser Kursleiter teilt uns zu Beginn mit, dass heute bereits um 15 Uhr Schluss sei, es ist nämlich der letzte Tag des Ganesh-Festivals, das Ganesh Visarjan.

Auch ok, dann werde ich halt im Hotel weiterlesen, denke ich mir. Nach der Mittagspause teilt mir Fabian mit, daß er mit heute nichts sagen kann, es sei ja Ganesh-Feiertag. Jetzt bin ich aber gespannt, was mein Schneider machen wird, der mich auch von gestern auf heute Abend für die Anzuganprobe vertröstet hat. Meine indischen Kurskollegen lachen nur und meinen, dass sicher zugesperrt sein werde. Und das wissen die nicht alle schon gestern?  Mein (Vor-)Urteil wird wieder bestätigt, dass die Inder nicht Nein sagen, um in keine Konfrontation zu kommen. Wenn dann etwas nicht hält, sind sie ja dann eh nicht dabei und haben mich mit ihrem Nein nicht enttäuscht. Immer wieder so aufzulaufen, damit kann man als Europäer nur sehr schwer umgehen und das macht die Zusammenarbeit über alle Kulturen und Zeiten und Entfernungen hinweg nicht wirklich einfach.

Am Heimweg macht der Taxifahrer einen Umweg, er meint die Straße sei verstopft. Als ob das etwas Neues wäre! Erst als wir zu Kreuzung beim Mumbai Central Bahnhof kommen, weiß ich, was er meinte. Tausende Menschen tanzen und singen, machen Musik mitten auf der Straße und dazwischen fahren die LKWs in allen Größen mit den Ganeshas in allen Größen. Ich gehe rasch zum Internetpoint und rufe meine Mails ab und skype mit Evi, dann geht’s ins Hotel, ich will ja weiterlernen. Das ist aber leichter gesagt als getan bei diesem Lärm. An den normalen Verkehrslärm und das Hupen habe ich mich ja schon gewöhnt, aber das schlägt alles. Ich beschließe daher, mich auch ins Geschehen zu stürzen.

Man wird von diesem Sog sofort mitgezogen, aber nicht auf ungute Art, es passiert einfach. Als ich zu fotografieren beginne, bin ich sofort von einer Schar von Kindern umringt, die herumtollen und unbedingt auf ein Foto wollen. Ich mache ihnen natürlich den Gefallen, und sehe dann zu dass ich weiterkomme. Auf einmal bin ich auch mitten in eine Gruppe hineingezogen, ich erhalte ein oranges Band um die Stirn gebunden, den roten Strich auf die Stirn, die rote Farbe über den Kopf, und soll mittanzen. Also Hände in die Höhe und 20 Sekunden mitwiegen, dann reichts, sonst komme ich nicht mehr raus aus der Gruppe, wenn ich mich zu sehr „anfreunde“.

Auf den Fahrzeugen sind Ganeshas in allen Größen, eine prächtiger wie der andere. Und jedes Auto wird von einer singenden, tanzenden Menschengruppe begleitet, und je lauter man ist desto besser. Das alles erinnert an tausend Fronleichnamsprozessionen gleichzeitig, vermischt mit einem Rave, also eigentlich unvorstellbar. In der Zwischenzeit ist der Akku der Kamera leer, also gehe ich zum Hotel zurück, ich möchte ja auch noch versuchen, meinen Anzug zu probieren. Die rote Farbe geht beim Duschen überraschend leicht runter, das T-Shirt muss in die Wäsche. Die Shoppingmall ist geschlossen, mein Urteil ist wieder einmal bestätigt. Warum kann der Schneider am Vorabend nicht sagen, dass es da nicht geht, aber… siehe oben!

Während der Akku noch auflädt, versuche ich in den Kursunterlagen zu lesen, aber gebe bald auf, es ist einfach zu laut. Dann geht’s wieder hinein ins Geschehen. Der Lärm, die Farben, die Gerüche, der Gestank, es ist unmöglich das alles so wiederzugeben, wie es wirklich ist, sogar die Fotos sind nur ein müder Abklatsch dessen, was sich hier abspielt. Ein Ganesha ist schöner (wir Europäer würden auch meinen, kitschiger) als der andere und ich fotografiere und fotografiere. Und wieder bin ich mitten in einer Gruppe, muss mittanzen und versuche, wieder herauszukommen, ohne unhöflich zu sein.  Immer wieder muss ich noch einmal abdrücken, alle freuen sich dann.

Mittlerweile ist schon mehr als eine Stunde vergangen und ich bin schon recht weit gegangen, das Gedränge wird immer größer, aber es dürfte trotzdem noch ein schönes Stück bis zur Bucht von Chowpatti sein, also drehe ich um, ich will noch vor Mitternacht im Hotel sein, sonst kann ich mich morgen Vormittag nicht wach halten. Da nützt selbst das Redbull mit der Dose aus Enzesfeld, produziert nur einige 100m von mir daheim entfernt, nichts. Unterwegs frage ich zur Sicherheit einen Polizisten nach dem Weg, verirren möchte ich mich in dem Chaos, wo man kein Taxi bekommt, hier nicht. Er erklärt es mir höflich und genau und ruft mich dann nochmals zurück und bittet mich auch ihn und seine Kollegen zu fotografieren, sie würden nie auf einem Bild sein. Wie immer werde ich gefragt von wo ich komme und muss den Unterschied zwischen Austria und Australia klären, wie heute mindestens schon zehnmal.

In meinem Aufzug werde ich von den Einheimischen wohlwollend bestaunt, besonders die Frauen finden das anscheinend toll, das sieht man an ihrem verschmitzen Lächeln und den blitzenden Augen, die nicht ausweichen, aber gar zu offensichtlich darfs auch nicht sein. Ich bin dann doch froh, beim Hotel zu sein und dem Trubel zu entkommen und schlafe trotz des Lärms rasch ein.

Zum Weiterlesen

11: Mumbai, 26.9.2007 – Leider kein SAP Test

Links

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Ganesh_Chaturthi

Computersicherheit 1: Mein Kennwort ist wie mein Haustorschlüssel

Unser PC, unser Laptop, das Tablett oder das Smartphone haben so viele Informationen über uns gespeichert, daß man sie alle genau genommen wie einen Tresor behandeln müsste und nicht wie das Haustor eines Gründerzeitbaus.
Viele von uns behandeln sie aber noch mehr wie ein offenes Buch, das zum Lesen einlädt. Ich spreche mit dieser neuen unregelmässigen Blog-Serie diese Dinge genauer an und gebe möglichst einfach verständliche Anregungen, die jede und jeder von uns beachten sollte.

Schlechte Nachrichten zu Beginn

Ich muß gleich zu Beginn einige Illusionen zerstören. Nicht nur ich, sondern alle Sicherheitseinrichtungen und die zugehörige Software hinken immer den Hackern und anderen kriminellen Gruppen und Organisationen hinterher. Darum sind die Infos, die ich hier gebe, möglicherweise schon überholt, während ich darüber schreibe. Das Prinzip, eine gesunde Portion Misstrauen und Vorsicht walten zu lassen gilt aber immer.

Das Kennwort oder Password

Das Password ist der zu Beginn angesprochene Schlüssel in unsere Geräte, Software, Apps oder Internet-Applikationen, der genau deswegen unsere Aufmerksamkeit verdient. Die frühere Angewohnheit vieler, das Kennwort mit einem Post-IT am PC geklebt zu haben, ist hoffentlich schon lange Geschichte. Mittlerweile sollten auch Kennworte wie „0000000“ oder „12345678“ oder ähnliche der Vergangenheit angehören. Ebenso haben Geburtsdaten oder die unverschlüsselten Namen der Kinder oder der Katze, die ich dreimal in der Woche auf Facebook poste, als Kennwort nichts verloren. Hier stellt sich nur die Frage, ob eine Hackersoftware alle diese Variationen in Sekunden oder Millisekunden knackt.

Wie geht es besser?

Wir haben ja alle das Problem, daß wir ja nicht mehr nur ein oder zwei Kennworte haben, sondern für jeden Internet-Shop, diverse Plattformen und für mindestens 10 Applikationen im Berufsleben ein Kennwort benötigen. Viele Firmen arbeiten bereits mit dem sogenannten „Single Signon“, das alle oder zumindest die meisten Applikationen mit einem einzigen Kennwort,  das ich noch dazu maximal einmal am Tag eingeben muss.

Im privaten Bereich funktioniert dieses Prinzip nicht, aber hier können sogenannte Password-Manager, die entweder bereits in der Windows-Software integriert sind, oder als App installiert werden müssen, gute Dienste erweisen. Aber auch hier gilt, zumindest ein Password muß ich mir merken und auch das darf daher nicht zu einfach sein. Ich habe unten einen aktuellen Vergleich verlinkt, aber es gibt noch eine Reihe von anderen guten oder besseren Möglichkeiten.

Es muss aber auch nicht unbedingt eine Softwarelösung sein

Es geht auch einfacher, man kann sich zum Beispiel auch Eselsbrücken bauen. Die Anfangsbuchstaben jedes Wortes eines mit dem jeweiligen Programm oder der App in Zusammenhang stehenden Satzes sind bei entsprechender Länge auch für eine Hackersoftware nur schwer zu knacken, und oft geht es ja auch hier um den Faktor Zeit.

Ein Beispiel: „Ich rufe jeden 3. Tag mindestens 5x Facebook auf und bleibe zu 100 % länger als 2 Komma 3 Stunden!“ ergibt das Kennwort „Irj3Tm5xFaubz1%la2K3S!“. Das zu knacken wird auch für eine Hackersoftware schwierig. Hier gilt es nur, den Satz an die Kennwortrichtlinien der App oder Software anzupassen und „nur“ so kreativ zu sein, daß der Satz auch merkbar bleibt.

Und noch ein wichtiger Hinweis zum Schluß

Es gibt praktisch keine App oder Plattform (mehr), die den Benutzer per Mail auffordern, Benutzername und Kennwort per Mail bekannt zu geben. Über die heimtückischeren Varianten schreibe ich das nächste Mal.

Links

Bartschlüssel: https://shop.haas-aufsperren.at/schluessel-bestellen/bartschluessel-online-kaufen/bartschluessel-mod12.html
Single Signon: https://www.tools4ever.de/software/helloid-idaas-cloud-single-sign-on/was-ist-single-sign-on/
Password Manager: https://de.cybernews.com/lp/bester-passwort-manager/

9: Mumbai, 23.9.2007 – Ein Nachmittag im Capgemini Office in Mumbai

Ein Ziel meiner Mumbai-Reise im September 2007 war auch, die Kollegen meines indischen Teams kennenzulernen. Da das während des SAP-Kurses während der Woche nicht möglich war, vereinbarten wir ein Treffen am Sonntag-Nachmittag in ihrem Office. In einem ehemaligen Industriekomplex wurden die Fabrikationshallen in Büros umgebaut, aber in anderen Dimensionen als wir in Europa gewohnt sind. Hier arbeiteten hunderte Menschen in einem Großraumbüro ohne natürlichem Licht, nur getrennt durch körperhohe Paravents.

Heute ist Sonntag, ich habe mich einmal ausgeschlafen und bin erst um ½ 10 zum Frühstück. Dann überwinde ich mich und arbeite mich nochmals durch das Pricing und alles seine Parameter, schließlich will ich die Prüfung am Freitag ja auch schaffen!

Um 12:30 muss ich dann wegfahren zum Capgemini Office, das ca. 30 km außerhalb im Nordosten vom Mumbai liegt.  Wir fahren mit dem Taxi wieder an Lalbaugh Cha Raja vorbei, die Menschenschlange ist heute – ohne Übertreibung – kilometerlang, da hätte ich mich sicher nicht mehr angestellt!

Dann geht’s vorbei an relativ schönen Häusern (verglichen mit dem, was ich bisher in Mumbai gesehen habe) und dann wieder fast slumartigen Siedlungen, bis wir dann auf den Eastern Express Highway kommen. Hier gibt’s sogar markierte Fahrspuren und ganz wenig Verkehr, drum hält sich auch keiner an die Spuren und der nachkommende Fahrer hat wieder einen Grund zu hupen, sonst wäre es ja halb so spannend.

Bei meinem Taxi beträgt die Höchstgeschwindigkeit maximal 40 km/h, das hält den Fahrer aber nicht davon ab, auf der ganz rechten Spur (hier ist Linksverkehr!) zu fahren, was natürlich die Nachkommenden zum Hupen zwingt…

Endlich kommen wir in die Gegend von Vikhroli, das Godrej Memorial Hospital wird auch schon angekündigt, da muss ja dann auch der Godrej Industrial Complex nicht weit sein. Der Fahrer weiß jetzt nicht genau wo er hin soll und daher soll ich ihm es erklären. Ich versuche ihm klarzumachen, dass eigentlich er der Ortskundige sein sollte und nicht ich, bis er abbiegt und bei einem Tor einen Security fragt, der uns dann eine Ausfahrt zurückschickt. Richtig, da ist auch Capgemini auf der Tafel zu finden. Der Fahrer fährt in das Areal hinein, bis er wieder von einem Security gestoppt wird, der ihn zum Umdrehen zwingen will. Ich mache ihm klar, dass wir genau richtig sind und hier aussteigen will, er ist aber total fertig, anscheinend weil er mich nicht bis vor die Tür fahren kann. Dafür verlangt er dann 350 Rupies, das ist der höchste Betrag, den ich bis jetzt im Mumbai bezahlt habe.

Der Security bringt mich zum Wächterhäuschen, wo ich mich in eine Liste eintragen soll, und auf die Tafel hingewiesen werde, dass das Fotografieren verboten ist. Schade, denke ich mir später, ich hätte so gern die Kläranlage vor dem Eingang zu Capgemini 1 auf meinen Chip gebannt! Unser Mitbewerber, Accenture, ist auch ein paar Häuser vorher da, Sony hat auch ein Büro hier, das ganze Gelände wirkt aber mehr wie ein Schwerindustriekomplex als eine Software-Schmiede. In der Eingangshalle gibt es zwar die vertrauten Poster genau wie in Wien, aber sonst wirkt es trotzdem, schwer zu erklären, woran das zu erkennen ist, richtig indisch.

Der Security kann mit dem Namen Swapnil „XX“ – so heißt mein Kollege – überhaupt nichts an und weiß nicht was er mit mir machen soll. Ich will ihn gerade am Handy anrufen, da kommt er bei der Tür herein. Bevor wir weitergehen dürfen, wird noch die Seriennummer meines Notebooks in die Besucherliste eingetragen, damit ich kein neueres heraustrage.

Eine riesige Halle mit vielen Kojen zeigt sich nun, es ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen hier arbeiten. Swapnil führt mich durch und über eine Stiege in den 1.Stock wo es ein bisschen kleiner und übersichtlicher ist, zu seiner Koje, die wie alle anderen auch, mit 4 Arbeitsplätzen ausgestattet ist. Ich kann mich auf den Platz von Abdul setzen, wir starten unsere Notebooks und Swapnil lädt mich zu einem kleinen Rundgang und etwas zu trinken ein. Als Europäer ist es schwer vorstellbar, hier dauernd zu arbeiten, ich glaube ich würde einen Koller bekommen, dabei ist heute am Sonntag fast niemand da. Bin schon gespannt, wie das nächsten Montag wird.

Wir gehen dann die nächsten Stunden alle seine Fragen zum griechischen Demerger-Projekt durch, es ist wirklich gut, so zusammenzuarbeiten. Ich bespreche dann auch unsere Kommunikationsprobleme, die wir immer wieder haben, weil ich in Wien immer wieder das Gefühl habe, dass sie nicht auf meine Anfragen reagieren. Ich hoffe, dass wir das so auch einmal klären können. Aber zum Thema Kommunikation werde ich später nochmals etwas schreiben.

Swapnil macht mit seinem Auto, einem kleinen Hyundai, noch eine Runde und zeigt mir noch Mumbai 2, die beiden weiteren Gebäude (3+4) liegen auf der anderen Seite der angrenzenden Bahnlinie, da kommt man anscheinend nicht so einfach hinüber. Er bringt mich einige Kilometer bis zum nächsten Taxistandplatz, von wo ich dann wieder in die Stadt zurückfahren kann. Er hat mir auch noch erzählt, dass Accenture für einem Consultant von Capgemini bis zu 50% mehr Gehalt bezahlt, weil jeder weiß, dass die Ausbildung der Capgemini-Mitarbeiter über dem üblichen Niveau ist, dafür aber relativ schlecht gezahlt wird.

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10: Mumbai, 25.9.2007 – Das Ganesh Chaturthi ist zu Ende

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Mumbai