Eine Motorradwoche: Vom leidvollen Klack-Klack-Klack bis zum traumhaften Hochschwab-Panorama

Plan und Realität

Die Woche beginnt schon richtig gut. Ich habe wie jedes Jahr seit fast 20 Jahren für den kommenden Samstag eine Frühjahrsausfahrt für Freunde und Bekannte geplant, diesmal in die Hochschwab-Gegend, aber das Wetter will laut Vorhersagen anscheinend nicht mitmachen. Wir werden sehen, wie das bis Samstag weitergeht. Davor möchte ich aber noch, wenn möglich im Trockenen, am Donnerstag und Freitag mit zwei Freunden aus der alten Heimat die Rosalia, das Semmering- und das Wechselgebiet erkunden.

Die Navi-Software will nicht nicht mehr und die Motorradbatterie ist auch leer

Ich starte leider auf Aufforderung durch die Software das Update meines Navis und auf einmal sind die Karten nicht mehr verfügbar und das Navi ist praktisch unbrauchbar. Die Foren und Supportseiten haben viele Vorschläge parat, aber keiner funktioniert und ich frage mich wieder einmal, wie weniger IT-affine Menschen wie ich daran nicht scheitern würden. Das ist IT-Steinzeit und weit weg von Plug and Play und Selbstkorrektur, von KI rede ich dabei noch gar nicht.

Und wäre das nicht genug, klappt die erste Ausfahrt nach dem Urlaub auch nicht sofort. Freudig, weil das Wetter so schön ist, in die Motorradkluft hinein, aufgestiegen, Starter gedrückt, und nur: Klack – Klack – Klack. Die Batterie meiner Crosstourer ist vollkommen leer, anscheinend hat ein nicht isoliertes altes Kabel irgendwie die Batterie in den letzten zwei Wochen während unseres Urlaubs ausgenuckelt.

Also bei der Hitze gleich wieder raus aus der Kluft, Batterie ausgebaut, ab in den Keller und ans Ladegerät angeschlossen, morgen ist ja auch noch ein Tag und die Batterie wieder voll. Ich bin wahrscheinlich eh selber schuld, weil ich beim Batterie-Einbau nach der Winterpause nicht genau genug aufgepasst hatte.

Ein Kaffee auf der Terrasse verringert den Frust etwas und dann geht es zurück zum anderen Zeitfresser, dem Navi, das aber Stunden später noch immer nicht funktioniert.

Eine kleine Feiertagsrunde soll meine Motorradwelt wieder geraderücken

In der Früh leuchtet alles grün am Ladegerät, also kann ich  die Batterie einbauen. Der Motor springt sofort an, darum steht einer kleinen Feiertagsrunde nichts mehr im Weg. Und wo fährt man hin, wenn man nur kurz Zeit hat? Natürlich zur Kalten Kuchl, weil da an so einem Tag alle hinfahren. Über Hernstein, Berndorf, Pottenstein und den Hals geht’s ins Piestingtal, von Gutenstein über den Rohrer Berg, wo ich, nachdem ich auf 2 Wiener Motoradfahrer aufgeschlosssen habe, brav mit den dort erlaubten 70 der Polizei hinterher fahre. Erst bei der Kalten Kuchl fahren sie raus, und ich weiter Richtung Kleinzell, nachdem ich den überfüllten Parkplatz gesehen habe. Auch in meiner Richtung dürften unsere Freunde präsent gewesen sein, ich werde von den ersten entgegenkommenden Kollegen gewarnt, langsam zu fahren. Ich begegne aber keiner weiteren Kontrolle. So geht es trotzdem halbwegs flott über Kleinzell, Hainfeld und den Gerichtsberg wieder ins Triestingtal und nach Hause zurück, wo ich nach 2 Stunden und 126 km wieder eintreffe.

Regen, Sonne und schöne Kurven zwischen Schneeberg, Rax und Semmering

Der Donnerstag verspricht wettertechnisch wieder schön zu werden, also werden meine Freunde aus der alten Heimat im Ötscherland wie seit Monaten ausgemacht kommen, damit ich ihnen ein paar Highlights meiner nunmehr gar nicht mehr so neuen Heimat rund um Schneeberg, Rax und Semmering zeigen kann, bevor sie am Samstag bei meiner Frühjahrsausfahrt mitfahren.

F. mit seiner nagelneuen BMW GS 1300, die am Nachmittag in Wr.Neustadt ihr erstes Service bekommen soll, und W. mit der giftgrünen Kawasaki Ninja 1000SX kommen über Schwarzenbach und den Ochssattel zur Kalten Kuchl, wo wir uns treffen und dann gestärkt mit dem obligatorischen Topfenstrudel mit Vanillesauce gemeinsam über Rohr am Gebirge und das Klostertal ins Höllental fahren. Da beginnt es immer stärker zu regnen, so beschließe ich, mit ihnen statt wie geplant von Reichenau vorbei am Looshaus auf den Semmering zu fahren, dem Schlechtwetter auszuweichen und den Weg über Gloggnitz und Maria Schutz zu nehmen. Der Regen hat praktisch aufgehört, daher wähle ich die imposantere Strecke durch die Adlitzgräben, wo uns schon wieder die Feuchtigkeit von oben einholt und ich daher statt über Breitenstein und das Südbahnhotel den kürzeren Weg am Bahnhof vorbei nehme. Im Ort Semmering finden wir ein Kaffeehaus auf der Hochstrasse, wo wir uns aufwärmen, trocknen und den Kaffee und ein Nusskipferl genießen können.

Nach einer halben Stunde müssen wir aber los, um noch halbwegs pünktlich beim BMW-Händler zu sein. Daher kommen wir dann ohne Umwege über die B17, Ternitz und Neunkirchen nach Wr.Neustadt. Bei jetzt strahlendem Sonnenschein warten wir gemeinsam das Service ab und dann geht’s trocken über Matzendorf nach rund 240 km ins Hotel nach Leobersdorf, wo die beiden Freunde übernachten. Der Abend klingt dann gemütlich beim Heurigen Dungel aus, wo auch noch Motorradfreund A. dazukommt.

Der Freitag ist leider fahrtechnisch zu vergessen, Regen von der Früh bis zum Abend.

Nichts steht einer Hochschwabrunde entgegen

Schon der Sonnenaufgang am Samstagmorgen verspricht einen schönen Tag, daher wasche ich noch rasch den Dreck vom Donnerstag vom Bike, tanke voll und fahre zum vereinbarten Treffpunkt beim (aut)back, um auf die mitfahrenden Freunde zu warten. Es ist jedesmal wieder eine Überraschung, wie viele mitkommen werden, und kurz vor der pünktlichen Abfahrt sind wir insgesamt 13 Motorräder.

Auf bekannten und weniger bekannten Routen

Freund A. übernimmt wie immer die schnellere Gruppe, ich führe die gemütlichere Truppe und als Zwischenstopp ist der Ramswirt im Wechselgebiet vereinbart. Über Piesting, Nähe Hohe Wand, St.Egyden und Neunkirchen auf den Ramssattel verläuft unsere Strecke, die auch von Anfang an allen Spaß macht. Nach einem gemeinsamen Kaffee fahren wir weiter über den Feistritzsattel bis Wenigzell und Kindberg und dann hinauf auf den Pogusch vorbei am Navi-Zwischenziel Wirtshaus Steirereck, was mir meine weibliche Navistimme übelnimmt, weil sie ab diesem Punkt jegliche Kommunikation mit mir verweigert.

Wir finden aber auch ohne stimmliche Navi-Begleitung über Turnau, Aflenz und St.Ilgen zum Gasthaus Bodenbauer am Fuß des Hochschwab-Massivs. Lustigerweise bin ich mit meiner „langsamen“ Gruppe zuerst am Ziel angelangt, irgendwo nach dem Pogusch haben wir unterschiedliche Strecken genommen, was uns zum Etappensieg verholfen hat.

Der Bodenbauer mit dem Hochschwab im Hintergrund

Der Blick auf die teilweise schneebedeckten gut 2200 Meter hohen Felsgipfel im Hintergrund ist für uns alle atemberaubend und noch dazu bin ich der Einzige, der diesen Platz schon kennt. Das Haus Bodenbauer wurde Ende 2023 neu übernommen und ist bei unsrer Ankunft ziemlich gut besucht. Wir werden trotzdem freundlichst begrüßt und sehr rasch bedient, auch das Essen ist absolut empfehlenswert.

Rückweg mit Hindernissen

Die beiden Gruppen starten wieder getrennt und wir wollen uns am Heimweg als Zwischenstopp in der Kalten Kuchl treffen. Wir wissen, dass der Lahnsattel noch immer wegen Windwürfen gesperrt ist, ich lasse mich aber von einer etwas unglücklich aufgestellten Fahrverbotstafel kurz vor Mariazell verwirren und kehre mit meiner Gruppe um, um über das Niederalpl zu fahren. Während der Fahrt über diesen Pass im strömenden Regen wird mir bewußt, daß wir so die Kalte Kuchl nicht erreichen können und mache daher bei einem Kaffeehaus im sonnigen Gastgarten in Neuberg an der Mürz Pause. Frisch gestärkt und wieder fast trocken geht’s dann über Mürzzuschlag, den Semmering, Neunkirchen, das Steinfeld nach Bad Fischau und weiter über Matzendorf heim, wo wir uns noch auf ein Getränk im Kaffeehaus Flair treffen.

Nicht nur eine wunderschöne Frühjahrs-Runde mit ungefähr 340 Kilometern geht damit zu Ende, sondern auch meine Motorradwoche, und alle sind wieder wohlbehalten daheim angekommen.

Disclaimer

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass alle Empfehlungen und Links meine persönlichen Entscheidungen nach meinen Erfahrungen sind und ich auch von niemandem einen Vorteil oder eine Unterstützung erhalte. Mein Blog dient rein meinem Mitteilungsbedürfnis und der Freude am Erzählen.

Die Fotos in diesem Beitrag sind bis auf die Gruppenfotos und dem Foto mit dem Topfenstrudel aus meinem Archiv der letzten Jahre, da ich diesmal keine Zeit hatte zu fotografieren.

Links

https://www.hotel-leobersdorferhof.at/
https://www.dungel.at/
https://www.ramswirt.at/
https://www.der-bodenbauer.at/
https://www.kaltekuchl.at/
Cafe Flair: https://www.facebook.com/groups/495446467207747/?locale=de_DE

Sizilien 10 Im wahrsten Sinn des Wortes der Höhepunkt – der Ätna

Taormina in grau

Als wir in Taormina ankamen, war das Wetter grau und regnerisch, aber das letzte Hotel unserer Inselrunde empfing uns am frühen Nachmittag trotzdem mit einer tollen Aussicht von unserem Zimmer über die Bucht von Mazzarò und Giardini Naxos.

Zweimal um die Ecke und wir waren schon direkt am Corso Umberto, der von der Porta Messina vorbei an einigen Kirchen inklusive Dom bis zur Porta Catania erstreckt. Diese Einkaufsstraße ist vergleichbar mit solchen in anderen Touristen-Hotspots mit allen bekannten und hochpreisigen Labels. Wir haben uns dennoch in einer kleinen Bar zwei Glas Rose und köstliche Thunfisch-Tramezzini statt eines verspäteten Mittagessens gegönnt.

Auf dem Weg zurück zum Hotel stach uns auch noch ein Restaurant in die Augen, das wir dann am späten Abend besuchen wollten. Da es recht kalt war, nahmen wir dort zuerst eine Suppe, einmal Minestrone und einmal Tomatensuppe und als Hauptspeise köstliche Ravioli und Lasagne al Forno, fast die Klassiker abseits von Pizza und Co. Wir ließen dann den Abend in der Hotelbar im 6.Stock mit einem Cocktail ausklingen.

Der Ätna war uns gnädig

Am nächsten Morgen war von Wind und Regen keine Spur und der Ätna zeigte sich direkt vom Frühstückstisch aus kurz in voller, neu angeschneiter Pracht ganz ohne Nebel und Wolken. Darum wollten wir auch Plan A mit einem Besuch am Ätna umsetzen. Die Auffahrt zum Parkplatz bei der Talstation der Gondelbahn Funivia dell’Etna war wieder recht serpentinenreich, es müssen ja vom Meer weg über runde 20 km fast 2000 Höhenmeter überwunden werden. Es wurde während unserer Anfahrt immer nebeliger und nebeliger, bis die Straße fast nicht mehr erkennbar und von den Gondeln und vom rauchenden Vulkan nichts mehr zu sehen war. Weil wir jetzt schon da waren, wollten wir trotzdem hinauf auf rund 2500m, um dort wenigstens etwas herumwandern zu können.

Bis wir aus dem Auto ausstiegen, waren die Nebelschwaden weg und wir hatten freien Blick auf den rauchenden Krater, klarer hätte es nicht sein können. Wir stapften an der Bergstation noch einige Höhenmeter den Weg der 4×4 Busse durch den Neuschnee und den Lavasand hinauf und genossen den Kontrast zwischen schwarz und weiß und konnten so einen unverstellten Blick auf den rauchenden Berg ergattern. Mehr habe ich mir wegen meines Hüftgelenks einfach nicht zugetraut, aber vom Parkplatz an der Talstation kann man zu Fuß recht bequem einen kleineren erloschenen Krater umrunden und so auch etwas ins Vulkanfeeling kommen.

Wie meist sind die unscheinbaren Orte die besten

Auf dem Weg zurück nach Taormina entdeckten wir zufällig in Zaffarena Etnea die Pasticceria Antica Dolceria, die mehrheitlich von Einheimischen besucht war. Wie jemand in TripAdvisor schreibt, eigentlich ein Geheimtipp, den man so nicht weitergeben sollte, das Personal war wie eigentlich überall auf Sizilien freundlich und hilfsbereit, obwohl unsere Italienisch-Kenntnisse auch hier nicht mit ihren Deutsch- oder Englisch-Kenntnissen zusammenpassten. Wir gönnten uns als kleinen Snack neben einem Cappuccino einen Arancini und eine Calzone Siciliana, Süßspeisen hatten wir in der letzten Zeit genug, obwohl man hier fast nicht widerstehen konnte.

Ausflug mit der Funivia Mazzarò

Wenn man schon in Taormina ist, muss man unbedingt mit der recht modernen Gondelbahn Funivia Mazzarò den Berg hinunter fahren. Noch sehr viele Stufen weiter hinunter kommt man an den Strand, wo man theoretisch in der Sonne liegen und ins Meer steigen könnte, beides leider zu kalt. Der Weg an der Straße weiter zur Isola Bella ist wegen des starken Verkehrs nicht recht einladend, aber nach einem Zwischenstopp an einer Bar für einen Aperol Spritz, wo wir in Ruhe den sizilianischen Autoverkehr mit einer Reihe von Oldtimern beobachteten, machte es wieder Spaß weiterzugehen.

Die Isola Bella im Abendlicht

Die Insel ist heute ein Naturschutzgebiet mit ähnlich skurrilen Bauwerken wie im Stadtpark von Taormina, war aber wegen des Wasserstandes trockenen Fußes nicht erreichbar. So genossen wir den Rundumblick in der kleinen Bucht für einige Fotos, die für mich der Stimmung eines Bildes von Casper David Friederich oder Gauermann wiedergeben, ohne die beiden Maler künstlerisch vergleichen zu wollen und meine Fotokünste mit den Beiden schon gar nicht.

Genießen und die Stimmung wirken lassen

In Taormina ist natürlich jedes Restaurant recht touristisch, aber wir fanden wieder ein ansprechendes Lokal wo die Kellner nett waren und wo wir das Treiben rundherum beobachten konnten. Ein halber Liter roter Hauswein dazu wurde in den letzten Tagen bereits obligatorisch.

Der Ätna und das nördliche Hinterland mit Graffiti, Pistazien und leider ohne Erdbeeren

Der nächste Tag war wieder dem Ätna gewidmet, diesmal wollten wir ihn beinahe umrunden und dabei einige interessante Orte besuchen. War schon die Südseite imposant, so zeigte sich die Nordseite noch stärker verschneit und glitzernd in der Sonne.

Kunst wo man sie nicht vermutet

Wir machten in Linguaglossa halt und entdeckten bei unserem Spaziergang durch das Ortszentrum zufällig Graffiti in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Auch hier hatte ein findiger Bürgermeister seine Hände im Spiel, der diverse Künstler einlud, den Ortskern mit einer „Galerie unter Sternen“ zu verschönern. Auch wenn im Lauf der Jahre vieles verblasst ist, sind sie noch immer recht gut zu erkennen und wurden auch nicht von anderen „Künstlern“ veranstaltet. 

Prunkvoller Prozessionswagen zum Festa Sant`Egidio Abate

Als weiteres Highlight entdeckte ich in der Chiesa Santa Maria delle Grazie einen Prozessionswagen zur Feier des Hl.Ägidius (Festa Sant`Egidio Abate), wo ihr auch am Ende einen Link zu einem Video dazu findet. Eindrucksvoll ist auch die vollständig aus Holz gefertigte Kassettendecke, die sich im spektakulären Chor hinter dem Hauptaltar fortsetzt.
Übrigens gibt es hier zu Fronleichnam ebenfalls Blumenteppiche am Weg der Prozession ähnlich wie in Noto.

Pistazien aus Bronte

Der nächste Stopp war in Randazzo geplant, dort sahen wir auf unserer Fahrt durch den Ort nichts für uns interessantes. Darum fuhren wir weiter zum Pistazien-Ort Bronte, wo schon die steile Zufahrt zum Parkplatz in der Nähe des Zentrums ein Erlebnis für sich war. Das Rathaus am Hauptplatz schien an der Fassade Einschusslöcher zu haben, deren Ursache wir aber nicht herausfinden konnten. In einem kleinen Café entdeckten wir ein Pistazien-Eis, das wir zu einem besonders nett dekorierten Cappuccino genossen. Pistazien und die Produkte davon, von Creme über Pesto, Nudeln und Eis kann man hier in vielen Läden kaufen. Die Pistazie wird auch in vielen Speisen in ganz Sizilien verwendet, die auch wir schon einige Male genießen konnten.

Maletto-Erdbeeren mit Rekordkuchen

Der Rückweg führte zuerst noch ins berühmte Erdbeerdorf Maletto. Die Sorte Madame Moutot wurde 1906 auf das wenige Kilometer von Maletto entfernte Schloss Nelson gebracht. Dank des fruchtbaren und reichen Bodens des Ätna fand die französische Erdbeere ihren idealen Platz in Maletto. Wir waren aber zur falschen Zeit hier, das berühmte Erdbeerfest mit dem größten Erdbeerkuchen der Welt findet immer im Juni statt. Der Blick auf den Ätna war trotzdem imposant.

Lokale Antipasti vom Feinsten

Den Rückweg haben wir über eine andere Straße, den Hang des Ätna entlang durch Alleen von gelb blühendem Ätna-Ginster genommen, eine kilometerlange Blütenpracht. Dabei kamen wir an einem schon von außen interessanten Lokal vorbei, dem Tradizione Siciliana Ristorante Da Leo (Sizilianische Tradition bei Leo), wo wir nur eine Kleinigkeit essen wollten, damit wir am Abend wieder Hunger hätten.

Wir bestellten ein Teller Antipasti Rustico für eine Person und bekamen ein riesiges Brett mit lokalen Spezialitäten von frischem und luftgetrocknetem Schinken und frittiertem Schafkäse über getrocknete Tomaten bis Oliven, Artischocken, Sülze mit Zitrone (Gelatina siciliana di maiale) und ausgezeichnetem selbsterzeugtem Schafkäse und natürlich einem guten Pane dazu. Auf einem riesigen Holztisch wurden die einzelnen Stadien der Käseerzeugung gezeigt, nicht wirklich anders als bei uns, aber trotzdem wahnsinnig gut im Ergebnis.

Abendrunde durch den Stadtpark Villa Comunale Taormina

Der Park liegt direkt bei unserem Hotel und beherbergt neben verschiedensten exotischen Pflanzen und Bäumen auch viktorianische Follies (Verrücktheiten), Staffagebauten, die eine englische Adelige für ihre Tiere errichten ließ. Die Pflanzen für diesen Garten wurden dafür auf der Isola Bella gezüchtet. Zur Pflanzenwelt, die wir in diesen beiden Wochen gesehen haben, gibt es mehr im Abschluss-Blog in den nächsten Tagen. Die Aussicht auf das Meer hinunter ist ebenfalls nicht zu verachten.

Unser letztes Abendessen in Sizilien mit Tarantella

Ehrlicherweise muss ich sagen, daß es nach zwei Wochen immer schwieriger wird, etwas auf der Karte zu finden. Alles für sich gesehen schmeckte wunderbar, aber trotzdem wurde der Wunsch nach einem Wiener Schnitzel immer größer. Es ist uns aber trotzdem gelungen etwas zu finden, und wir genossen unsere Risotti mantecati (chremig gerührt einmal al finoccheto e lamelle di mandorle tostate/ mit Fenchel und gerösteten Mandelstücken und con fiore di zucca e asperagi / mit Zucchiniblüten und Spargel) und als Nachspeise gemeinsam noch Mandelpannacotta mit Beeren, stilgerecht untermalt von sizilianischen Sängern, die die Tarantella rauf und runter sangen und spielten.

Ab nach Hause

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem letzten Blick auf den imposanten, leicht rauchenden Ätna fuhren wir zum Flughafen Catania und landeten am Abend mit nicht ganz einer Stunde Verspätung in Wien.

Einen kleinen Bericht mit Planzen, Filmplakaten, Oldtimern, etwas Statistik und einem kurzen Fazit reiche ich noch nach.

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Isola_Bella_(Sizilien)
https://anticadolceriadelletna.it/
https://www.intrartlinguaglossa.it/#!/panoramalinguaglossese
https://m.youtube.com/watch?si=Xd8iVP4iaIXpENi1&v=lEu-qUmOQTs&feature=youtu.be
https://m.youtube.com/watch?si=BI6Es1HViyf7_jeK&v=WYnSkKE5DY0&feature=youtu.be
https://www.mariadellegrazie.altervista.org/
https://www.go-etna.de/entdecken-sie-maletto-und-die-westseite-des-aetna/
https://etnaway.com/de/die-pflanzen-des-aetna/#:~:text=Der%20%C3%84tna%2DGinster%20

Zum Weiterlesen

Sizilien 11 Epilog – Sizilien ist mehr als eine Reise wert

Sizilien 9 Cefalù und die Liparischen Inseln

Grüne Landschaft und steile Küste

Nach einer Stunde Stau im Montagmorgenverkehr hinaus aus Palermo ist die Fahrt durch die grüne Landschaft mit Getreidefeldern und Olivenplantagen und später die kleine Küstenstraße entlang ein Erlebnis, das sich total von der von Folienhallen dominierten Südküste unterscheidet.

Cefalù darf man nicht übersehen

Auf dem Weg nach Milazzo darf man an Cefalù nicht vorbeifahren. Ein paar Kilometer Umweg sind es auf jeden Fall wert, um diese kleine Stadt für einige Stunden zu genießen. Wir haben den Parkplatz, der dem Stadtzentrum an nächsten liegt, angesteuert und wurden von der einladenden Küstenpromenade mit Cafés, Restaurants und Sandstrand empfangen.

Ein Cappuccino und ein Eisshake am Sandstrand stärkten uns für den Spaziergang durch die Stadt. Diese liegt malerisch in einer felsigen Bucht und die Gassen steigen langsam bis zum Piazza del Duomo mit der Kathedrale Santissimo Salvatore im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil an.

Wir hatten Glück und konnten gerade noch in den Dom hinein, bevor er um 13 Uhr geschlossen wurde. Das Apsismosaik aus dem 12. Jahrhundert des Christus als Pantokrator dominiert die Kirche und strahlt in besonderer Farbenpracht. Die zwischen 1985 und 2002 entworfenen Fenster des Michele Canzoneri mit biblischen Motiven beeindrucken durch ihre Schlichtheit einerseits und die Farbenvielfalt andererseits. Leider lassen sie sich mit dem Handy nur schwer fotografieren.

Ebenfalls einen Blick wert ist das mittelalterliche Lavatoio Medievale Fiume Cefalino, ein Waschhaus mit originalen Waschbecken aus Naturstein und gußeisernen Wasserspeiern, das in dieser Art einzigartig ist. Es liegt etwas versteckt und kann im Vorbeigehen durch die geschäftigen Gassen leicht übersehen werden.

Mahnmal zum Umweltschutz

Am Eingang zur Altstadt erinnert ein Delfin aus blauen und weißen PET-Flaschen an die Plastikverschmutzung der Meere. Obwohl in Bezug auf alternative Energiegewinnung mit Windkraft und Photovoltaik auf Sizilien schon recht viel passiert, ist die Verschmutzung der Landschaft ein noch ungelöstes Problem. Schade, denn gerade diese Landschaft ist es, die neben Meer und Architektur die Gäste ins Land lockt.

Nette Filmaufnahmen

Gleich in der ersten Gasse sind wir zu Filmaufnahmen, wahrscheinlich für einen Werbespot, dazugekommen. Eine Vespa, ein feuriger Italiener, zwei Buben und eine schöne Frau, das alles in Blau-Weiß, waren die Protagonisten.

Weiter an der Küste

Wir fuhren die schmale Straße weiter, die sich der Küste entlang schlängelt, bevor wir den Rest der Strecke bis Milazzo auf der Autostrada A20 mit gefühlt hunderten recht finsteren Tunnels und vielen Brücken, fast alle mit Baustellen, verbrachten.

Am Fährhafen zu den äolischen/liparischen Inseln

Am späten Nachmittag fanden wir in Milazzo auf Anhieb und unser Hotel, direkt in Sichtweite zur Anlegestelle nach Lipari. Wie schon vorher war es wieder ein nettes Boutique-Hotel, das mit viel Liebe eingerichtet war.

Das Wetter versprach morgen schön zu werden, daher kauften wir wie geplant die Karten für die Fahrt mit der Fähre nach Lipari am nächstenTag.

Milazzo hat ausser der Fähre nicht wirklich viel zu bieten, auch nicht kulinarisch außerhalb der Saison, so landeten wir in einer kleinen Pizzeria im Ort, wo wir dann am zweiten Abend gerne nochmals hingingen, da die Pizzen wirklich hervorragend und der Chef des Hauses sehr nett waren.

Mit der Fähre nach Lipari

Am frühen Morgen brachte uns die Fähre, genauer gesagt das Tragflügelboot, bei glatter See ohne besondere Vorkommnisse mit Zwischenstopp auf Vulcano nach rund einer Stunde Fahrzeit nach Lipari. Der Rückweg am Abend war dann schon etwas anders, weil am späten Nachmittag der Wind aufkam und das Meer entsprechend unruhig mit ordentlichen Wellen war. Wir tauchten einerseits mit dem Bug so stark ein, daß das Wasser über das Boot schlug und es andererseits so hin und her schwankte, daß unsere Fenster fast an der Wasseroberfläche eintauchten. Mich störte es nicht besonders, meine Frau fand es aber nicht sehr lustig und war froh, als wir nach einer guten Stunde in Milazzo Porto wieder aussteigen konnten.

Lipari ist wirklich sehenswert

Ich hatte bereits am Vorabend für den Nachmittag ein Taxi für eine geführte Inselrundfahrt bestellt, daher erkundeten wir nach einem guten Cappuccino im Dachterrassen-Café am Hafen wie praktisch täglich zu Fuß den Hafen und die Stadt. Das erste Mal in diesem Urlaub war auch der Friedhof dabei, mit den typisch italienischen Grabstellen und Mausoleen. Weiter ging es durch die Fußgängerzone bis ich durch Zufall eine Gasse entdeckte, die nach Erzherzog Ludwig Salvator benannt war.

Ein forschender Erzherzog der Habsburger mit Wurzeln in Sizilien

Die Mutter des als Mittelmeerforscher bekannten Erzherzogs war Maria Antonia von Neapel-Sizilien. Neben vielen anderen Werken verfasste der Erzherzog auch eine sechsteilige Schriftenreihe über die Liparischen Inseln. Aufgrund der zahlreichen und detaillierten Informationen über die einzelnen Inseln und ihre Bewohner gilt Salvators Werk bis heute als die umfangreichste Dokumentation über die Inselgruppe.

Am Felsen hoch über der Stadt

Eine lange Stiege führt hinauf zur Basilica San Bartolomeo, die am höchsten Punkt der Stadt thront. Der Innenraum der Kirche des Schutzpatrons von Lipari, die bis ins 11.Jahrhundert zurückgeht, ist mit feinen Fresken verziert, sehr beeindruckend. Wenn man in den Garten auf der Rückseite der Kirche geht, hat man einen traumhaften Ausblick über die Stadt und die beiden Häfen. Neben der Kirche lädt das archäologische Museum zum Besuch ein, dafür war unsere Zeit aber zu knapp. Ein paar Schritte weiter fanden wir das Amphitheater, das 1976 einem antiken Theater nachgebaut wurde und für verschiedenste Veranstaltungen genutzt wird. Der Blick hinunter auf die Marina Corta mit der recht unscheinbaren Chiesa delle Anime del Purgatorio direkt am Hafen und der einige Stufen höher gelegenen Chiesa di S. Guiseppe ist grandios und den Weg wert.

Mittagessen an der Marina Corta

Eine Reihe von Restaurants lud zum Essen ein, im Ristorante Al Pescatore bekam meine Frau endlich die ersehnte Zuppa di Cozze, Muscheln in Tomatensauce, extra zubereitet, obwohl sie gar nicht auf der Karte standen. Auch mein zartes Filetto di Manzo mit Zitronensauce mit frittierten Kartoffelscheiben als Beilage verkürzte die Wartezeit bis zu unserer Rundtour. Glücklicherweise waren wir früh genug da und bekamen noch einen ruhigen Tisch und unser Essen, bevor eine größere Reisegruppe das Personal in Beschlag nahm.

Pünktlich um 14 Uhr holte uns unsere Fahrerin Nadia vom Servizio Taxi Gian.Si. vor der Säule des San Bartolomeo mit ihrem Taxibus ab. Sie erklärte uns die zweistündige Runde zu allen wichtigen Punkten der Insel, wir wurden von ihrer Begeisterung für ihre Heimatinsel auch angesteckt. Die Fahrt führte uns zuerst durch den einzigen Tunnel der Insel nach Canneto mit breiten Kieselstrand und einer Strandpromenade. In den Sommermonaten ist der Ort beliebt für einen Strandurlaub mit Blick auf Panarea und den Vulkan Stromboli, der eigentlich dauernd aktiv ist und in kurzen Abständen speit oder raucht. Wenn es wärmer wäre, würden feine Lavasandstrände am nördlichen Ortsende zum Baden einladen, derzeit ist es auch hier noch zu kalt dazu.

Der erste Halt war bei einer ehemaligen Bimstein-Fabrik. Der Bimstein-Abbau wurde eingestellt, da die Liparischen Inseln (Panarea, Stromboli, Vulcano, Alicudi, Filicudi, Lipari und Salina) 2002 auf Grund Ihrer Bedeutsamkeit für die fortdauernden weltweiten vulkanologischen Untersuchung zum UNESCO Welterbe erklärt wurden. Jede Medaille hat zwei Seiten, viele Liparier verloren dadurch ihren Arbeitsplatz, nur einige arbeiten heute für das Welterbe.

Acquacalda wurde nach ehemaligen heißen Quellen am Meeresboden benannt, die aber schon lange nach einem Vulkanausbruch versiegt sind. Die Insel Salina hat ihren Namen von einem natürlichen Salzsee, der bereits in der Antike zur Salzgewinnung genutzt wurde und heute noch durch seine Farbe besticht.

Die kleine Kirche Santuario della Madonna della Catena oberhalb von Quattropani ist nur über engste Gassen erreichbar, die Nadjas Fahrkünste eindrucksvoll zeigten.

Vom Parkplatz beim Osservatorio Geofisico di Lipari geleitete uns Nadia über einen schmalen Pfad bis zur Spitze der Landzunge. Wir waren überwältigt von dieser traumhaften Aussicht. Neben dem Blick über die Inselwelt erklärte sie uns dabei auch eine Reihe von Kräutern und Pflanzen, sogar eine wilde Iris fand sie zufällig, die normalerweise in diesem Teil der Insel gar nicht vorkommt.

Der Weg zurück führte uns noch durch Pianoconte, dem Heimatort unserer Fahrerin, wieder zur Marina Corta. Auch wenn es nicht ganz billig war, ist die Runde mit Nadia nur zu empfehlen, einen so engagierten Guide wie sie findet man sehr selten.

Bergfahrt mit Hindernissen

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Taormina, ich hatte dafür daheim bereits nach dem Vorschlag des Reiseführers mit dem Motorradnavi und der kurviger-App eine Route über die Berge auf der SS185 ausgearbeitet. Die extra kurvenreiche Straße wurde schlechter und schlechter, immer wieder und öfter durch Verengungen oder Bodenwellen wegen abgerutschter Fahrbahnteile unterbrochen, bis wir nach rund 30 Kilometern den Berg hinauf vor einem Durchfahrtsverbot standen.

Während wir mit Karte und Navi eine Alternativroute suchten, blieb ein älterer Herr mit seinem Fiat Panda stehen und erklärte uns auf Deutsch, dass es keine Alternative gäbe und wir zurück hinunter müssten und nur über die Autostrada nach Messina weiter nach Taormina kommen könnten. Wenn wir wahrscheinlich irgendwo ein italienisches Hinweisschild verstanden hätten, wären wir in diesen 2 Stunden Fahrzeit bereits an unserem nächsten Ziel in Taormina angekommen. Für das Motorrad wäre das eine tolle Strecke ohne die vielen Abbrüche der Fahrbahn, so aber hauptsächlich Zeitverlust.

Links

https://www.villatravellers.com/de/sizilien/sizilien-entdecken/cefalu
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_von_Cefal%C3%B9
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Salvator_von_%C3%96sterreich-Toskana
https://www.ludwigsalvator.com/werke-liparische-inseln/
https://www.go-etna.de/unesco-welterbe-siziliens/liparische-inseln/
https://manzoni46.com/en/

https://www.taxilipari.it/ita-deutsch

Zum Weiterlesen

Sizilien 10 Im wahrsten Sinn des Wortes der Höhepunkt – der Ätna

Sizilien 8 Und natürlich Palermo

Autofahren in Palermo

Schon in Catania dachten wir, daß der Verkehr nicht noch intensiver werden könnte. Doch er wurde noch weit intensiver. Andererseits, mit Ruhe und Beharrlichkeit kann man ganz gut mitschwimmen, wenn man sich daran gewöhnt hat, daß auf 3 Spuren 5 Fahrzeuge fahren, links und rechts gleichzeitig überholt wird und auf Kreuzungen sowieso jeder einfach losfährt. Immer quasi im Windschatten des Vordermanns oder der Vorderfrau zu bleiben, hilft ungemein.

Und wieder versteckt sich ein Hotel vor uns

So kamen wir ohne gröbere Probleme in der Seitengasse der Via Roma an, in der sich unser Hotel befinden sollte. Aber da war, zumindest für uns, kein Hotel. Also das Auto italienisch eingeparkt (einfach auf der nächsten freien Stelle, diesmal vor ein paar Garagentoren), die beste Ehefrau wartet im Auto, und ich beginne zu Fuß zu suchen. Kein Straßenname und keine Hausnummer waren zu sehen, dafür der Eingang zu einem anderen Hotel. Der Rezeptionist verdrehte  die Augen, er kennt die Frage anscheinend schon und schickte mich um die Ecke. Ich ging dorthin, da war aber kein Hotel, sondern ein cooles Antiquariat. Der Besitzer erklärte mir, daß der Eingang genau auf der gegenüberliegenden Seite des Blocks sei und er das genau wüsste, da er schon 20 Jahre hier sein Geschäft hätte. Also dorthin zurück, das war aber genau dort wo unser Auto noch immer stand und ganz genau geschaut. Neben einer unscheinbaren Tür fand ich einen Klingelknopf, winzig mit dem Namen des Hotels Palazzo del Poeta beschriftet, und fast so klein, auch die richtige Hausnummer. Also hatte das Navi diesmal doch recht.

Die Tür öffnete sich und der erste Anblick übertraf unsere Erwartungen an ein B&B Boutique-Hotel in einem Palazzo. Auch das Frühstück war hier das Beste von allen Hotels, sogar das Rührei wurde mit einer silbernen Wärmeglocke serviert. Ich lasse einfach wieder einige Bilder sprechen.

Eintauchen ins Straßenleben von Palermo

Die Lage des Hotels in der Innenstadt ist wirklich optimal für einen Erkundung der Sehenswürdigkeiten von Kirchen und Museen bis zu den berühmten Märkten, alles relativ nahe und leicht zu erreichen. Das Zimmermädchen, das uns empfangen hatte, schlug vor, Richtung Teatro Massimo zu gehen und von dort aus in die Fußgängerzone oder in einen der Märkte weiter zu gehen. Da wussten wir noch aber nicht, wieviele Schritte wir am Ende unseres Palermo-Aufenthaltes laut Samsung Health haben sollten, es waren nach eineinhalb Tagen mehr als 30.000 Schritte, obwohl wir auch noch 2 volle Runden mit Hop on – Hop off Bussen fuhren.

Auf dem Weg zum Teatro di Massimo stach uns bei einem der vielen Restaurants, die um die Gäste buhlten, eine Platte mit sizilianischen Speisen für 2 Personen ins Auge, die gerade recht zu sein schien.

Neben frittierten Sardellen fanden sich kleinere Arancini, frittierte Kartoffelpuffer und Ähnliches, das wir unbedingt kosten wollten und das auch unsere Geschmacksnerven erfreute und den ersten Hunger stillte.

Laut, lebensfroh und überschwänglich

Am Platz vor dem Teatro di Massimo hörten wir schon von Weitem einen genialen Sänger mit Gitarre mit einem leidenschaftlichen Trommler als Begleitung, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wahrscheinlich kennen ihn alle, die schon in Palermo waren.

Die geschäftige Via Maqueda führt als Fußgängerzone bis zum Quattro Canti (deutsch: „vier Ecken“), mit vier imposanten Fassaden, die mit Statuen spanischer Könige und bei uns noch zusätzlich mit violetten Fahnen geschmückt waren, zum Corso Vittorio Emanuele. Auch wenn es sehr touristisch ist, hat es sogar hier eine spezielle Atmosphäre, die man genießen und wirken lassen muss.

Über Souvenirs schreibe ich in einer späteren Ausgabe, hier nur einmal die offene Frage zum Foto: Welche soll ich denn kaufen?? Man sieht am Bild aber nur eine kleine Auswahl dieser Krippen, die in Peru entstanden sind.

Über die Dächer Palermos zu nackten Flussgöttern und Nymphen

Die Kathedrale Maria Santissima Assunta oder auch „Kathedrale von Palermo“ beeindruckt schon von außen und lädt nicht nur zum Besuch des Daches ein. Einige Euro Eintritt für die Besteigung und noch für die Schatzkammer und Krypta finden wir angemessen, der Ausblick über die Stadt und der Einblick in die Unterwelt der Kirche sind gigantisch und am späten Samstag Nachmittag praktisch ohne Wartezeit zu erreichen.

Nicht weit davon befindet sich der Palazzo dei Normanni, den wir am Sonntag besuchen wollten, der dann aber geschlossen war, sehr schade, aber es gibt noch genügend andere Sehenswürdigkeiten, daß es sowieso nicht möglich war, in eineinhalb Tagen alles zu sehen.

Auch wenn die Fontana Pretoria mit ihren Skulpturen von nackten Flussgöttern und Nymphen gerade oder noch immer, so einfach erkennt man das in Sizilien nicht immer, renoviert wird, sind sie doch einen Blick wert. Der Name „Brunnen der Schande“ entstand wegen der für damalige Verhältnisse freizüglichen Darstellung und den extremen Baukosten.

Die Märkte als Sammelsurium der Kulturen

Jeder der drei großen Märkte ist für sich eine Attraktion an Farben, Gerüchen und Bildern, sind sie doch alle schon seit Jahrhunderten Bestandteil der Kultur von Palermo mit griechischen, arabischen und normannischen Einflüssen. Wir haben sie besucht, zuerst La Vucciria, der anscheinend am Wochenende die Ausgehmeile von Palermo geworden ist und wo man am Samstagabend fast nicht durchkommt, der Markt Ballarò, der seit über 1.000 Jahren besteht und angeblich der malerischste Straßenmarkt überhaupt sein soll, und noch der Mercato del Capo, wo am Sonntag mit Musik, Gesang an diversen Ständen eine Ausgelassenheit herrschte, die mitreißt.

Wir verstehen nun die Begeisterung aller, die uns von Palermo erzählt hatten und auch wir hätten das alles noch viel länger wirken lassen können. Ein paar Bilder geben die Atmosphäre hoffentlich auch etwas wider.

Kulinarische Eindrücke der Stadt

Wir sind in der kurzen Zeit sicherlich in die eine oder andere touristische Falle getappt, aber jedes Restaurant und jede Speise waren für sich ein Erlebnis. Und, obwohl Palermo eine recht große Stadt ist, hatten wir immer wieder den Eindruck, daß sich viele Einheimische untereinander kennen und dabei das „Grätzlgefühl“, das es bei uns in der Großstadt praktisch nicht mehr gibt, noch recht ausgeprägt ist und den Flair mit ausmacht.

Die Zeit für die Stadt war sicher zu kurz und lädt dazu ein, wie viele andere wieder zu kommen.

Links

https://www.cattedrale.palermo.it/
https://www.merian.de/europa/italien/die-schoensten-sehenswuerdigkeiten-palermos
https://www.bnbdolcevita.de/palermo-maerkte
https://www.hop-on-hop-off-bus-tours.com/tour-city-sightseeing-palermo-hop-on-hop-off-bus-tour?gad_source=1&gclid=Cj0KCQjw8pKxBhD_ARIsAPrG45m3yeYxC9p46KguA2cX-VQB8y1h8-uelW1S3uzn_MCoOooyju1QMn0aAohgEALw_wcB
https://www.palazzodelpoeta.com/

Zum Weiterlesen

Sizilien 9 Cefalù und die Liparischen Inseln

Sizilien 7 Erice, Meersalz und Marsala

Die Umgebung von Trapani bietet einige interessante Orte, wo es sich lohnt, sie zu besuchen. Wir haben daher unseren vollen Tag hier genutzt, diese auch zu erkunden.

Malerisches Bergdorf mit Bergrennen und Blick über Trapani

Die Serpentinen hinauf nach Erice stehen vielen Bergstrassen in den Alpen um nichts nach. Bis auf eine Seehöhe von 715m schlängeln sie sich um den Monte Erice und sind bereits zum 66. Mal Austragungsort eines Auto-Bergrennens, der „Cronoscalata Monte Erice“, das heuer von 25. bis 28.April stattfindet. Und schon wieder habe ich eine interessante Veranstaltung verpasst, daher findet ihr mehr Infos in den Links. Die Vorbereitungen für das Rennen sind schon getroffen, wie man auf den Bildern sieht.

Uns begrüßte Erice mit stürmischen Winden und Regenschauern, wir ließen uns aber trotzdem nicht aufhalten und durchkämmten die mittelalterliche Altstadt, in der nur wenige hundert Einwohner leben, nach der Besteigung des Campanile der Chiesa Madre nahe der Porta Carmine.

Atemberaubende Ausblicke hinunter nach Trapani und auf das Meer, sogar unser Hotel konnten wir erkennen, entschädigten für die Kletterei über die enge Treppe.

Viele malerische Winkel bieten sich für Fotos an und wir erkundeten sie mit Begeisterung, auch wenn die Steine der Wege durch den Regen etwas rutschig geworden sind. Sogar die Süßspeisen einer Pasticceria werden speziell präsentiert.

Die Menschen in Sizilien sind überaus nett und freundlich, auch hier in Erice hat uns eine ältere Dame aus dem Ort auf Deutsch angesprochen und uns einige Tipps gegeben. Sie hatte Deutsch studiert und war einige Jahre in Ostdeutschland und hat sich gefreut, nach Langem wieder Deutsch zu sprechen.

Meersalz aus dem Naturreservat

Ein besonderes Highlight sind die Salinen zwischen Trapani und Marsala. Der Abbau erfolgt nur durch natürliche Verdunstung ausschließlich in den Salinen innerhalb der unter Schutz gestellten Riserva isole dello Stagnone und des Naturreservats Salinen von Trapani und Paceco.

Einige Windmühlen sind noch recht gut erhalten, von den meisten stehen aber nur mehr die steinernen Reste am Rand der sogenannten Salzpfannen. Ein kleines Museum kann auch besucht werden, da ich aber schon vor Jahren die Meersalz-Gewinnung in einer Saline in Ägypten erklärt bekommen habe, haben wir uns auf einen kleinen Fotorundgang beschränkt und dabei auch wieder einige Pelikane gesehen.

Marsala am späteren Nachmittag

Beim Parken unseres Autos am Rand der Altstadt von Marsala entdeckten wir den Eingang zum Antico Mercato, der aber gerade geschlossen wurde und wir nur noch durch die leeren Gassen gehen konnten.

Die Fußgängerzone der Stadt führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, so konnten wir in recht kurzer Zeit vieles zumindest von außen besichtigen.

Sizilianisches Agritourismo

Für das Abendessen haben wir uns ein Agritourismo mit Restaurant, nur einige Kilometer von unserem Hotel entfernt, ausgesucht. Die rustikale und typisch sizilianische Pizza war dann schon fast zu groß. Eine Flasche des dort erzeugten Olivenöls mussten wir dann doch noch mitnehmen

 

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erice
https://www.cronoscalate.it/events/event/66a-monte-erice/

https://youtu.be/qnQxgw-3-WA?si=VIboG8HEjZbNGJUB

https://blog.magisches-sizilien.de/die-salinen-von-trapani
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Meersalz_von_Trapani
https://www.ducadicastelmonte.it/it/ristorante

Zum Weiterlesen

Sizilien 8 Und natürlich Palermo

Sizilien 6 – Trapani

Zuhause habe ich mich noch gewundert, warum bei den Hoteladressen für unsere Rundreise auch die GPS Koordinaten angegeben waren. Bei der Suche nach dem Weingut mit Hotel in der Nähe von Trapani lotste uns das Navi trotz exakter Adresse an einen Punkt quasi im Niemandsland. Auf der Suche fuhr ich weiter der Navi-Anweisung nach und landete direkt vor einer wegen einer Baustelle abgesperrten Straße. Ein Anruf im Hotel brachte auch keine endgültige Klarheit, erst die GPS-Daten leiteten uns zur korrekten Abzweigung zum Hotel. Soweit zu versteckten Hotels …

Mitten in den Weinbergen

Die neue Unterkunft liegt rund 10 km außerhalb von Trapani mitten in den Wein- und Olivenplantagen, malerisch renoviert und ausgebaut mit Blick in die nähere Umgebung. Von den 16 Zimmern waren in der ersten Nacht drei belegt, in der zweiten Nacht hatten wir das gesamte Haus für uns allein, nicht einmal Personal war da – ein interessantes Gefühl.

Trapani bietet für uns Touristen für eine Nachmittagsbesichtigung neben einer ganz netten Fußgängerzone einige sehenswerte Kirchen und einen Weg über die alte Befestigungsmauer direkt am Meer.

Kunstgenuss

In der Chiesa del Agostini waren alte Figuren zur Passion Christi aus der Umgebung von Trapani ausgestellt,  in dieser Dichte habe ich so etwas noch nie gesehen.

Leibliche Genüsse

Da das leibliche Wohl auch nicht zu kurz kommen darf, stärkten wir uns beim etwas verspäteten Mittagessen mit Peperoni ripieni alla Siciliana (vegetarische gefüllte Paprika) und Arancini, diesmal in der Kugel- (Palermo) Form.

Am Abend genossen wir in einem netten Restaurant, das wir schon am Nachmittag entdeckt hatten, als gemeinsame Vorspeise Fior di Buffala con Rucola e Ciliegino, da möchte man keinen anderen Büffelmozarella mehr und danach Busiate al Pesto Trapanese, längere gedrehte Nudeln mit Pesto aus Mandeln und getrockneten Tomaten, einfach ein Geschmackserlebnis. Meine Frau hat die ersten Frittura di Calamari auf Sizilien gegessen, es gibt einfach zu viel Gerichte, die man ebenfalls probieren möchte.

Zum Weiterlesen

Sizilien 7 Erice, Meersalz und Marsala

Sizilien 5 – Lost Places am Weg nach Trapani

Auf dem Weg von Agrigento zu unserem nächsten Zwischenziel in der Nähe von Trapani war es noch stürmischer als in den Tagen davor. Das hat uns davon abgehalten, sehr viele Stopps einzulegen. Einen Platz, den mir meine Cousine extra empfohlen hatte, wollten wir uns aber doch nicht entgehen lassen.

Ein Erdbeben wurde etwas anders aufgearbeitet – Gibellina Nuova


Bild: Gibellina nach dem Erdbeben vom Januar 1968 (ARCHIV / ANSA / PAL) / Wikipedia

Im Jänner des Jahres 1968 änderte sich die Welt im Belicetal innerhalb weniger Stunden. Mehr als 200 Menschen waren tot, 600 verletzt und 100.000 verloren ihre Heimat. Eine der betroffenen Ortschaften war Gibellina. Hilfe kam sehr schleppend, der Wiederaufbau kam praktisch nicht in Gang. Der Staat bot ein Ticket zum Auswandern, das von sehr Vielen genutzt wurde.

Erst ein findiger Bürgermeister wollte eine neue Stadt im Stil amerikanischer Gartenstädte, mit Leben erfüllt durch moderne Kunst, entstehen lassen. Rund 8500 Menschen zogen in das für rund 20.000 Einwohner geplante Gibellina Nuova ein, geblieben sind nur rund 3500.

Wenn man heute in die Stadt hinein fährt, wirken die überdimensionalen öffentlichen Bauten und Kunstwerke surreal in ihrer anscheinend dem Verfall preisgegeben Situation. Es ist auch nachvollziehbar, daß der Erhalt dieser Bauten für eine kleine Kommune praktisch nicht möglich ist. Die eher beklemmende Stimmung hält mich sogar vom Fotografieren ab, daher gibt es hier nur ein Bild des Sterns über der Einfahrt in die Stadt aus Wikipedia.

Bild: Pietro Consagra, Stern von Gibellina, 1980 / Wikipedia

Wir stoppten am einzigen belebt scheinenden Punkt, dem Caffe Moma. Hier sitzen drei alte Männer und unterhalten sich leiser als sonst irgendwo in Sizilien. Daß das symptomatisch für diesen Ort ist, verstehe ich erst bei meinen Recherchen nachher. Der Kaffee und das Panini sind trotzdem sehr gut.

Gibellina Vecchia – eine Decke aus Zement als Mahnmal

Das Cretto von Alberto Burri bedeckt einen rechteckigen Ausschnitt des zerstörten Stadtkernes mit einer etwa 300 × 400 Meter großen und 1,6 Meter Schicht aus weißem Beton, die die historischen Straßenzüge und Baublöcke nachzeichnet. Begehbare Einschnitte über den alten Gassen vermitteln einen Eindruck von der Enge der ursprünglichen Stadt.

Obwohl kein einziges Gebäude sichtbar ist, bekommt man beim Gang durch dieses Objekt ein Gefühl vom in den Trümmern versunkenen Leben in dieser Stadt mit rund 1000 Jahren nicht nur durch das Beben vernichteter Geschichte. Obwohl es einerseits an einen Friedhof erinnert, stellt für mich dieses Kunstwerk auch die Hoffnung der Menschen von Gibellina dar.

Der richtige Friedhof etwas oberhalb dieses riesigen Mahnmals wirkt auf mich einladender als die neue Stadt.

Als politisch denkender Mensch ist Gibellina ein Zeichen für mich, daß die besten Ideen und Pläne nicht mit Leben erfüllt werden können, wenn die betroffenen Menschen dabei nicht mitgenommen werden.

Links und Quellen

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gibellina

https://christianvonholst.de/1-der-hauch-von-kunst-in-gibellina-von-alessandro-burri-in-sizilien/

(Kommentar: der Name des Künstlers ist im Link leider falsch)

https://westofsicily.com/de/interessantes/burris-cretto/

https://westofsicily.com/de/interessantes/gibellina/

https://www.derstandard.at/story/1237229725878/stadt-ohne-seele

https://media.baunetz.de/baunetzwoche/get-pdf.php?pdf=/dl/2553744/baunetzwoche_556_2020.pdf

Zum Weiterlesen

Sizilien 6

Sizilien 4 Von der Südspitze zu Tempeln und türkischen Stiegen

Am südlichsten Zipfel

Da unser Hotel nur rund 20 Minuten von der Südspitze von Sizilien entfernt war, wollten wir diese auf dem Weg zu unserem nächsten Zwischenziel in Agrigento auch besuchen. Das Wetter war zwar bescheiden, sprich regnerisch, windig und dadurch auch recht kühl, aber für kleine Besichtigungen und Spaziergänge ganz gut geeignet.

Im kleinen Fischerort Portopalo di Capo Passero war es anscheinend nicht nur wegen des Wetters recht ruhig, nur wenige Touristen haben sich ausser uns hierhin verirrt. Die Isola di Capo Passero liegt einige hundert Meter vor der Küste, man sieht darauf Reste von Häusern der Thunfisch-Fischerei, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, aber heute zu verfallen scheinen.

Die Südostküste entlang

Wir beschlossen, unseren Weg auf kleineren Straßen entlang der Küste fortzusetzen und sind dabei durch ein Riesengebiet von Plantagen und Gewächshäusern gekommen. Oliven, Tomaten, Getreide werden hier angebaut, sogar ein großes Artischockenfeld haben wir gesehen.

Aufgrund des Windes waren die Wellen schon recht beeindruckend hoch, leider kommt das auf den Fotos gar nicht so zur Geltung.

Eine kleine Seenlandschaft lag ebenfalls am Weg, wo wir das erste Mal rosa Flamingos in freier Wildbahn erblickten. Leider waren sie recht weit vom Ufer weg, daher ist die Fotoqualität nicht perfekt, ich möchte sie euch aber trotzdem nicht vorenthalten.

Ein Espresso und ein paar sizilianische Süßigkeiten in einem der wenigen offenen Strandcafes an der Straße haben die Lebensgeister wieder geweckt und uns für den Rest der Strecke wach gemacht.

Das Navi hat nicht immer recht

Am späten Nachmittag erreichten wir Agrigento und fanden mit Hilfe meines Motorrad-Navis, wo ich die einzelnen Tagesrouten als Unterstützung schon daheim abgespeichert habe, direkt, nur einige wenige Stufen abwärts entfernt, unser Hotel.

Leider war das eine sehr enge um die Ecke gehende Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit, die wie nicht nur in Italien üblich, komplett zugeparkt war. Ich musste daher mit Geduld, Ruhe und Fingerspitzengefühl im Retourgang vorbei im Zentimeterabstand an den geparkten Autos und den Hausmauern und Stufen wieder raus aus dieser Falle.

Das neue Ziel lag dann an der anderen Seite des Häuserblocks auf einem richtig romantischen Platz direkt vor dem Teatro Pirandello. Es wäre toll gewesen, wenn das auf der Homepage des B&B Hotels oder in den Reiseunterlagen vermerkt gewesen wäre. Zimmer und Lage haben uns dann aber entschädigt.

Abendessen in der Altstadt

Nachdem sich der Hunger auch wieder meldete, suchten wir uns in der Flaniermeile von Agrigento, der Via Atenae ein nettes Lokal. Antipasti Rustico zum Teilen, Tagliolini al pistacchio con lamelle di speck croccante (Pistazien-Tagliolini mit gerösteten Speckstreifen) für mich und Pesce spada in crosta di pistacchio (Schwertfisch mit Pistazienkruste) für meine Frau haben den Gaumen fast perfekt erfreut und den Hunger gestillt und den Tag angenehm abgeschlossen.

Das Tal der Tempel

Das Valle dei Templi als eigentlicher Grund für unseren Stopp in Agrigento war unser erstes Ziel nach dem Frühstück. Weithin sichtbar unterhalb der Stadt liegt ein weitläufiges Gebiet mit griechischen Tempeln, städtischen Anlagen und Gärten aus der Zeit von ca. 600 bis 400 vor Christus. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht, das Fahrzeug am tiefsten Punkt, der Porta IV zu parken und dann mit dem Shuttlebus zur Porta I zu fahren und dann den Weg bergab zu nehmen.

Ich möchte hier nicht detailliert über die Geschichte referieren, da gibts einen Link unten dazu, sondern einfach einige Bilder der Tempel und der Landschaft rundherum sprechen lassen und jedem Sizilien-Besucher diesen Platz ans Herz legen.

Blick in die Kirchen

Agrigento selbst ist zumindest für uns keine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss, dazu haben zu viele Bausünden mit Hochhäusern auch mitten in der Altstadt das Gefüge zerstört.

Die Kirchen sind aber, wenn sie nicht verfallen sind, auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier ist besonders die Cattedrale San Gerlando am höchsten Punkt der Stadt zu empfehlen. Einige Euro Eintritt sind es auf jeden Fall wert, man kann zum bunten Rosettenfenster mit Blick auf den Innenraum hinauf steigen, um die Holzdecke des Hauptschiffs und den barocken Chor, auf dem Engel und vergoldete Girlanden prangen, zu sehen. Vom Glockenturm geht dann der atemberaubende Blick über die ganze Stadt und das Umland.

In der Chiesa del Purgatorio (San Lorenzo), laut TripAdvisor eine der schönsten Barockkirchen auf Sizilien, hier finden zwar keine Messen mehr statt, dafür ist derzeit eine eindrucksvolle Fotoausstellung zu den Osterprozessionen der Insel zu sehen.

Weisse Treppen an der Meeresküste

Der Scala dei Turchi („Treppe der Türken“) ist ein aus Mergel bestehender, monumentaler Felsen rund 20 km außerhalb von Agrigento, der bei passender Sonne schon von weitem weiß erstrahlt.

Wir haben den ersten Wegweiser an der Hauptstraße wegen einer Baustelle übersehen und sind durch schmale Gässchen bis ans Meer hinunter geirrt, ohne hin zu finden. Dafür entdeckten wir das Strandlokal Kaeso, wo wir mit Blick auf die durch den Wind recht starke Meeresbrandung eine der besten Spaghetti allo scoglio und Spaghetti alla matriciana gegessen haben.

Zufälliges Treffen mit Bekannten aus meinem Geburtsort

Einige Kilometer weiter und einen steilen Weg hinunter landeten wir am Parkplatz vor den Scala dei Turchi. Beim Bezahlen der Parkgebühr wurde ich von einem Radfahrer mit Sonnenbrille angesprochen. Seine Frau ist mit mir in die Volksschule gegangen, wir sehen uns sonst nur alle paar Jahre bei einem speziellen Heimattreffen, über das ich sicher noch einmal berichten möchte. Am kurzen Weg den Strand entlang zu den Felsen haben wir dann Erinnerungen ausgetauscht. Ich habe mich sehr über diese Begegnung gefreut!

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A4ologische_St%C3%A4tten_von_Agrigent

http://www.cattedraleagrigento.com/

https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g194662-d6848776-Reviews-Chiesa_del_Purgatorio_San_Lorenzo-Agrigento_Province_of_Agrigento_Sicily.html

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Scala_dei_Turchi

https://www.kaesoseafoodrelax.com/

Zum Weiterlesen

Sizilien 5

Sizilien 3 – Sizilianischer Barock und neue berufliche Perspektiven

Ragusa

Unser dritter Tag führte uns zuerst nach Ragusa im sogenannten Val di Noto. Neben vielen anderen wurde diese Stadt im Jahr 1693 vom Erdbeben komplett zerstört und danach geplant wieder neu aufgebaut. Der Stadtkern besteht seither aus zwei Teilen, die durch eine Schlucht getrennt sind. Im Osten liegt an der Stelle der alten Stadt die Unterstadt Ragusa Ibla mit prächtigen Bauten im Stil des sizilianischen Barocks aus dem 18. Jahrhundert. Hier befindet sich ein großer Teil der barocken Kirchen und Paläste. Auf einer Anhöhe im Westen liegt die ebenfalls im 18. Jahrhundert eher nüchtern und geometrisch angelegte Oberstadt Ragusa Superiore.  

Wir parkten unser Auto am Parkplatz nahe des oberen Endes der Ragusa Ibla und marschierten dann durch die engen Gassen der beeindruckenden Altstadt. Am Piazza Duomo besuchten wir gleich den Duomo di San Giorgio, der als Schutzpatron am 23.April gefeiert und dessen Statue und Schrein mehrmals von starken Männern über den Platz getragen werden. Da wir das nur um wenige Tage verpasst haben, hier ein Video davon:

Wir nahmen ebenfalls die Transportmittel in Anspruch und ließen uns per Trenino Barocco, einem Bummelzug, zuerst die Sehenswürdigkeiten vorstellen, bevor wir sie dann zu Fuß nochmals erkundeten.

Viele teilweise noch unrenovierte spätbarocke Paläste, wie der Palazzo Rocco, der schon fast wieder fertig, aber geschlossen ist, und Kirchen beeindrucken uns Besucher. Das Portal San Giorgio nahe des wunderschönen Park Ibleo mit vielen Pflanzen und einer grandiosen Aussicht über die umliegenden Berge und Schluchten ist der vom Erdbeben verschonte Rest der ehemals gotischen Kirche San Giorgio.

Der erste Arancino

Zur Stärkung gönnten wir uns im Caffe Sicilia am Piazza Duomo unseren ersten Arancino, eine sizilianische Spezialität, ein frittierter Reisball in konischer Form, den man neben einigen anderen Köstlichkeiten unbedingt kosten muß.

Noto

Wir wollten noch eine weitere Stadt des Val di Noto kennen lernen und fuhren deshalb in das namesgebende Noto. Die Altstadt ist durch ihre Hanglage wesentlich weitläufiger, aber um nichts weniger beeindruckend. Am Platz stehen sich die Cattedrale di San Nicolò, eine rekonstruierte sizilianische Barockkathedrale aus dem 18. Jahrhundert mit klassizistischer Kuppel, und der Palazzo Ducezio, heute das Rathaus, gegenüber. Dieses hat eine fast umlaufende Panoramaterrasse, die um ein paar Euro zugänglich ist und einen wunderschönen Blick über die Stadt bietet.

Das Infiorata Festival

Auch in Noto gibt es ein spezielles Fest, das Infiorata Festival. Dieses ist eine der berühmtesten Veranstaltungen der Stadt und findet jeweils am dritten Wochenende im Mai, um Fronleichnam, statt. Die Tradition der Herstellung von Blumenteppichen geht in Italien auf den Juni des Jahres 1625 zurück, als Benedetto Drei, Chefflorist des Vatikans, die Basilika mit dem Mosaik zum Tag der Heiligen Peter und Paul mit Blumen schmückte. Ich kann leider nur ein Plakat und ein Blumenbild aus dem Dom davon zeigen.

Mögliche berufliche Herausforderungen für einen mitteilungsbedürftigen Pensionisten

Rathaus und Dom haben mir ein paar neue berufliche Perspektiven aufgezeigt. Als Bürgermeister einer mittleren sizilianischen Stadt könnte ich sicher meine, wie sage ich es politisch korrekt, jahrelange Erfahrung mit schwierigen Konstellationen in der Gemeindepolitik einbringen. Da mein Leben in den letzten Jahren ohne aktive politische Teilnahme aber viel entspannter verläuft, ist es mir nicht schwer gefallen, darauf zu verzichten.

Im Dom mit Blick über den Volksaltar und auf den Bischofsstuhl wurde ich an den Wunsch meines Religionslehrers in der Volksschule erinnert, dass ich Priester  werden solle. Das habe ich aber bereits mit 10 Jahren verworfen, da mich schon damals störte, dass ich nicht heiraten könnte. Da genieße ich mein derzeitiges Pensionistenleben lieber ohne zusätzliche Aufgaben.

Kulinarisches in Noto

Das Erkunden einer Stadt macht müde und ausserdem muss man unbedingt mehrmals täglich einen sizilianischen Kaffee zu sich nehmen und natürlich auch immer wieder die Süßspeisen verkosten.

Leider ist es dann immer regnerischer geworden, was uns an unseren größer werdenden Hunger erinnerte und den Wunsch nach einer ersten sizilianischen Pizza aufkommen ließ. Wir fanden zufällig im Orto di Santa Chiarra – La Pizzeria eine der besten Holzofenpizze, die wir je gegessen hatten. Dann konnten wir noch dazu fast ohne nass zu werden zum Auto zurück gehen.

Links und Quellen:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ragusa

https://www.treninobarocco.com/percorsi/trenino-barocco-ragusa-ibla/

https://youtu.be/l-B_gyalcDA?si=HH80weWK-PD83E_

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Noto

https://www.sicily-holiday.com/de/festival-sizilien/53-infiorata-blumenfest-noto

http://www.mevoya.de/events/italien/infiorata-blumendekoration-in-noto

https://www.facebook.com/pizzasantachiara/?locale=de_DE

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Arancino

https://www.caffesicilia.it/stories.htm

Zum Weiterlesen

Sizilien 4 Von der Südspitze zu Tempeln und türkischen Stiegen

Sizilien 2 – Riposto, Sirakusa und ein verstecktes Hotel

Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück im Innenhof unseres Hotels war Sirakusa im Südosten der Insel unser nächstes Ziel.

Am Fischmarkt von Riposto

Den ersten Stopp machten wir aber bereits nach wenigen Kilometern in der kleinen Hafenstadt Riposto, um ein erstes Feeling von Meer und Hafen zu bekommen. Waren es noch Kräuter und Blüten, die den Duft im Hotel bestimmten, so war der kleine und geschäftige Mercato geprägt von fangfrischen Fischen und Frutti di Mare als auch von buntem Obst und Gemüse. Hier kaufen primär die Menschen aus der Umgebung, anscheinend aber auch Catanier, denen ihr eigener großer Markt zu überlaufen und hektisch ist.


Die Basilica Matrice „San Pietro“, ein neoklassizistischer Bau aus 1808,  beeindruckte uns mit einer interessanten Kanzel, einem Hochzeitsaltar und dem Taufbecken. Wie wir auf ausgestellten Bildern sahen, fand zu Ostern auch ein beeindruckendes Passionsspiel „Le ultime ore del Christo“ am Platz vor der Kirche statt

Danach ging es durch das Gassengewirr von Riposto zur Schnellstraße, über die wir auch das überfüllte Catania umfuhren, Richtung Sirakusa. Schon jetzt im Frühjahr wird die Stadt von Touristen gestürmt, was zu einer Anfahrt in die Stadt hinein im Stau mit mehr als einer halben Stunde führte. Auch auf einen freien Platz am bewachten Parkplatz an der Marina mußten wir einige Minuten warten.

Die Isola di Ortigia gemeinsam mit vielen anderen Touristen erleben

Wir starteten unseren Rundgang über die Hafenpromenade zum Castello Maniace, das aber wegen einer Veranstaltung im Zuge der sizilianischen Filmfestspiele nicht zugänglich ist. Am Weg stoppte uns der Hunger, auch wenn es an einer sehr touristischen Stelle war, mit köstlichem Orangensalat, Farfale mit Lachs, Lasagne mit Pistazien und einem tollen Blick aufs Meer.

Das Gewirr der Gassen der Isola hat uns förmlich verschluckt, viele Kirchen und Palazzi uns in den Bann gezogen bis wir am Piazza del Duomo gelandet sind. Die Kathedrale Santa Maria delle Colonne wurde im 7. Jahrhundert an der Stelle eines antiken Athenatempels errichtet. Elemente des Tempels wurden in die Kirche integriert. Unser letztes Highlight war noch der Diana-Brunnen, bevor wir zum Auto zurückgingen und weiter zu unserem Hotel Scilla Maris in der Region Noto fuhren.

Die Einfahrt über einen Schotterweg hätten wir fast verpasst, umso mehr waren wir dann von der Anlage überrascht.

Chefs Überraschungsmenü zum Abschluss

Nach einer kleinen Ruhepause war der Hunger groß genug um das hoteleigene Restaurant zu besuchen. Der Chef des Hauses versuchte uns wortreich sein Menü zu erklären,  was wir wieder nicht wirklich verstanden. Wir einigten uns daher, dass es ein Überraschungsmenü mit Fisch und Mehresfrüchten werden sollte. Wir waren von allen 4 Gängen von Garnelen auf Kartoffelbrei über Risotto mit Käse und Kaviar, gedünstetem Fisch auf Kartoffeln und einer Sauce von Meeresfrüchten bis zu Mandelpudding sehr angetan, die Bilder davon sollen selbst sprechen.

Zum Weiterlesen

Sizilien 3