Wo ist der Heimatort der Familie meiner Frau? Wie und wo kommen die Löcher in den Käse? Was haben Kaiserin Sissy, Freddy Mercury und Mahatma Gandhi gemeinsam? Auf alle diese Fragen erwartete ich mir auf meinem ersten Rückreisetag aus der Schweiz eine Antwort.
Für Motorrad und Fahrer war das sicher keine besondere Herausforderung, aber landschaftlich sollte es auf jeden Fall interessant werden. Und außerdem sollte mich dieser Tag bis an den Fuß des Großen St.Bernhard bringen, wo des dann genug Kurven geben würde.
Eigentlich war aber schon nach wenigen Minuten fast alles anders. Zuerst hatte ich mich noch über einen letzten Blick auf den Zürichsee gefreut.
Ich wollte ohne Umwege auf dem direkten Weg über den Albis fahren und bog in Langnau von der Sihltalstraße links ab. Aber ein Straßenarbeiter hielt mich auf und erklärte mir, dass die Straße den ganzen Tag wegen Asphaltierungsarbeiten gesperrt wäre. Eine Umleitung war nicht eingerichtet und er wusste den Weg auch nicht.
Aber Google Maps half weiter und so fuhr ich die Sihltalstraße einige Kilometer weiter bis ich wieder links abzweigen konnte und so kam ich mit einem Umweg von 5 Kilometern wieder beim Wildnispark Langenberg heraus, an dem ich erst wenige Tage auf meinem Rückweg von der Habsburg vorher vorbeigefahren war. Damit hatte ich nur mehr kurz zu meiner geplanten Route.
Und schon führte die Straße durch die hügelige Landschaft des Albis und bald wechselte ich bei einer Unterführung vom Kanton Zürich in den Aargau, der aber nur mit einem Zipfelchen zwischen die Kantone Zürich und Luzern hereinrecht und so war ich wenige Kilometer später am Sempachersee, der im Gegensatz zu den meisten Schweizer Seen nur an wenigen Stellen öffentlich zugänglich ist und recht malerisch in der Landschaft liegt.
Ein Stück Familiengeschichte
Für mein nächstes Ziel wechselte ich wieder den Kanton und befand mich bald in Huttwil im Kanton Bern, dem Bürger- oder Heimatort meiner Frau. Im Unterschied zum Geburtsort in anderen Ländern wird der Heimatort vererbt und das ist für ihre Familie seit mindestens 5 Generationen eben Huttwil. Soweit ich weiß, war noch niemand der lebenden Verwandten meiner Frau je in diesem Ort, und so war ich der Erste, der das Familienwappen in den Rundbogenfenstern des Restaurants Stadthaus im Original zu sehen bekam. Nach einem Kaffee im Gastgarten machte ich noch einen kleinen Spaziergang durch diesen für die Familie geschichtsträchtigen Ort. Die erste Frage in der Einleitung war damit gelöst.
Alles Käse im Emmental
Manchmal stellt man sich gar keine Frage und bekommt dennoch eine Antwort. So ging es mir auch, als ich wenige Kilometer später, in Affoltern im Emmental, einen Wegweiser zu einer Schaukäserei sah.
Nach einer interessanten interaktiven Führung kannte ich die Geschichte des Emmentalers, die Bedeutung für die Region und natürlich auch das Geheimnis der Löcher im Käse. Nein, die werden nicht gebohrt, sie entstehen durch Propionsäurebakterien. Diese Bakterien wandeln während der Reifung im Gärkeller Milchsäure in Kohlendioxid um. Das Gas kann durch die feste Rinde nicht entweichen, sammelt sich an winzigen Heupartikeln in der Milch und bildet so die typischen großen Löcher.
Da ich die Kantonshauptstadt Bern möglichst weit umfahren wollte, fuhr ich Richtung Süden bis kurz vor dem Thunersee. Bei Jaberg überquerte ich die Aare, die in der Nähe des Grimselpasses entspringt und durch den Brienzersee und Thunersee fließt. Hier unter der Brücke nutzten einige Jugendgruppen die Aare zum Raften und Schlauchboot fahren.
Ein weitere Schweizer Besonderheit: gedeckte Holzbrücken
Rund eine halbe Stunde später hat mir die Planungsapp „kurviger“ ein weiteres Highlight beschert, von dem ich bis dahin nichts gewusst habe. Vier überdachte Holzbrücken quasi mitten im Wald überqueren an der kleinen Strasse durch den Seligraben von Rüti bei Riggisberg nach Rüschegg-Graben den kleinen Bach Biberze. Ja, das bedeutet aus dem Galloromanischen kommend „Biberbächlein“. Sogar für das Schweizer Denkmalamt sind Rütiplötsch-, Rütigrund- und Untere und Obere Schwandbrücke auf diesen wenigen Kilometern etwas Besonderes. Die Brücken stammen aus 1867 bzw. 1878, nur die Rütiplötschbrücke wurde 1937 nach einem Hochwasser wieder neu aufgebaut.
Ganz zufällig ist das trotzdem nicht, denn von den rund 350 gedeckten Holzbrücken in der Schweiz liegt ein Drittel im Kanton Bern, auch wenn wir Nichtschweizer praktisch nur die Kapellbrücke in Luzern kennen.
Ein Gault&Millau gewürdigtes Cola
Es wurde heißer und heißer und so wurde wieder eine Schattenpause fällig, als ich bei der Kreuzung in Giffers einen Gasthof mit Garten entdeckte, der mich genau zu dieser Pause einlud. Die Besitzerin war äußerst freundlich und zuvorkommend und servierte meinen Softdrink und gleich noch einen zweiten, der Durst war groß. Erst im Nachgang entdeckte ich, dass der Gasthof zum Roten Kreuz wegen seiner regionalen Schweizer Küche von Gault&Milau auf Platz 8 der 10 besten „Kreuz“ Restaurants der Schweiz gekürt wurde. Also, gekröntes Service nur für einen Softdrink. Eigentlich schade, dass ich keinen Hunger hatte.
Nun wurde es französisch
Nachdem die Ortsnamen auf einmal französisch waren, konnte es ja nicht mehr sehr weit bis zum Genfersee sein. Und wirklich, ein See tauchte auf und ich dachte schon, angekommen zu sein. Als ich dann bei Corbières FR den See auf einer Brücke überquerte, wurde mir klar, dass das nicht stimmen konnte, ich war erst am Lac de la Gruyère, einem Stausee im Kanton Freiburg.
Diesmal etwas zuviel Respekt vor dem Regen
Bald kamen immer mehr dunkle Wolken auf un und die ersten schweren Regentropfen trafen mich. Mit der Erfahrung der letzten 15 Minuten meiner Anreise suchte ich nach einem trockenen Standplatz, wo ich mich regendfit machen konnte. Da tauchte am Straßenrand ein kleiner Bauernhof mit einer Einfahrt auf, die wie gemacht für meine Zwecke war. Nichts wie hinein, die Regenjacke angezogen und noch etwas gewartet bis es weiterging und kurze Zeit später war der Spuk schon wieder vorbei.
Der Genfersee
Und dann war er da, der Genfersee. An der Ortseinfahrt von Chardonne, wo wir vor vielen Jahren schon bei einem Weinfest waren, gab es den ersten Blick hinunter nach Vevey und über den See.
In weiten Kurven führte die Straße hinunter, vorbei an der Station der Standseilbahn, von der ich in einem meiner ersten Blogs „Montreux im März“ geschrieben habe.
Und dann kam ich gerade noch zum Ende des Montreux Trail Festivals an die Uferpromenade. Diese Trailrunning-Veranstaltung, die Ausdauersport mit einer festlichen, musikalischen Atmosphäre verbindet, ist vom Montreux Jazz Festival inspiriert, das erst einige Tage vorher stattgefunden hatte.
Dadurch war Hochbetrieb, aber ich entdeckte ihn doch an der Uferpromenade, Freddy Mercury, den Sänger der Popgruppe Queen in seiner typischen Pose vor der Kulisse des Sees.
Nach einem Eis direkt am See machte ich mich daran, die letzten gut 40 Kilometer bis zu meinem Ziel in Martigny zu fahren. Aber bald, in Villeneuve, bei der Schiffsanlegestelle stand die nächste Statue, diesmal die von Mahatma Gandhi, die hier im Jahr 2019 anlässlich seines 150. Geburtstages aufgestellt wurde.
Das letzte Mal hatte ich eine Mahatma-Statue in Hyderabad vor dem Unterhaus des Bundesstaates Telangana (ab 2014, damals noch Andhra Pradesh) in Indien im Jänner 2007 gesehen.
Gandhi-Statue vor dem Telangana Assembly (Unterhaus) Gebäude in Hyderabad
Und was war mit der Kaiserin Sissi? Auch sie hat eine Statue am Genfersee. Diese steht am Quai du Mont-Blanc bei der Rotonde du Mont-Blanc in Genf. Sie erinnert exakt am Ort des historischen Attentats an den 100. Todestag der österreichischen Kaiserin Elisabeth, die dort im Jahr 1898 von einem Anarchisten ermordet wurde. Wir haben diese Stelle im März 2018 bei unserem Aufenthalt in Genf besucht.
Damit sind alle Fragen, die ich mir am Anfang dieses Blogs gestellt hatte, beantwortet.
Durch das Rhonetal Richtung Süden nach Martigny
Das Rhonetal ist sehr breit und wird von der Landwirtschaft dominiert. In der Ferne kommen die hohen Berge immer näher, die Vorfreude auf die morgige Fahrt auf den Großen St.Bernhard steigt immer mehr.
Das Hotel liegt zwar direkt an der Straße zum Pass, war aber trotzdem etwas schwierig zu erreichen, da durch die kleine Stadt gleich zwei Umleitungen führten. Nach dem Checkin dauerte es aber nicht mehr lange, bis es zu schütten begann und ich hatte trotzdem wieder einen Fahrtag praktisch trocken absolviert.
Die 26 Schweizer Kantone interaktiv
Wer sich sich nach so vielen Kantonen an einem Tag (Zürich, Aargau, Luzern, Bern, Freiburg, Waadt, Wallis) dafür interessiert, wo welcher Kanton in der Schweiz liegt, kann sich mit dieser interaktiven Karte darüber informieren.
Der erste Tag der Heimreise vom Zürichsee nach Martigny
Fast hätte ich an mehreren Stellen meine geplante Route nicht passieren können
Im Nachhinein gesehen hatte ich mehrfaches Glück, daß ich meine geplante Route vom Zürichsee über den Flüelapass, die Reschenstrasse, das Timmelsjoch, den Jaufenpass und den Brenner ohne Probleme fahren konnte.
Es begann mit einer einzigen Meldung im Internet am Freitag vor meiner Abfahrt. Die Reschenstrasse in der Nähe von Tschupbach, nur wenige Kilometer vor meinem Quartier in Fiss, ist vermurt und es ist nicht sicher, ob am Samstag die Durchfahrt möglich ist. Daher über die neue App ORF Sound den Tiroler Verkehrsfunk in der Früh abhören und nochmals im Internet suchen: anscheinend Entwarnung, keine Meldung mehr über eine Sperrung, die Straße sollte ab 6:30 offen sein. Also riskieren hinzufahren und hoffen auf einen Hinweis nach dem Flüelapass bei der Abzweigung nahe Susch. Falls die Sperre doch aufrecht ist, muss ich über das Val Müstair Richtung Schlanders und weiter nach Bozen fahren. Doch alles ok, die Straße ist offen und ich fahre wie geplant nach Fiss. Die meterhohen Geröllberge links und rechts der Straße bei Tschupbach sind aber nicht zu übersehen.
Ich komme dann überall problemlos ohne besondere Vorkommnisse und ohne Regen bis heim. Erst bei meiner nachträglichen Streckenrecherche für diesen Blog finde ich heraus, daß zur gleichen Zeit die Abfahrt vom Jaufenpass und die Brennerstaatstrasse an mehreren Stellen wegen Vermurungen gesperrt waren und ebenfalls erst am Samstag wieder befahrbar waren.
Da sind die Gedanken schon einerseits bei den Menschen, die innerhalb weniger Minuten ihr Hab und Gut verloren und andererseits bei den Helfern, Hilfsorganisationen und Straßendiensten, die beinahe Übermenschliches geleistet haben, sodass man als Tourist wie ich einen Tag später beim Durchfahren fast nichts mehr davon mitbekommt.
Tag 1: Vom Zürichsee über Davos ins Tiroler Oberinntal
Der Samstag startet nicht besonders optimal, es regnet am Morgen recht stark. Während des Frühstücks geht es dann doch in ein Nieseln über, was eigentlich nichts ist nach 900 km Regen vor einigen Wochen bei meiner Fahrt in den Schwarzwald, und so beschließe ich, ohne Regenkombi loszustarten.
Aber nach rund 30 Kilometern, die ich entlang des Sees Richtung Westen fahre, entschließe ich mich wegen des stärker werdenden Regens doch, die Regenkombi anzuziehen. Unter einem Carport neben der Straße wurstle ich mich eher unelegant in den Schutzoverall, es dauert seine Zeit, hält aber auch stundenlangem Regen stand. In der Zwischenzeit ist der Regen weniger geworden und hört nach einiger Zeit ganz auf. Ich lasse die Kombi aber vorsichtshalber weiter an, man weiß ja nie und das Ausziehen ist ja genauso anstrengend wie das Anziehen.
Die Straße schlängelt sich bald den Berg hinauf mit Blick auf den Walensee, der Blick hinunter aufs Wasser ist schon recht malerisch.
Da ich ja weiterhin keine Schweizer Autobahn-Vignette besitze, geht es auf der Bundesstraße H3 nach Bad Ragaz. Im Kurpark und anderen Grünanlagen präsentieren unter dem Motto „Gegenwart“ 88 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bis Oktober im Rahmen der größten Freiluft-Skulpturenausstellung ihre Werke. Ich stoppe natürlich des Öfteren um zu fotografieren.
Kurz darauf habe ich ein Jubiläum am Motorrad: Meine Crosstourer hat 50.000 km gemeistert, außer Batterieproblemen und einem neuen Blinkerrelais gab es dabei in dem letzten 7 Jahren, seit ich sie habe, keine Probleme.
Weiter geht es dann nach Chur, wo ich falsch abbiege und im Stau Richtung Arosa stehe. Dabei habe ich das Glück, in der Haltestelle Chur-Altstadt einer Garnitur des Arosa Express zu begegnen, die hier wie eine Straßenbahn unterwegs ist. Sowohl der Bernina Express Richtung Poschiavo/Tirano, der Glacier Express Richtung Zermatt sowie die Arosabahn fahren direkt ab Chur.
Danach geht es bergan nach Lenzerheide, oftmaliger Austragungsort für das Alpinschi Weltcupfinale und 2025 sollen die Biathlon-Weltmeisterschaften hier stattfinden. Nachdem die Stadien dafür im Sommer nicht sehr aufregend sind, fahre ich ohne Halt weiter fast bis Tiefencastel, dabei fällt mein Blick links auf den Felssturz, der im Vorjahr die Evakuierung des Bergdorfes Brienz auslöste, aber knapp vor dem Schulhaus zum Stillstand kam. Die Zufahrt nach Brienz ist nur Einheimischen gestattet, darum gibt’s von mir nur einige Bilder von der Hauptstraße aus.
Das untenstehende Bild zeigt die Dramatik für dieses Dorf, nachzulesen im zugehörigen Link.
In Tiefencastel teilt sich die Straße, einerseits über den Albulapass, den ich vor 2 Jahren gefahren bin und andererseits die Straße nach Davos, die ich heuer nehme. Ich möchte noch unbedingt den berühmten Landwasserviadukt in der Nähe von Filisur sehen. Man sieht ihn zwar kurz von der Straße aus, leider geht hier ein Stopp nicht ganz einfach, ich habe daher ein Bild von damals genommen. Der Fußmarsch wäre vom einem Parkplatz zwar möglich, nur passt er nicht mehr in meinen Zeitplan. So bleibt etwas auf der Bucket List.
In Davos, wo ich nicht anhalte, geht es über den nächsten Pass, den 2383m hohen und 27 km langen Flüela. Hier wird derzeit die Fahrbahn auf der Bergabstrecke verbreitert, was zu erheblichen Staus führt. Als Biker hat man es etwas leichter, ich schlängle mich mit 2 deutschen Kollegen kilometerweit vor und gewinne mindestens eine halbe Stunde.
Ein Highlight wartet noch auf mich, der Schellen-Ursli in Guarda. Ja, es gibt nicht nur die Heidi von Johanna Spiry, sondern auch den Schellen-Ursli von Selina Chönz. Das Buch wurde in Guarda im Oberengadin verfilmt, daher gibt es in einem der Häuser auch ein kleines Museum. Detailliert erzähle ich später in einem eigenen Blog darüber.
Beim Hinunterfahren ins Tal begegnet mir fast klischeehaft das Postauto, das den Bahnhof im Tal mit dem Dorf verbindet.
Die österreichische Grenze ist nicht mehr weit und die Zollfreizone Samnaun ruft zum Tanken. Die Straße von Martina weg ist am Anfang recht harmlos und wird enger und enger und wird mit 2,3 m angegeben. Dabei kommen einige Felsentunnels die unbeleuchtet, nass und kurvig und gefühlt weniger als einspurig sind. Mit dem Motorrad an sich kein Problem, solange nichts entgegen kommt, aber trotzdem, da waren die Felsentunnel im Trentino fast wie Autobahnen dagegen. Ich habe Glück und keinen Gegenverkehr und stelle fest, dass ich vermutlich das letzte Mal zumindest durch den längeren durchgefahren bin. Die Tunnelbaustelle Val Alpetta ist fast fertig, der neue gut 600 m lange Tunnel soll im Sommer 2024, also demnächst eröffnet werden, die Verkehrszeichen sind schon montiert. Damit ist wieder ein gruseliger Tunnel Geschichte. In den nächsten Jahren sollen zwei weitere Tunnel errichtet werden, dann ist nichts Spannendes mehr von diesem engen kurvigen Strässchen übrig.
Ein Video, das zwar die Fahrt eines Porsche zeigt, gibt eine Vorstellung, wie das Feeling mit Motorrad auf dieser Strecke derzeit noch ist.
Nach dem recht günstigen Tanken und Parfümeinkauf geht es harmlos die Straße Richtung Spiss ins Inntal hinunter. Der österreichische Zöllner winkt mich durch, ich sehe nicht aus wie ein Rolex-Käufer. Bald bin ich an der Stelle bei Tschupbach, die gestern noch vermurt war, hier türmen sich links und rechts der Straße die Geröllberge, der Vergleich mit dem Auto verdeutlicht das Ausmaß. Die Landesstrasse ist noch länger verschüttet und das Ganze ging nur knapp an den Häusern vorbei.
Die Kurven hinauf nach Fiss sind der richtige Abschluss des Tages, der Ausblick hinunter ins Inntal ist aber auch empfehlenswert. Nachdem ich zweimal an meinem Quartier, der Pension Truya-Hof vorbeifahre erkenne ich es bei dritten Mal. Der Hausherr begrüßt mich freundlich und zeigt mir die Garage, wo ich auch mein Motorrad einstellen darf. Nachdem ich schon hungrig bin, gehe ich zum Abendessen direkt ins Nachbarhaus, ins Hotel Montana und danach bald ins Bett.
Tag 2: Die großen Pässe rufen
Das Wetter ist in der Früh vielversprechend sonnig, so starte ich kurz nach dem Frühstück und fahre über Ladis mit der Burg Laudegg im Blick los hinunter ins Inntal.
Nach wenigen Kilometern geht’s in Prutz nicht ins Kaunertal, sondern den Kaunerberg hinauf und weiter auf die Pillerhöhe, wo immer wieder tolle Ausblicke den Blick von der Straße lenken. Durch Arzl im Pitztal, der Heimat von Benny Raich, führt mich das Navi hinein ins Ötztal über Sölden nach Hochgurgl bis zur Mautstation des Timmelsjochs.
Der Blick sowohl auf die österreichische als auch auf die italienische Seite des Passes ist beeindruckend, aber zuerst bin ich auf Europas höchstgelegenes Motorrad-Museum Top Mountain Crosspoint neugierig. Nach einem verheerenden Brand im Jänner 2021 wurde das Museum im November 2021 mit mehr Exponaten als zuvor wieder eröffnet. Mehr dazu gibt es in einem eigenen Blog zum Museum (eventuell noch nicht verfügbar).
Nach einer kühlen Stärkung und nach Bezahlung von 17 Euro an der Mautstation geht die Fahrt weiter zuerst hinauf auf die Passhöhe von 2474m und dann weiter 30 km hinunter bis St.Leonhard in Passeier. Hier verfranse ich mich etwas und fahre falsch aus dem Kreisverkehr. Dabei entdecke ich ein malerisches schmales Strässchen, wo mir relativ schnell klar wird, daß ich falsch bin. Weil es so schmal ist, kann ich erst bei der ersten Haarnadelkurve umdrehen. Kurz danach kommen mir einige italienische Biker entgegen, daher denke ich einen Insidertipp entdeckt zu haben, der auf jeden Fall wert ist gefahren zu werden.
Jetzt fahre ich die richtige Ausfahrt aus dem Kreisverkehr und durchs Ortsgebiet von St.Leonhard Richtung Jaufenpass. Hier geht’s mit bis zu 11,5% hinauf und dann in schönen Kurven aber mit schlechtem Straßenbelag nach Sterzing hinunter. Von der Vermurung von vor 2 Tagen bemerke zumindest ich nichts mehr.
Die Brennerstaatstrasse ist nicht besonders aufregend und Gott sei Dank trotz Ferienwochenende auch nicht besonders dicht befahren. So komme ich bis zur österreichischen Grenze auf der Passhöhe recht rasch voran und nach dem Grenzübergang rasch wieder hinunter Richtung Innsbruck. Beim ersten Blick auf die Europabrücke kann ich leider nicht halten, und so kann ich erst unter der Brücke fotographieren.
Für Österreich habe ich eine Autobahn-Vignette, daher will ich mir einige Tiroler Orts- und Stadtdurchfahrten ersparen und fahre bei der nächsten Auffahrt auf die Brennerautobahn A13 Richtung Innsbruck und dann weiter auf der A12 durchs Inntal bis Jenbach, wo ich wieder auf die Bundesstraße wechsle. Ein Tankstopp ist auch wieder notwendig und dann geht es weiter durch den Tunnel bei Rattenberg bis Wörgl. Das Navi mag wieder einmal einen kleinen aber sehenswerten Umweg über die Wildschönau machen und leitet mich dann mit einem herrlichen Ausblick hinunter nach Hopfgarten im Brixental. Leider gibt es genau dort (keine Möglichkeit zu halten und zu fotografieren, daher habe ich mir das Bild von der Homepage der Kitzbüheler Alpen geborgt.
Von Hopfgarten sind es auf der recht stark befahrenen B150 nur mehr 15 Kilometer bis zum vorletzten Quartier auf meiner Reise im 4* Hotel Alpen Glück Hotel „Kirchberger Hof“. An sich nehme ich eher niedrigere Kategorien bei meinen Solofahrten, aber hier habe ich über die Buchungsplattform anscheinend fürs letzte Zimmer einen Sonderpreis, somit passt es preislich zu den anderen Quartieren. Das Zimmer ist auch viel zu schön um nur eine Nacht zu bleiben, das Hallenbad nutze ich auch nicht, weil ich zu müde bin. Genossen habe ich das Hotel trotzdem.
Tag 3: Vom Kaisergebirge durch die kaiserliche Sommerfrische
Es macht schon Spaß, nach einem ausgiebigen Frühstück an einem sonnigen und noch nicht zu heißen Morgen direkt auf das Kaisergebirge zuzufahren und das herrliche Panorama zu genießen.
Über die Kitzbüheler Straße vorbei am Schloss Münichau fahre ich nach St.Johann in Tirol und Richtung Fieberbrunn, kurz davor biege ich aber ins Pillerseetal ab. Das Navi, oder eher die Kurviger-App, mit der ich meine Routen plane, hat wieder ein Gustostückerl einer kleinen versteckten Straße parat. In Straß biege ich in die Schwendt ab, einer kleinen Straße vorbei am Wiesensee bis Hochfilzen.
Dann bleibe ich auf der B164 durch Saalfelden, Maria Alm, den Dienter Sattel bis Bischofshofen, links immer mit dem Panorama des Hochkönig.
Hier machen die Bundesstraße und die Ortsdurchfahrten auch keinen Spaß, darum fahre ich die B311 bis zur A10 und dann bis zur Auffahrt Eben und dann weiter zu meinem Abstecher nach Radstadt. Nach einer erholsamen Mittagspause in einem schattigen Gastgarten bei einem riesigen Eiskaffee treffe ich zufällig 2 junge Motorradfahrer und eine Radfahrerin aus meiner ursprünglichen Heimat, dem Mostviertel. Die Biker wollen zum Dientener Sattel, von wo ich komme, die Radfahrerin fährt heimwärts in die Melker Gegend.
Mein nächstes Ziel ist die Postalm, daher geht’s zurück über Eben auf die B166 durchs Lammertal. Kurz nach Abtenau zweigt rechts die Straße Richtung Postalm ab. Hier ist Vorsicht angebracht, viele Streifen und Flecken sind ausgiebig frisch mit Rollsplit ausgebessert. Dann kommt bald die Mautstation und nach Bezahlung von 7 Euro für das Motorrad geht es über die 28,5 km lange Panoramastrasse über das größte zusammenhängende Almgebiet Österreichs nach Strobl am Wolfgangsee. Der Blick auf Dachstein und Bischofsmütze ist unvergleichlich.
Am Wolfgangsee waren wir erst vor einigen Wochen bei unserem Salzkammergut-Radweg-Urlaub, darum fahre ich weiter vorbei an Bad Ischl nach Bad Goisern, wo im Supermarkt schon eine Wurstsemmel nach mir ruft. Mit dem Fahrrad sind wir ja vor kurzem das linke Ufer des Hallstättersees entlang gefahren, darum nehme ich mit dem Motorrad die rechte Uferstrasse und biege dann, weil es noch so früh ist ab, um noch zum Gosausee zu fahren.
Leider sind dort die Motorrad-geeigneten Parkplätze weit weg und alles voll von Autos, Bussen und Touristen, heiß ist es dazu auch noch, so drehe ich um und fahre wieder an der Hallstättersee, vorbei an Hallstatt Richtung Koppenpass. Hier zwingt mich die Aussicht auf Loser und Trisselwand nochmals für einen Fotostopp.
Durch Bad Aussee geht es über die B145 vorbei an Bad Mitterndorf, Tauplitz und der Schiflugschanze am Kulm bis Trautenfels, wo es wieder Zeit ist zu tanken. Bis Liezen sind es dann nur mehr wenige Minuten und es geht schon die Pyrnpass-Bundesstrasse hinauf bis Spital am Pyrn, wo ich mein letztes Zimmer dieser Reise reserviert habe.
Der Blick auf Bosruck und den Großen Pyhrgas lässt das Herz höher schlagen, aber auch die zweitürmige ehemalige Stiftskirche ist ein architektonisches Meisterwerk, das aus einem Hospitz (Spital) hervorgegangen ist und auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickt.
Die Hitze macht nicht besonders hungrig und so nehme ich im Gasthaus gegenüber der Kirche nur einen Wurstsalat und eine exzellente Limoncello-Torte und mache noch einen kleinen Rundgang durch den Ort, bevor der Abend wieder endet.
Tag 4: Über das heimische Mostviertel bis ins Triestingtal
Nach einem ausgiebigen Frühstück im schattigen Gastgarten fahre ich den Pyrnpass hinunter bis Windischgarsten und biege dort rechts in den Hengstpass ab. Obwohl nur 985m hoch, ist diese Straße zwischen Reichraminger Hintergebirge und den Haller Mauern nach Altenmarkt schon allein wegen der Aussicht wert zu fahren.
Hier habe ich endlich einmal Zeit genug, eine der vielen Baustellen zu fotografieren, durch die ich während der letzten Tage gefahren bin.
Weiter geht es auf der Eisenstrasse B115 bis Weyer, wo ich gleich nach dem Innerberger Stadel, einem Speichergebäude aus dem Jahr 1654, das ursprünglich als Eisen- und Proviantspeicher diente, den Berg hinauf Richtung Hollenstein zur Pichlhöhe abbiegen möchte.
Die Straße existiert aber nicht mehr, denn seit gut einem Monat ist der erste kurze Tunnel der Umfahrung Weyer fertig und so fahre ich durch ihn in den noch nicht ganz fertigen Kreisverkehr, der einerseits in den zweiten langen Tunnel der Umfahrung führen wird, aber mich zur Pichlhöhe leitet.
Vorbei an den vertrauten ersten Mostviertler Bauernhöfen geht es hinunter ins Ybbstal, hier waren wir das letzte Mal vor 2 Jahren auf dem empfehlenswerten Ybbstal-Radweg zwischen Lunz und Waidhofen unterwegs. In Gstadt biege ich über die alte Strassenbrücke mit Blick auf die leider nicht im Radweg integrierte ehemalige Bahnbrücke, die sogenannte Fischbauchbrücke, nach Ybbsitz ab.
Kurz nach Ybbsitz biege ich in den Zogelsgraben Richtung Maria Sesal ab, fahre dann aber auf schmalen Güterwegen über den Schwarzenberg hinunter nach Ybbsbach zu meinem Elternhaus, wo ich meine Mutter besuche. Ich war schon jahrelang nicht auf diesem Berg und genieße daher den Blick auf Gresten, den Zürner und den Prochenberg besonders.
Nach einigen Stunden geht’s den letzten Abschnitt meiner Fahrt über Oberndorf an der Melk ins Pielachtal und weiter ins Traisental und dann über Hainfeld und den Gerichtsberg heim ins Triestingtal, wo ich am frühen Abend nach gut 2700 Kilometern am Motorrad sehr zur Freude meiner Frau unversehrt aber müde eintreffe.
Er ist schon einige Jahre auf unserer Agenda, der Säntis in der Ostschweiz. Mit seinen 2502 Metern Höhe und durch die exponierte, nördlich vorgelagerte Lage ist er eine von weitem sichtbare Landmarke.
Eine Schweizer Institution, das Postauto
Da es der letzte wirklich schöne Tag unserer Besuchswoche in der Schweiz zu werden scheint, entscheiden wir uns spontan und fahren mit dem Zug über Zürich HB bis Gossau SG, steigen in die Appenzeller Bahn bis Urnäsch und von dort, womit sonst in der Schweiz, mit dem Postauto, das sogar einen Personen-Anhänger hat, bis zur Talstation der Säntisbahn auf der Schwägalp.
Auch für Biker zu empfehlen
Aber auch mit dem Motorrad ist die Straße auf die Schwägalp zu empfehlen. Sie kann entweder, wie mit dem Postauto, von Urnäsch über schöne Serpentinen und einige Haarnadelkurven erreicht werden, oder vom Kanton St.Gallen mit flotten Kurven durch den Wald bis zur Passhöhe auf 1278 m. Darum fehlt mir dieser Pass noch in meiner Liste.
Übrigens ist der Säntis mit der Schwägalp auch Teil der „Grand Tour of Switzerland“, die auf der landschaftlich schönsten Route für eine Schweiz Rundreise mit Auto oder Motorrad über 1643 km einmal durch die Schweiz vorbei an allen Highlights führt.
Atemberaubende Rundumsicht über 6 Länder
Wir gehen vom Postauto direkt zur Gondel, mit der man in nur 9 Minuten die Bergstation auf 2502 m erreicht. Das moderne Gebäude beherbergt einige Restaurants, Ausstellungen und sogar ein Hotel. Das alles wird überragt vom 123 m hohen Sendeturm der Swisscom. Wir steigen aber gleich die Stufen Richtung Gipfel hinauf und sind überwältigt von der Rundumsicht.
Der Säntisgipfel ermöglicht einen Blick auf sechs Länder: Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien und Frankreich. Das Wetter ist uns wirklich hold, so ist es angenehm warm und sonnig und so finden wir neben dem Blick auf den Bodensee auch den Zürichsee, von den umliegenden Bergen ganz zu schweigen.
Bei einer kleinen Stärkung auf der Terrasse des Alten Berggasthofs beobachten wir neben den Dohlen auch noch einen Paraglider, der das Geschehen von noch etwas höher oben genießt.
Die Aussicht bei der Fahrt ins Tal bleibt ebenfalls beeindruckend mit Blick auf die Almen unterhalb des Felsmassivs. Die Seilbahn wird durch einen einzigen Mast gestützt, an diesem hält die Gondel und der Gondelführer lässt eine Bergsteigerin zusteigen, die in einem Kabäuschen im Mast gewartet hat.
Wenige Minuten später sind wir wieder an der Talstation, wo wir etwas verspätet zu Mittag essen und dann noch im Shop der Schaukäserei einige Appenzeller Käse erwerben, bevor es mit dem Postauto wieder ins Tal hinunter geht.
Für einen Ausflug nur zu empfehlen
Ein wunderschöner Ausflug auf sicher einen der Schweizer Berge mit der besten Aussicht geht zu Ende. Auch wenn die Fahrt mit einer Seilbahn nicht zu den billigsten Aktivitäten zählt, können wir wirklich nur empfehlen, diesen Berg zu besuchen, sei es mit dem Auto, dem Postauto oder auch dem Motorrad.