Radeln im unteren Ybbstal

In Waidhofen an der Ybbs kann man an einem Wochenende viel unternehmen, z.B. an einer Nachtwächterführung teilnehmen, gut essen, die Landesausstellung besuchen oder Radfahren.

Alles das haben wir von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag gemacht und über die Nachtwächterführung und das Radfahren werde ich hier erzählen.

Nachtwächterführung durch die Waidhofener Altstadt

Unsere Zimmerwirtin machte uns darauf aufmerksam, dass es an diesem Abend ausnahmsweise eine offene Nachtwächterführung, das heißt ohne Reservierung geben würde. An sich ist die Teilnahme nur mit Anmeldung einer Gruppe von ca. zehn Personem möglich. Da wir mit unserem Abendessen zeitgerecht fertig waren, schafften wir es auch, rechtzeitig kurz vor 20 Uhr beim Treffpunkt am Stadtturm zu sein.

Wir wurden von einer Nachtwächterin geführt,  die uns mit launigen Geschichten zur über 800jährigen Geschichte Waidhofens unterhielt, während wir scheinbar unter das Rothschild-Schloß zur Schmiede und Rauchkuchl am Schwarzbach hinabstiegen. Einen „Stock im Eisen“ gibt es übrigens nicht nur in Wien sondern auch neben dem Stadtturm in Waidhofen, siehe Bild unten.

Neben diesen historischen Stätten lohnte sich auch der Blick hinauf gegen die Türme die hier heruntersehen. Das ist einerseits der mystische Turm des Rothschild-Schloßes, der Turm der Stadtpfarrkirche und der Schlossturm mit Glaskubus, der zur Landesausstellung 2007 von Hans Hollein aufgesetzt wurde. Dabei ist der kleine Seitenturm des Schlosses so mystisch und geheim, dass er bei der Stadt der Türme gar nicht mitgezählt wird.

Dann ging es hinauf zum rot beleuchteten Schlosssteg, einer Fußgänger- und Fahrrad-Brücke zum Hotel an der Eisenstraße auf der Zeller Seite der Ybbs.

Weiter führte uns unsere Nachtwächterin auf verschlungenen Pfaden durch die dunkle Stadt, bis wir wieder vor dem Stadtturm landeten. Diesen 50 Meter hohen Wehrturm haben wir über die extrem hohen und schmalen Stufen bestiegen, bis wir zuerst in der bis 1938 bewohnten Türmerwohnung ankamen.

Daneben beherbergt der Turm auf insgesamt sieben Etagen die Ausstellung „Das Leben vor 100 Jahren“ mit historischen Werkstätten. Das letzte Stockwerk war dann auf einer engen steinernen Wendeltreppe zu überwinden, wo es zum Abschluss nach gut 2 Stunden noch ein Schnapserl gab.

Auf dem vorderen Ybbstalradweg nach Amstetten und zurück

Ausgangspunkt unserer ersten Tour an diesem Wochenende war der schon bekannte Stadtturm. Von dort ging es mit unseren Rädern über den nahen Schlosssteg in den Ybbstalradweg Richtung Norden und talabwärts hügelauf und hügelab vorbei an Böhlerwerk Richtung Rosenau mit einem wunderschönen Blick auf die Basilika Sonntagberg.

In Kematen führt der Radweg dann durch den Ort und über die 33 m hohe Brücke auf das linke Ufer der Ybbs. Dass sie zu den ältesten Steinbrücken Niederösterreichs zählt, fällt hier an der vielbefahrenen Weyrer Bundesstraße B121 nicht auf. Als Radfahrer kann man aber, im Gegensatz zu den Autofahrern, auch wenn die Fußgänger- und Fahrradspur recht schmal ist, einen Blick in den schluchtartigen Einschnitt der Ybbs werfen.

Durch Wiesen und Auwälder fuhren wir dem Wegweiser nach auf einem kleinen Abstecher bald an einem wunderschönen vom Land Niederösterreich prämierten Naturbadeplatz vorbei, der zum Hineinspringen einlud. Mitte September war es uns aber zu kalt, das Wasser auch wirklich zu testen.

Wir radelten weiter an der Sonne durch die Ybbsauen, an der Rückseite von Industriebetrieben vorbei, die uns Radfahrern gar nicht so besonders auffielen, bis wir bei Hausmening wieder das Flußufer wechselten. Entlang der Bahnlinie und vorbei am Fußballstadion führte der Radweg wieder nahe der Ybbs bis zur neuen Hängebrücke, die erst im April 2026 eröffnet wurde.

Der neu geführte Radweg brachte uns dann in den Auwäldern bei Waldheim bis Greinsfurth in der Nähe des großen Kreisverkehrs bei einem bekannten Baumarkt vorbei, nun entlang der Westbahn bis ins Zentrum der Bezirkshauptstadt Amstetten. Die Auswahl an Cafes und Restaurants in der Umgebung des Hauptplatzes war überraschend groß und so konnten wir die Mittagssonne bei einem Eiskaffee genießen.

Nach einem kleinen Rundgang radelten wir die gleiche Strecke wieder zurück bis ins Herz Waidhofens am Oberen Stadtplatz, wo wir bei einen Cappuccino mit einer Mohnzelte und einer Topfengolatsche den Radtag ausklingen ließen.

Für meine nichtösterreichischen Leserinnen und Leser: Wer diese Gustostücke der österreichischen Mehlspeiskultur nicht kennt, bitte die obigen Links öffnen, da stecken die Bilder und Rezepte dahinter.

Fazit und Empfehlungen

Prinzipiell finde ich, dass der vordere Ybbstalradweg, der ja eigentlich bis Ybbs an der Donau verläuft, durch Adaptionenen der Strecke und Verbesserungen, d.h. Neuaspaltierung einzelner Teilstücke und Routenverlegungen sicher sehr an Attraktivität gewonnen hat.

Da haben sich die Investitionen in die Region im Umfeld der Landesausstellung „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit“ in Mauer bei Amstetten auf jeden Fall gelohnt. Wer sich für die Verbindung zwischen Mensch, Psyche und Gesundheit und den Herausforderungen psychischer Erkrankungen und deren Auswirkungen auf Betroffene und Angehörige interessiert, sollte sich diese Ausstellung noch bis 8. November 2026  auf jeden Fall ansehen.

Das Teilstück von Lunz am See bis Waidhofen sind wir schon vor einigen Jahren gefahren, das auf jeden Fall zu den schönsten Flußradwegen Österreichs gehört. Ich werde sicher auch dazu noch einen Blog schreiben.

Die Tour auf dem vorderen Ybbstalradweg

Erntedank in Waidhofen

Auf unserem Weg zum geplanten Ausgangspunkt beim Stadtturm hörten wir das Spiel einer Musikkapelle die sich näherte. Da auf Plakaten das Erntedankfest angekündigt war,  war der Grund dafür klar. Die Prozession mit der von der Landjugend gebundenen Erntekrone in Begleitung der Musikkapelle, der Goldhaubengruppe und der Statue des Kirchenpatrons Lambert zog durch die Altstadt Richtung Stadtpfarrkirche. Wie ich später erfuhr, wurde zur Gabenbereitung diesmal nicht nur ein Obst- und Gemüsekorb als Dank für die Ernte mitgebracht, sondern auch ein leerer Korb, der an die fehlende Ernte aufgrund der Trockenheit erinnern sollte.

Von Waidhofen nach Ybbsitz

Wir wollten uns an diesem Tag noch die vorhin erwähnte Landesausstellung ansehen, daher war unsere Radtour kürzer als am Vortag.

Wir starteten wieder am Stadtturm und fuhren am letzten noch existierenden Stadttor, dem Ybbstor aus der Altstadt hinaus und hinunter aud der Gasse Unter der Leithen zu einem kleinen Rastplatz direkt am Ybbsufer, den wir bereits bei unserer Nachtwächterführung besucht hatten. Der Ausblick auf die Gebäude links und rechts des Flusses war diesen Stopp schon nach wenigen Metern auf jeden Fall wert.

Entlang der Citybahn, dem letzten 3,3 Kilometer langen noch aktiven Teilstück der ehemaligen Ybbstalbahn und weiter entlang der Ybbstalstraße B31 fuhren wir Richtung Gstadt. Dort zweigt über die alte Eisenbahnbrücke der Kleine Ybbstalradweg ab, dem wir bis Ybbsitz folgen wollten.

Dem Motto der Eisenstraße folgend findet man auf den folgenden 6 Kilometern bis Ybbsitz eine Reihe von Metallskulpturen die die Themen Eisen, Ybbstalbahn und Radweg miteinander verbinden.

Vorbei an einigen Bauernhöfen kamen wir zu den Riess-Werken, die die einzige Email-Geschirr-Erzeugung Österreichs ist und nebenbei auch die blauen Straßenschilder für Wien herstellt. Im Mostviertel gab und gibt es bis heute beinahe keinen Haushalt, der ohne Riess-Geschirr auskommt. Und wenn doch, dann gibt es sicher etwas von Kelomat. Diese Marke gehört nämlich auch zum Riess-Konzern. Ich habe die Riess-Produkte auch schon in vielen Ländern Europas in der einen oder anderen Auslage gesehen. Trotzdem radelten wir weiter, es war erstens Sonntag und zweitens gibt es eine Führung erst ab 10 Personen.

Weiter ging es, nun der B21 entlang auf der Trasse der ehemaligen Stichstrecke der 2010 eingestellten Schmalspurbahn. Am Ortseingang wechselten wir die Straßenseite und auf eine Brückenkokstruktion oberhalb der Kleinen Ybbs und dann weg von der Bundesstraße, bis wir am Bahnhof landeten. Dieser ist denkmalgeschützt und wunderbar renoviert.

Bis wir bei der sehr zu empfehlenden Bäckerei und Konditorei Molterer landeten, waren noch ein paar Häuser ein Foto wert.

Der Rückweg verlief bis Gstadt auf der gleichen Strecke, dort wichen wir aber vom Radweg entlang der Straße ab und wechselten kurz vor der Einmündung der Kleinen Ybbs auf die andere Seite auf den Weg, den wir schon von unserer Tour am oberen Ybbstalradweg kannten.

Damit war diese schöne und gemütliche Tour auf dem kleinen Ybbstalradweg auch schon zu Ende und wir fuhren mit dem Auto zur oben erwähnten Landesausstellung.

Der kleine Ybbstalradweg zwischen Waidhofen und Ybbsitz

Die Route in Komoot: https://www.komoot.de/tour/3312318011?ref=aso&t_s=referral&t_cid=route_share&share_token=a2xABd4MC7U61yOM7CYx7jEzi7fU2xuukEtPv1Nh0YW8EAUVNf

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