Die katholische Kirche feiert den Johannistag ganz bewusst genau sechs Monate vor Heiligabend, eben am 24. Juni. Denn die Lebensgeschichte Jesu und die von Johannes dem Täufer werden bereits im Lukasevangelium ganz eng miteinander verwoben.
Durch das Sakrament der Taufe soll der alte Mensch im wahrsten Sinn des Wortes (im Wasser) „untergehen“ und als neuer Mensch (aus dem Wasser) auftauchen.
Auch Jesus Christus lässt sich von Johannes im Jordan taufen, wie das Markusevangelium (Kapitel 1, Vers 9) weiter berichtet, auch um „die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz zu erfüllen“, wie es bei Matthäus (Kapitel 3, Vers 15) heißt.
Meine Taufe
Ich wurde zwei Wochen nach meiner Geburt in der Pfarrkirche Gaming getauft. Die Schwester meines Vaters ist auch meine Taufpatin und ihr Verlobter durfte, wie das Foto zeigt, damals schon dabei sein.
In den 1960ern war das Sakrament der Taufe auf die Kirche beschränkt, mit wenigen Beteiligten, wie dem Täufling, den Eltern, dem Taufpaten und natürlich dem Priester. Heute feiert oft die ganze Familie mit, bei unseren Enkelkindern inklusive der erweiterten Patchworkfamilie mit einem gemeinsamen Essen nach der Taufe.



Der Muttersegen
Meine Mutter dagegen durfte aus religiösen Gründen damals nicht anwesend sein. Im Christentum war die Ansicht weit verbreitet, „eine junge Mutter habe sich nach der Geburt einige Zeit von der Kirche fernzuhalten und bedürfe, um die Kirche wieder betreten zu dürfen, der Reinigung und Entsühnung“. Das war laut Wikipedia in Österreich eine Zweiwochenfrist, die bei meiner Taufe ja genau genommen erreicht war. Diese Ansicht herrschte noch in den frühen 1960er Jahren, bis zum 2.Vatikanischen Konzil, vor.
Eine Verpflichtung zur rituellen Reinigung bestand aber nicht. Man berief sich auf Papst Gregor den Großen († 604), der in einem Brief betont hatte, die Frau sei nicht zu verurteilen (non judicanda), wenn sie sofort nach der Geburt zur Danksagung die Kirche betrete und die Kommunion empfange. Der Gedanke von der Unreinheit der Frau ließ sich jedoch nicht verdrängen, und die Kirche empfahl den Brauch der Aussegnung als pia et laudabilis consuetudo, als „fromme und lobenswerte Sitte“ und „approbierte Gewohnheit“. Im 12. Jahrhundert wurde der Brauch allgemein geübt, im 15. Jahrhundert wurde er mancherorts sogar als Verpflichtung betrachtet.
Als es noch keine Mutterschutz-Gesetzgebung gab, hatte ein kirchlich gestütztes Ausgehverbot einer Wöchnerin vor der Aussegnung besonders in ländlich-bäuerlichen Gebieten aber auch die Funktion eines Schutzes der jungen Mutter vor harter Arbeit, besonders wenn diese Frist in Anlehnung an den Tempelgang Marias auf 40 Tage ausgedehnt war.
Osterkerze und Taufkerze
Die Osterkerze, die in der Osternacht als Symbol des Auferstandenen feierlich entzündet, in die Versammlung getragen und besungen wird, ist das zentrale Symbol des Auferstandenen in der Osterzeit. Außerhalb dieser 50 Tage sollte sie normalerweise nicht brennen, um ihre Aussagekraft nicht zu mindern und steht dann in den meisten Kirchen in der Nähe des Taufbeckens. An ihr werden bei der Feier der Taufe die Kerzen der Neugetauften entzündet.

Erst im 20. Jahrhundert bildete sich der Brauch heraus, die eigene Taufkerze aufzubewahren und sie zu besonderen Lebenssituationen anzuzünden. So kann die Taufkerze auch als Erstkommunionskerze oder bei der kirchlichen Trauung verwendet werden.

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