Mit dem Motorrad auf den Spuren der Habsburger im Schweizer Aargau

Meinen Heimatort Gaming in Niederösterreich mit der Kartause verbindet mehr als viele wissen mit der Habsburg im Schweizer Aargau. Diesen Spuren bin ich bei meinem Schweiz-Besuch im Juli 2026 ein kleines Bisschen mit dem Motorrad gefolgt.

Zuerst in die Töff-Garage

Bei der Hinfahrt war ein Zwischenstopp in Zürich notwendig, da ich einige Tage davor, noch in Österreich auf meiner Fahrt in die Schweiz, einen Seitenkoffer verklemmt hatte. Die Werkstatt, oder wie man auf Züridütsch sagt, die Töff-Garage, von Moto Taiana konnte mir dabei schnell und unkompliziert helfen und so saß ich schon 20 Minuten später wieder auf meinem Bike.

Weiter in den Aargau

Dann fuhr ich das erste Mal mit dem Motorrad durch die Stadt Zürich, über die Limmat und querte die noble Einkaufsmeile Bahnhofstraße und die Siehl, vorbei am Triemlispital und um den Üetliberg herum hinunter in den Aargau. Die hügelige Landschaft mit den abgeernteten Getreidefeldern erinnert an unsere Bucklige Welt. Nur die Siedlungen sind größer und näher zusammen und der Baustil ist anders als bei uns.

Ein besonders interessantes Objekt bin ich in Rottenschwil überfahren. Die zweijochige stählerne Fachwerkbrücke über die Reuss ist nur einspurig und ich war verwundert, wie geduldig auf beiden Seiten die Autofahrer gewartet haben, bis ich meine Fotos gemacht hatte. Anlässlich der Renovierung 2003 wurde sogar eine eigene Briefmarke dazu herausgegeben.

Der erste markante Ort auf meiner Runde war Muri, dessen Kloster ich mir am Rückweg ansehen wollte. Eine halbe Stunde und einige flotter Kurven später tauchte die Habsburg vor mir auf. Zuerst schien es, sie würde in der Ebene stehen, aber aus der Nähe betrachtet erkannte ich den Burgberg.

Schloß Habsburg

Direkt im Dorf steigt die schmale Straße in einigen Serpentinen hinauf zum Parkplatz am Wüpelsberg gleich unterhalb des Schlosses Habsburg.

Vom ältesten Teil, der Vorderen Burg sind nur mehr die Grundmauern als Ruine erhalten. Diese Teile entstanden ca. 1020, in den 50 Jahren danach wurden der Nord- und Ostturm errichtet.

Die Grundherrschaft der Habsburger wurde immer wieder erweitert und umfasste bald das sogenannte Eigenamt, das Gebiet zwischen Aare und Reuss, das man nach Süden auch von der Burg überblicken kann.

In den nächsten 200 Jahren wurde die Burg von den frühen Habsburgern noch bewohnt, obwohl das Leben ohne Fenster sicher nicht sehr gemütlich war. Daher zog die Familie in die Stadt Brugg und die Burg wurde von Bediensteten betreut.

Albrecht II. „der Weise“

Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man erst vor wenigen Monaten an der Gruft des Gründers der Kartause Gaming in der Kirche Marienthron gestanden ist, nun an seiner Geburtsstätte zu stehen. Albrecht II. wurde Ende 1298 als einer der Letzten der Habsburger-Dynastie noch auf der Stammburg geboren. Er übernahm die Regentschaft in Österreich und der Steiermark im Jahr 1330 und gründete gemeinsam mit seiner Gemahlin Johanna von Pfirt im Jahr 1332 die Kartause Gaming.

Herzog Albrecht II. mit Johanna von Pfirt, Lithografie, 1820
Copyright: Österreichische Nationalbibliothek

Seine Frau starb bereits am 15. November 1351 und wurde in Gaming begraben. Herzog Albrecht II. selbst verstarb am 20. Juli 1358 in Wien und wurde am 23. Juli an der Seite seiner Gemahlin in der Gruft in der Kartausenkirche Marienthron in Gaming bestattet.

Soweit hier zur Verbindung der Habsburg mit meinem Heimatort Gaming im nieder- österreichischen Mostviertel, mehr dazu werde ich sicher in einem späteren Blog schreiben.

1415 verloren die Habsburger den Aargau an die Schweizer Eidgenossenschaft. Die Vordere Burg war schon im Lauf des 13. Jahrhunderts zerfallen. Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons Aargau.

Habsburger-Herzen im Kloster Muri

Eine Reihe von Klosterstiftungen in der Umgebung der Burg ging ebenfalls auf die Habsburger zurück, eine davon ist das Kloster Muri, das das nächste Ziel meiner Motorradrunde sein sollte.

Also ab Richtung Süden, wobei mich die Ortsausfahrt von Brunegg schon wieder zu einem Photostopp „zwang“, weil hier Schweizer, Habsburger und Österreichs Fahne gemeinsam im Wind wehen. Dahinter blickt die Habsburg auf das ehemalige „Eigenamt“.

Nach rund 30 Kilometern vorbei an einer Christbaumkultur (der Aargau ist ein wichtiger Christbaumproduzent für die Schweiz) bog ich in die Marktstraße von Muri ein. Das dort befindliche ehemalige Benediktinerkloster wurde bereits 1027 von den Habsburgern gegründet.

Die Beziehungen zu den Habsburgern schwanden allmählich und die Klosterkirche diente letztmals 1260 als Grablege, denn die mit dem Kloster verbundene Hauptlinie verlagerte bereits 1282 ihren Herrschaftsmittelpunkt nach Wien.

Nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 lösten die Eidgenossen die Habsburger als Schirmherren ab. Der Kanton Aargau hob 1841 das Kloster nach mehr als 800 Jahren auf und löste dadurch den Aargauer Klosterstreit aus, der schliesslich im Sonderbundskrieg von 1847, der letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Schweizer Boden, endete.

Muri als alte und neue Grablege

Die Begräbnisstätten wie die Kaisergruft
in Wien blieben der Familie Habsburg- Lothringen nach ihrer Entmachtung jahrzehntelang verwehrt. Und so besann sich die Familie wieder an Muri. Die Lorettokapelle wurde der neue Bestattungsort und so ruhen dort die Herzurnen von Kaiser Karl und Kaiserin Zita. Das Kloster Muri ist somit die älteste bekannte und zugleich auch die jüngste Grablege seiner Stifterfamilie.

Da ich mir einen Montag für meine „Habsburg-Forschungen“ ausgesucht habe, blieben die Museumstore  und damit mein Zugang zur Lorettokapelle auch hier leider verschlossen.

Das Kloster der Habsburger

Daher blieb mir nur die Klosterkirche mit ihrem Oktogon, das noch heute der größte sakrale Zentralraum der Schweiz ist. Im rechten vorderen Teil des Oktogons befindet sich das Habsburgerdenkmal (111) mit dem Stifterpaar Radebot von Habsburg und seiner Frau Ita von Lothringen. Dahinter und nur vom Museum aus zugänglich liegt die Lorettokapelle (225). Der Leontiusaltar (115) befindet sich an der linken Seite.

Die Superlative haben damit aber kein Ende, der Osttrakt ist mit 222,5 m das größte klassizistische Bauwerk der Schweiz. Gegenüber des Klosters befindet sich der Leontiusbrunnen. Die Figur des Katakomben- heiligen Leontius, dessen Gebeine in der Klosterkirche aufbewahrt werden, prägt den Brunnen.

Der Rückweg an den Zürisee

Nach soviel Geschichte war es wieder Zeit für einige Motorradkurven, die ich über den Albis fahren wollte. Aber egal, welche Straße ich auch nahm, mindestens eine ampelgeregelte Baustelle bremste meinen Fluß. Trotzdem ist der kleine Buchenegg-Pass eine gute Alternative zur stark befahrenen Albis-Straße. Vorbei am Tierpark Langenberg in Langnau am Albis, der zu Begegnungen mit einheimischen Wildtieren einlädt, führte mein Weg hinunter ins Sihltal. über die Sihl und Gattikon bis zu meinem Ziel Thalwil am Zürisee.

Nachbetrachtung

Diesmal war auf meiner Motorradrunde der Anteil der Geschichte ziemlich hoch, aber die Kurven und die angenehme Landschaft bleiben dennoch in bester Erinnerung. Eine Wiederholung nicht an einem Montag, wenn hoffentlich die Aussenrenovierung abgeschlossen sein wird, soll es daher auf jeden Fall geben.

Übrigens passen Gaming, Motorrad und Habsburger auch sonst ganz gut zusammen. Ferdinand Habsburg ist ein österreichischer Automobilrennfahrer, der seit 2022 in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft antritt. Und seine Eltern Karl Habsburg-Lothringen und Francesca Thyssen-Bornemisza hatten im Jahr 1993 nach der Trauung in Mariazell ihre Hochzeitstafel in der Kartause Gaming.

Hin- und Rückfahrt mit dem Motorrad


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