Drei Jahre mit dem Elektroauto

Was schreibt man über drei Jahre mit einem Elektroauto, wenn es eigentlich ganz selbstverständlich und in der Mitte des Lebens angekommen ist? Wenn Reichweitenangst unbegründet ist und Gelassenheit eingezogen ist? Es ist aber trotzdem nicht alles Gold, was elektrisch glänzt und über das alles handelt dieser Blog.

Erste elektrische Bekanntschaft mit dem BMW i3

Genau genommen hat mich das Elektroauto gefangen genommen, als ich im März 2014 die Gelegenheit hatte, den BMW i3 der ersten Generation zu probieren und in Wien und am Kahlenberg zwei Stunden herumfahren durfte.

Als Antrieb diente ein Elektromotor mit 125 kW. Die Reichweite  betrug damals 190 km. Optional war zur Erhöhung der Reichweite ein mit Benzin betriebener Range Extender (Plug-in- Hybrid) mit 25 kW verfügbar. Während dessen Nutzung arbeitete der Antrieb nach dem Prinzip des seriellen Hybridantriebes, sprich, der Benzinmotor lädt über einen Generator die E-Batterie. Obwohl das damalige Konzept für sehr viele, auch für mich, nicht praktikabel war, verkaufte BMW bis zur Einstellung der Baureihe im Jahr 2022 250.000 Stück.

Doch der Virus hatte mich infiziert und nicht mehr losgelassen und so beschloss ich, daß mein erstes Auto zur Pension ein elektrisches sein sollte. Da sollte ich ja nicht mehr so viel fahren und damit auch kein Reichweiten- problem haben. Damals wusste ich noch nicht, dass ich tendenziell eher mehr fahren und trotzdem kein Reichweitenproblem haben sollte.

Die Batterie war nämlich in wenigen Jahren auch etwas gewachsen. Hatte der BMW noch eine Bruttokapazität von 33,2 KWh, was netto 27,7 kWh entsprach, hat der Skoda Enyaq von 2022 bereits eine Bruttokapazität von 82,0 kWh, die netto 77,0 kWh ergeben und realistisch von 320 km (im Winter) bis 440 km im Sommer reicht.

Musste man 2014 die Ladestationen noch mit der Lupe suchen, sind es mittlerweile (im Juni 2026) in Österreich 37.800 öffentlich zugängliche Ladepunkte, daher ist das keine echte Herausforderung mehr.

Gibt es überhaupt etwas, worüber es sich lohnt, zu schreiben?

Also, worüber soll ich noch schreiben? Ich habe mir vor zwei Jahren, nach meinem Blog über Ein Jahr mit dem Elektroauto vorgenommen, über meine Erfahrungen zum Fahrzeugwechsel zu schreiben. Aber was schreibt man über etwas Alltägliches nach 55.000 Kilometern ohne besondere Vorfälle? Genau genommen passierte nichts, was auf den ersten Blick der Rede wert wäre. Und für alle, die meinen, eh klar, das Elektroauto muss man ja nach drei Jahren weggeben: ich habe in den letzten 40 Jahren meine Benziner und Diesel auch nach 3-5 Jahren getauscht.

Das erste Jahr mit dem Skoda Enyaq

Also nochmals das erste Jahr Revue passieren lassen: am Anfang war es ehrlicherweise manchmal stressig, ich konnte mit der Reichweite der Batterie nicht umgehen und es dauerte einige Zeit, bis mich 50 km Restreichweite nicht irritierte, wenn ich nur noch 20 km nach Hause hatte. Dafür brachte es mich auf die Palme, wenn ich extern laden musste und die Ladestation defekt war oder meine Ladekarten nicht akzeptierte.

Aber bald fuhr ich hunderte Kilometer mit Anhänger mit 500-600 kg Buchenholz für den Specksteinofen herum, wobei der Verbrauch natürlich höher als sonst war und das Auto eine kurze Ladung von 10 Minuten benötigte, um nach Hause zu kommen. Andererseits fuhr ich auch rund 300km bis an die slowenische Grenze, wo ich kurzdavor einen Zwischenstopp einlegte, um eine kleine Ladung zu nehmen, da ich die Situation am Zielort nicht kannte. Nach Hause fuhr ich dann schon ohne Stopp.

Ladestationen gibt es genug, aber die Verwendung ist oft kompliziert und teuer

Das Kurhotel dort hatte dann doch mehrere Ladestationen, sodass ich mit einem vollen Akku heimfahren konnte, was damals, im Jahr 2023, noch gar nicht so selbstverständlich war.

Was ebenfalls noch nahe der Lade-Steinzeit war und leider manchmal noch ist, war die Abrechnung nach Ladezeit und nicht nach tatsächlich geladenen kWh. Vor drei Jahren akzeptierten das die großen Ladekarten- Anbieter noch, heute gibt es das praktisch nur mehr aus Vereinfachungsgründen meist um einen sehr fairen Preis in manchen Hotels.

Mittlerweile gibt es auch kein Problem mehr, in der Nähe eine Lademöglichkeit in Österreich zu finden. Trotzdem ist es noch immer verwunderlich, dass Ladestationen möglichst weit vom Rest der Zivilisation (Cafe, Restaurant, WC, usw.) und ohne Dach errichtet werden und dann im Winter auch noch vom Schneepflug zugeschaufelt werden.

Anderseits gibt es schon bei praktisch allen Fastfood Restaurants und vielen Supermärkten bereits Ladestationen mit vernünftigen Ladekapazitäten. Unverständlich ist aber, dass man anstatt mit Ladekarte noch immer nicht bei allen Stationen mit Bankomat- oder Kreditkarte gezahlt werden kann und wenn, dann mit einem unverschämten Aufschlag.

Es gibt aber positive Beispiele auch, wie den neuen Ladepark in Spital am Semmering. Mit insgesamt 18 Ladepunkten sowie Ladeleistungen von bis zu 600 kW pro Ladepunkt gehört er zu den leistungsfähigsten Anlagen des Landes. Einen Hypercharger mit bis zu 1 MW Leistung gibt es ebenfalls und überdacht wie eine Verbenner-Tankstelle ist der Ladepark auch. Mittlerweile habe ich gelesen, dass es auch auf der Westautobahn bei Altlengbach auf beiden Seiten demnächst ähnliche Einrichtungen geben soll.

Copyright: Stadtwerke Mürzzuschlag

Plug&Charge nach ISO 15118

Dabei sollte Plug&Charge nach ISO 15118 schon längst Standard sein, komplett ohne Ladekarte, direkt über die Auto-Schnittstelle direkt abzurechnen. Und das natürlich zum günstigsten Preis.

Bei einigen E-Autos ist diese Plug&Charge- Funktion nach ISO 15118 bereits problemlos möglich. Der Ladekomfort im Alltag wird dadurch deutlich gesteigert, darum setzen immer mehr Hersteller auf dieses Feature. Aber einige Jahre und Software Updates in vielen Autos und auch Ladestationen wird es aus meiner Sicht noch brauchen, bis das zur Normalität gehört wie z.B. heute das Handy Roaming.

Die Reichweite der Batterie

Wie schon weiter oben gesagt, beträgt die echte Reichweite 330 bis 440 Kilometer. Der Nachfolger, der Elroq 85 hat eine WLTP-Reichweite von 414 bis 575 km, also mit mehr Leistung auch etwas mehr Reichweite. Das ist auch auf der Langstrecke in beiden Fällen kein Problem, da nach 2-3 Stunden eine 10-20  minütige Kaffee- oder Biopause sowieso nicht schadet.

Aber ich verstehe natürlich, dass das für die große Masse der Dieselfahrer, die täglich 1000 km mit Wohnwagen und 180 km/h Mindestgeschwindigkeit fahren müssen, unmöglich nachzuvollziehen ist.

Aber Sarkasmus beiseite, ohne Lademöglichkeit daheim oder am Arbeitsplatz, oder in bestimmten Aussendienstsituationen, oder wenn regelmäßig schwere Lasten über weite Strecken gezogen werden müssen, es gibt gar nicht so wenige Szenarien, wo das Elektroauto nicht die erste Wahl sein wird. Aber mit jeder Generation neuer Fahrzeuge und Ladestationen wird dieses Problem kleiner.

Und trotzdem: ohne Zugang zu privaten Ladestationen ist es schlichtweg zu teuer.

Laden zuhause

Ich habe den Vorteil, dass ich zuhause an der eigenen Wallbox laden kann. Das ist nicht nur auf der Kostenseite, sondern auch vom Zeitfaktor wichtig. Es ist weniger zeitaufwendig wie das Tanken. Einfach anstecken, die nächsten Stunden genießen oder verschlafen und die App informiert, wenn das eingestellte Ladelimit erreicht ist.

Und die Kostenseite: bei einem Verbrauch von 6 Litern zu je 1,70 Euro ergeben sich 10,20 Euro auf 100 Kilometer. (Ich weiß, von dem Preis träumen unsere deutschen, italienischen oder Schweizer Freunde). Und bei einem Verbrauch von 20 kWh (ich habe 19,3 kwh im Schnitt verbraucht) ergeben sich bei ca 12 Cent pro kwh, die bei Sonne noch dazu regional von der Energiegemeinschaft kommen, von 2,40 Euro pro 100 Kilometer.

Und Servicekosten? Allein ein Ölwechsel kostete beim VW Arteon mindestens 150 Euro, die restlichen Servicekosten kommen jährlich noch dazu. Und beim Enyaq? Da waren es einmalig 280 Euro für 3 Jahre und 55.000 Kilometer.

Und sonstige Probleme? Bei rund 45.000 Kilometern wurde die Pumpe der Klimaanlage undicht. Also kein typisches E-Auto Problem und das wurde unter Garantie gelöst. Sonst nichts.

Fazit

Mein Mindset beim Autofahren hat sich in den vergangenen drei Jahren auf jeden Fall etwas geändert. Ich fahre gelassener und entspannter als mit dem Benziner, aber nicht immer langsamer. Hier ist eher die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h in Österreich der limitierende Faktor, wobei der adaptive Tempomat zum langsamer Fahren animiert. Aber den haben die neuen Verbrenner ja auch.

Da stört mich mehr, dass ich manche der eingebauten Helferlein und Assistenten nicht brauche oder haben will und sie nicht vollständig deaktivieren kann, sondern das bei jedem Losfahren wieder neu einstellen muss und dafür ein Deepdive in den Untermenüs des Bordcomputers notwendig ist. Das ist aber auch kein Elektroauto-Phänomen und soll beim Nachfolger schon einfacher sein.

Der adaptive Tempomat ist zumindest im Enyaq von 2022 auch mit dem aktuellen Softwarestand zu fehlerbehaftet, um ihn in jeder Situation zu verwenden. Falsch erkannte Verkehrszeichen, wie z.B. die 50er Beschränkung bei einer Parkplatzeinfahrt auf der Autobahn können ein Abbremsen auslösen. Oder das Auto beruft sich auf einen 80er, weil an dieser Stelle vor zwei Jahren eine Baustelle mit Geschwindigkeitsbeschränkung war. Da kann aber das Auto nichts dafür, hier wurde „nur“ vergessen, diese GPS Daten aus den elektronischen Karten zu entfernen. Darauf sollte man sich aber verlassen können, liebe ASFINAG!

Und die Klimaanlage oder Heizung läuft, wann immer es notwendig ist, ohne Unterschied zum Verbrenner. Das wirkt sich auf den Verbrauch weniger aus als ich dachte. Im Gegenteil, man kann über die App oder direkt im Auto vorklimatisieren und bei den heuer schon länger gemessenen 40 Grad Außentemperatur bei angenehmen 22 Grad ins Auto steigen. Oder man heizt im Winter vor und hat eine freie trockene Windschutzscheibe und kann ohne Jacke losfahren. Und manchmal ist es auch notwendig, mit etwas mehr als der erlaubten Höchstgeschwindigkeit zu überholen.

Und es ist schon eine gewisse Genugtuung, den Ölscheichs, Putins und Trumps die lange Nase zu zeigen. Sinn macht das Ganze aber nur, wenn man bilanziell nur erneuerbare Energie verwendet und das ist ja möglich. Die lokale Energiegemeinschaft ist ein weiterer Baustein und die eigene Photovoltaikanlage die beste Variante.

Auch bei der E-Mobilität ist nicht alles Gold, was glänzt

Ohne hier alle Aspekte bis ins Kleinste zu analysieren, möchte ich gar nicht ignorieren, dass auch die E-Mobilität Umweltschäden verursacht. Der Abbau von seltenen Erden wird trotz vielen Verbesserungen in der Technologie noch viele Jahre problematisch sein und die Abhängigkeit von anderen Ländern ist hoch. Aber, immer vorausgesetzt, der Strom kommt aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Wasser oder Sonne, ist die Umweltbilanz recht rasch positiv, speziell im Vergleich zu einem Verbrenner.

Ein immer wieder angeführtes Argument gegen die Stromer sind die Batterien, die angeblich nach drei Jahren zu entsorgen sind. Also, ich habe, zwar nach „nur“ 55.000 Kilometern und 3 Jahren, keinen Unterschied bemerkt und Studien sagen auch etwas anderes.

Moderne Elektroauto-Batterien können 15 bis 20 Jahre oder mehrere Hunderttausend Kilometer halten. Daher garantieren auch die meisten  Hersteller eine Laufzeit von 8 Jahren bei eine Laufleistung von 160.000 km. Auch wenn die maximale Batteriekapazität im Laufe der Zeit natürlich abnimmt, hat sich das durch neue Entwicklungen in der Batterietechnologie in den letzten Jahren stark verbessert. Von durchschnittlich 2,3% pro Jahr im Jahr 2019 ist die Degradation auf etwa 1,8% im Jahr 2024 zurückgegangen. Daher sollte ein Elektroauto auch nach zehn Jahren noch einen Großteil seiner ursprünglichen Reichweite haben. (Quelle: Renault: Die Lebensdauer von Elektroauto-Batterien vom 12.5.2025)

Außerdem wird es immer interessanter, nicht nur aus Umweltschutz- sondern auch aus Kostengründen, alte Batterien wieder zu recyclen und so die teuren Rohstoffe wieder der Produktion zuzuführen oder sie als Speicher weiterzuverwenden.

Vorfreude auf den Nachfolger

Ich freue mich trotzdem schon auf den Nachfolger meines Enyaq, den Elroq Sportline mit höherer Reichweite, die ich gar nicht unbedingt brauche und 210KW/286 PS, die ich auch nicht brauche, aber cool sind sie trotzdem.

Nicht probieren! Es besteht Suchtgefahr

Und darum rate ich allen, die dem Elektroauto ablehnend oder skeptisch gegenüber stehen: Fahrt keine Runde mit einem E-Auto und schon gar nicht ein Wochenende! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es ihnen besser gefällt als sie sich jetzt vorstellen können.

Die Laufruhe auch bei höheren Geschwindigkeiten ist eines der ersten Dinge, die einem auffallen. Dann der Punch, der ansatzlos einsetzt und auch starke Verbrenner an der Ampel alt aussehen lässt, macht manchmal schon Spaß. Macht man nicht immer, aber auch mit dem starken Verbrenner lässt man ja nicht jedes Mal die Reifen quietschen.

OK, ein Sechszylinder von Porsche klingt schon gut, der 57er Chevy auch. Aber zeitgemäß ist das eigentlich nicht mehr.


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