Heimreise 4: Vom Hinterrhein über Liechtenstein und den Arlberg bis Kitzbühel

Der vierte Heimreisetag aus der Schweiz bot neben schönen Strecken auch einen Sonnenaufgang am Hinterrhein, ein Kalbsrahmgulasch am Arlberg, eine europäische Wasserscheide, ziemlich viel Inntalautobahn und zum Abschluss einen Schweinsbraten mit Freunden in Kitzbühel.

Der nächste Morgen war angenehm kühl und die Sonne schien bereits auf einige umliegende Berge, daher beschloss ich, noch vor dem Frühstück mit dem Fotoapparat eine Dorfrunde durch Sufers zu machen. Der Sonnenaufgang in diesem Bergtal mit vielen noch sehr ursprünglichen Gebäuden und der Blick über das Hotel Seeblick und den Sufner Stausee waren einfach ein morgendlichen Genuss.

Trotzdem war ich dann einer der ersten beim Frühstück und holte auch bald die Crosstourer aus der Hotelgarage. Dann ging es gefühlt einmal links, einmal rechts der A13 hinunter durch die Viamala bis Thusis, ähnlich wie im Vorjahr, wo ich vom Comosee über den Splügenpass gefahren bin.

Bei einem meiner kurzen Fotostopps im engen Tal des Hinterrheins kam auf einmal eine Kolonne von mindestens zwanzig Militärfahrzeugen entgegen, ich hoffe ich verrate damit keine Schweizer Militärgeheimnisse…

Einen weiteren Stopp beim Besucherzentrum beim Einstieg in die Viamala-Schlucht ließ ich aus, ihr könnt aber hier nachlesen:

Bis Thusis kamen noch einige Kurven und Tunnels der alten Straße. Landschaftlich und wettertechnisch hatte ich wieder ein Riesenglück, wolkenlos!

Links der Straße fiel mir das erste Mal das riesige Kloster Cazis auf, das von Dominikanerinnen bewohnt und bewirtschaftet wird.

Bei Tamins vereinigen sich der Vorder- und Hinterrhein zum Rhein und die Rhätische Bahn kommt aus Chur und teilt sich in eine Linie über Thusis ins Engadin und die zweite über Disentis/Mustér nach Andermatt. Obwohl ich im Blog vom letzten Jahr einige Bilder dazu habe, gibt es hier auch welche, weils so schön war!

Weiter ging es durch Chur, von wo wir erst wenige Tage vorher mit der Arosa-Bahn ins Bärenland gefahren waren, aber dazu wird es einen eigenen Blog geben.

Bei Landquart kreuzte ich die Route vom letzten Tag meiner heurigen Hinfahrt, wer mag kann das hier nochmals nachlesen. Aber ich wollte ja weiter Richtung Liechtenstein.

Bei der Planung meiner Route entdeckte ich eine kleine Straße durch Maienfeld auf Schweizer Boden, die auf direktem Weg an den Bergen entlang nach Liechtenstein führte und das von mir schon mehrmals durchfahrene Bad Ragatz und Sargans im wahrsten Sinn des Wortes links liegen ließ und dabei das nette Maienfeld kennenlernte.

Ein kleiner nur 713 m hoher Sattel, der Sankt Luzisteig, ist diese direkte Verbindung und der kürzeste Weg Richtung Vaduz. Er ist nach Lucius benannt, dem Patron von Stadt und Bistum Chur, der auch seit dem späten 18. Jahrhundert Landespatron des Fürstentums Liechtenstein ist. Auf der Passhöhe befinden sich zwei historische Gebäude, nämlich die Steigkirche und der Steighof, die ich leider beide übersehen hatte. Die Bedeutung des Passes kam davon, dass er bis zur Eröffnung der Rheintaleisenbahn 1858 die einzige befahrbare Verbindung Bündens mit Vorarlberg und dem süddeutschen Raum war.

Auf einmal durchquerte die Straße die alte Festungsanlage Sankt Luzisteig, die auch heute noch vom Schweizer Militär genutzt wird, wenn auch das Bedrohungsszenario heute ein anderes ist.

Jetzt war das Fürstentum nicht mehr weit, da tauchte links die Burg Gutenstein auf, die auf einem Hügel mitten im Ort Balzers liegt.
Rechts an der Straße, fast zu übersehen, markierte die Grenze zwischen der Schweizer Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1735. Das rote S am nebenstehenden Stein symboliesiert die Schweiz, auf der anderen Seite markiert ein L Liechtenstein.

Weiter ging es noch recht flott durch einige kleine Ortschaften bis in die Hauptstadt Vaduz.

Da es in der Zwischenzeit schon recht heiß war, ich noch rund 280 km bis Kitzbühel vor mir hatte und wir hier schon vor einigen Jahren eine Sightseeing-Runde gedreht hatten, ließ ich mich nicht aufhalten und fuhr weiter Richtung Grenze zu Österreich, wobei eine Umleitung und ein Baustellenstau mich ziemlich bremsten. Die Schweizer Polizei ist da bei Vorbeifahren an der Kolonne leider nicht nachsichtig und ich wollte natürlich keine „Busse“ zahlen müssen.

Und so hieß es geduldig den Stop-and-Go-Verkehr über Schaan bis an die österreichische Grenze nach Feldkirch zu erdulden. Dort wurde der Stau zwar nicht weniger, aber ich konnte erlaubterweise die Kolonne immer wieder überholen und kam so relativ rasch durch die Stadt.

Ich hatte zwar die österreichische Autobahnvignette, wollte aber zuerst noch die mehr oder weniger parallel zur Rheintalautobahn A14 verlaufende L190 nutzen und auch einen Tankstopp einlegen, das Benzin war ja in Österreich doch etwas günstiger als in der Schweiz.

Erst kurz vor Bludenz fuhr ich auf die Autobahn und dann weiter die Arlbergschnellstraße bis zur vorletzten Ausfahrt in Wald am Arlberg vor dem 14 km langen noch dazu mautpflichtigen Arlbergtunnel.

Da war mir die Passstraße schon lieber, obwohl ich dann gleich nach der ersten echten Serpentine nach Stuben auf zwei Sattelschlepper aufschloss, die ich wegen des regen Gegenverkehrs erst kurz vor der Abzweigung auf den Flexenpass überholen konnte. Wenn ich schon da war, wollte ich diese Passhöhe auch noch erreichen, auch wenn der Großteil der Straße durch Lawinengalerien verlief.

Aber neben dem Simplonpass, der einen Teil der europäischen Wasserscheide zwischen der Rhone (Mittelmeer) und dem Po (Adria) bildet, ist auch der Flexenpass auf 1.773 Metern Höhe eine wichtige europäische Hauptwasserscheide zwischen der Donau (Schwarzes Meer) und dem Rhein (Nordsee). Ich habe nun beide innerhalb weniger Tage passiert.

Dann kehrte ich wieder um, um dann auf den Arlbergpass zu fahren und in St.Anton Mittagspause zu machen. Das Kalbsrahmgulasch als erstes österreichisches Essen nach fast drei Wochen war dann wirklich gut!

Der Rest der Strecke ist dann nicht mehr besonders spannend, da ich das Inntal ohne viele Abzweiger zum Großteil auf der Autobahn durchfahren habe, um mir die Staus in den Ortschaften und der Landeshauptstadt Innsbruck zu ersparen. Ein paar Bilder gibt es doch.

Erst in Kufstein fuhr ich dann von der Autobahn ab und nahm die B170 durch das Brixental bis Kitzbühel, wo ich mich schon auf das gemeinsame Abendessen mit Freunden freute.

Die Route am vierten Heimreisetag

Route in kurviger: https://kurv.gr/xgFGL

Heimreise 3: Vom Centovalli zum Lago Maggiore und über den San Bernadino

In diesem Blog erzähle ich von Gebirgstälern, mehr Haarnadelkurven als ursprünglich geplant, der Hitze am Lago Maggiore und von der Fahrt über den San Bernadino, der nichts mit dem Großen St.Bernhard zu tun hat.

Ich habe im vorigen Blog gar nichts zum Hotel geschrieben, obwohl man nur ganz selten so etwas Außergewöhnliches findet. Allein die Lage des kleinen Hotels Locanda Piemonte Daa Sciolla mitten in der Altstadt und Fußgängerzone von Domodossola ist genial. Die Zimmer befinden sich in einem turmartigen geschmackvoll renovierten Gebäude mit Blick vom kleinen Balkon in die Fußgängerzone. Erreichbar ist es mit dem Motorrad nur halblegal durch einige mit Flußkieseln gepflasterte Gässchen. Zusätzlich hatte ich das Glück, dass ich meine Crosstourer direkt am privaten Unterstand der Besitzerin parken konnte.

Das Frühstück war dann die Draufgabe. Die Gastgeberin kam immer wieder mit kleinen Spezialitäten vorbei und kümmerte sich zuvorkommend um ihre Gäste, sodass man sich sehr wohl fühlen konnte.

Durch das Centovalli

Aber ich wollte ja weiter, und zwar durch das Centovalli bis Locarno und weiter über Bellinzona den San Bernadino hinauf bis Splügen. Vor zwanzig Jahren haben meine Frau und ich das „Tal der 100 Täler“, wie das Centovalli übersetzt heißt, in der einen Richtung mit der Vigezzina-Centovalli Bahn und dann in der anderen Richtung mit dem Auto erkundet und diesmal ist das Motorrad dran.

Nach einigen Kurven mit recht viel Montagmorgen-Verkehr Richtung Domodossola öffnete sich das Tal, das hier genau genommen noch Valle Vigezzo heißt.

In Santa Maria Maggiore, wo sich jedes Jahr Schornsteinfeger aus aller Welt treffen,  erinnert ein Museum an die zahlreichen Kaminfegerkinder, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem in den Städten Norditaliens als Schornsteinfeger arbeiten mussten. Auch das Museo di Val Verzasca in Sonogno auf Schweizer Seite thematisiert die Geschichte der Kaminfegerkinder. Das Buch „Die schwarzen Brüder“ erzählt deren bedrückende Geschichte in Romanform.

Gleich neben der Straße fotografierte ich, wie ich erst beim Schreiben dieses Blogs herausgefunden habe, die älteste Kirche des Valle Vigezzo, die Pfarrkirche Santa Maria Assunta.

Nach soviel Geschichte ging es weiter in den nächsten Ort Malesco, wo die SS631 Richtung Süden über das Orassotal bis Canobio am italienischen Teil des Lago Maggiore abzweigt. Ich fuhr aber rechts weiter auf der SS337 Richtung Schweizer Grenze. Bei der Überquerung der Brücke über den Melezzo Orientale, der das Tal durchfließt, entdeckte ich am Ufer eine kleine Kirche, die ich mir ansehen wollte. Die Oratorio Madonna del Gabbio wurde im 18. Jahrhundert auf einer alten Kapelle errichtet und wäre auch interessant zu besichtigen gewesen, aber es fand gerade eine Feier statt, die ich nicht stören wollte, daher gibt es von mir nur Bilder von außen.

Also fuhr ich wieder zurück auf die Hauptstraße und weiter Richtung Centovalli, wo ich gerade unterhalb der Straße das erste Mal die Chance hatte, regulär stehen zu bleiben und die Centovalli-Bahn zu fotografieren.

Der Wallfahrtsort des Valle Vigezzo heißt Re, einer der vier Orte in Italien mit dem kürzesten Namen (die drei anderen sind Ne, Ro und Vo) und wird von der Wallfahrtskirche Madonna del Sangue dominiert, die eigentlich aus zwei Kirchen besteht. Die erste Kirche aus dem Jahr 1627 wurde zu klein und so wurde eine zweite neobyzantinische Kirche angebaut und im Jahr 1958 eingeweiht.

Einige imposante Kurven, Brücken und Tunnels weiter erreichte ich die Grenzstation zur Schweiz in Ribellasca, natürlich über eine Brücke und mein kurzer Italientrip war schon wieder vorüber.

Gleich anschließend erreichte ich wieder ein Highlight des Centovalli, den Lago di Palagnedra. Dieser Stausee mit der 72m hohen Staumauer ist mehr als zwei Kilometer lang und in seinem Ostteil bis zu 300m breit.

Auf dieser Tour kamen Brücken und Viadukte nicht zu kurz, die Bahn querte bei Verdasio hoch oben in einem Bogen die noch verwinkeltere Straße und bald auf einer wunderschönen Eisenbrücke bei Intragna.

Mein letzter Halt im Centovalli war in Tegna, einem kleinen Ort mit der malerischen, aber verschlossenen Kirche Santa Maria Assunta und dem danebenliegenden Pfarrhaus direkt an der Bahnlinie, an der ich dann anschließend beim Schranken ein letztes Mal die Centovalli-Bahn fotografieren konnte.

Ein Abstecher ins Maggiatal bis ins Bergdorf Fusio

Gleich dahinter, in Pontebrolla zweigt das Maggiatal ab, eines der größeren der  namensgebenden Täler des Centovalli. Da ich schneller durchs Centovalli durch war als gedacht, wollte ich noch dieses Seitental bis ins letzte Dorf, Fusio, erkunden.

Die ersten Kilometer nach dem Taleingang war der Verkehr extrem stark, die Nähe von Locarno und Ascona machte sich bemerkbar. Aber nach den ersten Ortschaften wurde es merkbar weniger, nur an manchen Stellen parkten die Fahrzeuge der Badenen, die sich von der extremen Hitze im Fluß Maggia abkühlten.

Viele alte Stadeln in der traditionellen Steinbauweise und Kapellen prägen neben der imposanten Landschaft den Charakter dieses Tales.

Ein interessanter Zylinder mit schrägem Dach fiel mir im Dorf Mogno weiter hinten im Tal auf. Den Hintergrund dazu erfuhr ich erst beim späteren Recherchieren.

Ein Lawinenunglück verschüttete 1986 das Dorf und zerstörte die Kirche San Giovanni Battista aus dem 17. Jahrhundert. Da das Dorf unbewohnt war, gab es zum Glück keine Toten und Verletzten. Der Tessiner Architekt Mario Botta ersetzte die Ruine durch eine neue Bergkirche in Form eines 17m hohen Baus in zylindrischer Form mit geneigtem Glasdach und Streifenmuster aus Marmor und Gneis. Er schuf damit ein neues Identifikationsobjekt in diesem Tal und ein Wahrzeichen moderner Sakralarchitektur.

Ab der Brücke bei Mogno wurde die Straße praktisch einspurig, das Postauto fuhr aber, wie in der Schweiz üblich, auch diese Strecke regelmäßig. So hoffte ich, dass mir nicht nur bei den Spitzkehren keines entgegenkommen würde. Und ich hatte Glück, nur ein einziges Motorrad kam die steile Strasse herab.

So waren die zwei Kilometer bis hinauf ins Dorf Fusio schnell und ohne Probleme geschafft. Geparkt wird etwas unterhalb des Dorfes, das wie hingeklebt am Berghang gegenüber steht. Darum wanderte ich dann gemütlich die Dorfgasse hinauf, hier kommt nur ein kleines Auto durch und das ist daher den Einheimischen vorbehalten.

Ein Restaurant, die Antica Osteria Dazio lädt mit seiner Glastür, die auf den ersten Blick so gar nicht in das Dorfgefüge passt, zum Eintritt und man ist in einem wunderschönen modernen und doch passenden Ambiente. Ich hatte das Glück, noch einen Platz auf der Terrasse zu bekommen, was nach diversen Rezensionen gar nicht so selbstverständlich zu sein scheint. Der Brasato al Merlot (Rinderschmorbraten), eines der regionalen Spezialitäten, schmeckte mit dem Wahnsinnsblick in das Val Lavizzara so gut, dass ich aufs Fotografieren vergessen habe. Wenn man es rustikal mag, kann man hier sein Matratzenlager auf dem Heuboden beziehen, wo bis zu 14 Personen schlafen können. Es gibt aber auch noch andere wunderschöne Zimmer.


Eine Runde durch das Dorf auf 1280 Metern Seehöhe mit den vielen noch mit Stein oder Schindeln gedeckten Gebäuden und der Kirche musste dann natürlich schon gemacht werden, bevor ich wieder zum Motorrad zurückkehrte.

In der Zwischenzeit war das Postauto auch schon angekommen, jetzt könnte nur noch ein LKW oder großer Traktor die Hinunterfahrt etwas spannender machen.

Kurz vor Lavizzara kamen noch die letzten spektakulären rund zehn Haarnadelkurven, die eigentlich ein gemauerter Zick-Zack im Steilhang sind.

Copyright: quäldich.de

Danach öffnete sich dasTal hinunter nach Peccia, wo sich die Maggia tief eingeschnitten hatte.

Hitze von Locarno bis Bellinzona

Dann ging die Fahrt flott das Tal hinaus nach Locarno, wo ich am Yachthafen noch einen kleinen Zwischenstopp bei einem Becher Eis einlegte. Die Stadt selbst hatten wir schon einige Male besucht, daher machte ich diesmal auch wegen der Hitze keine Sightseeing-Runde.

Über die Grenzen der Schweiz ist die Stadt am Lago Maggiore auch durch das Locarno Film Festival bekannt, das diesmal zum 79. Mal vom 5. bis zum 15. August 2026 stattfand.

Ich bin ja recht hitzebeständig, aber die anschließende Fahrt über die B13 von Locarno bis Bellinzona war mit rund 39 Grad in dieser Hinsicht der Höhepunkt. Der Verkehr zwischen den zusammengewachsen Orten mit vielen Ampeln war extrem stark, was das in der Schweiz verbotene Vorfahren auch praktisch unmöglich machte. Da war ein Supermarkt die willkommene Abkühlung und zwei Flaschen kühles Wasser brachten den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot.

Viel Panorama und schöne Kurven auf dem San Bernadino

Erst nach Bellinzona wurde der Verkehr wieder flüssiger, da die meisten Fahrzeuge ja die Autobahn über den San-Bernadino-Pass nahmen. Die Bundesstraße B13 verläuft gut ausgebaut mit raschen Kurven durch das Misox vorbei am Castello di Mesocco bis auf 1608 Meter ins Dorf San Bernadino GR am Südportal des 1967 eröffneten Schnellstraßentunnels der A13.

Die gelbe Rundkirche im Ortszentrum wurde 1897 geweiht und stellt eine Nachahmung der Basilika San Carlo al Corso in Mailand dar.

Auf 2066 Metern ist dann die Scheitelhöhe mit dem Hospiz, das aber an einem Montag Ruhetag hat und daher geschlossen war. Für einige Fotos hat es trotzdem gereicht.

Auch wenn es nicht nur für mich verwirrend war, besteht trotz der Namensähnlichkeit keine Beziehung zu den Pässen Grosser Sankt Bernhard zwischen Martigny und Aosta, den ich ja bei dieser Tour am zweiten Tag auch überqueren wollte, und dem Kleinen St.Bernhard zwischen Courmayeur im italienischen Aostatal und Séez in Frankreich. Jetzt habe ich diese beiden Pässe auf der Rückfahrt von der Route des Grandes Alpes im nächsten Jahr eingeplant.

Bis hinunter zum Nordportal des Tunnels war in der kargen Felslandschaft nochmals eine der vielen Ampelbaustellen dieser Tour und bald ging es mit mindestens 15 Haarnadelkurven ins Tal des Hinterrhein.

Von dort verlief die B13 vorbei an den Dörfern Hinterrhein und Nufenen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Pass) bis Splügen, wo ich in den letzten Jahren schon zweimal nach der Passauffahrt von Chiavenna kommend, gelandet war. In der nächsten Ortschaft Sufers, direkt an der A13, lag dann mein Tagesziel, das Hotel Seeblick oberhalb des Suferer Stausees.

Beim Abendessen auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf den See war es dann mit 20 Grad im Vergleich zu den 39 Grad in Locarno recht frisch, aber erholsam nach diesem intensiven Tourtag.

Die Route des dritten Heimreisetages

In Kurviger: https://kurv.gr/YxLbg

Heimreise 2: Kein Bernhard, sondern das Rhonetal hinauf und über den Simplonpass nach Italien

Statt über den Großen St.Bernhard fuhr ich wegen des Regenwetters das Rhonetal hinauf und den Simplonpass von Norden nach Süden und nicht wie ursprünglich geplant vom italienischen Süden nach Norden. Dafür entdeckte ich auf meinem ungeplanten Abstecher nach Saas-Fee einen autofreien Wintersportort.

Als ich wach wurde, hörte ich schon den Regen draußen. Das hörte sich nicht besonders gut an und ich hoffte, dass es nach dem Frühstück besser sein würde. Und wirklich, der Regen hatte aufgehört, nur waren die Berge um Martigny alle von Nebelschwaden und Wolken verhangen. Ein italienischer Radfahrer, der gestern erst den Großen St.Bernhard heruntergefahren war, riet mir, die Fahrt über diesen Pass zu verschieben, es würde heute nicht mehr wirklich besser werden.

So disponierte ich um und nahm mir vor, den Simplonpass von Brig im Norden nach Domodossola im Süden zu fahren und nicht umgekehrt. So bleibt der Große St.Bernhard weiter auf meiner Bucketlist, ich brauche ja auch Pläne fürs nächste Jahr auf meiner Rückfahrt von der Route des Grandes Alpes.

Nachdem es nicht wirklich zu regnen aufgehört hatte, zwängte ich mich in die Regenkombi und dann war das Rhonetal aufwärts meine nächste Etappe. Die ersten 15 Kilometer durch einige Dörfer waren praktisch schnurgerade, nur durch einige Kreisverkehre unterbrochen.

Dann tauchten oberhalb von Sion zwei Hügel mit Burgen auf, links die Burg Tourbillon und rechts davon die Basilika von Valère (Valeria).

Ende des 13. Jahrhunderts errichtet, wurde das Schloss 1417 während des Aufstands von Walliser Patrioten zerstört und im 15. Jahrhundert komplett wiederhergestellt. Beim „Grossen Brand“ im Mai 1788 wurde es dann endgültig zerstört und erholte sich davon nicht mehr. Die Ruinen werden heute dank der Stiftung Schloss Tourbillon instandgehalten und überragen Sion und das Rhonetal.

Die Domherrensiedlung mit der Basilika von Valère liegt seit dem 12. Jahrhundert auf dem niedrigeren Hügel und wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil vollendet. Seither ist sie beinahe unverändert in ihrem Gesamtvolumen und beherbergt die älteste noch bespielbare Orgel der Welt.

Dass das Rhonetal das wichtigste Weinanbaugebiet der Schweiz ist, war mir schon bekannt, bevor ich hier durchfuhr und die Bilder zeigen es ja schon am Anfang dieses Blogs. Und trotzdem ist mir während einem meiner Fotostopps nicht aufgefallen, dass ich direkt gegenüber einem der größeren Weingüter halt machte. Die Les Celliers de Sion wurden 1992 von den beiden Winzerfamlien Varone und Bonvin gegründet. Diese Weinkellerei auf über 1000 Quadratmetern ist gleichzeitig der Zugang zur ersten Weinerlebniswelt der Schweiz am Fuße des spektakulären Terrassenweinbergs von Clavau.

In Leuk wird aus der deutschsprachigen Rotten die französischen Rhone, die durch den Regen der vergangenen Nacht groß und reißend geworden war. Leuk ist außerhalb der Schweiz nicht so bekannt wie der im Tal oberhalb liegende Wintersport- und Thermalkurort Leukerbad.

In der Zwischenzeit war das Wetter besser geworden, darum wollte ich noch Saas-Fee besuchen. Das ähnlich wie Zermatt autofreie Saas-Fee (1800 m ü. M.) liegt zu Füssen des höchsten Bergs der Schweiz, des Dom (4545 m) und ist ein bekannter Wintersport- und Wanderort.

Schon die ersten Kilometer der Zufahrt sind spektakulär. Die 270 m lange, gebogene Chineggabrücke ist seit 2023 Teil der Umfahrung der Ortschaft Stalden. Sie löste die 1959 errichtete Iliasbrücke ab, von der man einen schönen Blick auf die Merjenbrücke hat, die 1930 errichtet wurde, um das Saastal auch für den damaligen Schwerverkehr zugänglich zu machen. Insgesamt 30 Brücken und Stege, die Fußgänger, Bahn, Strassenverkehr oder auch das Wasser über die zahlreichen Gräben führen, machen Stalden zum Brückendorf der Schweiz.

Nach diesen Kurven führt die Straße nicht mehr ganz so spektakulär über Saas-Balen mit seiner Rundkirche und Saas-Grund hinauf bis zum Parkhaus von Saas-Fee.

Den Ort selbst muss man zu Fuß erkunden, wobei die traditionellen, schwarzgebrannten Walliser Holzhäuser und die alten Stadel auf Stelzen das Bild am Ortseingang prägen.

Nach einem Kaffee mit Kuchen in einem der vielen kleinen Cafes machte ich noch eine Runde durch den Ort, bei der es wieder zu regnen begann und ich froh war, meine Regenkombi noch nicht ausgezogen zu haben.

Saas-Fee wurde erst im Jahr 1951 mit einer Autostrasse erschlossen, blieb aber seitdem ein autofreies Dorf. Heute sind, wie auch in Zermatt, spezielle Elektroautos als Taxi und Transportfahrzeuge unterwegs, was aber dem Tourismus keinen Abbruch tut, eher im Gegenteil.

Auch der Blick hinunter und das Tal hinaus bot immer wieder schöne Ausblicke, ein paar davon konnte ich auch mit Bildern dokumentieren.

In Visp bog ich wieder rechts in das Tal der Rotten  (hier noch in Deutsch für Rhone) ab, aber schon gute fünf Kilometer weiter kurz vor Brig kam schon ein großer Kreisverkehr, wo der grüne Wegweiser die Schnellstraße zum Simplonpass anzeigte. Hier gab es auch eine Zusatztafel, die diesen Teil als mautfrei kennzeichnete.

Geradeaus wäre die Strecke Richtung Furkapass und Nufenenpass weitergegangen, die ich bei meiner ursprünglich geplanten Tour über den Großen St.Bernhard und den Simplonpass in der Gegenrichtung genommen hätte.

Der Simplonpass führt mit breiten langen Kurven, die ganzjährig befahrbar sind, bis auf den Scheitel auf 2005 Meter hinauf und verbindet die Schweiz von Brig im Wallis mit Domodossola in Italien. Er ist zwar motorradtechnisch nicht aufregend, gilt aber trotzdem als einer der schönsten Alpenübergänge. Recht bald kam das nächste Brückenhighlight, die Ganterbrücke, die seit 1981 befahren werden kann.

Der Simplon ist flott zu fahren und bietet nur wenige Möglichkeiten für Fotostopps und so war ich recht bald beim Simplon Restaurant, das aber geschlossen war.

Einige Kurven weiter erreichte ich aber wirklich die Scheitelhöhe auf 2000 Metern Seehöhe, von wo es links zum Simplon-Hospiz geht, in dem seit 1831 die Chorherren vom Grossen Sankt Bernhard Pilger und Gäste empfangen. Rechts der Straße blickt der neun Meter hohe Simplon-Adler als Symbol der Wachsamkeit zur Erinnerung an die „Wacht am Simplon“ während des 2. Weltkriegs herunter.

Und dann schon einige Höhenmeter hinunter, auf rund 1400 m liegt unterhalb der Straße das Alte Hospiz. Es ist ein noch immer beeindruckender Bau, der 1650 errichtet wurde, als nur ein Saumpfad über diese damals schon wichtige Verkehrsverbindung führte. Heute gehört es der Schweizer Armee und dient als Truppenunterkunft.

Im weiten Tal von Domodossola war es dann schon recht heiß und ich war froh, meine Regenkombi ausziehen zu können, als ich mein Hotel direkt in der Fußgängerzone gefunden hatte. Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich noch eine Runde durch die Altstadt, bevor ich mir in einer Trattoria eine richtige italienische Pizza bestellte, auf die ich mich schon seit Tagen freute.

Die Route am zweiten Rückreisetag

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/2VMYm

Heimreise 1: Familiengeschichte, Friedensbotschaft, Käselöcher, Queen, Kaiserin und auch ein paar Kurven

Wo ist der Heimatort der Familie meiner Frau? Wie und wo kommen die Löcher in den Käse? Was haben Kaiserin Sissy, Freddy Mercury und Mahatma Gandhi gemeinsam? Auf alle diese Fragen erwartete ich mir auf meinem ersten Rückreisetag aus der Schweiz eine Antwort.

Für Motorrad und Fahrer war das sicher keine besondere Herausforderung, aber landschaftlich sollte es auf jeden Fall interessant werden. Und außerdem sollte mich dieser Tag bis an den Fuß des Großen St.Bernhard bringen, wo des dann genug Kurven geben würde.

Eigentlich war aber schon nach wenigen Minuten fast alles anders. Zuerst hatte ich mich noch über einen letzten Blick auf den Zürichsee gefreut.

Ich wollte ohne Umwege auf dem direkten Weg über den Albis fahren und bog in Langnau von der Sihltalstraße links ab. Aber ein Straßenarbeiter hielt mich auf und erklärte mir, dass die Straße den ganzen Tag wegen Asphaltierungsarbeiten gesperrt wäre. Eine Umleitung war nicht eingerichtet und er wusste den Weg auch nicht.

Aber Google Maps half weiter und so fuhr ich die Sihltalstraße einige Kilometer weiter bis ich wieder links abzweigen konnte und so kam ich mit einem Umweg von 5 Kilometern wieder beim Wildnispark Langenberg heraus, an dem ich erst wenige Tage auf meinem Rückweg von der Habsburg vorher vorbeigefahren war. Damit hatte ich nur mehr kurz zu meiner geplanten Route.

Und schon führte die Straße durch die hügelige Landschaft des Albis und bald wechselte ich bei einer Unterführung vom Kanton Zürich in den Aargau, der aber nur mit einem Zipfelchen zwischen die Kantone Zürich und Luzern hereinrecht und so war ich wenige Kilometer später am Sempachersee, der im Gegensatz zu den meisten Schweizer Seen nur an wenigen Stellen öffentlich zugänglich ist und recht malerisch in der Landschaft liegt.

Ein Stück Familiengeschichte

Für mein nächstes Ziel wechselte ich wieder den Kanton und befand mich bald in Huttwil im Kanton Bern, dem Bürger- oder Heimatort meiner Frau. Im Unterschied zum Geburtsort in anderen Ländern wird der Heimatort vererbt und das ist für ihre Familie seit mindestens 5 Generationen eben Huttwil. Soweit ich weiß, war noch niemand der lebenden Verwandten meiner Frau je in diesem Ort, und so war ich der Erste, der das Familienwappen in den Rundbogenfenstern des Restaurants Stadthaus im Original zu sehen bekam. Nach einem Kaffee im Gastgarten machte ich noch einen kleinen Spaziergang durch diesen für die Familie geschichtsträchtigen Ort. Die erste Frage in der Einleitung war damit gelöst.

Alles Käse im Emmental

Manchmal stellt man sich gar keine Frage und bekommt dennoch eine Antwort. So ging es mir auch, als ich wenige Kilometer später, in Affoltern im Emmental,  einen Wegweiser zu einer Schaukäserei sah.

Nach einer interessanten interaktiven Führung kannte ich die Geschichte des Emmentalers, die Bedeutung für die Region und natürlich auch das Geheimnis der Löcher im Käse. Nein, die werden nicht gebohrt, sie entstehen durch Propionsäurebakterien. Diese Bakterien wandeln während der Reifung im Gärkeller Milchsäure in Kohlendioxid um. Das Gas kann durch die feste Rinde nicht entweichen, sammelt sich an winzigen Heupartikeln in der Milch und bildet so die typischen großen Löcher.

Da ich die Kantonshauptstadt Bern möglichst weit umfahren wollte, fuhr ich Richtung Süden bis kurz vor dem Thunersee. Bei Jaberg überquerte ich die Aare, die in der Nähe des Grimselpasses entspringt und durch den Brienzersee und Thunersee fließt. Hier unter der Brücke nutzten einige Jugendgruppen die Aare zum Raften und Schlauchboot fahren.

Ein weitere Schweizer Besonderheit: gedeckte Holzbrücken

Rund eine halbe Stunde später hat mir die Planungsapp „kurviger“ ein weiteres Highlight beschert, von dem ich bis dahin nichts gewusst habe. Vier überdachte Holzbrücken quasi mitten im Wald überqueren an der kleinen Strasse durch den Seligraben von Rüti bei Riggisberg nach Rüschegg-Graben den kleinen Bach Biberze. Ja, das bedeutet aus dem Galloromanischen kommend „Biberbächlein“. Sogar für das Schweizer Denkmalamt sind Rütiplötsch-, Rütigrund- und Untere und Obere Schwandbrücke auf diesen wenigen Kilometern etwas Besonderes. Die Brücken stammen aus 1867 bzw. 1878, nur die Rütiplötschbrücke wurde 1937 nach einem Hochwasser wieder neu aufgebaut.

Ganz zufällig ist das trotzdem nicht, denn von den rund 350 gedeckten Holzbrücken in der Schweiz liegt ein Drittel im Kanton Bern, auch wenn wir Nichtschweizer praktisch nur die Kapellbrücke in Luzern kennen.

Ein Gault&Millau gewürdigtes Cola

Es wurde heißer und heißer und so wurde wieder eine Schattenpause fällig, als ich bei der Kreuzung in Giffers einen Gasthof mit Garten entdeckte, der mich genau zu dieser Pause einlud. Die Besitzerin war äußerst freundlich und zuvorkommend und servierte meinen Softdrink und gleich noch einen zweiten, der Durst war groß. Erst im Nachgang entdeckte ich, dass der Gasthof zum Roten Kreuz wegen seiner regionalen Schweizer Küche von Gault&Milau auf Platz 8 der 10 besten „Kreuz“ Restaurants der Schweiz gekürt wurde. Also, gekröntes Service nur für einen Softdrink. Eigentlich schade, dass ich keinen Hunger hatte.

Nun wurde es französisch

Nachdem die Ortsnamen auf einmal französisch waren, konnte es ja nicht mehr sehr weit bis zum Genfersee sein. Und wirklich, ein See tauchte auf und ich dachte schon, angekommen zu sein. Als ich dann bei Corbières FR den See auf einer Brücke überquerte, wurde mir klar, dass das nicht stimmen konnte, ich war erst am Lac de la Gruyère, einem Stausee im Kanton Freiburg.

Diesmal etwas zuviel Respekt vor dem Regen

Bald kamen immer mehr dunkle Wolken auf un und die ersten schweren Regentropfen trafen mich. Mit der Erfahrung der letzten 15 Minuten meiner Anreise suchte ich nach einem trockenen Standplatz, wo ich mich regendfit machen konnte. Da tauchte am Straßenrand ein kleiner Bauernhof mit einer Einfahrt auf, die wie gemacht für meine Zwecke war. Nichts wie hinein, die Regenjacke angezogen und noch etwas gewartet bis es weiterging und kurze Zeit später war der Spuk schon wieder vorbei.

Der Genfersee

Und dann war er da, der Genfersee. An der Ortseinfahrt von Chardonne, wo wir vor vielen Jahren schon bei einem Weinfest waren, gab es den ersten Blick hinunter nach Vevey und über den See.

In weiten Kurven führte die Straße hinunter, vorbei an der Station der Standseilbahn, von der ich in einem meiner ersten Blogs „Montreux im März“ geschrieben habe.

Und dann kam ich gerade noch zum Ende des Montreux Trail Festivals an die Uferpromenade. Diese Trailrunning-Veranstaltung, die Ausdauersport mit einer festlichen, musikalischen Atmosphäre verbindet, ist vom Montreux Jazz Festival inspiriert, das erst einige Tage vorher stattgefunden hatte.

Dadurch war Hochbetrieb, aber ich entdeckte ihn doch an der Uferpromenade, Freddy Mercury, den Sänger der Popgruppe Queen in seiner typischen Pose vor der Kulisse des Sees.

Nach einem Eis direkt am See machte ich mich daran, die letzten gut 40 Kilometer bis zu meinem Ziel in Martigny zu fahren. Aber bald, in Villeneuve, bei der Schiffsanlegestelle stand die nächste Statue, diesmal die von Mahatma Gandhi, die hier im Jahr 2019 anlässlich seines 150. Geburtstages aufgestellt wurde.

Das letzte Mal hatte ich eine Mahatma-Statue in Hyderabad vor dem Unterhaus des Bundesstaates Telangana (ab 2014, damals noch Andhra Pradesh) in Indien im Jänner 2007 gesehen.

Gandhi-Statue vor dem Telangana Assembly (Unterhaus) Gebäude in Hyderabad

Und was war mit der Kaiserin Sissi? Auch sie hat eine Statue am Genfersee. Diese steht am Quai du Mont-Blanc bei der Rotonde du Mont-Blanc in Genf. Sie erinnert exakt am Ort des historischen Attentats an den 100. Todestag der österreichischen Kaiserin Elisabeth, die dort im Jahr 1898 von einem Anarchisten ermordet wurde. Wir haben diese Stelle im März 2018 bei unserem Aufenthalt in Genf besucht.

Damit sind alle Fragen, die ich mir am Anfang dieses Blogs gestellt hatte, beantwortet.

Durch das Rhonetal Richtung Süden nach Martigny

Das Rhonetal ist sehr breit und wird von der Landwirtschaft dominiert. In der Ferne kommen die hohen Berge immer näher, die Vorfreude auf die morgige Fahrt auf den Großen St.Bernhard steigt immer mehr.

Das Hotel liegt zwar direkt an der Straße zum Pass, war aber trotzdem etwas schwierig zu erreichen, da durch die kleine Stadt gleich zwei Umleitungen führten. Nach dem Checkin dauerte es aber nicht mehr lange, bis es zu schütten begann und ich hatte trotzdem wieder einen Fahrtag praktisch trocken absolviert.

Die 26 Schweizer Kantone interaktiv

Wer sich sich nach so vielen Kantonen an einem Tag (Zürich, Aargau, Luzern, Bern, Freiburg, Waadt, Wallis) dafür interessiert, wo welcher Kanton in der Schweiz liegt, kann sich mit dieser interaktiven Karte darüber informieren.

Der erste Tag der Heimreise vom Zürichsee nach Martigny

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/pzmvF

Tag 4: Serpentinen, Brücken, Pässe, Welterbe und eine Seedammüberquerung

Auch der letzte Anreisetag in die Schweiz hatte wieder einige besondere Leckerbissen in Form von außergewöhnlichen Brücken, einem Welterbe-Kloster, Pässen und Landschaften zu bieten. Dabei kam die Bikerseele auf mehr Serpentinen als geplant auch nicht zu kurz.

Das Wetter an meinem letzten Anreisetag an den Zürichsee war wieder wunderschön und in Sulden, auf rund 1900 Metern Seehöhe, auch nicht besonders heiß. Darum saß ich nach dem Frühstück recht rasch auf meiner Crosstourer und fuhr die Suldenstraße talabwärts bis zur Kreuzung mit der Stilfserjochstraße in Gomagoi. Ein paar Fotostopps habe ich natürlich auch gemacht.

Kurz vor Prad entdeckte ich auf der rechten Seite einen renovierten Kalkbrennofen, den ich mir ansehen wollte, praktischerweise lag auf der anderen Straßenseite gleich ein Parkplatz und ich konnte einmal ganz regulär halten, nicht immer ganz selbstverständlich bei meinen Fotostopps. Dieser Kalkofen ist das letzte erhaltene Bauwerk dieser Art im Vinschgau und wurde 2024 restauriert.

Nach Prad bog ich bald links ab, um die fast schnurgerade SP50 durch das Vintschgauer Obstanbaugebiet bis Glurns zu nehmen. Eine besondere Rarität, die Palabirne oder auch Türkische Birne wächst hier noch auf alten Bäumen auf manchem Hofanger.  Hier im Vinschgau im Westens Südtirols findet diese alte Sorte ideale Bedingungen für eine optimale Reifung vor.

Von Glurns geht es einerseits hinauf zum Reschensee, ich wollte aber in der anderen Richtung ins Val Müstair im Schweizer Graubünden und dann weiter über den Ofenpass fahren. Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz war auf beiden Seiten unbesetzt, Schengen in Reinkultur.

Am Weg durchs Val Müstair musste ich natürlich beim UNESCO-Weltkulturerbe Kloster St.Johann in Müstair kurz anhalten. Für einen Besuch hatte ich aber diesmal keine Zeit.

Ein kurzer Fotostopp auf der Passhöhe am Ofenpass gehörte dann natürlich auch noch dazu. Hier auf diesem Pass hatte ich definitiv die meisten Radfahrer in den letzten vier Tagen vor mir. Wenn man da jedesmal wartet, bis man mit genügend Abstand überholen kann, versteht man die „Freude“ über so manche Radfahrer.

Beim Hinunterfahren führt die Straße über eine Hochebene, wo links und rechts die Bäume tot sind. Zur Ursache, warum das genau hier so ausgeprägt ist, konnte ich nichts finden.

Jetzt hatte ich noch den Fluelapass bis Davos vor mir, den ich bis jetzt schon zweimal in der Gegenrichtung gefahren war. Dabei begann es immer mehr zu regnen und ich machte meinen Stopp auf der Passhöhe nur ganz kurz.

Beim Hinunterfahren nach Davos war es bald mit dem Regen wieder vorbei und im Tal war sogar die Straße schon wieder trocken.

Nach einem raschen Blick und einigen Fotos über den Davosersee mit dem 2444 Meter hohen Hüreli im Hintergrund startete ich die Crosstourer wieder und fuhr die letzten Kilometer und Kurven hinauf nach Klosters.

Klosters bezeichnet sich selbst als kleines Bergdorf und ist primär durch den Wintersport gemeinsam mit Davos über die Schweizer Grenzen hinaus ein Begriff. Im Gegensatz zu Davos hat sich Klosters aber noch etwas mehr Ursprünglichkeit bewahrt, wie ich bei einem kleinen Dorfspaziergang feststellen konnte.

Nach einem wirklich guten Burger mit anscheinend handgemachten Pommes im Vorgarten des Hotels Piz Buin direkt an der schönen Brücke über die Landquart startete ich wieder los.

Das nächste Highlight wartete bereits am Ortsausgang. Die Sunnibergbrücke ist eine Schrägkabelbrücke und Teil der Ortsumfahrung Klosters und ist weltweit prämiert und gewürdigt worden. Mit ihren 525 Metern überquert sie in 60 Metern Höhe in einem Bogen die Landquart. Ich bog in eine steile Seitengasse hinunter zum Fluss ab, um ein schönes Foto zu bekommen. Auf dem Rückweg musste ich am Bahnschranken der Räthischen Bahn warten und konnte dabei einige Bilder des querenden Zuges ergattern.

Jetzt wollte ich meine letzte Etappe von rund 150 Kilometern ohne größere Unterbrechungen in Angriff nehmen. Aber schon zehn Kilometer später, in Schiers, wurde ich auf einen Wegweiser zu einem „World Monument“, der Salginatobelbrücke aufmerksam, von der ich bei meinem letzten Schweizbesuch das erste Mal gelesen hatte. 1991 wurde die Salginatobelbrücke von der American Society of Civil Engineers (ASCE) zum International Historic Civil Engineering Landmark (Meilenstein der Ingenieurbaukunst) ernannt. 

Es ging mit einigen Serpentinen, die auch hier die Stilfserjochstraße harmlos wirken lassen, die einspurige Straße 3,5 km den Berg hinauf. Die Brücke überquert ebenfalls einspurig in 90m Höhe das Tal, um die Zufahrt zu einigen kleinen Bergdörfern zu ermöglichen.

Das gesamte Betonmaterial wurde von Hand gemischt und mit Karretten zugeführt. Die heikelste Phase war der Guss der dünnen Bogenplatte, der ohne Unterbrechung von beiden Seiten her absolut symmetrisch durchgeführt werden musste und nach 40 Stunden mühevoller Arbeit vollendet war. Mitte August 1930 konnte das Bauwerk dem Verkehr übergeben werden.

Meine Fotos sind auch ok, aber ich muss mir trotzdem ein Bild aus der Galerie der Brückenhomepage ausborgen. Und es wäre nicht die Schweiz, wenn die Brücke keine eigene Postautohaltestelle hätte.

Den Berg hinab zur Landquart-Straße mit der Hoffnung, dass es keinen Gegenverkehr gibt, war dann schneller erledigt als das Hinauffahren. Und jetzt sollte es endgültig zu meinem Ziel am Zürichsee gehen. Da ich den Walensee jetzt schon mehrmals auf der Südseite passiert habe, wollte ich diesmal auf der anderen Seite vorbeifahren, was aber nicht direkt geht, da dort das Gebirge noch steiler abfällt als herüben.

Es gibt direkt am See nur eine kleine Stichstraße mit einigen Tunnels ins Dorf Betlis mit den Seerenbachfällen und der Rinquelle, die ich mir für nächstes Jahr vorgenommen habe.

Darum musste ich von Gams, das westlich von Feldkirch liegt, den Berg hinauf. Dort fuhr ich die Straße mehr oder weniger Richtung Nordwesten bis Wattwil, um dann Richtung Südwesten bis Rapperswil an der Nordseite des Zürichsees zu kommen.

Von Rapperswil aus konnte ich über den ein Kilometer langen Seedamm den Zürichsee überqueren. Bis jetzt hatte ich das nur per Bahn oder per Pedes entlang des wunderschönen Holzsteges gemacht.

Auf der Südseite des Sees wurden die Wolken immer dunkler, aber ich hatte auch nur mehr ungefähr 20 Kilometer bis zu meinem Ziel, also konnte mir nicht mehr viel passieren. Dachte ich. Aber der Wettergott war mir jetzt nicht mehr gut gesinnt und es begann bei der Umleitung in Wädenswil zu schütten. Kurz vor meinem Ziel in Thalwil war es dann zwar wieder vorbei, aber die Viertelstunde hatte gereicht, dass ich durch und durch nass war.

Und trotzdem war es schön!

1180 Kilometer waren praktisch trocken, dafür gaben sich die letzten 15 Kilometer umso nasser, was aber der Freude trotzdem keinen Abbruch tat, dass ich nach 4 Tagen und vielen interessanten Erlebnissen ohne besondere Vorkommnisse gut angekommen war.

Die Route am vierten Anreisetag

Route in kurviger: https://kurv.gr/K3G8K

Tag 1: Vom Triestingtal nach Zell am See

In diesem Blog erzähle ich von der ersten Etappe meiner heurigen Motorradtour in die Schweiz bis zum ersten Ziel in Zell am See.

Mein Plan war, mit meiner Honda Crosstourer in vier Tagen aus Niederösterreich bis an den Zürichsee zu fahren und dabei viele Pässe und Sehenswürdigkeiten in Österreich, Südtirol und in der Schweiz mitzunehmen.

Zum Eingewöhnen waren die flotten Kurven des nur 662 Meter hohen „Hals“ zwischen Pottenstein und Pernitz der erste Teil. Nur ganz so flott, wie ich mir gedacht hatte, wurde es dann doch nicht. Am Vorabend gab es nämlich im südlichen Niederösterreich heftige Gewitter, die einerseits Blätter und Äste der Bäume und andererseits Schotter auf die Fahrbahn spülten und so viele Kurven rutschig machten.

Aber je weiter man dann im Tal der Piesting Richtung Westen und den Rohrer Berg fuhr, desto besser wurde es wieder. Bald kam mir der typische Geruch einer der letzten Holzkohle- Erzeugung in Niederösterreich in die Nase. Direkt neben der Straße wird von der Familie Wieser auf  zwei Höfen in typischen Langmeilern dieses hochwertige Grillmaterial erzeugt.

Nur einige 100 Meter ein ganz ungewohntes Bild, die „Kalte Kuchl“ komplett ohne Motorräder, das gibt es nur sehr früh am Morgen. Den berühmten „Topfinger“ gab es da natürlich auch noch nicht. 

Der Ochssattel mit seinen 820 Metern Höhe ist für viele Biker aus dem Wiener Raum nach dem Topfinger das Ziel der Träume, die Einheimischen meiden ihn daher speziell am Wochenende. Aber an diesem Mittwochmorgen gehörte er mir alleine, kein einziges Motorrad begegnete mir bis hinunter nach St. Aegyd.

In Kernhof schliefen die Kamele und die weißen Tiger des Kameltheaters sicher auch noch.

Über das Gscheid und das Halltal und dann mit einigen Serpentinen hinauf auf den markanten Kreuzberg lag zuerst Mariazell und dann Rasing mit dem kleinen Kirchlein hoch über der B20, bevor in Gußwerk die B24 weiter ins Salzatal abzweigte.

Der Blick nach links auf den Hochschwab und später rechts auf die steile Südseite des Dürnsteins und Hochkars gehören neben der Straße an sich zu den Highlights dieser Strecke.

Mein Plan für diesmal war es, seit langem wieder einmal durch das Gesäuse zu fahren, weil ich ja im letzten Jahr die Strecke über den Buchauer Sattel genommen hatte.

Also bog ich am Ende der Erlauftalbundes- straße B25 in Mooslandl links nach Hieflau ab. Nachdem ich es kurz vor der Abfahrt geschafft hatte, die Garmin Drive App mit dem Zumo Navi zu verbinden, behauptete dieses, dass die Gesäusebundesstraße gesperrt sei. Das konnte aber gar nicht sein, ich hatte ja am Vortag die Route in „Kurviger“ und Google Maps nochmals geprüft, also fuhr ich weiter.

Und dann die Überraschung im echten Leben, die Straße war wirklich gesperrt, und zwar so gut, dass man sich nicht einmal mit dem Motorrad vorbeischwindeln konnte. Asphaltiertierungsarbeiten hatten das für die nächsten drei Tage ausgelöst. Das Learnig: manchmal könnte man dem Navi auch vertrauen… Ich habe mich geärgert und sogar aufs Fotografieren vergessen. Dabei waren es hin und zurück nur zwölf Kilometer in schöner Gegend, also genau genommen kein Problem, wenn der Weg das Ziel ist.

Darum war dann eine Kaffeepause beim Postwirt in Großreifling angesagt. angesagt, wo nebenbei der Blick hinunter auf den Bahnhof und auf die Oldtimer (Porsche Traktor, 1er Golf Rabbit und VW Käfer) in der gegenüberliegenden Werkstatt schon den Stopp wert war. Leider hatte es aufgrund der Sonneneinstrahlung so gespiegelt, dass ich keine Fotos von den Fahrzeugen habe.

Dann fuhr ich diesmal über die kleine Straße des Erbsattel und weiter über den Buchauer Sattel vorbei an Admont bis nach Liezen. Normalerweise weiche ich in den letzten Jahren durch das Ennstal bis Schladming auf schöne Seitenstraßen aus, aber der wenige Verkehr machte das diesmal gar nicht notwendig. Ab Radstatt ging es dann parallel zur A9 auf dem letzten Stück der Katschberg Straße (B 99) über Hüttau bis Bischofshofen.

Nach dem ersten Tankstopp bog ich bei der großen Salzachbrücke links ab und schon ging es in einigen Serpentinen die Hochkönig- Bundestraße B169 hinauf nach Mühlbach und weiter über den 1370 Meter hohen Dienter Sattel vorbei am Hochkönig bis Maria Alm und Saalfelden am Steinernen Meer. Von dort waren es auf der stark befahrenen B311 nur mehr wenige Kilometer bis zu meinem Ziel im Zentrum von Zell am See.

Da es am Abend noch das wöchentliche Sommerfest mit einigen Liveacts und lokalen Schmankerln gab, warf ich mich nach dem Abendessen ins Geschehen und genoss die sommerliche Stimmung.

Dabei entdeckte ich im Vogtturm noch eine Ausstellung zum Porsche Design Prinzip. Ferdinand Porsche und seine Familie lebten ja auch jahrelang in Zell am See.

Die Route am ersten Tag

https://kurv.gr/Mu7cG

Mit dem Motorrad auf den Spuren der Habsburger im Schweizer Aargau

Meinen Heimatort Gaming in Niederösterreich mit der Kartause verbindet mehr als viele wissen mit der Habsburg im Schweizer Aargau. Diesen Spuren bin ich bei meinem Schweiz-Besuch im Juli 2026 ein kleines Bisschen mit dem Motorrad gefolgt.

Zuerst in die Töff-Garage

Bei der Hinfahrt war ein Zwischenstopp in Zürich notwendig, da ich einige Tage davor, noch in Österreich auf meiner Fahrt in die Schweiz, einen Seitenkoffer verklemmt hatte. Die Werkstatt, oder wie man auf Züridütsch sagt, die Töff-Garage, von Moto Taiana konnte mir dabei schnell und unkompliziert helfen und so saß ich schon 20 Minuten später wieder auf meinem Bike.

Weiter in den Aargau

Dann fuhr ich das erste Mal mit dem Motorrad durch die Stadt Zürich, über die Limmat und querte die noble Einkaufsmeile Bahnhofstraße und die Siehl, vorbei am Triemlispital und um den Üetliberg herum hinunter in den Aargau. Die hügelige Landschaft mit den abgeernteten Getreidefeldern erinnert an unsere Bucklige Welt. Nur die Siedlungen sind größer und näher zusammen und der Baustil ist anders als bei uns.

Ein besonders interessantes Objekt bin ich in Rottenschwil überfahren. Die zweijochige stählerne Fachwerkbrücke über die Reuss ist nur einspurig und ich war verwundert, wie geduldig auf beiden Seiten die Autofahrer gewartet haben, bis ich meine Fotos gemacht hatte. Anlässlich der Renovierung 2003 wurde sogar eine eigene Briefmarke dazu herausgegeben.

Der erste markante Ort auf meiner Runde war Muri, dessen Kloster ich mir am Rückweg ansehen wollte. Eine halbe Stunde und einige flotter Kurven später tauchte die Habsburg vor mir auf. Zuerst schien es, sie würde in der Ebene stehen, aber aus der Nähe betrachtet erkannte ich den Burgberg.

Schloß Habsburg

Direkt im Dorf steigt die schmale Straße in einigen Serpentinen hinauf zum Parkplatz am Wüpelsberg gleich unterhalb des Schlosses Habsburg.

Vom ältesten Teil, der Vorderen Burg sind nur mehr die Grundmauern als Ruine erhalten. Diese Teile entstanden ca. 1020, in den 50 Jahren danach wurden der Nord- und Ostturm errichtet.

Die Grundherrschaft der Habsburger wurde immer wieder erweitert und umfasste bald das sogenannte Eigenamt, das Gebiet zwischen Aare und Reuss, das man nach Süden auch von der Burg überblicken kann.

In den nächsten 200 Jahren wurde die Burg von den frühen Habsburgern noch bewohnt, obwohl das Leben ohne Fenster sicher nicht sehr gemütlich war. Daher zog die Familie in die Stadt Brugg und die Burg wurde von Bediensteten betreut.

Albrecht II. „der Weise“

Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man erst vor wenigen Monaten an der Gruft des Gründers der Kartause Gaming in der Kirche Marienthron gestanden ist, nun an seiner Geburtsstätte zu stehen. Albrecht II. wurde Ende 1298 als einer der Letzten der Habsburger-Dynastie noch auf der Stammburg geboren. Er übernahm die Regentschaft in Österreich und der Steiermark im Jahr 1330 und gründete gemeinsam mit seiner Gemahlin Johanna von Pfirt im Jahr 1332 die Kartause Gaming.

Herzog Albrecht II. mit Johanna von Pfirt, Lithografie, 1820
Copyright: Österreichische Nationalbibliothek

Seine Frau starb bereits am 15. November 1351 und wurde in Gaming begraben. Herzog Albrecht II. selbst verstarb am 20. Juli 1358 in Wien und wurde am 23. Juli an der Seite seiner Gemahlin in der Gruft in der Kartausenkirche Marienthron in Gaming bestattet.

Soweit hier zur Verbindung der Habsburg mit meinem Heimatort Gaming im nieder- österreichischen Mostviertel, mehr dazu werde ich sicher in einem späteren Blog schreiben.

1415 verloren die Habsburger den Aargau an die Schweizer Eidgenossenschaft. Die Vordere Burg war schon im Lauf des 13. Jahrhunderts zerfallen. Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons Aargau.

Habsburger-Herzen im Kloster Muri

Eine Reihe von Klosterstiftungen in der Umgebung der Burg ging ebenfalls auf die Habsburger zurück, eine davon ist das Kloster Muri, das das nächste Ziel meiner Motorradrunde sein sollte.

Also ab Richtung Süden, wobei mich die Ortsausfahrt von Brunegg schon wieder zu einem Photostopp „zwang“, weil hier Schweizer, Habsburger und Österreichs Fahne gemeinsam im Wind wehen. Dahinter blickt die Habsburg auf das ehemalige „Eigenamt“.

Nach rund 30 Kilometern vorbei an einer Christbaumkultur (der Aargau ist ein wichtiger Christbaumproduzent für die Schweiz) bog ich in die Marktstraße von Muri ein. Das dort befindliche ehemalige Benediktinerkloster wurde bereits 1027 von den Habsburgern gegründet.

Die Beziehungen zu den Habsburgern schwanden allmählich und die Klosterkirche diente letztmals 1260 als Grablege, denn die mit dem Kloster verbundene Hauptlinie verlagerte bereits 1282 ihren Herrschaftsmittelpunkt nach Wien.

Nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 lösten die Eidgenossen die Habsburger als Schirmherren ab. Der Kanton Aargau hob 1841 das Kloster nach mehr als 800 Jahren auf und löste dadurch den Aargauer Klosterstreit aus, der schliesslich im Sonderbundskrieg von 1847, der letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Schweizer Boden, endete.

Muri als alte und neue Grablege

Die Begräbnisstätten wie die Kaisergruft
in Wien blieben der Familie Habsburg- Lothringen nach ihrer Entmachtung jahrzehntelang verwehrt. Und so besann sich die Familie wieder an Muri. Die Lorettokapelle wurde der neue Bestattungsort und so ruhen dort die Herzurnen von Kaiser Karl und Kaiserin Zita. Das Kloster Muri ist somit die älteste bekannte und zugleich auch die jüngste Grablege seiner Stifterfamilie.

Da ich mir einen Montag für meine „Habsburg-Forschungen“ ausgesucht habe, blieben die Museumstore  und damit mein Zugang zur Lorettokapelle auch hier leider verschlossen.

Das Kloster der Habsburger

Daher blieb mir nur die Klosterkirche mit ihrem Oktogon, das noch heute der größte sakrale Zentralraum der Schweiz ist. Im rechten vorderen Teil des Oktogons befindet sich das Habsburgerdenkmal (111) mit dem Stifterpaar Radebot von Habsburg und seiner Frau Ita von Lothringen. Dahinter und nur vom Museum aus zugänglich liegt die Lorettokapelle (225). Der Leontiusaltar (115) befindet sich an der linken Seite.

Die Superlative haben damit aber kein Ende, der Osttrakt ist mit 222,5 m das größte klassizistische Bauwerk der Schweiz. Gegenüber des Klosters befindet sich der Leontiusbrunnen. Die Figur des Katakomben- heiligen Leontius, dessen Gebeine in der Klosterkirche aufbewahrt werden, prägt den Brunnen.

Der Rückweg an den Zürisee

Nach soviel Geschichte war es wieder Zeit für einige Motorradkurven, die ich über den Albis fahren wollte. Aber egal, welche Straße ich auch nahm, mindestens eine ampelgeregelte Baustelle bremste meinen Fluß. Trotzdem ist der kleine Buchenegg-Pass eine gute Alternative zur stark befahrenen Albis-Straße. Vorbei am Tierpark Langenberg in Langnau am Albis, der zu Begegnungen mit einheimischen Wildtieren einlädt, führte mein Weg hinunter ins Sihltal. über die Sihl und Gattikon bis zu meinem Ziel Thalwil am Zürisee.

Nachbetrachtung

Diesmal war auf meiner Motorradrunde der Anteil der Geschichte ziemlich hoch, aber die Kurven und die angenehme Landschaft bleiben dennoch in bester Erinnerung. Eine Wiederholung nicht an einem Montag, wenn hoffentlich die Aussenrenovierung abgeschlossen sein wird, soll es daher auf jeden Fall geben.

Übrigens passen Gaming, Motorrad und Habsburger auch sonst ganz gut zusammen. Ferdinand Habsburg ist ein österreichischer Automobilrennfahrer, der seit 2022 in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft antritt. Und seine Eltern Karl Habsburg-Lothringen und Francesca Thyssen-Bornemisza hatten im Jahr 1993 nach der Trauung in Mariazell ihre Hochzeitstafel in der Kartause Gaming.

Hin- und Rückfahrt mit dem Motorrad

Motorrad-Pläne 2026

Ohne zuviel zu verraten, werden heuer zwei Inseln und die französischen Alpenpässe meine Zeit am Motorrad dominieren. Ein paar Eckpunkte dazu beschreibe ich in diesem Blog.

Meine Honda Crosstourer ist wieder zurück vom Service, hat ein neues Pickerl und neue Reifen und ich bin erleichtert, auch finanziell.
Aber trotzdem werden die Pläne für die neue Saison immer konkreter in der Umsetzung.

Heuer ist das Mittelmeer im weitesten Sinn fast immer irgendwie involviert. Die Berge werden aber trotzdem nicht zu kurz kommen.

Der Mai steht unter dem Thema „Sardinien“, dem ich mich mit zwei Freunden widmen werde. Vier Tage Anreise durch Slowenien und auch die Toskana bis zur Fähre in Civitavecchia, eine Woche auf Sardinien selbst und dann nochmals eine Woche Rückfahrt über Korsika ins italienische Savona und weiter über einige Dolomitenpässe retour nach Österreich stehen dabei auf unserem Plan.

Der Juni gehört einem Radurlaub am Plattensee, daher wird es nur einige Tagestouren mit dem Motorrad geben.

Im Juli ist wieder meine bereits traditionelle Fahrt in die Schweiz am Programm, wobei mir diesmal der Großglockner hoffentlich nicht entgeht. Dabei habe ich im Schnalstal den Ort Karthaus entdeckt, der aus dem aufgelassenen Karthäuserkloster Allerengelberg entstanden ist. Eines der Messner Mountain Museen sollte sich auch wieder ausgehen. In der Schweiz möchte ich die Habsburg und das Kloster Muri mit der Loretokapelle besuchen, deren Gruft seit 1971 als Begräbnisstätte der Habsburger dient.

Statt des direkten Heimweges möchte ich die RDGA  (Route des Grandes Alpes) und die Route Napoléon vom Genfer See bis an die Côte d’Azur fahren. Um nur einige Highlights zu nennen, gehört neben vielen anderen Pässen der Col de l’Iseran mit einer Höhe von 2.770 Metern oder die Verdon-Schlucht westlich von Nizza dazu.

Beim Fahren ist der  Weg das Ziel, aber einige Höhepunkte auf der Strecke neben vielen anderen wie die La Grande Chartreuse, das Mutterkloster des Kartäuserordens nördlich von Grenoble oder zu dieser Jahreszeit die Lavendelfelder der Alpes de Haute Provence, möchte ich ebenfalls sehen.

Dazu wird es über den Sommer eine Reihe von Blogs geben, die sich mit den Touren an sich, aber auch mit den Erlebnissen abseits des Motorrads befassen werden.

Vom Ei zum Osterei

Vom Ei als Symbol der Auferstehung über das Markieren und Färben, um sie von frischen Eiern zu unterscheiden und sie dann nach der Fastenzeit rasch zu verbrauchen, bis zum Ausblasen, Bemalen mit der OE-MM und dem Pecken in Österreich oder Tütschen in der Schweiz reicht dieser Blog. Der Rolle des Osterhasen gehe ich auch auf den Grund.

Was haben Eier mit Ostern zu tun?

Sogar die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat sich mit der Herkunft des Ostereis beschäftigt und ein Historiker hat die relativ spärlichen Informationen zusammengestellt, um ein bisschen Licht hinter die bemalten Eier zu bringen.

Streng genommen durfte man in der Fastenzeit keine Eier essen, deshalb hat man sie ursprünglich hart gekocht und gefärbt. Um die gekochten von den rohen Eiern zu unterscheiden, wurde dem Kochwasser Pflanzenteile zum Färben beigegeben – also zunächst ein ganz praktischer Hintergrund für den Brauch des Eierfärbens.

Im Christentum wurde das Ei aber auch zum Symbol der Auferstehung. Der Kirchenvater Augustinus deutete es als Zeichen der Hoffnung – bei den Vögeln auf den Nachwuchs, bei Christen und Christinnen als Hoffnung auf das Zukünftige. 

Eier färben

Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot – als Symbol für das Blut Christi. Heute steht meist die Dekoration im Vordergrund und man kann die gefärbten Eier fast das ganze Jahr im Supermarkt so fertig kaufen und das Färben in der Familie wird praktisch nur mehr mit kleinen Kindern gemacht.

Irgendwie war das Ostereierfärben in meiner Kindheit eine Art Hassliebe. Die Farben wurden in Kaffeehäferln in heißem Essigwasser angerührt und das gekochte Ei musste dann mit einem Suppenlöffel langsam hineingelassen werden. Das war ja noch spannend, aber dann hieß es gefühlt ewig warten, bis es gefärbt war. Dafür waren das Rot, Blau, Gelb und Grün damals noch besonders kräftig. Wenn die Schale einen Haarriss hatte, war auch das geronnene Eiweiß noch mitgefärbt. Nachdem die Eier trocken waren, wurden sie noch mit Abziehbildern verziert und mit einer Speckschwarte glänzend gerieben.

Eier ausblasen

In der Volksschule kam dann noch das Bemalen von ausgeblasenen Eiern hinzu. Schon das Anstechen oben und unten mit einer spitzen Nadel war eine Herausforderung und dann musste mit Gefühl und doch genug Puste das Eiklar und der Dotter herausgeblasen werden, ohne die Schale zu zerbrechen. Die Bemalung mit Filzstift oder Wasserfarben war dann die nächste Herausforderung, die ich wie die meisten Kinder gerne angenommen habe. Ich habe damals dafür sogar eine OE-MM gebastelt. Den Link zum Nachbasteln gibt es hier:

Die Ostereier-Malmaschine

Heute findet man auf unserem Osterbaum noch die von unseren Töchtern bemalten Eier und seit neuestem auch schon von unseren Enkelkindern und auch so manches künstlerisch gestaltete Ei von den Ostermärkten unserer Umgebung und auch so einige aus anderen Ländern.

Der Osterbaum

Im Christentum steht der Osterbaum nicht nur für den Frühlingsbeginn. Er bezeichnet den Zeitpunkt von Tod und Auferstehung Jesu Christi. In vielen Häusern, so auch bei uns, steht einige Wochen vor Ostern eine Vase mit Zweigen vom Haselstrauch mit Korkenzieherweide und eventuell auch noch von der Forsythie, die dann mit den ausgeblasenen Eiern dekoriert werden.

Ostereier pecken

Der Volkskundler Franz Schönwerth aus der Oberpfalz beschreibt das lustige Spiel vor fast 130 Jahren so: „Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen.“

Das Eierpecken an sich hat keinen besonderen historischen oder kirchlichen Hintergrund, sondern ist mehr ein Gesellschaftsspiel in der Familie. Es hat aber sicherlich damit zu tun, dass es nach der Fastenzeit einfach viele gekochte Eier gab. Es geht einfach darum, wessen hartgekochtes Osterei bis zum Schluss unversehrt bleibt. So war es schon in unserer Kindheit und ist bei den Enkelkindern noch genauso. Wehe, ein Ei wird ohne Pecken geöffnet oder jemand scheint geschummelt zu haben, da konnten und können Tränen fließen.

Holz- und Alabastereier zur Deko am Ostertisch

Eiertütschen in der Schweiz

In den 1960er- und 70er-Jahren war das öffentliche Eiertütschen ein beliebter Osterbrauch – und das nicht nur bei Kindern, in manchen Gebieten ist es das bis heute geblieben. Die Regeln bei der Eiertütschete sind nicht anders als in Österreich, nur mit dem Unterschied, dass es oft neben dem Spaß in der Familie auch ein öffentliches Massenereignis ist.

Man schlägt mit seinem hartgekochten und vorzugsweise bunt bemalten Osterei auf das Ei seines Gegners und hofft, dass dessen Ei zerbricht. Zunächst „Füdle“ auf „Füdle“, dann „Spitz“ auf „Spitz“. Oder umgekehrt. Bleibt das eigene Ei auch nach der gegnerischen Attacke heil, gewinnt man das zerschlagene Ei des Verlierers. Dann sucht man in der Menge nach seinem nächsten Gegner, der wie man selbst noch ein Ei mit einem heilen „Füdle“, „Spitz“ oder sogar einem „Ganze“ hat. So kämpft man sich Ei um Ei weiter. Da üblicherweise bis zu hundert Menschen an diesem Osterbrauch teilnehmen, lohnt sich, mehr als nur ein Ei von zu Hause mitzubringen.

Eine weitere Taktik nicht nur in der Schweiz ist der richtige Winkel. Um das Ei des Gegners zu besiegen, muss man leicht seitlich statt direkt von oben „tütsche“. Das Ei ist an der Spitze am härtesten und bei einem zu direkten Spitze-auf-Spitze-Schlag riskiert man, dass auch das eigene Ei in die Brüche geht.

Damit an dieser Tradition auch Neulinge teilnehmen können, bringen die alten Hasen immer eine Packung sogenannte „Touristen-Eier“ mit. Doch üblicherweise hätten Touristen kein besonders glückliches Händchen im Eiertütschen, denn „Die hauen meist viel zu fest und zerschlagen ihre Eier.“

Das „Zwänzgerle“ auf dem Zürcher Lindenhof

In Zürich war das sogenannte „Zwänzgerle“ besonders populär. Dabei versuchen Erwachsene, ein Fünfzigrappenstück oder früher einen Zwanzigräppler (daher der Name) so auf ein hartgekochtes Ei zu werfen, dass es stecken bleibt. Gelingt das, gehört das Ei der werfenden Person – andernfalls darf das Kind, das das Ei hält, das Geld behalten. Besonders auf dem Zürcher Lindenhof versammelten sich früher Familien und Schaulustige zu diesem Osterbrauch.

Nicht ganz konfliktfreies Eiertütschete in Bern

Punkt zehn Uhr am Ostersonntag treffen sich Bernerinnen und Berner jeweils auf dem Kornhausplatz, um das stärkste Ei zu ermitteln. Die Eiertütschete wird hier Erzählungen zufolge seit über hundert Jahren gepflegt. Weil sich ein Restaurant daran störte, rief der Wirt im Vorjahr die Berner Kantonspolizei zu Hilfe, um die Leute von der Kornhaus-Laube zu vertreiben. Das berichtete «Bärn Today». Demnach wollte der Restaurant-Betreiber draussen Tische und Stühle aufstellen, konnte dies aufgrund des Osteranlasses aber nicht. Man habe miteinander geredet und schliesslich eine Lösung gefunden, hieß es bei der Polizei.

Eiertütschete im Wald

Auch in der Heimatgemeinde (diese hat nichts mit unserem Heimatort oder Geburtsort zu tun!) meiner Frau, in Huttwil im Aargau, organisiert der Burgerrat die alljährlich stattfindende Eiertütschete, aber bereits am Ostersamstag. Auch hier versammelt sich eine größere Menschenmenge von Jung bis Alt, dem Bild zufolge auf einer Waldlichtung.

Und woher kommt der Osterhase?

Im Jahr 1682 erwähnte ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein. Warum der Hase aber zum Osterhasen wurde, weiß keiner mehr ganz genau. Möglicherweise liegt es daran, dass sowohl Hasen als auch Eier Symbole für Fruchtbarkeit sind.

Übrigens, in einigen Teilen der Schweiz, etwa im Emmental, war noch im 19. Jahrhundert der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest.

Über Wipfel und Höhen in Graubünden

Hoch über der Rheinschlucht liegt das Gebiet Surselva mit dem auch außerhalb der Schweiz bekannten Winzersportort Laax. Fünf Snowparks und die weltgrösste Halfpipe machen den Ort zum Freestyle-Mekka der Alpen. Wir wollten aber im Sommer nur den Baumwipfelweg erkunden.

Copyright Titelbild: flimslaax.com

Der Baumwipfelweg von Laax

Schon seit dem letzten Jahr stand der Baumwipfelweg von Laax auf der Wunschliste meiner Frau. Bei der Recherche zum Baumwipfelpfad bei Gmunden, den wir im Frühjahr 2024 besuchten, entdeckten wir, dass es ein Pendant in der Schweiz gibt.

Hier zum Nachlesen:

Vom Baumwipfelweg zum Schafberg und doch ohne Dachstein

Und so besuchten wir im Kanton Graubünden wieder die Gegend oberhalb der Rheinschlucht, Surselva genannt, durch die ich erst einige Tage zuvor mit dem Motorrad gefahren bin. Unter meinen Motorraderlebnissen berichte ich davon:

5 – Die Tremola als Höhepunkt und Abschluss

Wir fuhren aber nicht mit dem Motorrad, sondern wie es sich für brave Schweizer gehört, mit dem Zug nach Chur und von dort mit dem Postauto nach Laax. Die Haltestelle war nur wenige Meter vom Einstieg in den Senda dil Dragun (Bündnerromanisch für Drachenweg) beim Actionturm Murschetg entfernt.

Die Attraktionen dieses Turms neben dem Aufzug und einer Wendeltreppe sind der Vertical Drop, wo man sich 30 Meter im kontrollierten Tempo in die Tiefe stürzen könnte und auf der 220 Meter langen Zipline über den rocksresort PARK und den Snakerun fliegen kann. Wem das nicht reicht, steht auch noch die 73 Meter lange spiralförmige Rutschbahn zur Verfügung. Wir haben das alles aber gerne jüngeren Generationen überlassen.

Wir liefen zumindest die Wendeltreppe des 37 Meter hohen Turms hinauf, bis wir auf der Ebene des Pfades waren, der sich in bis zu 28 Metern Höhe befand. Der rund 1,5 km lange und 2 m breite Weg ist in jedem Alter zu begehen und kann auch mit Kinderwagen und Rollstuhl befahren werden. Zur möglichst großen Schonung des Bodens sind die stützenden Baumstämme mit Bodenschrauben und kleinen Punktfundamenten verankert. So wanderten wir bald im Zickzack über und durch die Baumwipfel weiter von Plattform zu Plattform.

Eine dieser Plattformen, Uaul Casti, ist der Flora und die Ravanasc Plattform der Fauna gewidmet. Die Suche nach den Tieren, Pflanzen und Baumarten, die auf verschiedenen Tafeln am Pfad beschrieben sind, macht nicht nur Kindern Freude, auch wir versuchten natürlich die Tierattrappen und echten Pflanzen zu finden und zu erkennen.

Um für Kinder den Weg weiter spannend zu halten, gibt es auch einige Murmelbahnen, wo die Kugel über viele Meter mit Hindernissen und Schanzen verfolgt werden konnte. Aber wir genossen lieber die Aussicht über den Laaxer See und das Dorf Laax, wo sich das Ende des Baumwipfelweges befindet.

Die Dimplaun Sura Plattform informiert über die Menschen die seit der Bronzezeit diese Region besiedelten, auf der Uaul Fraissen Plattform hat man die wunderschöne Aussicht über das Tal.

Einige Biegungen weiter erreichten wir den nach rund eineinhalb Stunden Spaziergang den Endpunkt, den 27 Meter hohen Turm oberhalb von Laax-Dimplaun, von dem nach wenigen Minuten den Warteplatz für das Gratis-Elektrotaxi zur Bushaltestelle erreichten. Wir fuhren zu unserem Ausgangspunkt zurück, genehmigten uns noch eine Jause, bis uns der Postbus wieder zurück nach Chur brachte, wo wir wieder in den Zug Richtung Zürich stiegen.

Auch wenn der Pfad und der Turm bei weitem nicht so spektakulär wie der Weg im Salzkammergut ist, war es doch ein schönes und interessantes Erlebnis in der Heimat meiner Frau.