Der Kirtag und das Marktrecht

Der Begriff Kirtag weist auf die Verbindung mit der Kirche und der dort gehaltenen Messe hin. Am Weihetag oder Tag des Kirchenpatrons gesellte sich zur heiligen eben die profane Messe, der Jahrmarkt dazu. Historische Gegebenheiten und Kindheitserinnerungen dazu beschreibe ich in diesem weiteren Blog zum Thema Bräuche, aber auch internationale Beispiele kommen nicht zu kurz.

Standelmarkt mit Tradition

Bis heute ist der Standelmarkt mit Gegenständen des täglichen Bedarfs und Süßigkeiten, wie großen, verzierten Herzen aus Lebkuchen, Schaumrollen oder Zuckerwatte, Teil des traditionellen Kirtags. Die Rolle als Versorger mit Dingen des täglichen Bedarfs hat der Kirtag aber Ende des 20. und im 21. Jahrhundert verloren.

Kaiser Joseph II., dem die „unnötigen“ und die im volkswirtschaftlichen Sinne „unproduktiven“  Dinge ein Dorn im Auge waren, schaffte auch viele Feiertage und Kirchenfeste ab, hauptsächlich um die Zahl der Arbeitstage zu erhöhen. „Seine Majestät haben den allerhöchsten Befehl zu geben geruhet, daß die Kirchweihfeste in den gesammten deutschen Erblanden auf den dritten Sonntag im Monat Oktober versetzet werden sollen …“  mit diesen Worten  verfügte Joseph II. vor 230 Jahren den „Kaiserkirtag“. Das führte aber mancherorts aber dazu, dass dann sowohl die Kirchweihe als auch der kaiserliche Festtag gefeiert wurde.

Bis dahin war es Brauch gewesen, die Kirchweihe an ihrem Jahrestag zu feiern. Meist war es zugleich der Gedenktag des Patrons. Das konnte jedes beliebige Datum sein, mit Ausnahme der „geschlossenen Zeiten“ vor Ostern und Weihnachten, in denen die Kirche keine Tanzunterhaltungen duldete („Kathrein stellt den Tanz ein“).

Das Marktrecht in Enzesfeld

Es ist nicht überliefert, seit wann Enzesfeld das Marktrecht besitzt. Aber schon 1509 wird der Ort im „Beratungsbuch“ als „Markt“ bezeichnet. Es dürfte aber wieder in Vergessenheit geraten sein und nach dem Einfall der Türken 1683, bei dem es nur 36 Überlebende im Ort gab, überhaupt abgekommen sein.

Seit der Gemeindereform von 1848/49 hat die Bezeichnung „Marktgemeinde“ auf österreichischem Territorium jedoch die rechtliche Bedeutung verloren. Von nun an war nämlich das Abhalten von Märkten an eigene Bedingungen innerhalb der Gemeinden gebunden und somit unabhängig vom bis dato eingehaltenen formalen Marktrecht möglich. Das bedeutet faktisch gesehen: Die Bezeichnungen „Markt“ und „Marktgemeinde“ sind seitdem politisch betrachtet ohne Belang.

Im Jahr 1937 beantragte der Enzesfelder Gemeindetag trotzdem „im Hinblick auf die historische und wirtschaftliche Bedeutung“ wieder das Marktrecht, das dann von der NÖ Landesregierung am 31.1.1938 auch gewährt wurde und seitdem gilt.

In Niederösterreich gibt es die meisten Marktgemeinden in Österreich, es sind nämlich 327 Marktgemeinden von insgesamt 573 politisch selbständige Gemeinden.

Kindheitserlebnis Kirtag

Als Kind war es noch ein Erlebnis, einmal im Jahr auf den Kirtag zu gehen. Dort gab es alles, was das Kinderherz begehrte, vom Spielzeug bis zu den Schaumrollen vom Reschinsky, damals nur in Scheibbs. Heute findet man „den Reschinsky“ mit seinen Ständen und Wägen schon auf allen größeren Weihnachtsmärkten und den meisten Kirtagen in Niederösterreich. So hole ich mir dabei fast jedes Mal, wenn ich einen Stand sehe, den Geschmack der Heimat mit einer Schaumrolle, einem Punschkrapferl oder einer Scheibbser Kugel zurück.

Scheibbser Kugel © Reschinsky

Damals war es spannend, in Gaming, Gresten oder Scheibbs „auf den Kirtag“ zu gehen. Die Oma kaufte damals für sich eventuell eine Kleiderschürze oder ähnliches, die Mutter einen Kochlöffel und für die Kinder gab es auch eine Kleinigkeit.

Kirtag in Enzesfeld

In Enzesfeld ist die Pfarrkirche der Hl. Margarete geweiht. Daher fand zumindest ab 1905 jeweils am 20. Juli der Kirtag statt. Seit vielen Jahren wird dieser gemeinsam mit dem Feuerwehrfest am ersten Sonntag im Juli abgehalten, bis Anfang der 1990er Jahre noch in der Schloßstraße. Er wurde dann zum Kaufhaus Scharler verlegt und ist seit einigen Jahren nach einer Zeit in der Fabrikstraße in verkleinerter Form beim Feuerwehrhaus gelandet.

Stiefelkirtag in Leobersdorf

Der Stiefelkirtag findet zweimal im Jahr, im Mai und im November, in Leobersdorf statt. Dabei wird die Leopold Hörbinger-Straße zur Marktmeile, bei der es bei den Standlern wie früher von Kleidung und Geschirr bis zu kulinarischen Leckerbissen alles gibt, was das Herz begehrt.

Das eigene Kirtagsstandel

Als Kind habe ich es mir nicht träumen lassen, dass ich auch einmal einen Kirtagstand haben werde. Aber genau so war es – in den ersten Jahren meiner Obmannschaft beim Hilfswerk Triestingtal (ca. 2011 bis 2015) hatten wir beide Male im Jahr einen eigenen Stand, damals noch in der Südbahnstraße in Leoberdorf vor unserem damaligen Hilfswerk-Lokal, bis wir das wegen mangelnder Einnahmen wieder einstellten, da die meisten Besucherinnen und Besucher des Kirtags nicht auf Kaffee oder ein Glas Wein eingestellt waren.

Ein Schausteller wäre aber sowieso nie aus mir geworden.

Die Österreich-Fotos dieses Blogs habe ich alle am Neuhauser Kirtag im Triestingtal am 14. Juni 2026 gemacht. Dieses traditionelle Fest der Freiwilligen Feuerwehr Neuhaus umfasst neben zahlreichen Kirtagsstandeln einen klassischen Festbetrieb mit musikalischer Unterhaltung und einem Frühschoppen am Vormittag.

Ein paar internationale Beispiele

Zufällig habe ich heuer bereits zwei Märkte außerhalb Österreichs besucht, die sehr gut als Ergänzung zu diesem Blog passen. Eindrücke aus Indien und Thailand runden das Bild ab.

Der Wochenmarkt in Alessandria

Den ersten habe ich auf unserer Heimreise von Sardinien zufällig bei einem Zwischenstopp in Alessandria im italienischen Piemont auf der Piazza Guiseppe Garibaldi entdeckt. Auf diesem, wie ich finde, wunderschönen Platz mit Säulengängen in piemontesisch-lombardischer Architektur herrscht dreimal in der Woche reges Treiben, montags ist der Platz den ganzen Tag, donnerstags und samstags jeweils einen halben Tag lang Marktgebiet, während er den Rest der Zeit profan als Parkplatz genutzt wird.

Hier findet man alles von Kleidung über Schuhe, Töpfe und Pfannen bis hin zu Waschmitteln, einfach alles Mögliche von lokalen, chinesischen, marokkanischen und pakistanischen Straßenhändlern. Dabei ist der Einfluß der arabischen Händler sicher am Größten.

Der Wochenmarkt von Keszthely

Der zweite ist der Wochenmarkt im Stadtzentrum von Keszthely (Ungarn), direkt in der Nähe des Hauptplatzes und des Theaters, leicht erreichbar in der Piac terkepe.

Am Mittwoch und Samstag bieten hier Händler ihre Waren an, von frischem Gemüse und Obst, bunten Blumen, über Honig und Säften gibt es vieles mehr. Hausgemachte Nudeln, Eier aus Freilandhaltung sowie geräucherte Mangalica-Produkte ergänzen das Angebot. Außerdem gibt es frischen Lángos, Lebkuchen und Puszedli (Busserl/Weinbeisser). Man kann sich sogar Schlüssel nachmachen oder Messer schleifen lassen, denn es befinden sich auf dem Marktgebiet auch einige Werkstätten. Ein Teil ist auch ein Flohmarkt, der von Kleidung über Antiquitäten bis zu Dingen des täglichen Bedarfs alles bietet.

Nach langer Zeit habe ich auch wieder einmal ein Rezept, diesmal für die oben genannten Puszedli. Es ist zwar ungarisch, aber das lässt sich ja bequem übersetzen.

Marktbilder aus Hyderabad in Indien

Im Jahr 2007 hatte ich bei meinem Indienaufenthalt die Gelegenheit, einige Märkte zu sehen. Hier zeige ich die Bilder aus dem Zentrum von Hyderabad.

Walking Street Market in Phuket

Wer schon einmal im thailändischen Phuket war, kennt auch den berühmten Walking Street Market. Untenstehend findet ihr meine Erzählung dazu aus dem Jahr 2025.

Markttag in Phuket

Das Sonnwendfeuer

Das Sonnwendfeuer ist aus dem Veranstaltungskalender von Enzesfeld-Lindabrunn nicht mehr wegzudenken. Heuer findet es am Freitag, 19. Juni 2026 bei der Winzerkapelle in den Rieden statt. Zur Geschichte dazu und zu meinen Kindheitserinnerungen schreibe ich in diesem weiteren Blog zu den Bräuchen in Niederösterreich.

Da die Sonnwendfeuer ein recht junger Brauch sind, kann ich mich in meiner Kindheit nicht daran erinnern. Wir waren nur einmal in Reinsberg dabei, als bei einem Bauern auf einer Bergwiese ein großes Feuer entzündet wurde. Erst später, Ende der 1970er und später gab es auch in Gresten immer wieder ein Sonnwendfeuer. Einmal haben wir auch von der Jungen ÖVP Gaming auf der „Kapleralm“ ein Sonnwendfeuer veranstaltet, bei dem wir viele Besucher begrüßen konnten.

Ursprünglich war es ein heidnischer Brauch, der nach der Christianisierung von der katholischen Kirche abgeschafft werden sollte, was aber nicht gelang. Im Mittelalter wurden sogar inmitten der Städte Sonnwendfeuer entzündet, was regelmäßig zu großen Bränden führte. Schließlich legte die Kirche den Gedenktag für Johannes den Täufer auf den 24. Juni und übernahm wie andere auch diesen heidnischen Brauch. Später geriet er zumindest in den meisten Teilen Niederösterreichs wieder in Vergessenheit.

Heute werden in Niederösterreich eher Sonnwend- als Johannisfeuer entzündet. Das bekannteste und größte findet jedes Jahr in der Wachau statt. Während die Schiffe von Krems nach Melk und wieder zurückfahren, werden die Feuer zeitgleich entzündet. In Spitz an der Donau wird die Silhouette der Ruine erleuchtet, ebenso wie die Terrassen des Tausend-Eimer-Berges. Dazu kommt als Abschluss ein großes Feuerwerk. Wir haben dieses Spektakel auch schon in Spitz und in Dürnstein besucht, ein wirklich besonderes Erlebnis.

Ein sehr stimmungsvolles Sonnwendfeuer konnten wir im Jahr 2017 zufällig am Kollmitzberg in der Nähe von Ardagger an der Donau genießen. Während wir auf das Entzünden des Feuers warteten, tauchten auf den Hügeln über der Donau im Waldviertel und dem angrenzenden Mühlviertel viele Feuer auf.

In Enzesfeld-Lindabrunn haben wir von der ÖVP vor ungefähr 30 Jahren als eine der Ersten in der weiteren Umgebung das Sonnwendfeuer eingeführt. Es fand jahrelang beim Frauentalkreuz und findet jetzt in den Rieden in der Nähe der Winzerkapelle statt und ist aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken.

Maiaufmarsch in Kienberg und Enzesfeld

Auch der Maiaufmarsch mit Fackelzug gehört zu den Traditionen nicht nur in Niederösterreich, sondern in ganz Österreich und in vielen Ländern der Welt. In meiner Kindheit und Jugend gab es diese Veranstaltung in den meisten Gemeinden und war auch für jemanden, der wie ich die Sozialdemokratie nur von außen betrachtete, ein beeindruckendes Ereignis. Aus diesem Grund habe ich es auch in meine Blogreihe zu den Bräuchen aus meiner Erinnerung aufgenommen.

Der 1. Mai war ursprünglich ein Feiertag der Arbeiterbewegung, der aus dem Kampf für den 8-Stundentag entstand. 1890 machten Arbeiter zum ersten Mal mit weltweiten Massendemonstrationen unter dem Motto „Heraus zum 1. Mai“ auf ihre Anliegen aufmerksam – auch in Österreich gingen die Menschen auf die Straße. Ab 1891 wurden diese Aufmärsche von der Arbeiterbewegung international durchgeführt. 

Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, wandelte sich der Feiertag gegen den Staat zum Staatsfeiertag. Für die Sozialdemokratie bedeutete der 1. Mai damit eine Bestätigung ihrer staatstragenden Funktion; der radikalen Linken und den Kommunisten war er immer viel zu sehr Feiertag und zu wenig Kampftag. Seit 1926 führt der Maiaufmarsch über die Wiener Ringstraße, das architektonische Zentralsymbol des Wiener Bürgertums.

Während des Ständestaats und der anschließenden Nazi-Diktatur waren die Maiaufmärsche verboten, ein Feiertag blieb er trotzdem, die Ideologie dahinter änderte sich aber dem jeweiligen Regime entsprechend. 

Der erste Maiaufmarsch nach 1945 fand aber bereits am 1. Mai 1945 in Wien statt, kurz nach der Befreiung Österreichs, und wurde von KPÖ, SPÖ und ÖVP gemeinsam organisiert, um die Wiederherstellung der Demokratie und die Interessen der Arbeitnehmer zu feiern, auch wenn die Einheit durch den aufkommenden Kalten Krieg schnell zerbrach und ab 1946 getrennte Aufmärsche folgten. Seit 1949 ist der 1. Mai wieder ein offizieller Staatsfeiertag. 

Der Wiener Maiaufmarsch hatte 1890 noch rund 100.000 Teilnehmer. Er war dann in meiner Wiener Zeit zwischen 1980 und 1990 für mich etwas aus der Zeit gefallen, nachdem es ein offenes Geheimnis war, dass die Gewerkschaften sanften Druck ausübten, damit möglichst viele Mitarbeiter der Gemeinde Wien und der staatsnahen Betriebe auch daran teilnahmen. Meine damalige Freundin und spätere Ehefrau sah das als Schwesternschülerin am damaligen Wilheminenspital (heute Klinik Ottakring) nicht so eng und ging nicht mehr hin. Da das immer mehr taten, führte es dazu, dass heute laut Polizei nur noch einige 1.000 Teilnehmer den Weg zum Ring und vor das Rathaus finden. Die Attraktivität der SPÖ, aber auch aller anderen etablierten Parteien nimmt leider immer mehr ab, was sich natürlich auch beim Maiaufmarsch zeigt.

Noch in den 1960er Jahren erinnerten aber die klassenkämpferischen Slogans beider Seiten an die Zeiten des unsäglichen Bürgerkrieges im Jahr 1934. So war es nicht verwunderlich, dass wir daheim in Kienberg die damaligen Aufmärsche nur sehr weit aus der Ferne beobachteten. Die Fahnen mit der Blasmusik voraus hatten für mich immer etwas von einer anderen Welt.

In den 1970er-Jahren wurde wahrscheinlich die Anzahl der Teilnehmer immer weniger, der Maiaufmarsch in Kienberg wurde eingestellt und es gab ihn nur mehr in Gaming, den ich aber nie gesehen habe.

Als wir 1990 nach Enzesfeld kamen, war der Maiaufmarsch mit Fackelzug noch eine Großveranstaltung in diesem von Industrie und Arbeiterbewegung geprägten Ort. Aber auch hier verlor er immer mehr an Attraktivität und so wird er seit vielen Jahren nur mehr als Gemeinschaftsveranstaltung mehrerer SPÖ-Organisationen in Hirtenberg abgehalten. Ein äußeres Symbol ist das Mai-Abzeichen, das auch bereits seit 1890 jedes Jahr neu aufgelegt wird. Ich habe zwar einige davon im Sinne der guten Zusammenarbeit von meinen SPÖ Gemeinderatskollegen erworben, finde aber leider keines mehr in meinem Fundus.

Der Maibaum

Ursprünglich sollte er böse Geister vertreiben, dann war der Maibaum bis zur 1848er-Revolution verboten und wurde danach ein Symbol für die neu eingerichteten Ortsgemeinden. Später war er in vielen Teilen Niederösterreichs eher vergessen bis er sozusagen wiederentdeckt wurde. Auch das gehört zu meiner Blog-Serie über Bräuche in Niederösterreich.

Die ersten bekannten Maibäume standen laut dem Buch „Niederösterreich – Eine Spurensuche“ nicht im Dorf, sondern mitten in der Stadt: Chronisten berichten dies 1230 vom Wiener Hof. Maibaum-Feste in den heute bekannten Formen mit Volkstanz und Ähnlichem erfand man erst im 19. und 20. Jahrhundert.

In meiner Kindheit kann ich mich an einen Maibaum nicht erinnern. Erst als ich im Jahr 1981 Obmann der Jungen ÖVP Gaming wurde, haben wir einige Jahre lang einen beim Gasthaus Zechmeister und später bei der Petroleum-Bar in der Pockau aufgestellt. Wir veranstalteten dabei noch das „Maibaum-Kraxeln“, wo die mutigsten jungen Männer, bekleidet mit der kurzen Ledernen, um die Wette den Baum hinaufkletterten. Heute wird der Maibaum von den Gemeinderäten beim Haus der Begegnung in Gaming aufgestellt.

In Lindabrunn wurde der erste Maibaum im Jahr 1999 aufgestellt. Entstanden ist die Idee an der Heurigen-Schank, als ein „Zuagroaster“ fragte, warum es hier keinen Maibaum gäbe. Man beschloss, dass das geändert werden müsse, fuhr gemeinsam in den Wald, suchte einen passenden Baum, schnitt ihn um und entrindete ihn. Dann fuhren die Freunde wieder ins Dorf zurück und stellten den Baum vor dem Feuerwehrhaus auf. Einige Heurigengarnituren kamen rasch dazu, beim Getränkehändler wurden einige Kisten Bier geholt und rasch versammelten sich alle Dorfbewohner um den Baum.

Aufgrund des Erfolges sollte der Maibaum nun jedes Jahr aufgestellt werden. Dafür wurde extra der Brauchtumsverein mit Obmann Martin Stockreiter gegründet und nach einigen Diskussionen mit der Gemeindeführung ist dieser Brauch seither aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Er wird jedes Jahr von einem anderen Waldbesitzer, die heute schon auf einer Warteliste stehen, gespendet, von einigen Mitgliedern des Brauchtumsvereins aus dem Wald geholt und im Beisein der schon bei Getränken und Aufstrichbroten wartenden Bevölkerung aufgestellt. Nach 25 Jahren hat Martin Stockreiter im Jahr 2025 sein Amt an Martin Fürst übergeben.

Der Maibaum wird nach rund einem Monat vom Spender und den Mitgliedern des Brauchtumsvereins umgeschnitten. Doch zuerst wird der Baum im Zuge eines Schätzspiels auf die richtige Länge geschätzt und anschließend für einen guten Zweck „amerikanisch“ versteigert. Das heißt, die oder der letzte, der eine Münze in den herumgereichten Hut geworfen hatte, bekommt den Baum.

Im Jahr 2011 lud ich Verwandte und Freunde auch aus der alten Heimat im Ötscherland zum Heurigen nach Lindabrunn ein, um mit mir den 50er zu feiern. Ein zufälliger Höhepunkt war der am gleichen Tag stattfindende Maibaumumschnitt.

Das Spannende dabei war und ist – nicht nur für die auswärtigen Gäste – ob der Baum wirklich auf der abgesperrten Straße und nicht auf einem Hausdach links oder rechts davon landet. Bis jetzt hat das aber dank umsichtiger Vereinsmitglieder noch immer einwandfrei funktioniert.

Vom Palmsonntag zum Ostersonntag – die Karwoche

Vom Palmbuschen bis zum Spinat am Gründonnerstag erzähle ich in diesem Blog. Ich beschreibe weiter die Karfreitagsliturgie und das Ratschen bis hin zum Osterfeuer und dem Feuerprügel. Die Fastenkrippe ist das Gegenstück zur Weihnachtskrippe. Aufs Osterfrühstück und das Ostereier suchen wird auch nicht vergessen.

Diese Fastenkrippe habe ich 2026 aus dem Restholz eines mehr als 100 Jahre alten Nachtkästchens aus Familienbesitz gebaut.

Die Karwoche und Ostern im christlichen Kontext

Die Karwoche – das Wort wird aus dem althochdeutschen „kara“ oder „chara“ für Klage, Kummer, Trauer abgeleitet – wird in anderen Sprachräumen u. a. auch „Heilige Woche“, „Holy Week“, „Semaine sainte“ oder „Settimana Santa“ genannt.

Am Palmsonntag

Die eigentliche Vorbereitung auf Ostern beginnt am Palmsonntag. Palmen galten im alten Palästina als Zeichen der Königswürde und des Friedens. Die Christen gedenken mit Palmzweigen und einer Prozession des Einzugs Jesu in Jerusalem. Palmen wurden bereits im Altertum als heilige Bäume verehrt. Die gesegneten Palmzweige symbolisieren das wachsende Leben des Frühlings.

Der Palmbuschen für die Palmprozession gehörte und gehört am Palmsonntag zur Tradition. Der Grestner Opa band, wie viele Bauern im Mostviertel, seinen Buschen auf einen Stock, verziert mit Äpfeln und bunten Bändern und dieser war bis zu 2 Meter hoch. Die meisten Familien hatten einen kleineren Palmbuschen, den wir Kinder bei der Palmprozession tragen durften, die in Gresten vom Oberen Markt bis zur Pfarrkirche stattfand und noch immer stattfindet und mit der Palmweihe in der Pfarrkirche endete.

Daheim wurden dann die Hühner „eingehagert“. Meine Kusine, meine Schwester und ich liefen dazu mit dem Palmbuschen dreimal um das ganze Haus inklusive Stall, das sollte die Hühner vor dem Fuchs und anderen Gefahren schützen. Nachher wurde der geweihte Buschen in den Herrgottswinkel gestellt.

Ratschen in der Karwoche

Das Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann die verstummten Kirchenglocken, genau genommen nur die Klöppel, zu vertreten, die immer am Karfreitag nach Rom geflogen waren.

In meiner Kindheit und Jugend waren die Ratschenbuben unterwegs, heute sind es immer mehr Mädchen, die mehrmals täglich durch den Ort gehen, ratschen und Sprüche aufsagen. Ich kenne eigentlich nur einen, nämlich den Englischen Gruß:

„Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruaß, den jeder katholische Christ beten muass. Kniet’s nieder, kniet’s nieder auf euchere Knie, bet’s drei Vater Unser und a Ave Marie”.

Urkundlich erwähnt in Nordbayern im Jahr 1482, gibt es diesen Brauch bei uns seit dem 18.Jahrhundert und gehört mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe.

Ich hatte auch eine Ratsche, die mir in Kienberg Herr Hladky gemacht hatte, ich kann mich aber nicht erinnern, ob ich in meiner Ministrantenzeit auch Ratschenbub war.

In Enzesfeld-Lindabrunn wurde und wird der alte Brauch des Ratschens von den Kindern auch gelebt. Die Mädchen und Buben mit ihren hölzernen Ratschen ziehen durch die Straßen und vertreten die Kirchenglocken bis zur Osternacht. Auch Bürgermeister Stefan Rabl begleitete im letzten Jahr die Kinder beim Einratschen persönlich.

Der Gründonnerstag

Am Gründonnerstag steht die Botschaft vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen zwölf Jüngern im Mittelpunkt. Auf dieses Abendmahl geht auch das Sakrament der Eucharistie zurück. Nach dem Abendmahl, so berichtet es das Evangelium, wurde Jesus verraten und von der römischen Besatzungsmacht festgenommen.

Das letzte Abendmahl als Gemälde und als Bronzeskulptur in Mailand

Das Wandgemälde von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand ist ein in Tempera auf Putz ausgeführtes 4,60 m × 8,80 m großes Kunstwerk und zeigt das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und entstand in den Jahren 1495 bis 1497. Es gilt als Meilenstein der Renaissancekunst und als ein Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen. Es nahm wegen seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe bahnbrechenden Einfluss auf die Malerei des Abendlandes. Auch die bewegte Art der Darstellung der Jünger war ein Novum.

Das letzte Abendmahl in Santa Maria delle Grazie, Quelle: Wikipedia

Bei meinem beruflichen Besuch in Mailand im Jahr 2004 wollte ich Santa Maria delle Grazie besuchen und das bekannte Gemälde ansehen. Aber schon damals war es unmöglich, kurzfristig eine Eintrittskarte zu bekommen. Aber trotzdem habe ich eine weitere besondere Version in Mailand sehen dürfen.

Santa Maria delle Grazie, Quelle: Wikipedia

Beim empfehlenswerten Besuch auf dem Mailänder Monumentalfriedhof (Cimitero Monumentale) habe ich die beeindruckende Bronzeskulptur am Familiengrab der Campari (ja, die mit dem Likör) entdeckt. Geschaffen von Giannino Castiglioni, zeigt das monumentale Werk Jesus und die zwölf Jünger beim letztenAbendmahl. Es ist eines der bekanntesten Kunstwerke auf diesem historischen Friedhof.

Das Mausoleum der Familie Campari auf dem Cimitero Monumentale in Mailand

Mythos Spinat

Eine bis heute gepflegte Tradition ist der Spinat am Gründonnerstag. Prinzipiell hat dieser Tag aber mit dem Essen von Spinat gar nichts zu tun. Die Herkunft der Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass sich das „Grün“ vom mittelhochdeutschen Wort „greinen“ ableitet, was so viel wie weinen bedeutet. Damit wäre das Trauern angesichts der Passion Jesu gemeint. An diesem Tag grünes Gemüse zu essen, beruht also mehr auf einem Volksbrauch.

Die meisten Kinder sind ja keine besonderen Fans des Spinats, da half und hilft auch der Popeye-Effekt nicht wirklich. Popeye der Matrose isst Spinat aus der Dose, um sofort übermenschliche Kraft zu gewinnen und seine Liebste Olive Oyl aus brenzligen Situationen zu retten.

Popeye mit seiner Spinatdose

Wer aber versucht, seinen Bizeps mit einer Portion Spinat pro Tag zu stärken, wird enttäuscht sein. Ich habe eine Studie zur Wirkung eines Nahrungsergänzungsmittels entdeckt. Um den Effekt von zwei Kapseln zu erzielen, müsste man bis zu vier Kilogramm Blattspinat essen. Und zwar pro Tag. Die höhere Dosierung entspricht stolzen 16 Kilogramm des Blattgemüses. Da würde wahrscheinlich sogar Popey aufgeben.

Mir hat Spinat aber immer geschmeckt, da war eher das Rindfleisch dazu das Problem, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Karfreitag

Für evangelische Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag des Jahres. Die katholische Kirche wiederum kennt am Karfreitag wie auch am Karsamstag keine Eucharistiefeier. Der Karfreitag ist neben dem Aschermittwoch der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fasttag gilt. Zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr versammeln sich die Katholiken zu einem Gottesdienst, der sich von allen anderen Feiern während des Jahres unterscheidet.

Osternacht und Osterkerze

Die Karwoche endet mit der Osternacht bzw. der Auferstehungsfeier – zumeist gefeiert in Form von Gottesdiensten in der Nacht auf den Ostersonntag. Sie symbolisiert – etwa in Form der in der Feier entzündeten Osterkerze – den Sieg Gottes über den Tod.

Die Osterkerze ist mit dem Kreuz, dem Alpha und Omega, der Jahreszahl und evtl. weiteren Symbolen geschmückt und sollte anteilig aus Bienenwachs bestehen. Sie wird zu Beginn der Osternachtfeier gesegnet und am Osterfeuer entzündet, wobei fünf Weihrauchnägel, die für die fünf Wunden Christi stehen, in das Kreuz gesteckt werden.

In der Osterzeit (bis einschließlich Pfingstsonntag) brennt die Osterkerze bei jeder liturgischen Feier für alle sichtbar in Ambo- oder Altarnähe. Nach Ablauf der Osterzeit ist ihr würdiger Platz beim Taufbecken.

Das Osterfeuer

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist das Osterfeuer eine lang bestehende Tradition in Österreich. Symbolisch steht dieser Brauch für die Wiederauferstehung von Jesu Christi und für die Sonne als Mittelpunkt des menschlichen Lebens. Somit wird im Frühjahr mit dem Osterfeuer die Sonne begrüßt und der Winter vertrieben. Ich kann mich aber eigenartigerweise als Kind nicht wirklich daran erinnern, wahrscheinlich auch deswegen, weil es in der Kienberger Filialkirche keine Osternachtfeier gab.

Erst später wieder in Enzesfeld, wo im Hof des Pfarrhofes ein kleines Feuer gemacht wurde, an dem die Osterkerze entzündet und dann mit einer kleinen Prozession in die Kirche wurde. Auch die Künstler am Symposium entzünden immer wieder ein Osterfeuer.

Zum Osterfeuer brachten manche Gläubige einen vorbereiteten Holzstock oder ein Holzscheit mit, die im Feuer oder der Glut angebrannt und gesegnet wurden. Diese wurden dabei in den Ställen und Häusern aufgehängt, um das Anwesen und die Bewohner vor Gewitter und Unheil zu schützen. Im Grestner Proviant-Eisenmusem findet sich ein solcher Feuerprügel aus dem Jahr 1955 aus unserem Elternhaus in Ybbsbach.

In Bayern ist dieser Brauch auch heute noch weiter verbreitet. Aber auch im Mostviertel ist diese Tradition unter den Bauern wieder neu aufgelebt, wie auch ein Facebook-Eintrag unseres Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf aus Wieselburg zeigt, der solche Feuerprügel noch 2023 mit seinen Kindern geschnitzt hatte.

Der Ostersonntag

Der Ostersonntag ist im Christentum der Festtag der Auferstehung Jesu Christi, der nach dem Neuen Testament als Sohn Gottes den Tod überwunden hat. Es ist der ranghöchste Feiertag im Kirchenjahr. Mit ihm beginnen das Osterfest und die Osterzeit, zugleich beendet die liturgische Vesper des Ostersonntags das Triduum Sacrum (die heiligen drei Tage). Die Speisenweihe am Ende der Messe gehört zur Tradition ebenfalls dazu.

Die Osterjause

Essen wird zu Ostern großgeschrieben. Kein Wunder, denn wenn die Fastenzeit nach über einem Monat vorbei ist, schmeckt es gleich doppelt so gut. Doch zu Ostern sollten wir uns nicht nur wieder auf den Geschmack vieler Lebensmittel besinnen, auf die während der letzten Wochen vielleicht verzichtet wurde, sondern auch darauf, was hinter unseren Lebensmitteln steckt und welchen Wert Lebensmittel haben. Leider werden in Österreich pro Kopf und Jahr rund 75 kg weggeworfen und vernichtet.

Während früher die religiösen Aspekte von Ostern im Vordergrund standen, ist das Fest heute auch mehr ein Familienfest geworden. Ursprünglich nur mit unseren Töchtern, später dann auch mit ihren Freunden gab es ein gemeinsames Osterfrühstück. Osterschinken, Ostereier, Senf und Kren sind dabei unverzichtbar.

Seit die Enkelkinder da sind, ist daraus immer wieder ein Zusammentreffen der ganzen Patchwork-Familie geworden. Die Enkelkinder genießen solche Feste, wo alle ihre Omas, Opas, Onkel und Tanten dabei sind. Das Osternester suchen ist dabei noch immer ein Highlight.

Ostereier suchen

Am Ostersonntag war es natürlich spannend beim Osternester suchen, das zuerst natürlich daheim in Kienberg und dann auch in Gresten beim Opa nach dem Osterhochamt stattfand. Auch heute ist das für unsere Enkelkinder noch genauso aufregend, zuerst daheim und später bei den Omas und Opas Osternester zu suchen.

Legenden besagen, dass die Tradition des Eiersuchens im Freien einen heidnischen Ursprung hat. Als Zeichen der Fruchtbarkeit und um die Frühlingsgöttin Ostara zu ehren, wurden Eier an Familie und Freunde verschenkt. Doch die Kirche hat das unter strenge Strafe gestellt, woraufhin sie nicht mehr persönlich übergeben, sondern auf Feldern versteckt wurden. Und deshalb suchen wir auch heute noch die Eier in der freien Natur.

Die Fastenkrippe

Die Fastenkrippe oder Passionskrippe – auch Osterkrippe genannt – ist eine Darstellung der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung Jesu im Zeitraum vom Palmsonntag bis Ostern. Im Gegensatz zur Weihnachtskrippe, von der die Bezeichnung „Krippe“ auf sie überging, ist die Passionskrippe relativ unbekannt und selbst in Kirchen nur selten zu sehen.

Die untenstehende Fastenkrippe war im Jahr 2023 als eines von vielen Exponaten bei einer Ausstellung im Diozösanmuseum in St.Pölten zu sehen. Sie zeigt in einem großartigen Szenario das letzte Abendmahl, den Ölberg mit Jesus und den beiden Schächern und auch noch das leere Heilige Grab.

Im Jahr 2025 konnte ich in der Basilika Mariatrost in Graz eine Krippe der sizilianische Künstlerin Angela Tripi bewundern. Hier ist mein Blog dazu nachzulesen:

Eine Passionskrippe aus Sizilien in der Basilika Mariatrost in Graz

Vom Ei zum Osterei

Vom Ei als Symbol der Auferstehung über das Markieren und Färben, um sie von frischen Eiern zu unterscheiden und sie dann nach der Fastenzeit rasch zu verbrauchen, bis zum Ausblasen, Bemalen mit der OE-MM und dem Pecken in Österreich oder Tütschen in der Schweiz reicht dieser Blog. Der Rolle des Osterhasen gehe ich auch auf den Grund.

Was haben Eier mit Ostern zu tun?

Sogar die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat sich mit der Herkunft des Ostereis beschäftigt und ein Historiker hat die relativ spärlichen Informationen zusammengestellt, um ein bisschen Licht hinter die bemalten Eier zu bringen.

Streng genommen durfte man in der Fastenzeit keine Eier essen, deshalb hat man sie ursprünglich hart gekocht und gefärbt. Um die gekochten von den rohen Eiern zu unterscheiden, wurde dem Kochwasser Pflanzenteile zum Färben beigegeben – also zunächst ein ganz praktischer Hintergrund für den Brauch des Eierfärbens.

Im Christentum wurde das Ei aber auch zum Symbol der Auferstehung. Der Kirchenvater Augustinus deutete es als Zeichen der Hoffnung – bei den Vögeln auf den Nachwuchs, bei Christen und Christinnen als Hoffnung auf das Zukünftige. 

Eier färben

Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot – als Symbol für das Blut Christi. Heute steht meist die Dekoration im Vordergrund und man kann die gefärbten Eier fast das ganze Jahr im Supermarkt so fertig kaufen und das Färben in der Familie wird praktisch nur mehr mit kleinen Kindern gemacht.

Irgendwie war das Ostereierfärben in meiner Kindheit eine Art Hassliebe. Die Farben wurden in Kaffeehäferln in heißem Essigwasser angerührt und das gekochte Ei musste dann mit einem Suppenlöffel langsam hineingelassen werden. Das war ja noch spannend, aber dann hieß es gefühlt ewig warten, bis es gefärbt war. Dafür waren das Rot, Blau, Gelb und Grün damals noch besonders kräftig. Wenn die Schale einen Haarriss hatte, war auch das geronnene Eiweiß noch mitgefärbt. Nachdem die Eier trocken waren, wurden sie noch mit Abziehbildern verziert und mit einer Speckschwarte glänzend gerieben.

Eier ausblasen

In der Volksschule kam dann noch das Bemalen von ausgeblasenen Eiern hinzu. Schon das Anstechen oben und unten mit einer spitzen Nadel war eine Herausforderung und dann musste mit Gefühl und doch genug Puste das Eiklar und der Dotter herausgeblasen werden, ohne die Schale zu zerbrechen. Die Bemalung mit Filzstift oder Wasserfarben war dann die nächste Herausforderung, die ich wie die meisten Kinder gerne angenommen habe. Ich habe damals dafür sogar eine OE-MM gebastelt. Den Link zum Nachbasteln gibt es hier:

Die Ostereier-Malmaschine

Heute findet man auf unserem Osterbaum noch die von unseren Töchtern bemalten Eier und seit neuestem auch schon von unseren Enkelkindern und auch so manches künstlerisch gestaltete Ei von den Ostermärkten unserer Umgebung und auch so einige aus anderen Ländern.

Der Osterbaum

Im Christentum steht der Osterbaum nicht nur für den Frühlingsbeginn. Er bezeichnet den Zeitpunkt von Tod und Auferstehung Jesu Christi. In vielen Häusern, so auch bei uns, steht einige Wochen vor Ostern eine Vase mit Zweigen vom Haselstrauch mit Korkenzieherweide und eventuell auch noch von der Forsythie, die dann mit den ausgeblasenen Eiern dekoriert werden.

Ostereier pecken

Der Volkskundler Franz Schönwerth aus der Oberpfalz beschreibt das lustige Spiel vor fast 130 Jahren so: „Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen.“

Das Eierpecken an sich hat keinen besonderen historischen oder kirchlichen Hintergrund, sondern ist mehr ein Gesellschaftsspiel in der Familie. Es hat aber sicherlich damit zu tun, dass es nach der Fastenzeit einfach viele gekochte Eier gab. Es geht einfach darum, wessen hartgekochtes Osterei bis zum Schluss unversehrt bleibt. So war es schon in unserer Kindheit und ist bei den Enkelkindern noch genauso. Wehe, ein Ei wird ohne Pecken geöffnet oder jemand scheint geschummelt zu haben, da konnten und können Tränen fließen.

Holz- und Alabastereier zur Deko am Ostertisch

Eiertütschen in der Schweiz

In den 1960er- und 70er-Jahren war das öffentliche Eiertütschen ein beliebter Osterbrauch – und das nicht nur bei Kindern, in manchen Gebieten ist es das bis heute geblieben. Die Regeln bei der Eiertütschete sind nicht anders als in Österreich, nur mit dem Unterschied, dass es oft neben dem Spaß in der Familie auch ein öffentliches Massenereignis ist.

Man schlägt mit seinem hartgekochten und vorzugsweise bunt bemalten Osterei auf das Ei seines Gegners und hofft, dass dessen Ei zerbricht. Zunächst „Füdle“ auf „Füdle“, dann „Spitz“ auf „Spitz“. Oder umgekehrt. Bleibt das eigene Ei auch nach der gegnerischen Attacke heil, gewinnt man das zerschlagene Ei des Verlierers. Dann sucht man in der Menge nach seinem nächsten Gegner, der wie man selbst noch ein Ei mit einem heilen „Füdle“, „Spitz“ oder sogar einem „Ganze“ hat. So kämpft man sich Ei um Ei weiter. Da üblicherweise bis zu hundert Menschen an diesem Osterbrauch teilnehmen, lohnt sich, mehr als nur ein Ei von zu Hause mitzubringen.

Eine weitere Taktik nicht nur in der Schweiz ist der richtige Winkel. Um das Ei des Gegners zu besiegen, muss man leicht seitlich statt direkt von oben „tütsche“. Das Ei ist an der Spitze am härtesten und bei einem zu direkten Spitze-auf-Spitze-Schlag riskiert man, dass auch das eigene Ei in die Brüche geht.

Damit an dieser Tradition auch Neulinge teilnehmen können, bringen die alten Hasen immer eine Packung sogenannte „Touristen-Eier“ mit. Doch üblicherweise hätten Touristen kein besonders glückliches Händchen im Eiertütschen, denn „Die hauen meist viel zu fest und zerschlagen ihre Eier.“

Das „Zwänzgerle“ auf dem Zürcher Lindenhof

In Zürich war das sogenannte „Zwänzgerle“ besonders populär. Dabei versuchen Erwachsene, ein Fünfzigrappenstück oder früher einen Zwanzigräppler (daher der Name) so auf ein hartgekochtes Ei zu werfen, dass es stecken bleibt. Gelingt das, gehört das Ei der werfenden Person – andernfalls darf das Kind, das das Ei hält, das Geld behalten. Besonders auf dem Zürcher Lindenhof versammelten sich früher Familien und Schaulustige zu diesem Osterbrauch.

Nicht ganz konfliktfreies Eiertütschete in Bern

Punkt zehn Uhr am Ostersonntag treffen sich Bernerinnen und Berner jeweils auf dem Kornhausplatz, um das stärkste Ei zu ermitteln. Die Eiertütschete wird hier Erzählungen zufolge seit über hundert Jahren gepflegt. Weil sich ein Restaurant daran störte, rief der Wirt im Vorjahr die Berner Kantonspolizei zu Hilfe, um die Leute von der Kornhaus-Laube zu vertreiben. Das berichtete «Bärn Today». Demnach wollte der Restaurant-Betreiber draussen Tische und Stühle aufstellen, konnte dies aufgrund des Osteranlasses aber nicht. Man habe miteinander geredet und schliesslich eine Lösung gefunden, hieß es bei der Polizei.

Eiertütschete im Wald

Auch in der Heimatgemeinde (diese hat nichts mit unserem Heimatort oder Geburtsort zu tun!) meiner Frau, in Huttwil im Aargau, organisiert der Burgerrat die alljährlich stattfindende Eiertütschete, aber bereits am Ostersamstag. Auch hier versammelt sich eine größere Menschenmenge von Jung bis Alt, dem Bild zufolge auf einer Waldlichtung.

Und woher kommt der Osterhase?

Im Jahr 1682 erwähnte ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein. Warum der Hase aber zum Osterhasen wurde, weiß keiner mehr ganz genau. Möglicherweise liegt es daran, dass sowohl Hasen als auch Eier Symbole für Fruchtbarkeit sind.

Übrigens, in einigen Teilen der Schweiz, etwa im Emmental, war noch im 19. Jahrhundert der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest.

Auf zum Faschingsumzug

Von einigen Jugenderinnerungen an niederösterreichische Faschingsumzüge und von ein paar Eindrücken vom Rosenmontag in Köln schreibe ich in diesem Blog.

Geschichtliches zum Fasching in Niederösterreich

Im Mittelalter wurde man als Narr angesehen, wenn man die Zehn Gebote überschritten hatte, und deshalb beginnt die Faschingszeit am 11.11. um 11:11 Uhr. Ein weiterer Grund ist, dass die Winterfastenzeit damals am St. Martinstag, dem 11.11. begonnen hat und bis zum letzten Tag vor der Fastenzeit gedauert hatte. Da wurde die Welt noch einmal ordentlich „auf den Kopf gestellt“, so wie heute am Faschingsdienstag vor dem Aschermittwoch.

In Niederösterreich feiert man den Fasching zwar nicht ganz so ausgelassen wie in den westlichen Bundesländern, aber auch hier kommen Narren und Närrinnen auf ihre Kosten. Außerdem fanden und finden in manchen Orten noch immer im Jänner und Februar zahlreiche Faschingssitzungen und Maskenbälle (auch „Gschnas“ genannt) statt.

Erinnerungen an die Umzüge in meiner Jugend

Dabei sind in vielen Orten in Niederösterreich Faschingsumzüge eine jahrelange Tradition und wurden in meiner Kindheit und Jugend meistens am Faschingsdienstag durchgeführt. Während der Gymnasiumszeit habe ich oft einen Zwischenstopp in Scheibbs eingelegt, um den Faschingsumzug zu sehen. In der Oberstufe und später war der Purgstaller Umzug das Highlight, wo wir anschließend von Wirtshaus zu Wirtshaus zogen. An den Gaminger Faschingsumzug am Faschingssamstag kann ich mich nur ein oder zweimal erinnern, wo ich auf dem einen oder anderen Wagen ein Stück mitfuhr und so manches alkoholische Getränk konsumiert werden musste. 

In der neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn fand der vom Fremdenverkehrsverein veranstaltete Umzug in den 1990er Jahren ursprünglich noch am Faschingsdienstag statt. Erst nach einigen Jahren, wo die teilnehmenden Wagen und auch die Zuschauer immer weniger wurden, wurde er auf den Faschingssamstag verlegt. Er startete am Platz der Menschenrechte vor der Volksschule und zog dann langsam nach Lindabrunn. Traditionell teilnehmende Wagen waren und sind auch heute noch vom Weinbauverein, dem Musikverein Hirtenberg, der SPÖ, der Fleischerei Sunk und anderen Vereinen. Ab 2010 kam die Liste Schneider mit einem Wagen dazu. 

Ab dem Jahr, als die Junge ÖVP in Enzesfeld-Lindabrunn gegründet wurde, zogen sie ebenfalls jahrelang mit einem eigenen Wagen mit und veranstalteten zuerst in Lindabrunn im „Kirchberger-Keller“ und später in der Hofeinfahrt der Familie Hegenbart eine Faschingsparty. Auch wir mit der „alten“ ÖVP hatten einige Male einen eigenen Wagen. Am Abend ging es dann nahtlos beim Feuerwehrball im Gasthaus Glantschnig weiter.

Dabei habe ich auch meine Frau Evi kennengelernt, das wird aber in der Familiengeschichte erzählt, die nicht in meinem Blog erscheint. 

Und wie ist es bei den deutschen Nachbarn?

Bei uns in Niederösterreich beginnt die intensive Faschingszeit traditionell um den bzw. ab dem Faschingssamstag und endet relativ ausgelassen am Faschingsdienstag.

In Deutschland hingegen wird der Fasching, der bei unseren Nachbarn Karneval genannt wird, ja mehr auf den Rosenmontag verlegt, also den Montag vor dem Faschingsdienstag. Anders als der österreichische Fasching mit christlicher Tradition und Herkunft ist der deutsche „Karneval“ im Mittelalter als Reaktion auf gesellschaftliche Missstände entstanden und hält dem Staat und der Obrigkeit quasi den „Narrenspiegel“ vor.

Während meines beruflichen Aufenthaltes in Köln durfte ich auch am Rande den Rosenmontag miterleben, bei dem gefühlt alle Menschen mehr oder weniger verkleidet mit dabei sind. Bei uns in Niederösterreich geht hingegen der Fasching an vielen Menschen einfach vorbei.

Andererseits habe ich schon in der Früh noch noch nie so viele schlecht gelaunte Menschen in Kostümen gesehen wie in der Passage des Kölner Hauptbahnhofes, obwohl viele von ihnen bereits seit Monaten in  den jeweiligen Gilden mitarbeiteten.

Umgekehrt waren anscheinend wir Österreicher die einzigen in der ganzen Stadt, die an diesem Tag gearbeitet hatten.

Leider konnte ich daher aus Zeitgründen beim Rosenmontagszug nicht dabeisein oder einer der Karnevalssitzungen und mit Auftritten von Büttenrednern beiwohnen, die wir Österreicher ja nur aus dem Fernsehen kennen. Hier ist aber unser Villacher Fasching auf jeden Fall zu vergleichen.

Brauchtum aus meinem Erleben und meinen Erinnerungen

Viele Bräuche, die in meiner Kindheit im Ötscherland begangen wurden, haben sich bis heute erhalten und werden in ähnlicher Form auch in meiner neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn gefeiert. Einige sind etwas abgewandelt und ein paar sind neu dazugekommen.

Osterfeuer beim Symposium Lindabrunn 2016

Österreichisches Brauchtum und Traditionen im Rückblick und aus meiner Sicht seit meiner Kindheit bis heute werde ich im Lauf des Jahres immer zum passenden Datum in dieser Blogserie behandeln. Die Idee dazu entstand im Zuge der Recherche zu unserer Familiengeschichte, wo im bäuerlichen Umfeld das Brauchtum immer eine Rolle gespielt hat.

Da es eine subjektive Sicht ist, fehlt manchen Lesern sicher das eine oder andere oder kennt es eventuell in etwas anderer Form. Es sind eben meine Erinnerungen oder Erzählungen von älteren Verwandten, die entweder wieder Erinnerungen geweckt haben oder mir dadurch interessant genug erschienen sind, um aufgezeichnet zu werden.

Die Bräuche im Jahreskreis

Hier findet ihr immer die aktuellen Links der Blogserie:

1 Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Hl. Drei Königen

2 Auf zum Faschingsumzug

3 Vom Ei zum Osterei

4 Vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag – die Karwoche

5 Der Maibaum

6 Maiaufmarsch in Kienberg und Enzesfeld

7 Das Sonnwendfeuer

Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Heiligen Drei Königen

Der Jahresanfang ist gleich mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen gefüllt. Nicht nur im ersten Eintrag meiner Blogserie erzähle ich von den Bräuchen aus meiner Erinnerung und von den Erzählungen meiner älteren Verwandten.

1. Jänner: Neujahrswünsche

Am 1. Jänner und in den Tagen danach sind im Mostviertel schon bald nach dem 2.Weltkrieg die kleineren Kinder zu den Nachbarbauernhöfen gegangen und haben „A guads neichs Joar“ gewünscht. Dafür gab es dann den einen oder anderen Groschen oder gar Schilling als kleines Trinkgeld.

In anderen Gegenden wurde das nicht nur von den Kindern praktiziert. Das „Anklöckeln“ war ein Brauch im Advent, bei dem verschiedene Gruppen von Haus zu Haus gingen und dabei Lebensmittel oder Geld erhofften. Damit es nicht zu offensichtlich war, sangen sie Weihnachtslieder und wünschten Glück und Segen.

5. Jänner: Frau Bercht und ihre Zoderwascherl

Am Vorabend des Dreikönigstages trippelten hinter der Frau Bercht in langer Reihe die armen, zarten „Zodawascherln“ einher, es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. Es war auch der Brauch, den ich eigentlich nur mehr von Erzählungen kannte, an diesem Abend nach dem Abendessen eine Schüssel voll Milch mit Semmelbröckerln für die Frau Bercht und ihre Kinder auf den gedeckten Tisch zu stellen. Die Löffel jedes Familienmitglieds wurden hineingelegt und ein Löffel dann umgedreht. In der Früh hat man dann den Kindern erzählt, dass die Bercht von dem umgedrehten Löffel gegessen hat.
Ich hatte als kleines Kind sehr viel Respekt vor diesen armen Seelen. Das ist auch einer der Bräuche, die in dieser Form erst im beginnenden 20. Jahrhundert wiederentdeckt oder neu erfunden wurden.

6. Jänner: Die Heiligen Drei Könige

Ich war zwar Ministrant, aber nie selbst einer der Sternsinger, die in den Tagen vor dem 6. Jänner von Haus zu Haus zogen. Erst später, als ich bei Herrn Pfarrer Zainzinger Mesner und Lektor in der Kienberger Filialkirche war, wanderte ich einige Jahre als Begleiter mit den 3 Königen Kaspar, Melchior und Balthasar und dem Sternträger in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming von Haus zu Haus. Das Geld, das wir sammelten, kommt damals wie heute der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar zugute, die damit Entwicklungshilfe- Projekte speziell für Kinder und Jugendliche unterstützt.

Die Filialkirche der Pfarre Gaming in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming (2014)

Da das im kalten Winter war und wir wirklich bei jedem Wetter unterwegs waren, wurden wir in manchen Häusern zum Aufwärmen eingeladen. Wir erhielten Wurstbrote, Weihnachtskekse und einen heißen Tee. Ich als Begleiter musste ihn, wie damals bei den Bauern im Mostviertel üblich, natürlich mit Schnaps trinken, was für einen 15–16-jährigen Buben nach einigen Häusern recht anstrengend wurde.

Ein Seitenblick zum Schnapstee

Noch bis in die 1990er war es bei den Bauern im Ötscherland üblich, dass im Winter jeder Besuch einen Schnapstee angeboten bekam. Heute wird er auch noch angeboten, es wird aber akzeptiert, wenn man ablehnt. Wobei das Wort Schnapstee wörtlich zu nehmen ist, es ist eben kein Tee mit Schnaps wie auf der Schihütte, sondern ein Getränk aus halb Schnaps und halb Tee. Der sehr starke Obstler oder Zwetschkerne wurde dabei auch noch kurz mitgekocht, was der Stärke des Getränkes aber nicht schadete.

Serviert wurde und wird er in einem dicken Glas mit Stiel, im täglichen Gebrauch meist unbemalt, zu festlichen Anlässen bemalt wie am Bild unten. Der Löffel ist dabei bereits im Glas und dient als Wärmeleiter, damit das Glas nicht springt. Einige Würfelzucker vervollständigten das für Ungeübte recht gefährliche Getränk. Dazu wurden Weihnachtskekse und Kletzenbrot serviert.

Der Alkohol fällt während des Trinkens nicht besonders auf und das verleitet dazu, mehr als einen zu trinken. Das wiederum rächt sich später an der frischen Luft.

Schnapstee mit Weihnachtskeksen und Kletzenbrot

Damals durften noch keine Mädchen Sternsingen, das änderte sich erst viele Jahre später. Ich habe das dann zur Jungscharzeit meiner beiden Töchter auch noch einmal in unserem neuen Heimatort Enzesfeld gemacht, wo ich mit ihnen und ihren Freundinnen von Haus zu Haus zog und Spenden sammelte. Die Zeiten hatten sich geändert und wir wurden nicht mehr überall freudig empfangen, so manche Tür blieb verschlossen, obwohl die Bewohner daheim waren. Die Kinder bildeten sich dadurch schon recht früh eine Meinung über manche Leute.

Das allgemein bekannte „C + M + B“ an unseren Eingangstüren bedeutet übrigens nicht Caspar+Melchior+Balthasar“ sondern „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

Wir freuen uns jedes Jahr auf den Besuch der Sternsinger-Kinder in Enzesfeld, aber leider finden sich nicht immer genügend Kinder um alle Haushalte zu besuchen.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter

Eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition in Scheibbs möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da ich mich als Kind erinnern kann, dass wir uns das auch angesehen hatten, weil unsere Mutter die Initiatoren noch aus der Schule kannte. Im Jahr 1947 veranstalteten die Brüder Wilhelm und Josef Beer sowie Alois Krenn den ersten Dreikönigsritt in Scheibbs. An fünf Stationen von der Kapuzinerkirche bis zur
mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche sangen sie hoch zu Ross das selbstgeschriebene Hirtenlied „Mir san die drei König“. Seit 1993 reiten nun die Söhne Andreas, Klemens und Alois Krenn als Kaspar, Melchior und Balthasar von der Klosterkirche zur Pfarrkirche und halten die weitum bekannte Tradition hoch, die es auch schon einige Male geschafft
hat, vom ORF gezeigt zu werden.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter (Foto zur Verfügung gestellt von Plopp Wieland)

Update am 2.1.2026

Wie die NÖN berichtet, macht der Dreikönigsritt im Jahr 2026 eine Pause. Die Heiligen Drei Könige Alois, Andreas und Klemens Krenn treten zurück und übergeben nach 32 Jahren die Kronen an die nächste Generation. Der jüngere Bruder von Alois, Willi, möchte nach einem Jahr Pause den Dreikönigsritt wieder vom Hause Krenn aus weiterführen.

Sternsinger-Spruch aus den 1970er/1980er/1990er Jahren:

Es zieh’n aus weiter Ferne drei Könige einher,
sie kamen von drei Bergen und fuhren übers Meer.

Das Kind liegt in der Krippe, so wunderlieb und klein, das schönste Kind auf Erden, im goldnen Himmelsschein.

Wir haben’s angebetet und Opfer dargebracht,
und zogen dann von dannen noch in derselben Nacht.

Lindabrunner Sternsinger mit Susanne Rappold-Schlägl und Altbürgermeister Franz Schneider