Das Erntedankfest

Beim Erntedankfest danken einerseits die Landwirtinnen und Landwirte und andererseits wir Konsumentinnen und Konsumenten für eine gute und reichhaltige Ernte. Hitze, Wassermangel und die bevorstehende überraschende Schließung einer Tiefkühlproduktion prägen dieses schwierige Jahr. Trotzdem wird in vielen Orten Erntedank gefeiert und davon handelt dieser neue Beitrag in meiner Blogserie zu den Bräuchen in Niederösterreich.

Die Erntekrone von Bad Schönau in der Buckligen Welt

Die schwierige Situation im Jahr 2026

In diesem von Hitze, Wassermangel und Dürre bestimmten Jahr wird uns vor Augen geführt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Lebensmittel scheinbar unbegrenzt vorhanden sind.

Die Rinder und Schafe mussten mancherorts wegen Wasser- und Futtermangel frühzeitig von den Almen gebracht werden. Die Ausbeute bei der Mahd war an vielen Orten weit geringer als in den Jahren davor und oft konnte die gewohnte dritte Mahd gar nicht mehr durchgeführt werden.

Feldfrüchte wie Erdäpfel werden möglicherweise im Winter knapp und müssen durch ausländische Produkte ersetzt werden. Die Weinbauern verzeichnen Ernteausfälle von 50-70 Prozent. Manche Landwirte müssen ihre Herden verkleinern, da es nicht einmal genug Futter zum Zukaufen um teilweise noch dazu horrende Preise gibt.

Dann kam Ende September die nächste Hiobsbotschaft für die österreichischen Landwirte und Konsumenten. Der führende Tiefkühlogistiker im Marchfeld gab bekannt, sein Werk für Tiefkühlgemüse in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) zu schließen. Alle Vermittlungsversuche und Unterstützungsangebote wurden mit Stand 10. Oktober 2026 von den Besitzern abgelehnt.

Nicht nur rund 500 landwirtschaftliche Betriebe, die im Marchfeld Erbsen, Babykarotten, Rotkraut oder Spinat für die Tiefkühlproduktion anbauen, bangen um ihre Existenz, auch rund 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. 

In weiterer Konsequenz müssen wir Konsumentinnen und Konsumenten aus derzeitiger Sicht in Zukunft ohne inländische Alternativen auf manches österreichische Tiefkühlgemüse verzichten. In dieses schwierige Umfeld fallen im Jahr 2026 die Feiern zum Erntedank.

Historisches

Dieses Brot wurde von der Lindabrunner Ortsbäuerin Jaqueline Wöhrer gebacken

Das Erntedankfest wird in Niederösterreich meist am letzten Sonntag des Monats September oder am ersten Sonntag des Monats Oktober begangen. Dabei soll Gott für die Gaben der Ernte Dank erwiesen werden. In verschiedenen Formen ist dieses Ritual seit dem 3. Jahrhundert historisch belegt.

Die Erntekrone ist neben den Feldfrüchten das Zentrum dieses Festes. Die Krone besteht meist aus vier Bügeln mit einem Kreuz an der Spitze. Büschel aus aufrecht stehenden Ähren verschiedener Getreidesorten werden an dieses Gestell gebunden. Diese Arbeit wird in den Tagen vor dem Fest meist von den Bäuerinnen oder der Landjugend durchgeführt.

Gaming

In vielen Orten des Landes wird die Erntekrone mit einem feierlichen Umzug durch den Ort getragen. In Gaming zog die Erntekrone eine Zeitlang in einer feierlichen Prozession von der Kartause in die Pfarrkirche, wo ich während meiner Zeit als Kienberger Lektor mehrmals dabei war und auch mitgetragen habe.

Spitz an der Donau

Ich kann mich zwar in der Kindheit nicht an das Erntedankfest erinnern, wir waren aber einmal bei einem Erntedank-Umzug in Spitz an der Donau, der mir anscheinend so gefallen hat, dass ich noch immer gerne daran denke.

Heute beginnt der Festumzug am ersten Oktober-Sonntag beim alten Rathaus und wird von der Trachtenkapelle Spitz musikalisch begleitet. Die Hauerschaft ist mit ihren reich geschmückten Zunftzeichen und Fahnen vertreten und die Weingartengeiß, eine große Traube und die Statue des heiligen Urbanus repräsentieren den Status des Wachauer Weinortes. Die Volkstanzgruppe führt nach dem Umzug den traditionellen Kronentanz mit geschmückten Weinlaubbögen vor und viele Spitzerinnen und Spitzer tragen die Festtracht des Ortes.

Foto: Marktgemeinde Spitz

Ruprechtshofen

Einer der größten Erntedankumzüge in Niederösterreich fand 2025 in Ruprechtshofen im Bezirk Melk statt. 64 Gruppen, darunter die Bäuerinnen, Ortsgruppen des Bauernbundes, die Landjugend und zahlreiche Vereine, die Feuerwehr, die Musik und Volkstanzgruppen präsentierten festlich geschmückte Wägen und stellten so die große Vielfalt der Landwirtschaft zur Schau.

Waidhofen an der Ybbs

Eine Prozession mit der von der Landjugend gebundenen Erntekrone in Begleitung der Musikkapelle, der Goldhaubengruppe und der Statue des Kirchenpatrons Lambert zieht hier jedes Jahr durch die Altstadt Richtung Stadtpfarrkirche. Diesmal wurde zur Gabenbereitung nicht nur ein Obst- und Gemüsekorb als Dank für die Ernte mitgebracht, sondern auch ein leerer Korb, der an die fehlende Ernte aufgrund der Trockenheit erinnern sollte.

Enzesfeld-Lindabrunn

In meiner nach 35 Jahren gar nicht mehr so neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn wird das Erntedankfest bei Schönwetter meistens bei der Winzerkapelle immer besonders feierlich vom Bauernbund und Weinbauverein gestaltet. Die Erntekrone wird dafür von den Lindabrunner Landwirtinnen gemeinsam geflochten und festlich geschmückt. Seit vielen Jahren unterstützt sie dabei ein pensionierter Gärtnermeister.

Im Jahr 2026 wird die Winzerkapelle schon 20 Jahre alt und so wurde dieses Jubiläum ebenfalls gefeiert. Die Kindergartenkinder aus Lindabrunn brachten den zahlreichen Gästen mit einem kleinen Spiel den Kreis vom Säen und Pflegen bis zur Ernte näher. Mit dem Spruch „Die Sonne lacht, die Erde freut sich, ich hab Wasser mitgebracht!“ goß ein kleiner Gärtner die zarten Pflanzen, bis er die Früchte zum Schluss mit seiner kleinen Gärtnerskollegin ernten konnte.

Nach der vom Musikverein untermalten Festmesse mit der Weihe der Erntekrone und der Feldfrüchte luden Bauernbund und Weinbauverein zur Agape mit Brot, Wein und Aufstrichen und so klang dieses Fest mit vielen Gesprächen gemütlich aus.

Eine schöne Herbstausfahrt in Niederösterreich

Der Wein in der Thermenregion, die Elsbeere bei Hainfeld und die Dirndl in Kirchberg an der Pielach waren unsere kulinarischen Begleiter dieser gemütlichen Motorrad-Herbstrunde. Den berühmten Topfinger in der Kalten Kuchl* haben wir aber ausgelassen.

* für die Leserinnen und Leser, die nicht in Ostösterreich leben: Ein Topfenstrudel im Gasthaus „Kalte Kuchl“, einem der bekanntesten Bikertreffpunkte in Niederösterreich

Die Herbstausfahrt mit Freunden ist schon seit vielen Jahren ein Fixpunkt in meinem Kalender. Diesmal war das Wetter zum ursprünglich geplanten Termin nicht überzeugend, daher beschloss ich, die Ausfahrt auf Ende September zu verschieben. Da passte das Wetter, aber aus verschiedenen Gründen hatten an diesem Samstag nur mehr zwei Mitfahrer Zeit und so wurde es eine gemütliche Runde zu dritt.

Wir starteten wie immer in Enzesfeld und nahmen die Großauer Höhe um weiter die L4007 bis Schwarzensee am Fuß des Peilsteins zu fahren.

Die L4004 verläuft dann bis Mayerling. Über das ehemalige Jagdschloss des Kronprinzen Rudolf und die Geschichte dort habe ich bereits berichtet:

Mit dem Motorrad einige Highlights im südlichen Wienerwald erkunden

Hier, vom oberen Ende des Helenentals folgten wir meiner geplanten Route der Schwechat entlang über Alland bis Klausen-Leopoldsdorf.

Von dieser Ortschaft aus gibt es mehrere Möglichkeiten den Wienerwald zu erkunden. Einerseits führt eine Straße über Kaltenleutgeben bis Rodaun im westlichen Wien oder die L110 nach Westen mit vielen Ausblicken über den Wienerwald ins Laabental. Eine weitere Möglichkeit gibt es Richtung Süden über St.Corona am Schöpfl zurück ins obere Triestingtal.

Wir bogen aber nach Norden in die L2111 ab und fuhren durch die bewaldete Höhe des Hengstl (nicht zu verwechseln mit dem Hengstpass zwischen Windischgarsten in OÖ und Altenmarkt bei Sankt Gallen in der Steiermark) bis Pfalzau und unter dem Aquädukt der 2. Wiener Hochquellenwasserleitung durch bis Preßbaum.

Wir folgten von dort der B64 vorbei am Haitzawinkel, der aber auch für Motorradfahrer keine Möglichkeiten zum „heizen“ bietet, bis zur Baustelle der neuen Unterführung unter der alten Westbahn in Rekawinkel. Die ursprünglich einspurige Engstelle ist schon beseitigt und bis Frühjahr 2027 sollen auch die restlichen Arbeiten fertig sein.

Im Ort Rekawinkel bogen wir rechts ab den Berg hinauf auf der L2013 bis Hagenau. Hier gäbe es zwar einen „Schleichweg“ nach rechts, wir wollten aber links weiter nach Starzing.

Man glaubt es nicht, dass es solche Straßennamen gibt

Von hier sahen wir bereits unser erstes Ziel, die  Buchbergwarte, herunterblicken.

Ein Stück weiter ging es dann gleich mit einigen Kehren auf dem schmalen einspurigen Sträßchen durch den wunderschönen Buchenwald bis zum Parkplatz unterhalb des 22 Meter hohen Aussichtsturms.

Nach einem gemütlichen Kaffee auf der Terrasse des Schutzhauses daneben ging unsere Tour hinunter nach Neulengbach und weiter auf der B19 bis zur Autobahnunterführung bei Altlengbach und Neustift-Innermanzing, wo wir rechts in die ruhigere, schmälere „Panoramastraße“ einbogen. Eine Reihe von Aussichtspunkten gibt den Blick frei vom Schneeberg bis zur Landeshauptstadt St.Pölten.

Die Türkenkapelle von Hochgschaid ist ein weiteres schön renoviertes Highlight entlang der Strecke.

Wir fuhren weiter durch das hügelige Land der Elsbeere, diesem nur in diesem Gebiet so gehäuft vorkommenden Baum, dessen Früchte im Oktober reifen und für Schnäpse, Marmeladen, Schokolade und in der regionalen gehobenen Wirtshausküche Verwendung finden.

In Rohrbach an der Gölsen bogen wir auf die Hainfelder Bundesstraße B18 ab, wo uns bald die beiden Windräder von Eschenau ins Auge stachen, die bereits im Jahr 2000 erichtet wurden. Mittlerweile wird, gemeinsam mit den anderen alternativen Energieerzeugern, mehr als doppelt so viel Energie erzeugt, als der Gesamtverbrauch der Gemeinde ausmacht.

Beim Kreisverkehr in Traisen fuhren wir ein Stück Richtung Norden und in Rotheau schon wieder weg von der Hauptverkehrsader B21. Meist fahre ich von hier über Eschenau und Tradigist ins Pielachtal, diesmal wollte ich für unsere Runde die kleine Straße über die 522 Meter hohe Meiselhöhe bis Hofstetten-Grünau nehmen.

Kurz vor der Ortseinfahrt bogen wir aber von der B39 schon wieder in ein Seitental ab um in einem Bogen über Petersberg auf „die Luft„, einem 628 Meter hohen Pass zu kommen und dann mit vielen Serpentinen hinunter ins Pielachtal zu fahren.

In der Zwischenzeit war auch der Hunger immer größer geworden und so machten wir im Gasthaus Kalteis in Kirchberg an der Pielach Halt. Die Herbstsonne war stark genug für den Gastgarten, um unser Mittagessen zu genießen. Ich musste natürlich etwas mit der namensgebenden Frucht des Dirndltales probieren. Die Dirndl ist die Frucht des Dirndlstrauchs, die in Deutschland auch als Kornelkirsche bekannt ist. Da passten natürlich die „Kirchberger Klöpse“, eine kulinarische Abwandlung der Königsberger Klöpse mit Erdäpfelstampf, Kapernsauce und gedünsteten Dirndln, besonders gut.

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Heimweg, zuerst das Pielachtal weiter hinauf bis Schwarzenbach und über das rund 820 m hohe Pielachtaler Gscheid bei Türnitz im Traisental zu landen. Bei Außerfahrafeld bogen wir schon wieder ab, um über Hohenberg und Hofamt auf den ebenfalls 820 m hohen Ochsattel zur Kalten Kuchl zu kommen. Für einen Zwischenstopp war es dann doch zu früh und so fuhren wir weiter über Rohr am Gebirge und Gutenstein das Piestingtal hinunter und über den Hart und Hernstein zurück nach Enzesfeld.

Eine wunderschöne Frühherbstrunde im niederösterreichischen Zentralraum ging damit nach rund 250 Kilometern zu Ende.

Übrigens, ich habe die Fotos nicht während der gemeinsamen Tour gemacht sondern schon vorher im Zug meiner Vorbereitung. Meine Freunde wären sonst sicher bald ohne mich weitergefahren.

Die Route

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/HzaJN

Radeln im unteren Ybbstal

In Waidhofen an der Ybbs kann man an einem Wochenende viel unternehmen, z.B. an einer Nachtwächterführung teilnehmen, gut essen, die Landesausstellung besuchen oder Radfahren.

Alles das haben wir von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag gemacht und über die Nachtwächterführung und das Radfahren werde ich hier erzählen.

Nachtwächterführung durch die Waidhofener Altstadt

Unsere Zimmerwirtin machte uns darauf aufmerksam, dass es an diesem Abend ausnahmsweise eine offene Nachtwächterführung, das heißt ohne Reservierung geben würde. An sich ist die Teilnahme nur mit Anmeldung einer Gruppe von ca. zehn Personem möglich. Da wir mit unserem Abendessen zeitgerecht fertig waren, schafften wir es auch, rechtzeitig kurz vor 20 Uhr beim Treffpunkt am Stadtturm zu sein.

Wir wurden von einer Nachtwächterin geführt,  die uns mit launigen Geschichten zur über 800jährigen Geschichte Waidhofens unterhielt, während wir scheinbar unter das Rothschild-Schloß zur Schmiede und Rauchkuchl am Schwarzbach hinabstiegen. Einen „Stock im Eisen“ gibt es übrigens nicht nur in Wien sondern auch neben dem Stadtturm in Waidhofen, siehe Bild unten.

Neben diesen historischen Stätten lohnte sich auch der Blick hinauf gegen die Türme die hier heruntersehen. Das ist einerseits der mystische Turm des Rothschild-Schloßes, der Turm der Stadtpfarrkirche und der Schlossturm mit Glaskubus, der zur Landesausstellung 2007 von Hans Hollein aufgesetzt wurde. Dabei ist der kleine Seitenturm des Schlosses so mystisch und geheim, dass er bei der Stadt der Türme gar nicht mitgezählt wird.

Dann ging es hinauf zum rot beleuchteten Schlosssteg, einer Fußgänger- und Fahrrad-Brücke zum Hotel an der Eisenstraße auf der Zeller Seite der Ybbs.

Weiter führte uns unsere Nachtwächterin auf verschlungenen Pfaden durch die dunkle Stadt, bis wir wieder vor dem Stadtturm landeten. Diesen 50 Meter hohen Wehrturm haben wir über die extrem hohen und schmalen Stufen bestiegen, bis wir zuerst in der bis 1938 bewohnten Türmerwohnung ankamen.

Daneben beherbergt der Turm auf insgesamt sieben Etagen die Ausstellung „Das Leben vor 100 Jahren“ mit historischen Werkstätten. Das letzte Stockwerk war dann auf einer engen steinernen Wendeltreppe zu überwinden, wo es zum Abschluss nach gut 2 Stunden noch ein Schnapserl gab.

Auf dem vorderen Ybbstalradweg nach Amstetten und zurück

Ausgangspunkt unserer ersten Tour an diesem Wochenende war der schon bekannte Stadtturm. Von dort ging es mit unseren Rädern über den nahen Schlosssteg in den Ybbstalradweg Richtung Norden und talabwärts hügelauf und hügelab vorbei an Böhlerwerk Richtung Rosenau mit einem wunderschönen Blick auf die Basilika Sonntagberg.

In Kematen führt der Radweg dann durch den Ort und über die 33 m hohe Brücke auf das linke Ufer der Ybbs. Dass sie zu den ältesten Steinbrücken Niederösterreichs zählt, fällt hier an der vielbefahrenen Weyrer Bundesstraße B121 nicht auf. Als Radfahrer kann man aber, im Gegensatz zu den Autofahrern, auch wenn die Fußgänger- und Fahrradspur recht schmal ist, einen Blick in den schluchtartigen Einschnitt der Ybbs werfen.

Durch Wiesen und Auwälder fuhren wir dem Wegweiser nach auf einem kleinen Abstecher bald an einem wunderschönen vom Land Niederösterreich prämierten Naturbadeplatz vorbei, der zum Hineinspringen einlud. Mitte September war es uns aber zu kalt, das Wasser auch wirklich zu testen.

Wir radelten weiter an der Sonne durch die Ybbsauen, an der Rückseite von Industriebetrieben vorbei, die uns Radfahrern gar nicht so besonders auffielen, bis wir bei Hausmening wieder das Flußufer wechselten. Entlang der Bahnlinie und vorbei am Fußballstadion führte der Radweg wieder nahe der Ybbs bis zur neuen Hängebrücke, die erst im April 2026 eröffnet wurde.

Der neu geführte Radweg brachte uns dann in den Auwäldern bei Waldheim bis Greinsfurth in der Nähe des großen Kreisverkehrs bei einem bekannten Baumarkt vorbei, nun entlang der Westbahn bis ins Zentrum der Bezirkshauptstadt Amstetten. Die Auswahl an Cafes und Restaurants in der Umgebung des Hauptplatzes war überraschend groß und so konnten wir die Mittagssonne bei einem Eiskaffee genießen.

Nach einem kleinen Rundgang radelten wir die gleiche Strecke wieder zurück bis ins Herz Waidhofens am Oberen Stadtplatz, wo wir bei einen Cappuccino mit einer Mohnzelte und einer Topfengolatsche den Radtag ausklingen ließen.

Für meine nichtösterreichischen Leserinnen und Leser: Wer diese Gustostücke der österreichischen Mehlspeiskultur nicht kennt, bitte die obigen Links öffnen, da stecken die Bilder und Rezepte dahinter.

Fazit und Empfehlungen

Prinzipiell finde ich, dass der vordere Ybbstalradweg, der ja eigentlich bis Ybbs an der Donau verläuft, durch Adaptionenen der Strecke und Verbesserungen, d.h. Neuaspaltierung einzelner Teilstücke und Routenverlegungen sicher sehr an Attraktivität gewonnen hat.

Da haben sich die Investitionen in die Region im Umfeld der Landesausstellung „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit“ in Mauer bei Amstetten auf jeden Fall gelohnt. Wer sich für die Verbindung zwischen Mensch, Psyche und Gesundheit und den Herausforderungen psychischer Erkrankungen und deren Auswirkungen auf Betroffene und Angehörige interessiert, sollte sich diese Ausstellung noch bis 8. November 2026  auf jeden Fall ansehen.

Das Teilstück von Lunz am See bis Waidhofen sind wir schon vor einigen Jahren gefahren, das auf jeden Fall zu den schönsten Flußradwegen Österreichs gehört. Ich werde sicher auch dazu noch einen Blog schreiben.

Die Tour auf dem vorderen Ybbstalradweg

Erntedank in Waidhofen

Auf unserem Weg zum geplanten Ausgangspunkt beim Stadtturm hörten wir das Spiel einer Musikkapelle die sich näherte. Da auf Plakaten das Erntedankfest angekündigt war,  war der Grund dafür klar. Die Prozession mit der von der Landjugend gebundenen Erntekrone in Begleitung der Musikkapelle, der Goldhaubengruppe und der Statue des Kirchenpatrons Lambert zog durch die Altstadt Richtung Stadtpfarrkirche. Wie ich später erfuhr, wurde zur Gabenbereitung diesmal nicht nur ein Obst- und Gemüsekorb als Dank für die Ernte mitgebracht, sondern auch ein leerer Korb, der an die fehlende Ernte aufgrund der Trockenheit erinnern sollte.

Von Waidhofen nach Ybbsitz

Wir wollten uns an diesem Tag noch die vorhin erwähnte Landesausstellung ansehen, daher war unsere Radtour kürzer als am Vortag.

Wir starteten wieder am Stadtturm und fuhren am letzten noch existierenden Stadttor, dem Ybbstor aus der Altstadt hinaus und hinunter aud der Gasse Unter der Leithen zu einem kleinen Rastplatz direkt am Ybbsufer, den wir bereits bei unserer Nachtwächterführung besucht hatten. Der Ausblick auf die Gebäude links und rechts des Flusses war diesen Stopp schon nach wenigen Metern auf jeden Fall wert.

Entlang der Citybahn, dem letzten 3,3 Kilometer langen noch aktiven Teilstück der ehemaligen Ybbstalbahn und weiter entlang der Ybbstalstraße B31 fuhren wir Richtung Gstadt. Dort zweigt über die alte Eisenbahnbrücke der Kleine Ybbstalradweg ab, dem wir bis Ybbsitz folgen wollten.

Dem Motto der Eisenstraße folgend findet man auf den folgenden 6 Kilometern bis Ybbsitz eine Reihe von Metallskulpturen die die Themen Eisen, Ybbstalbahn und Radweg miteinander verbinden.

Vorbei an einigen Bauernhöfen kamen wir zu den Riess-Werken, die die einzige Email-Geschirr-Erzeugung Österreichs ist und nebenbei auch die blauen Straßenschilder für Wien herstellt. Im Mostviertel gab und gibt es bis heute beinahe keinen Haushalt, der ohne Riess-Geschirr auskommt. Und wenn doch, dann gibt es sicher etwas von Kelomat. Diese Marke gehört nämlich auch zum Riess-Konzern. Ich habe die Riess-Produkte auch schon in vielen Ländern Europas in der einen oder anderen Auslage gesehen. Trotzdem radelten wir weiter, es war erstens Sonntag und zweitens gibt es eine Führung erst ab 10 Personen.

Weiter ging es, nun der B21 entlang auf der Trasse der ehemaligen Stichstrecke der 2010 eingestellten Schmalspurbahn. Am Ortseingang wechselten wir die Straßenseite und auf eine Brückenkokstruktion oberhalb der Kleinen Ybbs und dann weg von der Bundesstraße, bis wir am Bahnhof landeten. Dieser ist denkmalgeschützt und wunderbar renoviert.

Bis wir bei der sehr zu empfehlenden Bäckerei und Konditorei Molterer landeten, waren noch ein paar Häuser ein Foto wert.

Der Rückweg verlief bis Gstadt auf der gleichen Strecke, dort wichen wir aber vom Radweg entlang der Straße ab und wechselten kurz vor der Einmündung der Kleinen Ybbs auf die andere Seite auf den Weg, den wir schon von unserer Tour am oberen Ybbstalradweg kannten.

Damit war diese schöne und gemütliche Tour auf dem kleinen Ybbstalradweg auch schon zu Ende und wir fuhren mit dem Auto zur oben erwähnten Landesausstellung.

Der kleine Ybbstalradweg zwischen Waidhofen und Ybbsitz

Die Route in Komoot: https://www.komoot.de/tour/3312318011?ref=asoWaidhofen – Ybbsitz  und zurück

Um, auf und über die Hohe Wand – eine Motorradwanderung

Das Wetter war sonnig und warm und ich nahm mir spontan einige Stunden Zeit, die Hohe Wand im südlichen Niederösterreich mit dem Motorrad zu erkunden.

Freunde und Bekannte sind immer wieder überrascht, welche Schätze das südliche Niederösterreich zu bieten hat und es nicht immer die Dolomiten oder die Berge Tirols sein müssen. Die Hohe Wand gehört da ebenfalls dazu, wenn auch die Paragleiter hier meist in der Überzahl sind.

Schon bei der Anfahrt ist die massive südseitige Formation nicht zu übersehen. Auf rund 8 km Länge ragen die Felswände bis zu 200 Meter aus dem Wiener Becken heraus und man fragt sich beim ersten Mal, wie man ohne Klettersteig auf dieses bis zu 1135 m hohe Plateau hinauf kommen soll. So macht die Hohe Wand ihrem Namen alle Ehre.

Ich war natürlich schon öfter oben, vorzugsweise während der Woche, um den Autokolonnen zu entgehen, dabei sind auch die Bilder der Auffahrt durch die Haarnadelkurven in den Felsen entstanden. Alle anderen Bilder stammen von meiner Ausfahrt heuer im September 2026.

Seit 2023 ist die Auffahrt keine Mautstraße mehr, dafür sind die Parkplätze gebührenpflichtig und auch zu benutzen. Mit dem Motorrad für ein paar Fotostopps ist das etwas leichter, obwohl prinzipiell die gleichen Regeln gelten.

Der erste Weg führte mich diesmal zum Kohlröserlhaus, das gerade renoviert wurde und die Straße weiter, die Ausblicke in die Ebene sind auf jeden Fall einen Halt wert.

Nachdem auch hier einige Paragleiter gar nicht einmal recht hoch oben ihre Kreise zogen, wollte ich meinen nächsten Stopp beim Skywalk machen, da dort in der Nähe auch der Startplatz für sie liegt.

Ein Stück zurück und dann Richtung Südwesten bis kurz vor dem Gasthof Postl und schon war der Parkplatz zum Skywalk da. Hier kann man bis zur Felskante nach vor und so war das Beobachten der Paragleiter ganz frei von Hindernissen möglich. Hier in der Wiese zu sitzen, wo es ein paar Schritte weiter 200 Meter abwärts geht und die bunten Gleiter in der Luft zu beobachten, hat beinahe etwas Meditatives.

Fast eine halbe Stunde in die Luft schauen war dann doch genug, ich wollte ja noch zur Kleinen Kanzel, weil man hier einen schönen Ausblick auf die andere Seite hinunter nach Miesenbach und Scheuchenstein hat.

Vom Parkplatz wäre es nur eine kleine Wanderung bis zur Wilhelm-Eichert-Hütte, wo man auch eine gute Chance hätte, einen der vielen Steinböcke in freier Wildbahn zu beobachten. Aber ich bin nicht zum Wandern hier, sondern zum Motorradfahren und möchte die Hohe Wand heute noch umrunden.

Am Rückweg hinunter von der Kleinen Kanzel fiel mir ein gelbes Gebäude über dem umgebenden Wald auf, das ich noch nicht kannte. Aber vorher wollte ich noch einmal rechts weg, zum Gasthaus Luf, wo man ein paar Schritte weiter einen wunderbaren Blick hinunter auf die „Neue Welt“ hat. Natürlich trieben sich auch hier wieder ein paar Paragleiter in der Luft herum.

Mein letztes Ziel sollte nun das gelbe Haus sein, laut Wegweiser das Waldeggerhaus, zu dem ein schmales Sträßchen den Berg hinaufführte. Es war zwar wegen Urlaubs geschlossen, aber der Blick vom Parkplatz war genial. Ein Bergpanorama vom Schneeberg bis zum, ich konnte es kaum glauben, Ötscher, den beiden höchsten Bergen Niederösterreichs, der eine im Industrieviertel 16 km entfernt, und der andere im südlichen Mostviertel, 61 km weg.

Ganz links der Schneeberg und ganz rechts die Spitze hinten der Ötscher

Wie ich in der Vorbereitung des Blogs ergoogeln konnte, gibt es nur einige wenige Punkte in Niederösterreich, wo sich das ausgeht, und zwar hier auf der Hohen Wand bei wirklich klarem Wetter, und vom Jauerling oberhalb der Wachau bei herbstlicher oder winterlicher Inversionswetterlage. Dann gibt es noch ein Panoramabild eines professionellen Internetanbieters um 90 Euro. Und ich hatte das Glück, die beiden Berge gemeinsam auf einem Bild mit dem Handy zu fotografieren!

Mehr offizielle Straßen gibt es meines Wissens nicht, daher fuhr ich wieder hinunter in die Neue Welt, wo ich gegenüber der Pfarrkirche Maria Kirchbüchl in die B26 Richtung Puchberg einbog. Kurz vorher beim Gipswerk zweigt die Straße auf den Ascher ab, den kleinen Pass nach Miesenbach und ins Piestingtal.

Mit der Fahrt das Tal hinaus bis Piesting war die Runde um die Hohe Wand geschlossen und ich konnte über den Hart zurück ins Triestingtal fahren.

Die Runde auf und um die Hohe Wand

Link zu Kurviger: https://kurv.gr/ZnYbr

Immer in Bewegung – meine Eindrücke vom 29. Landes-Wandertag der NÖ Senioren

Am Freitag, dem 4. September 2026 fand in Mauer bei Amstetten der diesjährige Landes-Wandertag der Niederösterreichischen Seniorinnen und Senioren statt. Für mich war es das erste Mal, dass ich daran teilnahm, umso mehr war ich neugierig auf den Ablauf.

Der Ort war nicht zufällig gewählt, findet doch heuer die NÖ Landesausstellung unter dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht“ noch bis 8. November ganz in der Nähe im neu renovierten Landesklinikum Mauer statt.

Der Start war für die Zeit von 9 bis 10 Uhr geplant, aber schon kurz nach 8:30 reihte ich mich mit vielen anderen PKWs und Bussen auf dem Gelände beim Sportplatz des SVU Mauer ein.

Vor dem riesigen Festzelt gab es Stände von Hilfswerk und Reisebüros und natürlich für die Anmeldung, bei der man den Teilnahme-Button im Bild oben erhielt. Viele Ortsgruppen kamen mit mehreren Teilnehmern, die in ihren unterschiedlich farbigen T-Shirts ein buntes Bild hier am Platz und später auf der Wanderstrecke machten.

Zwei Routen standen zur Auswahl, eine mit rund 6 Kilometern, die zweite mit etwa 9,5 Kilometern. Ich entschied mich für die längere Variante, die wie die andere mehrheitlich über Felder und Wiesen in der Nähe der Ybbs verlief. Dabei streiften wir auch den Ybbstalradweg, der, wenn das Wetter passt, Mitte September auf unserem Plan steht.

Zuerst aber ging es durch eine Siedlung, vorbei an der 2024 fertiggestellten Naherholungszone mit Bäumen, Liegen und einem öffentlichen Obst- und Beerengarten.

Die Wanderer waren motiviert und gut gelaunt, dazu tat das schöne Wetter sein Übriges. Aber auch für Stärkung unterwegs war bestens gesorgt. Die erste Labestelle nach rund 3,5 Kilometern beim Sportplatz Greinsfurth half mit, den ersten kleinen Hunger und Durst zu bewältigen.

Frisch gestärkt ging es gemütlich oder flott, je nach persönlichen Vorlieben wieder weiter, direkt entlang der Ybbs Richtung Süden, wo eine Fahrradbrücke neben der Eisenbahn den Fluss überquert.

Bald waren die nächsten 3,5 Kilometer absolviert und wir erreichten die nächste Labestelle auf einer Lichtung mitten im Wald. Auch hier war mit einem Zelt für Schatten, damit aber auch für einen Unterstand bei etwaigem Schlechtwetter gesorgt. Speisen und Getränke gaben zur Genüge, dass ich mich fragte, ob ich überhaupt noch ein Mittagessen beim späteren Frühschoppen im Festzelt brauchen würde.

Die Senioren-Ortsgruppen von Amstetten, Mauer-Greinsfuhrt und Ullmerfeld- Hausmening- Neufuhrt hatten auf den beiden Labestellen wirklich perfekt für uns rund 2500 Wanderinnen und Wanderer gesorgt.

Ein interessantes landschaftliches Stück lag dann auf unserer Stecke. Der nächste Abschnitt führte hinein in eine rekultivierte Schottergrube, geprägt durch eine Mischung aus freiem Wachstum und angepflanzten Bäumen und Sträuchern.

Das letzte Stück führte kurz entlang der Weyerer Straße B121 und unter ihr durch wieder zurück zum Ausgangspunkt. Dort empfing uns im Festzelt bereits die Musik. Der Musikverein Mauer-Öhling unter der Leitung von Lukas Siegl spielte für uns hungrige und müde Wanderer zum Frühschoppen auf.

Aber nicht nur für Ohrenschmaus war gesorgt, auch der Gaumen kam nicht zu kurz. Das Service war mit vielen Helfern von Musikverein, Feuerwehr, usw. äußerst professionell organisiert. Auch wenn es bis zur Bestellung manchmal etwas länger dauerte, wurden die Speisen und Getränke sehr rasch geliefert und niemand musste verhungern.

Kurz vor der Musik-Pause gab es dann noch ein Ständchen mit Genesungswünschen mit dem „Mein Heimatland Marsch“ für unseren aus gesundheitlichen Gründen abwesenden Landesobmann Karl „Carlo“ Wilfing.

Leider musste ich aus privaten Gründen die gelungene Veranstaltung verlassen, die nicht nur gezeigt hat, dass wir Seniorinnen und Senioren beweglicher sind als vielfach angenommen, sondern auch verstehen zu feiern.

Ein Dankeschön nochmals auch an dieser Stelle von mir als Teilnehmer an die Organisatoren und alle Helferinnen und Helfer, ohne die diese Riesenveranstaltung nicht möglich gewesen wäre!

Die Wanderroute im Überblick

https://www.komoot.de/tour/3256055200?ref=aso&t_s=referral&t_cid=route_share

Tag 1: Vom Triestingtal nach Zell am See

In diesem Blog erzähle ich von der ersten Etappe meiner heurigen Motorradtour in die Schweiz bis zum ersten Ziel in Zell am See.

Mein Plan war, mit meiner Honda Crosstourer in vier Tagen aus Niederösterreich bis an den Zürichsee zu fahren und dabei viele Pässe und Sehenswürdigkeiten in Österreich, Südtirol und in der Schweiz mitzunehmen.

Zum Eingewöhnen waren die flotten Kurven des nur 662 Meter hohen „Hals“ zwischen Pottenstein und Pernitz der erste Teil. Nur ganz so flott, wie ich mir gedacht hatte, wurde es dann doch nicht. Am Vorabend gab es nämlich im südlichen Niederösterreich heftige Gewitter, die einerseits Blätter und Äste der Bäume und andererseits Schotter auf die Fahrbahn spülten und so viele Kurven rutschig machten.

Aber je weiter man dann im Tal der Piesting Richtung Westen und den Rohrer Berg fuhr, desto besser wurde es wieder. Bald kam mir der typische Geruch einer der letzten Holzkohle- Erzeugung in Niederösterreich in die Nase. Direkt neben der Straße wird von der Familie Wieser auf  zwei Höfen in typischen Langmeilern dieses hochwertige Grillmaterial erzeugt.

Nur einige 100 Meter ein ganz ungewohntes Bild, die „Kalte Kuchl“ komplett ohne Motorräder, das gibt es nur sehr früh am Morgen. Den berühmten „Topfinger“ gab es da natürlich auch noch nicht. 

Der Ochssattel mit seinen 820 Metern Höhe ist für viele Biker aus dem Wiener Raum nach dem Topfinger das Ziel der Träume, die Einheimischen meiden ihn daher speziell am Wochenende. Aber an diesem Mittwochmorgen gehörte er mir alleine, kein einziges Motorrad begegnete mir bis hinunter nach St. Aegyd.

In Kernhof schliefen die Kamele und die weißen Tiger des Kameltheaters sicher auch noch.

Über das Gscheid und das Halltal und dann mit einigen Serpentinen hinauf auf den markanten Kreuzberg lag zuerst Mariazell und dann Rasing mit dem kleinen Kirchlein hoch über der B20, bevor in Gußwerk die B24 weiter ins Salzatal abzweigte.

Der Blick nach links auf den Hochschwab und später rechts auf die steile Südseite des Dürnsteins und Hochkars gehören neben der Straße an sich zu den Highlights dieser Strecke.

Mein Plan für diesmal war es, seit langem wieder einmal durch das Gesäuse zu fahren, weil ich ja im letzten Jahr die Strecke über den Buchauer Sattel genommen hatte.

Also bog ich am Ende der Erlauftalbundes- straße B25 in Mooslandl links nach Hieflau ab. Nachdem ich es kurz vor der Abfahrt geschafft hatte, die Garmin Drive App mit dem Zumo Navi zu verbinden, behauptete dieses, dass die Gesäusebundesstraße gesperrt sei. Das konnte aber gar nicht sein, ich hatte ja am Vortag die Route in „Kurviger“ und Google Maps nochmals geprüft, also fuhr ich weiter.

Und dann die Überraschung im echten Leben, die Straße war wirklich gesperrt, und zwar so gut, dass man sich nicht einmal mit dem Motorrad vorbeischwindeln konnte. Asphaltiertierungsarbeiten hatten das für die nächsten drei Tage ausgelöst. Das Learnig: manchmal könnte man dem Navi auch vertrauen… Ich habe mich geärgert und sogar aufs Fotografieren vergessen. Dabei waren es hin und zurück nur zwölf Kilometer in schöner Gegend, also genau genommen kein Problem, wenn der Weg das Ziel ist.

Darum war dann eine Kaffeepause beim Postwirt in Großreifling angesagt. angesagt, wo nebenbei der Blick hinunter auf den Bahnhof und auf die Oldtimer (Porsche Traktor, 1er Golf Rabbit und VW Käfer) in der gegenüberliegenden Werkstatt schon den Stopp wert war. Leider hatte es aufgrund der Sonneneinstrahlung so gespiegelt, dass ich keine Fotos von den Fahrzeugen habe.

Dann fuhr ich diesmal über die kleine Straße des Erbsattel und weiter über den Buchauer Sattel vorbei an Admont bis nach Liezen. Normalerweise weiche ich in den letzten Jahren durch das Ennstal bis Schladming auf schöne Seitenstraßen aus, aber der wenige Verkehr machte das diesmal gar nicht notwendig. Ab Radstatt ging es dann parallel zur A9 auf dem letzten Stück der Katschberg Straße (B 99) über Hüttau bis Bischofshofen.

Nach dem ersten Tankstopp bog ich bei der großen Salzachbrücke links ab und schon ging es in einigen Serpentinen die Hochkönig- Bundestraße B169 hinauf nach Mühlbach und weiter über den 1370 Meter hohen Dienter Sattel vorbei am Hochkönig bis Maria Alm und Saalfelden am Steinernen Meer. Von dort waren es auf der stark befahrenen B311 nur mehr wenige Kilometer bis zu meinem Ziel im Zentrum von Zell am See.

Da es am Abend noch das wöchentliche Sommerfest mit einigen Liveacts und lokalen Schmankerln gab, warf ich mich nach dem Abendessen ins Geschehen und genoss die sommerliche Stimmung.

Dabei entdeckte ich im Vogtturm noch eine Ausstellung zum Porsche Design Prinzip. Ferdinand Porsche und seine Familie lebten ja auch jahrelang in Zell am See.

Die Route am ersten Tag

https://kurv.gr/Mu7cG

Mit dem Motorrad auf den Spuren der Habsburger im Schweizer Aargau

Meinen Heimatort Gaming in Niederösterreich mit der Kartause verbindet mehr als viele wissen mit der Habsburg im Schweizer Aargau. Diesen Spuren bin ich bei meinem Schweiz-Besuch im Juli 2026 ein kleines Bisschen mit dem Motorrad gefolgt.

Zuerst in die Töff-Garage

Bei der Hinfahrt war ein Zwischenstopp in Zürich notwendig, da ich einige Tage davor, noch in Österreich auf meiner Fahrt in die Schweiz, einen Seitenkoffer verklemmt hatte. Die Werkstatt, oder wie man auf Züridütsch sagt, die Töff-Garage, von Moto Taiana konnte mir dabei schnell und unkompliziert helfen und so saß ich schon 20 Minuten später wieder auf meinem Bike.

Weiter in den Aargau

Dann fuhr ich das erste Mal mit dem Motorrad durch die Stadt Zürich, über die Limmat und querte die noble Einkaufsmeile Bahnhofstraße und die Siehl, vorbei am Triemlispital und um den Üetliberg herum hinunter in den Aargau. Die hügelige Landschaft mit den abgeernteten Getreidefeldern erinnert an unsere Bucklige Welt. Nur die Siedlungen sind größer und näher zusammen und der Baustil ist anders als bei uns.

Ein besonders interessantes Objekt bin ich in Rottenschwil überfahren. Die zweijochige stählerne Fachwerkbrücke über die Reuss ist nur einspurig und ich war verwundert, wie geduldig auf beiden Seiten die Autofahrer gewartet haben, bis ich meine Fotos gemacht hatte. Anlässlich der Renovierung 2003 wurde sogar eine eigene Briefmarke dazu herausgegeben.

Der erste markante Ort auf meiner Runde war Muri, dessen Kloster ich mir am Rückweg ansehen wollte. Eine halbe Stunde und einige flotter Kurven später tauchte die Habsburg vor mir auf. Zuerst schien es, sie würde in der Ebene stehen, aber aus der Nähe betrachtet erkannte ich den Burgberg.

Schloß Habsburg

Direkt im Dorf steigt die schmale Straße in einigen Serpentinen hinauf zum Parkplatz am Wüpelsberg gleich unterhalb des Schlosses Habsburg.

Vom ältesten Teil, der Vorderen Burg sind nur mehr die Grundmauern als Ruine erhalten. Diese Teile entstanden ca. 1020, in den 50 Jahren danach wurden der Nord- und Ostturm errichtet.

Die Grundherrschaft der Habsburger wurde immer wieder erweitert und umfasste bald das sogenannte Eigenamt, das Gebiet zwischen Aare und Reuss, das man nach Süden auch von der Burg überblicken kann.

In den nächsten 200 Jahren wurde die Burg von den frühen Habsburgern noch bewohnt, obwohl das Leben ohne Fenster sicher nicht sehr gemütlich war. Daher zog die Familie in die Stadt Brugg und die Burg wurde von Bediensteten betreut.

Albrecht II. „der Weise“

Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man erst vor wenigen Monaten an der Gruft des Gründers der Kartause Gaming in der Kirche Marienthron gestanden ist, nun an seiner Geburtsstätte zu stehen. Albrecht II. wurde Ende 1298 als einer der Letzten der Habsburger-Dynastie noch auf der Stammburg geboren. Er übernahm die Regentschaft in Österreich und der Steiermark im Jahr 1330 und gründete gemeinsam mit seiner Gemahlin Johanna von Pfirt im Jahr 1332 die Kartause Gaming.

Herzog Albrecht II. mit Johanna von Pfirt, Lithografie, 1820
Copyright: Österreichische Nationalbibliothek

Seine Frau starb bereits am 15. November 1351 und wurde in Gaming begraben. Herzog Albrecht II. selbst verstarb am 20. Juli 1358 in Wien und wurde am 23. Juli an der Seite seiner Gemahlin in der Gruft in der Kartausenkirche Marienthron in Gaming bestattet.

Soweit hier zur Verbindung der Habsburg mit meinem Heimatort Gaming im nieder- österreichischen Mostviertel, mehr dazu werde ich sicher in einem späteren Blog schreiben.

1415 verloren die Habsburger den Aargau an die Schweizer Eidgenossenschaft. Die Vordere Burg war schon im Lauf des 13. Jahrhunderts zerfallen. Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons Aargau.

Habsburger-Herzen im Kloster Muri

Eine Reihe von Klosterstiftungen in der Umgebung der Burg ging ebenfalls auf die Habsburger zurück, eine davon ist das Kloster Muri, das das nächste Ziel meiner Motorradrunde sein sollte.

Also ab Richtung Süden, wobei mich die Ortsausfahrt von Brunegg schon wieder zu einem Photostopp „zwang“, weil hier Schweizer, Habsburger und Österreichs Fahne gemeinsam im Wind wehen. Dahinter blickt die Habsburg auf das ehemalige „Eigenamt“.

Nach rund 30 Kilometern vorbei an einer Christbaumkultur (der Aargau ist ein wichtiger Christbaumproduzent für die Schweiz) bog ich in die Marktstraße von Muri ein. Das dort befindliche ehemalige Benediktinerkloster wurde bereits 1027 von den Habsburgern gegründet.

Die Beziehungen zu den Habsburgern schwanden allmählich und die Klosterkirche diente letztmals 1260 als Grablege, denn die mit dem Kloster verbundene Hauptlinie verlagerte bereits 1282 ihren Herrschaftsmittelpunkt nach Wien.

Nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 lösten die Eidgenossen die Habsburger als Schirmherren ab. Der Kanton Aargau hob 1841 das Kloster nach mehr als 800 Jahren auf und löste dadurch den Aargauer Klosterstreit aus, der schliesslich im Sonderbundskrieg von 1847, der letzten kriegerischen Auseinandersetzung auf Schweizer Boden, endete.

Muri als alte und neue Grablege

Die Begräbnisstätten wie die Kaisergruft
in Wien blieben der Familie Habsburg- Lothringen nach ihrer Entmachtung jahrzehntelang verwehrt. Und so besann sich die Familie wieder an Muri. Die Lorettokapelle wurde der neue Bestattungsort und so ruhen dort die Herzurnen von Kaiser Karl und Kaiserin Zita. Das Kloster Muri ist somit die älteste bekannte und zugleich auch die jüngste Grablege seiner Stifterfamilie.

Da ich mir einen Montag für meine „Habsburg-Forschungen“ ausgesucht habe, blieben die Museumstore  und damit mein Zugang zur Lorettokapelle auch hier leider verschlossen.

Das Kloster der Habsburger

Daher blieb mir nur die Klosterkirche mit ihrem Oktogon, das noch heute der größte sakrale Zentralraum der Schweiz ist. Im rechten vorderen Teil des Oktogons befindet sich das Habsburgerdenkmal (111) mit dem Stifterpaar Radebot von Habsburg und seiner Frau Ita von Lothringen. Dahinter und nur vom Museum aus zugänglich liegt die Lorettokapelle (225). Der Leontiusaltar (115) befindet sich an der linken Seite.

Die Superlative haben damit aber kein Ende, der Osttrakt ist mit 222,5 m das größte klassizistische Bauwerk der Schweiz. Gegenüber des Klosters befindet sich der Leontiusbrunnen. Die Figur des Katakomben- heiligen Leontius, dessen Gebeine in der Klosterkirche aufbewahrt werden, prägt den Brunnen.

Der Rückweg an den Zürisee

Nach soviel Geschichte war es wieder Zeit für einige Motorradkurven, die ich über den Albis fahren wollte. Aber egal, welche Straße ich auch nahm, mindestens eine ampelgeregelte Baustelle bremste meinen Fluß. Trotzdem ist der kleine Buchenegg-Pass eine gute Alternative zur stark befahrenen Albis-Straße. Vorbei am Tierpark Langenberg in Langnau am Albis, der zu Begegnungen mit einheimischen Wildtieren einlädt, führte mein Weg hinunter ins Sihltal. über die Sihl und Gattikon bis zu meinem Ziel Thalwil am Zürisee.

Nachbetrachtung

Diesmal war auf meiner Motorradrunde der Anteil der Geschichte ziemlich hoch, aber die Kurven und die angenehme Landschaft bleiben dennoch in bester Erinnerung. Eine Wiederholung nicht an einem Montag, wenn hoffentlich die Aussenrenovierung abgeschlossen sein wird, soll es daher auf jeden Fall geben.

Übrigens passen Gaming, Motorrad und Habsburger auch sonst ganz gut zusammen. Ferdinand Habsburg ist ein österreichischer Automobilrennfahrer, der seit 2022 in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft antritt. Und seine Eltern Karl Habsburg-Lothringen und Francesca Thyssen-Bornemisza hatten im Jahr 1993 nach der Trauung in Mariazell ihre Hochzeitstafel in der Kartause Gaming.

Hin- und Rückfahrt mit dem Motorrad

Kelten, Ritter und ein riesiges Wasserfass – was man bei einer Motorradtour so alles entdeckt…

In diesem Blog schreibe ich über eine kürzere Tour mit trotzdem spannenden Kurven und Zwischenstationen im südlichen Niederösterreich und dem angrenzenden Burgenland.

Ich bin eigentlich Schönwetterfahrer und bin weder bei Regen als auch bei Hitze nicht gern unterwegs. Hier widersprechen wahrscheinlich die, die meinen Blog zu meiner Tour in den Schwarzwald gelesen haben. Trotzdem habe ich mich erst wieder am ersten nicht so heißen Tag nach der Sardinien-Tour aufs Motorrad gesetzt um eine Runde über die Rosalia zu fahren.

Bei der Bezeichnung Rosaliengebirge lächlen die Freunde aus dem Westen Österreichs, die anderes gewohnt sind. Aber hier gibt es genauso wie in der direkt anschließenden Buckligen Welt viele Straßen und Sträßchen, die auf einigen kurvigen Touren erkundet werden können, ohne sich dabei zu sehr zu wiederholen.

Die Burg Forchtenstein stand am Plan, aber an der Kreuzung beim Tor der Buckligen Welt stand eine schwarze Wolke und so bog ich nicht links ab, sondern fuhr weiter Richtung Hochwolkersdorf. Dann war es nicht mehr weit bis zu den Serpentinen von Schwarzenbach.

Am Burgberg gegenüber war der Aussichtsturm zu sehen und so beschloss ich, dem Keltendorf einen Besuch abzustatten. Es war ja sicher schon 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal dort war. Das Dorf war gewachsen und am Weg zum Museumsturm tummelte eine Herde Zwergziegen auf der falschen Seite des Zaunes herum, während auf der anderen Seite einige neugierige, frisch geschorene Alpakas und Straussen herüberlugten.

Also fuhr ich lieber weiter Richtung Süden bis Kobersdorf. Dort finden seit vielen Jahren die Schloss-Spiele unter der Intendanz von Wolfgang Böck statt. Neben den immer wieder besonderen und heiteren Stücken macht der begeisterte Mororradfahrer auch eine gemeinsame Fahrt für Biker vom Mattersburger Pappelstadion bis zum Schloss Kobersdorf. Einige Jahre waren wir auch dabei und fuhren mit mehr als hundert Bikes gemeinsam mit Wolfgang Böck praktisch direkt in die Vorstellung. Das Bild unten mit ihm stammt aus dem Jahr 2015.

Aber heute war keine Vorstellung und so ging es weiter über Lindgraben Richtung Süden, bis die Straße nach Westen in die Bucklige Welt abzweigte. Nach einigen flott zu fahrenden Kurven bog eine kleine Straße zur Ruine Landsee, einer der größten Burgruinen Mitteleuropas, ab. Neben dem geschichtsträchtigen Gemäuer ist der Rundumblick über das südliche Burgenland auf jeden Fall eine Pause wert. Die Bilder stammen aber von meinem letzten Besuch im Herbst 2021.

Waren es in Schwarzenbach die Kelten aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., so sind es auf der Burg Landsee die Ritter aus dem 15.Jahrhundert, die das Geschehen bestimmten.

Bald danach führte mich die Crosstourer wieder Richtung Norden vorbei am Pauliberg, unserem jüngsten Vulkan, der vor 11 Millionen Jahren erloschen ist und auch schön vom Schwarzenbacher Museumsturm zu sehen ist.

In Wismath wollte ich wieder hinunter von den Höhen der Buckligen Welt und fuhr über Hollenthon und dem heute höchsten Punkt der Tour bei Wiesfleck auf 850m Seehöhe bis Krumbach auf die B55 und vorbei an der Kreuzung beim Weissen Kreuz, wo man schon fast beim Eis-Greissler ist. Über Edlitz und weiter über Scheiblingkirchen und links über die Natschbacher Straße ging es nach Neunkirchen hinüber ins Schwarzatal.

Am Kreisverkehr an der Blätterstraße bei Neusiedl am Steinfeld kann ich das Rätsel vom überdimensionalen Wasserfass auflösen. Hier befindet sich schon seit den 1950er Jahren einer  der imposantesten Wasserbehälter und mit 600 Millionen Liter Trinkwasser einer der größten Europas. Der Behälter ist in das Gefälle der Ersten Wiener Hochquellenleitung eingebunden und dient zur Trinkwasserabsicherung ohne zusätzliche Pumpen für die Stadt Wien.

Dieser wird auf einer riesigen Baustelle bis 2036 zum größten geschlossenen „Wasserfass“ Europas mit einem Fassungsvermögen von rund einer Milliarde Liter erweitert. Auch wenn es nicht so aussieht, von dort sorgt das Gefälle dafür, dass das Wasser ohne Pumpen direkt bis in die Millionenstadt Wien fließen kann.

Das letzte Stück meiner mit rund 180 Kilometern eher kürzeren Tour führte dann über Bad Fischau und Steinabrückl zurück zum Ausgangspunkt in Enzesfeld. Es zeigte sich, Fahrer und Motorrad sind in bester Verfassung und gut vorbereitet für die nächste Tour in die Schweiz.

Route: https://kurv.gr/GJFPT

Der Kirtag und das Marktrecht

Der Begriff Kirtag weist auf die Verbindung mit der Kirche und der dort gehaltenen Messe hin. Am Weihetag oder Tag des Kirchenpatrons gesellte sich zur heiligen eben die profane Messe, der Jahrmarkt dazu. Historische Gegebenheiten und Kindheitserinnerungen dazu beschreibe ich in diesem weiteren Blog zum Thema Bräuche, aber auch internationale Beispiele kommen nicht zu kurz.

Standelmarkt mit Tradition

Bis heute ist der Standelmarkt mit Gegenständen des täglichen Bedarfs und Süßigkeiten, wie großen, verzierten Herzen aus Lebkuchen, Schaumrollen oder Zuckerwatte, Teil des traditionellen Kirtags. Die Rolle als Versorger mit Dingen des täglichen Bedarfs hat der Kirtag aber Ende des 20. und im 21. Jahrhundert verloren.

Kaiser Joseph II., dem die „unnötigen“ und die im volkswirtschaftlichen Sinne „unproduktiven“  Dinge ein Dorn im Auge waren, schaffte auch viele Feiertage und Kirchenfeste ab, hauptsächlich um die Zahl der Arbeitstage zu erhöhen. „Seine Majestät haben den allerhöchsten Befehl zu geben geruhet, daß die Kirchweihfeste in den gesammten deutschen Erblanden auf den dritten Sonntag im Monat Oktober versetzet werden sollen …“  mit diesen Worten  verfügte Joseph II. vor 230 Jahren den „Kaiserkirtag“. Das führte aber mancherorts aber dazu, dass dann sowohl die Kirchweihe als auch der kaiserliche Festtag gefeiert wurde.

Bis dahin war es Brauch gewesen, die Kirchweihe an ihrem Jahrestag zu feiern. Meist war es zugleich der Gedenktag des Patrons. Das konnte jedes beliebige Datum sein, mit Ausnahme der „geschlossenen Zeiten“ vor Ostern und Weihnachten, in denen die Kirche keine Tanzunterhaltungen duldete („Kathrein stellt den Tanz ein“).

Das Marktrecht in Enzesfeld

Es ist nicht überliefert, seit wann Enzesfeld das Marktrecht besitzt. Aber schon 1509 wird der Ort im „Beratungsbuch“ als „Markt“ bezeichnet. Es dürfte aber wieder in Vergessenheit geraten sein und nach dem Einfall der Türken 1683, bei dem es nur 36 Überlebende im Ort gab, überhaupt abgekommen sein.

Seit der Gemeindereform von 1848/49 hat die Bezeichnung „Marktgemeinde“ auf österreichischem Territorium jedoch die rechtliche Bedeutung verloren. Von nun an war nämlich das Abhalten von Märkten an eigene Bedingungen innerhalb der Gemeinden gebunden und somit unabhängig vom bis dato eingehaltenen formalen Marktrecht möglich. Das bedeutet faktisch gesehen: Die Bezeichnungen „Markt“ und „Marktgemeinde“ sind seitdem politisch betrachtet ohne Belang.

Im Jahr 1937 beantragte der Enzesfelder Gemeindetag trotzdem „im Hinblick auf die historische und wirtschaftliche Bedeutung“ wieder das Marktrecht, das dann von der NÖ Landesregierung am 31.1.1938 auch gewährt wurde und seitdem gilt.

In Niederösterreich gibt es die meisten Marktgemeinden in Österreich, es sind nämlich 327 Marktgemeinden von insgesamt 573 politisch selbständige Gemeinden.

Kindheitserlebnis Kirtag

Als Kind war es noch ein Erlebnis, einmal im Jahr auf den Kirtag zu gehen. Dort gab es alles, was das Kinderherz begehrte, vom Spielzeug bis zu den Schaumrollen vom Reschinsky, damals nur in Scheibbs. Heute findet man „den Reschinsky“ mit seinen Ständen und Wägen schon auf allen größeren Weihnachtsmärkten und den meisten Kirtagen in Niederösterreich. So hole ich mir dabei fast jedes Mal, wenn ich einen Stand sehe, den Geschmack der Heimat mit einer Schaumrolle, einem Punschkrapferl oder einer Scheibbser Kugel zurück.

Scheibbser Kugel © Reschinsky

Damals war es spannend, in Gaming, Gresten oder Scheibbs „auf den Kirtag“ zu gehen. Die Oma kaufte damals für sich eventuell eine Kleiderschürze oder ähnliches, die Mutter einen Kochlöffel und für die Kinder gab es auch eine Kleinigkeit.

Kirtag in Enzesfeld

In Enzesfeld ist die Pfarrkirche der Hl. Margarete geweiht. Daher fand zumindest ab 1905 jeweils am 20. Juli der Kirtag statt. Seit vielen Jahren wird dieser gemeinsam mit dem Feuerwehrfest am ersten Sonntag im Juli abgehalten, bis Anfang der 1990er Jahre noch in der Schloßstraße. Er wurde dann zum Kaufhaus Scharler verlegt und ist seit einigen Jahren nach einer Zeit in der Fabrikstraße in verkleinerter Form beim Feuerwehrhaus gelandet.

Stiefelkirtag in Leobersdorf

Der Stiefelkirtag findet zweimal im Jahr, im Mai und im November, in Leobersdorf statt. Dabei wird die Leopold Hörbinger-Straße zur Marktmeile, bei der es bei den Standlern wie früher von Kleidung und Geschirr bis zu kulinarischen Leckerbissen alles gibt, was das Herz begehrt.

Das eigene Kirtagsstandel

Als Kind habe ich es mir nicht träumen lassen, dass ich auch einmal einen Kirtagstand haben werde. Aber genau so war es – in den ersten Jahren meiner Obmannschaft beim Hilfswerk Triestingtal (ca. 2011 bis 2015) hatten wir beide Male im Jahr einen eigenen Stand, damals noch in der Südbahnstraße in Leoberdorf vor unserem damaligen Hilfswerk-Lokal, bis wir das wegen mangelnder Einnahmen wieder einstellten, da die meisten Besucherinnen und Besucher des Kirtags nicht auf Kaffee oder ein Glas Wein eingestellt waren.

Ein Schausteller wäre aber sowieso nie aus mir geworden.

Die Österreich-Fotos dieses Blogs habe ich alle am Neuhauser Kirtag im Triestingtal am 14. Juni 2026 gemacht. Dieses traditionelle Fest der Freiwilligen Feuerwehr Neuhaus umfasst neben zahlreichen Kirtagsstandeln einen klassischen Festbetrieb mit musikalischer Unterhaltung und einem Frühschoppen am Vormittag.

Ein paar internationale Beispiele

Zufällig habe ich heuer bereits zwei Märkte außerhalb Österreichs besucht, die sehr gut als Ergänzung zu diesem Blog passen. Eindrücke aus Indien und Thailand runden das Bild ab.

Der Wochenmarkt in Alessandria

Den ersten habe ich auf unserer Heimreise von Sardinien zufällig bei einem Zwischenstopp in Alessandria im italienischen Piemont auf der Piazza Guiseppe Garibaldi entdeckt. Auf diesem, wie ich finde, wunderschönen Platz mit Säulengängen in piemontesisch-lombardischer Architektur herrscht dreimal in der Woche reges Treiben, montags ist der Platz den ganzen Tag, donnerstags und samstags jeweils einen halben Tag lang Marktgebiet, während er den Rest der Zeit profan als Parkplatz genutzt wird.

Hier findet man alles von Kleidung über Schuhe, Töpfe und Pfannen bis hin zu Waschmitteln, einfach alles Mögliche von lokalen, chinesischen, marokkanischen und pakistanischen Straßenhändlern. Dabei ist der Einfluß der arabischen Händler sicher am Größten.

Der Wochenmarkt von Keszthely

Der zweite ist der Wochenmarkt im Stadtzentrum von Keszthely (Ungarn), direkt in der Nähe des Hauptplatzes und des Theaters, leicht erreichbar in der Piac terkepe.

Am Mittwoch und Samstag bieten hier Händler ihre Waren an, von frischem Gemüse und Obst, bunten Blumen, über Honig und Säften gibt es vieles mehr. Hausgemachte Nudeln, Eier aus Freilandhaltung sowie geräucherte Mangalica-Produkte ergänzen das Angebot. Außerdem gibt es frischen Lángos, Lebkuchen und Puszedli (Busserl/Weinbeisser). Man kann sich sogar Schlüssel nachmachen oder Messer schleifen lassen, denn es befinden sich auf dem Marktgebiet auch einige Werkstätten. Ein Teil ist auch ein Flohmarkt, der von Kleidung über Antiquitäten bis zu Dingen des täglichen Bedarfs alles bietet.

Nach langer Zeit habe ich auch wieder einmal ein Rezept, diesmal für die oben genannten Puszedli. Es ist zwar ungarisch, aber das lässt sich ja bequem übersetzen.

Marktbilder aus Hyderabad in Indien

Im Jahr 2007 hatte ich bei meinem Indienaufenthalt die Gelegenheit, einige Märkte zu sehen. Hier zeige ich die Bilder aus dem Zentrum von Hyderabad.

Walking Street Market in Phuket

Wer schon einmal im thailändischen Phuket war, kennt auch den berühmten Walking Street Market. Untenstehend findet ihr meine Erzählung dazu aus dem Jahr 2025.

Markttag in Phuket

Das Sonnwendfeuer

Das Sonnwendfeuer ist aus dem Veranstaltungskalender von Enzesfeld-Lindabrunn nicht mehr wegzudenken. Heuer findet es am Freitag, 19. Juni 2026 bei der Winzerkapelle in den Rieden statt. Zur Geschichte dazu und zu meinen Kindheitserinnerungen schreibe ich in diesem weiteren Blog zu den Bräuchen in Niederösterreich.

Da die Sonnwendfeuer ein recht junger Brauch sind, kann ich mich in meiner Kindheit nicht daran erinnern. Wir waren nur einmal in Reinsberg dabei, als bei einem Bauern auf einer Bergwiese ein großes Feuer entzündet wurde. Erst später, Ende der 1970er und später gab es auch in Gresten immer wieder ein Sonnwendfeuer. Einmal haben wir auch von der Jungen ÖVP Gaming auf der „Kapleralm“ ein Sonnwendfeuer veranstaltet, bei dem wir viele Besucher begrüßen konnten.

Ursprünglich war es ein heidnischer Brauch, der nach der Christianisierung von der katholischen Kirche abgeschafft werden sollte, was aber nicht gelang. Im Mittelalter wurden sogar inmitten der Städte Sonnwendfeuer entzündet, was regelmäßig zu großen Bränden führte. Schließlich legte die Kirche den Gedenktag für Johannes den Täufer auf den 24. Juni und übernahm wie andere auch diesen heidnischen Brauch. Später geriet er zumindest in den meisten Teilen Niederösterreichs wieder in Vergessenheit.

Heute werden in Niederösterreich eher Sonnwend- als Johannisfeuer entzündet. Das bekannteste und größte findet jedes Jahr in der Wachau statt. Während die Schiffe von Krems nach Melk und wieder zurückfahren, werden die Feuer zeitgleich entzündet. In Spitz an der Donau wird die Silhouette der Ruine erleuchtet, ebenso wie die Terrassen des Tausend-Eimer-Berges. Dazu kommt als Abschluss ein großes Feuerwerk. Wir haben dieses Spektakel auch schon in Spitz und in Dürnstein besucht, ein wirklich besonderes Erlebnis.

Ein sehr stimmungsvolles Sonnwendfeuer konnten wir im Jahr 2017 zufällig am Kollmitzberg in der Nähe von Ardagger an der Donau genießen. Während wir auf das Entzünden des Feuers warteten, tauchten auf den Hügeln über der Donau im Waldviertel und dem angrenzenden Mühlviertel viele Feuer auf.

In Enzesfeld-Lindabrunn haben wir von der ÖVP vor ungefähr 30 Jahren als eine der Ersten in der weiteren Umgebung das Sonnwendfeuer eingeführt. Es fand jahrelang beim Frauentalkreuz und findet jetzt in den Rieden in der Nähe der Winzerkapelle statt und ist aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken.