Maiaufmarsch in Kienberg und Enzesfeld

Auch der Maiaufmarsch mit Fackelzug gehört zu den Traditionen nicht nur in Niederösterreich, sondern in ganz Österreich und in vielen Ländern der Welt. In meiner Kindheit und Jugend gab es diese Veranstaltung in den meisten Gemeinden und war auch für jemanden, der wie ich die Sozialdemokratie nur von außen betrachtete, ein beeindruckendes Ereignis. Aus diesem Grund habe ich es auch in meine Blogreihe zu den Bräuchen aus meiner Erinnerung aufgenommen.

Der 1. Mai war ursprünglich ein Feiertag der Arbeiterbewegung, der aus dem Kampf für den 8-Stundentag entstand. 1890 machten Arbeiter zum ersten Mal mit weltweiten Massendemonstrationen unter dem Motto „Heraus zum 1. Mai“ auf ihre Anliegen aufmerksam – auch in Österreich gingen die Menschen auf die Straße. Ab 1891 wurden diese Aufmärsche von der Arbeiterbewegung international durchgeführt. 

Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, wandelte sich der Feiertag gegen den Staat zum Staatsfeiertag. Für die Sozialdemokratie bedeutete der 1. Mai damit eine Bestätigung ihrer staatstragenden Funktion; der radikalen Linken und den Kommunisten war er immer viel zu sehr Feiertag und zu wenig Kampftag. Seit 1926 führt der Maiaufmarsch über die Wiener Ringstraße, das architektonische Zentralsymbol des Wiener Bürgertums.

Während des Ständestaats und der anschließenden Nazi-Diktatur waren die Maiaufmärsche verboten, ein Feiertag blieb er trotzdem, die Ideologie dahinter änderte sich aber dem jeweiligen Regime entsprechend. 

Der erste Maiaufmarsch nach 1945 fand aber bereits am 1. Mai 1945 in Wien statt, kurz nach der Befreiung Österreichs, und wurde von KPÖ, SPÖ und ÖVP gemeinsam organisiert, um die Wiederherstellung der Demokratie und die Interessen der Arbeitnehmer zu feiern, auch wenn die Einheit durch den aufkommenden Kalten Krieg schnell zerbrach und ab 1946 getrennte Aufmärsche folgten. Seit 1949 ist der 1. Mai wieder ein offizieller Staatsfeiertag. 

Der Wiener Maiaufmarsch hatte 1890 noch rund 100.000 Teilnehmer. Er war dann in meiner Wiener Zeit zwischen 1980 und 1990 für mich etwas aus der Zeit gefallen, nachdem es ein offenes Geheimnis war, dass die Gewerkschaften sanften Druck ausübten, damit möglichst viele Mitarbeiter der Gemeinde Wien und der staatsnahen Betriebe auch daran teilnahmen. Meine damalige Freundin und spätere Ehefrau sah das als Schwesternschülerin am damaligen Wilheminenspital (heute Klinik Ottakring) nicht so eng und ging nicht mehr hin. Da das immer mehr taten, führte es dazu, dass heute laut Polizei nur noch einige 1.000 Teilnehmer den Weg zum Ring und vor das Rathaus finden. Die Attraktivität der SPÖ, aber auch aller anderen etablierten Parteien nimmt leider immer mehr ab, was sich natürlich auch beim Maiaufmarsch zeigt.

Noch in den 1960er Jahren erinnerten aber die klassenkämpferischen Slogans beider Seiten an die Zeiten des unsäglichen Bürgerkrieges im Jahr 1934. So war es nicht verwunderlich, dass wir daheim in Kienberg die damaligen Aufmärsche nur sehr weit aus der Ferne beobachteten. Die Fahnen mit der Blasmusik voraus hatten für mich immer etwas von einer anderen Welt.

In den 1970er-Jahren wurde wahrscheinlich die Anzahl der Teilnehmer immer weniger, der Maiaufmarsch in Kienberg wurde eingestellt und es gab ihn nur mehr in Gaming, den ich aber nie gesehen habe.

Als wir 1990 nach Enzesfeld kamen, war der Maiaufmarsch mit Fackelzug noch eine Großveranstaltung in diesem von Industrie und Arbeiterbewegung geprägten Ort. Aber auch hier verlor er immer mehr an Attraktivität und so wird er seit vielen Jahren nur mehr als Gemeinschaftsveranstaltung mehrerer SPÖ-Organisationen in Hirtenberg abgehalten. Ein äußeres Symbol ist das Mai-Abzeichen, das auch bereits seit 1890 jedes Jahr neu aufgelegt wird. Ich habe zwar einige davon im Sinne der guten Zusammenarbeit von meinen SPÖ Gemeinderatskollegen erworben, finde aber leider keines mehr in meinem Fundus.

Der Maibaum

Ursprünglich sollte er böse Geister vertreiben, dann war der Maibaum bis zur 1848er-Revolution verboten und wurde danach ein Symbol für die neu eingerichteten Ortsgemeinden. Später war er in vielen Teilen Niederösterreichs eher vergessen bis er sozusagen wiederentdeckt wurde. Auch das gehört zu meiner Blog-Serie über Bräuche in Niederösterreich.

Die ersten bekannten Maibäume standen laut dem Buch „Niederösterreich – Eine Spurensuche“ nicht im Dorf, sondern mitten in der Stadt: Chronisten berichten dies 1230 vom Wiener Hof. Maibaum-Feste in den heute bekannten Formen mit Volkstanz und Ähnlichem erfand man erst im 19. und 20. Jahrhundert.

In meiner Kindheit kann ich mich an einen Maibaum nicht erinnern. Erst als ich im Jahr 1981 Obmann der Jungen ÖVP Gaming wurde, haben wir einige Jahre lang einen beim Gasthaus Zechmeister und später bei der Petroleum-Bar in der Pockau aufgestellt. Wir veranstalteten dabei noch das „Maibaum-Kraxeln“, wo die mutigsten jungen Männer, bekleidet mit der kurzen Ledernen, um die Wette den Baum hinaufkletterten. Heute wird der Maibaum von den Gemeinderäten beim Haus der Begegnung in Gaming aufgestellt.

In Lindabrunn wurde der erste Maibaum im Jahr 1999 aufgestellt. Entstanden ist die Idee an der Heurigen-Schank, als ein „Zuagroaster“ fragte, warum es hier keinen Maibaum gäbe. Man beschloss, dass das geändert werden müsse, fuhr gemeinsam in den Wald, suchte einen passenden Baum, schnitt ihn um und entrindete ihn. Dann fuhren die Freunde wieder ins Dorf zurück und stellten den Baum vor dem Feuerwehrhaus auf. Einige Heurigengarnituren kamen rasch dazu, beim Getränkehändler wurden einige Kisten Bier geholt und rasch versammelten sich alle Dorfbewohner um den Baum.

Aufgrund des Erfolges sollte der Maibaum nun jedes Jahr aufgestellt werden. Dafür wurde extra der Brauchtumsverein mit Obmann Martin Stockreiter gegründet und nach einigen Diskussionen mit der Gemeindeführung ist dieser Brauch seither aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Er wird jedes Jahr von einem anderen Waldbesitzer, die heute schon auf einer Warteliste stehen, gespendet, von einigen Mitgliedern des Brauchtumsvereins aus dem Wald geholt und im Beisein der schon bei Getränken und Aufstrichbroten wartenden Bevölkerung aufgestellt. Nach 25 Jahren hat Martin Stockreiter im Jahr 2025 sein Amt an Martin Fürst übergeben.

Der Maibaum wird nach rund einem Monat vom Spender und den Mitgliedern des Brauchtumsvereins umgeschnitten. Doch zuerst wird der Baum im Zuge eines Schätzspiels auf die richtige Länge geschätzt und anschließend für einen guten Zweck „amerikanisch“ versteigert. Das heißt, die oder der letzte, der eine Münze in den herumgereichten Hut geworfen hatte, bekommt den Baum.

Im Jahr 2011 lud ich Verwandte und Freunde auch aus der alten Heimat im Ötscherland zum Heurigen nach Lindabrunn ein, um mit mir den 50er zu feiern. Ein zufälliger Höhepunkt war der am gleichen Tag stattfindende Maibaumumschnitt.

Das Spannende dabei war und ist – nicht nur für die auswärtigen Gäste – ob der Baum wirklich auf der abgesperrten Straße und nicht auf einem Hausdach links oder rechts davon landet. Bis jetzt hat das aber dank umsichtiger Vereinsmitglieder noch immer einwandfrei funktioniert.

Auf der Suche nach dem Unmerklichen in Lindabrunn

Ich lasse mich, obwohl ich nicht wirklich etwas davon verstehe, gerne auch auf im ersten Moment außergewöhnliche künstlerische Herangehensweisen ein.
Darum kann ich in diesem Blog über „Das Unmerkliche“ berichten, das zwei Künstlerinnen am Symposion Lindabrunn ins Merkliche gebracht haben.

Was kann man an einem sonnigen Ostermontag in Lindabrunn machen? Man kann zum Beispiel am Symposion dem Wind lauschen und dabei die Flora wirken lassen. Das haben auch zwei Künstlerinnen eine Woche lang gemacht.

Zum Abschluss ließen sie das interessierte Publikum auf Einladung des Vereins Symposion Lindabrunn im Salon im Grünen im Rahmen einer kuratierten Streiftour durch das Gelände des Symposiums auf recht spannende Weise an ihren Arbeitsprozessen teilhaben.

Das Symposionsgelände in Lindabrunn

Das Symposion Lindabrunn gilt als schützenswertes Trockenrasengebiet und beherbergt viele seltene Arten von Tieren und Pflanzen. Das Gelände ist darüber hinaus Naherholungsraum, Kunstarena und Weidefläche zugleich und diente früher den Bewohnern als Halt für Kühe, Ziegen, Schafe, die bis auf die gepflanzten Kirschbäume komplett kahl war.

Das Unmerkliche am Symposion

Jetzt könnte man auch philosophisch an das Unmerkliche herangehen. Dabei gefällt mir persönlich am Besten, dass es den unmateriellen Aspekt des Göttlichen charakterisiert, der im materiellen Leben nicht leicht zu erfassen ist.

Jeder, der mit offenen Augen und Ohren über das Gelände am Symposion geht, spürt diesen besonderen Reiz der Landschaft mit seinen seit vielen Jahren eingebetteten Skulpturen. Das hat auch die beiden Künstlerinnen Elisabeth Wildling und Veronika Mayer dazu inspiriert, dieses Unmerkliche mit ihren Ausdrucksmöglichkeiten erkennbar zu machen.

Elisabeth Wildling und Veronika Mayer

Neben zwei Lärchen, die sie entdeckt hatten und die vermutlich zur Gattung der Wienerwaldlärche gehören, hatten es ihnen besonders eine Birke und eine Schirmföhre angetan. In ihrem einwöchigen gemeinsamen Prozess aus Beobachten, Hören und Vergegenwärtigen entfaltete sich eine ortssensitive künstlerische Praxis, die der Situation antwortet, statt sie abzubilden. Wir durften den beiden Künstlerinnen kurze Zeit dabei über die Schulter schauen und hören, wie sie das in Bild und Ton umgesetzt hatten.

Veronika Mayer, die „Tonkünstlerin“, bereitete sich sogar mit Wetter-und Wind-Apps darauf vor, einen möglichst günstigen Zeitraum für Ihr Experiment zu finden, was aufgrund der Wetterlage vor Ostern gar nicht so einfach war. Mit einem Geophon, das sie im Erdreich am Wurzelansatz des Baumes plazierte, wurden die Klänge auf dieser Ebene hörbar gemacht und technisch verstärkt und vermischten sich mit den normalen  Windgeräuschen. Der Ton, den der Wind am Fuß der jungen Birke erzeugte, war hell, während der Ton bei der Schirmföhre tiefer und voller erschien.

Geophone werden in der Kunst eher selten eingesetzt, dienen aber unter Anderem im Bergbau zur Lagerstättensuche,werden aber auch in Erdbebengebieten zur Ortung von Überlebenden in eingestürzten Häusern verwendet.

Elisabeth Wildling befasste sich mit der visuellen Darstellung des Unmerklichen, in dem sie mit einer Folie, die einerseits Licht reflektiert, aber auch bestimmte Spektren durchlässt und so die  Bäume und trockenen Gräser rundherum in einer ganz besonderen Art und Weise darstellt. Auch die Kuhschelle kam so zu künstlerischen Ehren.

Auf diese Weise geschult und vorbereitet zogen die Besucherinnen und Besucher mit den beiden Künstlerinnen ins Haupthaus, wo die Umsetzung in eine audiovisuelle Projektion gezeigt wird. Das spannende dabei ist, dass Bild und Ton nicht synchron  sind und beides nachbearbeitet ist. So entstand ganz bewusst keine Dokumentation des Ist-Zustandes sondern eben die Darstellung des Unmerklichen, wenn man sich als Betrachter darauf einlässt.

Vergleiche mit bekannten Kunstwerken

Prof. Christian Kvasnicka verglich die positiven Projektionen mit dem „Großen Rasenstück“ von Albrecht Dürer und die negativen Projektionen mit den Baumbildern eines der berühmtesten amerikanischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, Ansel Adams.

Ich hatte im Jahr 2019 die Gelegenheit, das Dürer-Bild, das im Original nur 40,8 x 31,5 cm mißt, in der großen Ausstellung seiner Zeichnungen in der Albertina zu sehen und zu fotografieren und so kann ich hier beides gegenüberstellen.

Projektion

Albrecht Dürer | Das große Rasenstück | 1503 | ©Albertina Museum, Wien

Ansel Adams wurde vor allem bekannt durch seine eindrucksvollen Landschafts- und Naturfotografien  aus den Nationalparks, National Monuments und den Wilderness Areas im Westen der Vereinigten Staaten, für deren Erhalt er sich zeitlebens eingesetzt hat.  Er gilt als ein Vertreter der „straight photography“, der „reinen Fotografie“, die, der Tradition des Realismus in der Malerei folgend, einer strengen Bildästhetik verpflichtet ist.

Projektion der Schirmföhre

Realismus versus das Unmerkliche

Sowohl der Zeichner Albrecht Dürer (1471–1528) als auch der Fotograf Ansel Adams (1902-1984) gelten als Meister des Realismus in ihrem jeweiligen Bereich und trotzdem haben die beiden Künstlerinnen aus meiner ganz unkünstlerischen Sicht mit ihrem Ansatz mehr das Unmerkliche abzubilden, eine ähnliche Dichte mit ihren Projektionen erreicht.

So endete der Nachmittag für uns Zuhörende und Zusehende mit einer neuen Sicht auf die Vielfalt der Natur am Gelände des Symposions Lindabrunn.

Zur Einordnung einige Details zu den beiden Künstlerinnen

Elisabeth Wildling arbeitet als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Design an der Universität für angewandte Kunst Wien. Sie studierte Digitale Kunst (vorm.visuelle Mediengestaltung) und Industrial Design an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Ihre Werke wurden bei Ausstellungen und Festivals international präsentiert, darunter: Chemistry of Life, Globart Academy, ehem. Sammlung Essl, Klosterneuburg (AT), Into Silence, Festival Philosophy Unbound – DETEXT, New Delhi, (IN), Un/Controlled Spaces und viele weitere nationale und internationale Events.

Veronika Mayer studierte Klavier, Instrumental- und elektroakustische Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und ist Komponistin zeitgenössischer experimenteller Musik, deren Spektrum von Instrumentalstücken über elektroakustische Kompositionen bis hin zu Klanginstallationen reicht.

Radrunde mit Schneebergblicken

Traumhaftes Osterwetter, der Schneeberg zum Angreifen nah und viele Frühlingsboten fanden wir auf unserer ersten richtigen Radrunde des Jahres.

Endlich war am Ostersonntag das Wetter auch für uns Schönwetter-Radfahrer so, dass meine Frau gleich am Morgen den Vorschlag machte, eine Runde in der Sonne zu machen. Das bedeutet nicht, dass wir noch nie bei Schlechtwetter unterwegs gewesen wären, da gibt es Beispiele unter anderem von einem Wolkenbruch in Kärnten oder Nebel in Wr.Neustadt, aber das passiert dann einfach wenn man bereits unterwegs ist.

Und so war der Plan nach einigen kleineren Arbeiten im Garten eine kleine Runde zu fahren und unterwegs ein kleines Stanitzel Eis (für die deutschen Feunde: eine Tüte, Hörnchen, Waffel, die Schweizer Leserinnen und Leser sagen Cornet) zu genießen.

Viele Radwege zur Auswahl

Ein Vorteil im südlichen Niederösterreich sind die vielen verschiedenen Radwege und öffentlich befahrbaren Güterwege, die es trotz recht dichter Besiedlung möglich machen, Straßen praktisch nur zu queren und außerhalb von Ortschaften nie länger als einige 100 Meter entlang zu  fahren.

So starteten wir über den Triestingtal-Radweg, von wo wir beim Bahnhof Leobersdorf in den Thermen-Radweg in südlicher Richtung wechselten. Dieser gehört auch zum niederösterreichischen Teil des Eurovelo 9.

Vom Kanal in die Au und Schneeberg schauen

Gemeinsam mit dem Wr.Neustädter Kanal überquerten wir über jeweils eine der  Flußbrücken den Triesting-Hochwassergraben und die Triesting, bis wir bald danach Richtung Schönau in den Triestingau-Radweg wechselten.

Diese beiden Bilder habe ich bereits im Herbst 2022 aufgenommen.

In Tattendorf beschlossen wir, unser Eis in Bad Vöslau zu holen. Hinter der Pfarrkirche führt ein Weg quer über die Ebene Richtung B17, vorbei an blühenden Kirschbäumen. Und hier stand er, nicht zu übersehen, mächtig und weiß, fast zum Angreifen. Der Hausberg der „Wiener Alpen“, der Schneeberg , thronte im Hintergrund des Wiener Beckens und leuchtete mit den Kirschblüten praktisch um die Wette. So machte die erste richtige Radausfahrt des Jahres richtig Spaß.

Die Rehe auf der anderen Seite des Weges ließen sich nicht so einfach mit dem Handy fotografieren, genauso wie der Fasan, der sich in ein Gebüsch flüchtete. Weiter fuhren wir zuerst ein kleines Stück Richtung Helenental-Radweg und dann über den Harter Berg südöstlich von Sooß, wo der Schneeberg das Panorama im Hintergrund dominierte, scheinbar rechts der Vöslauer Harzberg mit der Jubiläumswarte, links davon die Rax und das Hochplateau der Hohen Wand.

Am Blick Richtung Helenental mit der Ruine Rauheneck steht davor am NÖM-Gelände das neue Hochregallager, das quasi von innen nach außen gebaut wird. Das spezielle Stahlgerüst der Regale ist fertig, die Verkleidung mit speziellen Paneelen soll demnächst beginnen.

Zur Eispause in Bad Vöslau

Am Weg hinunter entdeckten wir zwischen den Zeilen der Weinstöcke zwei Rehe, die sich diesmal fotografieren ließen, weil wir anscheinend gegen den Wind standen. Dann ging es den Gleisen der Südbahn entlang bis in die Kurstadt Bad Vöslau, wo wir uns am Schloßplatz dann doch ein etwas größeres Eis gönnten.

Nach einem kleinen Abstecher auf den Lindenberg bei Kottingbrunn ging es am Radweg wieder zurück nach Hause.

Die Route

Auch wenn das Wort „Berg“ mehrmals vorkommt, hat die Route auf den gut 30 Kilometern nur gemächliche 160 Meter Höhenunterschied.

Und weil er am Routenplan so markant in der Mitte liegt: Der Flugplatz Vöslau-Kottingbrunn ist einer der Marktführer im Bereich der nicht gewerblichen Luftfahrt in Österreich mit mehr als 30 000 Flugbewegungen. Historische Bedeutung erlangte der Flugplatz, als die österreichische Regierungsdelegation am 11. April 1955 von Vöslau zu Staatsvertragsverhandlungen nach Moskau flog und Bundeskanzler Julius Raab nach Rückkunft am 15. April auf dem Flugfeld eine erste Rede über den erreichten Verhandlungserfolg hielt.

Link zur Route

Vom Palmsonntag zum Ostersonntag – die Karwoche

Vom Palmbuschen bis zum Spinat am Gründonnerstag erzähle ich in diesem Blog. Ich beschreibe weiter die Karfreitagsliturgie und das Ratschen bis hin zum Osterfeuer und dem Feuerprügel. Die Fastenkrippe ist das Gegenstück zur Weihnachtskrippe. Aufs Osterfrühstück und das Ostereier suchen wird auch nicht vergessen.

Diese Fastenkrippe habe ich 2026 aus dem Restholz eines mehr als 100 Jahre alten Nachtkästchens aus Familienbesitz gebaut.

Die Karwoche und Ostern im christlichen Kontext

Die Karwoche – das Wort wird aus dem althochdeutschen „kara“ oder „chara“ für Klage, Kummer, Trauer abgeleitet – wird in anderen Sprachräumen u. a. auch „Heilige Woche“, „Holy Week“, „Semaine sainte“ oder „Settimana Santa“ genannt.

Am Palmsonntag

Die eigentliche Vorbereitung auf Ostern beginnt am Palmsonntag. Palmen galten im alten Palästina als Zeichen der Königswürde und des Friedens. Die Christen gedenken mit Palmzweigen und einer Prozession des Einzugs Jesu in Jerusalem. Palmen wurden bereits im Altertum als heilige Bäume verehrt. Die gesegneten Palmzweige symbolisieren das wachsende Leben des Frühlings.

Der Palmbuschen für die Palmprozession gehörte und gehört am Palmsonntag zur Tradition. Der Grestner Opa band, wie viele Bauern im Mostviertel, seinen Buschen auf einen Stock, verziert mit Äpfeln und bunten Bändern und dieser war bis zu 2 Meter hoch. Die meisten Familien hatten einen kleineren Palmbuschen, den wir Kinder bei der Palmprozession tragen durften, die in Gresten vom Oberen Markt bis zur Pfarrkirche stattfand und noch immer stattfindet und mit der Palmweihe in der Pfarrkirche endete.

Daheim wurden dann die Hühner „eingehagert“. Meine Kusine, meine Schwester und ich liefen dazu mit dem Palmbuschen dreimal um das ganze Haus inklusive Stall, das sollte die Hühner vor dem Fuchs und anderen Gefahren schützen. Nachher wurde der geweihte Buschen in den Herrgottswinkel gestellt.

Ratschen in der Karwoche

Das Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann die verstummten Kirchenglocken, genau genommen nur die Klöppel, zu vertreten, die immer am Karfreitag nach Rom geflogen waren.

In meiner Kindheit und Jugend waren die Ratschenbuben unterwegs, heute sind es immer mehr Mädchen, die mehrmals täglich durch den Ort gehen, ratschen und Sprüche aufsagen. Ich kenne eigentlich nur einen, nämlich den Englischen Gruß:

„Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruaß, den jeder katholische Christ beten muass. Kniet’s nieder, kniet’s nieder auf euchere Knie, bet’s drei Vater Unser und a Ave Marie”.

Urkundlich erwähnt in Nordbayern im Jahr 1482, gibt es diesen Brauch bei uns seit dem 18.Jahrhundert und gehört mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe.

Ich hatte auch eine Ratsche, die mir in Kienberg Herr Hladky gemacht hatte, ich kann mich aber nicht erinnern, ob ich in meiner Ministrantenzeit auch Ratschenbub war.

In Enzesfeld-Lindabrunn wurde und wird der alte Brauch des Ratschens von den Kindern auch gelebt. Die Mädchen und Buben mit ihren hölzernen Ratschen ziehen durch die Straßen und vertreten die Kirchenglocken bis zur Osternacht. Auch Bürgermeister Stefan Rabl begleitete im letzten Jahr die Kinder beim Einratschen persönlich.

Der Gründonnerstag

Am Gründonnerstag steht die Botschaft vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen zwölf Jüngern im Mittelpunkt. Auf dieses Abendmahl geht auch das Sakrament der Eucharistie zurück. Nach dem Abendmahl, so berichtet es das Evangelium, wurde Jesus verraten und von der römischen Besatzungsmacht festgenommen.

Das letzte Abendmahl als Gemälde und als Bronzeskulptur in Mailand

Das Wandgemälde von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand ist ein in Tempera auf Putz ausgeführtes 4,60 m × 8,80 m großes Kunstwerk und zeigt das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und entstand in den Jahren 1495 bis 1497. Es gilt als Meilenstein der Renaissancekunst und als ein Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen. Es nahm wegen seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe bahnbrechenden Einfluss auf die Malerei des Abendlandes. Auch die bewegte Art der Darstellung der Jünger war ein Novum.

Das letzte Abendmahl in Santa Maria delle Grazie, Quelle: Wikipedia

Bei meinem beruflichen Besuch in Mailand im Jahr 2004 wollte ich Santa Maria delle Grazie besuchen und das bekannte Gemälde ansehen. Aber schon damals war es unmöglich, kurzfristig eine Eintrittskarte zu bekommen. Aber trotzdem habe ich eine weitere besondere Version in Mailand sehen dürfen.

Santa Maria delle Grazie, Quelle: Wikipedia

Beim empfehlenswerten Besuch auf dem Mailänder Monumentalfriedhof (Cimitero Monumentale) habe ich die beeindruckende Bronzeskulptur am Familiengrab der Campari (ja, die mit dem Likör) entdeckt. Geschaffen von Giannino Castiglioni, zeigt das monumentale Werk Jesus und die zwölf Jünger beim letztenAbendmahl. Es ist eines der bekanntesten Kunstwerke auf diesem historischen Friedhof.

Das Mausoleum der Familie Campari auf dem Cimitero Monumentale in Mailand

Mythos Spinat

Eine bis heute gepflegte Tradition ist der Spinat am Gründonnerstag. Prinzipiell hat dieser Tag aber mit dem Essen von Spinat gar nichts zu tun. Die Herkunft der Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass sich das „Grün“ vom mittelhochdeutschen Wort „greinen“ ableitet, was so viel wie weinen bedeutet. Damit wäre das Trauern angesichts der Passion Jesu gemeint. An diesem Tag grünes Gemüse zu essen, beruht also mehr auf einem Volksbrauch.

Die meisten Kinder sind ja keine besonderen Fans des Spinats, da half und hilft auch der Popeye-Effekt nicht wirklich. Popeye der Matrose isst Spinat aus der Dose, um sofort übermenschliche Kraft zu gewinnen und seine Liebste Olive Oyl aus brenzligen Situationen zu retten.

Popeye mit seiner Spinatdose

Wer aber versucht, seinen Bizeps mit einer Portion Spinat pro Tag zu stärken, wird enttäuscht sein. Ich habe eine Studie zur Wirkung eines Nahrungsergänzungsmittels entdeckt. Um den Effekt von zwei Kapseln zu erzielen, müsste man bis zu vier Kilogramm Blattspinat essen. Und zwar pro Tag. Die höhere Dosierung entspricht stolzen 16 Kilogramm des Blattgemüses. Da würde wahrscheinlich sogar Popey aufgeben.

Mir hat Spinat aber immer geschmeckt, da war eher das Rindfleisch dazu das Problem, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Karfreitag

Für evangelische Christen ist der Karfreitag der höchste Feiertag des Jahres. Die katholische Kirche wiederum kennt am Karfreitag wie auch am Karsamstag keine Eucharistiefeier. Der Karfreitag ist neben dem Aschermittwoch der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fasttag gilt. Zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr versammeln sich die Katholiken zu einem Gottesdienst, der sich von allen anderen Feiern während des Jahres unterscheidet.

Osternacht und Osterkerze

Die Karwoche endet mit der Osternacht bzw. der Auferstehungsfeier – zumeist gefeiert in Form von Gottesdiensten in der Nacht auf den Ostersonntag. Sie symbolisiert – etwa in Form der in der Feier entzündeten Osterkerze – den Sieg Gottes über den Tod.

Die Osterkerze ist mit dem Kreuz, dem Alpha und Omega, der Jahreszahl und evtl. weiteren Symbolen geschmückt und sollte anteilig aus Bienenwachs bestehen. Sie wird zu Beginn der Osternachtfeier gesegnet und am Osterfeuer entzündet, wobei fünf Weihrauchnägel, die für die fünf Wunden Christi stehen, in das Kreuz gesteckt werden.

In der Osterzeit (bis einschließlich Pfingstsonntag) brennt die Osterkerze bei jeder liturgischen Feier für alle sichtbar in Ambo- oder Altarnähe. Nach Ablauf der Osterzeit ist ihr würdiger Platz beim Taufbecken.

Das Osterfeuer

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist das Osterfeuer eine lang bestehende Tradition in Österreich. Symbolisch steht dieser Brauch für die Wiederauferstehung von Jesu Christi und für die Sonne als Mittelpunkt des menschlichen Lebens. Somit wird im Frühjahr mit dem Osterfeuer die Sonne begrüßt und der Winter vertrieben. Ich kann mich aber eigenartigerweise als Kind nicht wirklich daran erinnern, wahrscheinlich auch deswegen, weil es in der Kienberger Filialkirche keine Osternachtfeier gab.

Erst später wieder in Enzesfeld, wo im Hof des Pfarrhofes ein kleines Feuer gemacht wurde, an dem die Osterkerze entzündet und dann mit einer kleinen Prozession in die Kirche wurde. Auch die Künstler am Symposium entzünden immer wieder ein Osterfeuer.

Zum Osterfeuer brachten manche Gläubige einen vorbereiteten Holzstock oder ein Holzscheit mit, die im Feuer oder der Glut angebrannt und gesegnet wurden. Diese wurden dabei in den Ställen und Häusern aufgehängt, um das Anwesen und die Bewohner vor Gewitter und Unheil zu schützen. Im Grestner Proviant-Eisenmusem findet sich ein solcher Feuerprügel aus dem Jahr 1955 aus unserem Elternhaus in Ybbsbach.

In Bayern ist dieser Brauch auch heute noch weiter verbreitet. Aber auch im Mostviertel ist diese Tradition unter den Bauern wieder neu aufgelebt, wie auch ein Facebook-Eintrag unseres Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf aus Wieselburg zeigt, der solche Feuerprügel noch 2023 mit seinen Kindern geschnitzt hatte.

Der Ostersonntag

Der Ostersonntag ist im Christentum der Festtag der Auferstehung Jesu Christi, der nach dem Neuen Testament als Sohn Gottes den Tod überwunden hat. Es ist der ranghöchste Feiertag im Kirchenjahr. Mit ihm beginnen das Osterfest und die Osterzeit, zugleich beendet die liturgische Vesper des Ostersonntags das Triduum Sacrum (die heiligen drei Tage). Die Speisenweihe am Ende der Messe gehört zur Tradition ebenfalls dazu.

Die Osterjause

Essen wird zu Ostern großgeschrieben. Kein Wunder, denn wenn die Fastenzeit nach über einem Monat vorbei ist, schmeckt es gleich doppelt so gut. Doch zu Ostern sollten wir uns nicht nur wieder auf den Geschmack vieler Lebensmittel besinnen, auf die während der letzten Wochen vielleicht verzichtet wurde, sondern auch darauf, was hinter unseren Lebensmitteln steckt und welchen Wert Lebensmittel haben. Leider werden in Österreich pro Kopf und Jahr rund 75 kg weggeworfen und vernichtet.

Während früher die religiösen Aspekte von Ostern im Vordergrund standen, ist das Fest heute auch mehr ein Familienfest geworden. Ursprünglich nur mit unseren Töchtern, später dann auch mit ihren Freunden gab es ein gemeinsames Osterfrühstück. Osterschinken, Ostereier, Senf und Kren sind dabei unverzichtbar.

Seit die Enkelkinder da sind, ist daraus immer wieder ein Zusammentreffen der ganzen Patchwork-Familie geworden. Die Enkelkinder genießen solche Feste, wo alle ihre Omas, Opas, Onkel und Tanten dabei sind. Das Osternester suchen ist dabei noch immer ein Highlight.

Ostereier suchen

Am Ostersonntag war es natürlich spannend beim Osternester suchen, das zuerst natürlich daheim in Kienberg und dann auch in Gresten beim Opa nach dem Osterhochamt stattfand. Auch heute ist das für unsere Enkelkinder noch genauso aufregend, zuerst daheim und später bei den Omas und Opas Osternester zu suchen.

Legenden besagen, dass die Tradition des Eiersuchens im Freien einen heidnischen Ursprung hat. Als Zeichen der Fruchtbarkeit und um die Frühlingsgöttin Ostara zu ehren, wurden Eier an Familie und Freunde verschenkt. Doch die Kirche hat das unter strenge Strafe gestellt, woraufhin sie nicht mehr persönlich übergeben, sondern auf Feldern versteckt wurden. Und deshalb suchen wir auch heute noch die Eier in der freien Natur.

Die Fastenkrippe

Die Fastenkrippe oder Passionskrippe – auch Osterkrippe genannt – ist eine Darstellung der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung Jesu im Zeitraum vom Palmsonntag bis Ostern. Im Gegensatz zur Weihnachtskrippe, von der die Bezeichnung „Krippe“ auf sie überging, ist die Passionskrippe relativ unbekannt und selbst in Kirchen nur selten zu sehen.

Die untenstehende Fastenkrippe war im Jahr 2023 als eines von vielen Exponaten bei einer Ausstellung im Diozösanmuseum in St.Pölten zu sehen. Sie zeigt in einem großartigen Szenario das letzte Abendmahl, den Ölberg mit Jesus und den beiden Schächern und auch noch das leere Heilige Grab.

Im Jahr 2025 konnte ich in der Basilika Mariatrost in Graz eine Krippe der sizilianische Künstlerin Angela Tripi bewundern. Hier ist mein Blog dazu nachzulesen:

Eine Passionskrippe aus Sizilien in der Basilika Mariatrost in Graz

Austro-Daimler Fahrzeuge in und aus Wr.Neustadt

In meinem zweiten Blog zum Oldtimer-Museum Wiener Neustadt gehe ich detaillierter auf die Exponate der 8. Sonderausstellung ein, wo noch bis 29.März 2026 außergewöhnliche Exemplare der leider untergegangen österreichischen Automarke Austro-Daimler gezeigt werden und hinterfrage am Ende was aus der Neuauflage des Austro-Daimler Bergmeister geworden ist.

Automobilgeschichte ist Geschichte der lokalen Industrialisierung

Die Familie Fehr hat in Wr.Neustadt vor einigen Jahren ein gar nicht so kleines Oldtimer- Museum Fehrclassiccars eingerichtet, das die Technikgeschichte des österreichischen Automobilbaues auch mittels spezieller Ausstellungen pflegt. Die 8. Sonderausstellung in diesem Rahmen widmet sich noch bis 29. März 2026 der weltweit bekannten Wiener Neustädter Automobilbau-Firma „Austro-Daimler“. Dieser Streifzug durch die Geschichte und die Blütezeit des Automobilbaues bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt wurde von Lisl und Heinz Mesicek in enger Zusammenarbeit mit dem Team Fehr praktisch  direkt am ehemaligen Gelände der Austro-Daimler Werke geplant, organisiert und kuratiert.

Die Maschinenfabrik, Eisen- und Metallgießerei der Brüder Fischer an der Pottendorfer Straße östlich der heutigen Stadionstraße legte 1899 den Grundstein für die Ansiedlung von Daimler in Wiener Neustadt. Damit wurde Wiener Neustadt eines der wichtigsten Zentren der Schwerindustrie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Bilder des ehemaligen Werkes zur Verfügung gestellt von der Sektion Austrodaimler – austrodaimler.at

Für alle, die keine Zeit oder Gelegenheit haben, die Ausstellung in der Stadionstraße noch vor dem 29.März 2026 zu besuchen, zeige ich hier einige Bilder mit meinen dazu gesammelten Hintergrund-Informationen.

Der Austro-Daimler AD 6-17, Baujahr 1920

Der AD 6-17 wurde in den von Ferdinand Porsche geleiteten Austro-Daimler- Motorenwerken für ein Hotel in Südschweden erzeugt. Er galt 1920 als vornehmes und teures Auto, war als Schöpfung von Ferdinand Porsche der österreichische Beitrag in der international prosperierenden Luxuswagenklasse. Die österreichische Flugzeuggesellschaft (ÖFFAG) fertigte den charakteristischen Karosserie- aufbau komplett aus Holz. Der große 6 Zylinderwagen mit Königswellenantrieb, einem Hubraum von 4.400 ccm und 60 PS, war seinerzeit das Spitzenmodell aus Wiener Neustadt und kostete 13 Millionen Kronen, das wären heute rund 1,7 Mio Euro. Die mehr als 100 km/h Höchstgeschwindigkeit konnte er aber nur selten nutzen.

Der Austro-Daimler AD 14-32, Baujahr 1914

Ferdinand Porsche kam im Jahr 1905 zu Austro-Daimler als Technischer Direktor und wurde 1916 ihr Generaldirektor. Da Ehrendoktorat der Universität Wien erhielt er 1917 sicher auch wegen seiner herausragenden Arbeit bei Austro-Daimler. Der AD 14-32 gehörte da sicher auch dazu.

Der Austro-Daimler ADM Sport, Baujahr 1926

Ein 6-Zylinder Blockmotor mit 3 Liter Hubraum und 100 PS verlieh diesem außergewöhnlichen Auto eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Zeitschrift Europa Motor schrieb in der Ausgabe 4 von 1926: „Die Type ADM Sport Dreiliter ist für jene Kategorie Herrenfahrer gebaut, die einen schnellen Sportwagen haben wollen, der sich ohne besondere Adaptierungen nicht nur zur Teilnahme an sportlichen Konkurrenzen eignet, sondern auch als Tourenwagen verwendet wird, der also zugleich Renn- und Tourenwagen ist.“

Es gab eine 2-sitzige und eine 4-sitzige Variante, die auch ausgestellt ist. Europa Motor schreibt dazu weiter: „Der Viersitzer sieht gute Karossierungsmöglichkeiten vor und eignet sich gleich gut als schneller Tourenwagen mit sportlichem Charakter als auch zur Teilnahme an Tourenkonkurrenzen usw.“

Der Austro-Daimler ADR 6 Cabrio, Baujahr 1927

Das ausgestellte Exponat ist der älteste bekannte ADR, ein Köllnsperger K. Roadster und mit rund 2400 Fahrzeugen auch der meist gebaute AD.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, Baujahr 1925

Dieses Fahrzeug trägt noch das Originalkennzeichen der ersten Anmeldung in England und könnte damit mit einer gültigen Versicherung dort auch heute noch gefahren werden.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, oft als „kleiner Sport“ oder „Alpine“ bezeichnet, war ein exklusiver Sportwagen der 1920er Jahre, der von Ferdinand Porsche entworfen wurde. Ausgestattet mit einem 6-Zylinder-Reihenmotor (ca. 2,5–3 Liter), Leichtmetallblock und obenliegender Nockenwelle, bot er hohe Fahrleistungen und wurde durch sportliche Aufbauten mit Cantilever-Hinterradfederung bekannt.

Er ist ein seltenes Beispiel für österreichische Sportwagentechnik aus der Zeit vor der Übernahme durch Steyr. Von der ADM-Serie, einschließlich der Sportvarianten, wurden über 6 Jahre insgesamt ca. 500 Einheiten in Wiener Neustadt gefertigt. Die Bezeichnung 60/70 PS deutet auf die gesteigerte Motorleistung der Sportversion hin.

Der Austro-Daimler ADR 6, Baujahr 1928

Dieser Austro Daimler ADR 6 ist sicherlich kein gewöhnliches Automobil und ein weltweites Einzelstück. Nicht weil es als einziges übrig geblieben ist, nein, es wurde genau nur einmal gebaut.

Das Chassis wurde damals von dem Karosseriebaubetrieb Alexis Kellner – Berlin bestellt, um auf dem Fahrgestell einen Aufbau zu fertigen – und auf der IAA Berlin 1928 ein wirklich „besonderes“ Ausstellungsstück präsentieren zu können. Auf dem IAA-Stand vom Berliner Kellner, fälschlicherweise immer mit Kellner-Paris verwechselt, wurden auf verschiedenen Chassis basierende Cabriolets von Kellner gezeigt. So entstand die Bezeichnung „Kellner Cabrio“.

Der Austro Daimler galt dort als ein echter „Eyecatcher“, der vor allem die Enthusiasten anziehen sollte. Das lag auch an den zahlreichen glänzenden Anbauteilen – sicherlich eine Geschmacksfrage. Innen wurde die Polsterung mit Eidechsenleder bezogen, es könnte jedoch auch eine seltene Schlange gewesen sein.

Genauso besonders war das Verdeck des Cabriolets. Zum einen waren am hellen Verdeck keine Sturmstangen (außen) montiert, zum anderen konnte durch ein spezielles Feder- und Hebelwerk das Verdeck einhändig geöffnet werden. Dies war jedoch nicht die einzige technische Raffinesse. Ein Hebel hinter dem Fahrersitz ließ einen Deckel im Heck „aufspringen“, der den „Schwiegermuttersitz“ zum Vorschein brachte.

Die Austro-Daimler ADR 6 Limousine, Baujahr 1928

Die wunderschöne dunkelblaue Limousine aus der gleichen Typenfamilie ist dagegen kein Einzelstück, sondern war mit rund 2500 Stück sozusagen die Massenware. Das tut ihr aber keinen Abbruch, sie ist technisch am gleichen Level und mit 3 Liter Hubraum und 70 PS auch 120 km/h schnell, ein Spitzenwert für damalige Verhältnisse.

Das älteste und das jüngste Ausstellungsstück ist jeweils ein Feuerwehrauto, beide kommen aus Niederösterreich.

Der Austro Daimler AD 9/20, Baujahr 1912

Der Austro-Daimler AD 9/20 (oft als 20 PS Motorspritze oder Löschfahrzeug bezeichnet) wurde hauptsächlich im Jahr 1912 gebaut. Diese Fahrzeuge waren frühe Feuerwehr- Löschfahrzeuge und Motorspritzen, die in dieser Zeit unter der technischen Leitung von Ferdinand Porsche entstanden.

Das ausgestellte Fahrzeug wurde von 1920 bis 1950 in der Stadt Mödling verwendet und auch im 2.Weltkrieg als eines der wenigen Feuerwehr-Fahrzeuge eingesetzt.

Der Austro Daimler ADGR, Baujahr 1940

Heute gibt es insgesamt nur mehr ungefähr hundert Austro-Daimler, und nur diesen einzigen ADGR als Zeugen der späten Markengeschichte. Er landete nach unbekannter Kriegs-Geschichte zunächst arg ramponiert in Wien, dann übersiedelte er am 20. Juni 1947 zum Preis von 1.550 Schilling zur Freiwilligen Feuerwehr Aspang im südlichen Niederösterreich.

Der 2000 Liter fassende Wassertank und seine Halterungen wurden maßgeschneidert, der Seilwinden-Antrieb war ideal für die Löschwasserpumpe. Die erlaubt übrigens die Beimischung von Löschschaum, damals keine Selbstverständlichkeit. Der Schaum war „bio“, aus Eiweiß und mit entsprechendem Geruch.

Das Fahrzeug besitzt 7 Vorwärts- und 3 Rückwärtsgänge. Kurios ist das Baujahr 1940 – ein Austro-Daimler sieben Jahre nach dem Ende der Firma in Wiener Neustadt, und mitten in einer Zeit, in der „Austria“ äußerst unmodern war.

Austro Daimler D 5 P, Baujahr 1932

Ab 1932 produzierte Austro-Daimler-Puch eine mit einem 250cm³ Puch Motorradmotor ausgestattete Draisine. Sie hatte die Sitze noch hintereinander angeordnet, während das Nachfolgemodell ab 1938, von Draisinentypen der Deutschen Reichsbahn abgeleitet, die Sitze nebeneinander angeordnet hat und es entsteht die Type D 11V, vergleichbar mit der deutschen Bauart „Vorhölzer“.

Zur Vollständigkeit: Austro Daimler ADS R – Der Saschawagen, Baujahr 1922

Der Saschawagen war zwar nicht ausgestellt, ist aber untrennbar mit Wr.Neustadt verbunden, daher möchte ich ihn hier trotzdem vorstellen.

Der Austro-Daimler Sascha ist ein Sportwagen, den Ferdinand Porsche 1922 konstruierte. Den Namen Sascha wählte Porsche nach Alexander „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky, der den Wagen bestellt hatte.

Bei der TARGA FLORIO am 2. April 2022 nahmen insgesamt 4 Sascha-Wagen teil, damals rot lackiert, um für Italiener gehalten zu werden. Zur Unterscheidung waren sie mit Spielkartensymbolen markiert. Graf Kolowrat-Krakowsky schied aber aus, die anderen 3 waren beinahe unschlagbar. Sie belegten Platz 1 und 2, Alfred Neubauer auf dem 3.Sascha-Wagen konnte sogar in der größten Fahrzeugklasse mit dem absoluten Sieger mithalten und blieb über eine Zeit von 7 Stunden 49 Minuten nur 8 km hinter dem Sieger mit einem viermal stärkeren Fahrzeug zurück. Den Helden der Targa Florio wurde in den Österreichischen Daimler Motoren Aktiengesellschaft Werken in Wiener Neustadt ein jubelnder Empfang bereitet.

Die erste Gelegenheit, den Saschawagen zu sehen hatte ich 2019, als das Fahrzeug zur Landesausstellung „Welt in Bewegung“ für kurze Zeit nach Wr.Neustadt zurückkehrte. Das nächste Mal war es 2024 im Porschemuseum in Stuttgart. Leider habe ich in beiden Fällen kein besonderes Foto gemacht, daher muss ich hier beim zweiten Bild auf Wikipedia zurückgreifen.

Vom Oldtimer-Klassiker zum Steak-Leckerbissen

Die mittlerweile 8.Sonderausstellung ist ein Teil des Museums mit rund 70 immer wieder wechselnden Oldtimer-Leckerbissen, unter anderem von automobilen Legenden wie dem Bentley S3 Saloon aus dem Erstbesitz von Frank Sinatra oder dem Cadillac Fleetwood von Elvis Presley und auch dem Steyr 150, der in den Filmen „Der Bockerer“ zum Filmstar wurde.

Zum Abschluss als weiteren Leckerbissen ein Steak im angeschlossenen Restaurant Route 66 kann ich auch noch empfehlen.

Leider scheint das Comeback eines Austro-Daimler Bergmeister gescheitert

1931 wurde der letzte Austro Daimler gebaut. Eigentlich war es der vorletzte, denn es gab 2019 einen neuen engagierten Versuch der Neubelebung im Sinne der Sportwagentradition, den Austro-Daimler Bergmeister ADR 630 Shooting Grand. Das war ein ehrgeiziges Projekt eines niederösterreichischen Ingenieurs, der an die Intentionen von Ferdinand Porsche und die Tradition dieser Wiener Neustädter Marke anknüpfen wollte.

Er baute aus einem AMG-Sechszylinder zusammen mit einen 55-kWh-Akku und gleich drei Elektromotoren einen Hybrid mit 1214 PS Systemleistung, der in 2,5 Sekunden auf 100 beschleunigen sollte. Das Design als Verbindung aus klassischem Gran Turismo und dem Konzept des Shooting Brake wurde Shooting Grand genannt und ist zumindest auffällig und wäre möglicherweise auch richtungsweisend gewesen.

Es gab auch 2019 einige Präsentationen des fahrfähigen Prototypen vom Salon Privé Concours beim Blenheim Palace in England über den Concours d’Elegance an der Villa d’Este in Italien und das Museum Fahr(t)raum in Mattsee bis zur Planai Classic.

Die Homepage www.austrodaimler.com gibt es zwar auch noch aktualisiert im Jahr 2026, aber sonst scheint es seit 2019/2020 keine neuen Aktivitäten zu geben. Schade, das wäre auch 2026 adaptiert noch ein tolles Fahrzeug.

Auf zum Faschingsumzug

Von einigen Jugenderinnerungen an niederösterreichische Faschingsumzüge und von ein paar Eindrücken vom Rosenmontag in Köln schreibe ich in diesem Blog.

Geschichtliches zum Fasching in Niederösterreich

Im Mittelalter wurde man als Narr angesehen, wenn man die Zehn Gebote überschritten hatte, und deshalb beginnt die Faschingszeit am 11.11. um 11:11 Uhr. Ein weiterer Grund ist, dass die Winterfastenzeit damals am St. Martinstag, dem 11.11. begonnen hat und bis zum letzten Tag vor der Fastenzeit gedauert hatte. Da wurde die Welt noch einmal ordentlich „auf den Kopf gestellt“, so wie heute am Faschingsdienstag vor dem Aschermittwoch.

In Niederösterreich feiert man den Fasching zwar nicht ganz so ausgelassen wie in den westlichen Bundesländern, aber auch hier kommen Narren und Närrinnen auf ihre Kosten. Außerdem fanden und finden in manchen Orten noch immer im Jänner und Februar zahlreiche Faschingssitzungen und Maskenbälle (auch „Gschnas“ genannt) statt.

Erinnerungen an die Umzüge in meiner Jugend

Dabei sind in vielen Orten in Niederösterreich Faschingsumzüge eine jahrelange Tradition und wurden in meiner Kindheit und Jugend meistens am Faschingsdienstag durchgeführt. Während der Gymnasiumszeit habe ich oft einen Zwischenstopp in Scheibbs eingelegt, um den Faschingsumzug zu sehen. In der Oberstufe und später war der Purgstaller Umzug das Highlight, wo wir anschließend von Wirtshaus zu Wirtshaus zogen. An den Gaminger Faschingsumzug am Faschingssamstag kann ich mich nur ein oder zweimal erinnern, wo ich auf dem einen oder anderen Wagen ein Stück mitfuhr und so manches alkoholische Getränk konsumiert werden musste. 

In der neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn fand der vom Fremdenverkehrsverein veranstaltete Umzug in den 1990er Jahren ursprünglich noch am Faschingsdienstag statt. Erst nach einigen Jahren, wo die teilnehmenden Wagen und auch die Zuschauer immer weniger wurden, wurde er auf den Faschingssamstag verlegt. Er startete am Platz der Menschenrechte vor der Volksschule und zog dann langsam nach Lindabrunn. Traditionell teilnehmende Wagen waren und sind auch heute noch vom Weinbauverein, dem Musikverein Hirtenberg, der SPÖ, der Fleischerei Sunk und anderen Vereinen. Ab 2010 kam die Liste Schneider mit einem Wagen dazu. 

Ab dem Jahr, als die Junge ÖVP in Enzesfeld-Lindabrunn gegründet wurde, zogen sie ebenfalls jahrelang mit einem eigenen Wagen mit und veranstalteten zuerst in Lindabrunn im „Kirchberger-Keller“ und später in der Hofeinfahrt der Familie Hegenbart eine Faschingsparty. Auch wir mit der „alten“ ÖVP hatten einige Male einen eigenen Wagen. Am Abend ging es dann nahtlos beim Feuerwehrball im Gasthaus Glantschnig weiter.

Dabei habe ich auch meine Frau Evi kennengelernt, das wird aber in der Familiengeschichte erzählt, die nicht in meinem Blog erscheint. 

Und wie ist es bei den deutschen Nachbarn?

Bei uns in Niederösterreich beginnt die intensive Faschingszeit traditionell um den bzw. ab dem Faschingssamstag und endet relativ ausgelassen am Faschingsdienstag.

In Deutschland hingegen wird der Fasching, der bei unseren Nachbarn Karneval genannt wird, ja mehr auf den Rosenmontag verlegt, also den Montag vor dem Faschingsdienstag. Anders als der österreichische Fasching mit christlicher Tradition und Herkunft ist der deutsche „Karneval“ im Mittelalter als Reaktion auf gesellschaftliche Missstände entstanden und hält dem Staat und der Obrigkeit quasi den „Narrenspiegel“ vor.

Während meines beruflichen Aufenthaltes in Köln durfte ich auch am Rande den Rosenmontag miterleben, bei dem gefühlt alle Menschen mehr oder weniger verkleidet mit dabei sind. Bei uns in Niederösterreich geht hingegen der Fasching an vielen Menschen einfach vorbei.

Andererseits habe ich schon in der Früh noch noch nie so viele schlecht gelaunte Menschen in Kostümen gesehen wie in der Passage des Kölner Hauptbahnhofes, obwohl viele von ihnen bereits seit Monaten in  den jeweiligen Gilden mitarbeiteten.

Umgekehrt waren anscheinend wir Österreicher die einzigen in der ganzen Stadt, die an diesem Tag gearbeitet hatten.

Leider konnte ich daher aus Zeitgründen beim Rosenmontagszug nicht dabeisein oder einer der Karnevalssitzungen und mit Auftritten von Büttenrednern beiwohnen, die wir Österreicher ja nur aus dem Fernsehen kennen. Hier ist aber unser Villacher Fasching auf jeden Fall zu vergleichen.

Brauchtum aus meinem Erleben und meinen Erinnerungen

Viele Bräuche, die in meiner Kindheit im Ötscherland begangen wurden, haben sich bis heute erhalten und werden in ähnlicher Form auch in meiner neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn gefeiert. Einige sind etwas abgewandelt und ein paar sind neu dazugekommen.

Osterfeuer beim Symposium Lindabrunn 2016

Österreichisches Brauchtum und Traditionen im Rückblick und aus meiner Sicht seit meiner Kindheit bis heute werde ich im Lauf des Jahres immer zum passenden Datum in dieser Blogserie behandeln. Die Idee dazu entstand im Zuge der Recherche zu unserer Familiengeschichte, wo im bäuerlichen Umfeld das Brauchtum immer eine Rolle gespielt hat.

Da es eine subjektive Sicht ist, fehlt manchen Lesern sicher das eine oder andere oder kennt es eventuell in etwas anderer Form. Es sind eben meine Erinnerungen oder Erzählungen von älteren Verwandten, die entweder wieder Erinnerungen geweckt haben oder mir dadurch interessant genug erschienen sind, um aufgezeichnet zu werden.

Die Bräuche im Jahreskreis

Hier findet ihr immer die aktuellen Links der Blogserie:

1 Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Hl. Drei Königen

2 Auf zum Faschingsumzug

3 Vom Ei zum Osterei

4 Vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag – die Karwoche

5 Der Maibaum

6 Maiaufmarsch in Kienberg und Enzesfeld

Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Heiligen Drei Königen

Der Jahresanfang ist gleich mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen gefüllt. Nicht nur im ersten Eintrag meiner Blogserie erzähle ich von den Bräuchen aus meiner Erinnerung und von den Erzählungen meiner älteren Verwandten.

1. Jänner: Neujahrswünsche

Am 1. Jänner und in den Tagen danach sind im Mostviertel schon bald nach dem 2.Weltkrieg die kleineren Kinder zu den Nachbarbauernhöfen gegangen und haben „A guads neichs Joar“ gewünscht. Dafür gab es dann den einen oder anderen Groschen oder gar Schilling als kleines Trinkgeld.

In anderen Gegenden wurde das nicht nur von den Kindern praktiziert. Das „Anklöckeln“ war ein Brauch im Advent, bei dem verschiedene Gruppen von Haus zu Haus gingen und dabei Lebensmittel oder Geld erhofften. Damit es nicht zu offensichtlich war, sangen sie Weihnachtslieder und wünschten Glück und Segen.

5. Jänner: Frau Bercht und ihre Zoderwascherl

Am Vorabend des Dreikönigstages trippelten hinter der Frau Bercht in langer Reihe die armen, zarten „Zodawascherln“ einher, es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. Es war auch der Brauch, den ich eigentlich nur mehr von Erzählungen kannte, an diesem Abend nach dem Abendessen eine Schüssel voll Milch mit Semmelbröckerln für die Frau Bercht und ihre Kinder auf den gedeckten Tisch zu stellen. Die Löffel jedes Familienmitglieds wurden hineingelegt und ein Löffel dann umgedreht. In der Früh hat man dann den Kindern erzählt, dass die Bercht von dem umgedrehten Löffel gegessen hat.
Ich hatte als kleines Kind sehr viel Respekt vor diesen armen Seelen. Das ist auch einer der Bräuche, die in dieser Form erst im beginnenden 20. Jahrhundert wiederentdeckt oder neu erfunden wurden.

6. Jänner: Die Heiligen Drei Könige

Ich war zwar Ministrant, aber nie selbst einer der Sternsinger, die in den Tagen vor dem 6. Jänner von Haus zu Haus zogen. Erst später, als ich bei Herrn Pfarrer Zainzinger Mesner und Lektor in der Kienberger Filialkirche war, wanderte ich einige Jahre als Begleiter mit den 3 Königen Kaspar, Melchior und Balthasar und dem Sternträger in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming von Haus zu Haus. Das Geld, das wir sammelten, kommt damals wie heute der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar zugute, die damit Entwicklungshilfe- Projekte speziell für Kinder und Jugendliche unterstützt.

Die Filialkirche der Pfarre Gaming in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming (2014)

Da das im kalten Winter war und wir wirklich bei jedem Wetter unterwegs waren, wurden wir in manchen Häusern zum Aufwärmen eingeladen. Wir erhielten Wurstbrote, Weihnachtskekse und einen heißen Tee. Ich als Begleiter musste ihn, wie damals bei den Bauern im Mostviertel üblich, natürlich mit Schnaps trinken, was für einen 15–16-jährigen Buben nach einigen Häusern recht anstrengend wurde.

Ein Seitenblick zum Schnapstee

Noch bis in die 1990er war es bei den Bauern im Ötscherland üblich, dass im Winter jeder Besuch einen Schnapstee angeboten bekam. Heute wird er auch noch angeboten, es wird aber akzeptiert, wenn man ablehnt. Wobei das Wort Schnapstee wörtlich zu nehmen ist, es ist eben kein Tee mit Schnaps wie auf der Schihütte, sondern ein Getränk aus halb Schnaps und halb Tee. Der sehr starke Obstler oder Zwetschkerne wurde dabei auch noch kurz mitgekocht, was der Stärke des Getränkes aber nicht schadete.

Serviert wurde und wird er in einem dicken Glas mit Stiel, im täglichen Gebrauch meist unbemalt, zu festlichen Anlässen bemalt wie am Bild unten. Der Löffel ist dabei bereits im Glas und dient als Wärmeleiter, damit das Glas nicht springt. Einige Würfelzucker vervollständigten das für Ungeübte recht gefährliche Getränk. Dazu wurden Weihnachtskekse und Kletzenbrot serviert.

Der Alkohol fällt während des Trinkens nicht besonders auf und das verleitet dazu, mehr als einen zu trinken. Das wiederum rächt sich später an der frischen Luft.

Schnapstee mit Weihnachtskeksen und Kletzenbrot

Damals durften noch keine Mädchen Sternsingen, das änderte sich erst viele Jahre später. Ich habe das dann zur Jungscharzeit meiner beiden Töchter auch noch einmal in unserem neuen Heimatort Enzesfeld gemacht, wo ich mit ihnen und ihren Freundinnen von Haus zu Haus zog und Spenden sammelte. Die Zeiten hatten sich geändert und wir wurden nicht mehr überall freudig empfangen, so manche Tür blieb verschlossen, obwohl die Bewohner daheim waren. Die Kinder bildeten sich dadurch schon recht früh eine Meinung über manche Leute.

Das allgemein bekannte „C + M + B“ an unseren Eingangstüren bedeutet übrigens nicht Caspar+Melchior+Balthasar“ sondern „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

Wir freuen uns jedes Jahr auf den Besuch der Sternsinger-Kinder in Enzesfeld, aber leider finden sich nicht immer genügend Kinder um alle Haushalte zu besuchen.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter

Eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition in Scheibbs möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da ich mich als Kind erinnern kann, dass wir uns das auch angesehen hatten, weil unsere Mutter die Initiatoren noch aus der Schule kannte. Im Jahr 1947 veranstalteten die Brüder Wilhelm und Josef Beer sowie Alois Krenn den ersten Dreikönigsritt in Scheibbs. An fünf Stationen von der Kapuzinerkirche bis zur
mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche sangen sie hoch zu Ross das selbstgeschriebene Hirtenlied „Mir san die drei König“. Seit 1993 reiten nun die Söhne Andreas, Klemens und Alois Krenn als Kaspar, Melchior und Balthasar von der Klosterkirche zur Pfarrkirche und halten die weitum bekannte Tradition hoch, die es auch schon einige Male geschafft
hat, vom ORF gezeigt zu werden.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter (Foto zur Verfügung gestellt von Plopp Wieland)

Update am 2.1.2026

Wie die NÖN berichtet, macht der Dreikönigsritt im Jahr 2026 eine Pause. Die Heiligen Drei Könige Alois, Andreas und Klemens Krenn treten zurück und übergeben nach 32 Jahren die Kronen an die nächste Generation. Der jüngere Bruder von Alois, Willi, möchte nach einem Jahr Pause den Dreikönigsritt wieder vom Hause Krenn aus weiterführen.

Sternsinger-Spruch aus den 1970er/1980er/1990er Jahren:

Es zieh’n aus weiter Ferne drei Könige einher,
sie kamen von drei Bergen und fuhren übers Meer.

Das Kind liegt in der Krippe, so wunderlieb und klein, das schönste Kind auf Erden, im goldnen Himmelsschein.

Wir haben’s angebetet und Opfer dargebracht,
und zogen dann von dannen noch in derselben Nacht.

Lindabrunner Sternsinger mit Susanne Rappold-Schlägl und Altbürgermeister Franz Schneider

„Curated Woods“ oder: Wie man aus Abstraktem Konkretes werden lässt

Mit diesem Blog bleibe ich in meinem Heimatort Enzesfeld-Lindabrunn und beschäftige mich das erste Mal mit einem lokalen Künstler von internationalem Format und einem kleinen aber umso feineren Ausschnitt aus seinem Werk.

Wie meine regelmäßigen Leserinnen und Leser wissen, schreibe ich neben anderen Themen gerne über Ausstellungen, die ich in Wien, Zürich, Dresden oder sonstwo besucht habe. Dabei ist bisher ein Kleinod durch den Rost gefallen. Mein Freund Prof. Christian Kvasnicka macht immer wieder spannende Aktionen oder lässt mich einfach in sein Atelier bei uns in Enzesfeld sehen, aber ich habe noch nie davon berichtet.

Christian Kvasnicka mit einem seiner Werke in der Spitalskirche

Diesmal war es ähnlich, er machte in diversen Foren und WhatsApp-Gruppen bekannt, dass er in einem weiteren Kleinod in unserem Ort, in der Spitalskirche, die ihm auch sehr am Herzen liegt, eine Bilderserie ausstellt. Mit dem beigefügten Foto war mir sofort klar, dass ich diese Bilder schon vor Jahren am Symposion Lindabrunn gesehen habe.

Schon damals, im September 2010, hatten mich die 10 Bilder unter dem Titel „Curated woods“ im Format 200 x 95 cm fasziniert und so habe ich auch eine Fotoserie davon gemacht, die die Wechselwirkung zwischen Bildern, Bäumen und den Steinskulpturen zeigen sollten.

Der Künstler selbst bezeichnet seine Werke als gestische Synapsen der Sinne. Die scheinbar abstrakten Bilder ergeben laut ihm durch den synaptischen Einfluss Informationen an das Gehirn, das daraus seine eigenen realen Bildwelten zu formen beginnt. Es entstehen dabei immer mehr Traumtänzer, Echsen, Fische und Pflanzen, die sich immer wieder neu definieren und strukturieren.

Ich habe ohne Genehmigung von Christian ein kleines Experiment gestartet und zwei seiner Bilder an jeweils einer Stelle bis ins kleinste Detail seziert und genau das gefunden, was er oben beschreibt.

Das erste Objekt, zuerst am ersten Foto im rechten Teil, habe ich in drei Stufen herausgearbeitet. Ich will euch als Betrachter keine Antwort vorgeben, nur ist das aus meiner Sicht sicher keine Fee. Was ihr aber seht, sei euren Augen und Synapsen überlassen.

Die zweite Serie beginnt ebenfalls mit dem Gesamtbild aus dem Wald. Das rechte Werk am Foto habe ich für mein Experiment genommen, um nach drei Vergrößerungen etwas ganz anderes als beim ersten Mal zu finden, aber doch wieder in die Richtung der Intention des Künstlers zu gehen scheint.

Auch hier gilt: „Ein jeder soll sich daraus selbst ein Bild machen“.

Natürlich ist mein „Experiment“ weder technisch noch fachlich und schon gar nicht künstlerisch fundiert, aber mir macht es immer wieder Spaß, mit etwas Augenzwinkern an ein Kunstwerk heranzugehen, ich hoffe,  Christian, du verzeihst mir!

Der Kraft, die speziell im originalen Umfeld in den Bäumen des Symposions Lindabrunn von diesen Werken ausgegangen ist, wenn man sich dort darauf eingelassen hat, tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil.

Abseits des künstlerischen Wertes hat mich interessiert, wie eine Leinwand ohne Schaden und Farbveränderung die wochenlange Präsentation im Freien bei Wind und Wetter überstehen kann und auch 15 Jahre später keine sichtbaren Veränderungen zeigt. Was für mich dabei spannend ist, dass durch die Tinktur, die Christian verwendete, die Leinwand sehr dicht, aber trotzdem weich und relativ geschmeidig geblieben ist und die Acrylfarben darauf auch nach langer Zeit nicht gebrochen sind.

Und sie zeigt für mich nur eine kleine Facette des Künstlers Christian Kvasnicka, der neben seinem persönlichen künstlerischen Schaffen auch viel Geld für das Rote Kreuz mit der genialen Idee auf die Beine gestellt hat, indem er 25 Jahre lang bedeutende österreichische Maler von Attersee bis Nitsch überzeugte, mit Druckgrafiken leistbare Werke höchster künstlerischer und technischer Qualität zu schaffen und sie dem Art Collectors Club des Wiener Roten Kreuzes zur Verfügung zu stellen.

Sein Engagement in der Gemeinde, wo er unter anderem immer wieder Kinder animiert, zu zeichnen und zu malen ist ebenfalls nicht wegzudenken.

Ich aber werde wieder über Christian berichten, wenn ich meinen Blog zur Schule des Sehens von Oskar Kokoschka schreibe und seine Verbindung dazu erläutern möchte.