Der Maibaum

Ursprünglich sollte er böse Geister vertreiben, dann war der Maibaum bis zur 1848er-Revolution verboten und wurde danach ein Symbol für die neu eingerichteten Ortsgemeinden. Später war er in vielen Teilen Niederösterreichs eher vergessen bis er sozusagen wiederentdeckt wurde. Auch das gehört zu meiner Blog-Serie über Bräuche in Niederösterreich.

Die ersten bekannten Maibäume standen laut dem Buch „Niederösterreich – Eine Spurensuche“ nicht im Dorf, sondern mitten in der Stadt: Chronisten berichten dies 1230 vom Wiener Hof. Maibaum-Feste in den heute bekannten Formen mit Volkstanz und Ähnlichem erfand man erst im 19. und 20. Jahrhundert.

In meiner Kindheit kann ich mich an einen Maibaum nicht erinnern. Erst als ich im Jahr 1981 Obmann der Jungen ÖVP Gaming wurde, haben wir einige Jahre lang einen beim Gasthaus Zechmeister und später bei der Petroleum-Bar in der Pockau aufgestellt. Wir veranstalteten dabei noch das „Maibaum-Kraxeln“, wo die mutigsten jungen Männer, bekleidet mit der kurzen Ledernen, um die Wette den Baum hinaufkletterten. Heute wird der Maibaum von den Gemeinderäten beim Haus der Begegnung in Gaming aufgestellt.

In Lindabrunn wurde der erste Maibaum im Jahr 1999 aufgestellt. Entstanden ist die Idee an der Heurigen-Schank, als ein „Zuagroaster“ fragte, warum es hier keinen Maibaum gäbe. Man beschloss, dass das geändert werden müsse, fuhr gemeinsam in den Wald, suchte einen passenden Baum, schnitt ihn um und entrindete ihn. Dann fuhren die Freunde wieder ins Dorf zurück und stellten den Baum vor dem Feuerwehrhaus auf. Einige Heurigengarnituren kamen rasch dazu, beim Getränkehändler wurden einige Kisten Bier geholt und rasch versammelten sich alle Dorfbewohner um den Baum.

Aufgrund des Erfolges sollte der Maibaum nun jedes Jahr aufgestellt werden. Dafür wurde extra der Brauchtumsverein mit Obmann Martin Stockreiter gegründet und nach einigen Diskussionen mit der Gemeindeführung ist dieser Brauch seither aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Er wird jedes Jahr von einem anderen Waldbesitzer, die heute schon auf einer Warteliste stehen, gespendet, von einigen Mitgliedern des Brauchtumsvereins aus dem Wald geholt und im Beisein der schon bei Getränken und Aufstrichbroten wartenden Bevölkerung aufgestellt. Nach 25 Jahren hat Martin Stockreiter im Jahr 2025 sein Amt an Martin Fürst übergeben.

Der Maibaum wird nach rund einem Monat vom Spender und den Mitgliedern des Brauchtumsvereins umgeschnitten. Doch zuerst wird der Baum im Zuge eines Schätzspiels auf die richtige Länge geschätzt und anschließend für einen guten Zweck „amerikanisch“ versteigert. Das heißt, die oder der letzte, der eine Münze in den herumgereichten Hut geworfen hatte, bekommt den Baum.

Im Jahr 2011 lud ich Verwandte und Freunde auch aus der alten Heimat im Ötscherland zum Heurigen nach Lindabrunn ein, um mit mir den 50er zu feiern. Ein zufälliger Höhepunkt war der am gleichen Tag stattfindende Maibaumumschnitt.

Das Spannende dabei war und ist – nicht nur für die auswärtigen Gäste – ob der Baum wirklich auf der abgesperrten Straße und nicht auf einem Hausdach links oder rechts davon landet. Bis jetzt hat das aber dank umsichtiger Vereinsmitglieder noch immer einwandfrei funktioniert.