Heimreise 3: Vom Centovalli zum Lago Maggiore und über den San Bernadino

In diesem Blog erzähle ich von Gebirgstälern, mehr Haarnadelkurven als ursprünglich geplant, der Hitze am Lago Maggiore und von der Fahrt über den San Bernadino, der nichts mit dem Großen St.Bernhard zu tun hat.

Ich habe im vorigen Blog gar nichts zum Hotel geschrieben, obwohl man nur ganz selten so etwas Außergewöhnliches findet. Allein die Lage des kleinen Hotels Locanda Piemonte Daa Sciolla mitten in der Altstadt und Fußgängerzone von Domodossola ist genial. Die Zimmer befinden sich in einem turmartigen geschmackvoll renovierten Gebäude mit Blick vom kleinen Balkon in die Fußgängerzone. Erreichbar ist es mit dem Motorrad nur halblegal durch einige mit Flußkieseln gepflasterte Gässchen. Zusätzlich hatte ich das Glück, dass ich meine Crosstourer direkt am privaten Unterstand der Besitzerin parken konnte.

Das Frühstück war dann die Draufgabe. Die Gastgeberin kam immer wieder mit kleinen Spezialitäten vorbei und kümmerte sich zuvorkommend um ihre Gäste, sodass man sich sehr wohl fühlen konnte.

Durch das Centovalli

Aber ich wollte ja weiter, und zwar durch das Centovalli bis Locarno und weiter über Bellinzona den San Bernadino hinauf bis Splügen. Vor zwanzig Jahren haben meine Frau und ich das „Tal der 100 Täler“, wie das Centovalli übersetzt heißt, in der einen Richtung mit der Vigezzina-Centovalli Bahn und dann in der anderen Richtung mit dem Auto erkundet und diesmal ist das Motorrad dran.

Nach einigen Kurven mit recht viel Montagmorgen-Verkehr Richtung Domodossola öffnete sich das Tal, das hier genau genommen noch Valle Vigezzo heißt.

In Santa Maria Maggiore, wo sich jedes Jahr Schornsteinfeger aus aller Welt treffen,  erinnert ein Museum an die zahlreichen Kaminfegerkinder, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem in den Städten Norditaliens als Schornsteinfeger arbeiten mussten. Auch das Museo di Val Verzasca in Sonogno auf Schweizer Seite thematisiert die Geschichte der Kaminfegerkinder. Das Buch „Die schwarzen Brüder“ erzählt deren bedrückende Geschichte in Romanform.

Gleich neben der Straße fotografierte ich, wie ich erst beim Schreiben dieses Blogs herausgefunden habe, die älteste Kirche des Valle Vigezzo, die Pfarrkirche Santa Maria Assunta.

Nach soviel Geschichte ging es weiter in den nächsten Ort Malesco, wo die SS631 Richtung Süden über das Orassotal bis Canobio am italienischen Teil des Lago Maggiore abzweigt. Ich fuhr aber rechts weiter auf der SS337 Richtung Schweizer Grenze. Bei der Überquerung der Brücke über den Melezzo Orientale, der das Tal durchfließt, entdeckte ich am Ufer eine kleine Kirche, die ich mir ansehen wollte. Die Oratorio Madonna del Gabbio wurde im 18. Jahrhundert auf einer alten Kapelle errichtet und wäre auch interessant zu besichtigen gewesen, aber es fand gerade eine Feier statt, die ich nicht stören wollte, daher gibt es von mir nur Bilder von außen.

Also fuhr ich wieder zurück auf die Hauptstraße und weiter Richtung Centovalli, wo ich gerade unterhalb der Straße das erste Mal die Chance hatte, regulär stehen zu bleiben und die Centovalli-Bahn zu fotografieren.

Der Wallfahrtsort des Valle Vigezzo heißt Re, einer der vier Orte in Italien mit dem kürzesten Namen (die drei anderen sind Ne, Ro und Vo) und wird von der Wallfahrtskirche Madonna del Sangue dominiert, die eigentlich aus zwei Kirchen besteht. Die erste Kirche aus dem Jahr 1627 wurde zu klein und so wurde eine zweite neobyzantinische Kirche angebaut und im Jahr 1958 eingeweiht.

Einige imposante Kurven, Brücken und Tunnels weiter erreichte ich die Grenzstation zur Schweiz in Ribellasca, natürlich über eine Brücke und mein kurzer Italientrip war schon wieder vorüber.

Gleich anschließend erreichte ich wieder ein Highlight des Centovalli, den Lago di Palagnedra. Dieser Stausee mit der 72m hohen Staumauer ist mehr als zwei Kilometer lang und in seinem Ostteil bis zu 300m breit.

Auf dieser Tour kamen Brücken und Viadukte nicht zu kurz, die Bahn querte bei Verdasio hoch oben in einem Bogen die noch verwinkeltere Straße und bald auf einer wunderschönen Eisenbrücke bei Intragna.

Mein letzter Halt im Centovalli war in Tegna, einem kleinen Ort mit der malerischen, aber verschlossenen Kirche Santa Maria Assunta und dem danebenliegenden Pfarrhaus direkt an der Bahnlinie, an der ich dann anschließend beim Schranken ein letztes Mal die Centovalli-Bahn fotografieren konnte.

Ein Abstecher ins Maggiatal bis ins Bergdorf Fusio

Gleich dahinter, in Pontebrolla zweigt das Maggiatal ab, eines der größeren der  namensgebenden Täler des Centovalli. Da ich schneller durchs Centovalli durch war als gedacht, wollte ich noch dieses Seitental bis ins letzte Dorf, Fusio, erkunden.

Die ersten Kilometer nach dem Taleingang war der Verkehr extrem stark, die Nähe von Locarno und Ascona machte sich bemerkbar. Aber nach den ersten Ortschaften wurde es merkbar weniger, nur an manchen Stellen parkten die Fahrzeuge der Badenen, die sich von der extremen Hitze im Fluß Maggia abkühlten.

Viele alte Stadeln in der traditionellen Steinbauweise und Kapellen prägen neben der imposanten Landschaft den Charakter dieses Tales.

Ein interessanter Zylinder mit schrägem Dach fiel mir im Dorf Mogno weiter hinten im Tal auf. Den Hintergrund dazu erfuhr ich erst beim späteren Recherchieren.

Ein Lawinenunglück verschüttete 1986 das Dorf und zerstörte die Kirche San Giovanni Battista aus dem 17. Jahrhundert. Da das Dorf unbewohnt war, gab es zum Glück keine Toten und Verletzten. Der Tessiner Architekt Mario Botta ersetzte die Ruine durch eine neue Bergkirche in Form eines 17m hohen Baus in zylindrischer Form mit geneigtem Glasdach und Streifenmuster aus Marmor und Gneis. Er schuf damit ein neues Identifikationsobjekt in diesem Tal und ein Wahrzeichen moderner Sakralarchitektur.

Ab der Brücke bei Mogno wurde die Straße praktisch einspurig, das Postauto fuhr aber, wie in der Schweiz üblich, auch diese Strecke regelmäßig. So hoffte ich, dass mir nicht nur bei den Spitzkehren keines entgegenkommen würde. Und ich hatte Glück, nur ein einziges Motorrad kam die steile Strasse herab.

So waren die zwei Kilometer bis hinauf ins Dorf Fusio schnell und ohne Probleme geschafft. Geparkt wird etwas unterhalb des Dorfes, das wie hingeklebt am Berghang gegenüber steht. Darum wanderte ich dann gemütlich die Dorfgasse hinauf, hier kommt nur ein kleines Auto durch und das ist daher den Einheimischen vorbehalten.

Ein Restaurant, die Antica Osteria Dazio lädt mit seiner Glastür, die auf den ersten Blick so gar nicht in das Dorfgefüge passt, zum Eintritt und man ist in einem wunderschönen modernen und doch passenden Ambiente. Ich hatte das Glück, noch einen Platz auf der Terrasse zu bekommen, was nach diversen Rezensionen gar nicht so selbstverständlich zu sein scheint. Der Brasato al Merlot (Rinderschmorbraten), eines der regionalen Spezialitäten, schmeckte mit dem Wahnsinnsblick in das Val Lavizzara so gut, dass ich aufs Fotografieren vergessen habe. Wenn man es rustikal mag, kann man hier sein Matratzenlager auf dem Heuboden beziehen, wo bis zu 14 Personen schlafen können. Es gibt aber auch noch andere wunderschöne Zimmer.


Eine Runde durch das Dorf auf 1280 Metern Seehöhe mit den vielen noch mit Stein oder Schindeln gedeckten Gebäuden und der Kirche musste dann natürlich schon gemacht werden, bevor ich wieder zum Motorrad zurückkehrte.

In der Zwischenzeit war das Postauto auch schon angekommen, jetzt könnte nur noch ein LKW oder großer Traktor die Hinunterfahrt etwas spannender machen.

Kurz vor Lavizzara kamen noch die letzten spektakulären rund zehn Haarnadelkurven, die eigentlich ein gemauerter Zick-Zack im Steilhang sind.

Copyright: quäldich.de

Danach öffnete sich dasTal hinunter nach Peccia, wo sich die Maggia tief eingeschnitten hatte.

Hitze von Locarno bis Bellinzona

Dann ging die Fahrt flott das Tal hinaus nach Locarno, wo ich am Yachthafen noch einen kleinen Zwischenstopp bei einem Becher Eis einlegte. Die Stadt selbst hatten wir schon einige Male besucht, daher machte ich diesmal auch wegen der Hitze keine Sightseeing-Runde.

Über die Grenzen der Schweiz ist die Stadt am Lago Maggiore auch durch das Locarno Film Festival bekannt, das diesmal zum 79. Mal vom 5. bis zum 15. August 2026 stattfand.

Ich bin ja recht hitzebeständig, aber die anschließende Fahrt über die B13 von Locarno bis Bellinzona war mit rund 39 Grad in dieser Hinsicht der Höhepunkt. Der Verkehr zwischen den zusammengewachsen Orten mit vielen Ampeln war extrem stark, was das in der Schweiz verbotene Vorfahren auch praktisch unmöglich machte. Da war ein Supermarkt die willkommene Abkühlung und zwei Flaschen kühles Wasser brachten den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot.

Viel Panorama und schöne Kurven auf dem San Bernadino

Erst nach Bellinzona wurde der Verkehr wieder flüssiger, da die meisten Fahrzeuge ja die Autobahn über den San-Bernadino-Pass nahmen. Die Bundesstraße B13 verläuft gut ausgebaut mit raschen Kurven durch das Misox vorbei am Castello di Mesocco bis auf 1608 Meter ins Dorf San Bernadino GR am Südportal des 1967 eröffneten Schnellstraßentunnels der A13.

Die gelbe Rundkirche im Ortszentrum wurde 1897 geweiht und stellt eine Nachahmung der Basilika San Carlo al Corso in Mailand dar.

Auf 2066 Metern ist dann die Scheitelhöhe mit dem Hospiz, das aber an einem Montag Ruhetag hat und daher geschlossen war. Für einige Fotos hat es trotzdem gereicht.

Auch wenn es nicht nur für mich verwirrend war, besteht trotz der Namensähnlichkeit keine Beziehung zu den Pässen Grosser Sankt Bernhard zwischen Martigny und Aosta, den ich ja bei dieser Tour am zweiten Tag auch überqueren wollte, und dem Kleinen St.Bernhard zwischen Courmayeur im italienischen Aostatal und Séez in Frankreich. Jetzt habe ich diese beiden Pässe auf der Rückfahrt von der Route des Grandes Alpes im nächsten Jahr eingeplant.

Bis hinunter zum Nordportal des Tunnels war in der kargen Felslandschaft nochmals eine der vielen Ampelbaustellen dieser Tour und bald ging es mit mindestens 15 Haarnadelkurven ins Tal des Hinterrhein.

Von dort verlief die B13 vorbei an den Dörfern Hinterrhein und Nufenen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Pass) bis Splügen, wo ich in den letzten Jahren schon zweimal nach der Passauffahrt von Chiavenna kommend, gelandet war. In der nächsten Ortschaft Sufers, direkt an der A13, lag dann mein Tagesziel, das Hotel Seeblick oberhalb des Suferer Stausees.

Beim Abendessen auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf den See war es dann mit 20 Grad im Vergleich zu den 39 Grad in Locarno recht frisch, aber erholsam nach diesem intensiven Tourtag.

Die Route des dritten Heimreisetages

In Kurviger: https://kurv.gr/YxLbg

Heimreise 2: Kein Bernhard, sondern das Rhonetal hinauf und über den Simplonpass nach Italien

Statt über den Großen St.Bernhard fuhr ich wegen des Regenwetters das Rhonetal hinauf und den Simplonpass von Norden nach Süden und nicht wie ursprünglich geplant vom italienischen Süden nach Norden. Dafür entdeckte ich auf meinem ungeplanten Abstecher nach Saas-Fee einen autofreien Wintersportort.

Als ich wach wurde, hörte ich schon den Regen draußen. Das hörte sich nicht besonders gut an und ich hoffte, dass es nach dem Frühstück besser sein würde. Und wirklich, der Regen hatte aufgehört, nur waren die Berge um Martigny alle von Nebelschwaden und Wolken verhangen. Ein italienischer Radfahrer, der gestern erst den Großen St.Bernhard heruntergefahren war, riet mir, die Fahrt über diesen Pass zu verschieben, es würde heute nicht mehr wirklich besser werden.

So disponierte ich um und nahm mir vor, den Simplonpass von Brig im Norden nach Domodossola im Süden zu fahren und nicht umgekehrt. So bleibt der Große St.Bernhard weiter auf meiner Bucketlist, ich brauche ja auch Pläne fürs nächste Jahr auf meiner Rückfahrt von der Route des Grandes Alpes.

Nachdem es nicht wirklich zu regnen aufgehört hatte, zwängte ich mich in die Regenkombi und dann war das Rhonetal aufwärts meine nächste Etappe. Die ersten 15 Kilometer durch einige Dörfer waren praktisch schnurgerade, nur durch einige Kreisverkehre unterbrochen.

Dann tauchten oberhalb von Sion zwei Hügel mit Burgen auf, links die Burg Tourbillon und rechts davon die Basilika von Valère (Valeria).

Ende des 13. Jahrhunderts errichtet, wurde das Schloss 1417 während des Aufstands von Walliser Patrioten zerstört und im 15. Jahrhundert komplett wiederhergestellt. Beim „Grossen Brand“ im Mai 1788 wurde es dann endgültig zerstört und erholte sich davon nicht mehr. Die Ruinen werden heute dank der Stiftung Schloss Tourbillon instandgehalten und überragen Sion und das Rhonetal.

Die Domherrensiedlung mit der Basilika von Valère liegt seit dem 12. Jahrhundert auf dem niedrigeren Hügel und wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil vollendet. Seither ist sie beinahe unverändert in ihrem Gesamtvolumen und beherbergt die älteste noch bespielbare Orgel der Welt.

Dass das Rhonetal das wichtigste Weinanbaugebiet der Schweiz ist, war mir schon bekannt, bevor ich hier durchfuhr und die Bilder zeigen es ja schon am Anfang dieses Blogs. Und trotzdem ist mir während einem meiner Fotostopps nicht aufgefallen, dass ich direkt gegenüber einem der größeren Weingüter halt machte. Die Les Celliers de Sion wurden 1992 von den beiden Winzerfamlien Varone und Bonvin gegründet. Diese Weinkellerei auf über 1000 Quadratmetern ist gleichzeitig der Zugang zur ersten Weinerlebniswelt der Schweiz am Fuße des spektakulären Terrassenweinbergs von Clavau.

In Leuk wird aus der deutschsprachigen Rotten die französischen Rhone, die durch den Regen der vergangenen Nacht groß und reißend geworden war. Leuk ist außerhalb der Schweiz nicht so bekannt wie der im Tal oberhalb liegende Wintersport- und Thermalkurort Leukerbad.

In der Zwischenzeit war das Wetter besser geworden, darum wollte ich noch Saas-Fee besuchen. Das ähnlich wie Zermatt autofreie Saas-Fee (1800 m ü. M.) liegt zu Füssen des höchsten Bergs der Schweiz, des Dom (4545 m) und ist ein bekannter Wintersport- und Wanderort.

Schon die ersten Kilometer der Zufahrt sind spektakulär. Die 270 m lange, gebogene Chineggabrücke ist seit 2023 Teil der Umfahrung der Ortschaft Stalden. Sie löste die 1959 errichtete Iliasbrücke ab, von der man einen schönen Blick auf die Merjenbrücke hat, die 1930 errichtet wurde, um das Saastal auch für den damaligen Schwerverkehr zugänglich zu machen. Insgesamt 30 Brücken und Stege, die Fußgänger, Bahn, Strassenverkehr oder auch das Wasser über die zahlreichen Gräben führen, machen Stalden zum Brückendorf der Schweiz.

Nach diesen Kurven führt die Straße nicht mehr ganz so spektakulär über Saas-Balen mit seiner Rundkirche und Saas-Grund hinauf bis zum Parkhaus von Saas-Fee.

Den Ort selbst muss man zu Fuß erkunden, wobei die traditionellen, schwarzgebrannten Walliser Holzhäuser und die alten Stadel auf Stelzen das Bild am Ortseingang prägen.

Nach einem Kaffee mit Kuchen in einem der vielen kleinen Cafes machte ich noch eine Runde durch den Ort, bei der es wieder zu regnen begann und ich froh war, meine Regenkombi noch nicht ausgezogen zu haben.

Saas-Fee wurde erst im Jahr 1951 mit einer Autostrasse erschlossen, blieb aber seitdem ein autofreies Dorf. Heute sind, wie auch in Zermatt, spezielle Elektroautos als Taxi und Transportfahrzeuge unterwegs, was aber dem Tourismus keinen Abbruch tut, eher im Gegenteil.

Auch der Blick hinunter und das Tal hinaus bot immer wieder schöne Ausblicke, ein paar davon konnte ich auch mit Bildern dokumentieren.

In Visp bog ich wieder rechts in das Tal der Rotten  (hier noch in Deutsch für Rhone) ab, aber schon gute fünf Kilometer weiter kurz vor Brig kam schon ein großer Kreisverkehr, wo der grüne Wegweiser die Schnellstraße zum Simplonpass anzeigte. Hier gab es auch eine Zusatztafel, die diesen Teil als mautfrei kennzeichnete.

Geradeaus wäre die Strecke Richtung Furkapass und Nufenenpass weitergegangen, die ich bei meiner ursprünglich geplanten Tour über den Großen St.Bernhard und den Simplonpass in der Gegenrichtung genommen hätte.

Der Simplonpass führt mit breiten langen Kurven, die ganzjährig befahrbar sind, bis auf den Scheitel auf 2005 Meter hinauf und verbindet die Schweiz von Brig im Wallis mit Domodossola in Italien. Er ist zwar motorradtechnisch nicht aufregend, gilt aber trotzdem als einer der schönsten Alpenübergänge. Recht bald kam das nächste Brückenhighlight, die Ganterbrücke, die seit 1981 befahren werden kann.

Der Simplon ist flott zu fahren und bietet nur wenige Möglichkeiten für Fotostopps und so war ich recht bald beim Simplon Restaurant, das aber geschlossen war.

Einige Kurven weiter erreichte ich aber wirklich die Scheitelhöhe auf 2000 Metern Seehöhe, von wo es links zum Simplon-Hospiz geht, in dem seit 1831 die Chorherren vom Grossen Sankt Bernhard Pilger und Gäste empfangen. Rechts der Straße blickt der neun Meter hohe Simplon-Adler als Symbol der Wachsamkeit zur Erinnerung an die „Wacht am Simplon“ während des 2. Weltkriegs herunter.

Und dann schon einige Höhenmeter hinunter, auf rund 1400 m liegt unterhalb der Straße das Alte Hospiz. Es ist ein noch immer beeindruckender Bau, der 1650 errichtet wurde, als nur ein Saumpfad über diese damals schon wichtige Verkehrsverbindung führte. Heute gehört es der Schweizer Armee und dient als Truppenunterkunft.

Im weiten Tal von Domodossola war es dann schon recht heiß und ich war froh, meine Regenkombi ausziehen zu können, als ich mein Hotel direkt in der Fußgängerzone gefunden hatte. Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich noch eine Runde durch die Altstadt, bevor ich mir in einer Trattoria eine richtige italienische Pizza bestellte, auf die ich mich schon seit Tagen freute.

Die Route am zweiten Rückreisetag

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/2VMYm

Tag 4: Serpentinen, Brücken, Pässe, Welterbe und eine Seedammüberquerung

Auch der letzte Anreisetag in die Schweiz hatte wieder einige besondere Leckerbissen in Form von außergewöhnlichen Brücken, einem Welterbe-Kloster, Pässen und Landschaften zu bieten. Dabei kam die Bikerseele auf mehr Serpentinen als geplant auch nicht zu kurz.

Das Wetter an meinem letzten Anreisetag an den Zürichsee war wieder wunderschön und in Sulden, auf rund 1900 Metern Seehöhe, auch nicht besonders heiß. Darum saß ich nach dem Frühstück recht rasch auf meiner Crosstourer und fuhr die Suldenstraße talabwärts bis zur Kreuzung mit der Stilfserjochstraße in Gomagoi. Ein paar Fotostopps habe ich natürlich auch gemacht.

Kurz vor Prad entdeckte ich auf der rechten Seite einen renovierten Kalkbrennofen, den ich mir ansehen wollte, praktischerweise lag auf der anderen Straßenseite gleich ein Parkplatz und ich konnte einmal ganz regulär halten, nicht immer ganz selbstverständlich bei meinen Fotostopps. Dieser Kalkofen ist das letzte erhaltene Bauwerk dieser Art im Vinschgau und wurde 2024 restauriert.

Nach Prad bog ich bald links ab, um die fast schnurgerade SP50 durch das Vintschgauer Obstanbaugebiet bis Glurns zu nehmen. Eine besondere Rarität, die Palabirne oder auch Türkische Birne wächst hier noch auf alten Bäumen auf manchem Hofanger.  Hier im Vinschgau im Westens Südtirols findet diese alte Sorte ideale Bedingungen für eine optimale Reifung vor.

Von Glurns geht es einerseits hinauf zum Reschensee, ich wollte aber in der anderen Richtung ins Val Müstair im Schweizer Graubünden und dann weiter über den Ofenpass fahren. Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz war auf beiden Seiten unbesetzt, Schengen in Reinkultur.

Am Weg durchs Val Müstair musste ich natürlich beim UNESCO-Weltkulturerbe Kloster St.Johann in Müstair kurz anhalten. Für einen Besuch hatte ich aber diesmal keine Zeit.

Ein kurzer Fotostopp auf der Passhöhe am Ofenpass gehörte dann natürlich auch noch dazu. Hier auf diesem Pass hatte ich definitiv die meisten Radfahrer in den letzten vier Tagen vor mir. Wenn man da jedesmal wartet, bis man mit genügend Abstand überholen kann, versteht man die „Freude“ über so manche Radfahrer.

Beim Hinunterfahren führt die Straße über eine Hochebene, wo links und rechts die Bäume tot sind. Zur Ursache, warum das genau hier so ausgeprägt ist, konnte ich nichts finden.

Jetzt hatte ich noch den Fluelapass bis Davos vor mir, den ich bis jetzt schon zweimal in der Gegenrichtung gefahren war. Dabei begann es immer mehr zu regnen und ich machte meinen Stopp auf der Passhöhe nur ganz kurz.

Beim Hinunterfahren nach Davos war es bald mit dem Regen wieder vorbei und im Tal war sogar die Straße schon wieder trocken.

Nach einem raschen Blick und einigen Fotos über den Davosersee mit dem 2444 Meter hohen Hüreli im Hintergrund startete ich die Crosstourer wieder und fuhr die letzten Kilometer und Kurven hinauf nach Klosters.

Klosters bezeichnet sich selbst als kleines Bergdorf und ist primär durch den Wintersport gemeinsam mit Davos über die Schweizer Grenzen hinaus ein Begriff. Im Gegensatz zu Davos hat sich Klosters aber noch etwas mehr Ursprünglichkeit bewahrt, wie ich bei einem kleinen Dorfspaziergang feststellen konnte.

Nach einem wirklich guten Burger mit anscheinend handgemachten Pommes im Vorgarten des Hotels Piz Buin direkt an der schönen Brücke über die Landquart startete ich wieder los.

Das nächste Highlight wartete bereits am Ortsausgang. Die Sunnibergbrücke ist eine Schrägkabelbrücke und Teil der Ortsumfahrung Klosters und ist weltweit prämiert und gewürdigt worden. Mit ihren 525 Metern überquert sie in 60 Metern Höhe in einem Bogen die Landquart. Ich bog in eine steile Seitengasse hinunter zum Fluss ab, um ein schönes Foto zu bekommen. Auf dem Rückweg musste ich am Bahnschranken der Räthischen Bahn warten und konnte dabei einige Bilder des querenden Zuges ergattern.

Jetzt wollte ich meine letzte Etappe von rund 150 Kilometern ohne größere Unterbrechungen in Angriff nehmen. Aber schon zehn Kilometer später, in Schiers, wurde ich auf einen Wegweiser zu einem „World Monument“, der Salginatobelbrücke aufmerksam, von der ich bei meinem letzten Schweizbesuch das erste Mal gelesen hatte. 1991 wurde die Salginatobelbrücke von der American Society of Civil Engineers (ASCE) zum International Historic Civil Engineering Landmark (Meilenstein der Ingenieurbaukunst) ernannt. 

Es ging mit einigen Serpentinen, die auch hier die Stilfserjochstraße harmlos wirken lassen, die einspurige Straße 3,5 km den Berg hinauf. Die Brücke überquert ebenfalls einspurig in 90m Höhe das Tal, um die Zufahrt zu einigen kleinen Bergdörfern zu ermöglichen.

Das gesamte Betonmaterial wurde von Hand gemischt und mit Karretten zugeführt. Die heikelste Phase war der Guss der dünnen Bogenplatte, der ohne Unterbrechung von beiden Seiten her absolut symmetrisch durchgeführt werden musste und nach 40 Stunden mühevoller Arbeit vollendet war. Mitte August 1930 konnte das Bauwerk dem Verkehr übergeben werden.

Meine Fotos sind auch ok, aber ich muss mir trotzdem ein Bild aus der Galerie der Brückenhomepage ausborgen. Und es wäre nicht die Schweiz, wenn die Brücke keine eigene Postautohaltestelle hätte.

Den Berg hinab zur Landquart-Straße mit der Hoffnung, dass es keinen Gegenverkehr gibt, war dann schneller erledigt als das Hinauffahren. Und jetzt sollte es endgültig zu meinem Ziel am Zürichsee gehen. Da ich den Walensee jetzt schon mehrmals auf der Südseite passiert habe, wollte ich diesmal auf der anderen Seite vorbeifahren, was aber nicht direkt geht, da dort das Gebirge noch steiler abfällt als herüben.

Es gibt direkt am See nur eine kleine Stichstraße mit einigen Tunnels ins Dorf Betlis mit den Seerenbachfällen und der Rinquelle, die ich mir für nächstes Jahr vorgenommen habe.

Darum musste ich von Gams, das westlich von Feldkirch liegt, den Berg hinauf. Dort fuhr ich die Straße mehr oder weniger Richtung Nordwesten bis Wattwil, um dann Richtung Südwesten bis Rapperswil an der Nordseite des Zürichsees zu kommen.

Von Rapperswil aus konnte ich über den ein Kilometer langen Seedamm den Zürichsee überqueren. Bis jetzt hatte ich das nur per Bahn oder per Pedes entlang des wunderschönen Holzsteges gemacht.

Auf der Südseite des Sees wurden die Wolken immer dunkler, aber ich hatte auch nur mehr ungefähr 20 Kilometer bis zu meinem Ziel, also konnte mir nicht mehr viel passieren. Dachte ich. Aber der Wettergott war mir jetzt nicht mehr gut gesinnt und es begann bei der Umleitung in Wädenswil zu schütten. Kurz vor meinem Ziel in Thalwil war es dann zwar wieder vorbei, aber die Viertelstunde hatte gereicht, dass ich durch und durch nass war.

Und trotzdem war es schön!

1180 Kilometer waren praktisch trocken, dafür gaben sich die letzten 15 Kilometer umso nasser, was aber der Freude trotzdem keinen Abbruch tat, dass ich nach 4 Tagen und vielen interessanten Erlebnissen ohne besondere Vorkommnisse gut angekommen war.

Die Route am vierten Anreisetag

Route in kurviger: https://kurv.gr/K3G8K

Tag 2: Über den Großglockner zu Reinhold Messners Museum in Bruneck

Der zweite Tag meiner Tour in die Schweiz war vom Kopfsteinpflaster auf dem höchsten Pass Österreichs, einem Porsche-Sondermodell, einem Erlkönig, einer 90 Meter hohen Hängebrücke und Reinhold Messner geprägt.

Nach dem vorzüglichen Frühstück im Hotel Steinerwirt in Zell am See bestieg ich in der gegenüberliegenden Tiefgarage meine Honda Crosstourer und fuhr zuerst wieder ein Stück zurück Richtung Norden. Ich wollte den Zeller See auf der Ostseite umfahren, um einerseits nochmals einen schönen Blick auf die Stadt und den See zu erwischen und andererseits dem Morgenverkehr an der Kreuzung der B311 von Saalfelden und der B168 von Mittersill zu entgehen.

Eigentlich könnte man dieses Gebiet auch Porsche-Land nennen. Die Schmittenhöhebahn, mit 27 Bergbahnen, die Schifffahrt samt dem futuristischen Bootshaus für das Flaggschiff MS Schmittenhöhe, das Schloßhotel Prielau, die Porsche Design Studios in einem Gewerbegebiet, eine große Land- und Forstwirtschaft und der Flughafen in Zell am See gehören nämlich den Porsches. Das Schüttgut, der Stammsitz der Familie, liegt oberhalb des Südufers des Sees. Ein 911er-Sondermodell GT3 90 F.A.Porsche erinnert gerade 2026 an die Anfänge hier.

Copyright: porsche.at

Daran dachte ich aber bei der Bootsanlegestelle in Thumersbach, wo in der Nähe auch der Schriftsteller Stefan Zweig in den 1920er und 1930er Jahren seine Sommerfrische verbrachte, nur ganz kurz. Der Blick über den See auf das gegenüberliegende Städtchen und die Schmittenhöhe dahinter und Richtung Süden auf das Kitzsteinhorn und den Großglockner war einfach zu schön.

Mit diesen Eindrücken fuhr ich bei ganz wenig Verkehr über Bruck an der Glocknerstraße bis zur Mautstelle Ferleiten auf der Salzburger Seite.

Die Tageskarte als günstigste Möglichkeit kostet heuer (2026) für Motorräder 36,50 Euro. Nachdem ich es im Vorjahr wetterbedingt nicht geschafft hatte, (siehe: Der Tag der nicht gefahrenen Straßen) begleitete mich heuer Kaiserwetter die Serpentinen hinauf.

Auch der Tunnel beim Hochtor lud sowohl auf Salzburger als auch auf Tiroler Seite zu einem kurzen Fotostopp ein.

Auch auf Kärntner Seite war das Wetter uns Bikern hold, obwohl um ca. 9 Uhr weder von den selbsttretenden als auch motorisierten sehr viele unterwegs waren. So konnte ich die Strecke bis zur Abzweigung auf die Edelweißspitze fast ohne Unterbrechung genießen und mich auf die Auffahrt dorthin freuen. Nur ein Murmeltier meinte, kurz vor meinem Motorrad nochmals die Straßenseite wechseln zu müssen.

Die Edelweißspitze liegt am Ende einer rund zwei Kilometer langen Stichstraße, die beim Fuscher Törl von der Großglockner Hochalpenstraße abzweigt. Die gepflasterte Straße mit sieben engen Kehren ist beinahe ein Muss für Motorradfahrer, ein bisschen Übung schadet aber dabei nicht. Die habe ich nach dem Stilfser Joch und einigen noch mehr herausfordernden Pässen im Mai  (siehe Von Savona bis zum Iseosee und übers Stilfserjoch) auf jeden Fall und so konnte ich mich wenige Minuten später über die Rundumsicht freuen.

Dann ging es flott die Kurven hinunter bis Heiligenblut, wo ein Blick auf die Kirche immer wieder dazugehört. Einen BMW-Erlkönig entdeckte ich auch zufällig.

Die Abfahrt bis zum Iselsberg und weiter über Dölsach nach Lienz war dann flott und gemütlich zugleich. Diesmal durchfuhr ich die Stadt nicht auf der Bundesstraße, sondern zweigte rechts ab um rascher auf die Felbertauernstraße B108 zu kommen. Ich wollte zuerst ins Virgental zu einer interessanten Hängebrücke, bevor ich durch das Deferegental auf den Stallersattel fuhr.

Also ab nach Norden bis Matrei und dann hinauf ins Virgental, von wo es ab Virgen auf einer kleinen Seitenstraße bis zu einem kleinen Parkplatz nahe der Hängebrücke über die Iselschlucht weiterging. Diese Brücke könnte man mit etwas mehr Zeit und geeigneterer Bekleidung auch auf dem Iseltrail erwandern. Ich freute mich aber schon bei der Hitze nach wenigen Metern Abstieg die 90 Meter hohe Stahlkonstruktion über die Isel betreten zu können.

Der Weg ging dann zurück über Virgen und Matrei bis in Huben die Straße ins Deferegental abzweigte. Nach rund 35 km begrüßte mich gleich entlang des Sees unterhalb der Höhe ein mindestens ein Kilometer langer Stau, den ich als Motorradfahrer einfach entlang fuhr und als letzter Biker wenige Minuten vor der Talfahrt beim Schranken am 2052m hohen Stallersattel ankam.

Wir rund 20 Biker fuhren los und ließen die Autokolonne auf der italienischen Seite rasch hinter uns und erreichten nach vielen engen Kurven Antholz mit seinem Stadion für die Nordischen Schiarten.

Der Weg hinaus ins Pustertal war dann unspektakulär und die weiteren Baustellen auf den restlichen 10 km bis Bruneck waren Gott sei Dank nicht so verstaut wie wenige Wochen vorher auf meiner Heimfahrt aus Sardinien.

Im Schloß Bruneck wollte ich mir noch das Messner Mountain Museum Ripa ansehen, davon erzähle ich aber erst später in einem eigenen Blog.

Zwei Stunden später, genau in der abendlichen Rushhour fuhr ich dann durch die Stadt bei stockendem Verkehr ins Tauferner Ahrntal und erreichte bald mein Hotel direkt am Waldrand. Nach Dusche und Abendessen machte ich noch einen kurzen Spaziergang Richtung Dorf und bald nach meiner Rückkehr brach ein Gewitter aus, sodass ich froh war, das Motorrad in der Garage haben zu können.

Die Route am zweiten Reisetag

Route in kurviger: https://kurv.gr/hVdfc

5: Von Savona zum Iseosee, bis über den Stelvio und von Mittersill heim

Im letzten Teil meines Blogs zu unserer Sardinien-Tour schreibe ich über die Heimfahrt von der Fähre in Savona am Ligurischen Meer über das Stilfserjoch zwischen Lombardei und Südtirol, das Puster-, Salzach- und Ennstal bis nach Niederösterreich.

Wir hatten uns extra für Savona und nicht für Genua als Ziel der Fähre aus Korsika entschieden, um möglichst schnell aus der Stadt draußen zu sein. Auf dem Papier, besser gesagt, bei Google Maps und Kurviger.de war das auch so, aber die Realität sah etwas anders aus.

Von Savona bis Iseo

Die ersten 10 Kilometer die Küste entlang waren nur vom Stau der morgendlichen Rush Hour geprägt. Wir taten zwar unser Bestes, aber die italienischen Rollerfahrer waren beim Überholen der kilometerlangen Autoschlangen noch um einiges wagemutiger, oder einfach routinierter. Aber nach gefühlt vielen Stunden hatten wir es geschafft und waren überrascht von der Landschaft und den vielen schönen Kurven hinauf ins Landesinnere.

Erst in Acqui Terme fuhren wir in die Stadt und suchten ein Kaffeehaus. Das war eine willkommene Pause und im gegenüber- liegenden Supermarkt konnten wir unsere Getränkevorräte nachkaufen.

Die nächsten Kilometer bis Alessandria waren unspektakulär und wir fuhren in die Stadtmitte, wo am Piazza Garibaldi gerade ein Markt stattfand. Wir parkten unsere unsere Motorräder vor dem Palazzo Piemonte und schlenderten durch den Markt, der hauptsächlich von arabischen und afrikanischen Händlern dominiert wird.

Eines habe ich leider verpasst: Alessandria ist die Heimat des Borsalino, dieses klassischen Hutes und damit der ältesten italienischen Luxusmarke. Und obwohl ich Hutliebhaber bin, habe ich trotzdem keinen gekauft.

Copyright: Borsalino

Danach fuhren wir weiter, über die Stadtränder von Pavia und Lodi, bis wir am Abend Villongo am Iseoosee erreichten. Hier lag unser Quartier für diese Nacht, eine private Villa mit traumhaften Blick über den See.

Der Fußweg hinunter zum See war zwar etwas weit, bot aber einige interessante Sehenswürdigkeiten. Die Pizza beim Abfluss des Sees entschädigte für die Anstrengung, die uns aber nach den vielen Stunden am Motorrad eigentlich gut tat.

Die Route von Savona zum Iseosee

Vom Iseosee am nördlichen Rand der Poebene bis Bormio am Fuß des Stilfserjochs

Die auf der Westseite des Sees verlaufende Straße hatte viele Blicke auf den See selbst und die Insel darin, sodass einige Photostopps notwendig waren.

Leider mussten wir früher als geplant diese Straße verlassen, da sie wegen eines Radevents gesperrt war. So entdeckten wir einige Plätze,  die wir sonst nicht gestreift hätten. Gut, ein paar Irrfahrten waren auch dabei, weil mich mein Navi immer wieder hinunter zum See geleiten wollte.

Nach dem unspektakulären Passo della Presolana war das spätere Highlight der 35 km lange Passo Vivione, der sich einspurig mit vielen Spitzkehren von Schilpário im Val di Scalve bis auf 1828m Seehöhe hinauf und nach dem Refugio wieder nach Malonno im Val Camónica hinunterwindet.

Auf der SS42 waren es dann nur mehr wenige Kilometer bis Edolo, das wir rechts liegen ließen und am gegenüberliegenden Hang der Hauptstraße fuhren bis wir kurz vor dem Passo Aprica, der mit seinen 1172 Metern gar nicht so leicht als solcher  erkennbar, ist auf die SS38 einbogen. Nur das große Kriegerdemkmal, das an den ersten Weltkrieg erinnert, zeigt die Passhöhe an. Dann ging es hinunter ins Valtellina (Veltlin), dem Tal, das vom Comosee bis nach Bormio verläuft.

In Tresenda trifft die Edolo kommende SS38 nach einigen Serpentinen auf die SS39. Von dort waren es dann nur wenige Kilometer bis Tirano, der italienischen Endstation des Schweizer Bernina-Express.

Nach einem gemeinsamen Kaffee am Bahnhof fuhren wir hinaus aus der kleinen Stadt zur Stilfserjochstraße SS38 einmal vorbei, einmal durch einen der Tunnels die letzten rund 40km bis Bormio.

Unser Hotel Miramonti Park lag fast im Zentrum des Ortes, und so war natürlich eine Runde im alten Bormio angesagt, auf der Suche nach einem Restaurant, wo es nicht nur Pizza gab.

Wir fanden dann Sunrise Restaurant con pizerria, ein Lokal, das von außen klein und unscheinbar wirkte, aber eine Spitzen-Trattoria war, wo wir das Glück hatten, ohne Reservierung und Wartezeit einen Tisch für drei Personen zu bekommen.

Vom Iseosee bis Bormio

Über den Stelvio ins obere Salzachtal nach Mittersill

Nach dem ausgiebigen Frühstück waren die Motorräder rasch gepackt und wir schon auf dem Weg hinaus aus Bormio. Die Scheitelhöhe des Stilfserjoches war nur unglaubliche 20 km entfernt. Wir fuhren zwar gemeinsam los, hatten uns aber geeinigt, dass jeder seine eigenen Fotostopps machen sollte und wir uns oben wieder treffen.

Insgesamt 87 Kehren lagen vor uns, hinauf von Bormio aus sind es 39 und 48 hinunter nach Prad. Da war unsere Fahrt über den Passo del Vivione am Vortag eine gute Einstimmung, der zwar deutlich kürzer, aber mit seinen einspurigen Haarnadelkurven um Einiges herausfordernder war.

Der Stelvio wurde am 22. Mai nach der Wintersperre geöffnet worden und wir waren wenige Tage später, am 27. Mai dort. Das noch dazu am frühen Vormittag und mitten in der Woche, da war der Ansturm noch nicht so groß.

Obwohl auf dem Pass dann schon ziemlich viele Motorräder parkten, war davon bei der Auffahrt nichts zu spüren und die wenigen PKWs und Wohnmobile leicht zu überholen. Auch der Gegenverkehr war harmlos, ich kann mich nur an ganz wenige Zusammentreffen in einer der Kurven erinnern.

Den Blick hinunter von der Tibet-Hütte sollte man sich auch nicht entgehen lassen, sie war aber noch nicht geöffnet. Der Geruch von frisch gekochtem Gulasch deutete aber darauf hin, dass das nicht mehr lange dauern würde, am Wochenende würde man es schon essen können. Wir genossen dafür mit vielen anderen den Ausblick auf die Ortler-Gruppe und den Verlauf der Straße hinunter Richtung Norden nach Prad.

Während wir vor wenigen Tagen noch über 30 Grad hatten, waren hier oben noch einige Schneewächten mehr als 2 Meter hoch. Der Pass ist ja mit seinen 2757 Metern nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste befahrbare Gebirgspass der Alpen.

Nach der genussvollen Abfahrt über 48 Spitzkehren gönnten wir uns einen Mittagskaffee in Prad, bevor es weiter hinunter in den Vinschgau Richtung Meran ging.

Dabei hatten wir uns grob verschätzt. Wir waren vom vielen Verkehr und den damit verbundenen Staus auf dieser Strecke von rund 50 km bis Meran überrascht. Das kostete trotz Vorfahrens über weite Strecken ungefähr die doppelte Zeit als geplant war. Durch Meran und hinauf bis St.Leonhard im Passeier war dann schon ein Vergnügen und die Auffahrt auf den Jaufenpass kann man eigentlich nur genießen.

Am Scheitelpunkt fanden wir eine komplett neu gebaute Edelweiß-Hütte, die mit ihrer rustikalen Vorgängerin nur den Namen und die Betreiber gemeinsam hat. In nur wenigen Monaten wurde das architektonisch interessante Gebäude aus und vor allem auch in den Boden gestampft, da sich ein Teil unterirdisch befindet. Die riesengroßen Torten, wegen denen nicht nur Biker hielten, gibt es auch noch.

Wir genossen das Essen und das Sitzen in der Sonne, bis es Zeit war, uns hinunter Richtung Pustertal in Bewegung zu setzen. Jetzt muss man wissen (einige die öfter mit mir fahren, wissen das …), dass ich sehr nachlässig beim Abziehen des Zündschlüssels bin. Das ist beim Photostopp kein Problem, bei einer einstündigen Mittagspause aber schon. Die Crosstourer machte keinen Mucks, nicht einmal die  Kontrolllampen leuchteten, so leer war die Batterie.

Aber ich bin da schon geübt, ich hatte das Problem aus ähnlichen Gründen Im Vorjahr bei meiner Fahrt in die Schweiz am Molvenosee. Die Nummer des ÖAMTC kannte ich fast auswendig, ich schilderte mein Problem und dann hieß es vorerst zu warten. Ich schickte Franz und Werner los, damit zumindest sie noch rechtzeitig die letzte Auffahrt auf den Stallersattel Richtung österreichisches Defereggental erreichten.

Bald kam eine SMS mit der schon bekannten Info, dass in diesem Gebiet das Fahrzeug nur zur nächsten Werkstatt abgeschleppt werde. Beim nächsten Anruf des Pannendienstes überzeugte ich die nette Mitarbeiterin, dass ich nur Starthilfe brauchte und nach 40 Minuten kam ein junger Mann angefahren und mit seinem Booster lief mein Bike Sekunden später wieder.

In der Zwischenzeit war es 15:30 und ich hatte noch eine Reststrecke von 200 Kilometern bis zum Hotel in Mittersill. Nach einem Donnergrollen begann es leicht zu regnen, aber bis ich unten war, war es schon wieder vorbei und ich nach wenigen Minuten wieder trocken. Bis Sterzing ging es dann recht flott, nach einem kleinen Abbiegefehler war ich endlich im schönen Pustertal. Dachte ich zumindest. Aber schön war da gar nichts mehr.

Baustellenlöcher und Umleitungen bei der Pustertal-Staatsstraße wird es da noch die nächsten paar Jahre geben. Und irgendwie sieht es so aus, wie wenn ich im Juli auf dem Weg in die Schweiz wieder dort durchfahren würde. Weil es schon so spät war, ließ ich den Stallersattel aus und fuhr von Lienz wieder einmal Richtung Felbertauerntunnel, in der Hoffnung dass die schwarze Wolke über mir nicht auslässt. Aber leider, auch das dritte Mal durch diesen Tunnel erwischte mich der Regen wieder. Aber bis hinunter nach Mittersill war ich schon wieder trocken, da wurde es am späten Abend sogar nochmals sonnig.

Im Gasthaus gegenüber unseres Hotels warteten Franz und Werner bereits mit einem Bier, womit der letzte gemeinsame Abend der Sardinien-Tour zu Ende ging.

Von Bormio bis Mittersill

Von Mittersill heim

Da jeder von uns ein anderes Ziel hatte, Franz in der Steiermark, Werner im Ötscherland und ich im Triestingtal, fuhren wir getrennt los. Das Ennstal durchquerte ich von Schladming bis Rottenmann auf Nebenstraßen um dem Stau-Hotspot Liezen auszuweichen.

Von dort bis Leobersdorf im Südlichen Niederösterreich nahm ich dann die Autobahn, was außer einem kleinen Regenguß ohne besondere Ereignisse blieb. Und so erreichte ich nach einer Tagesetappe von 368 Kilometern bei 30 Grad das heimatliche Carport.

Die letzte Etappe von Mittersill bis Enzesfeld

Fazit

Die Strecke von 4367,5 km bei insgesamt 11 Fahrtagen war geprägt vom Wetterglück. Während daheim und im nördlichen Italien extrem schlechtes Wetter herrschte, wichen wir  bei der Hinfahrt so gut aus, dass wir in 4 Tagen nur rund eine halbe Stunde wirklich im Regen fuhren und das trocknet der Fahrtwind bis  zum Abend wieder.

In Sardinien selbst gab es gleich am ersten Abend ein Gewitter und das wars dann. Am Heimweg ist der Felbertauern für mich immer die Strecke im Regen, jetzt werde ich ihn nicht mehr so schnell wieder fahren.

Wenn man aus Niederösterreich, dem Land der Kreisverkehre kommt, glaubt man das sei nicht mehr zu toppen, aber im Vergleich zu Sardinien und Italien stammen wir diesbezüglich aus einem Entwicklungsland. So viele auch mehrspurige Kreisel gibt es bei uns bei weitem nicht.

Und was ich noch gelernt habe: Obwohl Österreich die höchsten Spritpreise der ganzen Welt hat, mit den höchsten Steuern überhaupt, haben wir in Italien zwischen 2,00 und 2,10 Euro fürs Benzin gezahlt, während es in der Heimat um 1,80 bis 1,90 Euro pro Liter zu haben war.

Noch etwas, das uns aufgefallen ist: die italienischen Autofahrer sind nicht nur gegenüber Motorrädern zuvorkommend und rücksichtsvoll, das ist man als gelernter Österreicher gar nicht gewohnt.

Und überhaupt, die gut 4000 Kilometer waren abwechslungsreich und spannend und es hat fast immer Spaß gemacht, das erleben zu dürfen.

Der Maler und Motorradfahrer Antonio Ligabue in einer Ausstelllung in Cagliari

In diesem Blog erzähle ich von meiner Entdeckung bei der Sightseeing-Tour durch Cagliari. Ich besuchte eine Ausstellung im alten Rathaus, die die Werke eines eindrucksvollen Künstlers zeigte, der bei uns in Österreich gar nicht so bekannt ist und wahrscheinlich noch nie zu sehen war – Antonio Ligabue.

Neben der Cattedrale di Santa Maria Assunta e Santa Cecilia in Cagliari befindet sich der Antico Palazzo di Città, das alte Rathaus. Dort entdeckte ich bei meiner Sightseeing-Tour die außergewöhnliche Retrospektive „Antonio Ligabue. La Grande Mostra (Die große Ausstellung)“.

Sie ist einer der bewegendsten, intensivsten und gequältesten Künstler-Persönlichkeiten des Italien des 20. Jahrhunderts, Antonio Ligabue, gewidmet. Die Ausstellung, die am 7.Juni 2026 endete, erstreckte sich über zwei Etagen des Palazzo di Città und präsentierte einerseits seine berühmtesten Werke als auch multimediale Einblicke in sein Leben.

Ich muß gestehen, ich hatte von Antonio Ligabue noch nie etwas gehört, bevor ich vor dem Tor seiner Ausstellung stand. Dort hat mich das werbende Plakat mit dem Tiger im Urwald sofort angesprochen.

Diese Faszination blieb während der gesamten Ausstellung aufrecht. Als ich dann bei meinen nachträglichen Recherchen über eine Anekdote zu seinem Motorrad las, war es für mich klar, dass der Bericht zu seinen Bildern im weitesten Sinn auch in meinen Motorradreiseblog passt.

Daher ist das Titelbild dieses Blogs das einzige, das nicht in Cagliari gezeigt wurde, aber für mich unbedingt dazu gehört. Laut Ausstellungsbeschreibung ist die große Werkschau eine Gelegenheit, Antonio Ligabue fernab von Stereotypen (neu) zu entdecken. Seine ausgestellten Werke, die seine Legende geprägt haben, sollen zur Reflexion über den Wert der Kunst als Mittel zur persönlichen Befreiung und zur Versöhnung mit der Welt einladen.

Geprägt von Armut, Krankheit und psychischen Leid

Geboren als Antonio Laccabue in Zürich am 18. Dezember 1899 und gestorben in Gualtieri am 27. Mai 1965, war er Zeit seines Lebens von Armut, Depressionen, Unsicherheit und Ausgrenzung geprägt. Als Kind litt er an Rachitis und Vitaminmangel, was zu einer Schädelfehlbildung und Wachstumsstörungen führte. Das eigenwillige Aussehen, das sowohl auf späteren Fotos als auch seinen Selbstporträts erscheint, zeigt das Gesicht des Künstlers als inneres Schlachtfeld.

Die Malerei als Ventil seiner Persönlichkeit

Erst 1928, dank der Begegnung mit dem Maler und Bildhauer Renato Marino Mazzacurati, der sein wahres künstlerisches Talent erkannte und ihn im Umgang mit Ölfarben unterwies, beschloss Ligabue, sich ganz der Malerei und Bildhauerei zu widmen. Er blieb aber trotzdem der ziellose Wanderer, der des öfteren den Po entlang zog.

Nach dem zweiten Weltkrieg, ab 1948, intensivierte sich seine künstlerische Tätigkeit, was das Interesse von Journalisten, Kritikern und Kunsthändlern weckte. Doch erst 1961 fand seine erste Einzelausstellung in der Galleria La Barcaccia in Rom statt. Er hatte jedoch bald darauf einen Motorradunfall und war im darauffolgenden Jahr querschnittsgelähmt. 1963 widmete ihm die Kleinstadt Guastalla eine große Retrospektive, die von Galerist und Freund Vincenzo Zanardelli organisiert wurde.

Späte Anerkennung

Er erholte sich nicht mehr, bat um Taufe und Konfirmation und starb am 27. Mai 1965 im Alter von nur 65 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof seines Heimatortes Gualtieri beigesetzt. Obwohl er auch dort nicht immer für voll genommen wurde, er trug im lokalen Dialekt die Spitznamen Al Matt (der Verrückte) oder Al Tedesch (der Deutsche), widmete ihm der Ort eine würdige Gedenkstätte, das Museo Ligabue.

Viele seiner Gemälde mit Haustieren und Szenen aus dem Bauernleben, thematisieren die ländlichen Erinnerungen und die verzweifelte Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Auch die Kämpfe wilder Tiere, in denen die Natur zur Metapher für die Seele wird, beschreiben sein aufgewühltes Leben am Rande der Gesellschaft. Dabei wird nicht nur der Wahnsinn oder der Mythos des „Verrückten“ beleuchtet, sondern auch die außergewöhnliche technische Klarheit und Menschlichkeit des Malers aus Gualtieri dargestellt.

Vergleiche sind schwer

Die chaotische Welt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbindet für mich auch die Leben von Antonio Ligabue und Frida Kahlo, die beide einen ähnlichen Stil pflegen, geprägt von Krankheit und Leid, die beide auf ihre ganz besondere Art mit ihrer Malerei überwinden wollten.

Die intensiven Farben und seine energetischen Pinselstriche sollen auch Van Gogh ähneln, während die Fähigkeit, Einsamkeit und Emotionalität zu kommunizieren, laut Kunstkritikern an Klimt erinnert. Er wird aber aber auch der Art Brut zugeordnet, die im Museum Gugging in der Nähe von Wien eine wichtige Heimstätte hat.

Das zeigt aber, dass Antonio Ligabue gar nicht so einfach einordenbar ist, wie es am Anfang scheinen mag. Ein Video mit dem Titel The Misunderstood Art of Antonio Ligabue verdeutlicht das ebenfalls.

Der Motorradfahrer

Die Anekdote, die Antonio Ligabue mit dem Motorrad fahren verbindet, darf ich euch zum Schluß nicht vorenthalten. Der Künstler war wie schon weiter oben beschrieben, ein sehr einfacher Mensch, der einen sehr pragmatischen Umgang mit seinen Werken pflegte. Er brachte gerne das verkaufte Kunstwerk persönlich zum Auftraggeber oder Käufer. Er machte das mit dem Motorrad und musste dabei das Transportproblem lösen. Daher findet man auf manchen seiner Bilder zwei Löcher, durch die er eine Schnur fädelte und es so umhängen konnte.

4: Sardinien von Cagliari im Süden bis Bastia in Norden Korsikas

In diesem Blog geht es schon wieder um die Rückfahrt, zuerst über die beiden Inseln Sardinen und Korsika, mit Flugzeug-Denkmälern, Burgen und Küstenlandschaften, Schluchten und relativ hohen Pässen, beinahe wilden Tieren und malerischen Dörfern und zum Schluß mit der Fähre von Bastia nach Savona am italienischen Festland.

Die gemeinsame Woche war schon wieder um und so kam der Tag der Heimreise, die Ehefrauen von Franz und Werner mit dem Flugzeug und wir auf unseren Motorrädern. Zunächst sollte es Sardinien hinauf bis zur Fähre von Santa Teresa Gallura nach Bonifacio auf Korsika gehen und dann bis Bastia, von wo uns die nächste Fähre wieder ans Festland in Savona bringen sollte. Jeweils eine Übernachtung pro Insel stand ebenfalls am Plan.

Tag 1: Von Cagliari nach Sassari

Nach der Verabschiedung von den Ehefrauen der Freunde, die erst etwas später zum Flughafen mussten, starteten wir los vom Hotel Richtung Altstadt. Vorbei an der Bastione di Saint Remy fuhren wir den Berg hinauf und aus der Stadt Richtung Norden hinaus.

Ungefähr eine halbe Stunde, nachdem wir Cagliari verlassen hatten, kamen wir am Luftwaffenstützpunkt Decimomannu vorbei. Der Lockheed Starfighter F-104 mit gestutzten Flügeln vor dem Eingang animierte mich sofort zu einem Fotostopp. Hinein darf man natürlich nicht und die Wachen waren auch nicht begeistert, weil wir das ausgestellte Flugzeug fotografierten.

Dabei werden auch die Piloten des Österreichischen Bundesheeres für die neuen Leonardo-M-346-FA-Jets in der dort stationierten International Flight Training School (IFTS) ausgebildet, wie der ORF bereits im Februar 2026 berichtete. Hier ist der Ausschnitt aus der ZIB2 vom 24.2.2026 dazu.

Unser weiterer Weg brachte uns durch die Ebene bis in die Nähe von Santa Giusta, wo wir am gleichnamigen Teich Stagno di Santa Giusta einen kurzen Photostopp machten und das Naturschutzgebiet  bewunderten. Der Teich ist durch einen breiten Küstenstreifen vom Meer getrennt und über einen künstlichen Kanal mit diesem verbunden. Er hat keine direkten Zuflüsse und wird über Entwässerungskanäle gespeist.

Im Zentrum des Ortes fanden wir eine kleine Cafeteria,  wo wir uns mit Cappuccino und Getränken stärkten, bevor wir in der beginnenden Hitze weiter nach Norden fuhren, wo wir kurz wieder an die Küste kamen,  bevor wir Marina Bosa und dann Bosa erreichten.

Die kleine Stadt ist angeblich einer der schönsten Orte Sardiniens und liegt 2 km im Landesinneren am Fluss Temo. Wir aber wollten zur Burganlage Castello di Servalle, auch Castello Malaspina genannt. Der Hitze wegen fuhren wir, nicht ganz erlaubt, so weit wie möglich zum Eingang, damit wir nicht auch noch mit unseren heißen Motorradhosen den Burgberg erklimmen mussten.

Der Blick von der Burgmauer über die Dächer der Stadt entschädigte für den Schweiß beim Hinaufsteigen. Den markanten Turm bestieg aber nur Franz.

Aber auch die Kirche „Nostra Signora de Sos Regnos Altos“ mit einem Freskenzyklus aus dem Jahr 1370 ist einen Besuch wert. Neben den außergewöhnlichen Wandmalereien war die Abkühlung in den alten Steinmauern recht angenehm.

Dann führte die SP106 mit vielen flotten Kurven die hügelige bis gebirgige Küste entlang, die aber trotzdem immer wieder zum einen oder anderen Halt an einem Aussichtspunkt animierte.

Danach gab es noch eine kurze Kaffeepause in einem richtigen Strandcafe, wo wir zumindest den Schatten an diesem heißen Nachmittag geniessen konnten.

Den letzten Teil der Route fuhren wir getrennt um unsere individuellen Fotostopps machen zu können, dabei war die kleine Küstenstadt Alghero nochmals ein Highlight.

Ab da betätigte sich mein Navi auf einmal als Hellseher und wollte mich unbedingt auf die neue SS291VAR führen, die teilweise im Bau war, aber trotzdem in der Realität nicht existierte und ich vor nicht existierenden Ausfahrten in einigen Kreisverkehren stand. Über allerkleinste Bauernwege, durch Felder und meterhohes Gebüsch kam ich dann, ohne dem verwirrten Navi zu folgen, zurück auf die bestehende SS291 Richtung Sassari.

Unser modernes Hotel war zwar zumindest für mich etwas schwer zu finden, war aber nur wenige 100 Meter von der Altstadt entfernt, wo wir in einer sehr schönen gepflegten Trattoria zum Abendessen waren.

Tag 1 der Heimreise: Von Cagliari nach Sassari

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/YYfwM

Tag 2: Von Sassari auf Sardinien nach Corte auf Korsika

Gleich nach dem Frühstück starteten wir los Richtung Fähre, hinaus bei der steilen Ausfahrt aus der Tiefgarage. Hier habe ich das erste Mal seit Langem das DCT (Doppelkupplungs- getriebe) der ersten Generation verflucht, als mir beim Wegfahren beim langsam öffnenden Tor die Crosstourer abgestorben ist. Das Betätigen der Fuß- oder Handbremse war praktisch unmöglich da ich auf der extrem steilen Auffahrt die Füße am Boden haben musste und die rechte Hand zum Gasgeben benötigte. Dass sie nebenbei auch nicht anspringen wollte, war dann nur noch die Draufgabe. Aber mit Ruhe und etwas Glück hat es dann doch ohne Umfaller oder nochmaliges Absterben geklappt.

Wir verließen die Stadt Richtung Nordwesten, zum Hafen von Santa Teresa Gallura, von wo es mit einer einstündigen Überfahrt nach Bonifacio auf Korsika gehen sollte. Die Strecke war zwar in Küstennähe, aber trotzdem mit schönen Ausblicken auf das sardische Hinterland.


Da die Straßen gut ausgebaut sind, konnten wir trotzdem flott unterwegs sein und so erreichten wir mehr als rechtzeitig den Hafen von Santa Teresa Gallura.

Die Abfahrt unserer Fähre sollte um 12:30 sein. Auch hier kamen die Motorräder zuerst auf das Schiff und wir genossen die ruhige Fahrt auf dem fast glatten Meer, was, wie ich später von einem Freund erfuhr, gar nicht so selbstverständlich war.

Die Ausfahrt aus dem Hafen war bereits ein Erlebnis, aber auch das Einlaufen in einen der beeindruckendsten Naturhäfen des Mittelmeeres in Bonofacio bleibt unvergesslich. Die weiße Kalksteinzitadelle und die Häuser daneben an den steil abfallenden Felsklippen wirken so, wie wenn sie jeden Moment ins Meer stürzen könnten.

Und schon fuhren wir wieder von der Fähre und direkt aus Hafen und Stadt hinaus wie die meisten Fahrzeuge auf der Fähre. Unser nächstes Ziel sollte Porto-Vecchio sein, wo wir uns bei der Durchfahrt den wunderschönen Ortskern ansahen. Aufgrund der Enge und der vielen Menschen war ein kurzer Fotostopp nicht möglich und ihr müsst mir das einfach so glauben, oder diesem Link folgen: Porto-Vecchio

Unsere Fahrt durch die Altstadt vorbei am Place de la République ist zwar nicht verboten gewesen (glaube ich zumindest, da uns niemand aufhielt oder darauf hinwies),  kurviger.de wehrt sich aber trotzdem dieses Stück so darzustellen, wie wir gefahren sind.

Von hier ging es bald nach Palavesa in die Berge, wo in einer Kurve ein Aussichtspunkt in die Tiefebene und die Küste bei Porto-Vecchio lag, wo wir neben einer Reihe von anderen Bikern ebenfalls anhielten. Hier habe ich den ersten und einzigen Crosstourer-Fahrer auf unserer Sardinien-Tour getroffen, der noch dazu aus Amstetten stammte, also quasi ein Nachbar aus der alten Heimat. Der spezielle Blick den Berg hinunter fiel auf die Stadt Porto-Vecchio und die angrenzende Küstenlandschaft.

Ein paar Pässe möchte ich noch nennen, die wir im nächsten Abschnitt durch wunderbare Kiefernwälder mit vielen kleinen aber auch langgezogenen Kurven vorbei am Stausee Lac de L’Ospedale gefahren sind, den Bocca d’Illarata (991m), den Bocca di Pelza (874m), den Col de Bulgara (737m), und den Col de la Vaccia (1191m), bevor wir das malerische Bergdorf Cozzano erreichten, wo wir wieder eine kleine Kaffeepause einlegten.

Über den Col de Verde (1289m) und den Col de Sorba (1311m) ging es dann wald- und kurvenreich, meist gut ausgebaut bis zu unserem Ziel in Corte. Ich führe diese Pässe alle deswegen an, um zu zeigen, dass Korsika mit den vielen Kurven und Pässen für Motorradfahrer fahrerisch und landschaftlich besonders interessant und empfehlenswert ist. Werner schmiedete sogar schon Pläne für einen Wanderurlaub. Auch einige „wilde“ Tiere kreuzten unseren Weg!

Unser Hotelgastgeber an der Hauptstraße wartete schon und unsere Motorräder wurden zu 10 weiteren in eine Auto-Doppelgarage geschlichtet. Nach einem gemütlichen Abendessen im daneben liegenden Lokal ging dieser recht lange Tag zu Ende.

Da der letzte Abschnitt auf Korsika bis zur Fähre kürzer sein sollte, liessen wir uns am nächsten Morgen noch Zeit genug, die Stadt zu erkunden.

Tag 2 unserer Heimfahrt: von Sassari bis Corte

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/XbB8F

Tag 3: von Corte nach Bastia und mit der Fähre nach Savona

Unser letzter Tag auf Korsika sollte ein neues Highlight für uns haben, eine ganz besondere Schlucht im Naturpark. Bald nach der Ortschaft Ponte Leccia beginnt das Asco-Tal, dem wir rund 20 Kilometer bis ein Stück über das Bergdorf Arco entlang des Flusses mit vielen schönen Kurven und Blickpunkten folgen. Hier fanden wir heraus, dass der Berg im Hintergrund, der Monte Cinto mit seinen 2706 Metern der höchste Korsikas ist und noch einige Kilometer weiter auch ein Schigebiet liegt.

Dieses Tal im Parc Naturel Régional de la Corse beeindruckte nicht nur uns, sondern auch eine Reihe anderer Biker, Radfahrer und Wanderer. Der Fluss selbst ist angeblich auch ein Geheimtipp bei den Kanufahrern.

Im Dorf Asco gibt es gleich am Ortseingang ein Café, das uns zu einer Pause animierte. Den Blick über das Tal hinaus bekamen wir als Draufgabe.

Aber auch die Fahrt aus dem Tal hinaus eröffnete wieder neue Blickwinkel, die uns in der anderen Richtung gar nicht aufgefallen waren.

Danach wollten wir weiter Richtung Fähre in Bastia. Es wäre nicht Korsika, wenn nicht einige weitere Passhöhen auf unserem Weg gelegen wären. Der erste war der Col de Sainte-Marie (372m) bevor die kurvige Straße hinauf auf den Bocca di Vezzu (311m)  führt, von dem wir einen wunderschönen Blick hinunter auf die Küste einerseits und ins Landesinnere andererseits hat.

Der Fremdenverkehrsort Saint-Florent beeindruckte uns mit seinem zentralen Yachthafen, wo sich gefühlt alle Motorradfahrer der Insel trafen.

Der letzte Pass vor unserem Ziel war der Col de Teghime (536m). Das dortige Denkmal soll daran erinnern, dass Ende September 1943 korsische Partisanen und freifranzösische Verbände Bastia, wo zu diesem Zeitpunkt noch deutsche Truppen waren, einnehmen konnte.

Da unsere Fähre erst um 22:30 ablegen sollte, waren wir noch recht früh dran. Daher suchten wir ein Lokal, wo wir noch ein Eis essen konnten und fanden eines nach einem längeren Fußmarsch ganz in Hafennähe. Neben einem guten Eis lernten wir dabei auch noch, dass man hier keinen Cappuccino, sondern einen Café au Lait trinkt, was nicht nur sprachlich, sondern auch in der Zubereitung ein Unterschied ist. Der Cappuccino besteht aus Espresso und Milch und einer dicken Schicht Milchschaum. Der Café au Lait hingegen ist einfach eine Mischung aus Filterkaffee und Milch ohne Schaum.

Die Zufahrt zur Fähre war zwar gut angezeigt, doch die Ausfahrt im Kreisverkehr war dann trotzdem leicht zu übersehen, wir kamen aber nach einer kleinen Zusatzrunde doch hin, wo wir innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit einigen anderen Motorrädern unseren Platz auf dem Schiff zugewiesen bekamen.

Wir hatten wieder eine Kabine zur Einzelbenutzung gebucht, was die Nacht nach einer frischen Dusche sicher erholsamer als am kühlen Deck oder in einem der Sitze unter Deck machte.

Am Morgen genossen wir noch unser kleines französische Frühstück, oder Petit déjeuner, mit einem Stück Baguette mit französischer Butter und Marmelade, einem Croissant und natürlich Café au lait. Dass jedes Stück in Plasik verpackt war, musste man sich halt wegdenken, um den typischen französischen Frühstücksgenuss zu haben. Danach hatten wir noch Zeit genug, um das Einlaufen der Fähre im Hafen von Savona zu beobachten.

Tag 3 der Heimfahrt von Corte bis Bastia

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/4XUKE


3: Strände, Berge, Inseln und Lost Places

In diesem Blog erzähle ich von drei gemeinsamen Tagestouren von Cagliari aus. Da Sardinien so groß ist, erkundeten wir damit nur das südliche Drittel der Insel.

Runde 1: hohe Berge, (ehemalige) Sümpfe, malerische Strände und rosa Flamingos

Diese Runde sollte an den südlichsten Zipfel Sardiniens führen, doch Franz wollte uns zuerst eine malerische Schlucht zeigen. Darum starteten wir nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel Richtung zuerst über den Lungomare Richtung Osten und dann nach Norden hinaus aus der Stadt.

Unser erstes Ziel, der Passo Arcu e Tidu, liegt im Sette Fratelli Gebirge, einem Naturschutzgebiet im Süden Sardiniens unweit der Inselhauptstadt, und ist der höchste Punkt der alten Verbindungsstraße zwischen der Südostküste Sardiniens und Cagliari.

Ganz in der Nähe führt eine Sackstraße in den Ort Burcei. Leider fanden wir dort kein Cafe, aber der Aussichtsberg Monte Serpeddi mit seinen 1069 Metern lockte uns. Über schmalste Sträßchen fuhren wir zum Fuß des Berges, wo wir feststellten, dass der Berg nur über eine steile Schotterpiste erreichbar war, was wir aber nicht riskieren wollten und daher umkehrten.

Und so ging es wieder zurück auf die NSA 371 (Nuova Strada ANAS 371), die ehemalige Strada Statale 125 „Orientale Sarda“, nicht ohne nochmals einen Photostop mit Ausblick bis Cagliari zu machen.

Dieser kurvenreiche, und landschaftlich reizvollen Strecke von San Gregorio (Sinnai) über die Berge folgten wir Richtung Osten, bis wir schon im Flachland, im kleinen Dorf San Priamo gleich gegenüber der Kirche ein Cafe entdeckten, das offen hatte. Cappuccino und sardische Cookies stärkten wieder Körper und Geist.

Die Häuser und die ganze Siedlung fielen mir aufgrund ihrer Bauweise und rasterartigen Anordnung auf. Es sah wie eine geplante Fabrikssiedung aus den 1930er Jahren aus. Es stellte sich heraus, dass San Priamo unter Mussolini als Kaserne für Arbeiter gegründet wurde, die das umliegende Sumpfland trocken legen sollten, damit die Malaria zurückgedrängt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung verlassen und hat heute nur mehr 110 Einwohner. Die Häuser scheinen zwar nicht gepflegt zu werden, aber verlassen wirken sie ebenfalls nicht. Ein sehr eigener Lost Place.

Und dann war wirklich Küste und Meer angesagt. Etwas südlich des bekannten Badeortes Costa Rei erreichten wir einen Strand, an dem wir wirklich im Sand vor dem Wasser rasten und die Zehen ins kühle Nass halten konnten.

Dann hofften wir, am südlichsten Zipfel Sardiniens ein Restaurant zu finden, das um 15 Uhr hungrige Bikerinnen und Biker nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Essen versorgen wollte. Leider hatten aber beide von uns angesteuerten Lokale trotz gegenteiliger Internet-Auskunft die Küche geschlossen. Aber im nur wenige Kilometer entfernten Villasimius entdeckte Franz eine Trattoria, die uns mit Pizza & Co wieder ins Leben zurückholte.

Gestärkt fuhren wir die Küste mit atemberaubenden Aussichten bis zu unserem Ausgangspunkt entlang, die späte Nachmittagssonne tat dabei ihr übriges.

Am Beginn des Lungomare von Cagliari hielten wir unsere Motorräder an und konnten wirklich die Flamingos in der Abendsonne  bewundern.

Die Runde zu Berg, Sumpf und Strand

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/JEFaz

Runde 2: Strände und die südlichste Insel

Diese Runde sollte uns endgültig in den Süden der Insel führen, Franz hatte einen besonderen Strand und eine vorgelagerte Insel als Ziele geplant.

Wir fuhren vorbei an Altstadt und Hafen hinaus aus der Stadt und weiter über die SS195 vorbei an Salinen, wo ebenfalls Flamingos leben, die wir aber nicht gesehen haben. Unser Guide für Sardinien, Franz bog dann wenige Kilometer später, nach der Ortschaft Chia, links von der schnurgeraden Strasse ab, wo wir auf einen kostenpflichtigen Parkplatz für den nahegelegenen Strand landeten, der Kassierer sich aber überreden ließ, für uns mit unseren  Motorrädern eine Ausnahme zu machen und uns die Gebühr zu erlassen.

Breite Holzstege führten hinaus an den Strand Su Guideu vorbei an einem Naturschutzgebiet. Eine kleine Bucht lag vor uns, mit einem wunderschönen Sandstrand und leider sehr windig. Die bekannte Strandbar wurde Mitte Mai gerade erst eingerichtet und wird erst zur Badesaison geöffnet.

Vor der Weiterfahrt gab es aber doch noch einen guten Cappuccino im Cafe Aquadulci beim Parkplatz. Die Straße SP71 entlang der Costa Sud Sardegna mit ihren Aussichtspunkten wie dem Punto Panoramico zur Isola Tuerredda ist zwar fahrerisch keine besondere Herausforderung, dafür hat man genug Zeit, die traumhafte Landschaft zu genießen.

Dafür waren dann die nächsten rund 20 Kilometer wieder näher an der Küste und umso kurviger. In Santadi am Platz vor der Chiesa Parrocchiale di San Nicolò di Bari und dem Rathaus machten wir wieder eine Pause im Schatten eines ganz interessanten Baumes, die Hitze war in der Zwischenzeit auf weit über 30 Grad gestiegen.

Dann machte sich schon der allgemeine Hunger bemerkbar und so beschlossen wir, auf der Isola di Sant Attico zu essen. Vorbei am Lago Monte Pranu fuhren wir Richtung Küste und über den Damm auf die kleine Insel und in den Hafen des Hauptortes Sant Attico. Auch dort war am späten Nachmittag bis auf ein Lokal alles geschlossen, dafür war dort das Essen umso besser und einige Meter weiter gab es als Nachspeise ein Spitzen-Eis.

Über die schnelle Heimfahrt ins Hotel über die SS120 gibt es dann nichts weiter zu berichten.

Die Runde zu den Stränden und der Isola di Sant Attico

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/bXdPC

Runde 3: in die Berge und zu einem besonderen Lost Place

Diesmal schaffte ich es doch einmal, den Sonnenaufgang vom Dach des Hotels zu fotografieren, fast ein bisschen kitschig.

Bei dieser Runde wollte uns Franz ein besonderes Kleinod von Sardinien zeigen. Neben den für uns Motorradfahrer wichtigen Kurven und Ausblicken war das Ziel das verlassene Dorf Gairo Vecchio.

Bald nach dem Frühstück waren wir bereit und folgten Franz nun wirklich nach Norden in die Berge. Der erste Teil der empfehlenswerten SS387 führte uns durch die Campidano-Ebene bis Dolianova. Kurz nach der Abzweigung auf die SP25 steht praktisch neben der Straße das Sardinia Radio Telescope, da mussten wir natürlich einen Photostopp einlegen. Dieses parabolische Radioteleskop mit einem Durchmesser von 64 Metern wird vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik (INAF) betrieben und von der Astronomischen Sternwarte von Cagliari verwaltet.

Durch Wälder aus Kork- und Steineichen und über aussichtsreiche Höhenzüge von einem Tal ins nächste ging es kurvenreich weiter bis in die Gegend von Ballao. Weiter ging diese Traumstraße, die mit bestem Asphalt und breiten Kurven, durch das einsame Flumendosa-Tal führt. Auch ein großer Windpark mit rund 60 Windrädern mit einer Gesamtleistung von rund 126.000 kWh ist in der Nähe der Stadt Ulassai in Betrieb und begleitete unsere Tour.

Am höchsten Punkt, beim Monte Codi mit seinen 850 Metern steht weit sichtbar eine Radaranlage der Europäischen Flugsicherung, die wir uns natürlich aus der Nähe ansehen mussten und dafür die kleine schmale Stichstraße hinauf fuhren.

Was Freund Werner dabei entdeckt hat, wird jeder, der beides kennt, bestätigen. Rechts im Bild unten sieht man einen markanten Felsstock aus dem Monument Valley, das ja eigentlich im US-Bundesstaat Utha liegt, und links dahinter, etwas weiter am Horizont, den Ötscher aus dem niederösterreichischen Mostviertel. Ein bisschen Phantasie schadet nie…

Ein weiterer Stopp wurde nur wenige Kilometer später, kurz vor Ulassai notwendig. Ein wunderbarer Blick ins Tal auf der einen Seite und auf die Felsformationen auf der anderen Seite begrüßte uns.

Bald darauf erreichten wir Ulassai, das von einer recht bedrohlich wirkenden Felsnase überragt wird.

Kurz nach Osini, das ebenfalls zu den Dörfern gehört, die 1951 von den Unwettern teilweise zerstört und später wiederaufgebaut wurden, hat man einen wunderbaren Blick auf unser Ziel Gairo Vecchio (Alt-Gairo) und dem etwas höher oben neu aufgebauten Gairo Sant Elena.

1951 regnete es vom 14. bis 19. Oktober durchgäng in ganz Sardinien, doch die Region Ogliastra war ganz besonders betroffen, fielen doch vereinzelt zwischen 300 und 500 mm Regen pro Quadratmeter. Das führte zu Vermurungen und Hangrutschungen in diesen Bergdörfern. Es wurde anscheinend zwar niemand verletzt, aber an einen Wiederaufbau an der gleichen Stelle war nicht zu denken. Und so wurde Gairo auf drei Teile aufgeteilt.

Bei einer Wanderung durch das verlassene Dorf gewinnt man einen guten Einblick in die Architektur dieser Orte mit ihren rot oder blau ausgemalten Räumen,  viele mit offenen Kaminen, die noch erhalten sind.

Für mich ist das die dritte Variante, wie in Italien mit einem von Naturgewalten zerstörten Dorf umgegangen wurde. Auf Sizilien wurde das Dorf Gabelina 20km entfernt als Stadt im Stil amerikanischer Gartenstädte neu aufgebaut und das alte Dorf in einem rechteckigen Ausschnitt des zerstörten Kernes mit einer etwa 300 × 400 Meter großen und 1,6 Meter Schicht aus weißem Beton überdeckt. Das eine beklemmend, das neue künstlerisch spannend, aber fast ausgestorben und daher zumindest aus meiner Sicht gescheitert.

Sizilien 5 – Lost Places am Weg nach Trapani

Im Kanaltal ist Venzone einer der Orte, die beim Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört wurden. Die ursprüngliche Idee, den Ort modern neu aufzubauen, wurde von der Bevölkerung verhindert und so wurde er so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Heute bezeichnet Venzone sich selbst als „eines der schönsten Dörfer Italiens“ und die Bevölkerung steht auch dahinter. Ein bisschen wie Dresden oder auch Wien.

Tag 3: Von Carnia bis Udine

Und die Schweiz ist gerade im Tessin mit dem Dorf Blatten, das im Mai 2025 nach einem  Gletschersturz verschüttet wurde, und in Graubünden mit dem Dorf Brienz, das von einem Bergsturz massiv bedroht wird, in einer ähnlichen Diskussion.

Nach einer Stärkung in der Bar oberhalb von Gairo Vecchio mit einem schönen Blick auf das Tal und Osina am gegenüberliegenden Hang wurde es Zeit für die Rückfahrt.

Ein paar Fotostopps gab es natürlich auch noch, der im Jahr 1952 angelegte Stausee Lago basso Flumendosa war dabei ein besonderes Highlight.

Es brach dann aber allgemeiner Hunger aus und wir  entdeckten glücklicherweise in Mandas die Pizzaria My Dream, wo wir mit den besten Riesenpizzen  verwöhnt wurden. Der Besitzer zeigte uns dann auch noch stolz sein grünes Käfer-Cabrio, das er extra für uns startete.

So gut gestärkt sollte die letzte Etappe zurück nach Cagliari entspannt, da fast nur mehr in der Ebene, verlaufen.

Die dritte gemeinsame Route zum verlassenen Bergdorf Gairo Vecchio

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/UmqgH

2: Die Fähre nach Olbia und 2 Tage bis Cagliari

Nach der Anreise aus Österreich und der Nacht auf der Fähre nach Sardinien haben wir uns zwei Tage Zeit genommen, vom nordöstlichen Olbia über Arbatax bis nach Cagliari fast im Süden zu fahren und die Kurven und Blickpunkte zu genießen. Viele Eindrücke mit zu wenigen Bildern gibt es in diesem Blog.

Die Überfuhr von Civitavecchia nach Olbia

Ungefähr 10-15 Motorräder und Roller fuhren zuerst die Rampe auf die Fähre und die steile Auffahrt auf die nächste Ebene hinauf und mussten ihre Fahrzeuge ganz am Rand am Geländer abstellen. Praktischerweise nahm jeder nur das Notwendigste mit, um die Schlepperei in den engen Schiffsgängen so gering wie möglich zu halten.

Wir wurden rasch von den Bediensteten vom Deck wegkomplementiert und landeten zwei Stockwerke höher beim Checkin und erhielten innerhalb weniger Minuten fast kasernenhaft die Keycard überreicht und suchten unsere Kabinen. Wir hatten je eine Mehrbettkabine zur Einzelbenutzung gebucht, andere schliefen in den allgemein zugänglichen Sitzen.

Für Fährenneulinge wie uns hat der ADAC einige Tipps zusammengestellt: Mit dem Motorrad auf die Fähre: Tipps zu Auffahrt, Sicherung und Co.

Das Auslaufen aus dem Hafen hatte etwas von einer Mini-Kreuzfahrt, bevor wir nach einem kleinem Abendessen im Bordrestaurant unsere Kabinen aufsuchten, wir sollten ja um 5:30 schon wieder raus. So konnten wir auch relativ ausgeruht das Einlaufen im Hafen von Olbia bei Sonnenaufgang beobachten, bevor wir wieder zu unseren Motorrädern konnten.

Das Deck war ganz voll geworden, eine Gruppe Trikes aus Deutschland und viele PKWs waren nach uns noch dazugekommen und so dauerte es seine Zeit, bis wir ganz zum Schluß von der Fähre fahren konnten. Die ersten beiden Routen geführt von Franz lagen vor uns.

Die erste Inseltour bis Arbatax

Durch einen Tunnel und über eine lange Brücke ging es zuerst nur im Schritttempo in der Kolonne aus dem Hafengelände und der Stadt hinaus. Meine Crosstourer mag so etwas auf den ersten Kilometern überhaupt nicht und bockte, bis der Motor warm geworden war.

Die heutige Tagesetappe sollte zuerst über die legendäre SS125 Orientale Sarda hinaus in der Nähe der Küste und dann ins Landesinnere über Nuoro und einige Pässe wieder an die Küste nach Arbatax führen. Nach rund einer halben Stunde bogen wir nach Porto San Paolo ab, wo wir einen wunderschönen Blick auf das Tyrrhenische Meer vor der Insel werfen konnten.

Im Ortszentrum war bei einem Hotelcafe ein Frühstücksbuffett angekündigt, dort wollten wir dann halten und uns im Schatten der Arkaden stärken.

Ausgeruht und mit frischer Kraft begann nun wirklich das „Abenteuer Sardinien“ für  uns. Wir bogen am Ortseingang wieder auf die SS125 und fuhren bis nach San Teodoru, wo wir eine kurze Ortsbesichtigung per Motorrad machten. In Budoni umfuhren wir mit der Ortsdurchfahrt einige Tunnel auf der nun zur SS13DCN mutierten Straße.

Kurz vor Posada bogen wir ins Landesinnere und erreichten nach vielen kleinen Kurven Lode und Bitti, das wir uns nach einer Ortsrunde von oben anschauten.

Unser Versuch, im kleinen Bergdorf Orune einen Kaffee zu trinken, scheiterte trotz Suche auf Google Maps, der Ort schien ausgestorben, die Fotos zeigen aber trotzdem die Schönheit der Umgebung.

So fuhren wir wieder weiter bis in unser eigentliches Zwischenziel Nuoru. Kurz vor dem Dorf Dorgali kamen wir wieder auf die SS125 zurück und folgten ihr bis zum Genna Petta Pass und weiter zum Passo di Genna Silana, der auf 1002m Seehöhe liegt und anscheinend unser höchster Punkt dieser Tour war.

Der Passo Genna Croce liegt nur mehr auf 910m Höhe und kurz danach erreichten wir die Basis zur Gorropu  Schlucht. Sie ist eine der tiefsten und spektakulärsten Schluchten Europas mit bis zu 500 Meter hohen Kalksteinwänden im Supramonte-Gebirge. Vom Campo Base Gorropu kann man eine Fahrt auf nicht besonders vertrauenserweckenden Jeeps zum Schluchteingang buchen, von dort muß man aber selber wandern, sodaß daraus ein 8-stündiger Ausflug wird. Wir genehmigten uns nur einen Cappuccino und ein Eis.


Über den Genna Salbene Pass mit seinen 764m und den Genna Cogina mit 724m ging unsere Tour weiter in den Nachmittag hinein.

Wir erreichten am frühen Abend nach rund 250 km Fahrt mit vielen Kurven und abwechslungsreicher Landschaft unser Quartier im kleinen Hafenort Arbatax.

Es lag in einer privaten Siedlung hoch über dem Ort, was mir eine Rüge eines Nachbarn einbrachte. Da ich mein Motorrad mit DCT (Doppelkupplungsgetriebe, über die fast weltanschauliche Diskussion dazu schreibe ich in meinem früheren Blog Der Wunsch nach Freiheit – meine Motorräder) zur Sicherheit gerne an einer ebenen Stelle parke, hatte ich mir den Rand der Umkehrstelle am Ende der Straße ausgesucht, was mir am Morgen ein Post-It am Bike mit „No Parking!!“ einbrachte.

Die Lage unserer privaten Villa zwang uns nicht nur zu gesunden Fußmärschen, sondern erlaubte auch schöne Blicke über den bekannten Hafenort.

Eine Besonderheit gibt es zur Chiesa Parrocchiale della Beata Vergine di Stella Maris zu erzählen, die auf einigen Bildern unten zu sehen ist. Die Schutzpatronin der Seeleute und Fischer, Madonna Stella Maris, wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli mit dreitägigen Feierlichkeiten verehrt, die in einer feierlichen Prozession auf See gipfeln. Dabei wird die Statue mit einem Boot zum Yachthafen gebracht und ein Blumenkranz zum Gedenken an die auf See Verstorbenen niedergelegt.

In der Werftanlage der Firma SAIPEM wurde gerade ein Teil einer Öl- oder Gasplattform errichtet. Laut eigener Homepage befindet sich in Arbatax eine der wichtigsten Fertigungsanlagen Italiens, so strategisch günstig gelegen, um die Nachfrage im Mittelmeerraum, in der Nordsee, in Westafrika und im Golf von Mexiko zu bedienen. Hier wurden bereits zahlreiche Konstruktionen errichtet, darunter ein achtbeiniges Jacket mit einer Höhe von über 200 Metern und einem Gewicht von rund 25.000 Tonnen für das Sabrathra-Projekt vor der lybischen Küste, einer wichtigen Gasquelle für Westeuropa.

Die Route unseres ersten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/8pWVu

Die zweite Tour bis ins Hotel in Cagliari

Interessanterweise fanden unsere verschiedenen Navis hinaus aus der Stadt einen viel einfacheren Weg als gestern hinein, aber ich denke die Navis wollen manchmal auch ein bisschen zum Entertainment beitragen. Und so fuhren wir statt durch enge Gassen durch ein Waldsträßchen den Berg hinunter.

Da es in unserer „Privatvilla“ kein Frühstück gab, fanden wir beim Hinausfahren im Hauptort Tortoli ein nettes Cafe, wo wir zu Cappuccino und Limonata gute  Panini bekamen.

So gestärkt fuhren wir wieder auf die SS125, die in diesem Bereich eher Autobahn-ähnlich ausgebaut war und verließen sie daher wenige Kilometer später Richtung Landesinneres bis in die Nähe von Loceri, um wieder in südlicher Richtung weiterzufahren. Bald kamen wir zur ursprünglichen SS125 (exSS125) zurück, auf der wir mit der Ponte di San Paolo über den Fluß Fiume Pelau fuhren, der auch Rio Pardu genannt wird und zu diesem Zeitpunkt praktisch komplett ausgetrocknet war.

Copyright: Roberto Dermutas / Google Maps

Danach ging es wieder über kleinere Straßen zurück zur SS125var, der wir durchs Gebirge folgten, bis diese Ausbauvariante zu Ende war. Eine weitere lange Brücke über einen ausgetrockneten Fluss folgte auch noch.

Dann war wieder die alte SS125 angesagt, über die wir über den Arcu Genna Arela, der wegen der Höhe von nur rund 100m die Bezeichnung Pass eigentlich nicht verdient hat, bis Santa Maria fuhren, um ans Meer nach Porto Corallo zu kommen. Der Hafen war aber dort Mitte Mai noch im Winterschlaf und auch die nahe gelegene Pizzeria hatte geschlossen und so musste die Mittagspause noch warten.

Weiter ging es nun über Villaputzu und Muravera, wo ich meine Crosstourer, die schon auf Reserve war, sicherheitshalber auftankte. Wieder bewies sich, dass sie eine Säuferin ist, die BMW von Franz und die Kawasaki von Werner brauchen im Schnitt 1,5 bis 2 Liter weniger. EINEN Nachteil muss ja eine Honda mit DCT auch haben. Dabei ist sie schon sparsamer, als die Varadero davor war.

Die Fahrt in den Spätnachmittag Richtung Cagliari führte nun über die kurvenreiche Küstenstraße mit tollen Aussichtspunkten bis in die Stadt.

Über den Lungomare, vorbei an den Salinen, auf denen die weißen und rosa Flamingos leben, kamen wir dann im Ceasar’s Hotel in der Via Darwin an, wo schon Anni und Gerti, die Frauen von Franz und Werner warteten.

Ein gemeinsames Abendessen an der Strandpromenade in einem der Beach Clubs beendet den ersten gemeinsamen Abend, zuerst von einem vom gebirgigen Hinterland kommenden Gewitter unterbrochen. Es dauerte aber nicht lange und so konnten wir trocken die gute halbe Stunde zum Hotel zurück marschieren.

Die Route unseres zweiten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/Etzek

1: Auf nach Sardinien – die Anreise

Der Weg soll ja das Ziel sein, das war unsere Devise als wir 3 Freunde beschlossen, mit den Motorrädern nach Sardinien zu fahren. In diesem ersten Teil erzähle ich von unserer abwechslungsreichen Anfahrt bis zur Fähre in Civitavecchia.Wie immer gibt es auch die Links zu den Routen dazu.

Die Planung startete bereits im Winter, man ist ja nicht mehr 17 und will daher grob wissen, wohin es geht und wie man „vernünftig“ übernachtet. Mein Part dabei war die Routenausarbeitung für die Hin- und Rückfahrt und Franz übernahm die Planung auf den Inseln Sardinien und Korsika.

Auch die Hotels wurden für die ersten drei Nächte am Festland reserviert und die Fähre für die Überfahrt in der vierten Nacht gebucht. Die Ehefrauen von Franz und Werner wollten fliegen, während mein Schatz leider arbeiten musste.

Tag 1 bis Kranjska Gora in Slowenien

So ergab sich eine erste Etappe aus dem Mostviertel bzw. Industrieviertel bis nach Kranjska Gora in Slowenien. Ich fuhr  über den Semmering und das Mürz- und Murtal bis St.Michael, während die Freunde vorbei am Erzberg über den Präbichl anreisten. Das Treffen war dann in einem Cafe nahe des Autobahnkreuzes geplant, doch das war am Sonntag geschlossen.

Eigentlich müsste ich wissen, dass man das kontrolliert, so blieb nur der Schluck aus der mitgenommen Getränkeflasche auf dem Parkplatz davor, bevor wir gemeinsam losfuhren.

Die erste Etappe brachte uns zuerst durch das Murtal vorbei am Österreichring bis ins steirische Rattenberg, wo wir auf der Terrasse des Gasthofes Perschler ein tollles Mittagessen genossen. Über Scheifling und den flott zu fahrenden Perchauer Sattel zog es uns weiter ins kärntnerische Friesach, wo ich in der Nähe den kleinen Prekova-Sattel entdeckt hatte, der vom Mexnitztal bis Straßburg führt.

Die vielen kleinen Kurven gaben einen schönen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Nach einer Eiskaffee-Pause im Stiftskaffee Gurk führte unsere Route über Feldkirchen und das Südufer des Ossiacher Sees durch Villach vorbei am Faakersee.

Über die Karawanken ging es dann auf wenigen Kilometern mit bis zu 18 % Steigung auf den nur knapp über 1000 m  hohen Wurzenpass.

Dass wir noch außerhalb der Motorradsaison unterwegs waren, zeigte sich an den wenigen Bikerkollegen, die uns hier begegneten. Die Wohnmobilfahrer waren am späten Nachmittag auch schon durch und so konnten wir zügig bis in unser Hotel Spik in der Nähe von Krajnska Gora durchfahren. Ein kleiner Spaziergang zum Beine Vertreten ins nächste Restaurant beendete dann unseren ersten Anreisetag.

Die Route des ersten Tages

https://kurv.gr/gVHQP

Tag 2 – Um den Regen herum nach Padua

Das Wetter zeigte sich nach dem Frühstück im Hotel trocken, aber in den Bergen rundherum hing noch der Nebel. Wir wollten trotzdem an unserer geplanten Route festhalten und über den höchsten Pass Sloweniens, den Vrsicpass ins Socatal fahren. Leider begann es aber schon bald nach der Ortsdurchfahrt von Kranjska Gora immer stärker zu nieseln und auch der Nebel kam immer näher.

Nicht umsonst heißt er auf italienisch Passo della Moistrocca (Kopfsteinpflaster), da von den 51 Haarnadelkurven (24 auf der Nordrampe, 27 auf der Südrampe) der 45 km langen Straße im nördlichen Teil der Passstraße noch einige aus Kopfsteinpflaster bestehen. Hier kann es bei Regen recht rutschig werden, aber wir müssen uns nichts mehr beweisen und nichts riskieren und so kehrten wir bald nach der neuen Mautstelle um.

Der Vrsicpass ist zwar auch weiterhin grundsätzlich mautfrei, aber der Parkplatz am Scheitel ist ab 2026 kostenpflichtig und das soll in den verkehrsreichsten Monaten (15. Juni bis 15. September) bereits vor der Auffahrt zu bezahlen sein.

Ein kleiner Umweg über Tarvis, nun in Italien, sollte uns über einen ebenfalls tollen Pass, den Predil, ins Socatal bringen. Die Fahrt geht auf der gut ausgebauten aber nicht besonders spektakulären Straße entlang des Radweges auf der ehemaligen Bahnstrecke von Tarvis nach Bled, den wir im Vorjahr als Abstecher vom Alpe-Adria Radweg bis zu den beiden Fusine-Seen gefahren sind. Rechts und links der Straße tauchen immer wieder hoch oben die dabei zu überfahrenden Eisenbrücken auf.

Tag 1: Von Villach bis Tarvis

Bald zweigte die Straße Richtung Süden ab und wir fuhren beim Predilsee Richtung Passo del Predil. Die manchmal spannenden, weil recht schlecht beleuchteten Kehrtunnel und der Blick auf den See hinunter verlockten uns zu einigen Fotostopps.

Als wir die Passhöhe mit der Grenzstation zu Slowenien erreichten, stand wieder eine Nebel- und Regenwand vor uns. Nach der Befragung einiger ankommenden LKW-Lenker entschlossen wir uns auch hier umzukehren und den Sella Nevea als neues Ziel zu nehmen.

Vorbei an der Westseite des Predilsees führt die Straße auf den knapp 1.200 Meter hohen Scheitel hinauf und dann sind auch ein paar nette Kehren sowie einige kurze Felstunnelpassagen zu meistern.

Bald war Chiusaforte im italienischen Kanaltal erreicht. Hier fuhren wir weiter nach Süden, entlang eines der schönsten Abschnitte des Alpe-Adria Radweges, der immer wieder mit den Brücken und Galerien der alten Bahntrasse zu sehen war. Hier sind unsere Eindrücke vom Vorjahr nachzulesen:

Tag 2: Von Tarvis nach Carnia

Bei Gemona del Friuli, das einen Besuch oben am Berg wert wäre, uns aber mit Blick auf Zeit und Wetterlage nicht ins Konzept passte, fuhren wir weiter südwestlich. Auf schnellen Wegen sollte es durch die Po-Ebene gehen. Kurz bevor wir die Meeresküste erreichten, machten wir noch einen gemütlichen Stopp bei einer Cafeteria und stärken uns mit Espressi und Panini. Die Kirche gegenüber war auch einen Blick wert.

Immer die schwarzen Wolken hinter und über uns fuhren wir nach einigen Ortschaften unter der Autobahn durch und erreichten die Küste, wo es dann bei starkem Wind doch noch zu regnen begann. Der begleitete uns durch Mestre, vorbei an der Kreuzung zum Damm nach Venedig, aber nach 20 Minuten war es wieder vorbei. Bei einer Tankstelle gab es dann nochmals einen Espresso und ein Creme Caramel und wir waren schon wieder fast trocken.

Die letzten 40 Kilometer gehörten kleinen Sträßchen Richtung Padua, vorbei an Kanälen und den typischen venetischen wunderschönen Villen, die man sonst nur aus Fernsehdokus kennt. In die Stadt hinein mussten wir durch ein Baustellen-Labyrinth, da die spezielle Straßenbahn, die Trampadova, ein spurgeführtes System auf Gummirädern, mit der Linie SIR3 erweitert wird. Trotzdem erreichten wir dann recht einfach unser Hotel in der Altstadt, gleich vis a vis der Basilika des Heiligen Antonius, mit gesperrtem Parkplatz im Hinterhof des Hauses.

Wenn man schon so nah an einem der großen Heiligtümer der Christenheit ist, gehört ein Rundgang in der Basilica del Santo natürlich dazu. Diese wurde zwischen 1232 und etwa 1310 mit romanischen und gotischen Stilelementen errichtet, um das Grab des Heiligen Antonius von Padua (geboren um das Jahr 1195 in Lissabon, gestorben am 13. Juni 1231 in Padua) aufzunehmen.

Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Christenheit und ein Lehrer der Weltkirche. Dieser bescheidene Mönch aus der Ferne interessierte sich für die Schwächsten und Benachteiligten, er kümmerte sich um die Probleme der einfachen Leute und kämpfte für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und wird deswegen als der Heilige des Volkes bezeichnet.

Während unseres Stadtrundganges begann es auf einmal zu schütten und wir flüchteten in ein kleines vegetarisches Lokal, wo wir dann praktisch trocken unser Abendessen und den stimmungsvollen Blick über den Platz genossen.

Die Route des zweiten Tages

https://kurv.gr/e8BMP

Tag 3 – Bis ins Manhattan des Mittelalters

Die Fahrt hinaus aus Padua war einerseits von der Rushhour und andererseits wieder von Baustellen geprägt, wo wir uns mit unseren breiten Seitenkoffern nicht so leicht wie die einheimischen Rollerfahrer durchzwängen konnten. Aber nach einer Viertelstunde hatten wir den Stadtrand erreicht und wir fuhren den italienischen Fahrstil schon etwas angepasster.

Auf kleineren Straßen, teilweise schnurgerade mit einer Kurve alle heiligen Zeiten fuhren wir Richtung Modena, von wo es dann die letzten rund 170 Kilometer in die hügelige Toskana gehen sollte.

Die Straße änderte sich von einer Minute zur nächsten, war sie zuerst schnurgerade, gab es jetzt 30 Kurven auf der gleich langen Strecke. Aber nicht nur das änderte sich, statt der Roller waren nun mehr Supermotos unterwegs, bei denen man zumindest anhand des Stils vermuten konnte, dass die Fahrer die Kurven auch blind kennen.

Bei einer Allee aus Toskana Schirmföhren (Pinus pinea) musste ich unbedingt anhalten, genau wie am Kreisverkehr am Ortseingang von Vinci, dem Heimatort von Leonardo, und einige Bilder machen.

Nach gefühlt 1000 Kurven tauchte am abendlichen Horizont das Städtchen San Gimignano mit seinen mittelalterlichen Türmen hoch über den umliegenden Hügeln auf. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf. Es hat einen speziellen Grund,  warum die Stadt in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist: Hier ist die Zeit scheinbar im Jahr 1563 stehengeblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano bis heute geblieben, wie es damals war.

Unser Hotel Volpai lag 11 Kilometer mit hunderten Kurven tiefer im Tal in der kleinen Ortschaft Castel San Gimignano und präsentierte sich einfach so, wie man sich ein kleines Hotel in der Toskana vorstellt. Der einzige Wermutstropfen war, dass es für uns bereits zu spät für das hoteleigene Pool war. So blieb nur das Abendessen im überraschend gut besuchten Restaurant Tre Archi, das auf jeden Fall zu empfehlen ist. Es liegt direkt an der Straße zwischen San Gimignano und Voltera.

Die Route des dritten Tages

https://kurv.gr/WFc3v

Tag 4 – Bis zur Fähre in Civitavecchia

Wir starteten wenige Minuten nach dem Frühstück und verfolgten die Gewitterwolken über uns, immer mit der Hoffnung, dass sie an uns vorbeiziehen. Leider war es diesmal nicht so und so schafften wir es gerade noch nach den ersten stärkeren Tropfen unter das rettende Dach der Tankstelle in Volterra. Tanken und eine halbe Stunde warten war angesagt,  dann war der Spuk vorbei und wir konnten unseren Weg Richtung Süden fortsetzen.

Auf kleinen kurvigen Straßen fuhren wir die hügelige Landschaft der Toskana Richtung Süden. Eine Reihe von alten Ortschaften leuchtete von den in der Nähe liegenden Bergrücken, aber man kann ja nicht dauernd und überall stehen bleiben, um zu fotografieren.

Da wir in Grosseto gut die Hälfte der Strecke geschafft hatten und die Mittagszeit auch schon um war, war es Zeit für eine gute Pasta und einen Espresso. Ein Regenguss erinnerte uns an das unsichere Wetter, war aber rasch wieder vorbei und wir konnten uns bei einem Rundgang auf der Zitadelle nochmals die Beine vor den letzten Kilometern bis zur Fähre vertreten.

Auf wirklich kleinen Sträßchen ging unsere Fahrt wieder in das Hügelland südwestlich von Grosseto und dann bald in Meeresnähe weiter. Beim beinahe ersten Blick auf das Wasser bogen wir ab und fanden praktischerweise dort auch ein Lokal mit Eis und Kaffee.

Die Suche nach der richtigen Fähre gestaltete sich für uns Neulinge schwieriger als gedacht, aber zum Schluß waren wir alle rechtzeitig, das heißt gut zwei Stunden vor dem Ablegen bei der Fähre und konnten daher in Ruhe mit einigen weiteren  Bikern und Rollerfahrern die Stahlbrücke hinauf auf Deck 6 fahren und unsere Fahrzeuge knappest am Rand abstellen, bevor die PKWs und LKWs hinauf durften. Mit dem Minimalgepäck für eine Nacht machten wir uns auf die Suche nach dem Checkin bzw. der Zuteilung der Kabinen.

Die Route am vierten Tag

https://kurv.gr/Y9YQG

Fazit nach vier Tagen

Obwohl unsere Anreisetage im Großteil von Europa von viel Regen geprägt waren, wurden wir dank verschiedener Wetter-Apps und Beobachtungen und unserer daraus folgenden Streckenänderungen nie wirklich nass und die Regenkombi blieb während der gesamten Zeit im Seitenkoffer.

Über die Überfahrt und unsere zweitägige Fahrt vom Hafen Olbia bis Cagliari fast an der Südspitze Sardiniens schreibe ich im nächsten Blog.