4: Sardinien von Cagliari im Süden bis Bastia in Norden Korsikas

In diesem Blog geht es schon wieder um die Rückfahrt, zuerst über die beiden Inseln Sardinen und Korsika, mit Flugzeug-Denkmälern, Burgen und Küstenlandschaften, Schluchten und relativ hohen Pässen, beinahe wilden Tieren und malerischen Dörfern und zum Schluß mit der Fähre von Bastia nach Savona am italienischen Festland.

Die gemeinsame Woche war schon wieder um und so kam der Tag der Heimreise, die Ehefrauen von Franz und Werner mit dem Flugzeug und wir auf unseren Motorrädern. Zunächst sollte es Sardinien hinauf bis zur Fähre von Santa Teresa Gallura nach Bonifacio auf Korsika gehen und dann bis Bastia, von wo uns die nächste Fähre wieder ans Festland in Savona bringen sollte. Jeweils eine Übernachtung pro Insel stand ebenfalls am Plan.

Tag 1: Von Cagliari nach Sassari

Nach der Verabschiedung von den Ehefrauen der Freunde, die erst etwas später zum Flughafen mussten, starteten wir los vom Hotel Richtung Altstadt. Vorbei an der Bastione di Saint Remy fuhren wir den Berg hinauf und aus der Stadt Richtung Norden hinaus.

Ungefähr eine halbe Stunde, nachdem wir Cagliari verlassen hatten, kamen wir am Luftwaffenstützpunkt Decimomannu vorbei. Der Lockheed Starfighter F-104 mit gestutzten Flügeln vor dem Eingang animierte mich sofort zu einem Fotostopp. Hinein darf man natürlich nicht und die Wachen waren auch nicht begeistert, weil wir das ausgestellte Flugzeug fotografierten.

Dabei werden auch die Piloten des Österreichischen Bundesheeres für die neuen Leonardo-M-346-FA-Jets in der dort stationierten International Flight Training School (IFTS) ausgebildet, wie der ORF bereits im Februar 2026 berichtete. Hier ist der Ausschnitt aus der ZIB2 vom 24.2.2026 dazu.

Unser weiterer Weg brachte uns durch die Ebene bis in die Nähe von Santa Giusta, wo wir am gleichnamigen Teich Stagno di Santa Giusta einen kurzen Photostopp machten und das Naturschutzgebiet  bewunderten. Der Teich ist durch einen breiten Küstenstreifen vom Meer getrennt und über einen künstlichen Kanal mit diesem verbunden. Er hat keine direkten Zuflüsse und wird über Entwässerungskanäle gespeist.

Im Zentrum des Ortes fanden wir eine kleine Cafeteria,  wo wir uns mit Cappuccino und Getränken stärkten, bevor wir in der beginnenden Hitze weiter nach Norden fuhren, wo wir kurz wieder an die Küste kamen,  bevor wir Marina Bosa und dann Bosa erreichten.

Die kleine Stadt ist angeblich einer der schönsten Orte Sardiniens und liegt 2 km im Landesinneren am Fluss Temo. Wir aber wollten zur Burganlage Castello di Servalle, auch Castello Malaspina genannt. Der Hitze wegen fuhren wir, nicht ganz erlaubt, so weit wie möglich zum Eingang, damit wir nicht auch noch mit unseren heißen Motorradhosen den Burgberg erklimmen mussten.

Der Blick von der Burgmauer über die Dächer der Stadt entschädigte für den Schweiß beim Hinaufsteigen. Den markanten Turm bestieg aber nur Franz.

Aber auch die Kirche „Nostra Signora de Sos Regnos Altos“ mit einem Freskenzyklus aus dem Jahr 1370 ist einen Besuch wert. Neben den außergewöhnlichen Wandmalereien war die Abkühlung in den alten Steinmauern recht angenehm.

Dann führte die SP106 mit vielen flotten Kurven die hügelige bis gebirgige Küste entlang, die aber trotzdem immer wieder zum einen oder anderen Halt an einem Aussichtspunkt animierte.

Danach gab es noch eine kurze Kaffeepause in einem richtigen Strandcafe, wo wir zumindest den Schatten an diesem heißen Nachmittag geniessen konnten.

Den letzten Teil der Route fuhren wir getrennt um unsere individuellen Fotostopps machen zu können, dabei war die kleine Küstenstadt Alghero nochmals ein Highlight.

Ab da betätigte sich mein Navi auf einmal als Hellseher und wollte mich unbedingt auf die neue SS291VAR führen, die teilweise im Bau war, aber trotzdem in der Realität nicht existierte und ich vor nicht existierenden Ausfahrten in einigen Kreisverkehren stand. Über allerkleinste Bauernwege, durch Felder und meterhohes Gebüsch kam ich dann, ohne dem verwirrten Navi zu folgen, zurück auf die bestehende SS291 Richtung Sassari.

Unser modernes Hotel war zwar zumindest für mich etwas schwer zu finden, war aber nur wenige 100 Meter von der Altstadt entfernt, wo wir in einer sehr schönen gepflegten Trattoria zum Abendessen waren.

Tag 1 der Heimreise: Von Cagliari nach Sassari

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/YYfwM

Tag 2: Von Sassari auf Sardinien nach Corte auf Korsika

Gleich nach dem Frühstück starteten wir los Richtung Fähre, hinaus bei der steilen Ausfahrt aus der Tiefgarage. Hier habe ich das erste Mal seit Langem das DCT (Doppelkupplungs- getriebe) der ersten Generation verflucht, als mir beim Wegfahren beim langsam öffnenden Tor die Crosstourer abgestorben ist. Das Betätigen der Fuß- oder Handbremse war praktisch unmöglich da ich auf der extrem steilen Auffahrt die Füße am Boden haben musste und die rechte Hand zum Gasgeben benötigte. Dass sie nebenbei auch nicht anspringen wollte, war dann nur noch die Draufgabe. Aber mit Ruhe und etwas Glück hat es dann doch ohne Umfaller oder nochmaliges Absterben geklappt.

Wir verließen die Stadt Richtung Nordwesten, zum Hafen von Santa Teresa Gallura, von wo es mit einer einstündigen Überfahrt nach Bonifacio auf Korsika gehen sollte. Die Strecke war zwar in Küstennähe, aber trotzdem mit schönen Ausblicken auf das sardische Hinterland.


Da die Straßen gut ausgebaut sind, konnten wir trotzdem flott unterwegs sein und so erreichten wir mehr als rechtzeitig den Hafen von Santa Teresa Gallura.

Die Abfahrt unserer Fähre sollte um 12:30 sein. Auch hier kamen die Motorräder zuerst auf das Schiff und wir genossen die ruhige Fahrt auf dem fast glatten Meer, was, wie ich später von einem Freund erfuhr, gar nicht so selbstverständlich war.

Die Ausfahrt aus dem Hafen war bereits ein Erlebnis, aber auch das Einlaufen in einen der beeindruckendsten Naturhäfen des Mittelmeeres in Bonofacio bleibt unvergesslich. Die weiße Kalksteinzitadelle und die Häuser daneben an den steil abfallenden Felsklippen wirken so, wie wenn sie jeden Moment ins Meer stürzen könnten.

Und schon fuhren wir wieder von der Fähre und direkt aus Hafen und Stadt hinaus wie die meisten Fahrzeuge auf der Fähre. Unser nächstes Ziel sollte Porto-Vecchio sein, wo wir uns bei der Durchfahrt den wunderschönen Ortskern ansahen. Aufgrund der Enge und der vielen Menschen war ein kurzer Fotostopp nicht möglich und ihr müsst mir das einfach so glauben, oder diesem Link folgen: Porto-Vecchio

Unsere Fahrt durch die Altstadt vorbei am Place de la République ist zwar nicht verboten gewesen (glaube ich zumindest, da uns niemand aufhielt oder darauf hinwies),  kurviger.de wehrt sich aber trotzdem dieses Stück so darzustellen, wie wir gefahren sind.

Von hier ging es bald nach Palavesa in die Berge, wo in einer Kurve ein Aussichtspunkt in die Tiefebene und die Küste bei Porto-Vecchio lag, wo wir neben einer Reihe von anderen Bikern ebenfalls anhielten. Hier habe ich den ersten und einzigen Crosstourer-Fahrer auf unserer Sardinien-Tour getroffen, der noch dazu aus Amstetten stammte, also quasi ein Nachbar aus der alten Heimat. Der spezielle Blick den Berg hinunter fiel auf die Stadt Porto-Vecchio und die angrenzende Küstenlandschaft.

Ein paar Pässe möchte ich noch nennen, die wir im nächsten Abschnitt durch wunderbare Kiefernwälder mit vielen kleinen aber auch langgezogenen Kurven vorbei am Stausee Lac de L’Ospedale gefahren sind, den Bocca d’Illarata (991m), den Bocca di Pelza (874m), den Col de Bulgara (737m), und den Col de la Vaccia (1191m), bevor wir das malerische Bergdorf Cozzano erreichten, wo wir wieder eine kleine Kaffeepause einlegten.

Über den Col de Verde (1289m) und den Col de Sorba (1311m) ging es dann wald- und kurvenreich, meist gut ausgebaut bis zu unserem Ziel in Corte. Ich führe diese Pässe alle deswegen an, um zu zeigen, dass Korsika mit den vielen Kurven und Pässen für Motorradfahrer fahrerisch und landschaftlich besonders interessant und empfehlenswert ist. Werner schmiedete sogar schon Pläne für einen Wanderurlaub. Auch einige „wilde“ Tiere kreuzten unseren Weg!

Unser Hotelgastgeber an der Hauptstraße wartete schon und unsere Motorräder wurden zu 10 weiteren in eine Auto-Doppelgarage geschlichtet. Nach einem gemütlichen Abendessen im daneben liegenden Lokal ging dieser recht lange Tag zu Ende.

Da der letzte Abschnitt auf Korsika bis zur Fähre kürzer sein sollte, liessen wir uns am nächsten Morgen noch Zeit genug, die Stadt zu erkunden.

Tag 2 unserer Heimfahrt: von Sassari bis Corte

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/XbB8F

Tag 3: von Corte nach Bastia und mit der Fähre nach Savona

Unser letzter Tag auf Korsika sollte ein neues Highlight für uns haben, eine ganz besondere Schlucht im Naturpark. Bald nach der Ortschaft Ponte Leccia beginnt das Asco-Tal, dem wir rund 20 Kilometer bis ein Stück über das Bergdorf Arco entlang des Flusses mit vielen schönen Kurven und Blickpunkten folgen. Hier fanden wir heraus, dass der Berg im Hintergrund, der Monte Cinto mit seinen 2706 Metern der höchste Korsikas ist und noch einige Kilometer weiter auch ein Schigebiet liegt.

Dieses Tal im Parc Naturel Régional de la Corse beeindruckte nicht nur uns, sondern auch eine Reihe anderer Biker, Radfahrer und Wanderer. Der Fluss selbst ist angeblich auch ein Geheimtipp bei den Kanufahrern.

Im Dorf Asco gibt es gleich am Ortseingang ein Café, das uns zu einer Pause animierte. Den Blick über das Tal hinaus bekamen wir als Draufgabe.

Aber auch die Fahrt aus dem Tal hinaus eröffnete wieder neue Blickwinkel, die uns in der anderen Richtung gar nicht aufgefallen waren.

Danach wollten wir weiter Richtung Fähre in Bastia. Es wäre nicht Korsika, wenn nicht einige weitere Passhöhen auf unserem Weg gelegen wären. Der erste war der Col de Sainte-Marie (372m) bevor die kurvige Straße hinauf auf den Bocca di Vezzu (311m)  führt, von dem wir einen wunderschönen Blick hinunter auf die Küste einerseits und ins Landesinnere andererseits hat.

Der Fremdenverkehrsort Saint-Florent beeindruckte uns mit seinem zentralen Yachthafen, wo sich gefühlt alle Motorradfahrer der Insel trafen.

Der letzte Pass vor unserem Ziel war der Col de Teghime (536m). Das dortige Denkmal soll daran erinnern, dass Ende September 1943 korsische Partisanen und freifranzösische Verbände Bastia, wo zu diesem Zeitpunkt noch deutsche Truppen waren, einnehmen konnte.

Da unsere Fähre erst um 22:30 ablegen sollte, waren wir noch recht früh dran. Daher suchten wir ein Lokal, wo wir noch ein Eis essen konnten und fanden eines nach einem längeren Fußmarsch ganz in Hafennähe. Neben einem guten Eis lernten wir dabei auch noch, dass man hier keinen Cappuccino, sondern einen Café au Lait trinkt, was nicht nur sprachlich, sondern auch in der Zubereitung ein Unterschied ist. Der Cappuccino besteht aus Espresso und Milch und einer dicken Schicht Milchschaum. Der Café au Lait hingegen ist einfach eine Mischung aus Filterkaffee und Milch ohne Schaum.

Die Zufahrt zur Fähre war zwar gut angezeigt, doch die Ausfahrt im Kreisverkehr war dann trotzdem leicht zu übersehen, wir kamen aber nach einer kleinen Zusatzrunde doch hin, wo wir innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit einigen anderen Motorrädern unseren Platz auf dem Schiff zugewiesen bekamen.

Wir hatten wieder eine Kabine zur Einzelbenutzung gebucht, was die Nacht nach einer frischen Dusche sicher erholsamer als am kühlen Deck oder in einem der Sitze unter Deck machte.

Am Morgen genossen wir noch unser kleines französische Frühstück, oder Petit déjeuner, mit einem Stück Baguette mit französischer Butter und Marmelade, einem Croissant und natürlich Café au lait. Dass jedes Stück in Plasik verpackt war, musste man sich halt wegdenken, um den typischen französischen Frühstücksgenuss zu haben. Danach hatten wir noch Zeit genug, um das Einlaufen der Fähre im Hafen von Savona zu beobachten.

Tag 3 der Heimfahrt von Corte bis Bastia

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/4XUKE


3: Strände, Berge, Inseln und Lost Places

In diesem Blog erzähle ich von drei gemeinsamen Tagestouren von Cagliari aus. Da Sardinien so groß ist, erkundeten wir damit nur das südliche Drittel der Insel.

Runde 1: hohe Berge, (ehemalige) Sümpfe, malerische Strände und rosa Flamingos

Diese Runde sollte an den südlichsten Zipfel Sardiniens führen, doch Franz wollte uns zuerst eine malerische Schlucht zeigen. Darum starteten wir nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel Richtung zuerst über den Lungomare Richtung Osten und dann nach Norden hinaus aus der Stadt.

Unser erstes Ziel, der Passo Arcu e Tidu, liegt im Sette Fratelli Gebirge, einem Naturschutzgebiet im Süden Sardiniens unweit der Inselhauptstadt, und ist der höchste Punkt der alten Verbindungsstraße zwischen der Südostküste Sardiniens und Cagliari.

Ganz in der Nähe führt eine Sackstraße in den Ort Burcei. Leider fanden wir dort kein Cafe, aber der Aussichtsberg Monte Serpeddi mit seinen 1069 Metern lockte uns. Über schmalste Sträßchen fuhren wir zum Fuß des Berges, wo wir feststellten, dass der Berg nur über eine steile Schotterpiste erreichbar war, was wir aber nicht riskieren wollten und daher umkehrten.

Und so ging es wieder zurück auf die NSA 371 (Nuova Strada ANAS 371), die ehemalige Strada Statale 125 „Orientale Sarda“, nicht ohne nochmals einen Photostop mit Ausblick bis Cagliari zu machen.

Dieser kurvenreiche, und landschaftlich reizvollen Strecke von San Gregorio (Sinnai) über die Berge folgten wir Richtung Osten, bis wir schon im Flachland, im kleinen Dorf San Priamo gleich gegenüber der Kirche ein Cafe entdeckten, das offen hatte. Cappuccino und sardische Cookies stärkten wieder Körper und Geist.

Die Häuser und die ganze Siedlung fielen mir aufgrund ihrer Bauweise und rasterartigen Anordnung auf. Es sah wie eine geplante Fabrikssiedung aus den 1930er Jahren aus. Es stellte sich heraus, dass San Priamo unter Mussolini als Kaserne für Arbeiter gegründet wurde, die das umliegende Sumpfland trocken legen sollten, damit die Malaria zurückgedrängt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung verlassen und hat heute nur mehr 110 Einwohner. Die Häuser scheinen zwar nicht gepflegt zu werden, aber verlassen wirken sie ebenfalls nicht. Ein sehr eigener Lost Place.

Und dann war wirklich Küste und Meer angesagt. Etwas südlich des bekannten Badeortes Costa Rei erreichten wir einen Strand, an dem wir wirklich im Sand vor dem Wasser rasten und die Zehen ins kühle Nass halten konnten.

Dann hofften wir, am südlichsten Zipfel Sardiniens ein Restaurant zu finden, das um 15 Uhr hungrige Bikerinnen und Biker nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Essen versorgen wollte. Leider hatten aber beide von uns angesteuerten Lokale trotz gegenteiliger Internet-Auskunft die Küche geschlossen. Aber im nur wenige Kilometer entfernten Villasimius entdeckte Franz eine Trattoria, die uns mit Pizza & Co wieder ins Leben zurückholte.

Gestärkt fuhren wir die Küste mit atemberaubenden Aussichten bis zu unserem Ausgangspunkt entlang, die späte Nachmittagssonne tat dabei ihr übriges.

Am Beginn des Lungomare von Cagliari hielten wir unsere Motorräder an und konnten wirklich die Flamingos in der Abendsonne  bewundern.

Die Runde zu Berg, Sumpf und Strand

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/JEFaz

Runde 2: Strände und die südlichste Insel

Diese Runde sollte uns endgültig in den Süden der Insel führen, Franz hatte einen besonderen Strand und eine vorgelagerte Insel als Ziele geplant.

Wir fuhren vorbei an Altstadt und Hafen hinaus aus der Stadt und weiter über die SS195 vorbei an Salinen, wo ebenfalls Flamingos leben, die wir aber nicht gesehen haben. Unser Guide für Sardinien, Franz bog dann wenige Kilometer später, nach der Ortschaft Chia, links von der schnurgeraden Strasse ab, wo wir auf einen kostenpflichtigen Parkplatz für den nahegelegenen Strand landeten, der Kassierer sich aber überreden ließ, für uns mit unseren  Motorrädern eine Ausnahme zu machen und uns die Gebühr zu erlassen.

Breite Holzstege führten hinaus an den Strand Su Guideu vorbei an einem Naturschutzgebiet. Eine kleine Bucht lag vor uns, mit einem wunderschönen Sandstrand und leider sehr windig. Die bekannte Strandbar wurde Mitte Mai gerade erst eingerichtet und wird erst zur Badesaison geöffnet.

Vor der Weiterfahrt gab es aber doch noch einen guten Cappuccino im Cafe Aquadulci beim Parkplatz. Die Straße SP71 entlang der Costa Sud Sardegna mit ihren Aussichtspunkten wie dem Punto Panoramico zur Isola Tuerredda ist zwar fahrerisch keine besondere Herausforderung, dafür hat man genug Zeit, die traumhafte Landschaft zu genießen.

Dafür waren dann die nächsten rund 20 Kilometer wieder näher an der Küste und umso kurviger. In Santadi am Platz vor der Chiesa Parrocchiale di San Nicolò di Bari und dem Rathaus machten wir wieder eine Pause im Schatten eines ganz interessanten Baumes, die Hitze war in der Zwischenzeit auf weit über 30 Grad gestiegen.

Dann machte sich schon der allgemeine Hunger bemerkbar und so beschlossen wir, auf der Isola di Sant Attico zu essen. Vorbei am Lago Monte Pranu fuhren wir Richtung Küste und über den Damm auf die kleine Insel und in den Hafen des Hauptortes Sant Attico. Auch dort war am späten Nachmittag bis auf ein Lokal alles geschlossen, dafür war dort das Essen umso besser und einige Meter weiter gab es als Nachspeise ein Spitzen-Eis.

Über die schnelle Heimfahrt ins Hotel über die SS120 gibt es dann nichts weiter zu berichten.

Die Runde zu den Stränden und der Isola di Sant Attico

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/bXdPC

Runde 3: in die Berge und zu einem besonderen Lost Place

Diesmal schaffte ich es doch einmal, den Sonnenaufgang vom Dach des Hotels zu fotografieren, fast ein bisschen kitschig.

Bei dieser Runde wollte uns Franz ein besonderes Kleinod von Sardinien zeigen. Neben den für uns Motorradfahrer wichtigen Kurven und Ausblicken war das Ziel das verlassene Dorf Gairo Vecchio.

Bald nach dem Frühstück waren wir bereit und folgten Franz nun wirklich nach Norden in die Berge. Der erste Teil der empfehlenswerten SS387 führte uns durch die Campidano-Ebene bis Dolianova. Kurz nach der Abzweigung auf die SP25 steht praktisch neben der Straße das Sardinia Radio Telescope, da mussten wir natürlich einen Photostopp einlegen. Dieses parabolische Radioteleskop mit einem Durchmesser von 64 Metern wird vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik (INAF) betrieben und von der Astronomischen Sternwarte von Cagliari verwaltet.

Durch Wälder aus Kork- und Steineichen und über aussichtsreiche Höhenzüge von einem Tal ins nächste ging es kurvenreich weiter bis in die Gegend von Ballao. Weiter ging diese Traumstraße, die mit bestem Asphalt und breiten Kurven, durch das einsame Flumendosa-Tal führt. Auch ein großer Windpark mit rund 60 Windrädern mit einer Gesamtleistung von rund 126.000 kWh ist in der Nähe der Stadt Ulassai in Betrieb und begleitete unsere Tour.

Am höchsten Punkt, beim Monte Codi mit seinen 850 Metern steht weit sichtbar eine Radaranlage der Europäischen Flugsicherung, die wir uns natürlich aus der Nähe ansehen mussten und dafür die kleine schmale Stichstraße hinauf fuhren.

Was Freund Werner dabei entdeckt hat, wird jeder, der beides kennt, bestätigen. Rechts im Bild unten sieht man einen markanten Felsstock aus dem Monument Valley, das ja eigentlich im US-Bundesstaat Utha liegt, und links dahinter, etwas weiter am Horizont, den Ötscher aus dem niederösterreichischen Mostviertel. Ein bisschen Phantasie schadet nie…

Ein weiterer Stopp wurde nur wenige Kilometer später, kurz vor Ulassai notwendig. Ein wunderbarer Blick ins Tal auf der einen Seite und auf die Felsformationen auf der anderen Seite begrüßte uns.

Bald darauf erreichten wir Ulassai, das von einer recht bedrohlich wirkenden Felsnase überragt wird.

Kurz nach Osini, das ebenfalls zu den Dörfern gehört, die 1951 von den Unwettern teilweise zerstört und später wiederaufgebaut wurden, hat man einen wunderbaren Blick auf unser Ziel Gairo Vecchio (Alt-Gairo) und dem etwas höher oben neu aufgebauten Gairo Sant Elena.

1951 regnete es vom 14. bis 19. Oktober durchgäng in ganz Sardinien, doch die Region Ogliastra war ganz besonders betroffen, fielen doch vereinzelt zwischen 300 und 500 mm Regen pro Quadratmeter. Das führte zu Vermurungen und Hangrutschungen in diesen Bergdörfern. Es wurde anscheinend zwar niemand verletzt, aber an einen Wiederaufbau an der gleichen Stelle war nicht zu denken. Und so wurde Gairo auf drei Teile aufgeteilt.

Bei einer Wanderung durch das verlassene Dorf gewinnt man einen guten Einblick in die Architektur dieser Orte mit ihren rot oder blau ausgemalten Räumen,  viele mit offenen Kaminen, die noch erhalten sind.

Für mich ist das die dritte Variante, wie in Italien mit einem von Naturgewalten zerstörten Dorf umgegangen wurde. Auf Sizilien wurde das Dorf Gabelina 20km entfernt als Stadt im Stil amerikanischer Gartenstädte neu aufgebaut und das alte Dorf in einem rechteckigen Ausschnitt des zerstörten Kernes mit einer etwa 300 × 400 Meter großen und 1,6 Meter Schicht aus weißem Beton überdeckt. Das eine beklemmend, das neue künstlerisch spannend, aber fast ausgestorben und daher zumindest aus meiner Sicht gescheitert.

Sizilien 5 – Lost Places am Weg nach Trapani

Im Kanaltal ist Venzone einer der Orte, die beim Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört wurden. Die ursprüngliche Idee, den Ort modern neu aufzubauen, wurde von der Bevölkerung verhindert und so wurde er so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Heute bezeichnet Venzone sich selbst als „eines der schönsten Dörfer Italiens“ und die Bevölkerung steht auch dahinter. Ein bisschen wie Dresden oder auch Wien.

Tag 3: Von Carnia bis Udine

Und die Schweiz ist gerade im Tessin mit dem Dorf Blatten, das im Mai 2025 nach einem  Gletschersturz verschüttet wurde, und in Graubünden mit dem Dorf Brienz, das von einem Bergsturz massiv bedroht wird, in einer ähnlichen Diskussion.

Nach einer Stärkung in der Bar oberhalb von Gairo Vecchio mit einem schönen Blick auf das Tal und Osina am gegenüberliegenden Hang wurde es Zeit für die Rückfahrt.

Ein paar Fotostopps gab es natürlich auch noch, der im Jahr 1952 angelegte Stausee Lago basso Flumendosa war dabei ein besonderes Highlight.

Es brach dann aber allgemeiner Hunger aus und wir  entdeckten glücklicherweise in Mandas die Pizzaria My Dream, wo wir mit den besten Riesenpizzen  verwöhnt wurden. Der Besitzer zeigte uns dann auch noch stolz sein grünes Käfer-Cabrio, das er extra für uns startete.

So gut gestärkt sollte die letzte Etappe zurück nach Cagliari entspannt, da fast nur mehr in der Ebene, verlaufen.

Die dritte gemeinsame Route zum verlassenen Bergdorf Gairo Vecchio

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/UmqgH

2: Die Fähre nach Olbia und 2 Tage bis Cagliari

Nach der Anreise aus Österreich und der Nacht auf der Fähre nach Sardinien haben wir uns zwei Tage Zeit genommen, vom nordöstlichen Olbia über Arbatax bis nach Cagliari fast im Süden zu fahren und die Kurven und Blickpunkte zu genießen. Viele Eindrücke mit zu wenigen Bildern gibt es in diesem Blog.

Die Überfuhr von Civitavecchia nach Olbia

Ungefähr 10-15 Motorräder und Roller fuhren zuerst die Rampe auf die Fähre und die steile Auffahrt auf die nächste Ebene hinauf und mussten ihre Fahrzeuge ganz am Rand am Geländer abstellen. Praktischerweise nahm jeder nur das Notwendigste mit, um die Schlepperei in den engen Schiffsgängen so gering wie möglich zu halten.

Wir wurden rasch von den Bediensteten vom Deck wegkomplementiert und landeten zwei Stockwerke höher beim Checkin und erhielten innerhalb weniger Minuten fast kasernenhaft die Keycard überreicht und suchten unsere Kabinen. Wir hatten je eine Mehrbettkabine zur Einzelbenutzung gebucht, andere schliefen in den allgemein zugänglichen Sitzen.

Für Fährenneulinge wie uns hat der ADAC einige Tipps zusammengestellt: Mit dem Motorrad auf die Fähre: Tipps zu Auffahrt, Sicherung und Co.

Das Auslaufen aus dem Hafen hatte etwas von einer Mini-Kreuzfahrt, bevor wir nach einem kleinem Abendessen im Bordrestaurant unsere Kabinen aufsuchten, wir sollten ja um 5:30 schon wieder raus. So konnten wir auch relativ ausgeruht das Einlaufen im Hafen von Olbia bei Sonnenaufgang beobachten, bevor wir wieder zu unseren Motorrädern konnten.

Das Deck war ganz voll geworden, eine Gruppe Trikes aus Deutschland und viele PKWs waren nach uns noch dazugekommen und so dauerte es seine Zeit, bis wir ganz zum Schluß von der Fähre fahren konnten. Die ersten beiden Routen geführt von Franz lagen vor uns.

Die erste Inseltour bis Arbatax

Durch einen Tunnel und über eine lange Brücke ging es zuerst nur im Schritttempo in der Kolonne aus dem Hafengelände und der Stadt hinaus. Meine Crosstourer mag so etwas auf den ersten Kilometern überhaupt nicht und bockte, bis der Motor warm geworden war.

Die heutige Tagesetappe sollte zuerst über die legendäre SS125 Orientale Sarda hinaus in der Nähe der Küste und dann ins Landesinnere über Nuoro und einige Pässe wieder an die Küste nach Arbatax führen. Nach rund einer halben Stunde bogen wir nach Porto San Paolo ab, wo wir einen wunderschönen Blick auf das Tyrrhenische Meer vor der Insel werfen konnten.

Im Ortszentrum war bei einem Hotelcafe ein Frühstücksbuffett angekündigt, dort wollten wir dann halten und uns im Schatten der Arkaden stärken.

Ausgeruht und mit frischer Kraft begann nun wirklich das „Abenteuer Sardinien“ für  uns. Wir bogen am Ortseingang wieder auf die SS125 und fuhren bis nach San Teodoru, wo wir eine kurze Ortsbesichtigung per Motorrad machten. In Budoni umfuhren wir mit der Ortsdurchfahrt einige Tunnel auf der nun zur SS13DCN mutierten Straße.

Kurz vor Posada bogen wir ins Landesinnere und erreichten nach vielen kleinen Kurven Lode und Bitti, das wir uns nach einer Ortsrunde von oben anschauten.

Unser Versuch, im kleinen Bergdorf Orune einen Kaffee zu trinken, scheiterte trotz Suche auf Google Maps, der Ort schien ausgestorben, die Fotos zeigen aber trotzdem die Schönheit der Umgebung.

So fuhren wir wieder weiter bis in unser eigentliches Zwischenziel Nuoru. Kurz vor dem Dorf Dorgali kamen wir wieder auf die SS125 zurück und folgten ihr bis zum Genna Petta Pass und weiter zum Passo di Genna Silana, der auf 1002m Seehöhe liegt und anscheinend unser höchster Punkt dieser Tour war.

Der Passo Genna Croce liegt nur mehr auf 910m Höhe und kurz danach erreichten wir die Basis zur Gorropu  Schlucht. Sie ist eine der tiefsten und spektakulärsten Schluchten Europas mit bis zu 500 Meter hohen Kalksteinwänden im Supramonte-Gebirge. Vom Campo Base Gorropu kann man eine Fahrt auf nicht besonders vertrauenserweckenden Jeeps zum Schluchteingang buchen, von dort muß man aber selber wandern, sodaß daraus ein 8-stündiger Ausflug wird. Wir genehmigten uns nur einen Cappuccino und ein Eis.


Über den Genna Salbene Pass mit seinen 764m und den Genna Cogina mit 724m ging unsere Tour weiter in den Nachmittag hinein.

Wir erreichten am frühen Abend nach rund 250 km Fahrt mit vielen Kurven und abwechslungsreicher Landschaft unser Quartier im kleinen Hafenort Arbatax.

Es lag in einer privaten Siedlung hoch über dem Ort, was mir eine Rüge eines Nachbarn einbrachte. Da ich mein Motorrad mit DCT (Doppelkupplungsgetriebe, über die fast weltanschauliche Diskussion dazu schreibe ich in meinem früheren Blog Der Wunsch nach Freiheit – meine Motorräder) zur Sicherheit gerne an einer ebenen Stelle parke, hatte ich mir den Rand der Umkehrstelle am Ende der Straße ausgesucht, was mir am Morgen ein Post-It am Bike mit „No Parking!!“ einbrachte.

Die Lage unserer privaten Villa zwang uns nicht nur zu gesunden Fußmärschen, sondern erlaubte auch schöne Blicke über den bekannten Hafenort.

Eine Besonderheit gibt es zur Chiesa Parrocchiale della Beata Vergine di Stella Maris zu erzählen, die auf einigen Bildern unten zu sehen ist. Die Schutzpatronin der Seeleute und Fischer, Madonna Stella Maris, wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli mit dreitägigen Feierlichkeiten verehrt, die in einer feierlichen Prozession auf See gipfeln. Dabei wird die Statue mit einem Boot zum Yachthafen gebracht und ein Blumenkranz zum Gedenken an die auf See Verstorbenen niedergelegt.

In der Werftanlage der Firma SAIPEM wurde gerade ein Teil einer Öl- oder Gasplattform errichtet. Laut eigener Homepage befindet sich in Arbatax eine der wichtigsten Fertigungsanlagen Italiens, so strategisch günstig gelegen, um die Nachfrage im Mittelmeerraum, in der Nordsee, in Westafrika und im Golf von Mexiko zu bedienen. Hier wurden bereits zahlreiche Konstruktionen errichtet, darunter ein achtbeiniges Jacket mit einer Höhe von über 200 Metern und einem Gewicht von rund 25.000 Tonnen für das Sabrathra-Projekt vor der lybischen Küste, einer wichtigen Gasquelle für Westeuropa.

Die Route unseres ersten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/8pWVu

Die zweite Tour bis ins Hotel in Cagliari

Interessanterweise fanden unsere verschiedenen Navis hinaus aus der Stadt einen viel einfacheren Weg als gestern hinein, aber ich denke die Navis wollen manchmal auch ein bisschen zum Entertainment beitragen. Und so fuhren wir statt durch enge Gassen durch ein Waldsträßchen den Berg hinunter.

Da es in unserer „Privatvilla“ kein Frühstück gab, fanden wir beim Hinausfahren im Hauptort Tortoli ein nettes Cafe, wo wir zu Cappuccino und Limonata gute  Panini bekamen.

So gestärkt fuhren wir wieder auf die SS125, die in diesem Bereich eher Autobahn-ähnlich ausgebaut war und verließen sie daher wenige Kilometer später Richtung Landesinneres bis in die Nähe von Loceri, um wieder in südlicher Richtung weiterzufahren. Bald kamen wir zur ursprünglichen SS125 (exSS125) zurück, auf der wir mit der Ponte di San Paolo über den Fluß Fiume Pelau fuhren, der auch Rio Pardu genannt wird und zu diesem Zeitpunkt praktisch komplett ausgetrocknet war.

Copyright: Roberto Dermutas / Google Maps

Danach ging es wieder über kleinere Straßen zurück zur SS125var, der wir durchs Gebirge folgten, bis diese Ausbauvariante zu Ende war. Eine weitere lange Brücke über einen ausgetrockneten Fluss folgte auch noch.

Dann war wieder die alte SS125 angesagt, über die wir über den Arcu Genna Arela, der wegen der Höhe von nur rund 100m die Bezeichnung Pass eigentlich nicht verdient hat, bis Santa Maria fuhren, um ans Meer nach Porto Corallo zu kommen. Der Hafen war aber dort Mitte Mai noch im Winterschlaf und auch die nahe gelegene Pizzeria hatte geschlossen und so musste die Mittagspause noch warten.

Weiter ging es nun über Villaputzu und Muravera, wo ich meine Crosstourer, die schon auf Reserve war, sicherheitshalber auftankte. Wieder bewies sich, dass sie eine Säuferin ist, die BMW von Franz und die Kawasaki von Werner brauchen im Schnitt 1,5 bis 2 Liter weniger. EINEN Nachteil muss ja eine Honda mit DCT auch haben. Dabei ist sie schon sparsamer, als die Varadero davor war.

Die Fahrt in den Spätnachmittag Richtung Cagliari führte nun über die kurvenreiche Küstenstraße mit tollen Aussichtspunkten bis in die Stadt.

Über den Lungomare, vorbei an den Salinen, auf denen die weißen und rosa Flamingos leben, kamen wir dann im Ceasar’s Hotel in der Via Darwin an, wo schon Anni und Gerti, die Frauen von Franz und Werner warteten.

Ein gemeinsames Abendessen an der Strandpromenade in einem der Beach Clubs beendet den ersten gemeinsamen Abend, zuerst von einem vom gebirgigen Hinterland kommenden Gewitter unterbrochen. Es dauerte aber nicht lange und so konnten wir trocken die gute halbe Stunde zum Hotel zurück marschieren.

Die Route unseres zweiten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/Etzek

1: Auf nach Sardinien – die Anreise

Der Weg soll ja das Ziel sein, das war unsere Devise als wir 3 Freunde beschlossen, mit den Motorrädern nach Sardinien zu fahren. In diesem ersten Teil erzähle ich von unserer abwechslungsreichen Anfahrt bis zur Fähre in Civitavecchia.Wie immer gibt es auch die Links zu den Routen dazu.

Die Planung startete bereits im Winter, man ist ja nicht mehr 17 und will daher grob wissen, wohin es geht und wie man „vernünftig“ übernachtet. Mein Part dabei war die Routenausarbeitung für die Hin- und Rückfahrt und Franz übernahm die Planung auf den Inseln Sardinien und Korsika.

Auch die Hotels wurden für die ersten drei Nächte am Festland reserviert und die Fähre für die Überfahrt in der vierten Nacht gebucht. Die Ehefrauen von Franz und Werner wollten fliegen, während mein Schatz leider arbeiten musste.

Tag 1 bis Kranjska Gora in Slowenien

So ergab sich eine erste Etappe aus dem Mostviertel bzw. Industrieviertel bis nach Kranjska Gora in Slowenien. Ich fuhr  über den Semmering und das Mürz- und Murtal bis St.Michael, während die Freunde vorbei am Erzberg über den Präbichl anreisten. Das Treffen war dann in einem Cafe nahe des Autobahnkreuzes geplant, doch das war am Sonntag geschlossen.

Eigentlich müsste ich wissen, dass man das kontrolliert, so blieb nur der Schluck aus der mitgenommen Getränkeflasche auf dem Parkplatz davor, bevor wir gemeinsam losfuhren.

Die erste Etappe brachte uns zuerst durch das Murtal vorbei am Österreichring bis ins steirische Rattenberg, wo wir auf der Terrasse des Gasthofes Perschler ein tollles Mittagessen genossen. Über Scheifling und den flott zu fahrenden Perchauer Sattel zog es uns weiter ins kärntnerische Friesach, wo ich in der Nähe den kleinen Prekova-Sattel entdeckt hatte, der vom Mexnitztal bis Straßburg führt.

Die vielen kleinen Kurven gaben einen schönen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Nach einer Eiskaffee-Pause im Stiftskaffee Gurk führte unsere Route über Feldkirchen und das Südufer des Ossiacher Sees durch Villach vorbei am Faakersee.

Über die Karawanken ging es dann auf wenigen Kilometern mit bis zu 18 % Steigung auf den nur knapp über 1000 m  hohen Wurzenpass.

Dass wir noch außerhalb der Motorradsaison unterwegs waren, zeigte sich an den wenigen Bikerkollegen, die uns hier begegneten. Die Wohnmobilfahrer waren am späten Nachmittag auch schon durch und so konnten wir zügig bis in unser Hotel Spik in der Nähe von Krajnska Gora durchfahren. Ein kleiner Spaziergang zum Beine Vertreten ins nächste Restaurant beendete dann unseren ersten Anreisetag.

Die Route des ersten Tages

https://kurv.gr/gVHQP

Tag 2 – Um den Regen herum nach Padua

Das Wetter zeigte sich nach dem Frühstück im Hotel trocken, aber in den Bergen rundherum hing noch der Nebel. Wir wollten trotzdem an unserer geplanten Route festhalten und über den höchsten Pass Sloweniens, den Vrsicpass ins Socatal fahren. Leider begann es aber schon bald nach der Ortsdurchfahrt von Kranjska Gora immer stärker zu nieseln und auch der Nebel kam immer näher.

Nicht umsonst heißt er auf italienisch Passo della Moistrocca (Kopfsteinpflaster), da von den 51 Haarnadelkurven (24 auf der Nordrampe, 27 auf der Südrampe) der 45 km langen Straße im nördlichen Teil der Passstraße noch einige aus Kopfsteinpflaster bestehen. Hier kann es bei Regen recht rutschig werden, aber wir müssen uns nichts mehr beweisen und nichts riskieren und so kehrten wir bald nach der neuen Mautstelle um.

Der Vrsicpass ist zwar auch weiterhin grundsätzlich mautfrei, aber der Parkplatz am Scheitel ist ab 2026 kostenpflichtig und das soll in den verkehrsreichsten Monaten (15. Juni bis 15. September) bereits vor der Auffahrt zu bezahlen sein.

Ein kleiner Umweg über Tarvis, nun in Italien, sollte uns über einen ebenfalls tollen Pass, den Predil, ins Socatal bringen. Die Fahrt geht auf der gut ausgebauten aber nicht besonders spektakulären Straße entlang des Radweges auf der ehemaligen Bahnstrecke von Tarvis nach Bled, den wir im Vorjahr als Abstecher vom Alpe-Adria Radweg bis zu den beiden Fusine-Seen gefahren sind. Rechts und links der Straße tauchen immer wieder hoch oben die dabei zu überfahrenden Eisenbrücken auf.

Tag 1: Von Villach bis Tarvis

Bald zweigte die Straße Richtung Süden ab und wir fuhren beim Predilsee Richtung Passo del Predil. Die manchmal spannenden, weil recht schlecht beleuchteten Kehrtunnel und der Blick auf den See hinunter verlockten uns zu einigen Fotostopps.

Als wir die Passhöhe mit der Grenzstation zu Slowenien erreichten, stand wieder eine Nebel- und Regenwand vor uns. Nach der Befragung einiger ankommenden LKW-Lenker entschlossen wir uns auch hier umzukehren und den Sella Nevea als neues Ziel zu nehmen.

Vorbei an der Westseite des Predilsees führt die Straße auf den knapp 1.200 Meter hohen Scheitel hinauf und dann sind auch ein paar nette Kehren sowie einige kurze Felstunnelpassagen zu meistern.

Bald war Chiusaforte im italienischen Kanaltal erreicht. Hier fuhren wir weiter nach Süden, entlang eines der schönsten Abschnitte des Alpe-Adria Radweges, der immer wieder mit den Brücken und Galerien der alten Bahntrasse zu sehen war. Hier sind unsere Eindrücke vom Vorjahr nachzulesen:

Tag 2: Von Tarvis nach Carnia

Bei Gemona del Friuli, das einen Besuch oben am Berg wert wäre, uns aber mit Blick auf Zeit und Wetterlage nicht ins Konzept passte, fuhren wir weiter südwestlich. Auf schnellen Wegen sollte es durch die Po-Ebene gehen. Kurz bevor wir die Meeresküste erreichten, machten wir noch einen gemütlichen Stopp bei einer Cafeteria und stärken uns mit Espressi und Panini. Die Kirche gegenüber war auch einen Blick wert.

Immer die schwarzen Wolken hinter und über uns fuhren wir nach einigen Ortschaften unter der Autobahn durch und erreichten die Küste, wo es dann bei starkem Wind doch noch zu regnen begann. Der begleitete uns durch Mestre, vorbei an der Kreuzung zum Damm nach Venedig, aber nach 20 Minuten war es wieder vorbei. Bei einer Tankstelle gab es dann nochmals einen Espresso und ein Creme Caramel und wir waren schon wieder fast trocken.

Die letzten 40 Kilometer gehörten kleinen Sträßchen Richtung Padua, vorbei an Kanälen und den typischen venetischen wunderschönen Villen, die man sonst nur aus Fernsehdokus kennt. In die Stadt hinein mussten wir durch ein Baustellen-Labyrinth, da die spezielle Straßenbahn, die Trampadova, ein spurgeführtes System auf Gummirädern, mit der Linie SIR3 erweitert wird. Trotzdem erreichten wir dann recht einfach unser Hotel in der Altstadt, gleich vis a vis der Basilika des Heiligen Antonius, mit gesperrtem Parkplatz im Hinterhof des Hauses.

Wenn man schon so nah an einem der großen Heiligtümer der Christenheit ist, gehört ein Rundgang in der Basilica del Santo natürlich dazu. Diese wurde zwischen 1232 und etwa 1310 mit romanischen und gotischen Stilelementen errichtet, um das Grab des Heiligen Antonius von Padua (geboren um das Jahr 1195 in Lissabon, gestorben am 13. Juni 1231 in Padua) aufzunehmen.

Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Christenheit und ein Lehrer der Weltkirche. Dieser bescheidene Mönch aus der Ferne interessierte sich für die Schwächsten und Benachteiligten, er kümmerte sich um die Probleme der einfachen Leute und kämpfte für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und wird deswegen als der Heilige des Volkes bezeichnet.

Während unseres Stadtrundganges begann es auf einmal zu schütten und wir flüchteten in ein kleines vegetarisches Lokal, wo wir dann praktisch trocken unser Abendessen und den stimmungsvollen Blick über den Platz genossen.

Die Route des zweiten Tages

https://kurv.gr/e8BMP

Tag 3 – Bis ins Manhattan des Mittelalters

Die Fahrt hinaus aus Padua war einerseits von der Rushhour und andererseits wieder von Baustellen geprägt, wo wir uns mit unseren breiten Seitenkoffern nicht so leicht wie die einheimischen Rollerfahrer durchzwängen konnten. Aber nach einer Viertelstunde hatten wir den Stadtrand erreicht und wir fuhren den italienischen Fahrstil schon etwas angepasster.

Auf kleineren Straßen, teilweise schnurgerade mit einer Kurve alle heiligen Zeiten fuhren wir Richtung Modena, von wo es dann die letzten rund 170 Kilometer in die hügelige Toskana gehen sollte.

Die Straße änderte sich von einer Minute zur nächsten, war sie zuerst schnurgerade, gab es jetzt 30 Kurven auf der gleich langen Strecke. Aber nicht nur das änderte sich, statt der Roller waren nun mehr Supermotos unterwegs, bei denen man zumindest anhand des Stils vermuten konnte, dass die Fahrer die Kurven auch blind kennen.

Bei einer Allee aus Toskana Schirmföhren (Pinus pinea) musste ich unbedingt anhalten, genau wie am Kreisverkehr am Ortseingang von Vinci, dem Heimatort von Leonardo, und einige Bilder machen.

Nach gefühlt 1000 Kurven tauchte am abendlichen Horizont das Städtchen San Gimignano mit seinen mittelalterlichen Türmen hoch über den umliegenden Hügeln auf. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf. Es hat einen speziellen Grund,  warum die Stadt in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist: Hier ist die Zeit scheinbar im Jahr 1563 stehengeblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano bis heute geblieben, wie es damals war.

Unser Hotel Volpai lag 11 Kilometer mit hunderten Kurven tiefer im Tal in der kleinen Ortschaft Castel San Gimignano und präsentierte sich einfach so, wie man sich ein kleines Hotel in der Toskana vorstellt. Der einzige Wermutstropfen war, dass es für uns bereits zu spät für das hoteleigene Pool war. So blieb nur das Abendessen im überraschend gut besuchten Restaurant Tre Archi, das auf jeden Fall zu empfehlen ist. Es liegt direkt an der Straße zwischen San Gimignano und Voltera.

Die Route des dritten Tages

https://kurv.gr/WFc3v

Tag 4 – Bis zur Fähre in Civitavecchia

Wir starteten wenige Minuten nach dem Frühstück und verfolgten die Gewitterwolken über uns, immer mit der Hoffnung, dass sie an uns vorbeiziehen. Leider war es diesmal nicht so und so schafften wir es gerade noch nach den ersten stärkeren Tropfen unter das rettende Dach der Tankstelle in Volterra. Tanken und eine halbe Stunde warten war angesagt,  dann war der Spuk vorbei und wir konnten unseren Weg Richtung Süden fortsetzen.

Auf kleinen kurvigen Straßen fuhren wir die hügelige Landschaft der Toskana Richtung Süden. Eine Reihe von alten Ortschaften leuchtete von den in der Nähe liegenden Bergrücken, aber man kann ja nicht dauernd und überall stehen bleiben, um zu fotografieren.

Da wir in Grosseto gut die Hälfte der Strecke geschafft hatten und die Mittagszeit auch schon um war, war es Zeit für eine gute Pasta und einen Espresso. Ein Regenguss erinnerte uns an das unsichere Wetter, war aber rasch wieder vorbei und wir konnten uns bei einem Rundgang auf der Zitadelle nochmals die Beine vor den letzten Kilometern bis zur Fähre vertreten.

Auf wirklich kleinen Sträßchen ging unsere Fahrt wieder in das Hügelland südwestlich von Grosseto und dann bald in Meeresnähe weiter. Beim beinahe ersten Blick auf das Wasser bogen wir ab und fanden praktischerweise dort auch ein Lokal mit Eis und Kaffee.

Die Suche nach der richtigen Fähre gestaltete sich für uns Neulinge schwieriger als gedacht, aber zum Schluß waren wir alle rechtzeitig, das heißt gut zwei Stunden vor dem Ablegen bei der Fähre und konnten daher in Ruhe mit einigen weiteren  Bikern und Rollerfahrern die Stahlbrücke hinauf auf Deck 6 fahren und unsere Fahrzeuge knappest am Rand abstellen, bevor die PKWs und LKWs hinauf durften. Mit dem Minimalgepäck für eine Nacht machten wir uns auf die Suche nach dem Checkin bzw. der Zuteilung der Kabinen.

Die Route am vierten Tag

https://kurv.gr/Y9YQG

Fazit nach vier Tagen

Obwohl unsere Anreisetage im Großteil von Europa von viel Regen geprägt waren, wurden wir dank verschiedener Wetter-Apps und Beobachtungen und unserer daraus folgenden Streckenänderungen nie wirklich nass und die Regenkombi blieb während der gesamten Zeit im Seitenkoffer.

Über die Überfahrt und unsere zweitägige Fahrt vom Hafen Olbia bis Cagliari fast an der Südspitze Sardiniens schreibe ich im nächsten Blog.

Cagliari am Motorrad-freien Tag

Eine Pause vom Motorrad fahren haben wir zum Entspannen und Sightseeing in Cagliari genützt. Neben einer Reihe von Sehenswürdigkeiten kommt dabei überraschenderweise auch mein letzter Arbeitgeber vor der Pensionierung, Capgemini vor. Die Details und viele Bilder gibt es in diesem ersten Blog zu unserer Motorradreise nach Sardinien.

Ich sitze am Yachthafen der Hauptstadt Sardiniens mit Blick auf das eine oder andere Segelboot und genieße die Atmosphäre am Wasser. Mir fällt die Fahne meines ehemaligen Arbeitgebers auf, Capgemini ist einer der Hauptsponsoren der Louis Vitton Americas Cup Regatta, dessen Vorlauf von 21.-24. Mai in Cagliari stattfindet.

Einen Tag habe ich Motorrad-frei schon hinter mir. Viele Schritte bergauf und bergab am Hügel von Cagliari habe ich auch bereits gemacht. Das Taxi brachte mich bis zur Bastione di Saint Remy, von der ich zuerst zum Mercato Civico di San Benedetto, der Markthalle nordöstlich der Altstadt, gehen wollte. Die alte Markthalle soll renoviert werden, daher wurde für diese Zeit ein ganzes Containerdorf aufgebaut. Dieses sollte um 15 Uhr schließen, daher war nicht ganz eine Stunde vorher schon das große Reinemachen im Gange. Ich habe aber doch einige Fotos geschafft und konnte die ersten Herzkirschen und einige Pfirsiche kaufen.

Vorbei am zumindest optisch nicht sehr ansprechenden Opernhaus kam ich in den Parco della Musica (Musikgarten), wo aber gerade für das nächste abendliche Event vorbereitet wurde. Der Blick rechts traf einen blauen Turm, den ich nicht zuordnen konnte und wo sich später herausstellte, dass es das T-Hotel ist.

Ich wanderte aber weiter hinauf, ich wollte ja zum höchsten Punkt der Zitadelle, wo auch die Basilika von Cagliari zu finden ist. Vor dem Tor in die Burg hat man einen wunderschönen Blick links und rechts hinunter auf den Hafen, die Salzseen und das geschäftige Treiben in der City.

Dann öffnet sich der lang gestreckte Piazza Palazzo und man sieht am anderen Ende bereits die Cattedrale di Santa Maria Assunta e Santa Cecilia und den Antico Palazzo di Città, von dessen Ausstellung zu Antonio Ligabue ich noch in einem extra Blog berichten werde. Auch wenn man die Kirche nicht kennt, kommt sie einem von außen bekannt vor, da sie in den 1930er Jahren die heutige neoromanische Fassade nach dem Vorbild der Fassade des Doms von Pisa erhielt.

Die Kathedrale von Cagliari ist wie viele Kirchen Sardiniens der Verehrung der Mariä Himmelfahrt gewidmet. Sie ist eine Mischung aus verschiedenen Kunststilen und birgt sieben Jahrhunderte Geschichte der Stadt Cagliari. Im 13. Jahrhundert im romanischen Stil Pisas erbaut, wurde sie 1258 in den Rang einer Kathedrale erhoben und im 17. und 18. Jahrhundert im Barockstil renoviert.

Nach dem Besuch der Kathedrale und des  Museums verlor ich mich in den kleinen Gassen der Altstadt und genoss immer wieder die Aussicht auf den Hafen. An der Bastione di Saint Remy die ich ja schon von unten kannte, fiel mein Blick hinunter auf einige nette Lokale, wo ich mir später eine Pinsa im Margherita-Stil gönnte. Sie war so flaumig, wie ich sie bisher in Österreich weder in einem Lokal noch selbst gebacken gekannt habe. Jetzt weiß ich aber, wie sie zu sein hat, da wird es zuhause wohl einige Übungsexemplare geben müssen.

Die vielen kleinen Gassen verleiten zum Flanieren und so ist meine vorletzte Station ein Eissalon in den Arkaden am Hafen.

Ein paar Eindrücke noch vom Feuerwehr- und Yachthafen schließen dann den eindrucksvollen Cagliari-Tag. Obwohl Motorrad-frei, war es aber doch kein Tag zum Erholen, es wäre aber schade gewesen, es zu verpassen.

Spannend sah zumindest aus der Entfernung das Zusammentreffen einer einlaufenden gar nicht so kleinen Regatta-Yacht und dem auslaufenden Kreuzfahrtschiff Costa Toscana aus.

Ein ganz besonderer Dank gebührt dem Personal des Manàmanà Ristorante auf der Piazzetta Savoia Ich habe dort nicht nur ausgezeichnete Tagliatelle Carbonara gegessen, sondern durfte dort auch stundenlang unter den Bäumen sitzen und an diesem Blog schreiben.

Weil es besser hierher als zu einem Motorrad-Blog passt: Am Rückweg zum Hotel haben wir sie besucht, die berühmtesten Bewohner der Salzwasserteiche von Cagliari. Die Flamingos gehören mit ungefähr 1,5 m zu den größten Flugvögeln der Welt und leben in Gruppen, die bis zu einigen tausend Exemplaren erreichen können. In Cagliari sind sie das ganze Jahr über vertreten, aber ihre Zahl schwankt sehr stark. Sie bewegen sich zwischen dem Salzwasserteich Molentargius und der Lagune von Santa Gilla sowie den anderen salzigen Feuchtgebieten auf Sardinien, dem Mittelmeerraum und Afrika. Die Salzwasserteiche in Cagliari  können sie bis zu 15.000 Exemplare aufnehmen.

Zum Abschluss gibt’s auch noch ein Sonnenaufgangsfoto, aufgenommen vom Hoteldach Richtung Salzwasserteiche.

4 – Vom Comosee über den Splügenpass an den Rhein

Die vierte Etappe führte mich trotz meiner verwirrten Navi-Susi von Edolo an den Comosee und über den Splügenpass bis zum Beginn des „echten“ Rheins.

Von Edolo bis Flims

Hinter dem ganz unscheinbaren Eingang in die Bäckerei und Pasticceria, gar nicht wie beim Motorrad-Treffpunkt gegenüber, verbirgt sich ein modernes Lokal das La Bella Edolo, typisch lombardisch, wir würden eher sagen italienisch mit sagenhaft gutem Gebäck und Kaffee, genau der richtige Ort für mein Frühstück. Ich bin sicher, hier muß ich beim nächsten Mal wieder einen Stopp einlegen.

So gestärkt, ging es dann auf den Passo Aprica, der den Namen „Pass“ von der Ostseite von Edolo aus eigentlich nicht verdient. Nur die Mischung aus vielen Kurven mit 2 Bussen, einem LKW und einigen PKWs zerrt dann doch an den Nerven und es dauerte einige Kilometer, bis ich alle zusammen in fast schon italienischer Manier überholt hatte.
Aprica, wo auch der Scheitel des Passes liegt, war noch festlich geschmückt, da einige Tage vorher die zweite Etappe des Giro Italia der Damen hier halt machte.

Am Ende ging es dann doch noch mit einigen richtigen Serpentinen hinunter ins Valtellina mit der Provinzhauptstadt Sondrio.

Hier muss man sich dann nicht besonders aufhalten, sondern folgt von Tresenda bis Trivio Fuentes zügig der SS38. Heute war sie in dieser Richtung gar nicht so stark befahren wie die letzten Male, sodass ich praktisch ohne Stau rasch durchkam. Dann ging es weiter auf der SS36 Richtung Chiavenna, wo ich aber bald nach der Brücke über die Adda einen Abstecher nach links machte, um an den Comosee zu gelangen. Das Eis und der Cappuccino auf der Terrasse direkt am See gab dann die Kraft für den Splügenpass.

Der Kreisverkehr in Chiavenna, der einerseits zum Malojapass und andererseits zum Splügenpass führt, war aber auch heuer ein Nadelöhr, durch das man sich mit den Seitenkoffern am Motorrad gar nicht so einfach durchschwindeln konnte. Bald begannen die ersten der insgesamt 52 Tornanti (Haarnadelkurven) auf italienischer Seite, wobei es am besten ist, keinen Gegenverkehr in einer dieser Spitzkehren zu haben, denn wenn man auch selbst meist auf der eigenen Fahrbahnhälfte bleiben kann, ist das bei entgegenkommenden Fahrzeugen nicht immer so. Sogar ein Schweizer youtube-Autotester spricht vom „Wendekreis des Wahnsinns„, den ein Auto am Splügenpass haben muss.

Dann war es wieder so weit, vor einem Tunnel kam ein längerer Stau und nichts ging mehr. Ich fuhr vor zum Tunneleingang, wo schon viele Biker einen Halt eingelegt hatten. Hier am Punto Panoramico wartete ich mit ihnen ab, bis der Stau sich auflöste. Dabei lernte ich zwei Australier kennen, die schon 6 Wochen in den Alpen mit dem Auto unterwegs waren.

Anscheinend war ein Motorradfahrer im Tunnel gestürzt und hatte sich verletzt. Später dürften dann noch einige Motorräder am entstandenen Ölfleck ausgerutscht sein. Ich konnte aber ohne nennenswerte Schwierigkeiten bis zur Passhöhe hinauf fahren. Die Übung mit den vielen kleinen Sträßchen und Kurven am Vortag (hier nochmals zum Nachlesen) hatte sich bezahlt gemacht und dem Splügenpass den Schrecken genommen.

Die Schweizer Seite hinunter ist besser ausgebaut und auch breiter, so konnte ich die rund 20 Tornanti auch recht zügig durchfahren, wenn ich nicht gerade durch einen ängstlichen oder zumindest bergungeübten Autofahrer gebremst wurde.

Photostopps sind auch hier schwierig bis beinahe unmöglich mit einem Motorrad, speziell mit DSG, wo man keinen Gang hat, der das Fahrzeug im Stehen hält. Die Handbremse ist dabei auch keine wirkliche Hilfe. Darum habe ich mir einige Bilder aus dem Netz ausgeborgt.

Dann erreichte ich schon das Dorf Splügen, das aus verschiedensten Gründen seinen originalen Dorfkern aus Waldner Holzhäusern und eleganten italienischen Palazzi erhalten konnte und machte Halt für eine Mittagspause.

Anschließend folgte ich der alten Splügenstraße B13 talabwärts, die mehr oder weniger parallel zur A13 vom San Bernardino hinunter bis Thusis führt. Sie wird und wurde an vielen Stellen ausgebaut und neu asphaltiert und kann daher meist flott durchfahren werden. Dann sah ich links eine kleine Holz-Hängebrücke, die ich mir ansehen wollte. Ich musste aber einige Kilometer weiter fahren um umdrehen zu können. Es hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt. Tief unten tost der Vorderrhein und ein gar nicht so kleiner Hangrutsch hat einen Teil des Waldes weggerissen.

Das Bild von Matteo aus Komoot zeigt noch den unversehrten Baumbestand.

Den nächsten geplanten Stopp hatte ich dann bei der Viamala-Schlucht. Diese wird von der alten und neuen Steinbrücke überquert. So wie ich von oben kommend, sieht man zwischen den bis zu 300 m hohen Felswänden nur die neue Brücke aus dem Jahr 1935, aber gleich dahinter liegt die alte nach ihrem Baumeister benannte Wildener-Brücke aus dem Jahr 1735. Man könnte von dort auch über 359 Stufen in die Schlucht hinuntersteigen, aber so viel Zeit hatte ich doch nicht und die Motorradkluft ist dafür auch nicht adäquat.

Die B13 führt dann weiter nach Thusis und Bonaduz wo bald bei Tamins die Abzweigung auf die B19 Richtung Flims folgte. Dabei überquerte ich eine Brücke über den Rhein, wo mir der Blick vom Motorrad aus schon gefiel. Da gleich danach ein kleiner Parkplatz lag, konnte ich gut stehen bleiben und auf die Brücke gehen. Dabei entdeckte ich, dass genau hier der Vorder- und Hinterrhein zusammentreffen und als „Alpenrhein“ den „richtigen“ Rhein bilden, der dann nach rund 1200 Kilometern in Holland in die Nordsee fließt. Im Hintergrund führt auch die Brücke der Rhätischen Bahn vorbei. Diese Strecke durfte ich zu meinem 50. Geburtstag mit dem Glacier-Express von Zermatt bis St.Moritz und dann weiter mit dem Bernina-Express bis Tirano fahren.

Nur wenige Kilometer weiter liegt Flims, wo ich im Hotel Bellevue übernachten wollte. Auf den letzten Kilometern habe ich mein Navi, ein Garmin Zumo XT mit der von mir „Susi“ getauften Computerstimme endgültig verwirrt. Es stellte sich wieder einmal heraus, dass das exakte Setzen der Zwischenziele oder Shapping-Points das Leben von Susi und mein Leben als Fahrer ungemein erleichtern. Susi weist ewig und mit Engelsgeduld zurück auf einen ungenau gesetzten Punkt, bis der nächste erreicht ist. Auf dieser Route war ich einige Male ungenau und so war Susi den Großteil der Strecke beschäftigt, mich auf den ihrer Meinung nach richtigen Weg zu bringen. Nur bei meinem ungeplanten Abstecher an den Comosee war sie auf einmal wenige Kilometer weit überraschend still, bis sie sich wieder gefasst hatte.

Der letzte Punkt meiner Tagesetappe war von mir nicht beim Hotel in der Via Nova in Flims gesetzt, sondern auf einem Berg in der Umgebung. Und so forderte mich Susi im Tunnel vor Flims mehrmals nachdrücklich auf, die Straße zu verlassen und zeigte das auch am Display durch viele neue Fähnchen an. Jetzt war mir klar, dass man als Fahrer schon sehr gefestigt sein muss, um nicht Susi blind zu folgen und dann auf einer Schipiste, einem Wanderweg einer Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit oder in meinem Fall in einer Tunnelwand zu landen, was ja immer wieder vorkommt. So erreichte ich nach Aufbietung aller meiner mentalen Kräfte um Susi zu widerstehen, doch noch mein Hotel in Flims.

Pässeliste und die vierte Etappe

Passo Aprica
Splügenpass

Kurviger-Route: Edolo-Flims

3 – Und wenn du glaubst, mehr geht nicht…

Durch die Durchfahrt im unteren Bild links fährt man vom Passo Tonale kommend hinein nach Edolo. Bis dorthin bin ich mit meinem Motorrad über kurvige Pässe, kleine Sträßchen, Feldwege, Kieselstein-Pflaster, vorbei an einem, zumindest für Österreicher, See-Geheimtipp und (unten) durch einen weltbekannten Schiort gefahren. Davon berichte ich im 3. Teil dieser Serie.

Von Panchià nach Edolo

Nach dem Frühstück erkundete ich mit einem Spaziergang noch den kleinen Ort Panchia, da ich ja dann wieder einige Stunden am Motorrad sitzen würde. Die Häuser im Zentrum oberhalb der Kirche sind noch sehr ursprünglich erhalten, wie man sich als Tourist es sich im oberen Trient vorstellt. Der deutsche Name des Dorfes lautet Weißbach, was wieder an den den Berg herunter fliessenden Fluss Rio Bianco erinnert. Auch mein Hotel ist danach benannt.

Nach dem Packen des Motorrads fuhr ich auf der Provinzstraße am Berghang oberhalb des Fleimstals entlang bis Cavalese, wo ich dann wieder auf die SP232 wechselte.


Entlang des Lago di Stramentizzo ging die Fahrt weiter und über den Croce delle Serre Pass hinunter ins Etschtal. In Mezzolombardo hatte ich nicht mehr an den 3740m langen Tunnel Galeria Rupe gedacht und konnte nicht mehr auf die geplante Bergstrecke abbiegen. Meine Navi-Susi geleitete mich aber am Ende sicher um den Tunnel zurück und so kam ich doch noch in den Genuss der empfehlenswert kurvigen SP64 über den Sella di Andalo zum Molvenosee.

Nicht ohne Grund wurde bereits zum 9. Mal dem Molvenosee der Titel „Schönster See Italiens“ verliehen. Der 4,4 km lange und 1,5 km breite Molvenosee ist der größte natürliche Alpensee über einer Meereshöhe von 800 m und verschiedenen Farbschattierungen von Türkis bis Dunkelblau und ist ein Paradies für Segler, Taucher, Gleitschirmflieger und Biker. Dadurch entwickelt er sich immer mehr zum Geheimtipp als Alternative zum Gardasee.

Ich marschierte zuerst ein Stück die Uferpromenade entlang, wo viele die Sonnenstrahlen auf der Liegewiese genossen. Wie immer war auch hier wieder meine Zeit zu knapp dafür. Eventuell sollte ich mir die doppelte Zeit gönnen, nachdem ich bei jeder meiner letzten 3 Touren in die Schweiz um einen Tag verlängert habe und mittlerweile bei 5 Tagen in einer Richtung liege? Der Hunger wurde aber auch größer und so ging ich zum Hotel Fontanella, dessen Restaurant mit Seeblick mir beim Googeln ins Auge gestochen war. Ich wurde nicht enttäuscht, die Pasta war gemeinsam mit dem Ausblick ein Gedicht.

Frisch gestärkt konnte ich nun meine Tour entlang des Sees fortsetzen. Meine Euphorie und mein Motorrad wurden jäh durch eine Straßensperre am Ende des Sees gebremst, der italienische Hinweis auf eine Umleitung lenkte mich nach links auf eine schmale Forststraße, die anfänglich asphaltiert und dazwischen ein paar Mal sandig und lehmig war. Aber weil mir immer wieder ein Auto oder Motorrad entgegenkam, war für mich alles in Ordnung. Die Straße war aber zeitweise so eng und am Hang, dass es unmöglich gewesen wäre, dass ein Auto und ich mit den Seitenkoffern am Motorrad aneinander vorbeifahren hätten können.

Dann öffnete sich das Tal und eine schöne Kirche tauchte auf. Die Straße ging leicht bergab, war aber mit großen runden Kieseln gepflastert. Stehenbleiben war keine Option und ich hoffte, dass der Weg nach der Kirche flacher weiterging. Es war aber das Gegenteil, die nächsten 100 m waren noch steiler und laut meiner Navi-Susi kam dann eine Haarnadelkurve. Glücklicherweise gab es an der Kurve eine kleine halbwegs flache Wiese, wo ich mit dem Motorrad gefahrlos umdrehen konnte. Dann ging es nochmals ein Stück recht steil und holpernd hinunter, ich sah aber schon den flacher werdenden Weg, der sogar asphaltiert war.

Dann wurde es lustig. Der enge, zumindest asphaltierte Weg führte wieder bergab in den Wald hinein, wo dann eine Gruppe Pfadfinder verteilt am Wegrand saß und mich mit Rufen und Winken den Berg hinunter geleitete. Unten angekommen, sah ich ein malerisches kleines Dorf, Moline, mit einer uralten steinernen Brücke über den Rio Bondai. Die Fotos dazu habe ich mir in Komoot von Attilo, Syrio und Sandy ausgeborgt.

Im Google Maps sieht man diesen Weg vorbei an der Santuario Madonna Di Caravaggio und Moline gar nicht, im Kurviger kann man ihn zumindest erahnen.

Eine kleine Anmerkung zur Kirche, was ich im Internet dazu gefunden habe: Die Kapelle Santuario Madonna Di Caravaggio ist ein Marienwallfahrtsort und liegt wirklich sehr idyllisch in einer einmalig schönen Umgebung, überall grüne Hügel und in einiger Entfernung dann die felsigen Dolomitengipfel.

Das untenstehende Bild ist aus dem oben verlinkden Blog der Familie Sterr, danke dass ich es verwenden darf!

Santuario Madonna Di Caravaggio (Copyright: http://www.Familie-Sterr.eu)

Der weitere Weg war dann vergleichsweise flach und führte ins Dorf San Lorenzo Dorsino, wo ich nach einigen engen kurvigen Gässchen und rund 7 km im wahrsten Sinn über Stock und Stein wieder die Staatsstrasse erreichte. Obwohl dieser Umweg wirklich schön war, war ich doch froh, ohne Sturz oder zumindest Umfaller mit meiner ohne mich fast 300 kg schweren Crosstourer durchgekommen zu sein.

In Ponte Arche erinnerte mich ein Blick auf die Armaturen, dass ich bald tanken sollte, schön dass gleich eine Tankstelle an der Kreuzung lag. Und weiter ging es, jetzt bald wieder Richtung Norden, hinauf nach Madonna di Campiglio und seinen Umfahrungstunnel.

Bald erreichte ich Dimaro, wo ich vor 3 Jahren bei der Heimfahrt übernachtete, aber für mich ging es weiter auf den Passo Tonale. Die Straßen nicht nur dieses Passes wurden seit dem Vorjahr an vielen Stellen neu asphaltiert, was den Fahrspaß signifikant verbesserte.

Interessanterweise fielen mir diesmal verschiedene Dinge auf, die ich bei meinen letzten Touren nicht gesehen habe, dabei sind die drei Hochhäuser in Passo Tonale nicht zu übersehen, „die hauen einem das Auge ein“ wie man in Österreich salopp formuliert. Das umstrittene Projekt Torri del Tonale (deut. Tonaletürme) stellte einen drastischen Einschnitt für das Landschaftsbild dar und symbolisiert die zügellose touristische Entwicklung in der Provinz Trient der 1970er Jahre. Von den ursprünglich fünf geplanten Hochhäusern wurden am Ende nur drei gebaut, aber auch das reicht.

Copyright: sulamaca.it

Natürlich macht man am Passo Tonale auch einen Fotostopp, aber dann ging es in schönen Kurven hinunter und nach wenigen Kilometern erreichte ich mein Tagesziel Edolo. Wenn mein erstes Quartier in Fusch eher die Jugendherberge war, entsprach meine Unterkunft hier eher einem Seniorenheim. Aber was solls, das Zimmer war groß und das Bett angenehm, so schlief ich nach mehr als 900 Kilometern am Motorrad und meiner kleinen Stadtrunde mit einer Stärkung in einer kleinen lombardischen Trattoria ziemlich rasch und tief.

Die dritte Etappe mit der Pässeliste

Croce delle Serre
Passo Santel
Sella di Andalo
Passo Campo Carlo Magno
Passo del Tonale

Kurviger-Route: Panchia-Edolo

Hier geht’s zum vierten FahrtagEdolo-Flims

2 – Der Tag der nicht gefahrenen Straßen

Beim Motorradfahren ist ja im Prinzip der Weg das Ziel. Wenn man aber an einem Tag gleich mehrere Straßen nicht fahren kann, ist es doch frustrierend. Wie es dazu kam, beschreibe in der zweiten Folge dieser Serie.

Von Fusch im Land Salzburg bis Panchia im Trentino

Am am Morgen zeigten die Kameras am Großglockner Nebel und eine Temperatur von 1 Grad. Der Schnee lag zwar nicht auf den Straßen, aber Glatteisgefahr bestand trotzdem und so war die Sperre für Motorräder noch nicht aufgehoben. So blieb mir als Alternative nur der Felbertauern mit seinem Scheiteltunnel. Die Möglichkeit auf der anderen Seite, die Bahnverladung zwischen Gastein und Mallnitz, bestand auch noch nicht. Diese wurde erst am Wochenende darauf nach den wochenlangen Revisionsarbeiten geöffnet.

Und so dachte ich da noch, dass die Großglockner-Hochalpenstraße die einzige sein würde, die ich an diesem Tag nicht wie geplant befahrenen konnte. So startete ich über die da noch nicht so stark befahrene B168 nach Mittersill, von wo die B108 über den Felbertauern führt. Dabei hatte ich einen wunderbaren Blick auf das von der Morgensonne angeleuchtete Kitzsteinhorn und konnte bis zum Tunneleingang noch ein paar Fotostopps einlegen. Die Maut von 12 Euro für ein Motorrad (2025) ist nach dem 5313 m langen Tunnel auf Osttiroler Seite zu bezahlen. Dann führt die Straße mit vielen langgezogenen Kurven über Matrei hinunter bis zur Bezirkshauptstadt Lienz.

Mein nächstes geplantes Highlight des Tages sollte die Pustertaler Höhenstraße sein. Wenige Kilometer nach Lienz, bei Leisach weist ein Schild rechts auf die gut 35 km lange Panoramastraße, die in vielen meist gut ausgebauten Kurven bis auf rund 1500 m hinauf führt. Der Ausblick auf die gegenüberliegenden Lienzer Dolomiten und die Durchfahrt durch die kleinen Dörfchen macht diese Strecke so reizvoll.

Doch wenige Kilometer bevor die Straße in Abfaltersbach wieder in die B100 einmündet, ging nichts mehr, Totalsperre wegen Bauarbeiten. Also umdrehen und rund die Hälfte zurück, bis die St.Justiana Landesstraße hinunter ins Tal nach Mittewald führt. Aber für den Motorradfahrer ist ja eh der Weg das Ziel und ich dachte, dass das die letzte nicht vollständig gefahrene Straße für diesen Tag sein sollte.

Kurz vor der Grenze bei Silian füllte ich noch den Tank meiner Crosstourer auf, um nicht gleich in Italien tanken zu müssen und fuhr danach bei Toblach auf der SS51, der Strada d’Alemagna, Richtung Süden bis Schluderbach. Schon in der Provinz Venetien, wollte ich die Mautstraße zur Auronzohütte bei den Drei Zinnen hinauf fahren. Gleich zu Beginn gibt es zwei Serpentinen, wo ich warten musste, weil gerade zwei Busse herunter fuhren und dabei reversieren mussten. Dann ging es vorbei an einem kleinen Bergsee, dem Lago Antorno weiter bis sich das Tal mit einem großen Parkplatz öffnete und die 3 Zinnen genau vor mir standen.

Der Schranken der Mautstraße weiter zur Auronzohütte blieb mir aber verschlossen, seit Sommer 2025 braucht man ein vorreserviertes Online-Ticket. Leider wusste das die Homepage vor einigen Monaten noch nicht und so war meine Überraschung perfekt. Jetzt war das die dritte Straße an einem Tag, die ich nicht so fahren konnte wie ich wollte.

Bevor ich wieder hinunter zur SP49 fuhr, machte ich beim Lago Antorno Halt für einen Cappuccino und einen Apfelstrudel und natürlich für einige Fotos.

Weiter ging es den Misurinapass hinunter und weiter über den Passo Tre Croci Richtung Cortina di Ampezzo, wo es wieder die dort üblichen Staus gab. Nach längerem Schritttempo und einigem Durchschlängeln erreichte ich am westlichen Ende der Stadt die Auffahrt zum Passo Giau. Der Ausblick von der Passhöhe über die Marmolada, Sellagruppe, Drei Zinnen, Nuvolau, Cristallo, Tofane usw. ist fast nicht mehr zu toppen.

Der Passo di Valles mit seinen etwas mehr als 2000 Metern Höhe ist gemütlich zu fahren und führt hinab nach  Predazzo, wo bald das Schisprung-Stadion für die Olympiade 2026 fertig werden sollte.

Da ich leider nicht so einfach stehenbeliben konnte: Die Bauststelle für das Schispungstadion in Predazzo für die Olympiade 2026 im März 2025, Copyright: http://berkutschi.com

Nur noch wenige Kilometer weiter im Val di Fiemme liegt mein Tagesziel Panchia, wo ich direkt an der Hauptstraße im Hotel Rio Bianco mein Zimmer reserviert hatte. Das Zimmer war ruhig und sauber, das Steakhaus, das zum Hotel gehört, ist meiner Meinung nach sogar einen kleinen Umweg wert.

Die zweite Tagesetappe und die Pässeliste

Felbertauern

Pustertaler  Höhenstraße

Mautstraße zur Auronzohütte

Passo Tre Croci

Misurinapass

Passo Giau

Passo di Valles

Kurviger Route: Fusch – Panchia

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Von Panchia nach Edolo

Tag 3: Von Carnia bis Udine

Wunderschöne Ortschaften mit Traditionen bis ins Mittelalter, die trotz Zerstörung durch das Erdbeben 1976 wiederaufgebaut und zu neuem Leben erweckt wurden, prägen diese Route. Aber auch die im Vergleich zu den anderen Tagen nicht immer optimalen Streckenabschnitte bleiben in Erinnerung.

Die ersten Kilometer dieser Etappe sind entlang der SS13, nicht auf einem baulich getrennten Bereich und auch leider nicht auf einem Radweg, bis die Abzweigung in den Ort Venzone diesen relativ gefährlichen Weg verlässt.

Venzone ist einer der Orte, die beim Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört wurden. Die ursprüngliche Idee, den Ort modern neu aufzubauen, wurde von der Bevölkerung verhindert und so wurde er so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Heute bezeichnet Venzone sich selbst als „eines der schönsten Dörfer Italiens“. Die einzige befestigte Ortschaft aus dem 14. Jahrhundert, die noch erhalten ist, wurde restauriert und das Selbstverständnis der Bevölkerung blieb erhalten.

Die Idee, nach einem ähnlichen Erdbebenunglück auf dem Reissbrett einen optimalen und künstlerisch gestalteten Ort neu aufzubauen, ist auf Sizilien für den Ort Gibellina gescheitert. Wer neugierig ist, kann meinen Eindruck davon in meinem Sizilien-Blog vom April 2024 nachlesen. Eine ähnliche Diskussion wird aktuell nach dem Erdrutsch, der das Dorf Blatten im Schweizer Wallis am 28.Mai 2025 vollständig zerstört hatte, geführt.

Das Ergebnis gibt Venzone recht, das kulturelle Leben scheint ausgeprägt zu sein und das gesamte Ensemble ist mehr als sehenswert.

Auch der wenige Kilometer weiter auf einem Berghang liegende Ort Gemona del Friuli hatte ein ähnliches Schicksal und wurde wie Venzone restauriert und wiederaufgebaut. Wir radelten den Berg bis ins historische Zentrum hinauf, wo kurz vor einem Tunnel der Ausblick über das gesamte Tal beinahe atemberaubend ist.

Der im 14. Jahrhundert errichtete Dom Santa Maria Assunta mit seinen romanisch-gotischen Stilelementen erhebt sich am Rand der Altstadt und ist die kleine Anstrengung mit dem Fahrrad auf jeden Fall wert. Im dreischiffigen Innenraum sind die durch das Erdbeben 1976 schiefen Säulen eine Besonderheit. Der vollständig zerstörte Campanile mit dem quadratischem Grundriss ebenfalls aus dem 14.Jahrhundert wurde komplett neu aufgebaut.

Besonders beeindruckend ist Statue des Heiligen Christophorus, dem Beschützer der Wanderer und damit auch von uns Radfahrern, an der Fassade. Sie ist rund sieben Meter hoch und aus sechs Sandsteinblöcken zusammengesetzt.

Nachdem wir den Berg flott wieder hinabgefahren sind, wechselte die vom Veranstalter vorgeschlagene Route vom FVG1 auf den FVG3, der hier als Variante des CAAR nach Osoppo.

Der Weg führte nach der Stadt zuerst praktisch durch eine staubige Schottergrube und dann durch Wiesen und Wälder am Ufer des Tagliamento und weiter an einer riesigen Forellenzucht vorbei über Rivoli. Stellenweise war der Weg wegen des Mixes aus Schotter und altem Beton trotz der breiten Reifen unserer E-Bikes extrem ruppig.

In San Floreano liegt direkt am Radweg die Osteria Miami di Baldassi Barbara und lud uns fast zur Mittagszeit zu einer kleinen Pause ein. Die Chefin Barbara persönlich schaukelte das Geschäft mit der kleinen Terrasse ganz alleine, daher war klar: „Due Rigatoni al Ragù“, sonst gibt’s nichts. Wenn wir eine italienische Nona gehabt hätten, dann wären damit die Erinnerungen an sie geweckt worden, so gut war es. Nicht einmal Zeit für ein Foto mit einer kompletten Portion ist geblieben…

Frisch gestärkt ging es nun wieder auf dem FVG1 weiter, meist auf kleinen Nebenstraßen vorbei und durch viele kleine Dörfer wie Buje, Treppo Grande und Treppo Piccolo, Felletano und Laipacco, mitten drin auf einmal ein Single Trail. Das ist fast so, wie wenn gleich nach der Autobahnabfahrt ein Feldweg kommt.

Wir näherten uns Udine immer mehr und so beschlossen wir, am Stadtrand, genau genommen im Cafe Al Baronetto beim Park in der Via Udine von Felleto Umberto noch einen Kaffee zu trinken. Gestärkt und erholt starteten wir auf die letzten Kilometer, durch den botanischen Garten Parco del Cormor vorbei am Blueenergy Stadion bis zum Rand der Altstadt auf den Piazzale Gio Batta Cella, wo wir dann unser Hotel San Giorgio fanden.

Funfact: Im Hinterhof des Hotels ist die Polizia di Stato di Udine einquartiert. So gut bewacht waren unsere Räder noch nie, während man ja klischeehaft dort eher eine Spielhölle oder die Mafia erwartet.

Die Lage des Hotels war optimal, der Weg ins Zentrum war nur ungefähr 10 Minuten. So konnten wir in kurzer Zeit die Sehenswürdigkeiten der Stadt, vom Dom und dahinter als Geheimtipp, das Oratorio della Purità mit seinen Fresken von Giovanni Battista Tiepolo und mit Gold hinterlegten Wandbildern von dessen Sohn Giandomenico Tiepolo besichtigen. Auch die Piazza della Libertà mit dem Casa Cavazzini und der Porticato di San Giovanni sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Nur den Berg zur Burg hinauf wollten wir nach fast 70 km Radfahren nicht mehr gehen.

Schon am Rückweg, gar nicht mehr in der Fußgängerzone, haben wir dann auch noch den idealen Platz zum Abendessen gefunden: das Ristorante Pizzeria Al Gelso mit seinem gemütlichen Innenhof, leider ohne den namensgebenden Maulbeerbaum.

Die Komoot-Route

Komoot-Route: Carnia-Udine

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Tag 2: Von Tarvis nach Carnia

Tunnels, Brücken, Wasserfälle und ehemalige Gebäude der alten Pontebanna-Bahnlinie prägen diesen Abschnitt des Alpe Adria Radweges, den wir am zweiten Tag unserer Tour absolvierten.

Nach dem Frühstück im Hotel platzierten wir wie am Tag vorher unser Gepäck, das dann vom Veranstalter zum nächsten Hotel transportiert wurde. Das ist ein Service, der wirklich angenehm und praktisch ist, weil man nicht so viel Gewicht am Rad hat und daher auch nicht auf jedes Gramm achten muss.

Am Ende des Ortes ging es mit zwei Serpentinen hinauf zum Radweg, wo wir nach einigen Kilometern den höchsten Punkt des CAAR, zumindest in Italien, erreichten. Wir haben es nicht bemerkt, erst auf der von mir aufgezeichneten Komoot-Route war dieser Punkt markiert. Die weitere Strecke folgte der alten Pontebanna-Bahnlinie. Es ging abwechslungsreich durch mehr als 20 Tunnels in unterschiedlicher Länge, meist gut beleuchtet, aber man sollte trotzdem das Licht am Bike eingeschaltet haben, um nicht übersehen zu werden.

In Pontebba wird der Bereich des Bahnhofs von der neuen Bahnlinie benutzt, wodurch der Radweg unter der Autobahn und auf der Straße direkt durch den Ort führt, wo einige Cafés von den Radlern gestürmt werden. Wir hatten aber ein anderes Ziel, den ehemaligen Bahnhof Chiusaforte.

Neben den Tunnels sind die Brücken immer wieder eine Attraktion, besonders hervorheben muss man die Ponte di Ferro-Chiusaforte, die das Tal mit dem Fluss der Fella überspannt und gleich in einen Tunnel mündet.

Beispielhaft für die Wasserfälle links und rechts des Tales möchte ich den Cascata Cadramazzo mit seinem spektakulären 85m-Sturz erwähnen, die untenstehenden Bilder zeigen aber auch einige andere. Nicht umsonst wird Chiusaforte auch der Ort der 13 Wasserfälle genannt.

Der Bahnhof Chiusaforte wurde zum Bistro umgebaut und hat sich zum Hotspot entwickelt. Viele Radler inklusive uns nutzten das schöne Eisenbahnambiente zu einer Rast mit einem Kaffee. Auf den ehemaligen Schienen sind Kräuterbeete angelegt, aber man kann hier auch noch ein ganz kleines Stückchen der Original-Schienen erkennen.

Etwas weiter den Radweg entlang erreichten wir den Bahnhof Resiutta mit seiner originalen Zuggarnitur. Das Ambiente war zwar sehr schön, das Essen ließ aber leider viele Wünsche offen.

Das Tal wurde hier immer weiter, daß Flussbett breiter und das Wasser schmaler. Bald erreichten wir den kleinen Ort Carnia, namensgebend für die Region und auch die umgebenden Karnischen Alpen. Auf der Ortsstraße ging es hinaus auf die SS13 wo wir auf einer Geraden, scheinbar „in the middle of nowhere“ unser Hotel, das Alma Living Hotel al Girarrosto, erreichten. Das riesige Zimmer, eigentlich ein Appartement, und das Abendessen, das anscheinend auch von den Einheimischen rege genutzt wird, entschädigten aber für die Lage.

Die Komoot-Route

Die Komoot-Route: Von Tarvis nach Carnia

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