Cagliari am Motorrad-freien Tag

Eine Pause vom Motorrad fahren haben wir zum Entspannen und Sightseeing in Cagliari genützt. Neben einer Reihe von Sehenswürdigkeiten kommt dabei überraschenderweise auch mein letzter Arbeitgeber vor der Pensionierung, Capgemini vor. Die Details und viele Bilder gibt es in diesem ersten Blog zu unserer Motorradreise nach Sardinien.

Ich sitze am Yachthafen der Hauptstadt Sardiniens mit Blick auf das eine oder andere Segelboot und genieße die Atmosphäre am Wasser. Mir fällt die Fahne meines ehemaligen Arbeitgebers auf, Capgemini ist einer der Hauptsponsoren der Louis Vitton Americas Cup Regatta, dessen Vorlauf von 21.-24. Mai in Cagliari stattfindet.

Einen Tag habe ich Motorrad-frei schon hinter mir. Viele Schritte bergauf und bergab am Hügel von Cagliari habe ich auch bereits gemacht. Das Taxi brachte mich bis zur Bastione di Saint Remy, von der ich zuerst zum Mercato Civico di San Benedetto, der Markthalle nordöstlich der Altstadt, gehen wollte. Die alte Markthalle soll renoviert werden, daher wurde für diese Zeit ein ganzes Containerdorf aufgebaut. Dieses sollte um 15 Uhr schließen, daher war nicht ganz eine Stunde vorher schon das große Reinemachen im Gange. Ich habe aber doch einige Fotos geschafft und konnte die ersten Herzkirschen und einige Pfirsiche kaufen.

Vorbei am zumindest optisch nicht sehr ansprechenden Opernhaus kam ich in den Parco della Musica (Musikgarten), wo aber gerade für das nächste abendliche Event vorbereitet wurde. Der Blick rechts traf einen blauen Turm, den ich nicht zuordnen konnte und wo sich später herausstellte, dass es das T-Hotel ist.

Ich wanderte aber weiter hinauf, ich wollte ja zum höchsten Punkt der Zitadelle, wo auch die Basilika von Cagliari zu finden ist. Vor dem Tor in die Burg hat man einen wunderschönen Blick links und rechts hinunter auf den Hafen, die Salzseen und das geschäftige Treiben in der City.

Dann öffnet sich der lang gestreckte Piazza Palazzo und man sieht am anderen Ende bereits die Cattedrale di Santa Maria Assunta e Santa Cecilia und den Antico Palazzo di Città, von dessen Ausstellung zu Antonio Ligabue ich noch in einem extra Blog berichten werde. Auch wenn man die Kirche nicht kennt, kommt sie einem von außen bekannt vor, da sie in den 1930er Jahren die heutige neoromanische Fassade nach dem Vorbild der Fassade des Doms von Pisa erhielt.

Die Kathedrale von Cagliari ist wie viele Kirchen Sardiniens der Verehrung der Mariä Himmelfahrt gewidmet. Sie ist eine Mischung aus verschiedenen Kunststilen und birgt sieben Jahrhunderte Geschichte der Stadt Cagliari. Im 13. Jahrhundert im romanischen Stil Pisas erbaut, wurde sie 1258 in den Rang einer Kathedrale erhoben und im 17. und 18. Jahrhundert im Barockstil renoviert.

Nach dem Besuch der Kathedrale und des  Museums verlor ich mich in den kleinen Gassen der Altstadt und genoss immer wieder die Aussicht auf den Hafen. An der Bastione di Saint Remy die ich ja schon von unten kannte, fiel mein Blick hinunter auf einige nette Lokale, wo ich mir später eine Pinsa im Margherita-Stil gönnte. Sie war so flaumig, wie ich sie bisher in Österreich weder in einem Lokal noch selbst gebacken gekannt habe. Jetzt weiß ich aber, wie sie zu sein hat, da wird es zuhause wohl einige Übungsexemplare geben müssen.

Die vielen kleinen Gassen verleiten zum Flanieren und so ist meine vorletzte Station ein Eissalon in den Arkaden am Hafen.

Ein paar Eindrücke noch vom Feuerwehr- und Yachthafen schließen dann den eindrucksvollen Cagliari-Tag. Obwohl Motorrad-frei, war es aber doch kein Tag zum Erholen, es wäre aber schade gewesen, es zu verpassen.

Spannend sah zumindest aus der Entfernung das Zusammentreffen einer einlaufenden gar nicht so kleinen Regatta-Yacht und dem auslaufenden Kreuzfahrtschiff Costa Toscana aus.

Ein ganz besonderer Dank gebührt dem Personal des Manàmanà Ristorante auf der Piazzetta Savoia Ich habe dort nicht nur ausgezeichnete Tagliatelle Carbonara gegessen, sondern durfte dort auch stundenlang unter den Bäumen sitzen und an diesem Blog schreiben.

Weil es besser hierher als zu einem Motorrad-Blog passt: Am Rückweg zum Hotel haben wir sie besucht, die berühmtesten Bewohner der Salzwasserteiche von Cagliari. Die Flamingos gehören mit ungefähr 1,5 m zu den größten Flugvögeln der Welt und leben in Gruppen, die bis zu einigen tausend Exemplaren erreichen können. In Cagliari sind sie das ganze Jahr über vertreten, aber ihre Zahl schwankt sehr stark. Sie bewegen sich zwischen dem Salzwasserteich Molentargius und der Lagune von Santa Gilla sowie den anderen salzigen Feuchtgebieten auf Sardinien, dem Mittelmeerraum und Afrika. Die Salzwasserteiche in Cagliari  können sie bis zu 15.000 Exemplare aufnehmen.

Zum Abschluss gibt’s auch noch ein Sonnenaufgangsfoto, aufgenommen vom Hoteldach Richtung Salzwasserteiche.

Sizilien 4 Von der Südspitze zu Tempeln und türkischen Stiegen

Am südlichsten Zipfel

Da unser Hotel nur rund 20 Minuten von der Südspitze von Sizilien entfernt war, wollten wir diese auf dem Weg zu unserem nächsten Zwischenziel in Agrigento auch besuchen. Das Wetter war zwar bescheiden, sprich regnerisch, windig und dadurch auch recht kühl, aber für kleine Besichtigungen und Spaziergänge ganz gut geeignet.

Im kleinen Fischerort Portopalo di Capo Passero war es anscheinend nicht nur wegen des Wetters recht ruhig, nur wenige Touristen haben sich ausser uns hierhin verirrt. Die Isola di Capo Passero liegt einige hundert Meter vor der Küste, man sieht darauf Reste von Häusern der Thunfisch-Fischerei, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, aber heute zu verfallen scheinen.

Die Südostküste entlang

Wir beschlossen, unseren Weg auf kleineren Straßen entlang der Küste fortzusetzen und sind dabei durch ein Riesengebiet von Plantagen und Gewächshäusern gekommen. Oliven, Tomaten, Getreide werden hier angebaut, sogar ein großes Artischockenfeld haben wir gesehen.

Aufgrund des Windes waren die Wellen schon recht beeindruckend hoch, leider kommt das auf den Fotos gar nicht so zur Geltung.

Eine kleine Seenlandschaft lag ebenfalls am Weg, wo wir das erste Mal rosa Flamingos in freier Wildbahn erblickten. Leider waren sie recht weit vom Ufer weg, daher ist die Fotoqualität nicht perfekt, ich möchte sie euch aber trotzdem nicht vorenthalten.

Ein Espresso und ein paar sizilianische Süßigkeiten in einem der wenigen offenen Strandcafes an der Straße haben die Lebensgeister wieder geweckt und uns für den Rest der Strecke wach gemacht.

Das Navi hat nicht immer recht

Am späten Nachmittag erreichten wir Agrigento und fanden mit Hilfe meines Motorrad-Navis, wo ich die einzelnen Tagesrouten als Unterstützung schon daheim abgespeichert habe, direkt, nur einige wenige Stufen abwärts entfernt, unser Hotel.

Leider war das eine sehr enge um die Ecke gehende Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit, die wie nicht nur in Italien üblich, komplett zugeparkt war. Ich musste daher mit Geduld, Ruhe und Fingerspitzengefühl im Retourgang vorbei im Zentimeterabstand an den geparkten Autos und den Hausmauern und Stufen wieder raus aus dieser Falle.

Das neue Ziel lag dann an der anderen Seite des Häuserblocks auf einem richtig romantischen Platz direkt vor dem Teatro Pirandello. Es wäre toll gewesen, wenn das auf der Homepage des B&B Hotels oder in den Reiseunterlagen vermerkt gewesen wäre. Zimmer und Lage haben uns dann aber entschädigt.

Abendessen in der Altstadt

Nachdem sich der Hunger auch wieder meldete, suchten wir uns in der Flaniermeile von Agrigento, der Via Atenae ein nettes Lokal. Antipasti Rustico zum Teilen, Tagliolini al pistacchio con lamelle di speck croccante (Pistazien-Tagliolini mit gerösteten Speckstreifen) für mich und Pesce spada in crosta di pistacchio (Schwertfisch mit Pistazienkruste) für meine Frau haben den Gaumen fast perfekt erfreut und den Hunger gestillt und den Tag angenehm abgeschlossen.

Das Tal der Tempel

Das Valle dei Templi als eigentlicher Grund für unseren Stopp in Agrigento war unser erstes Ziel nach dem Frühstück. Weithin sichtbar unterhalb der Stadt liegt ein weitläufiges Gebiet mit griechischen Tempeln, städtischen Anlagen und Gärten aus der Zeit von ca. 600 bis 400 vor Christus. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht, das Fahrzeug am tiefsten Punkt, der Porta IV zu parken und dann mit dem Shuttlebus zur Porta I zu fahren und dann den Weg bergab zu nehmen.

Ich möchte hier nicht detailliert über die Geschichte referieren, da gibts einen Link unten dazu, sondern einfach einige Bilder der Tempel und der Landschaft rundherum sprechen lassen und jedem Sizilien-Besucher diesen Platz ans Herz legen.

Blick in die Kirchen

Agrigento selbst ist zumindest für uns keine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss, dazu haben zu viele Bausünden mit Hochhäusern auch mitten in der Altstadt das Gefüge zerstört.

Die Kirchen sind aber, wenn sie nicht verfallen sind, auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier ist besonders die Cattedrale San Gerlando am höchsten Punkt der Stadt zu empfehlen. Einige Euro Eintritt sind es auf jeden Fall wert, man kann zum bunten Rosettenfenster mit Blick auf den Innenraum hinauf steigen, um die Holzdecke des Hauptschiffs und den barocken Chor, auf dem Engel und vergoldete Girlanden prangen, zu sehen. Vom Glockenturm geht dann der atemberaubende Blick über die ganze Stadt und das Umland.

In der Chiesa del Purgatorio (San Lorenzo), laut TripAdvisor eine der schönsten Barockkirchen auf Sizilien, hier finden zwar keine Messen mehr statt, dafür ist derzeit eine eindrucksvolle Fotoausstellung zu den Osterprozessionen der Insel zu sehen.

Weisse Treppen an der Meeresküste

Der Scala dei Turchi („Treppe der Türken“) ist ein aus Mergel bestehender, monumentaler Felsen rund 20 km außerhalb von Agrigento, der bei passender Sonne schon von weitem weiß erstrahlt.

Wir haben den ersten Wegweiser an der Hauptstraße wegen einer Baustelle übersehen und sind durch schmale Gässchen bis ans Meer hinunter geirrt, ohne hin zu finden. Dafür entdeckten wir das Strandlokal Kaeso, wo wir mit Blick auf die durch den Wind recht starke Meeresbrandung eine der besten Spaghetti allo scoglio und Spaghetti alla matriciana gegessen haben.

Zufälliges Treffen mit Bekannten aus meinem Geburtsort

Einige Kilometer weiter und einen steilen Weg hinunter landeten wir am Parkplatz vor den Scala dei Turchi. Beim Bezahlen der Parkgebühr wurde ich von einem Radfahrer mit Sonnenbrille angesprochen. Seine Frau ist mit mir in die Volksschule gegangen, wir sehen uns sonst nur alle paar Jahre bei einem speziellen Heimattreffen, über das ich sicher noch einmal berichten möchte. Am kurzen Weg den Strand entlang zu den Felsen haben wir dann Erinnerungen ausgetauscht. Ich habe mich sehr über diese Begegnung gefreut!

Links

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A4ologische_St%C3%A4tten_von_Agrigent

http://www.cattedraleagrigento.com/

https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g194662-d6848776-Reviews-Chiesa_del_Purgatorio_San_Lorenzo-Agrigento_Province_of_Agrigento_Sicily.html

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Scala_dei_Turchi

https://www.kaesoseafoodrelax.com/

Zum Weiterlesen

Sizilien 5