4: Sardinien von Cagliari im Süden bis Bastia in Norden Korsikas

In diesem Blog geht es schon wieder um die Rückfahrt, zuerst über die beiden Inseln Sardinen und Korsika, mit Flugzeug-Denkmälern, Burgen und Küstenlandschaften, Schluchten und relativ hohen Pässen, beinahe wilden Tieren und malerischen Dörfern und zum Schluß mit der Fähre von Bastia nach Savona am italienischen Festland.

Die gemeinsame Woche war schon wieder um und so kam der Tag der Heimreise, die Ehefrauen von Franz und Werner mit dem Flugzeug und wir auf unseren Motorrädern. Zunächst sollte es Sardinien hinauf bis zur Fähre von Santa Teresa Gallura nach Bonifacio auf Korsika gehen und dann bis Bastia, von wo uns die nächste Fähre wieder ans Festland in Savona bringen sollte. Jeweils eine Übernachtung pro Insel stand ebenfalls am Plan.

Tag 1: Von Cagliari nach Sassari

Nach der Verabschiedung von den Ehefrauen der Freunde, die erst etwas später zum Flughafen mussten, starteten wir los vom Hotel Richtung Altstadt. Vorbei an der Bastione di Saint Remy fuhren wir den Berg hinauf und aus der Stadt Richtung Norden hinaus.

Ungefähr eine halbe Stunde, nachdem wir Cagliari verlassen hatten, kamen wir am Luftwaffenstützpunkt Decimomannu vorbei. Der Lockheed Starfighter F-104 mit gestutzten Flügeln vor dem Eingang animierte mich sofort zu einem Fotostopp. Hinein darf man natürlich nicht und die Wachen waren auch nicht begeistert, weil wir das ausgestellte Flugzeug fotografierten.

Dabei werden auch die Piloten des Österreichischen Bundesheeres für die neuen Leonardo-M-346-FA-Jets in der dort stationierten International Flight Training School (IFTS) ausgebildet, wie der ORF bereits im Februar 2026 berichtete. Hier ist der Ausschnitt aus der ZIB2 vom 24.2.2026 dazu.

Unser weiterer Weg brachte uns durch die Ebene bis in die Nähe von Santa Giusta, wo wir am gleichnamigen Teich Stagno di Santa Giusta einen kurzen Photostopp machten und das Naturschutzgebiet  bewunderten. Der Teich ist durch einen breiten Küstenstreifen vom Meer getrennt und über einen künstlichen Kanal mit diesem verbunden. Er hat keine direkten Zuflüsse und wird über Entwässerungskanäle gespeist.

Im Zentrum des Ortes fanden wir eine kleine Cafeteria,  wo wir uns mit Cappuccino und Getränken stärkten, bevor wir in der beginnenden Hitze weiter nach Norden fuhren, wo wir kurz wieder an die Küste kamen,  bevor wir Marina Bosa und dann Bosa erreichten.

Die kleine Stadt ist angeblich einer der schönsten Orte Sardiniens und liegt 2 km im Landesinneren am Fluss Temo. Wir aber wollten zur Burganlage Castello di Servalle, auch Castello Malaspina genannt. Der Hitze wegen fuhren wir, nicht ganz erlaubt, so weit wie möglich zum Eingang, damit wir nicht auch noch mit unseren heißen Motorradhosen den Burgberg erklimmen mussten.

Der Blick von der Burgmauer über die Dächer der Stadt entschädigte für den Schweiß beim Hinaufsteigen. Den markanten Turm bestieg aber nur Franz.

Aber auch die Kirche „Nostra Signora de Sos Regnos Altos“ mit einem Freskenzyklus aus dem Jahr 1370 ist einen Besuch wert. Neben den außergewöhnlichen Wandmalereien war die Abkühlung in den alten Steinmauern recht angenehm.

Dann führte die SP106 mit vielen flotten Kurven die hügelige bis gebirgige Küste entlang, die aber trotzdem immer wieder zum einen oder anderen Halt an einem Aussichtspunkt animierte.

Danach gab es noch eine kurze Kaffeepause in einem richtigen Strandcafe, wo wir zumindest den Schatten an diesem heißen Nachmittag geniessen konnten.

Den letzten Teil der Route fuhren wir getrennt um unsere individuellen Fotostopps machen zu können, dabei war die kleine Küstenstadt Alghero nochmals ein Highlight.

Ab da betätigte sich mein Navi auf einmal als Hellseher und wollte mich unbedingt auf die neue SS291VAR führen, die teilweise im Bau war, aber trotzdem in der Realität nicht existierte und ich vor nicht existierenden Ausfahrten in einigen Kreisverkehren stand. Über allerkleinste Bauernwege, durch Felder und meterhohes Gebüsch kam ich dann, ohne dem verwirrten Navi zu folgen, zurück auf die bestehende SS291 Richtung Sassari.

Unser modernes Hotel war zwar zumindest für mich etwas schwer zu finden, war aber nur wenige 100 Meter von der Altstadt entfernt, wo wir in einer sehr schönen gepflegten Trattoria zum Abendessen waren.

Tag 1 der Heimreise: Von Cagliari nach Sassari

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/YYfwM

Tag 2: Von Sassari auf Sardinien nach Corte auf Korsika

Gleich nach dem Frühstück starteten wir los Richtung Fähre, hinaus bei der steilen Ausfahrt aus der Tiefgarage. Hier habe ich das erste Mal seit Langem das DCT (Doppelkupplungs- getriebe) der ersten Generation verflucht, als mir beim Wegfahren beim langsam öffnenden Tor die Crosstourer abgestorben ist. Das Betätigen der Fuß- oder Handbremse war praktisch unmöglich da ich auf der extrem steilen Auffahrt die Füße am Boden haben musste und die rechte Hand zum Gasgeben benötigte. Dass sie nebenbei auch nicht anspringen wollte, war dann nur noch die Draufgabe. Aber mit Ruhe und etwas Glück hat es dann doch ohne Umfaller oder nochmaliges Absterben geklappt.

Wir verließen die Stadt Richtung Nordwesten, zum Hafen von Santa Teresa Gallura, von wo es mit einer einstündigen Überfahrt nach Bonifacio auf Korsika gehen sollte. Die Strecke war zwar in Küstennähe, aber trotzdem mit schönen Ausblicken auf das sardische Hinterland.


Da die Straßen gut ausgebaut sind, konnten wir trotzdem flott unterwegs sein und so erreichten wir mehr als rechtzeitig den Hafen von Santa Teresa Gallura.

Die Abfahrt unserer Fähre sollte um 12:30 sein. Auch hier kamen die Motorräder zuerst auf das Schiff und wir genossen die ruhige Fahrt auf dem fast glatten Meer, was, wie ich später von einem Freund erfuhr, gar nicht so selbstverständlich war.

Die Ausfahrt aus dem Hafen war bereits ein Erlebnis, aber auch das Einlaufen in einen der beeindruckendsten Naturhäfen des Mittelmeeres in Bonofacio bleibt unvergesslich. Die weiße Kalksteinzitadelle und die Häuser daneben an den steil abfallenden Felsklippen wirken so, wie wenn sie jeden Moment ins Meer stürzen könnten.

Und schon fuhren wir wieder von der Fähre und direkt aus Hafen und Stadt hinaus wie die meisten Fahrzeuge auf der Fähre. Unser nächstes Ziel sollte Porto-Vecchio sein, wo wir uns bei der Durchfahrt den wunderschönen Ortskern ansahen. Aufgrund der Enge und der vielen Menschen war ein kurzer Fotostopp nicht möglich und ihr müsst mir das einfach so glauben, oder diesem Link folgen: Porto-Vecchio

Unsere Fahrt durch die Altstadt vorbei am Place de la République ist zwar nicht verboten gewesen (glaube ich zumindest, da uns niemand aufhielt oder darauf hinwies),  kurviger.de wehrt sich aber trotzdem dieses Stück so darzustellen, wie wir gefahren sind.

Von hier ging es bald nach Palavesa in die Berge, wo in einer Kurve ein Aussichtspunkt in die Tiefebene und die Küste bei Porto-Vecchio lag, wo wir neben einer Reihe von anderen Bikern ebenfalls anhielten. Hier habe ich den ersten und einzigen Crosstourer-Fahrer auf unserer Sardinien-Tour getroffen, der noch dazu aus Amstetten stammte, also quasi ein Nachbar aus der alten Heimat. Der spezielle Blick den Berg hinunter fiel auf die Stadt Porto-Vecchio und die angrenzende Küstenlandschaft.

Ein paar Pässe möchte ich noch nennen, die wir im nächsten Abschnitt durch wunderbare Kiefernwälder mit vielen kleinen aber auch langgezogenen Kurven vorbei am Stausee Lac de L’Ospedale gefahren sind, den Bocca d’Illarata (991m), den Bocca di Pelza (874m), den Col de Bulgara (737m), und den Col de la Vaccia (1191m), bevor wir das malerische Bergdorf Cozzano erreichten, wo wir wieder eine kleine Kaffeepause einlegten.

Über den Col de Verde (1289m) und den Col de Sorba (1311m) ging es dann wald- und kurvenreich, meist gut ausgebaut bis zu unserem Ziel in Corte. Ich führe diese Pässe alle deswegen an, um zu zeigen, dass Korsika mit den vielen Kurven und Pässen für Motorradfahrer fahrerisch und landschaftlich besonders interessant und empfehlenswert ist. Werner schmiedete sogar schon Pläne für einen Wanderurlaub. Auch einige „wilde“ Tiere kreuzten unseren Weg!

Unser Hotelgastgeber an der Hauptstraße wartete schon und unsere Motorräder wurden zu 10 weiteren in eine Auto-Doppelgarage geschlichtet. Nach einem gemütlichen Abendessen im daneben liegenden Lokal ging dieser recht lange Tag zu Ende.

Da der letzte Abschnitt auf Korsika bis zur Fähre kürzer sein sollte, liessen wir uns am nächsten Morgen noch Zeit genug, die Stadt zu erkunden.

Tag 2 unserer Heimfahrt: von Sassari bis Corte

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/XbB8F

Tag 3: von Corte nach Bastia und mit der Fähre nach Savona

Unser letzter Tag auf Korsika sollte ein neues Highlight für uns haben, eine ganz besondere Schlucht im Naturpark. Bald nach der Ortschaft Ponte Leccia beginnt das Asco-Tal, dem wir rund 20 Kilometer bis ein Stück über das Bergdorf Arco entlang des Flusses mit vielen schönen Kurven und Blickpunkten folgen. Hier fanden wir heraus, dass der Berg im Hintergrund, der Monte Cinto mit seinen 2706 Metern der höchste Korsikas ist und noch einige Kilometer weiter auch ein Schigebiet liegt.

Dieses Tal im Parc Naturel Régional de la Corse beeindruckte nicht nur uns, sondern auch eine Reihe anderer Biker, Radfahrer und Wanderer. Der Fluss selbst ist angeblich auch ein Geheimtipp bei den Kanufahrern.

Im Dorf Asco gibt es gleich am Ortseingang ein Café, das uns zu einer Pause animierte. Den Blick über das Tal hinaus bekamen wir als Draufgabe.

Aber auch die Fahrt aus dem Tal hinaus eröffnete wieder neue Blickwinkel, die uns in der anderen Richtung gar nicht aufgefallen waren.

Danach wollten wir weiter Richtung Fähre in Bastia. Es wäre nicht Korsika, wenn nicht einige weitere Passhöhen auf unserem Weg gelegen wären. Der erste war der Col de Sainte-Marie (372m) bevor die kurvige Straße hinauf auf den Bocca di Vezzu (311m)  führt, von dem wir einen wunderschönen Blick hinunter auf die Küste einerseits und ins Landesinnere andererseits hat.

Der Fremdenverkehrsort Saint-Florent beeindruckte uns mit seinem zentralen Yachthafen, wo sich gefühlt alle Motorradfahrer der Insel trafen.

Der letzte Pass vor unserem Ziel war der Col de Teghime (536m). Das dortige Denkmal soll daran erinnern, dass Ende September 1943 korsische Partisanen und freifranzösische Verbände Bastia, wo zu diesem Zeitpunkt noch deutsche Truppen waren, einnehmen konnte.

Da unsere Fähre erst um 22:30 ablegen sollte, waren wir noch recht früh dran. Daher suchten wir ein Lokal, wo wir noch ein Eis essen konnten und fanden eines nach einem längeren Fußmarsch ganz in Hafennähe. Neben einem guten Eis lernten wir dabei auch noch, dass man hier keinen Cappuccino, sondern einen Café au Lait trinkt, was nicht nur sprachlich, sondern auch in der Zubereitung ein Unterschied ist. Der Cappuccino besteht aus Espresso und Milch und einer dicken Schicht Milchschaum. Der Café au Lait hingegen ist einfach eine Mischung aus Filterkaffee und Milch ohne Schaum.

Die Zufahrt zur Fähre war zwar gut angezeigt, doch die Ausfahrt im Kreisverkehr war dann trotzdem leicht zu übersehen, wir kamen aber nach einer kleinen Zusatzrunde doch hin, wo wir innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit einigen anderen Motorrädern unseren Platz auf dem Schiff zugewiesen bekamen.

Wir hatten wieder eine Kabine zur Einzelbenutzung gebucht, was die Nacht nach einer frischen Dusche sicher erholsamer als am kühlen Deck oder in einem der Sitze unter Deck machte.

Am Morgen genossen wir noch unser kleines französische Frühstück, oder Petit déjeuner, mit einem Stück Baguette mit französischer Butter und Marmelade, einem Croissant und natürlich Café au lait. Dass jedes Stück in Plasik verpackt war, musste man sich halt wegdenken, um den typischen französischen Frühstücksgenuss zu haben. Danach hatten wir noch Zeit genug, um das Einlaufen der Fähre im Hafen von Savona zu beobachten.

Tag 3 der Heimfahrt von Corte bis Bastia

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/4XUKE


3: Strände, Berge, Inseln und Lost Places

In diesem Blog erzähle ich von drei gemeinsamen Tagestouren von Cagliari aus. Da Sardinien so groß ist, erkundeten wir damit nur das südliche Drittel der Insel.

Runde 1: hohe Berge, (ehemalige) Sümpfe, malerische Strände und rosa Flamingos

Diese Runde sollte an den südlichsten Zipfel Sardiniens führen, doch Franz wollte uns zuerst eine malerische Schlucht zeigen. Darum starteten wir nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel Richtung zuerst über den Lungomare Richtung Osten und dann nach Norden hinaus aus der Stadt.

Unser erstes Ziel, der Passo Arcu e Tidu, liegt im Sette Fratelli Gebirge, einem Naturschutzgebiet im Süden Sardiniens unweit der Inselhauptstadt, und ist der höchste Punkt der alten Verbindungsstraße zwischen der Südostküste Sardiniens und Cagliari.

Ganz in der Nähe führt eine Sackstraße in den Ort Burcei. Leider fanden wir dort kein Cafe, aber der Aussichtsberg Monte Serpeddi mit seinen 1069 Metern lockte uns. Über schmalste Sträßchen fuhren wir zum Fuß des Berges, wo wir feststellten, dass der Berg nur über eine steile Schotterpiste erreichbar war, was wir aber nicht riskieren wollten und daher umkehrten.

Und so ging es wieder zurück auf die NSA 371 (Nuova Strada ANAS 371), die ehemalige Strada Statale 125 „Orientale Sarda“, nicht ohne nochmals einen Photostop mit Ausblick bis Cagliari zu machen.

Dieser kurvenreiche, und landschaftlich reizvollen Strecke von San Gregorio (Sinnai) über die Berge folgten wir Richtung Osten, bis wir schon im Flachland, im kleinen Dorf San Priamo gleich gegenüber der Kirche ein Cafe entdeckten, das offen hatte. Cappuccino und sardische Cookies stärkten wieder Körper und Geist.

Die Häuser und die ganze Siedlung fielen mir aufgrund ihrer Bauweise und rasterartigen Anordnung auf. Es sah wie eine geplante Fabrikssiedung aus den 1930er Jahren aus. Es stellte sich heraus, dass San Priamo unter Mussolini als Kaserne für Arbeiter gegründet wurde, die das umliegende Sumpfland trocken legen sollten, damit die Malaria zurückgedrängt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung verlassen und hat heute nur mehr 110 Einwohner. Die Häuser scheinen zwar nicht gepflegt zu werden, aber verlassen wirken sie ebenfalls nicht. Ein sehr eigener Lost Place.

Und dann war wirklich Küste und Meer angesagt. Etwas südlich des bekannten Badeortes Costa Rei erreichten wir einen Strand, an dem wir wirklich im Sand vor dem Wasser rasten und die Zehen ins kühle Nass halten konnten.

Dann hofften wir, am südlichsten Zipfel Sardiniens ein Restaurant zu finden, das um 15 Uhr hungrige Bikerinnen und Biker nicht nur mit Getränken, sondern auch mit Essen versorgen wollte. Leider hatten aber beide von uns angesteuerten Lokale trotz gegenteiliger Internet-Auskunft die Küche geschlossen. Aber im nur wenige Kilometer entfernten Villasimius entdeckte Franz eine Trattoria, die uns mit Pizza & Co wieder ins Leben zurückholte.

Gestärkt fuhren wir die Küste mit atemberaubenden Aussichten bis zu unserem Ausgangspunkt entlang, die späte Nachmittagssonne tat dabei ihr übriges.

Am Beginn des Lungomare von Cagliari hielten wir unsere Motorräder an und konnten wirklich die Flamingos in der Abendsonne  bewundern.

Die Runde zu Berg, Sumpf und Strand

Die Route in Kurviger: https://kurv.gr/JEFaz

Runde 2: Strände und die südlichste Insel

Diese Runde sollte uns endgültig in den Süden der Insel führen, Franz hatte einen besonderen Strand und eine vorgelagerte Insel als Ziele geplant.

Wir fuhren vorbei an Altstadt und Hafen hinaus aus der Stadt und weiter über die SS195 vorbei an Salinen, wo ebenfalls Flamingos leben, die wir aber nicht gesehen haben. Unser Guide für Sardinien, Franz bog dann wenige Kilometer später, nach der Ortschaft Chia, links von der schnurgeraden Strasse ab, wo wir auf einen kostenpflichtigen Parkplatz für den nahegelegenen Strand landeten, der Kassierer sich aber überreden ließ, für uns mit unseren  Motorrädern eine Ausnahme zu machen und uns die Gebühr zu erlassen.

Breite Holzstege führten hinaus an den Strand Su Guideu vorbei an einem Naturschutzgebiet. Eine kleine Bucht lag vor uns, mit einem wunderschönen Sandstrand und leider sehr windig. Die bekannte Strandbar wurde Mitte Mai gerade erst eingerichtet und wird erst zur Badesaison geöffnet.

Vor der Weiterfahrt gab es aber doch noch einen guten Cappuccino im Cafe Aquadulci beim Parkplatz. Die Straße SP71 entlang der Costa Sud Sardegna mit ihren Aussichtspunkten wie dem Punto Panoramico zur Isola Tuerredda ist zwar fahrerisch keine besondere Herausforderung, dafür hat man genug Zeit, die traumhafte Landschaft zu genießen.

Dafür waren dann die nächsten rund 20 Kilometer wieder näher an der Küste und umso kurviger. In Santadi am Platz vor der Chiesa Parrocchiale di San Nicolò di Bari und dem Rathaus machten wir wieder eine Pause im Schatten eines ganz interessanten Baumes, die Hitze war in der Zwischenzeit auf weit über 30 Grad gestiegen.

Dann machte sich schon der allgemeine Hunger bemerkbar und so beschlossen wir, auf der Isola di Sant Attico zu essen. Vorbei am Lago Monte Pranu fuhren wir Richtung Küste und über den Damm auf die kleine Insel und in den Hafen des Hauptortes Sant Attico. Auch dort war am späten Nachmittag bis auf ein Lokal alles geschlossen, dafür war dort das Essen umso besser und einige Meter weiter gab es als Nachspeise ein Spitzen-Eis.

Über die schnelle Heimfahrt ins Hotel über die SS120 gibt es dann nichts weiter zu berichten.

Die Runde zu den Stränden und der Isola di Sant Attico

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/bXdPC

Runde 3: in die Berge und zu einem besonderen Lost Place

Diesmal schaffte ich es doch einmal, den Sonnenaufgang vom Dach des Hotels zu fotografieren, fast ein bisschen kitschig.

Bei dieser Runde wollte uns Franz ein besonderes Kleinod von Sardinien zeigen. Neben den für uns Motorradfahrer wichtigen Kurven und Ausblicken war das Ziel das verlassene Dorf Gairo Vecchio.

Bald nach dem Frühstück waren wir bereit und folgten Franz nun wirklich nach Norden in die Berge. Der erste Teil der empfehlenswerten SS387 führte uns durch die Campidano-Ebene bis Dolianova. Kurz nach der Abzweigung auf die SP25 steht praktisch neben der Straße das Sardinia Radio Telescope, da mussten wir natürlich einen Photostopp einlegen. Dieses parabolische Radioteleskop mit einem Durchmesser von 64 Metern wird vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik (INAF) betrieben und von der Astronomischen Sternwarte von Cagliari verwaltet.

Durch Wälder aus Kork- und Steineichen und über aussichtsreiche Höhenzüge von einem Tal ins nächste ging es kurvenreich weiter bis in die Gegend von Ballao. Weiter ging diese Traumstraße, die mit bestem Asphalt und breiten Kurven, durch das einsame Flumendosa-Tal führt. Auch ein großer Windpark mit rund 60 Windrädern mit einer Gesamtleistung von rund 126.000 kWh ist in der Nähe der Stadt Ulassai in Betrieb und begleitete unsere Tour.

Am höchsten Punkt, beim Monte Codi mit seinen 850 Metern steht weit sichtbar eine Radaranlage der Europäischen Flugsicherung, die wir uns natürlich aus der Nähe ansehen mussten und dafür die kleine schmale Stichstraße hinauf fuhren.

Was Freund Werner dabei entdeckt hat, wird jeder, der beides kennt, bestätigen. Rechts im Bild unten sieht man einen markanten Felsstock aus dem Monument Valley, das ja eigentlich im US-Bundesstaat Utha liegt, und links dahinter, etwas weiter am Horizont, den Ötscher aus dem niederösterreichischen Mostviertel. Ein bisschen Phantasie schadet nie…

Ein weiterer Stopp wurde nur wenige Kilometer später, kurz vor Ulassai notwendig. Ein wunderbarer Blick ins Tal auf der einen Seite und auf die Felsformationen auf der anderen Seite begrüßte uns.

Bald darauf erreichten wir Ulassai, das von einer recht bedrohlich wirkenden Felsnase überragt wird.

Kurz nach Osini, das ebenfalls zu den Dörfern gehört, die 1951 von den Unwettern teilweise zerstört und später wiederaufgebaut wurden, hat man einen wunderbaren Blick auf unser Ziel Gairo Vecchio (Alt-Gairo) und dem etwas höher oben neu aufgebauten Gairo Sant Elena.

1951 regnete es vom 14. bis 19. Oktober durchgäng in ganz Sardinien, doch die Region Ogliastra war ganz besonders betroffen, fielen doch vereinzelt zwischen 300 und 500 mm Regen pro Quadratmeter. Das führte zu Vermurungen und Hangrutschungen in diesen Bergdörfern. Es wurde anscheinend zwar niemand verletzt, aber an einen Wiederaufbau an der gleichen Stelle war nicht zu denken. Und so wurde Gairo auf drei Teile aufgeteilt.

Bei einer Wanderung durch das verlassene Dorf gewinnt man einen guten Einblick in die Architektur dieser Orte mit ihren rot oder blau ausgemalten Räumen,  viele mit offenen Kaminen, die noch erhalten sind.

Für mich ist das die dritte Variante, wie in Italien mit einem von Naturgewalten zerstörten Dorf umgegangen wurde. Auf Sizilien wurde das Dorf Gabelina 20km entfernt als Stadt im Stil amerikanischer Gartenstädte neu aufgebaut und das alte Dorf in einem rechteckigen Ausschnitt des zerstörten Kernes mit einer etwa 300 × 400 Meter großen und 1,6 Meter Schicht aus weißem Beton überdeckt. Das eine beklemmend, das neue künstlerisch spannend, aber fast ausgestorben und daher zumindest aus meiner Sicht gescheitert.

Sizilien 5 – Lost Places am Weg nach Trapani

Im Kanaltal ist Venzone einer der Orte, die beim Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört wurden. Die ursprüngliche Idee, den Ort modern neu aufzubauen, wurde von der Bevölkerung verhindert und so wurde er so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Heute bezeichnet Venzone sich selbst als „eines der schönsten Dörfer Italiens“ und die Bevölkerung steht auch dahinter. Ein bisschen wie Dresden oder auch Wien.

Tag 3: Von Carnia bis Udine

Und die Schweiz ist gerade im Tessin mit dem Dorf Blatten, das im Mai 2025 nach einem  Gletschersturz verschüttet wurde, und in Graubünden mit dem Dorf Brienz, das von einem Bergsturz massiv bedroht wird, in einer ähnlichen Diskussion.

Nach einer Stärkung in der Bar oberhalb von Gairo Vecchio mit einem schönen Blick auf das Tal und Osina am gegenüberliegenden Hang wurde es Zeit für die Rückfahrt.

Ein paar Fotostopps gab es natürlich auch noch, der im Jahr 1952 angelegte Stausee Lago basso Flumendosa war dabei ein besonderes Highlight.

Es brach dann aber allgemeiner Hunger aus und wir  entdeckten glücklicherweise in Mandas die Pizzaria My Dream, wo wir mit den besten Riesenpizzen  verwöhnt wurden. Der Besitzer zeigte uns dann auch noch stolz sein grünes Käfer-Cabrio, das er extra für uns startete.

So gut gestärkt sollte die letzte Etappe zurück nach Cagliari entspannt, da fast nur mehr in der Ebene, verlaufen.

Die dritte gemeinsame Route zum verlassenen Bergdorf Gairo Vecchio

Die Route in kurviger: https://kurv.gr/UmqgH

2: Die Fähre nach Olbia und 2 Tage bis Cagliari

Nach der Anreise aus Österreich und der Nacht auf der Fähre nach Sardinien haben wir uns zwei Tage Zeit genommen, vom nordöstlichen Olbia über Arbatax bis nach Cagliari fast im Süden zu fahren und die Kurven und Blickpunkte zu genießen. Viele Eindrücke mit zu wenigen Bildern gibt es in diesem Blog.

Die Überfuhr von Civitavecchia nach Olbia

Ungefähr 10-15 Motorräder und Roller fuhren zuerst die Rampe auf die Fähre und die steile Auffahrt auf die nächste Ebene hinauf und mussten ihre Fahrzeuge ganz am Rand am Geländer abstellen. Praktischerweise nahm jeder nur das Notwendigste mit, um die Schlepperei in den engen Schiffsgängen so gering wie möglich zu halten.

Wir wurden rasch von den Bediensteten vom Deck wegkomplementiert und landeten zwei Stockwerke höher beim Checkin und erhielten innerhalb weniger Minuten fast kasernenhaft die Keycard überreicht und suchten unsere Kabinen. Wir hatten je eine Mehrbettkabine zur Einzelbenutzung gebucht, andere schliefen in den allgemein zugänglichen Sitzen.

Für Fährenneulinge wie uns hat der ADAC einige Tipps zusammengestellt: Mit dem Motorrad auf die Fähre: Tipps zu Auffahrt, Sicherung und Co.

Das Auslaufen aus dem Hafen hatte etwas von einer Mini-Kreuzfahrt, bevor wir nach einem kleinem Abendessen im Bordrestaurant unsere Kabinen aufsuchten, wir sollten ja um 5:30 schon wieder raus. So konnten wir auch relativ ausgeruht das Einlaufen im Hafen von Olbia bei Sonnenaufgang beobachten, bevor wir wieder zu unseren Motorrädern konnten.

Das Deck war ganz voll geworden, eine Gruppe Trikes aus Deutschland und viele PKWs waren nach uns noch dazugekommen und so dauerte es seine Zeit, bis wir ganz zum Schluß von der Fähre fahren konnten. Die ersten beiden Routen geführt von Franz lagen vor uns.

Die erste Inseltour bis Arbatax

Durch einen Tunnel und über eine lange Brücke ging es zuerst nur im Schritttempo in der Kolonne aus dem Hafengelände und der Stadt hinaus. Meine Crosstourer mag so etwas auf den ersten Kilometern überhaupt nicht und bockte, bis der Motor warm geworden war.

Die heutige Tagesetappe sollte zuerst über die legendäre SS125 Orientale Sarda hinaus in der Nähe der Küste und dann ins Landesinnere über Nuoro und einige Pässe wieder an die Küste nach Arbatax führen. Nach rund einer halben Stunde bogen wir nach Porto San Paolo ab, wo wir einen wunderschönen Blick auf das Tyrrhenische Meer vor der Insel werfen konnten.

Im Ortszentrum war bei einem Hotelcafe ein Frühstücksbuffett angekündigt, dort wollten wir dann halten und uns im Schatten der Arkaden stärken.

Ausgeruht und mit frischer Kraft begann nun wirklich das „Abenteuer Sardinien“ für  uns. Wir bogen am Ortseingang wieder auf die SS125 und fuhren bis nach San Teodoru, wo wir eine kurze Ortsbesichtigung per Motorrad machten. In Budoni umfuhren wir mit der Ortsdurchfahrt einige Tunnel auf der nun zur SS13DCN mutierten Straße.

Kurz vor Posada bogen wir ins Landesinnere und erreichten nach vielen kleinen Kurven Lode und Bitti, das wir uns nach einer Ortsrunde von oben anschauten.

Unser Versuch, im kleinen Bergdorf Orune einen Kaffee zu trinken, scheiterte trotz Suche auf Google Maps, der Ort schien ausgestorben, die Fotos zeigen aber trotzdem die Schönheit der Umgebung.

So fuhren wir wieder weiter bis in unser eigentliches Zwischenziel Nuoru. Kurz vor dem Dorf Dorgali kamen wir wieder auf die SS125 zurück und folgten ihr bis zum Genna Petta Pass und weiter zum Passo di Genna Silana, der auf 1002m Seehöhe liegt und anscheinend unser höchster Punkt dieser Tour war.

Der Passo Genna Croce liegt nur mehr auf 910m Höhe und kurz danach erreichten wir die Basis zur Gorropu  Schlucht. Sie ist eine der tiefsten und spektakulärsten Schluchten Europas mit bis zu 500 Meter hohen Kalksteinwänden im Supramonte-Gebirge. Vom Campo Base Gorropu kann man eine Fahrt auf nicht besonders vertrauenserweckenden Jeeps zum Schluchteingang buchen, von dort muß man aber selber wandern, sodaß daraus ein 8-stündiger Ausflug wird. Wir genehmigten uns nur einen Cappuccino und ein Eis.


Über den Genna Salbene Pass mit seinen 764m und den Genna Cogina mit 724m ging unsere Tour weiter in den Nachmittag hinein.

Wir erreichten am frühen Abend nach rund 250 km Fahrt mit vielen Kurven und abwechslungsreicher Landschaft unser Quartier im kleinen Hafenort Arbatax.

Es lag in einer privaten Siedlung hoch über dem Ort, was mir eine Rüge eines Nachbarn einbrachte. Da ich mein Motorrad mit DCT (Doppelkupplungsgetriebe, über die fast weltanschauliche Diskussion dazu schreibe ich in meinem früheren Blog Der Wunsch nach Freiheit – meine Motorräder) zur Sicherheit gerne an einer ebenen Stelle parke, hatte ich mir den Rand der Umkehrstelle am Ende der Straße ausgesucht, was mir am Morgen ein Post-It am Bike mit „No Parking!!“ einbrachte.

Die Lage unserer privaten Villa zwang uns nicht nur zu gesunden Fußmärschen, sondern erlaubte auch schöne Blicke über den bekannten Hafenort.

Eine Besonderheit gibt es zur Chiesa Parrocchiale della Beata Vergine di Stella Maris zu erzählen, die auf einigen Bildern unten zu sehen ist. Die Schutzpatronin der Seeleute und Fischer, Madonna Stella Maris, wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli mit dreitägigen Feierlichkeiten verehrt, die in einer feierlichen Prozession auf See gipfeln. Dabei wird die Statue mit einem Boot zum Yachthafen gebracht und ein Blumenkranz zum Gedenken an die auf See Verstorbenen niedergelegt.

In der Werftanlage der Firma SAIPEM wurde gerade ein Teil einer Öl- oder Gasplattform errichtet. Laut eigener Homepage befindet sich in Arbatax eine der wichtigsten Fertigungsanlagen Italiens, so strategisch günstig gelegen, um die Nachfrage im Mittelmeerraum, in der Nordsee, in Westafrika und im Golf von Mexiko zu bedienen. Hier wurden bereits zahlreiche Konstruktionen errichtet, darunter ein achtbeiniges Jacket mit einer Höhe von über 200 Metern und einem Gewicht von rund 25.000 Tonnen für das Sabrathra-Projekt vor der lybischen Küste, einer wichtigen Gasquelle für Westeuropa.

Die Route unseres ersten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/8pWVu

Die zweite Tour bis ins Hotel in Cagliari

Interessanterweise fanden unsere verschiedenen Navis hinaus aus der Stadt einen viel einfacheren Weg als gestern hinein, aber ich denke die Navis wollen manchmal auch ein bisschen zum Entertainment beitragen. Und so fuhren wir statt durch enge Gassen durch ein Waldsträßchen den Berg hinunter.

Da es in unserer „Privatvilla“ kein Frühstück gab, fanden wir beim Hinausfahren im Hauptort Tortoli ein nettes Cafe, wo wir zu Cappuccino und Limonata gute  Panini bekamen.

So gestärkt fuhren wir wieder auf die SS125, die in diesem Bereich eher Autobahn-ähnlich ausgebaut war und verließen sie daher wenige Kilometer später Richtung Landesinneres bis in die Nähe von Loceri, um wieder in südlicher Richtung weiterzufahren. Bald kamen wir zur ursprünglichen SS125 (exSS125) zurück, auf der wir mit der Ponte di San Paolo über den Fluß Fiume Pelau fuhren, der auch Rio Pardu genannt wird und zu diesem Zeitpunkt praktisch komplett ausgetrocknet war.

Copyright: Roberto Dermutas / Google Maps

Danach ging es wieder über kleinere Straßen zurück zur SS125var, der wir durchs Gebirge folgten, bis diese Ausbauvariante zu Ende war. Eine weitere lange Brücke über einen ausgetrockneten Fluss folgte auch noch.

Dann war wieder die alte SS125 angesagt, über die wir über den Arcu Genna Arela, der wegen der Höhe von nur rund 100m die Bezeichnung Pass eigentlich nicht verdient hat, bis Santa Maria fuhren, um ans Meer nach Porto Corallo zu kommen. Der Hafen war aber dort Mitte Mai noch im Winterschlaf und auch die nahe gelegene Pizzeria hatte geschlossen und so musste die Mittagspause noch warten.

Weiter ging es nun über Villaputzu und Muravera, wo ich meine Crosstourer, die schon auf Reserve war, sicherheitshalber auftankte. Wieder bewies sich, dass sie eine Säuferin ist, die BMW von Franz und die Kawasaki von Werner brauchen im Schnitt 1,5 bis 2 Liter weniger. EINEN Nachteil muss ja eine Honda mit DCT auch haben. Dabei ist sie schon sparsamer, als die Varadero davor war.

Die Fahrt in den Spätnachmittag Richtung Cagliari führte nun über die kurvenreiche Küstenstraße mit tollen Aussichtspunkten bis in die Stadt.

Über den Lungomare, vorbei an den Salinen, auf denen die weißen und rosa Flamingos leben, kamen wir dann im Ceasar’s Hotel in der Via Darwin an, wo schon Anni und Gerti, die Frauen von Franz und Werner warteten.

Ein gemeinsames Abendessen an der Strandpromenade in einem der Beach Clubs beendet den ersten gemeinsamen Abend, zuerst von einem vom gebirgigen Hinterland kommenden Gewitter unterbrochen. Es dauerte aber nicht lange und so konnten wir trocken die gute halbe Stunde zum Hotel zurück marschieren.

Die Route unseres zweiten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/Etzek

1: Auf nach Sardinien – die Anreise

Der Weg soll ja das Ziel sein, das war unsere Devise als wir 3 Freunde beschlossen, mit den Motorrädern nach Sardinien zu fahren. In diesem ersten Teil erzähle ich von unserer abwechslungsreichen Anfahrt bis zur Fähre in Civitavecchia.Wie immer gibt es auch die Links zu den Routen dazu.

Die Planung startete bereits im Winter, man ist ja nicht mehr 17 und will daher grob wissen, wohin es geht und wie man „vernünftig“ übernachtet. Mein Part dabei war die Routenausarbeitung für die Hin- und Rückfahrt und Franz übernahm die Planung auf den Inseln Sardinien und Korsika.

Auch die Hotels wurden für die ersten drei Nächte am Festland reserviert und die Fähre für die Überfahrt in der vierten Nacht gebucht. Die Ehefrauen von Franz und Werner wollten fliegen, während mein Schatz leider arbeiten musste.

Tag 1 bis Kranjska Gora in Slowenien

So ergab sich eine erste Etappe aus dem Mostviertel bzw. Industrieviertel bis nach Kranjska Gora in Slowenien. Ich fuhr  über den Semmering und das Mürz- und Murtal bis St.Michael, während die Freunde vorbei am Erzberg über den Präbichl anreisten. Das Treffen war dann in einem Cafe nahe des Autobahnkreuzes geplant, doch das war am Sonntag geschlossen.

Eigentlich müsste ich wissen, dass man das kontrolliert, so blieb nur der Schluck aus der mitgenommen Getränkeflasche auf dem Parkplatz davor, bevor wir gemeinsam losfuhren.

Die erste Etappe brachte uns zuerst durch das Murtal vorbei am Österreichring bis ins steirische Rattenberg, wo wir auf der Terrasse des Gasthofes Perschler ein tollles Mittagessen genossen. Über Scheifling und den flott zu fahrenden Perchauer Sattel zog es uns weiter ins kärntnerische Friesach, wo ich in der Nähe den kleinen Prekova-Sattel entdeckt hatte, der vom Mexnitztal bis Straßburg führt.

Die vielen kleinen Kurven gaben einen schönen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Nach einer Eiskaffee-Pause im Stiftskaffee Gurk führte unsere Route über Feldkirchen und das Südufer des Ossiacher Sees durch Villach vorbei am Faakersee.

Über die Karawanken ging es dann auf wenigen Kilometern mit bis zu 18 % Steigung auf den nur knapp über 1000 m  hohen Wurzenpass.

Dass wir noch außerhalb der Motorradsaison unterwegs waren, zeigte sich an den wenigen Bikerkollegen, die uns hier begegneten. Die Wohnmobilfahrer waren am späten Nachmittag auch schon durch und so konnten wir zügig bis in unser Hotel Spik in der Nähe von Krajnska Gora durchfahren. Ein kleiner Spaziergang zum Beine Vertreten ins nächste Restaurant beendete dann unseren ersten Anreisetag.

Die Route des ersten Tages

https://kurv.gr/gVHQP

Tag 2 – Um den Regen herum nach Padua

Das Wetter zeigte sich nach dem Frühstück im Hotel trocken, aber in den Bergen rundherum hing noch der Nebel. Wir wollten trotzdem an unserer geplanten Route festhalten und über den höchsten Pass Sloweniens, den Vrsicpass ins Socatal fahren. Leider begann es aber schon bald nach der Ortsdurchfahrt von Kranjska Gora immer stärker zu nieseln und auch der Nebel kam immer näher.

Nicht umsonst heißt er auf italienisch Passo della Moistrocca (Kopfsteinpflaster), da von den 51 Haarnadelkurven (24 auf der Nordrampe, 27 auf der Südrampe) der 45 km langen Straße im nördlichen Teil der Passstraße noch einige aus Kopfsteinpflaster bestehen. Hier kann es bei Regen recht rutschig werden, aber wir müssen uns nichts mehr beweisen und nichts riskieren und so kehrten wir bald nach der neuen Mautstelle um.

Der Vrsicpass ist zwar auch weiterhin grundsätzlich mautfrei, aber der Parkplatz am Scheitel ist ab 2026 kostenpflichtig und das soll in den verkehrsreichsten Monaten (15. Juni bis 15. September) bereits vor der Auffahrt zu bezahlen sein.

Ein kleiner Umweg über Tarvis, nun in Italien, sollte uns über einen ebenfalls tollen Pass, den Predil, ins Socatal bringen. Die Fahrt geht auf der gut ausgebauten aber nicht besonders spektakulären Straße entlang des Radweges auf der ehemaligen Bahnstrecke von Tarvis nach Bled, den wir im Vorjahr als Abstecher vom Alpe-Adria Radweg bis zu den beiden Fusine-Seen gefahren sind. Rechts und links der Straße tauchen immer wieder hoch oben die dabei zu überfahrenden Eisenbrücken auf.

Tag 1: Von Villach bis Tarvis

Bald zweigte die Straße Richtung Süden ab und wir fuhren beim Predilsee Richtung Passo del Predil. Die manchmal spannenden, weil recht schlecht beleuchteten Kehrtunnel und der Blick auf den See hinunter verlockten uns zu einigen Fotostopps.

Als wir die Passhöhe mit der Grenzstation zu Slowenien erreichten, stand wieder eine Nebel- und Regenwand vor uns. Nach der Befragung einiger ankommenden LKW-Lenker entschlossen wir uns auch hier umzukehren und den Sella Nevea als neues Ziel zu nehmen.

Vorbei an der Westseite des Predilsees führt die Straße auf den knapp 1.200 Meter hohen Scheitel hinauf und dann sind auch ein paar nette Kehren sowie einige kurze Felstunnelpassagen zu meistern.

Bald war Chiusaforte im italienischen Kanaltal erreicht. Hier fuhren wir weiter nach Süden, entlang eines der schönsten Abschnitte des Alpe-Adria Radweges, der immer wieder mit den Brücken und Galerien der alten Bahntrasse zu sehen war. Hier sind unsere Eindrücke vom Vorjahr nachzulesen:

Tag 2: Von Tarvis nach Carnia

Bei Gemona del Friuli, das einen Besuch oben am Berg wert wäre, uns aber mit Blick auf Zeit und Wetterlage nicht ins Konzept passte, fuhren wir weiter südwestlich. Auf schnellen Wegen sollte es durch die Po-Ebene gehen. Kurz bevor wir die Meeresküste erreichten, machten wir noch einen gemütlichen Stopp bei einer Cafeteria und stärken uns mit Espressi und Panini. Die Kirche gegenüber war auch einen Blick wert.

Immer die schwarzen Wolken hinter und über uns fuhren wir nach einigen Ortschaften unter der Autobahn durch und erreichten die Küste, wo es dann bei starkem Wind doch noch zu regnen begann. Der begleitete uns durch Mestre, vorbei an der Kreuzung zum Damm nach Venedig, aber nach 20 Minuten war es wieder vorbei. Bei einer Tankstelle gab es dann nochmals einen Espresso und ein Creme Caramel und wir waren schon wieder fast trocken.

Die letzten 40 Kilometer gehörten kleinen Sträßchen Richtung Padua, vorbei an Kanälen und den typischen venetischen wunderschönen Villen, die man sonst nur aus Fernsehdokus kennt. In die Stadt hinein mussten wir durch ein Baustellen-Labyrinth, da die spezielle Straßenbahn, die Trampadova, ein spurgeführtes System auf Gummirädern, mit der Linie SIR3 erweitert wird. Trotzdem erreichten wir dann recht einfach unser Hotel in der Altstadt, gleich vis a vis der Basilika des Heiligen Antonius, mit gesperrtem Parkplatz im Hinterhof des Hauses.

Wenn man schon so nah an einem der großen Heiligtümer der Christenheit ist, gehört ein Rundgang in der Basilica del Santo natürlich dazu. Diese wurde zwischen 1232 und etwa 1310 mit romanischen und gotischen Stilelementen errichtet, um das Grab des Heiligen Antonius von Padua (geboren um das Jahr 1195 in Lissabon, gestorben am 13. Juni 1231 in Padua) aufzunehmen.

Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Christenheit und ein Lehrer der Weltkirche. Dieser bescheidene Mönch aus der Ferne interessierte sich für die Schwächsten und Benachteiligten, er kümmerte sich um die Probleme der einfachen Leute und kämpfte für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und wird deswegen als der Heilige des Volkes bezeichnet.

Während unseres Stadtrundganges begann es auf einmal zu schütten und wir flüchteten in ein kleines vegetarisches Lokal, wo wir dann praktisch trocken unser Abendessen und den stimmungsvollen Blick über den Platz genossen.

Die Route des zweiten Tages

https://kurv.gr/e8BMP

Tag 3 – Bis ins Manhattan des Mittelalters

Die Fahrt hinaus aus Padua war einerseits von der Rushhour und andererseits wieder von Baustellen geprägt, wo wir uns mit unseren breiten Seitenkoffern nicht so leicht wie die einheimischen Rollerfahrer durchzwängen konnten. Aber nach einer Viertelstunde hatten wir den Stadtrand erreicht und wir fuhren den italienischen Fahrstil schon etwas angepasster.

Auf kleineren Straßen, teilweise schnurgerade mit einer Kurve alle heiligen Zeiten fuhren wir Richtung Modena, von wo es dann die letzten rund 170 Kilometer in die hügelige Toskana gehen sollte.

Die Straße änderte sich von einer Minute zur nächsten, war sie zuerst schnurgerade, gab es jetzt 30 Kurven auf der gleich langen Strecke. Aber nicht nur das änderte sich, statt der Roller waren nun mehr Supermotos unterwegs, bei denen man zumindest anhand des Stils vermuten konnte, dass die Fahrer die Kurven auch blind kennen.

Bei einer Allee aus Toskana Schirmföhren (Pinus pinea) musste ich unbedingt anhalten, genau wie am Kreisverkehr am Ortseingang von Vinci, dem Heimatort von Leonardo, und einige Bilder machen.

Nach gefühlt 1000 Kurven tauchte am abendlichen Horizont das Städtchen San Gimignano mit seinen mittelalterlichen Türmen hoch über den umliegenden Hügeln auf. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf. Es hat einen speziellen Grund,  warum die Stadt in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist: Hier ist die Zeit scheinbar im Jahr 1563 stehengeblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano bis heute geblieben, wie es damals war.

Unser Hotel Volpai lag 11 Kilometer mit hunderten Kurven tiefer im Tal in der kleinen Ortschaft Castel San Gimignano und präsentierte sich einfach so, wie man sich ein kleines Hotel in der Toskana vorstellt. Der einzige Wermutstropfen war, dass es für uns bereits zu spät für das hoteleigene Pool war. So blieb nur das Abendessen im überraschend gut besuchten Restaurant Tre Archi, das auf jeden Fall zu empfehlen ist. Es liegt direkt an der Straße zwischen San Gimignano und Voltera.

Die Route des dritten Tages

https://kurv.gr/WFc3v

Tag 4 – Bis zur Fähre in Civitavecchia

Wir starteten wenige Minuten nach dem Frühstück und verfolgten die Gewitterwolken über uns, immer mit der Hoffnung, dass sie an uns vorbeiziehen. Leider war es diesmal nicht so und so schafften wir es gerade noch nach den ersten stärkeren Tropfen unter das rettende Dach der Tankstelle in Volterra. Tanken und eine halbe Stunde warten war angesagt,  dann war der Spuk vorbei und wir konnten unseren Weg Richtung Süden fortsetzen.

Auf kleinen kurvigen Straßen fuhren wir die hügelige Landschaft der Toskana Richtung Süden. Eine Reihe von alten Ortschaften leuchtete von den in der Nähe liegenden Bergrücken, aber man kann ja nicht dauernd und überall stehen bleiben, um zu fotografieren.

Da wir in Grosseto gut die Hälfte der Strecke geschafft hatten und die Mittagszeit auch schon um war, war es Zeit für eine gute Pasta und einen Espresso. Ein Regenguss erinnerte uns an das unsichere Wetter, war aber rasch wieder vorbei und wir konnten uns bei einem Rundgang auf der Zitadelle nochmals die Beine vor den letzten Kilometern bis zur Fähre vertreten.

Auf wirklich kleinen Sträßchen ging unsere Fahrt wieder in das Hügelland südwestlich von Grosseto und dann bald in Meeresnähe weiter. Beim beinahe ersten Blick auf das Wasser bogen wir ab und fanden praktischerweise dort auch ein Lokal mit Eis und Kaffee.

Die Suche nach der richtigen Fähre gestaltete sich für uns Neulinge schwieriger als gedacht, aber zum Schluß waren wir alle rechtzeitig, das heißt gut zwei Stunden vor dem Ablegen bei der Fähre und konnten daher in Ruhe mit einigen weiteren  Bikern und Rollerfahrern die Stahlbrücke hinauf auf Deck 6 fahren und unsere Fahrzeuge knappest am Rand abstellen, bevor die PKWs und LKWs hinauf durften. Mit dem Minimalgepäck für eine Nacht machten wir uns auf die Suche nach dem Checkin bzw. der Zuteilung der Kabinen.

Die Route am vierten Tag

https://kurv.gr/Y9YQG

Fazit nach vier Tagen

Obwohl unsere Anreisetage im Großteil von Europa von viel Regen geprägt waren, wurden wir dank verschiedener Wetter-Apps und Beobachtungen und unserer daraus folgenden Streckenänderungen nie wirklich nass und die Regenkombi blieb während der gesamten Zeit im Seitenkoffer.

Über die Überfahrt und unsere zweitägige Fahrt vom Hafen Olbia bis Cagliari fast an der Südspitze Sardiniens schreibe ich im nächsten Blog.

Mit dem Motorrad zu Cremeschnitten und Bojen

Das slowenische Bled mit dem schönen See mit der Kirche auf einer Insel stand schon längere Zeit auf meiner Wunschliste. Nun hat sich kurzfristig die Gelegenheit ergeben, gemeinsam mit einigen Freunden dorthin zu fahren. Sie hatten eine größere Tour geplant, ich musste aber aus Zeitgründen am 2. Tag wieder zurück. Davon erzähle ich in diesem Blog.

Das sollte dem Spaß keinen Abbruch tun und so wurde das Treffen in einem Kaffeehaus in St.Michael in der Obersteiermark vereinbart. Der Ort ist den Autofahrern und den Hörern des Ö3 Verkehrsdienst als Knoten St.Michael bekannt.

Die Freunde kamen aus dem Ötscherland über Eisenerz und den Präbichl, ich über den Semmering und das Murtal. Die Wettervorhersagen der verschiedenen Apps waren sich einig, es würde am Vormittag regnen und wir würden früher oder später auf jeden Fall einmal naß werden.

Der Regen schien der Begleiter des Tages zu werden

Ich startete in der Früh bei Sonnenschein, aber bei Neunkirchen war der Semmering hinter einer grauen Wand verschwunden. So beschloss ich, bei einem Supermarkt in Voraussicht in die Regenkombi zu schlüpfen. Nach einigen Minuten Herumwursteln ging es weiter auf die Semmering-Schnellstraße und ich wollte in der Tunnelkette so viele Kilometer wie möglich im Trockenen absolvieren. Je näher ich zu Gloggnitz kam, desto mehr kam der Berg aus den Wolken heraus und so beschloss ich, doch über den Semmering zu fahren.

Ich hatte recht, es regnete am Weg hinauf nicht, aber hinunter wurde das Nieseln stärker und ich fuhr in Steinhaus wieder auf die Autobahn auf und gleich in den ersten Tunnel ein. Nach der Tunnelkette bis Mürzzuschlag war es schon wieder fast trocken und so beschloss ich, in Bruck an der Mur wieder auf die Bundesstraße zu wechseln und das letzte Stück wieder mehr zu genießen.

Ich war dann früher als geplant am Treffpunkt in St.Michael, weil ich mehr Autobahnkilometer als ursprünglich geplant hatte. Auch meine Kleidung war schon wieder komplett trocken. Jetzt entdeckte in unserer WhatsApp-Gruppe die Nachricht, dass die Freunde wegen des starken Regens im Ötscherland erst eine Stunde später losgefahren sind. So verkürzte ich mir die Wartezeit neben Kaffee auch mit den aktuellen Tageszeitungen.

Trocken durch die Steiermark und Kärnten

Dann trafen die Freunde ein und waren froh, die Regenkombis ausziehen und sich anwärmen zu können. Sie sind bis kurz vor unserem Treffpunkt im Regen gefahren, es hat bis weit nach dem Präbichl noch geregnet. Nach einem Kaffee war die Welt aber wieder in Ordnung und es konnte weitergehen.

Wir fuhren jetzt in einer Gruppe von 4 Motorrädern weiter gegen Süden bis wir kurz vor Judenburg auf die B78 über den Obdacher Sattel umschwenkten. Weiter ging es dann auf der B70 durch Wolfsberg bis Völkermarkt, wo wir dann endlich am Hauptplatz ein Café ansteuerten und sich alle über den Kaffee und ein Eis freuten.

Von der Altstadt sind es nur ein paar Serpentinen den Berg hinunter zur Brücke über den Völkermarkter Drau-Stausee und zur B82 ins Vellachtal und Bad Eisenkappel, wo wir 2023 auf Kur waren. Bald nach dem Kurhotel stieg die Straße an und die wirklich genialen Kurven neben dem rauschenden Wildbach wurden mehr und mehr bis hinauf zur Grenze zu Slowenien am Seeberg-Sattel, wo natürlich ein Photostopp notwendig war.

Einige Blicke in den Himmel auf slowenischer Seite und dann ein Blitz mit Donner machten uns rasch klar, dass die Regenkombis auf jeden Fall notwendig sein würden. Aus dem Gewitter wurde dann zwar nichts, aber der Regen allein genügte auch.

Wir konnten die Serpentinen der slowenischen Seebergseite gar nicht wirklich genießen, da es einfach notwendig war, entsprechend langsam zu fahren. Und so dauerte es noch gut eineinhalb Stunden, bis wir unsere „Penzion Union“ im Zentrum von Bled erreichten. Die Motorräder konnten wir in der Tiefgarage parken und rasch die einfachen, aber sehr sauberen Zimmer beziehen und nach einer heißen Dusche marschierten wir die gut 150 Meter hinunter zum See.

Bled süß und mit Aussicht

Und weil wir so brav gefahren waren, riss die Wolkendecke dann immer mehr auf und sogar die Sonne kam nochmals heraus, wenn es auch relativ kühl blieb und wir unser Steak im Restaurant „Kavarna Park“ direkt am See dann doch lieber im Innenbereich genossen. Die berühmten Bleder Cremeschnitten am originalen Entstehungsort ließen wir uns dann auch nicht entgehen.

Fußmarsch um den See

Die Abendstimming war malerisch und wir wollten nach den vielen Kalorien einerseits unser Gewissen beruhigen und andererseits nach einem doch recht langen Motorradtag noch etwas Bewegung machen. Da passte die Runde um den See sehr gut.

Die berühmte Insel Blejski otok mit der Kirche der Muttergottes am See ist auf dem rund 6 km langen Rundweg von fast überall gut zu sehen und natürlich ein wichtiges Fotomotiv.

Es fielen uns aber auch zwei Bojenreihen auf, die wir scherzhaft als Markierungen für den Pfarrer auf seinem Weg zur Inselkirche bezeichneten. Sie haben aber einen profaneren Sinn, weil am See das slowenische Ruder-Leistungszentrum beheimatet ist. Die zugehörige Ruderwettkampfstrecke ist mit dem sogenannten Albano-System aus einer Bojenkette im Abstand von rund 10 Metern ausgestattet.

Abschied von den Freunden und Rückfahrt

Nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege, die Freunde fuhren weiter Richtung Italien, während ich nochmals einen Fotostopp am See einlegte, bevor ich wieder die Heimfahrt antrat. Dabei entdeckte ich die Pletna, ein Holzboot mit einer Art Markise, dessen Name sich von den Plätten im Salzkammergut ableitet.

Die Basilika Maria Hilf in Brezje

Nach einem kurzer Tankstopp außerhalb von Bled fuhr ich auf der Bundesstraße mehr oder weniger parallel zur Autobahn noch ein Stück gegen Süden um zur Kreuzung zum Loiblpass zu kommen. Dabei tauchte an einem Kreisverkehr die Basilika Maria Hilf in Brezje an der linken Seite auf. Dieses slowenische Nationalheiligtum wollte ich mir noch kurz ansehen. Die rechte Seitenkapelle in der Basilika, ist die eigentliche Kapelle zur Muttergottes und damit der Mittelpunkt des Wallfahrtsorts Brezje. 

Ich kam gerade in die Kirche, als dort eine Andacht für Pilger abgehalten wurde und so konnte ich nur einige wenige Fotos machen. Papst Johannes Paul II., dessen Statue vor der Kirche auffällt, weihte die Kirche des hl. Veit im Jahr 1988 zur Basilika. Auf das angeschlossene angeblich interessante Krippenmuseum musste ich leider verzichten, da es nur am Wochenende geöffnet ist.

Zurück nach Österreich über den Loiblpass

Ich erreichte nach weniger als einer halben Stunde und einigen kurzen Serpentinen die Einfahrt zum Scheiteltunnel des Loiblpasses und machte noch einen Blick zurück auf die imposante slowenische Bergwelt. Dieser Tunnel wurde unter unmenschlichen Bedingungen im 2.Weltkrieg mehrheitlich von KZ-Häftlingen aus Mauthausen errichtet, an die ein Denkmal beim ehemaligen Lager auf slowenischer Seite kurz vorher erinnert.

Beim österreichischen Grenzübergang kurz nach dem 1570m langen Tunnel hatte ich die erste Passkontrolle innerhalb der EU seit vielen Jahren und durfte einreisen. Ein Stück weiter betreibt das Bundesheer eine Grenzsicherungsstelle am Zugang zu einer ehemals geheimen Bunkeranlage.

Auf der weiteren Strecke Richtung Ferlach befindet sich die etwa 2km lange Tscheppaschlucht mit ihrem 26 Meter hohen Wasserfall. In Ferlach fuhr ich an der Fabrik der Glock Pistolen vorbei Richtung Zell-Pfarre und weiter zum Schaida-Sattel, den ich bereits bei meinem Kuraufenthalt 2023 kennengelernt hatte.

Bald danach kam rechts die Abzweigung z6r Trögerner Klamm, durch die wir damals mit den Fahrrädern bis zur sehenswerten Trögener Kirche fuhren. Beim Gasthaus Kovac musste ich mir natürlich wieder den Kärntner Nudelteller gönnen, der mir bereits 2023 so geschmeckt hatte. Eine weitere Spezialität sind die Obir-Forellen, die eine Radlergruppe am Nebentisch genoss.

Kunst- Hängebrücke und Museum direkt an der Strecke

Weiter führte mich dann mein Weg durch die Ebriach-Schlucht hinaus nach Bad Eisenkappel und bis Sittersdorf, wo die B82 Richtung Lavamünd abzweigte. Auf ungefähr halber Strecke zwischen Bleiburg und Lavamünd steht die Hängebrücke Santa Lucia, die ich gerade noch rechtzeitig beim Vorbeifahren entdeckt hatte. Hier können Radfahrer in den vorbeiführenden Drau-Radweg oder den 23km langen Kunst-Radweg einsteigen. So könnten eine Reihe von Kunstwerken besichtigt werden, mir genügten vorerst die Brücke, die Skulptur „Landmark“ und die „Himmelstiege“ am anderen Ufer des Feistrizbachgrabens. Dieser wird in 60m Höhe mit einer Spannweite der Brücke von 140m überquert. Der Name der Brücke ist von der nahe gelegenen Kirche St.Luzia abgeleitet.

Rund 5km weiter gab es gleich das nächste Highlight an der Strecke. Der futuristische Bau des Museum Liaunig mit einer riesigen privaten Kunstsammlung lag direkt links fast über der Straße, für mich wurde es aber zeitlich zu knapp, hier nochmals mindestens eine Stunde zu halten, das wäre ein Minimum für mich in einem solchen Museum. So habe ich wieder ein Ziel für eine weitere Ausfahrt mit dem Motorrad oder während einer Radtour an diesem Teil des Drauradweges.

Ab in die Steiermark

Gleich nach Lavamünd zweigt die B69 ab, das ist die österreichische Version der „Route 69“ in den USA und führt von Lavamünd in Kärnten über die Soboth in die Steiermark bis nach Bad Radkersburg. Nun ging es hinauf auf den Lorenzenberg, wo ich bei der kleinen Kirche zur Hl.Helena und Maria Magdalena einfach stehen bleiben musste. Die Aussicht hinunter ins Lavanttal bei St.Paul ist zu  wunderschön.

Die Kurven brachten mich dann hinunter und wieder hinauf auf die 1350m hohe Soboth, so macht Motorradfahren Spaß. Bald kam ich am Soboth Stausee vorbei, über dessen Stauwall die Straße weiter nach Eibiswald führt.

Leibniz an der Umleitung

Dort verließ ich die B69 und es ging quer durch das Südsteirische Weinland über Gleinstätten recht unspektakulär und mit gar nicht so viel Verkehr vorbei am Sulmsee und dann auf einmal hinein in eine Umleitung, im Schritttempo hinter einem Autobus über und um den Seggauberg. Kaum war ich erleichtert wieder auf der Hauptstraße, kam die nächste Umleitung, jetzt durch das Ortszentrum von Leibniz. Hier kam die Rettung in Form des Gastgartens eines Kaffeehauses am Hauptplatz. Mit dem Motorrad kann man ja recht problemlos direkt vor dem Eingang parken. Ein Eiskaffee im Schatten entschädigte jetzt für das kilometerlange Schritttempo.

Alte Autos und eine Hexenburg

Frisch gestärkt schlängelte ich mich aus der Stadt hinaus, unter der Autobahn A9 bei Gralla durch nach Wolfsberg im Schwarzautal und Gnas bis auf die B66, wo ich kurz vor Feldbach an der Nostalgiewelt Posch, einem privaten Oldtimer-Museum, vorbeikam. Und wieder kommt ein weiterer Punkt auf der Bucketlist dazu…

Nach Feldbach schwang ich mich über kleine Sträßchen, bis die Riegersburg in voller Pracht im abendlichen Sonnenlicht auftauchte. Ein kleiner Stopp für ein paar Fotos war hier nochmals angesagt.

Dann fuhr ich weiter bis Ilz, wo ich den Motorradtank nochmals auffüllte und in Anbetracht der Zeit auf die Südautobahn auffuhr und so die letzten 100km über den Wechsel ohne Umwege absolvierte.

Kurviger-Link: https://kurv.gr/F8PRU

Schlussbetrachtungen

Ein schöner Kurztrip mit immerhin fast 800 Kilometern ging so zu Ende, mit ein bisschen Neid auf die Freunde, die in den Tagen danach neben der Slowenischen Grenzkammstraße im Regen noch das Frizzante-Dorf Valdobbiadene, die Schauderterrasse in Tremosine oberhalb des Gardasees und die Kaiserjägerstraße besuchten. Ich habe mich trotzdem sehr gefreut, dass ich ein Stück mitfahren durfte!

Der Wunsch nach Freiheit: meine Motorräder

Da ich in meiner Jugend zuerst den A-Schein fürs Motorrad nicht gemeinsam mit dem B-Schein für das Auto machen durfte und später mit Kindern und Hausbau die Prioritäten anders gesetzt waren, war dieses Thema erst wieder nach meiner Scheidung vor jetzt fast 25 Jahren aktuell. Dieser Blog handelt von meinen Motorrädern seit damals.

Kawasaki KLE 500

Und so kaufte ich mir nach vielem Hin und Her im Jahr 2002 sozusagen im Vorbeifahren eine gebrauchte Kawasaki KLE 500, die vor dem Geschäft des Händlers in Bad Vöslau stand und meldete mich dann für den Führerschein an.

Bald konnte ich meine damals noch sehr neue Freundin Evi überreden, mit mir mitzufahren und aus einer kleinen ersten gemeinsamen Ortsrunde wurden gleich mehr als 100 km. So wurde Evi eine Sozia, die es genoss, mit mir die Bergstraßen der näheren und weiteren Umgebung zu erkunden. Mit dem Auto sind ihr die selben Kurven und Straßen aber ein Graus. Als ich dann das Gefühl hatte, beim Überholen mit Beifahrerin bergauf am Rohrer Berg  zu verhungern (alle, die schon einmal von Osten zur Kalten Kuchl gefahren sind, kennen ihn), musste etwas Stärkeres her.

Honda XL1000 V Varadero

Als meine jüngere Tochter im April 2006 in Wr.Neustadt zum Schachtelwirt (McDonalds) wollte, habe ich daher kurz beim benachbarten Honda-Händler in die Auslage geschaut, und da stand mein Traum, eine blaue Varadero!

Ich reservierte sie sofort und war wenige Minuten später wieder bei Tochter und Freundin. Am nächsten Tag war der Kauf fixiert und so fuhr ich dann rund 11 Jahre mit diesem praktisch unverwüstlichen Bike.

Bei vielen Fahrten in Niederösterreich, aber auch in ganz Österreich, mit vielen kleinen nicht so bekannten Pässen, aber auch über den Großglockner, die Silvretta, die Sella-Runde in den Dolomiten, durch die Toskana, an der Mosel, oder die Südsteirische Weinstrasse hat die Varadero mich und uns begleitet.

Auch hat die Varadero jedes Jahr bei ein bis zwei Ausfahrten, die ich für Freunde und Bekannte organisiert habe, und der Unterstützung eines Freundes bei zwei großen Treffen der Biker-Mitarbeiter einer großen Firma aus Hamburg als Tourguide gute Dienste geleistet.

Und trotzdem, außer dem jährlichen Service, einigen Verschleißteilen und Reifen und zwei neuen Batterien war kein weiterer Aufwand für dieses praktisch unverwüstliche Motorrad notwendig.

Honda Transalp XL 700

Einen kleinen Sidestep gab es beim Urlaub im Jahr 2012 am Gardasee, wo ich für einige Tage eine Honda Transalp XL 700 mietete, um die Umgebung des Sees von der Schauderterrasse in Tremosine Sul Garda über die Brasa-Schlucht bis zur Kaiserjägerstraße zu erkunden.

Honda Crosstourer VFR 1200

Eine Varadero gibt man eigentlich nicht weg, das werden alle, die eine hatten oder noch haben, bestätigen und der Varahannes mit über 760.000 km auf der Varadero ist das beste Beispiel dafür, auf die Honda African Twin CRF1000D hat er aber auch schon wieder über 540.000 km hinaufgefahren. Aber mir gefiel auch die Nachfolgerin, die Honda Crosstourer VFR 1200 mit DCT, das vergleichbar mit dem DSG von VW ist. Wir sind mit diesem Motorrad schon im Jahr 2013 eine Woche in Mecklenburg-Vorpommern herumgefahren und sie hat mir damals schon Spaß gemacht.

Darum nutzte ich im Juli 2017 die Zeit am Badesee, um in den diversen Internet- Plattformen zu stöbern. Nach gar nicht so langer Suche entdeckte ich ein super gepflegtes voll ausgestattetes 3 Jahre altes Exemplar mit 17.000 km in Wels. Die Terminvereinbarung für eine Besichtigung am nächsten Tag war dann schnell erledigt und meine Frau und ich fuhren nach Oberösterreich.

Dem damaligen Besitzer fiel der Verkauf nicht leicht, doch der sanfte Druck seiner Frau, die ihren Mann nach einigen Unfällen noch länger halbwegs unversehrt haben wollte, erleichterte die Verkaufsverhandlungen. Und so einigten wir uns auf einen Abholtermin eine Woche später, die Papiere zur Ummeldung wollte er mir zusenden. Am Samstag darauf war ich daher stolzer Besitzer einer schwarzen, unfallfreien wie neuen Crosstourer und mit meiner Errungenschaft auf dem Heimweg durch das Mostviertler Hügelland.

DCT oder doch gewöhnlich schalten?

Ich weiß, es ist beinahe eine religiöse oder zumindest weltanschauliche Diskussion, ob man mit einem Motorrad mit Automatik fahren kann oder nicht. Die Schaltautomaten und Quickshifter diverser BMWs oder Ducatis und heute auch Hondas erlauben zwar das blitzschnelle manuelle Schalten ohne die Kupplung zu ziehen, sind aber mit dem weichen ruckfreien DCT nicht vergleichbar. Wie beim DSG ist immer der höhere oder niedrigere Gang bereits miteingelegt, daher ist der Übergang absolut ruckfrei. Das manuelle Schalten funktioniert ebenfalls perfekt und zwar vergleichbar mit dem Auto über Schaltwippen mit Daumen und Zeigefinger am linken Griff, der Kupplungshebel ist ja hier nicht mehr vorhanden.

Das DCT von 2012 mit nur zwei Modi (D und S) ist aber auch nicht mehr vergleichbar mit den neuesten Versionen auf den Crosstourer-Nachfolgern. Drei vorprogrammierte Fahrmodi (Urban, Tour und Rain), 2 frei programmierbare Usermodi und ein dreistufiger Sportmodus, ergänzt um eine Sechsachsen-Gyro-Sensorik (IMU), die für Traktionskontrolle, Wheelie-Control und das Kurven-ABS verantwortlich ist und einer KI, die das Fahrerprofil analysiert, um noch genauer vor Kurven automatisch herunterzuschalten und am Kurvenausgang wieder hochzuschalten, sind der aktuelle Stand der Honda-Technik. Apple CarPlay oder Android Auto sind ebenfalls am Motorrad Standard geworden, was eine einfache Smartphone-Integration ermöglicht.

Die BMW R1250 GS Adventure 40 Years GS

Meinem Freund Alex H. habe ich mein einziges Erlebnis mit einer GS zu verdanken. Die Lieferkette für das Starterrelais meiner Crosstourer war zu lang und so hatte ich für die von mir selbst organisierte Frühjahrsausfahrt 2021 kein Motorrad. Er konnte den Verkäufer bei BMW Wr.Neustadt überreden, einem eingefleischten Honda-Fahrer eine GS, noch dazu in der 40 Years Edition, für einen Tag zu überlassen. Dafür habe ich dann meine Gruppe beim Abbiegen von der Wachau ins Waldviertel gleich so ordentlich verloren, daß wir uns erst am Mittagstreffpunkt in Pöggstall wiedergefunden haben. Es war ein cooles Bike, ein Tag ist sicherlich zu kurz um ein faires Urteil abzugeben, aber der Quickshifter und ich sind keine Freunde geworden. Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis.

BMW R 1250 GS Adventure 40 Years GS © Hersteller

Weiter auf der Crosstourer

Das tut aber meiner Freude an den Ausfahrten mit der inzwischen 10 Jahre alten Crosstourer mit rund 53.000 km am Tacho keinen Abbruch und so wird es hoffentlich noch viele Blogartikel zu meinen Reisen oder auch Runden in der näheren Umgebung geben, aber wer weiß, was die Zukunft bringt!

Puch 125 RL

Ein Wunschtraum, den ich mir aus verschiedenen Gründen noch nicht erfüllt habe, ist die Puch 125 RL. Mein Vater hatte diesen Roller bis ins Jahr 1962, bis der Glas Isar ins Haus kam oder mehr davor stand.

Hier möchte ich ausnahmsweise einmal eine Buchempfehlung abgeben: „Der Puch Roller macht Geschichte “ von Volker Edler und Gernot Heigl. Die beiden Autoren beschreiben auf fast 200 reichlich bebilderten Seiten die technische Entwicklung und die Geschichte dieses österreichischen Kultfahrzeugs und gehen am Ende auch auf die gesellschaftliche Bedeutung des Rollers ein.

Links und Buch

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kawasaki_KLE_500
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Honda_XL_1000_V_Varadero
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Honda_Transalp
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Honda_VFR_1200_X_Crosstourer
https://www.honda.at/motorcycles/experience-honda/dual-clutch-transmission.html
https://www.mouser.at/new/bosch/bosch-bmi323-imu
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kaiserj%C3%A4gerstra%C3%9Fe
https://www.varahannes.at

https://motorradstrassen.de/rund-ums-bike/bikes-zubehoer/bmw-gs-sondermodelle

https://www.oldtimer-kfz.at/roller-RL125_00.htm

„Der Puch Roller macht Geschichte “ von Volker Edler und Gernot Heigl ISBN 978-3-200-02603-2 Bestellung per Email: volker.edler (at)gmx.at / heigl.gernot(at)gmx.at

3D-Puzzle V4 Zylinder Chopper aus Sperrholz

Richtig Motorrad fahren ist im Jänner und Februar eher nur für Hardcore Biker etwas und dazu zähle ich mich trotz einiger sehr feuchter oder ziemlich kalter unfreiwilliger Erlebnisse nicht. Ausserdem musste ich mein neues Hüftgelenk noch schonen. Darum war ein zum Pensionsantritt geschenktes 3D-Puzzle einer Chopper mit 420 Teilen ein ganz guter Ausgleich und Test für Geduld und Feinmotorik.

Meine ehemalige Kollegin Daniela hat mir bei meinem Umtrunk zum Pensionsantritt am 1.Dezember 2023 eine Schachtel mit einem 3D-Puzzle eines Motorrads geschenkt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, da es an meine Leidenschaft fürs Biken einerseits und der Beschäftigung mit Holz andererseits anknüpft.

Was Daniela nicht wissen konnte, da sie mich im Job als nicht sehr leicht aus der Ruhe zu bringenden Kollegen kennen gelernt hatte, ist meine Ungeduld mit mir selbst und meine nicht außergewöhnlich ausgeprägte Feinmotorik, die so gar nicht zum Zusammenbau von 420 aus Birken-Sperrholz lasergeschnittenen milimetergrossen Teilchen passt. Ich habe mein Geschenk aber trotzdem nie in einen Schrank geräumt, sondern immer im Bücherregal im Wohnzimmer vor mir gesehen.

Man muss auch noch wissen, daß ich mich vor einigen Jahren an etwas ähnlichem versucht habe und eine bewegliche Weihnachtskrippe nach dem gleichen System zusammengebaut hatte, wobei durch meine Ungeduld das Ergebnis nicht so perfekt ausgefallen ist, wie es sein hätte sollen. Irgendwann habe ich in Youtube auch ein Tutorial-Video für das Chopper Puzzle entdeckt, das mir neben ein paar Feinheiten auch gezeigt hat, daß mit Ruhe und Gelassenheit ohne weiteres zu meistern ist.

Ehrgeiz und schlechtes Gewissen wurden immer mehr angefacht und so war es nach etwas mehr als 13 Monaten so weit, dass ich mich in der Erholungsphase nach meiner Hüftoperation an diese Herausforderung heranwagte. Das Öffnen der Schachtel war wegen meines ersten Versuches mit der Weihnachtskrippe und wegen des Videos nicht vollkommen überraschend. Spannend waren aber auf jeden Fall die vielen Federchen und Schräubchen des Motors und der Teleskopgabel.

Am ersten Tag baute ich in gut einer Stunde die Teleskopgabel mit dem Lenkkopflager, beides beweglich, aus ca. 50 Teilchen. Die ersten 3 Abschnitte der Anleitung, die ein Mittelding aus Lego und Ikea ist, sind damit abgearbeitet.

Es ging weiter mit dem Lenker, die Griffe, Spiegel, Brems- und Kupplungshebel wurden zusammengebaut und auf die Gabel montiert. Dann folgten Scheinwerfer und Windschild und der Vorderteil war fertig. Als nächstes kamen die beiden Räder an die Reihe, sie wurden aus je sechs Einzelteilen zum kompletten Reifen mit Felge zusammengesetzt und das Vorderrad wurde in die Gabel montiert.

Dann war der Motorblock an der Reihe. In den Hauptbauteil wurde eine Schwungfeder mit den notwendigen Zahnrädern eingebaut. Der Seitenständer wird mit einer nur einige Milimeter kleinen Feder, die mit zwei noch kleineren Schrauben befestigt werden musste, automatisch eingeklappt.

Als nächster Schritt wurden die vier Zylinder des Motors so zusammen- und danach eingebaut, daß sie so gelagert sind, um die Bewegungen zu simulieren. Dann gehörte die Welle eingebaut, die die Sprungfeder aufzieht. Die Bremse dafür wurde wieder mit winzigen Schrauben befestigt. So nahm der Motor langsam Gestalt an. Nun war das Hinterrad an der Reihe und wurde eingesetzt.

Mit ein paar weiteren Teilen wurde das Fahrgestell langsam erkennbar.

Gabel und Fahrgestell waren nun zusammengebaut, dann kam der linke Auspuff dran. Das war etwas tricky, weil einige Teile sehr eng gebogen werden müssen, aber mit etwas Geduld klappte es dann. Die Rücklichter, die jeweils aus 5 kleinen Teilchen zusammengesteckt werden müssen, konnten auch gleich montiert werden. Der Chopper nahm immer mehr Gestalt an.

Der Unterbau für Sattel und Tank war als nächstes an der Reihe, sechs kleine Streben halten die beiden Seitenteile, an denen Sattel und der aus 5 gebogenen Teilen bestehende Tank geklippt wurden.

Dann wurde dieser Teil im Fahrgestell eingehängt und mit einer weiteren Strebe am Unterbau befestigt. Dann kam noch der rechte Auspuff an die Reihe und nun fehlten nur mehr die beiden Seitentaschen.

Genau ein Monat nach dem Öffnen der Schachtel baute ich Unterbau und Deckel der beiden Seitentaschen und schraubte sie mit 4 winzigen Scharnieren zusammen. Noch rasch die Halterungen angesteckt, dann konnten die beiden Taschen ans Motorrad angehängt werden.

Damit ist nach gut verteilten 10 Arbeitsstunden, die einerseits meine Ruhe herausgefordert und andererseits gezeigt haben, daß meine Feinmotorik in der Pension besser als gedacht ist, mein Holz-Chopper fertig. Vielleicht baue ich im nächsten Winter ein Book-Nook…

Links

https://www.robotimeonline.com/

Mit dem Motorrad zum Renaissance-Schloss Schallaburg

Die Schallaburg in der Nähe von Melk an der Donau wird seit 50 Jahren als Ausstellungszentrum des Landes NÖ genutzt. Zu diesem Jubiläum besannen sich die Verantwortlichen der Wurzeln des Schloßes und richteten eine Ausstellung mit dem Thema „Renaissance einst, jetzt und hier“ ein.

Weil ich gerne mehrere schöne Dinge miteinander verbinde, nutzte ich das sonnige Wetter und fuhr mit dem Motorrad über den Wienerwald in das Gebiet südlich von St.Pölten, das äußere Pielachtal, ein bisschen Dunkelsteinerwald bis in die Nähe von Loosdorf mit Blick auf die imposante Schallaburg. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, daß wenige Tage später große Teile meiner Motorrad-Route im Hochwasser versinken sollten.

Geschichtsträchtige Gegenwart

Diese Ansicht kennen alle, die auf der Autobahn A1 Richtung Wien fahren und einige Kilometer nach dem Blick nach links zum Barockstift Melk rechts ein Schloß mit einem imposanten Turm am bewaldeten Hang entdecken.

Die Spuren der Renaissance in Niederösterreich sind an vielen Orten zu erkennen, von Krems über Wr.Neustadt bis eben zur Schallaburg. Diese Epoche von nicht ganz 200 Jahren ging aus dem hundertjährigen Krieg hervor und ist einerseits als Wiedergeburt der Antike und andererseits als eine erstmalige Emanzipation des Bürgertums von Adel und Klerus zu verstehen. Das zeigt sich nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wissenschaft und Bildung. All das wird in dieser sehenswerten Ausstellung, die noch bis 3.November 2024 läuft, thematisiert.

Der Innenhof der Schallaburg mit seiner Terrakotta-Verkleidung wurde zu ihrem Markenzeichen und zugleich zu einem Denkmal der Renaissance. Terrakotta war aber schon in der Antike ein beliebtes Material gewesen, beispielsweise bei der Herstellung der Tanagra-Figuren. Sie stammen aus der gleichnamigen Stadt in Zentralgriechenland und wurden in großen Mengen exportiert. 

Schattenprojektion – eine etwas andere Darstellung des Schloßes

Dieses Kunstobjekt soll auf die drei große Erzählbereiche aufmerksam machen: das Renaissanceschloss, das Menschenbild und die Lebenswelt der Renaissance.
Die Schallaburg wurde unter dem Adelsgeschlecht der Losensteiner zu einem prächtigen Renaissanceschloss ausgestaltet. Trotzdem ist heute von den Losensteinern nur mehr ein Schatten übrig.

Wirklichkeitstreue und Selbstsicht

In vielen Bildern von bekannten und auch namenlosen Personen schufen die Künstler der Renaissance oft  wirklichkeitsgetreue Abbilder von lebenden Personen, aber sie zeigten auch, wie Menschen sich selbst sahen und wie sie gesehen werden wollten.

Künstler wie Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., aber auch Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora als Beispiel des damaligen Verständnisses von Ehe und Familie, aber ebenso gänzlich Unbekannte wurden bildlich thematisiert. Aber nicht nur Bilder, sondern auch modische Objekte wie Highheels,  Münzen und Medaillen als, heute würde man sagen, Werbemittel sind zu sehen und geben Einblick in die Lebenswelt der Renaissance.

Was von den Losensteinern blieb

Heute sind die bildhaften Spuren der Familie äußerst spärlich: Kein Bild existiert von Christoph II., ein einziges Porträt von Hans Wilhelm. Ihre Frauen liegen gänzlich im Dunkeln. Gäbe es die so gut erhaltene Schallaburg nicht in der heutigen Form, wüssten wir noch weniger von ihnen, so ist sie aber zu ihrem zentralen Erinnerungsobjekt geworden. 

Bildung ist mehr als Wissen

Mit diesem Satz kann man den Bogen zum Heute spannen: Eigentlich gilt diese Aussage in einer Zeit umso mehr, wo nur mehr Detailwissen und Silodenken, die durch KI ohne menschliches Zutun zu einem vermeintlich Ganzen zusammengefügt werden.

Der Anspruch von Martin Luther,  daß Bildung allgemein zugänglich sein sollte, wurde durch die deutschsprachige Bibelübersetzung, die von der damaligen katholischen Kirche abgelehnt wurde, besonders unterstrichen.

Die von den Losensteinern gegründete hohe Schule von Loosdorf, nach heutigen Begriffen ein Gymnasium, ist ein beeindruckendes Beispiel für den Zugang zu gehobenen Bildungsansprüchen. Sie war sozial durchlässig und ermöglichte, wenn auch nur den männlichen Kindern armer Familien, den Zugang zur gehobenen Bildung. Der damalige Nachteil war die protestantische Ausrichtung und so wurde sie nach wenigen Jahren im Zug der Gegenreformation aufgelöst. Das Gebäude ist in der damaligen Form noch heute erhalten.

Weit sehen, aber auch gesehen werden

Die Schallaburg trug einst einen mittelalterlichen Bergfried, der sicher damals die Burg dominiert hatte. Er wurde abgebrochen und seine Steine als Fundament für den Renaissancetrakt verwendet. Statt eines Turms als Zeichen der Herrschaft gab es somit einen Neubau, der sich an der Residenz Ferdinands I. in Wien orientierte. Erst Hans Wilhelm ordnete die Errichtung des noch heute weithin sichtbaren Turms als symbolischen Ersatz an. Als Schloß brauchte es jetzt keinen Wehrturm mehr, sondern ein repräsentatives Zeichen der Herrschaft.

Auf den Hund gekommen

Die umfangreichen Bauprojekte sprengten allerdings die finanziellen Möglichkeiten. Es blieb einzig der Weg des Schuldenmachens. Die Schatztruhe war leer und man sah den darin am Boden aufgemalten Hund.

Und so musste Hans Wilhelms Neffe die Schallaburg schließlich an seinen Schwiegervater Georg den Älteren von Stubenberg überschreiben. Damit endete die über 150-jährige Geschichte der Losensteiner als Besitzer der Schallaburg.

Terrakotta-Figuren dokumentieren die Lebensphilosophie

Heute ist die Weltsicht der Renaissance nicht mehr so einsichtig wie vor rund 400 Jahren. Der damalige Anspruch, die Tugendhaftigkeit zu erreichen, erscheint uns als aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts recht aufgesetzt, war aber ein reales Lebensziel. Das noch vollflächig farbenfroh dargestellt ist uns nochmals fremd und wurde während einiger Renovierungen in Bildern visualisiert.

Von den Tugenddarstellungen über Herkules bis zu einer eigenartigen Fabel reichen die detaillierten Darstellungen und geben uns, wenn wir uns darauf einlassen, ein reichhaltiges Bild des damaligen Selbstverständnisses.

Die Kunst wie wir sie heute verstehen oder diskutieren unterscheidet sich grundsätzlich von der klaren Sichtweise der Antike und Renaissance. Die damaligen sieben freien Künste waren wissenschaftliche und technische Kunstfertigkeiten, die zum Bildungsziel freier Bürger wurden.

Mit dem Terrakotta-Portäts, die antiken Münzbildern nachempfunden sind, wollte man die Tugenden des Adels und die eigenen Verbindungen zum Kaiserhaus in Erinnerung rufen.

Libri Prohibiti oder: die Grenzen der Meinungsfreiheit

Die Erfindung der Druckerpresse und die Verbreitung der deutschsprachigen Luther-Bibel führte dazu, daß immer mehr Menschen lesen lernten. Das war nicht im Sinne der katholischen Kirche und daher wurden viele Bücher und Schriften konfisziert und im Stift Göttweig in einem gesonderten Raum versperrt.

Die Mönche hatten auf diese „Libri Prohibiti“ (verbotene Bücher) ursprünglich nur mit Erlaubnis des Papstes und später nur zu Studienzwecken Zugang. Man musste ja verstehen,  wogegen man ankämpfte. Diese Exemplare geben aber heute durch die handschriftlichen Notizen der jeweiligen Besitzer Auskunft über Ereignisse in der Familie wie Taufen oder Sterbefälle, aber genauso über Erdbeben oder Brandkatastrophen. So erfahren wir viel über das Leben der „gewöhnlichen“ Menschen der Renaissance im heutigen Gebiet von Niederösterreich.

Alchemie und Wissenschaft

Ein besonders interessantes Ausstellungsdetail sind einige Stücke der über 1000 Fundstücke des Alchemistenlabors aus dem Gut Oberstockstall jenseits der Donau. Sie dienten zu alchmistischen und pharmazeutischen Experimenten und ist nach Aussage von Fachleuten eines der besten Beispiele eines Laboratoriums auf der Schwelle zur neuzeitlichen Chemie.

Persönliches Fazit

Die Schallaburg prägt mein Interesse für Geschichte, bildende Kunst und Architektur schon seit meiner Schulzeit. Bereits bei der ersten Ausstellung 1974 „Renaissance in Österreich“ war ich einer der mehr als 320.000 Besucherinnen und Besucher und so begleitet mich dieses Schloß bis heute.

Die Schallaburg ist aber auch eng mit der Geschichte des niederösterreichischen Radios verbunden, von 1976 bis 1999 produzierte und moderierte der legendäre Willy Kralik das wöchentliche Hörfunkquiz „Turnier auf der Schallaburg“, das lange Zeit auch von mir immer wieder verfolgt wurde.

Mein kleiner Bericht von der Schallaburg, der hoffentlich keine sachlichen Fehler enthält und Appetit auf dieses Juwel machen soll ist damit zu Ende. Ich bin aber den an meinen Motorradtouren interessierten Lesern noch die Routen der Hin- und Rückfahrt schuldig und löse das hier ein.

Die Rückfahrt führte mich an der Wallfahrtskirche Maria Steinparz, wo man nebenan auch sehr gut essen kann, vorbei und weiter über Weinburg, Ochsenburg durch das Hügelland südlich von St.Pölten ins Laabental und dann über St.Corona am Schöpfl wieder ins Triestingtal-

Kurviger Links zum Download der Routen:

Zur Schallaburg | Kurviger

Von der Schallaburg | Kurviger

Links

https://www.schallaburg.at/de/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schallaburg
https://www.schallaburg.at/de/renaissance-2024/raum-1-de
https://www.derstandard.at/story/3000000215611/renaissance-schau-auf-der-schallaburg-aufbruch-und-selbsterkenntnis
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hohe_Schule_Loosdorf
https://www.kulturundwein.com/alchemist.htm?nocache=1377362337
https://noe.orf.at/stories/3251734/

Motorradwandern im südlichen Niederösterreich

Da ich jetzt schon seit fast einem Monat nicht mehr auf meiner Crosstourer gesessen bin, beschloss ich, der Hitze geschuldet, nur in der näheren Umgebung, daß heißt im südlichen Niederösterreich, das von unserem Tourismusmarketing auch als die „Wiener Alpen“ bezeichnet wird, ein bisschen herumzufahren.

Mit der schon manchmal erwähnten „Kurviger-App“ machte ich am Abend eine grobe Planung und so wurden es gute 130 km auf kleinen und kleinsten Straßen, die ich teilweise selbst noch nie gefahren war, immer wieder mit Blick auf den Schneeberg oder die Hohe Wand.

Ich weiß, es gibt auch in meinem Bekanntenkreis Menschen, die solche Strecken mit dem Biobike machen, wenn dabei auch rund 2600 Höhenmeter zusammenkommen. Das wäre mir ehrlicherweise auch mit dem E-Bike zu viel, aber mit dem Motorrad macht es Spaß.

Bekannte Strecken und unbekannte Abstecher

Zuerst ging es ins Triestingtal bis Pottenstein und über den Hals nach Pernitz, eine Strecke, die alle kennen die schon einmal auf einen „Topfinger“ in die Kalte Kuchl gefahren sind.

Dieses Bild eines Topfingers aus der Kalten Kuchl dient nur zur Erklärung und stammt aus meinem Archiv

Dort wollte ich aber nicht hin, sondern durchquerte in Pernitz das Piestingtal um über die Dörfer Neusiedl und Waidmannsfeld vorbei am Brandackerkreuz und die Ochsenheide zur L138 und hinaus nach Reichenthal wieder im Piestingtal zu landen.

Talauswärts ging es dann bis Waldegg, wo ich wieder rechts abbog und die kleine Straße nach Dürnbach und über die Dürnbacher Höhe, vorbei an Bergbauernhäusern nach Miesenbach fuhr.

Von Miesenbach führt die Straße über den Ascher nach Puchberg am Schneeberg, aber vorher hatte ich noch Lust auf zwei kleine Abstecher, die zuerst beide als Runde in Kurviger erschienen sind. Zuerst zweigte ich rechts ab Richtung Dürre Wand, wo die noch asphaltierte einspurige Straße gleich mit einigen Spitzkehren rasch Höhe gewann.
Nach einigen Häusern und einer Walddurchfahrt öffnete es sich und ein Bauernhof lag vor mir. Da endete aber auch die asphaltierte Straße.

Schotterfreuden bis an eine Sperre zwangen zur Umkehr

Eine Enduro will von Zeit zu Zeit auch etwas Schotter unter den Reifen und ich fuhr weiter, weil auch das Navi anzeigte,  daß es auf der anderen Seite wieder hinunter zur Hauptstraße gehen sollte. Nach einigen Haarnadelkurven durch den Wald lag am Bergrücken eine Almwiese mit traumhaftem Ausblick.

Der Forstweg schlängelte sich einige Kurven hinunter, dann war aber Schluß, der Weg ist wegen Schlägerungsarbeiten gesperrt. Hier müssen die 285 kg Leergewicht der Crosstourer in diesem Schotter-Sägespan Gemisch mehr oder weniger auf der Stelle umgedreht werden, in der Hoffnung dabei nicht umzufallen. Alles ging gut und beim Hinauffahren fiel mir auf, daß ich doch noch zu wenig Profi bin, um auch solche Situationen auch mit der Kamera festzuhalten.

Wieder unten an der Bundesstraße zweigte ich nach einigen hundert Metern auf die andere Seite des Tales ab, hier führte eine Straße hinauf Richtung Scheuchenstein, doch sie entpuppte sich oben als Privatstraße und ich musste umdrehen. Hier konnte ich aber vorher noch einige Bilder der imposanten Umgebung machen.

Fake-Bären und die längste Zahnradbahn Österreichs

Dann ging es die Bundesstraße weiter den Ascher hinauf, das ist die Straße, wo im Juni 2023 angeblich ein Bär neben der Fahrbahn gefilmt wurde was sich aber rasch als Fake herausstellte. Näheres dazu findet ihr in den Links. Die wunderschönen raschen Kurven führen den Pass hinauf und nach Puchberg am Schneeberg hinunter, wo ich mir im Kaffeehaus neben der Talstation der Schneebergbahn mit Blick auf die „Hatscherte Kathl“* einer der alten Dampfloks der Zahnradbahn, einen Eiskaffee gönnte.

Nach dieser um 9:30 schon notwendigen kulinarischen Abkühlung führte mich das Navi wie gestern programmiert hinaus nach Grünbach, wo die nächste kleine Straße wartete, diesmal übers Rosental und weiter über den Berg nach Gutenmann und danach auf die Bundesstraße B26 Richtung Neunkirchen.

Imposante Felsen der Flatzer Wand und der Hohen Wand

Hoch über dem Tal liegt die Burg Stixenstein, durch dessen Tor die Bundesstraße führt. Dahinter befindet sich einer der Eingänge in den Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand, einem empfehlenswerten Wandergebiet in den Gutensteiner Alpen.

Weiter ging es über Sieding, von wo es ebenfalls eine schöne kleine Verbindung Richtung Bürg und Priglitz gibt, durch St.Johann im Steinfeld bis Ternitz. Hier bog ich links Richtung Mahrersdorf und weiter nach Flatz ab.

Hinter der Kirche von Würflach, dem östlichen Eingang zur Johannesbachklamm, zeigten sich schon die Felsen der Hohen Wand. Kurz vor Willendorf öffnete sich der Blick nach vorne auf die Hohe Wand und rechts auf die „Neue Welt“, vereinfacht ist das die Ebene zwischen Hoher Wand und Wr.Neustadt.

Zwischen Maiersdorf und Stollhof ganz am Fuß der Hohen Wand fiel mein Blick hinauf über die Felswand zum Skywalk, über dem gerade zwei Paragleiter ihre Kreise im dunkelblauen Himmel zogen. An manchen Abenden mit der passenden Thermik können hier schon 15 bis 20 Gleitschirme in der Luft sein.

Vom letzten Babenberger bis zum Refugium experimenteller Kunst

Da es immer heißer wurde, wollte ich am kürzesten Weg heim und raus aus der heißen Motorradkluft, daher ging es über Muthmannsdorf nach Dreistetten, von wo man einen tollen Blick auf die Ruine Starhemberg hat. Sie war jahrelang hinter hohen Bäumen versteckt, aber jetzt hat es sich ein Verein zur Aufgabe gemacht, den ehemaligen Wohnsitz von Friedrich dem Streitbaren, des letzten Babenbergers, zu sanieren und möglichst sanft und nachhaltig öffentlich zugänglich zu machen.

Über Markt Piesting und den „Hart“ ging es einige Serpentinen hinauf und über die Kapelle des sog. Stadtkreuzes nach Aigen und weiter am Symposium Lindabrunn vorbei, einem ehemaligen Bildhauersymposium mit vielen Skulpuren in der Landschaft. Die heutige künstlerische Leitung befasst sich aber zeitgemäß mit experimenteller und digitaler Kunst.

Einige Bilder aus meinem Archiv vom Symposium Lindabrunn mit dem Tor der Erkenntnis

Entschleunigung beim Fahren ermöglicht den Blick auf die Schönheiten meiner näheren Heimat

Von Lindabrunn waren es dann nur mehr wenige Kilometer bis nachhause und ich rekapitulierte diese Morgenausfahrt.
Diesmal stand nicht der Kilometerfrass im Vordergrund, sondern eine Wanderung, wenn auch mit dem Motorrad, durch das südliche Niederösterreich mit einer Reihe von Naturschönheiten und historischen Punkten.

Neue Rekorddurchschnittsgeschwindigkeiten lassen sich so nicht aufstellen, aber der Blick dabei in die Landschaft entschädigt einen Pensionisten wie mich dafür mehr als genug.

Dem Wandern entsprechend sind die meisten Fotos direkt vom Rücken der Crosstourer gemacht worden, nur für einige wenige bin ich abgestiegen und einige sind aus meinem Archiv.
Wie meist, findet ihr die Route auf kurviger.de :
https://kurv.gr/f6fVJ

Natürlich macht die Route auch Spaß, wenn man sich nur auf die Kurven und Pässe konzentriert, anschauen kann man vieles ja extra auch!

* Die Hatscherte Kathl:

Für die nicht österreichisch sprechenden Freunde übersetzt: die gehbehinderte Katharina. Das ist der Spitzname der Dampflok der Schneebergbahn, der ihr wegen ihrer Bewegung auf der längsten Zahnradbahn Österreichs liebevoll gegeben wurde. Sie fährt derzeit noch immer an den Wochenenden mit 2 Waggons auf den Berg. An der Talstation ist ihr mit einer zweiten Lok ein Denkmal gesetzt.

Links

Zum Fake-Bären: https://noe.orf.at/stories/3212349/


https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schneebergbahn_(Zahnradbahn)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/N%C3%96SBB_Salamander
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Burg_Stixenstein
https://www.naturpark-sierningtal-flatzerwand.at/
https://neunkirchnerhaus.naturfreunde.at/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gutensteiner_Alpen
https://www.niederoesterreich.at/ausflugsziele/a-johannesbachklamm-wuerflach
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Neue_Welt_(Nieder%C3%B6sterreich)
https://www.wieneralpen.at/ausflugsziele-in-den-wiener-alpen-entdecken/a-naturpark-hohe-wand-skywalk
https://www.burgruine-starhemberg.at/willkommen
https://symposion-lindabrunn.at/

Warum in die Ferne schweifen – mit dem Motorrad auf den Pretul!

Wenn man nur einige Stunden Zeit hat, muß man trotzdem nicht aufs Motorrad verzichten und kann auch etwas Neues entdecken. Letzten Mittwoch war es so weit, sich endlich wieder auf die Crosstourer zu schwingen.

Das Ziel sollte der Pretul sein, zu dessen Höhe eine kleine Panoramastrasse führt. Da es wieder heiß werden sollte, starte ich bereits vor 8 Uhr. Über Bad Fischau, Weikersdorf, Winzendorf und St.Egyden führt der erste Teil über teilweise kleine Strässchen durchs Steinfeld nach Neunkirchen. Weiter geht es dann etwas einfallsloser über die B17 bis Gloggnitz und dann übers Schlagl nach Otterthal und Trattenbach Richtung Feistritzsattel. Die Höhe markiert die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark und ist auch ein guter Einstieg für Wanderungen oder mit dem Mountainbike über die Wexltrails auf den Hochwechsel, wenn man nicht ganz so sportlich ist, um bereits in St. Corona zu starten.

Na ja, ist wieder etwas für meine ToDo Liste, aber da sind noch ein paar andere Radstrecken vorher dran.

Rauf auf den Pretul

Weiter geht’s vom Feistritzsattel hinunter bis nach Rettenegg, wo ich dank Naviplanung ohne lange Sucherei die Auffahrt zur Pretul Panoramastrasse finde. Jetzt geht’s einige Kilometer auf eine schmalen noch asphaltierten Straße bis zum Bauernhof „Hansl im Reith“. Hier beginnt die Mautstrasse, die freundliche Jungbäuerin kommt, kassiert 2,50 Euro (nur in bar!) für das Motorrad und öffnet dann händisch die Schranke.

Nach einigen Höhenmetern und einer Kurve nahe einem privaten Photovoltaikpark ist es vorbei mit dem Asphalt und die Schotterstraße beginnt. Sie ist sehr gut gepflegt und auch in den Serpentinen problemlos zu befahren. Die Kalbinnen auf der Alm sind Motorräder anscheinend gewohnt und so schlängle ich mich an einigen von ihnen in der letzten Kurve vorbei, sie stehen mitten am Weg und sehen mir stoisch zu, und lande am großen Parkplatz vor dem Roseggerhaus auf 1588m Seehöhe.

Das Roseggerhaus ist leider Dienstag und Mittwoch geschlossen, getränketechnisch bin ich aber eh gut versorgt. So genieße ich den Blick Richtung Süden übers Joglland, wo sich einige Nebelschwaden zusammenziehen.

Der Windpark kann rund 26.500 Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgen

Hier auf dem Pretul betreiben die Österreichischen Bundesforste einen Windpark mit 18 Windrädern, vier davon sind erst im Februar 2024 dazu gekommen. Sie glänzen in der Sonne und, weil es immer wieder als Gegenargument kommt, sie stören meiner Meinung nach optisch überhaupt nicht, zumindest weniger als das eine oder andere Atomkraftwerk, das ich ebenfalls schon gesehen habe, vom Sicherheitsaspekt einmal abgesehen.

Traumhafter Rundumblick

Einige Minuten den Berg hinauf befindet sich die Peter Bergner Warte, die einmal der höchste Punkt hier war, aber jetzt von den Windrädern mit einer Nabenhöhe von je 78 Meter und einem Rotordurchmesser von je 82 Metern überragt werden. Der Blick hinunter nach Mürzzuschlag ist aber ebenfalls beeindruckend. Weitere rund 20 Minuten Fußweg entfernt liegt eine heute offene Almhütte, doch mit Motorradhose und Hüftschmerz macht das keinen Spaß, darum marschiere ich wieder zurück zum Motorrad beim Roseggerhaus.

Der Rückweg

geht dann die Schotterstraße hinunter bis zur netten Bäuerin, die nach einem kurzen Huper den Schranken öffnet. Weiter geht es nun nach Ratten, der zweiten Möglichkeit, zur Mautstraße zu kommen. Über Alpl, vorbei an Peter Roseggers Waldheimat fahre ich über die B72 ins Mürztal.

Kurz vor Krieglach biege ich rechts ab und fahre über Schwöbing auf der S6 Begleitstraße bis Mürzzuschlag und dann über den Semmering und Maria Schutz wieder ins Schwarzatal. Ich möchte noch einen kleinen Umweg über Puchberg am Schneeberg machen, daher nehme ich die Abzweigung nach Ternitz um ins Sierningtal zu kommen. Hier ist auf einmal ein Riesen Polizei- und Rettungskräfte-Aufgebot, das meinen Weg absperrt. Erst daheim erfahre ich den Grund: hier wurde der Terrorverdächtige verhaftet, der einen Anschlag auf ein Konzert von Taylor Swift in Wien geplant haben soll.

Ich umrunde das Viertel und genieße dann die Kurven im Sierningtal bis Puchberg. Weiter geht es über den Ascher und Miesenbach ins Piestingtal, wo ich dann in Wopfing nach Piesting abbiege. Über den Hart, der übrigens immer wieder Kulisse für Fahrzeug-Aufnahmen von diversen Motorsendungen im Fernsehen und auch Youtube ist, führt mich mein Weg dann nach Aigen und über Lindabrunn wieder heim. Eine schöne ca 210 km lange Motorrad-Tour ist wieder zu Ende.

Links


https://www.wexltrails.at/de/deine-wexl-trails/trailinfo/touren/hochwechsel-tour
https://www.steiermark.com/de/Oststeiermark/Urlaub-planen/Ausflugsziele/Mautstrasse-Pretul_isd_8719574
https://www.naturfreunde-huetten.at/steiermark/roseggerhaus/
https://www.bundesforste.at/leistungen/erneuerbare-energie/windkraft/windpark-pretul.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Peter_Rosegger

Kurviger Links

Hinfahrt: Pretul hin 7.8.2024 | Kurviger

Rückfahrt: Pretul Heimweg 7.8.2024 | Kurviger