Die Planung startete bereits im Winter, man ist ja nicht mehr 17 und will daher grob wissen, wohin es geht und wie man „vernünftig“ übernachtet. Mein Part dabei war die Routenausarbeitung für die Hin- und Rückfahrt und Franz übernahm die Planung auf den Inseln Sardinien und Korsika.
Auch die Hotels wurden für die ersten drei Nächte am Festland reserviert und die Fähre für die Überfahrt in der vierten Nacht gebucht. Die Ehefrauen von Franz und Werner wollten fliegen, während mein Schatz leider arbeiten musste.
Tag 1 bis Kranjska Gora in Slowenien
So ergab sich eine erste Etappe aus dem Mostviertel bzw. Industrieviertel bis nach Kranjska Gora in Slowenien. Ich fuhr über den Semmering und das Mürz- und Murtal bis St.Michael, während die Freunde vorbei am Erzberg über den Präbichl anreisten. Das Treffen war dann in einem Cafe nahe des Autobahnkreuzes geplant, doch das war am Sonntag geschlossen.

Eigentlich müsste ich wissen, dass man das kontrolliert, so blieb nur der Schluck aus der mitgenommen Getränkeflasche auf dem Parkplatz davor, bevor wir gemeinsam losfuhren.
Die erste Etappe brachte uns zuerst durch das Murtal vorbei am Österreichring bis ins steirische Rattenberg, wo wir auf der Terrasse des Gasthofes Perschler ein tollles Mittagessen genossen. Über Scheifling und den flott zu fahrenden Perchauer Sattel zog es uns weiter ins kärntnerische Friesach, wo ich in der Nähe den kleinen Prekova-Sattel entdeckt hatte, der vom Mexnitztal bis Straßburg führt.


Die vielen kleinen Kurven gaben einen schönen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Nach einer Eiskaffee-Pause im Stiftskaffee Gurk führte unsere Route über Feldkirchen und das Südufer des Ossiacher Sees durch Villach vorbei am Faakersee.

Über die Karawanken ging es dann auf wenigen Kilometern mit bis zu 18 % Steigung auf den nur knapp über 1000 m hohen Wurzenpass.


Dass wir noch außerhalb der Motorradsaison unterwegs waren, zeigte sich an den wenigen Bikerkollegen, die uns hier begegneten. Die Wohnmobilfahrer waren am späten Nachmittag auch schon durch und so konnten wir zügig bis in unser Hotel Spik in der Nähe von Krajnska Gora durchfahren. Ein kleiner Spaziergang zum Beine Vertreten ins nächste Restaurant beendete dann unseren ersten Anreisetag.



Die Route des ersten Tages

Tag 2 – Um den Regen herum nach Padua
Das Wetter zeigte sich nach dem Frühstück im Hotel trocken, aber in den Bergen rundherum hing noch der Nebel. Wir wollten trotzdem an unserer geplanten Route festhalten und über den höchsten Pass Sloweniens, den Vrsicpass ins Socatal fahren. Leider begann es aber schon bald nach der Ortsdurchfahrt von Kranjska Gora immer stärker zu nieseln und auch der Nebel kam immer näher.



Nicht umsonst heißt er auf italienisch Passo della Moistrocca (Kopfsteinpflaster), da von den 51 Haarnadelkurven (24 auf der Nordrampe, 27 auf der Südrampe) der 45 km langen Straße im nördlichen Teil der Passstraße noch einige aus Kopfsteinpflaster bestehen. Hier kann es bei Regen recht rutschig werden, aber wir müssen uns nichts mehr beweisen und nichts riskieren und so kehrten wir bald nach der neuen Mautstelle um.
Der Vrsicpass ist zwar auch weiterhin grundsätzlich mautfrei, aber der Parkplatz am Scheitel ist ab 2026 kostenpflichtig und das soll in den verkehrsreichsten Monaten (15. Juni bis 15. September) bereits vor der Auffahrt zu bezahlen sein.
Ein kleiner Umweg über Tarvis, nun in Italien, sollte uns über einen ebenfalls tollen Pass, den Predil, ins Socatal bringen. Die Fahrt geht auf der gut ausgebauten aber nicht besonders spektakulären Straße entlang des Radweges auf der ehemaligen Bahnstrecke von Tarvis nach Bled, den wir im Vorjahr als Abstecher vom Alpe-Adria Radweg bis zu den beiden Fusine-Seen gefahren sind. Rechts und links der Straße tauchen immer wieder hoch oben die dabei zu überfahrenden Eisenbrücken auf.
Tag 1: Von Villach bis Tarvis
Bald zweigte die Straße Richtung Süden ab und wir fuhren beim Predilsee Richtung Passo del Predil. Die manchmal spannenden, weil recht schlecht beleuchteten Kehrtunnel und der Blick auf den See hinunter verlockten uns zu einigen Fotostopps.



Als wir die Passhöhe mit der Grenzstation zu Slowenien erreichten, stand wieder eine Nebel- und Regenwand vor uns. Nach der Befragung einiger ankommenden LKW-Lenker entschlossen wir uns auch hier umzukehren und den Sella Nevea als neues Ziel zu nehmen.

Vorbei an der Westseite des Predilsees führt die Straße auf den knapp 1.200 Meter hohen Scheitel hinauf und dann sind auch ein paar nette Kehren sowie einige kurze Felstunnelpassagen zu meistern.




Bald war Chiusaforte im italienischen Kanaltal erreicht. Hier fuhren wir weiter nach Süden, entlang eines der schönsten Abschnitte des Alpe-Adria Radweges, der immer wieder mit den Brücken und Galerien der alten Bahntrasse zu sehen war. Hier sind unsere Eindrücke vom Vorjahr nachzulesen:
Tag 2: Von Tarvis nach Carnia
Bei Gemona del Friuli, das einen Besuch oben am Berg wert wäre, uns aber mit Blick auf Zeit und Wetterlage nicht ins Konzept passte, fuhren wir weiter südwestlich. Auf schnellen Wegen sollte es durch die Po-Ebene gehen. Kurz bevor wir die Meeresküste erreichten, machten wir noch einen gemütlichen Stopp bei einer Cafeteria und stärken uns mit Espressi und Panini. Die Kirche gegenüber war auch einen Blick wert.





Immer die schwarzen Wolken hinter und über uns fuhren wir nach einigen Ortschaften unter der Autobahn durch und erreichten die Küste, wo es dann bei starkem Wind doch noch zu regnen begann. Der begleitete uns durch Mestre, vorbei an der Kreuzung zum Damm nach Venedig, aber nach 20 Minuten war es wieder vorbei. Bei einer Tankstelle gab es dann nochmals einen Espresso und ein Creme Caramel und wir waren schon wieder fast trocken.
Die letzten 40 Kilometer gehörten kleinen Sträßchen Richtung Padua, vorbei an Kanälen und den typischen venetischen wunderschönen Villen, die man sonst nur aus Fernsehdokus kennt. In die Stadt hinein mussten wir durch ein Baustellen-Labyrinth, da die spezielle Straßenbahn, die Trampadova, ein spurgeführtes System auf Gummirädern, mit der Linie SIR3 erweitert wird. Trotzdem erreichten wir dann recht einfach unser Hotel in der Altstadt, gleich vis a vis der Basilika des Heiligen Antonius, mit gesperrtem Parkplatz im Hinterhof des Hauses.



Wenn man schon so nah an einem der großen Heiligtümer der Christenheit ist, gehört ein Rundgang in der Basilica del Santo natürlich dazu. Diese wurde zwischen 1232 und etwa 1310 mit romanischen und gotischen Stilelementen errichtet, um das Grab des Heiligen Antonius von Padua (geboren um das Jahr 1195 in Lissabon, gestorben am 13. Juni 1231 in Padua) aufzunehmen.





Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Christenheit und ein Lehrer der Weltkirche. Dieser bescheidene Mönch aus der Ferne interessierte sich für die Schwächsten und Benachteiligten, er kümmerte sich um die Probleme der einfachen Leute und kämpfte für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und wird deswegen als der Heilige des Volkes bezeichnet.
Während unseres Stadtrundganges begann es auf einmal zu schütten und wir flüchteten in ein kleines vegetarisches Lokal, wo wir dann praktisch trocken unser Abendessen und den stimmungsvollen Blick über den Platz genossen.






Die Route des zweiten Tages

Tag 3 – Bis ins Manhattan des Mittelalters
Die Fahrt hinaus aus Padua war einerseits von der Rushhour und andererseits wieder von Baustellen geprägt, wo wir uns mit unseren breiten Seitenkoffern nicht so leicht wie die einheimischen Rollerfahrer durchzwängen konnten. Aber nach einer Viertelstunde hatten wir den Stadtrand erreicht und wir fuhren den italienischen Fahrstil schon etwas angepasster.
Auf kleineren Straßen, teilweise schnurgerade mit einer Kurve alle heiligen Zeiten fuhren wir Richtung Modena, von wo es dann die letzten rund 170 Kilometer in die hügelige Toskana gehen sollte.
Die Straße änderte sich von einer Minute zur nächsten, war sie zuerst schnurgerade, gab es jetzt 30 Kurven auf der gleich langen Strecke. Aber nicht nur das änderte sich, statt der Roller waren nun mehr Supermotos unterwegs, bei denen man zumindest anhand des Stils vermuten konnte, dass die Fahrer die Kurven auch blind kennen.
Bei einer Allee aus Toskana Schirmföhren (Pinus pinea) musste ich unbedingt anhalten, genau wie am Kreisverkehr am Ortseingang von Vinci, dem Heimatort von Leonardo, und einige Bilder machen.



Nach gefühlt 1000 Kurven tauchte am abendlichen Horizont das Städtchen San Gimignano mit seinen mittelalterlichen Türmen hoch über den umliegenden Hügeln auf. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf. Es hat einen speziellen Grund, warum die Stadt in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist: Hier ist die Zeit scheinbar im Jahr 1563 stehengeblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano bis heute geblieben, wie es damals war.

Unser Hotel Volpai lag 11 Kilometer mit hunderten Kurven tiefer im Tal in der kleinen Ortschaft Castel San Gimignano und präsentierte sich einfach so, wie man sich ein kleines Hotel in der Toskana vorstellt. Der einzige Wermutstropfen war, dass es für uns bereits zu spät für das hoteleigene Pool war. So blieb nur das Abendessen im überraschend gut besuchten Restaurant Tre Archi, das auf jeden Fall zu empfehlen ist. Es liegt direkt an der Straße zwischen San Gimignano und Voltera.

Die Route des dritten Tages

Tag 4 – Bis zur Fähre in Civitavecchia
Wir starteten wenige Minuten nach dem Frühstück und verfolgten die Gewitterwolken über uns, immer mit der Hoffnung, dass sie an uns vorbeiziehen. Leider war es diesmal nicht so und so schafften wir es gerade noch nach den ersten stärkeren Tropfen unter das rettende Dach der Tankstelle in Volterra. Tanken und eine halbe Stunde warten war angesagt, dann war der Spuk vorbei und wir konnten unseren Weg Richtung Süden fortsetzen.


Auf kleinen kurvigen Straßen fuhren wir die hügelige Landschaft der Toskana Richtung Süden. Eine Reihe von alten Ortschaften leuchtete von den in der Nähe liegenden Bergrücken, aber man kann ja nicht dauernd und überall stehen bleiben, um zu fotografieren.
Da wir in Grosseto gut die Hälfte der Strecke geschafft hatten und die Mittagszeit auch schon um war, war es Zeit für eine gute Pasta und einen Espresso. Ein Regenguss erinnerte uns an das unsichere Wetter, war aber rasch wieder vorbei und wir konnten uns bei einem Rundgang auf der Zitadelle nochmals die Beine vor den letzten Kilometern bis zur Fähre vertreten.
Auf wirklich kleinen Sträßchen ging unsere Fahrt wieder in das Hügelland südwestlich von Grosseto und dann bald in Meeresnähe weiter. Beim beinahe ersten Blick auf das Wasser bogen wir ab und fanden praktischerweise dort auch ein Lokal mit Eis und Kaffee.



Die Suche nach der richtigen Fähre gestaltete sich für uns Neulinge schwieriger als gedacht, aber zum Schluß waren wir alle rechtzeitig, das heißt gut zwei Stunden vor dem Ablegen bei der Fähre und konnten daher in Ruhe mit einigen weiteren Bikern und Rollerfahrern die Stahlbrücke hinauf auf Deck 6 fahren und unsere Fahrzeuge knappest am Rand abstellen, bevor die PKWs und LKWs hinauf durften. Mit dem Minimalgepäck für eine Nacht machten wir uns auf die Suche nach dem Checkin bzw. der Zuteilung der Kabinen.



Die Route am vierten Tag

Fazit nach vier Tagen
Obwohl unsere Anreisetage im Großteil von Europa von viel Regen geprägt waren, wurden wir dank verschiedener Wetter-Apps und Beobachtungen und unserer daraus folgenden Streckenänderungen nie wirklich nass und die Regenkombi blieb während der gesamten Zeit im Seitenkoffer.
Über die Überfahrt und unsere zweitägige Fahrt vom Hafen Olbia bis Cagliari fast an der Südspitze Sardiniens schreibe ich im nächsten Blog.
