Tag 1: Vom Triestingtal nach Zell am See

In diesem Blog erzähle ich von der ersten Etappe meiner heurigen Motorradtour in die Schweiz bis zum ersten Ziel in Zell am See.

Mein Plan war, mit meiner Honda Crosstourer in vier Tagen aus Niederösterreich bis an den Zürichsee zu fahren und dabei viele Pässe und Sehenswürdigkeiten in Österreich, Südtirol und in der Schweiz mitzunehmen.

Zum Eingewöhnen waren die flotten Kurven des nur 662 Meter hohen „Hals“ zwischen Pottenstein und Pernitz der erste Teil. Nur ganz so flott, wie ich mir gedacht hatte, wurde es dann doch nicht. Am Vorabend gab es nämlich im südlichen Niederösterreich heftige Gewitter, die einerseits Blätter und Äste der Bäume und andererseits Schotter auf die Fahrbahn spülten und so viele Kurven rutschig machten.

Aber je weiter man dann im Tal der Piesting Richtung Westen und den Rohrer Berg fuhr, desto besser wurde es wieder. Bald kam mir der typische Geruch einer der letzten Holzkohle- Erzeugung in Niederösterreich in die Nase. Direkt neben der Straße wird von der Familie Wieser auf  zwei Höfen in typischen Langmeilern dieses hochwertige Grillmaterial erzeugt.

Nur einige 100 Meter ein ganz ungewohntes Bild, die „Kalte Kuchl“ komplett ohne Motorräder, das gibt es nur sehr früh am Morgen. Den berühmten „Topfinger“ gab es da natürlich auch noch nicht. 

Der Ochssattel mit seinen 820 Metern Höhe ist für viele Biker aus dem Wiener Raum nach dem Topfinger das Ziel der Träume, die Einheimischen meiden ihn daher speziell am Wochenende. Aber an diesem Mittwochmorgen gehörte er mir alleine, kein einziges Motorrad begegnete mir bis hinunter nach St. Aegyd.

In Kernhof schliefen die Kamele und die weißen Tiger des Kameltheaters sicher auch noch.

Über das Gscheid und das Halltal und dann mit einigen Serpentinen hinauf auf den markanten Kreuzberg lag zuerst Mariazell und dann Rasing mit dem kleinen Kirchlein hoch über der B20, bevor in Gußwerk die B24 weiter ins Salzatal abzweigte.

Der Blick nach links auf den Hochschwab und später rechts auf die steile Südseite des Dürnsteins und Hochkars gehören neben der Straße an sich zu den Highlights dieser Strecke.

Mein Plan für diesmal war es, seit langem wieder einmal durch das Gesäuse zu fahren, weil ich ja im letzten Jahr die Strecke über den Buchauer Sattel genommen hatte.

Also bog ich am Ende der Erlauftalbundes- straße B25 in Mooslandl links nach Hieflau ab. Nachdem ich es kurz vor der Abfahrt geschafft hatte, die Garmin Drive App mit dem Zumo Navi zu verbinden, behauptete dieses, dass die Gesäusebundesstraße gesperrt sei. Das konnte aber gar nicht sein, ich hatte ja am Vortag die Route in „Kurviger“ und Google Maps nochmals geprüft, also fuhr ich weiter.

Und dann die Überraschung im echten Leben, die Straße war wirklich gesperrt, und zwar so gut, dass man sich nicht einmal mit dem Motorrad vorbeischwindeln konnte. Asphaltiertierungsarbeiten hatten das für die nächsten drei Tage ausgelöst. Das Learnig: manchmal könnte man dem Navi auch vertrauen… Ich habe mich geärgert und sogar aufs Fotografieren vergessen. Dabei waren es hin und zurück nur zwölf Kilometer in schöner Gegend, also genau genommen kein Problem, wenn der Weg das Ziel ist.

Darum war dann eine Kaffeepause beim Postwirt in Großreifling angesagt. angesagt, wo nebenbei der Blick hinunter auf den Bahnhof und auf die Oldtimer (Porsche Traktor, 1er Golf Rabbit und VW Käfer) in der gegenüberliegenden Werkstatt schon den Stopp wert war. Leider hatte es aufgrund der Sonneneinstrahlung so gespiegelt, dass ich keine Fotos von den Fahrzeugen habe.

Dann fuhr ich diesmal über die kleine Straße des Erbsattel und weiter über den Buchauer Sattel vorbei an Admont bis nach Liezen. Normalerweise weiche ich in den letzten Jahren durch das Ennstal bis Schladming auf schöne Seitenstraßen aus, aber der wenige Verkehr machte das diesmal gar nicht notwendig. Ab Radstatt ging es dann parallel zur A9 auf dem letzten Stück der Katschberg Straße (B 99) über Hüttau bis Bischofshofen.

Nach dem ersten Tankstopp bog ich bei der großen Salzachbrücke links ab und schon ging es in einigen Serpentinen die Hochkönig- Bundestraße B169 hinauf nach Mühlbach und weiter über den 1370 Meter hohen Dienter Sattel vorbei am Hochkönig bis Maria Alm und Saalfelden am Steinernen Meer. Von dort waren es auf der stark befahrenen B311 nur mehr wenige Kilometer bis zu meinem Ziel im Zentrum von Zell am See.

Da es am Abend noch das wöchentliche Sommerfest mit einigen Liveacts und lokalen Schmankerln gab, warf ich mich nach dem Abendessen ins Geschehen und genoss die sommerliche Stimmung.

Dabei entdeckte ich im Vogtturm noch eine Ausstellung zum Porsche Design Prinzip. Ferdinand Porsche und seine Familie lebten ja auch jahrelang in Zell am See.

Die Route am ersten Tag

https://kurv.gr/Mu7cG

Motorradwandern im südlichen Niederösterreich

Da ich jetzt schon seit fast einem Monat nicht mehr auf meiner Crosstourer gesessen bin, beschloss ich, der Hitze geschuldet, nur in der näheren Umgebung, daß heißt im südlichen Niederösterreich, das von unserem Tourismusmarketing auch als die „Wiener Alpen“ bezeichnet wird, ein bisschen herumzufahren.

Mit der schon manchmal erwähnten „Kurviger-App“ machte ich am Abend eine grobe Planung und so wurden es gute 130 km auf kleinen und kleinsten Straßen, die ich teilweise selbst noch nie gefahren war, immer wieder mit Blick auf den Schneeberg oder die Hohe Wand.

Ich weiß, es gibt auch in meinem Bekanntenkreis Menschen, die solche Strecken mit dem Biobike machen, wenn dabei auch rund 2600 Höhenmeter zusammenkommen. Das wäre mir ehrlicherweise auch mit dem E-Bike zu viel, aber mit dem Motorrad macht es Spaß.

Bekannte Strecken und unbekannte Abstecher

Zuerst ging es ins Triestingtal bis Pottenstein und über den Hals nach Pernitz, eine Strecke, die alle kennen die schon einmal auf einen „Topfinger“ in die Kalte Kuchl gefahren sind.

Dieses Bild eines Topfingers aus der Kalten Kuchl dient nur zur Erklärung und stammt aus meinem Archiv

Dort wollte ich aber nicht hin, sondern durchquerte in Pernitz das Piestingtal um über die Dörfer Neusiedl und Waidmannsfeld vorbei am Brandackerkreuz und die Ochsenheide zur L138 und hinaus nach Reichenthal wieder im Piestingtal zu landen.

Talauswärts ging es dann bis Waldegg, wo ich wieder rechts abbog und die kleine Straße nach Dürnbach und über die Dürnbacher Höhe, vorbei an Bergbauernhäusern nach Miesenbach fuhr.

Von Miesenbach führt die Straße über den Ascher nach Puchberg am Schneeberg, aber vorher hatte ich noch Lust auf zwei kleine Abstecher, die zuerst beide als Runde in Kurviger erschienen sind. Zuerst zweigte ich rechts ab Richtung Dürre Wand, wo die noch asphaltierte einspurige Straße gleich mit einigen Spitzkehren rasch Höhe gewann.
Nach einigen Häusern und einer Walddurchfahrt öffnete es sich und ein Bauernhof lag vor mir. Da endete aber auch die asphaltierte Straße.

Schotterfreuden bis an eine Sperre zwangen zur Umkehr

Eine Enduro will von Zeit zu Zeit auch etwas Schotter unter den Reifen und ich fuhr weiter, weil auch das Navi anzeigte,  daß es auf der anderen Seite wieder hinunter zur Hauptstraße gehen sollte. Nach einigen Haarnadelkurven durch den Wald lag am Bergrücken eine Almwiese mit traumhaftem Ausblick.

Der Forstweg schlängelte sich einige Kurven hinunter, dann war aber Schluß, der Weg ist wegen Schlägerungsarbeiten gesperrt. Hier müssen die 285 kg Leergewicht der Crosstourer in diesem Schotter-Sägespan Gemisch mehr oder weniger auf der Stelle umgedreht werden, in der Hoffnung dabei nicht umzufallen. Alles ging gut und beim Hinauffahren fiel mir auf, daß ich doch noch zu wenig Profi bin, um auch solche Situationen auch mit der Kamera festzuhalten.

Wieder unten an der Bundesstraße zweigte ich nach einigen hundert Metern auf die andere Seite des Tales ab, hier führte eine Straße hinauf Richtung Scheuchenstein, doch sie entpuppte sich oben als Privatstraße und ich musste umdrehen. Hier konnte ich aber vorher noch einige Bilder der imposanten Umgebung machen.

Fake-Bären und die längste Zahnradbahn Österreichs

Dann ging es die Bundesstraße weiter den Ascher hinauf, das ist die Straße, wo im Juni 2023 angeblich ein Bär neben der Fahrbahn gefilmt wurde was sich aber rasch als Fake herausstellte. Näheres dazu findet ihr in den Links. Die wunderschönen raschen Kurven führen den Pass hinauf und nach Puchberg am Schneeberg hinunter, wo ich mir im Kaffeehaus neben der Talstation der Schneebergbahn mit Blick auf die „Hatscherte Kathl“* einer der alten Dampfloks der Zahnradbahn, einen Eiskaffee gönnte.

Nach dieser um 9:30 schon notwendigen kulinarischen Abkühlung führte mich das Navi wie gestern programmiert hinaus nach Grünbach, wo die nächste kleine Straße wartete, diesmal übers Rosental und weiter über den Berg nach Gutenmann und danach auf die Bundesstraße B26 Richtung Neunkirchen.

Imposante Felsen der Flatzer Wand und der Hohen Wand

Hoch über dem Tal liegt die Burg Stixenstein, durch dessen Tor die Bundesstraße führt. Dahinter befindet sich einer der Eingänge in den Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand, einem empfehlenswerten Wandergebiet in den Gutensteiner Alpen.

Weiter ging es über Sieding, von wo es ebenfalls eine schöne kleine Verbindung Richtung Bürg und Priglitz gibt, durch St.Johann im Steinfeld bis Ternitz. Hier bog ich links Richtung Mahrersdorf und weiter nach Flatz ab.

Hinter der Kirche von Würflach, dem östlichen Eingang zur Johannesbachklamm, zeigten sich schon die Felsen der Hohen Wand. Kurz vor Willendorf öffnete sich der Blick nach vorne auf die Hohe Wand und rechts auf die „Neue Welt“, vereinfacht ist das die Ebene zwischen Hoher Wand und Wr.Neustadt.

Zwischen Maiersdorf und Stollhof ganz am Fuß der Hohen Wand fiel mein Blick hinauf über die Felswand zum Skywalk, über dem gerade zwei Paragleiter ihre Kreise im dunkelblauen Himmel zogen. An manchen Abenden mit der passenden Thermik können hier schon 15 bis 20 Gleitschirme in der Luft sein.

Vom letzten Babenberger bis zum Refugium experimenteller Kunst

Da es immer heißer wurde, wollte ich am kürzesten Weg heim und raus aus der heißen Motorradkluft, daher ging es über Muthmannsdorf nach Dreistetten, von wo man einen tollen Blick auf die Ruine Starhemberg hat. Sie war jahrelang hinter hohen Bäumen versteckt, aber jetzt hat es sich ein Verein zur Aufgabe gemacht, den ehemaligen Wohnsitz von Friedrich dem Streitbaren, des letzten Babenbergers, zu sanieren und möglichst sanft und nachhaltig öffentlich zugänglich zu machen.

Über Markt Piesting und den „Hart“ ging es einige Serpentinen hinauf und über die Kapelle des sog. Stadtkreuzes nach Aigen und weiter am Symposium Lindabrunn vorbei, einem ehemaligen Bildhauersymposium mit vielen Skulpuren in der Landschaft. Die heutige künstlerische Leitung befasst sich aber zeitgemäß mit experimenteller und digitaler Kunst.

Einige Bilder aus meinem Archiv vom Symposium Lindabrunn mit dem Tor der Erkenntnis

Entschleunigung beim Fahren ermöglicht den Blick auf die Schönheiten meiner näheren Heimat

Von Lindabrunn waren es dann nur mehr wenige Kilometer bis nachhause und ich rekapitulierte diese Morgenausfahrt.
Diesmal stand nicht der Kilometerfrass im Vordergrund, sondern eine Wanderung, wenn auch mit dem Motorrad, durch das südliche Niederösterreich mit einer Reihe von Naturschönheiten und historischen Punkten.

Neue Rekorddurchschnittsgeschwindigkeiten lassen sich so nicht aufstellen, aber der Blick dabei in die Landschaft entschädigt einen Pensionisten wie mich dafür mehr als genug.

Dem Wandern entsprechend sind die meisten Fotos direkt vom Rücken der Crosstourer gemacht worden, nur für einige wenige bin ich abgestiegen und einige sind aus meinem Archiv.
Wie meist, findet ihr die Route auf kurviger.de :
https://kurv.gr/f6fVJ

Natürlich macht die Route auch Spaß, wenn man sich nur auf die Kurven und Pässe konzentriert, anschauen kann man vieles ja extra auch!

* Die Hatscherte Kathl:

Für die nicht österreichisch sprechenden Freunde übersetzt: die gehbehinderte Katharina. Das ist der Spitzname der Dampflok der Schneebergbahn, der ihr wegen ihrer Bewegung auf der längsten Zahnradbahn Österreichs liebevoll gegeben wurde. Sie fährt derzeit noch immer an den Wochenenden mit 2 Waggons auf den Berg. An der Talstation ist ihr mit einer zweiten Lok ein Denkmal gesetzt.

Links

Zum Fake-Bären: https://noe.orf.at/stories/3212349/


https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schneebergbahn_(Zahnradbahn)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/N%C3%96SBB_Salamander
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Burg_Stixenstein
https://www.naturpark-sierningtal-flatzerwand.at/
https://neunkirchnerhaus.naturfreunde.at/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gutensteiner_Alpen
https://www.niederoesterreich.at/ausflugsziele/a-johannesbachklamm-wuerflach
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Neue_Welt_(Nieder%C3%B6sterreich)
https://www.wieneralpen.at/ausflugsziele-in-den-wiener-alpen-entdecken/a-naturpark-hohe-wand-skywalk
https://www.burgruine-starhemberg.at/willkommen
https://symposion-lindabrunn.at/