2: Die Fähre nach Olbia und 2 Tage bis Cagliari

Nach der Anreise aus Österreich und der Nacht auf der Fähre nach Sardinien haben wir uns zwei Tage Zeit genommen, vom nordöstlichen Olbia über Arbatax bis nach Cagliari fast im Süden zu fahren und die Kurven und Blickpunkte zu genießen. Viele Eindrücke mit zu wenigen Bildern gibt es in diesem Blog.

Die Überfuhr von Civitavecchia nach Olbia

Ungefähr 10-15 Motorräder und Roller fuhren zuerst die Rampe auf die Fähre und die steile Auffahrt auf die nächste Ebene hinauf und mussten ihre Fahrzeuge ganz am Rand am Geländer abstellen. Praktischerweise nahm jeder nur das Notwendigste mit, um die Schlepperei in den engen Schiffsgängen so gering wie möglich zu halten.

Wir wurden rasch von den Bediensteten vom Deck wegkomplementiert und landeten zwei Stockwerke höher beim Checkin und erhielten innerhalb weniger Minuten fast kasernenhaft die Keycard überreicht und suchten unsere Kabinen. Wir hatten je eine Mehrbettkabine zur Einzelbenutzung gebucht, andere schliefen in den allgemein zugänglichen Sitzen.

Für Fährenneulinge wie uns hat der ADAC einige Tipps zusammengestellt: Mit dem Motorrad auf die Fähre: Tipps zu Auffahrt, Sicherung und Co.

Das Auslaufen aus dem Hafen hatte etwas von einer Mini-Kreuzfahrt, bevor wir nach einem kleinem Abendessen im Bordrestaurant unsere Kabinen aufsuchten, wir sollten ja um 5:30 schon wieder raus. So konnten wir auch relativ ausgeruht das Einlaufen im Hafen von Olbia bei Sonnenaufgang beobachten, bevor wir wieder zu unseren Motorrädern konnten.

Das Deck war ganz voll geworden, eine Gruppe Trikes aus Deutschland und viele PKWs waren nach uns noch dazugekommen und so dauerte es seine Zeit, bis wir ganz zum Schluß von der Fähre fahren konnten. Die ersten beiden Routen geführt von Franz lagen vor uns.

Die erste Inseltour bis Arbatax

Durch einen Tunnel und über eine lange Brücke ging es zuerst nur im Schritttempo in der Kolonne aus dem Hafengelände und der Stadt hinaus. Meine Crosstourer mag so etwas auf den ersten Kilometern überhaupt nicht und bockte, bis der Motor warm geworden war.

Die heutige Tagesetappe sollte zuerst über die legendäre SS125 Orientale Sarda hinaus in der Nähe der Küste und dann ins Landesinnere über Nuoro und einige Pässe wieder an die Küste nach Arbatax führen. Nach rund einer halben Stunde bogen wir nach Porto San Paolo ab, wo wir einen wunderschönen Blick auf das Tyrrhenische Meer vor der Insel werfen konnten.

Im Ortszentrum war bei einem Hotelcafe ein Frühstücksbuffett angekündigt, dort wollten wir dann halten und uns im Schatten der Arkaden stärken.

Ausgeruht und mit frischer Kraft begann nun wirklich das „Abenteuer Sardinien“ für  uns. Wir bogen am Ortseingang wieder auf die SS125 und fuhren bis nach San Teodoru, wo wir eine kurze Ortsbesichtigung per Motorrad machten. In Budoni umfuhren wir mit der Ortsdurchfahrt einige Tunnel auf der nun zur SS13DCN mutierten Straße.

Kurz vor Posada bogen wir ins Landesinnere und erreichten nach vielen kleinen Kurven Lode und Bitti, das wir uns nach einer Ortsrunde von oben anschauten.

Unser Versuch, im kleinen Bergdorf Orune einen Kaffee zu trinken, scheiterte trotz Suche auf Google Maps, der Ort schien ausgestorben, die Fotos zeigen aber trotzdem die Schönheit der Umgebung.

So fuhren wir wieder weiter bis in unser eigentliches Zwischenziel Nuoru. Kurz vor dem Dorf Dorgali kamen wir wieder auf die SS125 zurück und folgten ihr bis zum Genna Petta Pass und weiter zum Passo di Genna Silana, der auf 1002m Seehöhe liegt und anscheinend unser höchster Punkt dieser Tour war.

Der Passo Genna Croce liegt nur mehr auf 910m Höhe und kurz danach erreichten wir die Basis zur Gorropu  Schlucht. Sie ist eine der tiefsten und spektakulärsten Schluchten Europas mit bis zu 500 Meter hohen Kalksteinwänden im Supramonte-Gebirge. Vom Campo Base Gorropu kann man eine Fahrt auf nicht besonders vertrauenserweckenden Jeeps zum Schluchteingang buchen, von dort muß man aber selber wandern, sodaß daraus ein 8-stündiger Ausflug wird. Wir genehmigten uns nur einen Cappuccino und ein Eis.


Über den Genna Salbene Pass mit seinen 764m und den Genna Cogina mit 724m ging unsere Tour weiter in den Nachmittag hinein.

Wir erreichten am frühen Abend nach rund 250 km Fahrt mit vielen Kurven und abwechslungsreicher Landschaft unser Quartier im kleinen Hafenort Arbatax.

Es lag in einer privaten Siedlung hoch über dem Ort, was mir eine Rüge eines Nachbarn einbrachte. Da ich mein Motorrad mit DCT (Doppelkupplungsgetriebe, über die fast weltanschauliche Diskussion dazu schreibe ich in meinem früheren Blog Der Wunsch nach Freiheit – meine Motorräder) zur Sicherheit gerne an einer ebenen Stelle parke, hatte ich mir den Rand der Umkehrstelle am Ende der Straße ausgesucht, was mir am Morgen ein Post-It am Bike mit „No Parking!!“ einbrachte.

Die Lage unserer privaten Villa zwang uns nicht nur zu gesunden Fußmärschen, sondern erlaubte auch schöne Blicke über den bekannten Hafenort.

Eine Besonderheit gibt es zur Chiesa Parrocchiale della Beata Vergine di Stella Maris zu erzählen, die auf einigen Bildern unten zu sehen ist. Die Schutzpatronin der Seeleute und Fischer, Madonna Stella Maris, wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli mit dreitägigen Feierlichkeiten verehrt, die in einer feierlichen Prozession auf See gipfeln. Dabei wird die Statue mit einem Boot zum Yachthafen gebracht und ein Blumenkranz zum Gedenken an die auf See Verstorbenen niedergelegt.

In der Werftanlage der Firma SAIPEM wurde gerade ein Teil einer Öl- oder Gasplattform errichtet. Laut eigener Homepage befindet sich in Arbatax eine der wichtigsten Fertigungsanlagen Italiens, so strategisch günstig gelegen, um die Nachfrage im Mittelmeerraum, in der Nordsee, in Westafrika und im Golf von Mexiko zu bedienen. Hier wurden bereits zahlreiche Konstruktionen errichtet, darunter ein achtbeiniges Jacket mit einer Höhe von über 200 Metern und einem Gewicht von rund 25.000 Tonnen für das Sabrathra-Projekt vor der lybischen Küste, einer wichtigen Gasquelle für Westeuropa.

Die Route unseres ersten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/8pWVu

Die zweite Tour bis ins Hotel in Cagliari

Interessanterweise fanden unsere verschiedenen Navis hinaus aus der Stadt einen viel einfacheren Weg als gestern hinein, aber ich denke die Navis wollen manchmal auch ein bisschen zum Entertainment beitragen. Und so fuhren wir statt durch enge Gassen durch ein Waldsträßchen den Berg hinunter.

Da es in unserer „Privatvilla“ kein Frühstück gab, fanden wir beim Hinausfahren im Hauptort Tortoli ein nettes Cafe, wo wir zu Cappuccino und Limonata gute  Panini bekamen.

So gestärkt fuhren wir wieder auf die SS125, die in diesem Bereich eher Autobahn-ähnlich ausgebaut war und verließen sie daher wenige Kilometer später Richtung Landesinneres bis in die Nähe von Loceri, um wieder in südlicher Richtung weiterzufahren. Bald kamen wir zur ursprünglichen SS125 (exSS125) zurück, auf der wir mit der Ponte di San Paolo über den Fluß Fiume Pelau fuhren, der auch Rio Pardu genannt wird und zu diesem Zeitpunkt praktisch komplett ausgetrocknet war.

Copyright: Roberto Dermutas / Google Maps

Danach ging es wieder über kleinere Straßen zurück zur SS125var, der wir durchs Gebirge folgten, bis diese Ausbauvariante zu Ende war. Eine weitere lange Brücke über einen ausgetrockneten Fluss folgte auch noch.

Dann war wieder die alte SS125 angesagt, über die wir über den Arcu Genna Arela, der wegen der Höhe von nur rund 100m die Bezeichnung Pass eigentlich nicht verdient hat, bis Santa Maria fuhren, um ans Meer nach Porto Corallo zu kommen. Der Hafen war aber dort Mitte Mai noch im Winterschlaf und auch die nahe gelegene Pizzeria hatte geschlossen und so musste die Mittagspause noch warten.

Weiter ging es nun über Villaputzu und Muravera, wo ich meine Crosstourer, die schon auf Reserve war, sicherheitshalber auftankte. Wieder bewies sich, dass sie eine Säuferin ist, die BMW von Franz und die Kawasaki von Werner brauchen im Schnitt 1,5 bis 2 Liter weniger. EINEN Nachteil muss ja eine Honda mit DCT auch haben. Dabei ist sie schon sparsamer, als die Varadero davor war.

Die Fahrt in den Spätnachmittag Richtung Cagliari führte nun über die kurvenreiche Küstenstraße mit tollen Aussichtspunkten bis in die Stadt.

Über den Lungomare, vorbei an den Salinen, auf denen die weißen und rosa Flamingos leben, kamen wir dann im Ceasar’s Hotel in der Via Darwin an, wo schon Anni und Gerti, die Frauen von Franz und Werner warteten.

Ein gemeinsames Abendessen an der Strandpromenade in einem der Beach Clubs beendet den ersten gemeinsamen Abend, zuerst von einem vom gebirgigen Hinterland kommenden Gewitter unterbrochen. Es dauerte aber nicht lange und so konnten wir trocken die gute halbe Stunde zum Hotel zurück marschieren.

Die Route unseres zweiten Sardinien-Tages

Route in Kurviger: https://kurv.gr/Etzek