5: Von Savona zum Iseosee, bis über den Stelvio und von Mittersill heim

Im letzten Teil meines Blogs zu unserer Sardinien-Tour schreibe ich über die Heimfahrt von der Fähre in Savona am Ligurischen Meer über das Stilfserjoch zwischen Lombardei und Südtirol, das Puster-, Salzach- und Ennstal bis nach Niederösterreich.

Wir hatten uns extra für Savona und nicht für Genua als Ziel der Fähre aus Korsika entschieden, um möglichst schnell aus der Stadt draußen zu sein. Auf dem Papier, besser gesagt, bei Google Maps und Kurviger.de war das auch so, aber die Realität sah etwas anders aus.

Von Savona bis Iseo

Die ersten 10 Kilometer die Küste entlang waren nur vom Stau der morgendlichen Rush Hour geprägt. Wir taten zwar unser Bestes, aber die italienischen Rollerfahrer waren beim Überholen der kilometerlangen Autoschlangen noch um einiges wagemutiger, oder einfach routinierter. Aber nach gefühlt vielen Stunden hatten wir es geschafft und waren überrascht von der Landschaft und den vielen schönen Kurven hinauf ins Landesinnere.

Erst in Acqui Terme fuhren wir in die Stadt und suchten ein Kaffeehaus. Das war eine willkommene Pause und im gegenüber- liegenden Supermarkt konnten wir unsere Getränkevorräte nachkaufen.

Die nächsten Kilometer bis Alessandria waren unspektakulär und wir fuhren in die Stadtmitte, wo am Piazza Garibaldi gerade ein Markt stattfand. Wir parkten unsere unsere Motorräder vor dem Palazzo Piemonte und schlenderten durch den Markt, der hauptsächlich von arabischen und afrikanischen Händlern dominiert wird.

Eines habe ich leider verpasst: Alessandria ist die Heimat des Borsalino, dieses klassischen Hutes und damit der ältesten italienischen Luxusmarke. Und obwohl ich Hutliebhaber bin, habe ich trotzdem keinen gekauft.

Copyright: Borsalino

Danach fuhren wir weiter, über die Stadtränder von Pavia und Lodi, bis wir am Abend Villongo am Iseoosee erreichten. Hier lag unser Quartier für diese Nacht, eine private Villa mit traumhaften Blick über den See.

Der Fußweg hinunter zum See war zwar etwas weit, bot aber einige interessante Sehenswürdigkeiten. Die Pizza beim Abfluss des Sees entschädigte für die Anstrengung, die uns aber nach den vielen Stunden am Motorrad eigentlich gut tat.

Die Route von Savona zum Iseosee

Vom Iseosee am nördlichen Rand der Poebene bis Bormio am Fuß des Stilfserjochs

Die auf der Westseite des Sees verlaufende Straße hatte viele Blicke auf den See selbst und die Insel darin, sodass einige Photostopps notwendig waren.

Leider mussten wir früher als geplant diese Straße verlassen, da sie wegen eines Radevents gesperrt war. So entdeckten wir einige Plätze,  die wir sonst nicht gestreift hätten. Gut, ein paar Irrfahrten waren auch dabei, weil mich mein Navi immer wieder hinunter zum See geleiten wollte.

Nach dem unspektakulären Passo della Presolana war das spätere Highlight der 35 km lange Passo Vivione, der sich einspurig mit vielen Spitzkehren von Schilpário im Val di Scalve bis auf 1828m Seehöhe hinauf und nach dem Refugio wieder nach Malonno im Val Camónica hinunterwindet.

Auf der SS42 waren es dann nur mehr wenige Kilometer bis Edolo, das wir rechts liegen ließen und am gegenüberliegenden Hang der Hauptstraße fuhren bis wir kurz vor dem Passo Aprica, der mit seinen 1172 Metern gar nicht so leicht als solcher  erkennbar, ist auf die SS38 einbogen. Nur das große Kriegerdemkmal, das an den ersten Weltkrieg erinnert, zeigt die Passhöhe an. Dann ging es hinunter ins Valtellina (Veltlin), dem Tal, das vom Comosee bis nach Bormio verläuft.

In Tresenda trifft die Edolo kommende SS38 nach einigen Serpentinen auf die SS39. Von dort waren es dann nur wenige Kilometer bis Tirano, der italienischen Endstation des Schweizer Bernina-Express.

Nach einem gemeinsamen Kaffee am Bahnhof fuhren wir hinaus aus der kleinen Stadt zur Stilfserjochstraße SS38 einmal vorbei, einmal durch einen der Tunnels die letzten rund 40km bis Bormio.

Unser Hotel Miramonti Park lag fast im Zentrum des Ortes, und so war natürlich eine Runde im alten Bormio angesagt, auf der Suche nach einem Restaurant, wo es nicht nur Pizza gab.

Wir fanden dann Sunrise Restaurant con pizerria, ein Lokal, das von außen klein und unscheinbar wirkte, aber eine Spitzen-Trattoria war, wo wir das Glück hatten, ohne Reservierung und Wartezeit einen Tisch für drei Personen zu bekommen.

Vom Iseosee bis Bormio

Über den Stelvio ins obere Salzachtal nach Mittersill

Nach dem ausgiebigen Frühstück waren die Motorräder rasch gepackt und wir schon auf dem Weg hinaus aus Bormio. Die Scheitelhöhe des Stilfserjoches war nur unglaubliche 20 km entfernt. Wir fuhren zwar gemeinsam los, hatten uns aber geeinigt, dass jeder seine eigenen Fotostopps machen sollte und wir uns oben wieder treffen.

Insgesamt 87 Kehren lagen vor uns, hinauf von Bormio aus sind es 39 und 48 hinunter nach Prad. Da war unsere Fahrt über den Passo del Vivione am Vortag eine gute Einstimmung, der zwar deutlich kürzer, aber mit seinen einspurigen Haarnadelkurven um Einiges herausfordernder war.

Der Stelvio wurde am 22. Mai nach der Wintersperre geöffnet worden und wir waren wenige Tage später, am 27. Mai dort. Das noch dazu am frühen Vormittag und mitten in der Woche, da war der Ansturm noch nicht so groß.

Obwohl auf dem Pass dann schon ziemlich viele Motorräder parkten, war davon bei der Auffahrt nichts zu spüren und die wenigen PKWs und Wohnmobile leicht zu überholen. Auch der Gegenverkehr war harmlos, ich kann mich nur an ganz wenige Zusammentreffen in einer der Kurven erinnern.

Den Blick hinunter von der Tibet-Hütte sollte man sich auch nicht entgehen lassen, sie war aber noch nicht geöffnet. Der Geruch von frisch gekochtem Gulasch deutete aber darauf hin, dass das nicht mehr lange dauern würde, am Wochenende würde man es schon essen können. Wir genossen dafür mit vielen anderen den Ausblick auf die Ortler-Gruppe und den Verlauf der Straße hinunter Richtung Norden nach Prad.

Während wir vor wenigen Tagen noch über 30 Grad hatten, waren hier oben noch einige Schneewächten mehr als 2 Meter hoch. Der Pass ist ja mit seinen 2757 Metern nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste befahrbare Gebirgspass der Alpen.

Nach der genussvollen Abfahrt über 48 Spitzkehren gönnten wir uns einen Mittagskaffee in Prad, bevor es weiter hinunter in den Vinschgau Richtung Meran ging.

Dabei hatten wir uns grob verschätzt. Wir waren vom vielen Verkehr und den damit verbundenen Staus auf dieser Strecke von rund 50 km bis Meran überrascht. Das kostete trotz Vorfahrens über weite Strecken ungefähr die doppelte Zeit als geplant war. Durch Meran und hinauf bis St.Leonhard im Passeier war dann schon ein Vergnügen und die Auffahrt auf den Jaufenpass kann man eigentlich nur genießen.

Am Scheitelpunkt fanden wir eine komplett neu gebaute Edelweiß-Hütte, die mit ihrer rustikalen Vorgängerin nur den Namen und die Betreiber gemeinsam hat. In nur wenigen Monaten wurde das architektonisch interessante Gebäude aus und vor allem auch in den Boden gestampft, da sich ein Teil unterirdisch befindet. Die riesengroßen Torten, wegen denen nicht nur Biker hielten, gibt es auch noch.

Wir genossen das Essen und das Sitzen in der Sonne, bis es Zeit war, uns hinunter Richtung Pustertal in Bewegung zu setzen. Jetzt muss man wissen (einige die öfter mit mir fahren, wissen das …), dass ich sehr nachlässig beim Abziehen des Zündschlüssels bin. Das ist beim Photostopp kein Problem, bei einer einstündigen Mittagspause aber schon. Die Crosstourer machte keinen Mucks, nicht einmal die  Kontrolllampen leuchteten, so leer war die Batterie.

Aber ich bin da schon geübt, ich hatte das Problem aus ähnlichen Gründen Im Vorjahr bei meiner Fahrt in die Schweiz am Molvenosee. Die Nummer des ÖAMTC kannte ich fast auswendig, ich schilderte mein Problem und dann hieß es vorerst zu warten. Ich schickte Franz und Werner los, damit zumindest sie noch rechtzeitig die letzte Auffahrt auf den Stallersattel Richtung österreichisches Defereggental erreichten.

Bald kam eine SMS mit der schon bekannten Info, dass in diesem Gebiet das Fahrzeug nur zur nächsten Werkstatt abgeschleppt werde. Beim nächsten Anruf des Pannendienstes überzeugte ich die nette Mitarbeiterin, dass ich nur Starthilfe brauchte und nach 40 Minuten kam ein junger Mann angefahren und mit seinem Booster lief mein Bike Sekunden später wieder.

In der Zwischenzeit war es 15:30 und ich hatte noch eine Reststrecke von 200 Kilometern bis zum Hotel in Mittersill. Nach einem Donnergrollen begann es leicht zu regnen, aber bis ich unten war, war es schon wieder vorbei und ich nach wenigen Minuten wieder trocken. Bis Sterzing ging es dann recht flott, nach einem kleinen Abbiegefehler war ich endlich im schönen Pustertal. Dachte ich zumindest. Aber schön war da gar nichts mehr.

Baustellenlöcher und Umleitungen bei der Pustertal-Staatsstraße wird es da noch die nächsten paar Jahre geben. Und irgendwie sieht es so aus, wie wenn ich im Juli auf dem Weg in die Schweiz wieder dort durchfahren würde. Weil es schon so spät war, ließ ich den Stallersattel aus und fuhr von Lienz wieder einmal Richtung Felbertauerntunnel, in der Hoffnung dass die schwarze Wolke über mir nicht auslässt. Aber leider, auch das dritte Mal durch diesen Tunnel erwischte mich der Regen wieder. Aber bis hinunter nach Mittersill war ich schon wieder trocken, da wurde es am späten Abend sogar nochmals sonnig.

Im Gasthaus gegenüber unseres Hotels warteten Franz und Werner bereits mit einem Bier, womit der letzte gemeinsame Abend der Sardinien-Tour zu Ende ging.

Von Bormio bis Mittersill

Von Mittersill heim

Da jeder von uns ein anderes Ziel hatte, Franz in der Steiermark, Werner im Ötscherland und ich im Triestingtal, fuhren wir getrennt los. Das Ennstal durchquerte ich von Schladming bis Rottenmann auf Nebenstraßen um dem Stau-Hotspot Liezen auszuweichen.

Von dort bis Leoberdorf im Südlichen Niederösterreich nahm ich dann die Autobahn, was außer einem kleinen Regenguß ohne besondere Ereignisse blieb. Und so erreichte ich nach einer Tagesetappe von 368 Kilometern bei 30 Grad das heimatliche Carport.

Die letzte Etappe von Mittersill bis Enzesfeld

Fazit

Die Strecke von 4367,5 km bei insgesamt 11 Fahrtagen war geprägt vom Wetterglück. Während daheim und im nördlichen Italien extrem schlechtes Wetter herrschte, wichen wir  bei der Hinfahrt so gut aus, dass wir in 4 Tagen nur rund eine halbe Stunde wirklich im Regen fuhren und das trocknet der Fahrtwind bis  zum Abend wieder.

In Sardinien selbst gab es gleich am ersten Abend ein Gewitter und das wars dann. Am Heimweg ist der Felbertauern für mich immer die Strecke im Regen, jetzt werde ich ihn nicht mehr so schnell wieder fahren.

Wenn man aus Niederösterreich, dem Land der Kreisverkehre kommt, glaubt man das sei nicht mehr zu toppen, aber im Vergleich zu Sardinien und Italien stammen wir diesbezüglich aus einem Entwicklungsland. So viele auch mehrspurige Kreisel gibt es bei uns bei weitem nicht.

Und was ich noch gelernt habe: Obwohl Österreich die höchsten Spritpreise der ganzen Welt hat, mit den höchsten Steuern überhaupt, haben wir in Italien zwischen 2,00 und 2,10 Euro fürs Benzin gezahlt, während es in der Heimat um 1,80 bis 1,90 Euro pro Liter zu haben war.

Noch etwas, das uns aufgefallen ist: die italienischen Autofahrer sind nicht nur gegenüber Motorrädern zuvorkommend und rücksichtsvoll, das ist man als gelernter Österreicher gar nicht gewohnt.

Und überhaupt, die gut 4000 Kilometer waren abwechslungsreich und spannend und es hat fast immer Spaß gemacht, das erleben zu dürfen.

7 – Längs durch Tirol und dabei gleich über drei Mautstraßen gefahren

Zuerst die Zillertaler Höhenstraße, dann der Gerlospass und zum Abschluss nochmals der Felbertauern waren die drei Mautstraßen, die ich mir am zweiten Heimreisetag aus der Schweiz vorgenommen hatte.

Von Nauders am Reschenpass bis Kals am Großglockner

Der Morgen war um 7 Uhr grau und neblig vor meinem Hotelfenster in Nauders. Der Radio-Wetterbericht und auch die Wetterapps versprachen aber fast unisono, dass sich der Nebel im Lauf des Vormittags lichten sollte. Nach dem Frühstück, eine Dreiviertelstunde später, waren es nur mehr einige Hochnebelschwaden vor einem strahlend blauen Sommerhimmel. Da machte das Packen des Motorrads gleich wieder Spaß und ich schwang mich bald hinauf und fuhr den Reschenpass hinunter Richtung Imst.

Nach wenigen Kilometern gab es den ersten erzwungenen Stopp wegen der gefühlt hundertsten Baustellenampel (naja, zwanzig waren es sicher in den letzten 6 Fahrtagen) bei der mittlerweile aus dem Ö3 Verkehrsdienst bekannten Kajetansbrücke. Ich habe aber trotzdem keine einzige fotografiert, obwohl ich bei einigen mehr als genug Zeit dafür gehabt hätte.

Mein Plan war, bei der Abzweigung ins Kaunertal auf die kleinere Strecke über die Pillerhöhe, die mir letztes Jahr so gefallen hatte, zu fahren. Aber irgendwie verpasste ich sie bei meiner Konzentration auf die nächste Tankstelle und so fuhr ich halt durch den knapp 7 km langen Landecker Tunnel und gleich auf die A12, die Inntal-Autobahn Richtung Innsbruck.

Die Abfahrt ins Ötztal verpasste ich dann nicht und so fuhr ich von Ölz aus wie geplant hoch ins Kühtai. Im oberen Bereich befinden sich auch mehrere Almen, daher fühlen sich die Kälber und Jungstiere sehr wohl und beobachten gelangweilt vom Straßenrand oder manchmal auch von der Fahrbahnmitte die vorbeifahrenden Biker mit und ohne Motor, dass es nicht schadet, vorausschauend zu fahren. Die Tiere haben eine Körpermasse, die einen Biker auf jeden Fall stoppt. Die Kuhfladen sind auch zu beachten, neben dem Geruch sind sie auch recht rutschig und werden daher nicht ohne Grund von so manchem Biker „Bauerneis“ (im Gegensatz zum schmackhaften Bauernhofeis) genannt. Aber nein, der Bauer ist zumindest in Österreich nicht dafür verantwortlich, sie sofort zu beseitigen, sondern wir Biker, die ja bewusst die Almstraße befahren, auch wenn die Rechtsprechung in Deutschland laut Internet eine andere ist.

Vom Schi- und Wanderdorf Kühtai ging es dann wieder hinunter ins malerische Sellraintal bis zur Autobahnauffahrt Zirl-Ost und weiter Richtung Innsbruck und dann bis zur Abfahrt Jenbach, wo ich auf der Bundesstraße dem Stau bei der Abfahrt Wiesing und dem Tunnel ins Zillertal größtenteils entging.

Hier stärkte ich mich mit einem riesigen Käsebrot und einem Häferl Buttermilch für die weitere Tour. Ein deutsches Ehepaar, das aus der Gegenrichtung kam, fragte , ob diese Seite auch so schmal und eng sei. Ich konnte nur bejahen, stellte aber dann auf der Weiterfahrt fest, dass mein erster Teil, also ihre zweite Hälfte, bedeutend enger und steiler war.
Bald war auch dieses coole Erlebnis mit vielen Kurven und einem tollen Panorama zu Ende und ich landete in Hippbach wieder auf der Bundesstraße.

Die Abzweigung zum Gerlospass verweigerte meine Navi-Susi, weil ich sie instruiert hatte, keine Mautstraße zu fahren. Die Zillertaler Höhenstraße dagegen dürfte ihr auch gefallen haben, da war sie nicht so kleinlich. So fuhr ich gegen ihre Vorschläge, umzukehren, einfach weiter und folgte der kurvigen Straße bis zur Mautstation. Die Maut für Motorräder beträgt 2025 9 Euro, bei PKWs werden 12,50 Euro fällig. Die Eigenbeschreibung  auf der Homepage „Österreichs sanfteste Passstraße“ trifft auf jeden Fall zu, die Kurven sind langgezogen und breit und wirklich für jeden Fahrer prolemlos zu meistern.

Bald erreichte ich den ersten Parkplatz gegenüber der Krimmler Wasserfälle. Man hat hier einen sehr guten Blick auf die größten Wasserfälle Europas. Da wir die Wasserfälle schon vor einigen Jahren besucht hatten, genügten mir für diesmal einige Fotos.

Nun fuhr ich auf der B165, der Gerlosstraße hinunter in den Salzburger Pinzgau. Meinen Plan, heute noch über den Großglockner zu fahren, gab ich auf dem Weg nach Mittersill auf, ich wäre nach bereits gefahrenen 300 km erst um 16:30  bei der Mautstelle gewesen und es um diese Zeit bereits regnen hätte können.

So hatte ich mit dem kürzeren Weg durch den Felbertauern-Tunnel die Chance, noch trocken im Hotel in Kals anzukommen. Und genau so war es, während ich schon unter der Dusche stand, begann es zu regnen.

Meine Freunde, die mich die letzten beiden Tage nach Hause begleiten wollten, wurden auf der Kalser Glocknerstraße noch vom Regen erwischt. Wir konnten aber danach doch noch das gemeinsame Abendessen auf der Terrasse genießen.

Pässeliste und die Route am zweiten Heimreise-Tag

Reschenpass

Kühtaisattel

Zillertaler Höhenstraße

Gerlospass

Felbertauern

Kurviger-Route: https://kurv.gr/RQRWQ

Hier geht’s zur nächsten Etappe

2 – Der Tag der nicht gefahrenen Straßen

Beim Motorradfahren ist ja im Prinzip der Weg das Ziel. Wenn man aber an einem Tag gleich mehrere Straßen nicht fahren kann, ist es doch frustrierend. Wie es dazu kam, beschreibe in der zweiten Folge dieser Serie.

Von Fusch im Land Salzburg bis Panchia im Trentino

Am am Morgen zeigten die Kameras am Großglockner Nebel und eine Temperatur von 1 Grad. Der Schnee lag zwar nicht auf den Straßen, aber Glatteisgefahr bestand trotzdem und so war die Sperre für Motorräder noch nicht aufgehoben. So blieb mir als Alternative nur der Felbertauern mit seinem Scheiteltunnel. Die Möglichkeit auf der anderen Seite, die Bahnverladung zwischen Gastein und Mallnitz, bestand auch noch nicht. Diese wurde erst am Wochenende darauf nach den wochenlangen Revisionsarbeiten geöffnet.

Und so dachte ich da noch, dass die Großglockner-Hochalpenstraße die einzige sein würde, die ich an diesem Tag nicht wie geplant befahrenen konnte. So startete ich über die da noch nicht so stark befahrene B168 nach Mittersill, von wo die B108 über den Felbertauern führt. Dabei hatte ich einen wunderbaren Blick auf das von der Morgensonne angeleuchtete Kitzsteinhorn und konnte bis zum Tunneleingang noch ein paar Fotostopps einlegen. Die Maut von 12 Euro für ein Motorrad (2025) ist nach dem 5313 m langen Tunnel auf Osttiroler Seite zu bezahlen. Dann führt die Straße mit vielen langgezogenen Kurven über Matrei hinunter bis zur Bezirkshauptstadt Lienz.

Mein nächstes geplantes Highlight des Tages sollte die Pustertaler Höhenstraße sein. Wenige Kilometer nach Lienz, bei Leisach weist ein Schild rechts auf die gut 35 km lange Panoramastraße, die in vielen meist gut ausgebauten Kurven bis auf rund 1500 m hinauf führt. Der Ausblick auf die gegenüberliegenden Lienzer Dolomiten und die Durchfahrt durch die kleinen Dörfchen macht diese Strecke so reizvoll.

Doch wenige Kilometer bevor die Straße in Abfaltersbach wieder in die B100 einmündet, ging nichts mehr, Totalsperre wegen Bauarbeiten. Also umdrehen und rund die Hälfte zurück, bis die St.Justiana Landesstraße hinunter ins Tal nach Mittewald führt. Aber für den Motorradfahrer ist ja eh der Weg das Ziel und ich dachte, dass das die letzte nicht vollständig gefahrene Straße für diesen Tag sein sollte.

Kurz vor der Grenze bei Silian füllte ich noch den Tank meiner Crosstourer auf, um nicht gleich in Italien tanken zu müssen und fuhr danach bei Toblach auf der SS51, der Strada d’Alemagna, Richtung Süden bis Schluderbach. Schon in der Provinz Venetien, wollte ich die Mautstraße zur Auronzohütte bei den Drei Zinnen hinauf fahren. Gleich zu Beginn gibt es zwei Serpentinen, wo ich warten musste, weil gerade zwei Busse herunter fuhren und dabei reversieren mussten. Dann ging es vorbei an einem kleinen Bergsee, dem Lago Antorno weiter bis sich das Tal mit einem großen Parkplatz öffnete und die 3 Zinnen genau vor mir standen.

Der Schranken der Mautstraße weiter zur Auronzohütte blieb mir aber verschlossen, seit Sommer 2025 braucht man ein vorreserviertes Online-Ticket. Leider wusste das die Homepage vor einigen Monaten noch nicht und so war meine Überraschung perfekt. Jetzt war das die dritte Straße an einem Tag, die ich nicht so fahren konnte wie ich wollte.

Bevor ich wieder hinunter zur SP49 fuhr, machte ich beim Lago Antorno Halt für einen Cappuccino und einen Apfelstrudel und natürlich für einige Fotos.

Weiter ging es den Misurinapass hinunter und weiter über den Passo Tre Croci Richtung Cortina di Ampezzo, wo es wieder die dort üblichen Staus gab. Nach längerem Schritttempo und einigem Durchschlängeln erreichte ich am westlichen Ende der Stadt die Auffahrt zum Passo Giau. Der Ausblick von der Passhöhe über die Marmolada, Sellagruppe, Drei Zinnen, Nuvolau, Cristallo, Tofane usw. ist fast nicht mehr zu toppen.

Der Passo di Valles mit seinen etwas mehr als 2000 Metern Höhe ist gemütlich zu fahren und führt hinab nach  Predazzo, wo bald das Schisprung-Stadion für die Olympiade 2026 fertig werden sollte.

Da ich leider nicht so einfach stehenbeliben konnte: Die Bauststelle für das Schispungstadion in Predazzo für die Olympiade 2026 im März 2025, Copyright: http://berkutschi.com

Nur noch wenige Kilometer weiter im Val di Fiemme liegt mein Tagesziel Panchia, wo ich direkt an der Hauptstraße im Hotel Rio Bianco mein Zimmer reserviert hatte. Das Zimmer war ruhig und sauber, das Steakhaus, das zum Hotel gehört, ist meiner Meinung nach sogar einen kleinen Umweg wert.

Die zweite Tagesetappe und die Pässeliste

Felbertauern

Pustertaler  Höhenstraße

Mautstraße zur Auronzohütte

Passo Tre Croci

Misurinapass

Passo Giau

Passo di Valles

Kurviger Route: Fusch – Panchia

Und hier geht’s zum dritten Fahrtag:

Von Panchia nach Edolo

1 – Bis zum Glockner und dann doch nicht drüber

Quer durch Österreich über den Drehort der „Bergretter“ bis zum Fuß des Großglockners verlief die erste Tagesetappe auf meinem Weg in die Schweiz. Was ich dabei gesehen und erlebt habe, erzähle ich im ersten Teil dieser Blog-Serie.

Von Enzesfeld bis Fusch an der Glocknerstraße

Ursprünglich hatte ich ja meine Reise in die Schweiz von Dienstag bis Samstag geplant und freute mich schon, dass es nicht so heiß wie in der Woche davor sein sollte. Als aber der Sonntagabend mit einem Gewitter begann und der Starkregen auch am Montag nicht enden wollte, beschloss ich den Start auf Mittwoch zu verschieben.

Booking.com ließ mich bis auf ein Hotel im Trentino alle umbuchen und jetzt weiß ich, dass ich in Zukunft auf Storno bis zum letzten Tag achten werde. Das ist zwar Lehrgeld, daß weh tut, aber andererseits hatte ich die Chance, am Mittwoch nicht mehr nass zu werden. Und diese Chance nützte ich.

Im Lauf des Dienstags, der komplett verregnet war, kamen dann die Nachrichten von 30 cm Neuschnee am Stelvio (Stilfser Joch) und dann auch noch vom Großglockner mit 20 cm. Den sollte ich dann von meinem Quartier in Fusch an der Glocknerstraße am Mittwoch Abend auch noch sehen.

Aber alles der Reihe nach. Der Regen hatte daheim in der Nacht aufgehört und so waren die Straßen zumindest trocken. Um der Baustelle auf der Autobahn auszuweichen, fuhr ich bis Neunkirchen die gewohnten kleinen Straßen und von dort auf der Semmering-Schnellstraße bis Mürzzuschlag und dann über Neuberg an der Mürz und das Niederalpl bis Gußwerk. Hier bog ich ins Salzatal auf der Hochschwab-Bundesstraße Richtung Wildalpen ab. Diese Straße ist allen zu empfehlen, die gerne flotte langgezogene Kurven  in einer wunderschönen Landschaft fahren.

Nach einem kurzen Stück auf der B25 bog ich nach Palfau ab, den Autos folgend, die dort die Rafter und Paddler aus der Salza wieder aufnahmen. Weiter ging es über den Erbsattel bis kurz vor St.Gallen links die Burgruine Gallenstein herunterblickte. Sie war vom 13. bis Ende des 19. Jahrhunderts Fluchtburg und Verwaltungssitz de 1074 gegründeten Stiftes Admont. Um die Dachsteuer einzusparen, wurde wie bei vielen anderen Burgen, z. B. auch der Burgruine Rauhenstein in Baden, 1832 das Kupferdach abgedeckt und die Burg dem Verfall überlassen. So entstand die jüngste Burgruine der Steiermark.

Weiter ging es über den Buchauer Sattel und dem Vorschlag der Kurviger App auf der Passhöhe einer kleinen Seitenstraße folgend hinunter Richtung Benediktinerstift  und der größten Klosterbibliothek der Welt, für das ich heute keine Zeit hatte.

Auf der Gesäusestraße, wo von weitem die Wallfahrtskirche Frauenberg herunterblickte, die ich 2016 besucht hatte, fuhr ich weiter nach Liezen. Von damals stammen auch die vier nachfolgenden Fotos.

Um der eintönigen und stark befahrenen Ennstal-Bundesstraße auszuweichen, fuhr ich in Liezen links weg, vorbei am Fliegerhorst Fiala Fernbrugg in Aigen über kleine Landesstraßen bis Prüggern. Kurz vor Haus im Ennstal ging es dann gleich wieder weg und hinauf Richtung Ramsau am Dachstein. Direkt an der Straße, auf der Gemeindegrenze Haus–Ramsau, steht der Trutstein, ein etwa 10 m hoher isolierter Felsturm.

Bald danach befindet sich seit 1434 die älteste die älteste Lodenwalke der Welt, die sicher auch interessant zu besichtigen gewesen wäre. Ramsau am Dachstein ist auch seit 2009 der Hauptschauplatz und Drehort für die ZDF-Fernsehserie „Die Bergretter“. Es ist aber auch der Einstieg in die Dachstein Südwand und Talstation der Panoramagondel auf den Dachstein.

Der nächste Ort Filzmoos liegt bereits im Bundesland Salzburg. Von dort ist es nicht mehr weit nach Eben im Pongau, von wo die landschaftlich recht schöne B99 bis Bischofshofen führt.

Nach einem Tankstopp leitete mich mein Navi entgegen meiner Planung am PC daheim, auf die B311 und St.Johann im Pongau statt über Mühlbach am Hochkönig und Dienten. Aber wer weiß,  wofür es gut war,es begann nämlich nun wirklich zu regnen und ich war froh, auf dem schnellsten Weg noch trocken mein Quartier in Fusch an der Glocknerstraße zu erreichen.

Dem Bergweltklischee folgend gab es nach einem kleinen Fußmarsch in den Ort zum Abendessen im Hotel Römerhof noch ein Wildererpfandl.

Die erste Tagesetappe mit der Pässeliste

Niederalpl

Erbsattel

Buchauer Sattel

Kurviger-Route: Enzesfeld-Fusch/Glocknerstraße

Und hier geht es zum zweiten Tag:

Der Tag der nicht gefahrenen Straßen