Das gemütliche Abendessen mit Freunden im Restaurant des Hotels „Tiefenbrunner“ in der Kitzbüheler Innenstadt mit einem Schweinsbraten, der ein Gedicht zum Weiterempfehlen war und ein paar Achterl Rotwein in der Leo Hillinger Weinbar waren der richtige Abschluss dieses Tourtages und des ersten Abends wieder in Österreich.
Zwei Pässe im Trockenen, ein langer Tunnel und viel Autobahn
Nach einem guten Frühstück in der gemütlichen Pension Rainhof war ich bald so weit, dass ich meine Crosstourer wieder mit den Koffern bestücken konnte und mich auf die Fahrt zu meinem Zwischenziel Lienz machte.
Vorbei am größten Tennisstadion Österreichs, dem Veranstaltungsort der Generali Open 2026, das erst in der Woche davor stattgefunden hatte, fuhr ich hinaus aus der Stadt Richtung Süden. Einige Ortschaften weiter musste ich einen kurzen Stopp einlegen, die Berge der Kitzbüheler Alpen leuchteten gerade noch in der Morgensonne.

Ab Jochberg, der auch der alte Name des Pass Thurn ist, ging es die schön ausgebaute B161 mit einigen wenigen Serpentinen bis zum Scheitel auf 1273 Metern hinauf.

Von hier weg bis auf den Felbertauernpass quer durch das obere Salzachtal ist es ein kleiner Abstecher ins Bundesland Salzburg. Der Blick ins Tal auf der Südseite des eigentlich recht niedrigen Passes und die gegenüberliegenden Berge vom Grossvenediger bis zum Kitzsteinhorn waren atemberaubend schön.



Ich fuhr weiter vorbei an Mittersill, wo ich erst vor wenigen Wochen auf der Rückfahrt von Sardinien übernachtet hatte, hier im dazugehörigen Blog nachzulesen.
5: Von Savona zum Iseosee, bis über den Stelvio und von Mittersill heim
Von hier aus war es die B108, die durch das Tal hinaufführte, wo der morgendliche Kontrast zwischen dem schattigen Tal und den sonnigen Berghängen noch besonders schön war. Für mich war das beinahe unwirklich, da ich den Felbertauern, ich konnte es fast nicht glauben, das erste Mal ohne Regen erleben durfte. Meine regelmäßigen Leser wissen was ich meine.




Und schon war das Nordportal des Tunnels erreicht. In der Mitte ist wieder die Landesgrenze zu Osttirol und nach fünfeinhalb Kilometern und der Bezahlung der Mautgebühr von 12 Euro ging es wieder hinab Richtung Matrei und Lienz, wo ich mich schon auf meinen ersten Verwandtenbesuch dieses Tages freute.


Einige Stunden später ging es wieder weiter, ich hatte ja noch rund 250 Kilometer bis zu meinem Tagesziel in Voitsberg vor mir.
Dazu gibt es nicht mehr sehr viel zu erzählen, die Strecke führte auf der B100 über Oberdrauburg und Greifenburg bis Spital an der Drau, wo ich bis Villach auf die Tauernautobahn A10 wechselte. Damit wirkte das Kilometerfressen, ich hatte die ersten 100 km bereits hinter mir.
Also beschloss ich angesichts der fortgeschrittenen Zeit weiter auf der Autobahn zu bleiben und wechselte auf die A2 Richtung Wien. Der Verkehr war entlang des Wörthersees ziemlich dicht, auch eine Baustelle bremste den Schwung und so war ich froh, als Klagenfurt vorbei war und ich rasch durch die Tunnelkette Richtung Pack fahren wollte.
Der erste Teil ging ja recht schnell, ich hatte aber vergessen, dass der Abschnitt zwischen Bad St. Leonhard in Kärnten und Steinberg in der Steiermark, wo ich abfahren wollte, mit drei großen Tunnels generalsaniert wird. Darum gab es hier immer wieder kleine Staus und Gegenverkehrsstücke ohne viele Möglichkeiten zum Überholen. Ich war dann froh, bei der Abfahrt Steinberg zu sein, die auch alle kennen, die gar nicht so oft dort fahren, aber den Ö3 Verkehrsdienst hören.
Hier traf ich auf das nördlichste Stück der Schilcherweinstraße, die nicht nur für die Liebhaber dieser autochtonen Weinsorte Blauer Wildbacher interessant ist, sondern aufgrund der Streckenführung zwischen Ligist im Norden und Eibiswald im Süden auch für uns Motorradfahrer ein landschaftlicher Leckerbissen ist.
Von Ligist waren es dann nur mehr wenige Kilometer auf der Packer Bundesstraße B70 bis zu meinem Ziel dem Hotel Braun im Zentrum von Voitsberg. Nach dem problemlosen Self-Checkin in mein sehr geräumiges und modernes Zimmer setzte ich mich nochmals aufs Motorrad zu meinem nächsten Verwandtenbesuch einige Kilometer entfernt.
Die Route am fünften Rückreisetag

Der letzte Tag der Heimfahrt
Nach einem gemütlichen Frühstück in der Bäckerei Sorger gegenüber meines Hotels bestückte ich wieder die Koffer meiner Crosstourer.
Dabei fiel mir die interessante Fassade des Arik-Brauer-Rathauses auf. Die Front ist mit 120 m2 handgemalten Fliesen des Phantastischen Realisten Arik Brauer bestückt. Während ich schon wieder am Rückweg zu meinen Motorrad war, begann auf einmal ein Glockenspiel mit sechs Keramikfiguren zu spielen. Diese wurden, wie ich später feststellte, ebenfalls vom Künstler gestaltet und verschwinden nach dem Spiel hinter zwei Rollos. Sie stellen Liebe, Gerechtigkeit, Naturschutz, Mut, Frieden und Klugheit dar und passen so sehr gut zur dabei erklingenden Melodie.



Leider war ich trotzdem zu überrascht vom Erzherzog Johann Jodler, dass ich keine Zeit für ein Foto hatte. Er ist zwar keine offizielle Landeshymne, gilt aber als inoffizielle Hymne der Steiermark und kann als Lob an Erzherzog Johann von Österreich (1782-1859) verstanden werden, der die Steiermark entscheidend geprägt hat.
Jetzt begannen die letzten 180 km dieser Tour und ich wollte bis zu Mittag zuhause sein. Darum sollte es zuerst über die Hügel bis ins Murtal bei Gratkorn gehen. Über die L317 und die Ruppbauernhöhe und weiter auf der L316 erreichte ich bald St.Bartolomä mit seinen beiden Kirchen und einigen Serpentinen mitten im Ort. Die Neue Kirche wurde von 1864 bis 1867 im neugotischen Stil als Ersatz für die einsturzgefährdete Alte Kirche errichtet, die um das Jahr 1200 erbaut wurde.


Landschaftlich wunderschön ging es weiter bis Gratwein. Die Grazer Bundesstraße B67 führte mich das Murtal hinauf und ist zwar landschaftlich und fahrtechisch nicht besonders aufregend, auch wegen der parallelen Autobahn A9, von der bald die S35 abzweigt. Ihr folgte ich auf der L121, der Brucker Begleitstraße. In Peggau fiel mir ein moderner Kirchturm auf, der zur 1906 erbauten evangelischen Friedenskirche gehört. Dieser ersetzte im Jahr 1967 mit seinem durchbrochenen und dadurch sehr auffälligen Helm den ursprünglichen viel niedrigeren und gedrungen Turm.

Wenige Kilometer weiter liegt am Hang des gegenüberliegenden Murufers die 900 Jahre alte Burg Rabenstein. Sie ist heute eine exklusive Eventlocation, bei der mir besonders die oberhalb der Burg fast freischwebende „Keusche“ aus Cortenstahl und Glas auffiel. Sie ist mit einem Lift aus der Burg erreichbar. Aber auch die Burg selbst ist vom darunter liegenden Parkplatz mit einem Panoramalift erreichbar. Das Video auf der Homepage dazu ist wirklich beeindruckend. Wer dann noch das nötige Kleingeld besitzt, kann laut Wikipedia gleich das ganze Ensemble um wohlfeile 10 Millionen Euro erwerben.

Die Altstadt von Frohnleiten leuchtete malerisch in der Sonne, als ich die Murbrücke überfuhr. Sie ist sicher eine Besichtigung wert, wieder ein Grund mehr, auch den diesen Teil des rund 450 km langen Murradweges R2 einmal zu fahren.


Den südlichen Teil sind wir 2024 ein schönes Stück gefahren:
In der Südsteiermark
In Röthelstein liegt direkt neben der Straße ein unscheinbarer Bau, der fast nur durch seine thailändische Beschriftung auffällt, der buddhistische Tempel Buddhadham.

Bei Mixnitz nützte anscheinend eine der Einsatzorganisationen den Staubereich des Murkraftwerks für Übungsfahrten mit dem Motorschlauchboot, wie ich bei einer Trinkpause (dieses Wort kenne ich in der Form auch erst seit der Fußball-WM) beobachten konnte.





Ab dem Knoten Bruck nahm ich die S6 Semmering Schnellstraße bis zur Abfahrt Mürzzuschlag, weil ich die lange Semmering Tunnelkette über die alte Passstraße umfahren wollte.
Auf der Passhöhe steht das monumentale Carolus-Denkmal, das daran erinnert, dass Kaiser Karl VI mit seiner Gemahlin Elisabeth Christine, seiner Tochter Maria Theresia
und seinem 1500 Mann starken Gefolge am 21. Juni 1728 den Semmering ohne Zwischenfälle überqueren konnte. Dass dafür die gesamte Passstraße in nur 48 Tagen komplett geschottert wurde, ist heute beinahe unvorstellbar.

Für meine nichtösterreichischen Leserinnen und Leser: Am 27. und 28. Dezember 2025 fand der Ski-Weltcup Semmering 2025 der Damen am Hirschenkogel statt und feierte sein 30-jähriges Jubiläum.
Daran dachte ich aber angesichts der 39 Grad nicht, als ich rund eine Stunde später nach 6 Tagen und 1745 Kilometern müde, aber sehr zufrieden daheim eintraf.

Die Route am letzten Rückreisetag

