Tag 3: Ein Wasserfall, alte Kartäuser, eine versunkene Kirche und viele Kurven bis zum eisigen Ortler

Von meinem dritten Tourtag über das Penserjoch bis ins Sarntal und Schnalstal und abschließend in das Seitental des Stilfserjochs hinauf nach Sulden erzähle ich in diesem Blog.

Ein Wasserfall vor dem Frühstück

In der Nacht gab es ein ordentliches Gewitter und ich war froh, dass meine Crosstourer in der Garage stehen haben konnte. Am Morgen war es schon wieder fast aufgetrocknet und die Sonne kam heraus. Das war eine gute Gelegenheit, den untersten der drei Reinbach-Wasserfälle noch vor dem Frühstück zu besichtigen. Der Weg vom Hotel zum Einstieg in den Wanderweg dauerte nur wenige Minuten, dann ging es vorbei an der „Wasserfallbar“ beim Parkplatz entlang eines Wildbaches leicht ansteigend 20 Minuten den Wald hinauf entlang des Besinnungswegs zum Heiligen Franziskus bis zur ersten von drei Kaskaden, die über die Felswände herabstürzen.

Der Besinnungspunkt „Schwester Wasser“ direkt vor dem Wasserfall zeigt eine moderne Herz-Jesu-Darstellung. Jesus Christus, auf einem Felsen sitzend, gibt aus der Mitte des Herzens strömendes Wasser an die dürstende Menschheit weiter.

Da sich zeitlich die anderen beiden Fälle nicht ausgingen, musste ich umkehren. Der Rückweg bergab ging noch etwas flotter und in dieser Zeit wurde es, wie die Bilder zeigen, immer dunkler und innerhalb weniger Minuten schüttete es und ich wechselte in den Laufschritt, war aber trotzdem dann so nass, dass ich mich fürs Frühstück umziehen musste.

Ich beschloss danach, noch eine Stunde zu warten, bevor ich mein Motorrad aus der Garage holte. In der Zwischenzeit wurde es wieder sonniger und so blieb es dann den ganzen Tag.

Auf zum Penserjoch

Mein Weg brachte mich mit meiner Crosstourer wieder das Ahrntal hinaus bis kurz vor Bruneck, von wo ich die Pustertalstrasse SS49 bis Sterzing nahm. Nachdem wir im Mai bei unserer Rückfahrt von Sardinien über den Jaufenpass gefahren waren, wollte ich diesmal das Penserjoch Richtung Süden nehmen.

Einige Abschnitte wurden in den Wochen davor neu asphaltiert und luden zu einer flotteren Fahrweise ein und machten richtig Spaß. Dabei sollten die Verkehrsregeln und die Regeln für ein gedeihliches Miteinander nicht vergessen werden, damit wir auch in Zukunft die Pässe Südtirols genießen können. Diese Rücksichtnahme wird von der Landesregierung explizit erwartet, weil zu lautes oder aggressives Fahren steht politisch besonders im Fokus.

Neue Regeln für Motorradfahrer in Südtirol

Es gibt ja seit 19. Juni 2026 einige neue Regeln für uns Biker, die zu beachten sind. Auf einer Reihe von Pässen sind „Organisierte Motorsportveranstaltungen“ ab diesem Zeitpunkt verboten. Was das genau bedeutet, könnt ihr in diesem Blog von Calimoto nachlesen. Aber für individuelle Fahrten allein oder mit einigen Freunden gibt es zumindest 2026 keine Einschränkungen.

Trotzdem weiterhin Pässe-Spaß

Das letzte Stück vor der Passhöhe war aber aktuell eine Baustelle mit Ampelregelung. Nach einem Rundumblick genehmigte ich mir einen Kaffee und einen Apfelkuchen, bevor ich mich wieder aufs Bike schwang um die Kurven hinunter nach Bozen zu genießen.

Im Tal war es in der Zwischenzeit schon wieder heiß geworden und so nahm ich die mautfreie SS38 um rasch nach Bozen zu kommen. Auch weiter durch das Sarntal bis Staben hielt sich im Gegensatz zum Mai der Verkehr in Grenzen. Wahrscheinlich hatte ich diesmal das Glück, die richtige Richtung zur richtigen Zeit zu nehmen und so bog ich bald ins Schnalstal ab, wo ich bei meiner Tourplanung einige Highlights entdeckt hatte, die ich besichtigen wollte.

Kein Ötzi, dafür ein Besinnungsort und (k)eine versunkene Kirche

Das bekannteste Highlight ist die Fundstelle des „Ötzi“. Die gut 4000 Jahre alte Mumie wurde am 19. September 1991 beim 3188 m hohen Tisenjoch gefunden, das das Schnalstal mit dem Ötztal verbindet. Da das ein Fußmarsch von mindestens 8 Stunden bis zur Fundstelle wäre, fiel das bei mir aus. Aber vielleicht sehe ich mir den „Mann aus dem Eis“ irgendwann in seinem Museum in Bozen an.

Aber ins gibt ja noch anderes zu sehen im Schnalstal. Mein erstes Ziel war das kleine Bergdorf Karthaus, das aus einer aufgelassenen Kartause entstanden ist. Wer meine Blogs regelmäßig liest, weiß, dass in meinem Heimatort Gaming die größte Kartause Mitteleuropas steht und mich daher auch für andere Klöster dieses Ordens interessiere. Die Kartause Allerengelberg im Schnalstal wurde 1326 gegründet und der erste Prior kam aus dem Kartäuserkloster Mauerbach bei Wien.

Die Kartause Gaming wurde 1330 gegründet, zu diesen Ursprüngen habe ich die Wurzeln der Habsburger mit dem Motorrad im Aargau erkundet. Mönche aus Mauerbach waren ebenfalls die ersten Besiedler des Klosters in Gaming und am 27. Jänner 1782 wurde es durch ein Dekret von Kaiser Joseph II.  aufgehoben, Allerengelberg einige Tage später, am 5. Februar 1782.

Die klösterlichen Gebäude wurden verkauft und rund 40 Familien siedelten sich an und so entstand im Schnalstal das Dorf Karthaus. Es liegt hinter einer Bergkuppe hoch über dem Schnalstal und lädt zur Besichtigung ein. Dabei verbreitet es auch heute noch eine ganz eigene, sehr besinnliche Atmosphäre.

Nach einem Eis im Kaffeehaus im ehemaligen Haus des Abtes wollte ich auch noch das dritte Highlight des Schnalstals erkunden. Einige Kilometer weiter ins Tal hinein befindet sich seit den 1960er Jahren der Vernagt-Stausee, der sich auf einer Fläche von rund 100 Hektar erstreckt und bis zu 60 Meter tief ist. Und ähnlich wie am Reschensee sind acht Bauernhöfe und die Kirche in den Fluten des neuen Stausees versunken.

Bei meinem Besuch war der See aber voll und leuchtete in einem fast unwirklichen Türkis. Der Turm des alten Leiterkirchleins war daher leider nicht zu sehen. Die Umgebung, auch mit dem neuen Leiterkirchlein, hat aber mehr als entschädigt.

Jetzt wurde es aber Zeit für die Weiterfahrt, ich wollte in Sulden, am Fuß des Ortlers, noch ein Messner Mountain Museum ansehen. Die Wallfahrtskirche Unser Frau im Schnalstal verleitete mich aber am Weg aus dem Tal nochmals zu einem Fotostopp.

Also die letzten 75 Kilometer in Angriff genommen, das Schnalstal hinunter, die Vintschgauerstrasse bis zur Abzweigung Richtung Stelvio, den wir erst vor gut einem Monat von Bormio im Süden kommend gefahren waren. In Gomagoi schlägt die Straße bei der Abzweigung nach Sulden buchstäblich einen Haken, dann ging es mit einigen schönen Serpentinen, die dem Stilfserjoch um nichts nachstehen, hinauf Richtung Sulden.

Und so erreichte ich noch rechtzeitig das Dorf, wo sich auch das Messner Mountain Museum „Ortles“ befindet. Zur leider immer mehr Wirklichkeit werdenden Botschaft zum Thema Eis erzähle ich später in einem eigenen Blog zu Messners Museen. Dann war es nur mehr ein kleines Stück bis zum Hotel Montana noch weiter hinten im Tal.

Zur Entstehung der Straße nach Sulden zwischen 1890 und 1912 gibt es ein neues Buch, das ich im Hotel schon vorab durchblättern konnte.

Die Route am dritten Tag

Route in kurviger: https://kurv.gr/YwYdr

Tag 2: Über den Großglockner zu Reinhold Messners Museum in Bruneck

Der zweite Tag meiner Tour in die Schweiz war vom Kopfsteinpflaster auf dem höchsten Pass Österreichs, einem Porsche-Sondermodell, einem Erlkönig, einer 90 Meter hohen Hängebrücke und Reinhold Messner geprägt.

Nach dem vorzüglichen Frühstück im Hotel Steinerwirt in Zell am See bestieg ich in der gegenüberliegenden Tiefgarage meine Honda Crosstourer und fuhr zuerst wieder ein Stück zurück Richtung Norden. Ich wollte den Zeller See auf der Ostseite umfahren, um einerseits nochmals einen schönen Blick auf die Stadt und den See zu erwischen und andererseits dem Morgenverkehr an der Kreuzung der B311 von Saalfelden und der B168 von Mittersill zu entgehen.

Eigentlich könnte man dieses Gebiet auch Porsche-Land nennen. Die Schmittenhöhebahn, mit 27 Bergbahnen, die Schifffahrt samt dem futuristischen Bootshaus für das Flaggschiff MS Schmittenhöhe, das Schloßhotel Prielau, die Porsche Design Studios in einem Gewerbegebiet, eine große Land- und Forstwirtschaft und der Flughafen in Zell am See gehören nämlich den Porsches. Das Schüttgut, der Stammsitz der Familie, liegt oberhalb des Südufers des Sees. Ein 911er-Sondermodell GT3 90 F.A.Porsche erinnert gerade 2026 an die Anfänge hier.

Copyright: porsche.at

Daran dachte ich aber bei der Bootsanlegestelle in Thumersbach, wo in der Nähe auch der Schriftsteller Stefan Zweig in den 1920er und 1930er Jahren seine Sommerfrische verbrachte, nur ganz kurz. Der Blick über den See auf das gegenüberliegende Städtchen und die Schmittenhöhe dahinter und Richtung Süden auf das Kitzsteinhorn und den Großglockner war einfach zu schön.

Mit diesen Eindrücken fuhr ich bei ganz wenig Verkehr über Bruck an der Glocknerstraße bis zur Mautstelle Ferleiten auf der Salzburger Seite.

Die Tageskarte als günstigste Möglichkeit kostet heuer (2026) für Motorräder 36,50 Euro. Nachdem ich es im Vorjahr wetterbedingt nicht geschafft hatte, (siehe: Der Tag der nicht gefahrenen Straßen) begleitete mich heuer Kaiserwetter die Serpentinen hinauf.

Auch der Tunnel beim Hochtor lud sowohl auf Salzburger als auch auf Tiroler Seite zu einem kurzen Fotostopp ein.

Auch auf Kärntner Seite war das Wetter uns Bikern hold, obwohl um ca. 9 Uhr weder von den selbsttretenden als auch motorisierten sehr viele unterwegs waren. So konnte ich die Strecke bis zur Abzweigung auf die Edelweißspitze fast ohne Unterbrechung genießen und mich auf die Auffahrt dorthin freuen. Nur ein Murmeltier meinte, kurz vor meinem Motorrad nochmals die Straßenseite wechseln zu müssen.

Die Edelweißspitze liegt am Ende einer rund zwei Kilometer langen Stichstraße, die beim Fuscher Törl von der Großglockner Hochalpenstraße abzweigt. Die gepflasterte Straße mit sieben engen Kehren ist beinahe ein Muss für Motorradfahrer, ein bisschen Übung schadet aber dabei nicht. Die habe ich nach dem Stilfser Joch und einigen noch mehr herausfordernden Pässen im Mai  (siehe Von Savona bis zum Iseosee und übers Stilfserjoch) auf jeden Fall und so konnte ich mich wenige Minuten später über die Rundumsicht freuen.

Dann ging es flott die Kurven hinunter bis Heiligenblut, wo ein Blick auf die Kirche immer wieder dazugehört. Einen BMW-Erlkönig entdeckte ich auch zufällig.

Die Abfahrt bis zum Iselsberg und weiter über Dölsach nach Lienz war dann flott und gemütlich zugleich. Diesmal durchfuhr ich die Stadt nicht auf der Bundesstraße, sondern zweigte rechts ab um rascher auf die Felbertauernstraße B108 zu kommen. Ich wollte zuerst ins Virgental zu einer interessanten Hängebrücke, bevor ich durch das Deferegental auf den Stallersattel fuhr.

Also ab nach Norden bis Matrei und dann hinauf ins Virgental, von wo es ab Virgen auf einer kleinen Seitenstraße bis zu einem kleinen Parkplatz nahe der Hängebrücke über die Iselschlucht weiterging. Diese Brücke könnte man mit etwas mehr Zeit und geeigneterer Bekleidung auch auf dem Iseltrail erwandern. Ich freute mich aber schon bei der Hitze nach wenigen Metern Abstieg die 90 Meter hohe Stahlkonstruktion über die Isel betreten zu können.

Der Weg ging dann zurück über Virgen und Matrei bis in Huben die Straße ins Deferegental abzweigte. Nach rund 35 km begrüßte mich gleich entlang des Sees unterhalb der Höhe ein mindestens ein Kilometer langer Stau, den ich als Motorradfahrer einfach entlang fuhr und als letzter Biker wenige Minuten vor der Talfahrt beim Schranken am 2052m hohen Stallersattel ankam.

Wir rund 20 Biker fuhren los und ließen die Autokolonne auf der italienischen Seite rasch hinter uns und erreichten nach vielen engen Kurven Antholz mit seinem Stadion für die Nordischen Schiarten.

Der Weg hinaus ins Pustertal war dann unspektakulär und die weiteren Baustellen auf den restlichen 10 km bis Bruneck waren Gott sei Dank nicht so verstaut wie wenige Wochen vorher auf meiner Heimfahrt aus Sardinien.

Im Schloß Bruneck wollte ich mir noch das Messner Mountain Museum Ripa ansehen, davon erzähle ich aber erst später in einem eigenen Blog.

Zwei Stunden später, genau in der abendlichen Rushhour fuhr ich dann durch die Stadt bei stockendem Verkehr ins Tauferner Ahrntal und erreichte bald mein Hotel direkt am Waldrand. Nach Dusche und Abendessen machte ich noch einen kurzen Spaziergang Richtung Dorf und bald nach meiner Rückkehr brach ein Gewitter aus, sodass ich froh war, das Motorrad in der Garage haben zu können.

Die Route am zweiten Reisetag

Route in kurviger: https://kurv.gr/hVdfc