Allerheiligen und Allerseelen

Dieser Blogbeitrag zu meiner Serie über die Bräuche meiner Kindheit handelt von Allerheiligen und Allerseelen, dem christlichen Fest des Totengedenkens.

Bildquelle: pixabay.com

Zu Allerheiligen, am 1. November, gedenken wir traditionell unserer Verstorbenen. Das Fest „Allerheiligen“ hat seinen Ursprung im 4. Jahrhundert in der Osthälfte des Römischen Reiches. Es fasst „alle“ Heiligen, Märtyrer und Apostel an einem einzigen Festtag zusammen.

Mit diesen Feiertagen sind zahlreiche, oft regional sehr unterschiedliche Bräuche verbunden. Ich gehe aber nur auf meine persönlichen Erinnerungen ein.

Seinem ursprünglichen Sinn nach ist der Tag für das Toten-Gedenken allerdings das Allerseelen-Fest am 2. November. Dass sich das Totengedenken mehr und mehr vom Allerseelen auf den Allerheiligentag verschoben hat, hat vor allem pragmatische Gründe, schließlich ist Allerheiligen in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag.

Den Gräbergang am Nachmittag des Allerheiligentages gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert und hat wahrscheinlich viel ältere Wurzeln. Die Gräber werden schon vorher geschmückt und ein Seelenlicht wird aufgestellt. Das Licht symbolisiert das „Ewige Licht“, das den Verstorbenen leuchten möge.

Heuer machten wir aus Zeitgründen unseren Gräberbesuch erst im Dunklen. Bei sehr vielen Gräbern waren schon Kerzen entzündet und so leuchtete und flackerte der ganze Grestner Friedhofshang mystisch, aber auch entspannend.

Zu Allerheiligen war und ist auch heute der Friedhofsgang für viele Menschen ganz selbstverständlich und so traf sich auch in meiner Kindheit die ganze Familie am Nachmittag bei der Gräbersegnung. Man zog mit einer Prozession von der Pfarrkirche mit Begleitung der Blasmusikkapelle zum Friedhof und betete und wartete auf den Segen der Gräber durch den Pfarrer. In Gresten sammelt auch der Kameradschaftsbund nach dem Friedhofsgang Spenden zur Erhaltung der Kriegsgräber.

Für uns Kinder war Allerheiligen aber nicht deswegen interessant, sondern weil Godn und Göd, also die Taufpaten zu Besuch kamen und den Allerheiligenstriezel brachten. Ursprünglich entstand der Striezel aber als Gedächtnisgabe für die „Armen Seelen“ und gehört zum Allerseelentag. Im Mostviertel war dabei eine kleinere oder größere Münze in diesem Germzopf versteckt. Es ist schön, dass dieser Brauch auch für unsere Enkelkinder noch immer hochgehalten wird.

In unserer Gemeinde gehörte und gehört es zu den Aufgaben und Traditionen der Gemeinderäte, zuerst in Lindabrunn und anschließend in Enzesfeld, gemeinsam mit der Feuerwehr beim jeweiligen Kriegerdenkmal einen Kranz niederzulegen und der Toten der beiden Weltkriege zu gedenken und um Frieden zu bitten.


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