Das Wetter an meinem letzten Anreisetag an den Zürichsee war wieder wunderschön und in Sulden, auf rund 1900 Metern Seehöhe, auch nicht besonders heiß. Darum saß ich nach dem Frühstück recht rasch auf meiner Crosstourer und fuhr die Suldenstraße talabwärts bis zur Kreuzung mit der Stilfserjochstraße in Gomagoi. Ein paar Fotostopps habe ich natürlich auch gemacht.





Kurz vor Prad entdeckte ich auf der rechten Seite einen renovierten Kalkbrennofen, den ich mir ansehen wollte, praktischerweise lag auf der anderen Straßenseite gleich ein Parkplatz und ich konnte einmal ganz regulär halten, nicht immer ganz selbstverständlich bei meinen Fotostopps. Dieser Kalkofen ist das letzte erhaltene Bauwerk dieser Art im Vinschgau und wurde 2024 restauriert.


Nach Prad bog ich bald links ab, um die fast schnurgerade SP50 durch das Vintschgauer Obstanbaugebiet bis Glurns zu nehmen. Eine besondere Rarität, die Palabirne oder auch Türkische Birne wächst hier noch auf alten Bäumen auf manchem Hofanger. Hier im Vinschgau im Westens Südtirols findet diese alte Sorte ideale Bedingungen für eine optimale Reifung vor.



Von Glurns geht es einerseits hinauf zum Reschensee, ich wollte aber in der anderen Richtung ins Val Müstair im Schweizer Graubünden und dann weiter über den Ofenpass fahren. Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz war auf beiden Seiten unbesetzt, Schengen in Reinkultur.


Am Weg durchs Val Müstair musste ich natürlich beim UNESCO-Weltkulturerbe Kloster St.Johann in Müstair kurz anhalten. Für einen Besuch hatte ich aber diesmal keine Zeit.



Ein kurzer Fotostopp auf der Passhöhe am Ofenpass gehörte dann natürlich auch noch dazu. Hier auf diesem Pass hatte ich definitiv die meisten Radfahrer in den letzten vier Tagen vor mir. Wenn man da jedesmal wartet, bis man mit genügend Abstand überholen kann, versteht man die „Freude“ über so manche Radfahrer.



Beim Hinunterfahren führt die Straße über eine Hochebene, wo links und rechts die Bäume tot sind. Zur Ursache, warum das genau hier so ausgeprägt ist, konnte ich nichts finden.




Jetzt hatte ich noch den Fluelapass bis Davos vor mir, den ich bis jetzt schon zweimal in der Gegenrichtung gefahren war. Dabei begann es immer mehr zu regnen und ich machte meinen Stopp auf der Passhöhe nur ganz kurz.



Beim Hinunterfahren nach Davos war es bald mit dem Regen wieder vorbei und im Tal war sogar die Straße schon wieder trocken.
Nach einem raschen Blick und einigen Fotos über den Davosersee mit dem 2444 Meter hohen Hüreli im Hintergrund startete ich die Crosstourer wieder und fuhr die letzten Kilometer und Kurven hinauf nach Klosters.



Klosters bezeichnet sich selbst als kleines Bergdorf und ist primär durch den Wintersport gemeinsam mit Davos über die Schweizer Grenzen hinaus ein Begriff. Im Gegensatz zu Davos hat sich Klosters aber noch etwas mehr Ursprünglichkeit bewahrt, wie ich bei einem kleinen Dorfspaziergang feststellen konnte.






Nach einem wirklich guten Burger mit anscheinend handgemachten Pommes im Vorgarten des Hotels Piz Buin direkt an der schönen Brücke über die Landquart startete ich wieder los.




Das nächste Highlight wartete bereits am Ortsausgang. Die Sunnibergbrücke ist eine Schrägkabelbrücke und Teil der Ortsumfahrung Klosters und ist weltweit prämiert und gewürdigt worden. Mit ihren 525 Metern überquert sie in 60 Metern Höhe in einem Bogen die Landquart. Ich bog in eine steile Seitengasse hinunter zum Fluss ab, um ein schönes Foto zu bekommen. Auf dem Rückweg musste ich am Bahnschranken der Räthischen Bahn warten und konnte dabei einige Bilder des querenden Zuges ergattern.





Jetzt wollte ich meine letzte Etappe von rund 150 Kilometern ohne größere Unterbrechungen in Angriff nehmen. Aber schon zehn Kilometer später, in Schiers, wurde ich auf einen Wegweiser zu einem „World Monument“, der Salginatobelbrücke aufmerksam, von der ich bei meinem letzten Schweizbesuch das erste Mal gelesen hatte. 1991 wurde die Salginatobelbrücke von der American Society of Civil Engineers (ASCE) zum International Historic Civil Engineering Landmark (Meilenstein der Ingenieurbaukunst) ernannt.
Es ging mit einigen Serpentinen, die auch hier die Stilfserjochstraße harmlos wirken lassen, die einspurige Straße 3,5 km den Berg hinauf. Die Brücke überquert ebenfalls einspurig in 90m Höhe das Tal, um die Zufahrt zu einigen kleinen Bergdörfern zu ermöglichen.
Das gesamte Betonmaterial wurde von Hand gemischt und mit Karretten zugeführt. Die heikelste Phase war der Guss der dünnen Bogenplatte, der ohne Unterbrechung von beiden Seiten her absolut symmetrisch durchgeführt werden musste und nach 40 Stunden mühevoller Arbeit vollendet war. Mitte August 1930 konnte das Bauwerk dem Verkehr übergeben werden.
Meine Fotos sind auch ok, aber ich muss mir trotzdem ein Bild aus der Galerie der Brückenhomepage ausborgen. Und es wäre nicht die Schweiz, wenn die Brücke keine eigene Postautohaltestelle hätte.






Den Berg hinab zur Landquart-Straße mit der Hoffnung, dass es keinen Gegenverkehr gibt, war dann schneller erledigt als das Hinauffahren. Und jetzt sollte es endgültig zu meinem Ziel am Zürichsee gehen. Da ich den Walensee jetzt schon mehrmals auf der Südseite passiert habe, wollte ich diesmal auf der anderen Seite vorbeifahren, was aber nicht direkt geht, da dort das Gebirge noch steiler abfällt als herüben.
Es gibt direkt am See nur eine kleine Stichstraße mit einigen Tunnels ins Dorf Betlis mit den Seerenbachfällen und der Rinquelle, die ich mir für nächstes Jahr vorgenommen habe.





Darum musste ich von Gams, das westlich von Feldkirch liegt, den Berg hinauf. Dort fuhr ich die Straße mehr oder weniger Richtung Nordwesten bis Wattwil, um dann Richtung Südwesten bis Rapperswil an der Nordseite des Zürichsees zu kommen.
Von Rapperswil aus konnte ich über den ein Kilometer langen Seedamm den Zürichsee überqueren. Bis jetzt hatte ich das nur per Bahn oder per Pedes entlang des wunderschönen Holzsteges gemacht.




Auf der Südseite des Sees wurden die Wolken immer dunkler, aber ich hatte auch nur mehr ungefähr 20 Kilometer bis zu meinem Ziel, also konnte mir nicht mehr viel passieren. Dachte ich. Aber der Wettergott war mir jetzt nicht mehr gut gesinnt und es begann bei der Umleitung in Wädenswil zu schütten. Kurz vor meinem Ziel in Thalwil war es dann zwar wieder vorbei, aber die Viertelstunde hatte gereicht, dass ich durch und durch nass war.
Und trotzdem war es schön!
1180 Kilometer waren praktisch trocken, dafür gaben sich die letzten 15 Kilometer umso nasser, was aber der Freude trotzdem keinen Abbruch tat, dass ich nach 4 Tagen und vielen interessanten Erlebnissen ohne besondere Vorkommnisse gut angekommen war.
Die Route am vierten Anreisetag

