Der nächste Morgen war angenehm kühl und die Sonne schien bereits auf einige umliegende Berge, daher beschloss ich, noch vor dem Frühstück mit dem Fotoapparat eine Dorfrunde durch Sufers zu machen. Der Sonnenaufgang in diesem Bergtal mit vielen noch sehr ursprünglichen Gebäuden und der Blick über das Hotel Seeblick und den Sufner Stausee waren einfach ein morgendlichen Genuss.









Trotzdem war ich dann einer der ersten beim Frühstück und holte auch bald die Crosstourer aus der Hotelgarage. Dann ging es gefühlt einmal links, einmal rechts der A13 hinunter durch die Viamala bis Thusis, ähnlich wie im Vorjahr, wo ich vom Comosee über den Splügenpass gefahren bin.
Bei einem meiner kurzen Fotostopps im engen Tal des Hinterrheins kam auf einmal eine Kolonne von mindestens zwanzig Militärfahrzeugen entgegen, ich hoffe ich verrate damit keine Schweizer Militärgeheimnisse…


Einen weiteren Stopp beim Besucherzentrum beim Einstieg in die Viamala-Schlucht ließ ich aus, ihr könnt aber hier nachlesen:
Bis Thusis kamen noch einige Kurven und Tunnels der alten Straße. Landschaftlich und wettertechnisch hatte ich wieder ein Riesenglück, wolkenlos!






Links der Straße fiel mir das erste Mal das riesige Kloster Cazis auf, das von Dominikanerinnen bewohnt und bewirtschaftet wird.



Bei Tamins vereinigen sich der Vorder- und Hinterrhein zum Rhein und die Rhätische Bahn kommt aus Chur und teilt sich in eine Linie über Thusis ins Engadin und die zweite über Disentis/Mustér nach Andermatt. Obwohl ich im Blog vom letzten Jahr einige Bilder dazu habe, gibt es hier auch welche, weils so schön war!






Weiter ging es durch Chur, von wo wir erst wenige Tage vorher mit der Arosa-Bahn ins Bärenland gefahren waren, aber dazu wird es einen eigenen Blog geben.
Bei Landquart kreuzte ich die Route vom letzten Tag meiner heurigen Hinfahrt, wer mag kann das hier nochmals nachlesen. Aber ich wollte ja weiter Richtung Liechtenstein.
Bei der Planung meiner Route entdeckte ich eine kleine Straße durch Maienfeld auf Schweizer Boden, die auf direktem Weg an den Bergen entlang nach Liechtenstein führte und das von mir schon mehrmals durchfahrene Bad Ragatz und Sargans im wahrsten Sinn des Wortes links liegen ließ und dabei das nette Maienfeld kennenlernte.





Ein kleiner nur 713 m hoher Sattel, der Sankt Luzisteig, ist diese direkte Verbindung und der kürzeste Weg Richtung Vaduz. Er ist nach Lucius benannt, dem Patron von Stadt und Bistum Chur, der auch seit dem späten 18. Jahrhundert Landespatron des Fürstentums Liechtenstein ist. Auf der Passhöhe befinden sich zwei historische Gebäude, nämlich die Steigkirche und der Steighof, die ich leider beide übersehen hatte. Die Bedeutung des Passes kam davon, dass er bis zur Eröffnung der Rheintaleisenbahn 1858 die einzige befahrbare Verbindung Bündens mit Vorarlberg und dem süddeutschen Raum war.
Auf einmal durchquerte die Straße die alte Festungsanlage Sankt Luzisteig, die auch heute noch vom Schweizer Militär genutzt wird, wenn auch das Bedrohungsszenario heute ein anderes ist.


Jetzt war das Fürstentum nicht mehr weit, da tauchte links die Burg Gutenstein auf, die auf einem Hügel mitten im Ort Balzers liegt.
Rechts an der Straße, fast zu übersehen, markierte die Grenze zwischen der Schweizer Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1735. Das rote S am nebenstehenden Stein symboliesiert die Schweiz, auf der anderen Seite markiert ein L Liechtenstein.




Weiter ging es noch recht flott durch einige kleine Ortschaften bis in die Hauptstadt Vaduz.



Da es in der Zwischenzeit schon recht heiß war, ich noch rund 280 km bis Kitzbühel vor mir hatte und wir hier schon vor einigen Jahren eine Sightseeing-Runde gedreht hatten, ließ ich mich nicht aufhalten und fuhr weiter Richtung Grenze zu Österreich, wobei eine Umleitung und ein Baustellenstau mich ziemlich bremsten. Die Schweizer Polizei ist da bei Vorbeifahren an der Kolonne leider nicht nachsichtig und ich wollte natürlich keine „Busse“ zahlen müssen.
Und so hieß es geduldig den Stop-and-Go-Verkehr über Schaan bis an die österreichische Grenze nach Feldkirch zu erdulden. Dort wurde der Stau zwar nicht weniger, aber ich konnte erlaubterweise die Kolonne immer wieder überholen und kam so relativ rasch durch die Stadt.
Ich hatte zwar die österreichische Autobahnvignette, wollte aber zuerst noch die mehr oder weniger parallel zur Rheintalautobahn A14 verlaufende L190 nutzen und auch einen Tankstopp einlegen, das Benzin war ja in Österreich doch etwas günstiger als in der Schweiz.
Erst kurz vor Bludenz fuhr ich auf die Autobahn und dann weiter die Arlbergschnellstraße bis zur vorletzten Ausfahrt in Wald am Arlberg vor dem 14 km langen noch dazu mautpflichtigen Arlbergtunnel.
Da war mir die Passstraße schon lieber, obwohl ich dann gleich nach der ersten echten Serpentine nach Stuben auf zwei Sattelschlepper aufschloss, die ich wegen des regen Gegenverkehrs erst kurz vor der Abzweigung auf den Flexenpass überholen konnte. Wenn ich schon da war, wollte ich diese Passhöhe auch noch erreichen, auch wenn der Großteil der Straße durch Lawinengalerien verlief.
Aber neben dem Simplonpass, der einen Teil der europäischen Wasserscheide zwischen der Rhone (Mittelmeer) und dem Po (Adria) bildet, ist auch der Flexenpass auf 1.773 Metern Höhe eine wichtige europäische Hauptwasserscheide zwischen der Donau (Schwarzes Meer) und dem Rhein (Nordsee). Ich habe nun beide innerhalb weniger Tage passiert.






Dann kehrte ich wieder um, um dann auf den Arlbergpass zu fahren und in St.Anton Mittagspause zu machen. Das Kalbsrahmgulasch als erstes österreichisches Essen nach fast drei Wochen war dann wirklich gut!




Der Rest der Strecke ist dann nicht mehr besonders spannend, da ich das Inntal ohne viele Abzweiger zum Großteil auf der Autobahn durchfahren habe, um mir die Staus in den Ortschaften und der Landeshauptstadt Innsbruck zu ersparen. Ein paar Bilder gibt es doch.






Erst in Kufstein fuhr ich dann von der Autobahn ab und nahm die B170 durch das Brixental bis Kitzbühel, wo ich mich schon auf das gemeinsame Abendessen mit Freunden freute.
Die Route am vierten Heimreisetag

