1: Mit dem Motorrad in die Schweiz

Heuer klappt es endlich, ich kann auf der schon für 2023 geplanten Route in die Schweiz fahren. Im Vorjahr hat mir ja leider mein Ischiasnerv am rechten Fuß einen Strich durch die Rechnung gemacht und mich über 10 Wochen vom Motorrad ferngehalten. Jetzt ärgert mich zwar mein Hüftgelenk links, aber mit etwas Übung gelingt das Aufsteigen auch mit Seitenkoffern ganz passabel.

Die geplante Strecke führt am ersten Tag ohne besondere Umwege nach Kärnten, der nächste Tag über den Nassfeldpass nach Italien in die Region Julisch-Venetien, weiter in die Provinz Belluno wo ich, wenn es sich zeitlich ausgeht, vom Passo Feidaia auf die Marmolda hinauf will, die ich bisher nur vom Schifahren kenne. Dann geht es weiter nach Südtirol bis ins Hotel in Pozza di Fassa.

Der nächste Tag führt über den Karerpass nach Bozen, wo ich das Messner Mountain Museum besuchen will,  über Passo Mandola, Passo di Tonale, Passo del Aprica und den Splügenpass bis nach Thusis in Graubünden.

Der letzte Teil am 4. Tag meiner Reise soll dann auf der alten Poststrasse durch die Rheinschlucht und dann weiter über den Oberalppass, den Furka und den Grimselpass bis zum Stausee und danach in einer Schleife über den Nufenen nach Airolo im Tessin und dann auf der Tremola über den Gotthardpass führen. Das letzte Stück von Andermatt mit der Teufelsbrücke und weiter auf den Klausenpass über Glarus bis an den Zürichsee ist der Abschluss des letzten Tages.

Tag 1: Von der Thermenregion übers Apfelland bis ins Kärntner Bergbaugebiet

Mein erster Tag meiner Fahrt an den Zürichsee soll mich nach Kärnten, genauer gesagt in die Nähe von Feldkirchen bringen. Das Wetter verspricht zumindest bis am Nachmittag schön, das heißt nicht verregnet, zu sein, daher starte ich gemütlich um 8 Uhr. Um trotzdem Zeit zu gewinnen und Kilometer zu machen, ist der erste Teil einmal Autobahn, geplant bis Hartberg. Das wird mir aber nach Wr.Neustadt bereits zu langweilig und so verlasse ich in Grimmenstein die Autobahn und fahre über Aspang die Wechselbundesstrasse bis Hartberg und dann gleich weiter bis Gleisdorf durch das Apfelland, denn 75% unser österreichischen Apfelanbaugebietes liegen in der Steiermark.

Die Stadt Graz umfahre ich dann doch wieder bis zum Packsattel auf der Autobahn. Direkt nach der Abfahrt überquere ich die Landesgrenze und befinde mich bereits in Kärnten. Bald darauf entdecke ich die Abzweigung zur Hebalm, von der ich schon als Wandergebiet im nördlichen Teil der Koralpe gehört habe. Die kurvige Straße macht Spaß, doch kurz nach dem Parkplatz beim Hebalmsee sind Asphaltierungsarbeiten mit längeren Wartezeiten im Gange und so drehe ich um und fahre weiter meine ursprüngliche Route.

Aber auch die Packer Bundesstraße B70 macht mit ihren Kurven durch die Wälder wirklich Freude und bringt mich nach Waldenstein, wo schon seit der Römerzeit das seltene Industriemineral Eisenglimmer abgebaut wird.
Ein kleines Kirchlein lädt zum Fotografieren ein und dabei sehe ich am gegenüberliegenden Berghang die Burg Waldenstein, in der laut einem Gedenkstein das Kärntner Heimatlied entstanden ist.

Es geht weiter bis Wolfsberg wo ich Mittagspause mache und mir die Fußgängerzone, die aber teilweise Baustelle ist, ansehe.

In der Pfarrkirche wird der ganz aktuelle selige Carlo Acutis aus Italien, der mit 15 Jahren starb, verehrt und seine Reliquie ausgestellt. Er gilt als „Influencer Gottes“ und „Cyber-Apostel“, nachdem er das Internet nutzte, um die christlichen Werte zu verbreiten. Er spielte gerne mit seinen Freunden Fußball, zwischendurch auch mit der Playstation und war ein Computer-Genie, was sich auch in der Darstellung seiner Reliquie niederschlägt, die dadurch ganz unerwartet anders als andere Reliquien aussieht.

Ich starte wieder Richtung Feldkirchen und entdecke erst durch einen Wegweiser bei der Stadtausfahrt, daß mich das Navi über das Klipitztörl leitet. Bei der Planung daheim ist mir das gar nicht bewußt geworden und ich freue mich schon, als bald die Haarnadelkurven der schmalen Bergstrasse beginnen. Auf der Passhöhe von 1644m mache ich natürlich einen kurzen Fotostopp.

Es ist nicht zu übersehen, daß ich mich hier weiterhin im Kärtner Bergbaugebiet befinde, denn einige Kilometer weiter in Lölling liegen direkt neben der Straße einige Denkmäler der Montanistikgeschichte. Die nur einige Jahrzehnte Ende des 19.Jahrhunderts betriebene Erzröstanlage ist eine der beiden letzten großen weitgehend erhaltenen Röstanlagen in Österreich.

Mein letzter Stopp gilt dem Dom von Gurk, der imposant in dieser kleinen Ortschaft steht und in der sich das Grab der Kärntner Landespatronin Hemma befindet. Der Bau ist schon von außen beeindruckend, doch der Innenraum überwältigt einerseits durch seinen barocken Prunk, andererseits durch die verschiedenen sehr gut erhaltenen Wandgemälde, die ab der Zeit um 1340 entstanden, und einem wunderschönen riesigen romanischen Trichterportal.

Vor dem rechten Seitenaltar ist eine der recht seltenen Fastenkrippen ausgestellt, die von den Krippenfreunden Deutsch-Griffen um die Jahrtausendwende gebaut wurde.


Nach einem Cappuccino im Domcafe mache ich mich wieder gestärkt auf den Weg die letzten Kilometer nach Feldkirchen und dann den Berg hinauf nach Pollenitz zum Gasthaus Wadl. Von meinem Zimmer aus habe ich einen schönen Blick in der Abendsonne auf den Ossiacher See, den wir im letzten Sommer mit dem Fahrrad umrundet hatten. Bei einer herrlichen vom Hausherrn selbst gemachten Bratwurst, einem Bier und lustigen Gesprächen mit Bikerkollegen aus dem Burgenland klingt der Tag aus.

Tag 2: Pässe und Haarnadelkurven bis zum Abwinken

Die ersten schönen Kurven führen über die schmale Straße vom Quartier hinunter nach Feldkirchen. Erst durch einen Wegweiser wird mir klar, daß mich das Navi über die Gerlitzen leitet. Bald kommen die ersten Haarnadelkurven bis hinauf auf rund 1000m zur ehemaligen Missionsstation Klösterle, die heute ein mietbares Ferienquartier ist. Gegenüber liegt auch die Talstation der gleichnamigen Sesselbahn.

Durch das idyllische Krastal geht es ins Drautal und vorbei an der sehenswerten Johannes-Kapelle mit den 14 Kreuwegstationen gegenüber von Schloß Kreuzen auf die Windische Höhe und hinunter ins Gailtal, wo der Weg über Tröpolach auf den Nassfeldpass führt.

Die kurvige Straße geht vorbei an den Hotels der Sonnenalpe Nassfeld bis an den Scheitelpunkt, der zugleich die Grenze zwischen Österreich und Italien markiert.

Entlang des kleinen Sees auf italienischer Seite geht es durch die Felsen in einigen engen Serpentinen und durch einen Kehrtunnel hinunter nach Pontebba im Friaul. Gleich nach der Brücke biege ich rechts ab und es geht raus aus der Stadt auf einem kleinen Strässchen durch den Wald in vielen engen Kurven auf den 1066 m hohen Sella Cereschiatis nach Moggio Udinese, eine wirklich coole und auch malerische Alternative zum eintönigen Kanaltal.

In der Zwischenzeit hat es gute 30 Grad bekommen, da ist die Mittagspause in Cavazzo Carnico auf einer schattigen Bank richig erholsam.

Bei Ampezzo habe ich bei meiner Planung die SP73 zum Lago di Sauris entdeckt, eine wirklich spektakuläre Straße mit unendlich vielen Kurven und einigen fast mystischen gepflasterten und feuchten Felsentunnels mit der Brücke über die tiefe Lumieischlucht. Den letzten Tunnel verlässt man direkt an der 136m hohen Staumauer am See.

Dann geht’s den See entlang und weiter auf den Sella di Rioda, wobei Steigungen von bis zu 13 Prozent und acht Kehren zu meistern sind. Direkt anschließend führt die Strecke über den Sella di Razzo und den Sella Ciampigotto bis hinunter nach Lozzo di Cadore.

In Venas di Cadore verpasse ich beinahe die Ausfahrt Richtung Forcella Cibiana, da hier eine große Baustelle die Straßenführung fast verschwinden lässt. Also nach einigen hundert Metern umgedreht und dem Navi gefolgt und auf der wirklich tollen Strecke durch die Wälder hinauf auf den Scheitelpunkt auf 1536m, von wo der Weg auf den Monte Rite abzweigt, wo sich das Messner Mountain Museum Dolomites befindet. Leider geht sich ein Besuch zeitlich nicht aus, daher bleiben Pass und Museum auf der Bucket List.

Der Passo Staulanza ist das nächste Highlight auf meiner Tour. Die vielen Kurven mit wenig Verkehr und ein paar Haarnadeln mit grandiosem Ausblick machen absolut Spass beim Fahren. Der 3.172 Meter hohe Monte Pelmo erscheint vor der Passhöhe beeindruckend rechts der Straße, ich muss einfach für einige Fotos mit dem schon abendlichen Licht anhalten.

Der Fedeia ist der letzte Pass für heute, er ist zwar fahrerisch nicht besonders aufregend, von dort bei Punta Rocca gäbe es aber die Seilbahn auf die Marmolada, die ich nur vom Schifahren im Winter kenne und daher auf meiner Wunschliste für den Sommer steht. Dort bleibt sie aus zeitlichen Gründen auch weiterhin und ich fahre vorbei am malerischen Stausee und hinunter nach Canazei.

Leider ist der Abendverkehr im Fassatal wirklich dicht und ich staue mich, obwohl ich mich so oft wie möglich vorschlängle, gefühlte Stunden die letzten Kilometer bis zum Hotel in Pozza di Fassa. Es liegt zwar direkt an der Hauptstraße, bietet aber zum Ausgleich vom Zimmerfenster einen traumhaften Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge des Schigebietes Buffaure.

Tag 3: Von Südiroler Äpfeln und Wein bis zu Schweizer Kurven

Gleich nach dem Frühstück, meine Crosstourer ist noch feucht vom Morgentau, starte ich bei traumhaften Wetter aus dem Fassatal auf den Karerpass.

Nachdem im November 2018 an die 2290 Hektar Wald rund um den Karerpass vom Sturmtief Vaia beschädigt wurden, hat man seitdem 900.000 Festmeter Holz aufgearbeitet. Ob daraus wieder ein schöner alpiner Wald wird, kann ich als Laie noch nicht erkennen, aber es sieht zumindest so aus, daß alle Flächen wieder bewachsen sind. Die Straßen wurden teilweise verbreitert und neu asphaltiert, was die Befahrbarkeit durch LKWs und Busse erleichtert und für uns Biker sicherer aber auch weniger spektakulär macht.

Vorbei am Karersee geht es dann weiter über den Passo di Lavazè und den Passo di San Lugano nach Auer hinunter und quer über das Etschtal Richtung Kalterer See, der von Obst- und Weinplantagen umrahmt ist.


Dort stelle ich fest, dass mir das Navi den Weg zum Messner Mountain Museum Firmian unterschlagen hat und ich muss meine Tour anpassen. Ich erreiche schließlich nach wenigen Minuten den Parkplatz der Burg. Zu meinen Eindrücken davon gibt es noch einen extra Blog.

Nach dem Museumsbesuch freue ich mich schon auf die Auffahrt zum Passo Mandola, die sich in flüssigen Kurven zuerst durch den Wald und später durch die Felsen mit fantastischer Aussicht über das Etschtal bis auf 1363m hinaufwindet. Die Mendelbahn, eine der steilsten Standseilbahnen Europas, bringt ihre Passagiere in 12 Minuten von St. Anton in Kaltern ebenfalls auf die Passhöhe.

Hoch oben an den Hängen der Mendel entlang geht es weiter durch Weingärten mit Rebsorten wie zum Beispiel Gewürztraminer, Weißburgunder und Sauvignon und einem traumhaften Blick ins Tal. Nach Fondo, hoch über der Santa Guistina-Talsperre, und Dimaro, wo ich bei meiner Heimfahrt aus der Schweiz vor zwei Jahren übernachtet habe, führen mich die Serpentinen hinauf auf den Passo di Tonale wo ich mir einen Kaffee kaufe.

Bis zum Jahre 1919 verlief entlang des Tonalepasses die altösterreichische Grenze und entsprechend umkämpft war diese Region im ersten Weltkrieg. Heute erinnert daran auf der Scheitelhöhe das Denkmal „Victoria“ mit einer Halle, in denen der Tausenden österreichischen und italienischen Soldaten gedacht wird, die hier im ersten Weltkrieg ihr Leben ließen.

Es geht weiter nach Edolo über den Passo del Aprica ins Veltlin weiter. Das weite Tal ist die Heimat vieler primär roter Rebsorten, diese haben aber mit unserer namensähnlichen weißen Rebsorte grüner Veltliner nichts zu tun.

Vorbei an der Provinzhauptstadt Sondrio fahre ich bei starkem Nachmittagsverkehr fast bis an den Comosee und dann weiter bis Chiavenna, wo die Straße auf den Maloja Richtung St.Moritz abzweigt. Da bin ich vor 2 Jahren gefahren, daher soll es diesmal über den Splügenpass in die Schweiz gehen. Nach Chiavenna wird der Verkehr wieder viel ruhiger und ich halte nochmals kurz am Lago di Prestone.

Die heutige Strasse über den Splügen wurde von den Österreichern, die damals in Mailand herrschten, erbaut und im Sommer 1822 fertiggestellt.

Ein Schwer-LKW mit Hänger biegt kurz vor mir von einem Parkplatz heraus und so muss ich die ersten vier Haarnadelkurven des Splügenpasses im Schrittempo nehmen. Gott sei Dank ist hier auch nur geringer Gegenverkehr und so kann ich auf einer kurzen Geraden überholen. Dann geht’s los, es sind auf italienischer Seite hinauf noch weitere 48 Spitzkehren und 23 auf Schweizer Seite hinunter. Die Straße ist praktisch überall breit genug um auch in den Kehren auf der eigenen Seite zu bleiben, es schadet aber nicht, trotzdem den Gegenverkehr immer im Auge zu haben, falls jemand die Kurve schneidet oder ein Bus oder LKW einfach mehr Platz braucht.

Spannend ist es, als in einer Linkskurve, die direkt in einen Tunnel mündet, auf der Bergaufspur ein Wohnmobil eine Panne hat, ein Abschlepper dahinter steht und dadurch nur 2/3 der recht steilen Innenkurve zum Vorbeifahren zur Verfügung stehen. Zumindest regelt einige Kilometer weiter die Polizei den Bergabverkehr damit es zu keinen unnötig gefährlichen Begegnungen kommt.

Vorbei am Lago di Montespluga erreiche ich nach einem kleinen Photostopp die Passhöhe von 2114 m und kurz darauf die Schweizer Grenze mit dem unbesetzten Zollhaus. Auch die Strecke hinunter ist spektakulär mit einigen schönen Aussichten auf die Kurvenfolgen.

Nach der Ortschaft Splügen führt mein Weg auf der H13, der Bundesstraße neben und unter der Autobahn A13 bis Thusis und ins Hotel Waldheimat in Fürstenau, das sich mit rund 350 Einwohnern die kleinste Stadt der Welt nennt. Die kleinste Stadt Österreichs, Rattenberg in Tirol mit rund 500 Einwohnern hat da schon fast Großstadtcharakter.

Bei einem kleinen morgendlichen Rundgang entdecke ich einige nette Metallfiguren und ein Haus mit interessanten Gemälden biblischer Szenen und einen Radweg entlang des hier noch recht schmalen Rheins.

Wichtig zu beachten in der Schweiz: die Wegweiser für Autobahnen sind grün, während sie bei uns blau sind, eine Verwechslung ohne Autobahn-Vignette kann sonst teuer werden. Ich hoffe, daß ich ohne Busse (Schweizer Strafmandat) davonkomme, da ich nur bis zur nächsten Ausfahrt gefahren bin.

Tag 4: Die Rheinschlucht und spektakuläre Pässe bei Sonnenschein und Regen

Zu meinen Fünfziger hatte ich eine Fahrt mit dem Glacierexpress von Zermatt bis St.Moritz geschenkt bekommen, dabei ging es auch durch die Rheinschlucht. Die Ruinaulta, wie sie auch heißt,  ist eine bis zu 400 Meter tiefe und rund 13 Kilometer lange Schlucht des Vorderrheins zwischen Ilanz und der Mündung des Hinterrheins bei Reichenau im Kanton Graubünden.

Heute, 13 Jahre später, möchte ich von meinem Quartier in Fürstenau so rasch wie möglich nach Bonaduz, wo ich abbiege und schon in ganz kurzer Zeit bin ich in einer Linkskurve direkt an der Aussichtsplattform Zault mit einem Traumblick in die Rheinschlucht und auf die Schienen der Rhätischen Bahn, wo gerade an der neuen Steinschlaggalerie gebaut wird.

Nach dem Photostopp geht es kurvenreich weiter, bis ich in Versams zur Abzweigung zum Bahnhof komme.

Im Ortsgebiet werde ich auf einmal geblitzt, ich habe anscheinend die 30er Zone übersehen und hoffe es wird nicht allzu teuer. Leider überholt mich die Schweizer Busse und ist vor mir daheim angekommen, ich darf für 41 km/h mit 5 km/h Toleranz, 6 km/h offiziell zu schnell, 126,32 Euro an die Kantonspolizei Graubünden überweisen.

Ich fahre die einspurige Straße mit ihren zwei Spitzkehren am unteren Ende bis zum Bahnhof, neben dem sich auch eine Kanu- und Raftingschule befindet. Es passt zeitlich wieder gut und ich kann nochmals einen Zug fotografieren.

Bei der Auffahrt bemerke ich, daß mein Tank schon wieder auf Reserve steht und ich dringendst auffüllen muß. Nach dem malerischen Safiental weist mir in Ilanz ein netter Einheimischer den Weg zu einer Tankstelle und meine Weiterfahrt ist wieder gerettet. Mit einigen Serpentinen geht es hinauf bis Obersaxen und bald darauf biege ich in die Kantonsstrasse H19 ein, die mich über den Oberalppass nach Andermatt und über den Furkapass bringen soll.


Wegen der vielen Unwetter waren durch Steinschläge und Erdrutsche die umliegenden Pässe wie Furka, Grimsel und Nufenen gesperrt, aber ab heute soll wieder alles frei befahrbar sein. Eigentlich war mein Plan, nach dem Furka vom Grimsel wieder hinunter und dann über den Nufenenpass nach Airolo zu fahren um dann die Tremola auf den Gotthardpass zu erklimmen.

Ein Zwischenstopp beim legendären Hotel Bellevue mit Blick auf den Alletschgletscher muss natürlich sein, und es ist wirklich imponierend, von dort die Kurven hinunter und den Grimsel wieder hinauf zu sehen.

Nachdem das Wetter leider hält was es verspricht und der Regen mich schon bei der Auffahrt auf den Grimselpass erwischt, mache ich beim Stausee nur einige Eisfotos und fahre wieder hinunter und den Furka wieder hoch. Nach wenigen Kilometern bin ich komplett nass und ab der Passhöhe zieht dann noch Nebel auf und es grenzt mit einer Sicht von wenigen Metern und einem verregneten Visier fast einem Blindflug durch die vielen Haarnadelkurven hinunter ins Tal.

Hungrig, nass und ausgekühlt falle ich tropfend in das Hotelrestaurant Sonne im Zentrum von Andermatt ein. Die beiden Serviertöchter (Kellnerinnen) schauen mich mitleidig an, aber ich bekomme sofort einen Tisch, wo ich meine nasse Jacke und und die noch nässeren Handschuhe ausziehen kann. Die kleine Nachmittagskarte ist umfangreicher als gedacht und ich bestelle eine gegrillte Pouletbrust mit Gemüse und danach einen Obstsalat mit Eis und einen Espresso.

Gestärkt, mit einer wärmenden Weste unter der Motorradjacke und den trockenen Ersatzhandschuhen steige ich wieder auf mein Motorrad und fahre auf der alten H2, die parallel zur A2, der Autobahn vom und zum Gotthardtunnel, ins Tal hinunter. Richtung Süden staut es sich vor dem Tunnel mindestens 10 Kilometer, da bin ich froh, daß ich auf meiner Crosstourer in der Gegenrichtung sitze, auch wenn es schon wieder etwas regnet.

Entlang des Ostufers des Vierwaldstättersees über Schwyz, Biberbrugg und Schindeleggi fahre ich dann ohne Pause und mehr oder weniger direkt an den Zürichsee, die Seestrasse entlang und bin froh, das Motorrad in die Tiefgarage stellen zu können und aus den nassen Klamotten zu kommen.

Meine Frau ist schon am Vorabend mit dem Flugzeug aus Wien gelandet und froh, daß ich nach fast 1400 Kilometern auch gut angekommen bin. Einer schönen Schweiz-Woche steht außer dem unsicheren Wetter nichts mehr im Weg.

Links

Tag 1
https://www.obstland.at/908/Apfelanbau-in-der-Steiermark
https://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/detail/C3282/stadtpfarre-wolfsberg-erhaelt-reliquie-des-seligen-carlo-acutis
https://www.bmf.gv.at/themen/bergbau/bergbau-in-oesterreich/industrieminerale2/eisenglimmer.html
http://www.kleindenkmaeler.at/detail/montanhistorische_bauten_in_loelling
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dom_zu_Gurk
https://www.gasthof-wadl.at/

Tag 2
https://www.kaernten.at/motorrad/motorrad-aussichtspunkte-ausfahrt-mit-ausblick/
https://www.daskloesterle.at/
https://alpenrouten.de/Lumiei-Val-Lumieischlucht_point573.html

https://www.sauris.org/de/unberuehrte-natur/#see
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Passo_Cibiana
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Staulanzapass
https://alpenrouten.de/Razzo-Sella-di-Razzo-Casera_point405.html

Tag 3
https://www.messner-mountain-museum.it/de/firmian/museum/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Veltlin
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Spl%C3%BCgenpass
https://youtu.be/NeAYb44s3DI?si=Jz61Dk4JrdhNJuPn
https://nossaistorgia.ch/entries/KEAVXQvPDNa
https://www.zhkath.ch/kirche-aktuell/spiritualitaet-seele/die-josefsgeschichte-als-freskomalerei

Tag 4
https://alpen-paesse.ch/de/
https://www.tcs.ch/de/tools/verkehrsinfo-verkehrslage/paesse-in-der-schweiz.php
https://youtu.be/Q7tDEhmD33E?si=Y_63D9fvBPpddsH3

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bergpoststrasse
https://www.nzz.ch/articleD7WD0-ld.371172
https://www.surselva.info/Media/Touren/Rheinschlucht-Ruinaulta-Ilanz-Reichenau
https://www.rhb.ch/de/blog/steinschlaggalerie-aulta

Der Säntis

Er ist schon einige Jahre auf unserer Agenda, der Säntis in der Ostschweiz. Mit seinen 2502 Metern Höhe und durch die exponierte, nördlich vorgelagerte Lage ist er eine von weitem sichtbare Landmarke.

Eine Schweizer Institution, das Postauto

Da es der letzte wirklich schöne Tag unserer Besuchswoche in der Schweiz zu werden scheint,  entscheiden wir uns spontan und fahren mit dem Zug über Zürich HB bis Gossau SG, steigen in die Appenzeller Bahn bis Urnäsch und von dort, womit sonst in der Schweiz, mit dem Postauto, das sogar einen Personen-Anhänger hat, bis zur Talstation der Säntisbahn auf der Schwägalp.

Auch für Biker zu empfehlen

Aber auch mit dem Motorrad ist die Straße auf die Schwägalp zu empfehlen. Sie kann entweder, wie mit dem Postauto, von Urnäsch über schöne Serpentinen und einige Haarnadelkurven erreicht werden, oder vom Kanton St.Gallen mit flotten Kurven durch den Wald bis zur Passhöhe auf 1278 m. Darum fehlt mir dieser Pass noch in meiner Liste.

Übrigens ist der Säntis mit der Schwägalp auch Teil der „Grand Tour of Switzerland“, die auf der landschaftlich schönsten Route für eine Schweiz Rundreise mit Auto oder Motorrad über 1643 km einmal durch die Schweiz vorbei an allen Highlights führt.

Atemberaubende Rundumsicht über 6 Länder

Wir gehen vom Postauto direkt zur Gondel, mit der man in nur 9 Minuten die Bergstation auf 2502 m erreicht. Das moderne Gebäude beherbergt einige Restaurants,  Ausstellungen und sogar ein Hotel. Das alles wird überragt vom 123 m hohen Sendeturm der Swisscom. Wir steigen aber gleich die Stufen Richtung Gipfel hinauf und sind überwältigt von der Rundumsicht.

Der Säntisgipfel ermöglicht einen Blick auf sechs Länder: Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien und Frankreich. Das Wetter ist uns wirklich hold, so ist es angenehm warm und sonnig und so finden wir neben dem Blick auf den Bodensee auch den Zürichsee, von den umliegenden Bergen ganz zu schweigen.

Bei einer kleinen Stärkung auf der Terrasse des Alten Berggasthofs beobachten wir neben den Dohlen auch noch einen Paraglider, der das Geschehen von noch etwas höher oben genießt.

Die Aussicht bei der Fahrt ins Tal bleibt ebenfalls beeindruckend mit Blick auf die Almen unterhalb des Felsmassivs. Die Seilbahn wird durch einen einzigen Mast gestützt, an diesem hält die Gondel und der Gondelführer lässt eine Bergsteigerin zusteigen, die in einem Kabäuschen im Mast gewartet hat.

Wenige Minuten später sind wir wieder an der Talstation, wo wir etwas verspätet zu Mittag essen und dann noch im Shop der Schaukäserei einige Appenzeller Käse erwerben, bevor es mit dem Postauto wieder ins Tal hinunter geht.

Für einen Ausflug nur zu empfehlen

Ein wunderschöner Ausflug auf sicher einen der Schweizer Berge mit der besten Aussicht geht zu Ende. Auch wenn die Fahrt mit einer Seilbahn nicht zu den billigsten Aktivitäten zählt, können wir wirklich nur empfehlen, diesen Berg zu besuchen, sei es mit dem Auto, dem Postauto oder auch dem Motorrad.

Links

https://www.postauto.ch/de/freizeitangebote/ausflugstipps/schwaegalp-linie?gad_source=1&gclid=Cj0KCQjwv7O0BhDwARIsAC0sjWP7v5N_07d2ULALyQrrFNJUyfSWpGlnLtv06GW4fxPp87R4mUIaVyQaAhJ8EALw_wcB&gclsrc=aw.ds
https://saentisbahn.ch/
https://theriders.ch/worlds/lifestyle/mai-2021-schwaegalp-pass-des-monats

https://www.myswitzerland.com/de-ch/erlebnisse/erlebnisfahrten/auto-motorrad-grand-tour/

Vom Baumwipfelweg zum Schafberg und doch ohne Dachstein

Der Baumwipfelweg in Gmunden

Auf unserer Fahrt nach Mondsee legten wir in Gmunden einen Zwischenstopp ein. Auf dem Grünberg gibt es einen Baumwipfelweg mit Aussichtsturm, der in dieser Form in Österreich einzigartig ist und den wir schon seit Langem sehen wollten.

Wir lösten ein Kombiticket für die Gondelbahn und den Pfad, das zwar kein Geschenk ist, aber auf jeden Fall die Ausgabe wert ist. Die Gondel der Grünbergbahn schwebt in wenigen Minuten auf den Berg und bietet dabei schon eine traumhafte Aussicht auf den Traunsee mit der Stadt Gmunden und dem Seeschloss Orth.

Den Einstieg zum Baumwipfelweg erreichten wir nach wenigen Gehminuten auf einem Schotterweg. Das erste Highlight kam schon nach wenigen Metern, eine Aussichtsplattform mit Blick auf die beinah überwältigende Bergkulisse um den Traunsee. Dann marschierten wir weiter, bis zu 27 Meter vom Boden zwischen den Bäumen mit vielen auch kindgerechten Infotafeln. Nach rund 1,5 Kilometern im Zickzack durch den Bergwald mit interessanten Einblicken in die Welt der Baumwipfel erreichten wir den 39 Meter hohen Aussichtsturm der in seiner Form einem Salzfass ähneln soll. Der Aufstieg ist auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl kein Problem, die Steigung beträgt maximal 6%. Die Wege am Pfad und am Turm sind auch breit genug, daß sie auch von Menschen, die nicht komplett schwindelfrei sind, ohne Probleme zu bewältigen sein sollten.

Gleich beim Einstieg in den Turm wurden wir darauf hingewiesen, selbst die Filzmatte für die Rutsche mitzunehmen. Diese schlängelt sich von einer Plattform in 28 Metern Höhe als Rohrrutsche über 75 Meter hinunter. Leider spielt da mein Hüftgelenk nicht mit, aber meine Frau hat sie natürlich getestet. Vorher bestiegen wir den Turm auf dem spiralartigen Weg bis ganz oben und wurden dafür mit einer Aussicht über halb Oberösterreich belohnt.

Hinab ging es dann für meine Frau rasch, für mich zu Fuß etwas langsamer. Nach einigen 100 Metern durch den Wald kamen wir nahe der Gondelstation an einer weiteren Attraktion für die ganze Familie, nämlich dem „Grünberg-Flitzer“, einer Sommerrodelbahn vorbei. Sie schlängelt sich auf rund 1,4 Kilometern in vielen Kurven hinunter, nicht bis ins Tal, sondern man wird mit einem Lift samt Rodel wieder nach oben gezogen. Obwohl wir sie nicht genutzt haben, ist sie auf jeden Fall zu empfehlen.

Nach einer kleinen Stärkung in der Grünbergalm geht’s dann wieder mit der Gondel ins Tal und weiter an den Mondsee.
Dieser kleine Ausflug weckte auf jeden Fall die Lust, sich noch weitere ähnliche Aussichtstürme in ganz Europa anzuschauen, den Link dafür findet ihr unten.

Die Schafbergbahn

Am heißesten Tag der Woche wollten wir der Hitze ein Schnippchen schlagen und eine der zahlreichen Bergbahnen im Salzkammergut erkunden. Vor bereits vielen Jahren hatten wir es im Advent nur geschafft, bis unterhalb der Schafbergalm zu kommen, jetzt wollten wir ganz hinauf. Die Schafbergbahn als steilste Zahnradbahn Österreichs bringt seit 1893 jährlich rund 340.000 Besucher von der Talstation auf den 1.783 Meter hohen Gipfel des Schafberges und überwindet bei jeder Fahrt knapp 1.190 Meter. Diesmal wollten wir auch mit dabei sein.

Wir hatten leider vergessen, die Fahrkarten online zu bestellen und hofften, wenn wir rechtzeitig, sprich mehr als eine Stunde vor der Abfahrt, in der 2023 neu errichteten Talstation sein würden, noch mit dem ersten Zug mitfahren könnten. Das ging sich dann knapp nicht mehr aus, so mussten wir eine Stunde auf die nächste Abfahrt warten, die wir mit einem Spaziergang überbrückten. Daher unbedingt, wie eigentlich heute schon fast überall,  im Voraus online buchen, hier kann man den Zeitpunkt für die Berg- und Talfahrt wählen. Runde zwei Stunden sollten am Berg reichen, das Panorama zu genießen und in einer der Hütten einzukehren.

Die Bergfahrt dauert rund 35 Minuten und bietet da schon Ausblicke auf die umgebenden Seen und ein überwältigendes Gebirgspanorama. Wenn man Glück hat und das auch will, erwischt man einen Zug mit historischer Dampflok. Bei uns war es der Folgezug,  was dafür das Fotografieren erleichterte.

Wir hatten Glück mit dem Wetter und die Fernsicht war recht gut. Auf der einen Seite waren Wolfgangsee und ein Stück des Fuschlsees zu sehen, auf der anderen Seite der Attersee und Mondsee und dahinter der Irrsee. Vom nahen Zwölferhorn bis zum weit dahinter liegenden Watzmann, dem Tennengebirge bis zum dominaten Dachstein kann man auch als nicht besonders Bergkundiger eine imposante Alpenkulisse bewundern.

Wenn man historische Bahnen mag, ist auch die Talfahrt wieder ein Erlebnis, sonst reicht es auch so, die Fahrt durch Felsen, Wälder und Almen mit dem fast ständig grandiosen Ausblick zu genießen.

Diesmal nicht auf den Dachstein-Krippenstein

Eigentlich hatten wir für unseren letzten Tag noch die Dachstein/Krippensteinbahn geplant, doch vergessen, Kleidung für die Eishöhle mit -2 Grad mitzunehmen und der Vormittag war zusätzlich noch recht vom Hochnebel dominiert,  daher beschlossen wir, nochmals einen Radtag zu machen. Wir brauchen ja eh für nächste Salzkammergut-Urlaube auch noch Programm.

Links

https://www.gruenberg.info/de/wandern-aktivitaeten/attraktionen/baumwipfelpfad-salzkammergut
https://treetop-walks.com/salzkammergut/
https://treetop-walks.com/de-at/
https://www.gruenberg.info/de/wandern-aktivitaeten/attraktionen/sommerrodelbahn-gruenberg-flitzer
https://www.5schaetze.at/de/schafbergbahn.html

Lachendes und weinendes Auge am Salzkammergut-Radweg

Für unseren Aufenthalt in der Nähe des Mondsees im Hotel Eichingerbauer haben wir uns vorgenommen, einige besonders schöne Teilstrecken des Salzkammergut-Radwegs R2 zu befahren und euch natürlich darüber zu erzählen.

Teilstück 1: Mondsee – Irrsee – Wallersee

Vom Hotel Eichingerbauer weg fuhren wir eine kleine Straße hinauf und über die Autobahn A1 und wurden dafür mit einem ersten netten Ausblick auf den Mondsee belohnt. Weiter ging es dann leicht bergauf und bergab, bis wir dann auf den markierten Radweg R2 stießen. Auch dieser verlief kleine Straßen und Güterwege entlang, bis wir den Irrsee rechts neben uns hatten.

Zuerst mit Blick auf das Irrseemoor, dann immer wieder recht nah am Wasser,  fuhren wir das Westufer entlang, bis uns die von Komoot vorgeschlagene Route steil den Berg hinauf leitete. Bei einem Bauernhof endete der Weg in einem Fahrverbot, an das wir uns diesmal hielten und umkehrten um weiter dem markierten Weg zu folgen. Erst in Irrsdorf entschieden wir uns, nicht auf dem R2 durch Strasswalchen, sondern wieder über einen steilen Anstieg die ebenfalls markierte Strecke über einen bewaldeten Rücken hinauf zu fahren, wo wir dann wieder hinunter nach Steindorf und Neumarkt am Wallersee kamen, wo wir uns dann am Hauptplatz einen Kaffee gönnten. Die Markierung führte uns an die Wallerseerunde, wo es ebenfalls am westlichen Ufer entlang durch das Moor mit einer interessanten Aussichtsplattform weiterging.

Kurz bevor die Westbahn ebenfalls ganz knapp an den See herankommt, entdeckte meine Frau einen kleinen Seezugang, wo wir bei einer kleinen Pause Fische, Vögel und Boote beobachten konnten.

Nach einem Eis im Zentrum von Seekirchen stießen wir in Eugendorf auf den Mozartradweg, der uns dann weiter wieder als R2 bis Thalgau neben der Straße und dann durch Siedlungen und über Güterwege bis in die Nähe unseres Hotels brachte.

Unsere gefahrene Route findet ihr unten als Komoot-Link zur Anregung. Das kleine Stück, das fehlt um die Runde zu schließen liegt daran, daß ich die Komoot Aufzeichnung erst nach eineinhalb Kilometern gestartet habe.

Teilstück 2: Bad Ischl – Bad Goisern – Obertraun – Hallstatt und zurück

Wir starteten bei unserem Parkplatz am Salinenplatz direkt an der Traun und fuhren flussaufwärts zuerst die Esplanade entlang und dann an einem Seitenarm bis zu einem Kaiser Franz Josef Denkmal.

Der weitere Weg verlief am linken Ufer der Traun bis Lauffen, wo ein deutscher Unternehmer einige leerstehende, aber historisch bedeutende Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert rund um den Marktplatz revitalisiert und hoffentlich wirtschaftliches Leben eingehaucht. So entstand im ehemaligen Kaiserin Elisabeth Hospitz das Kaiserin Elisabeth Kaffeehaus.

Der Radweg verlief dann weiter durch Bad Goisern und die Bundesstraße B166 bis kurz vor dem Hallstättersee, wo die Straße dem Westufer, der Radweg aber dem Ostufer folgt. Dieser Teil als Rad- und Wanderweg ist sicher einer der schönsten im Salzkammergut und führt mit der spannenden Hängebrücke über eine der tiefsten Stellen des Hallstättersees mit 125,2 m Wassertiefe.

Kurz danach könnte man vom Bahnhof Hallstatt mit der Fähre hinüber ins Städtchen Hallstatt fahren, wir radelten aber weiter bis Obertraun und dann die Straße am Westufer bis Hallstatt. Kaum waren wir in der Fußgängerzone, begann es zu regnen und als wir einen Platz in einem Café ergattert hatten, schüttete es bereits. Wir konnten so im Trockenen abwarten, bis der Spuk wieder vorbei war.

Die Stadt ist wieder fest in der Hand asiatischer und arabischer Touristen und manchmal wird einem leider wieder das Gefühl vermittelt, dass wir österreichischen Besucher nicht mehr wichtig sind. Ich vergönne den Verantwortlichen natürlich den Erfolg, doch während und kurz nach Corona die Gewebetreibenden froh über die einheimischen Touristen waren, haben das manche anscheinend bereits wieder vergessen.

Kurz vor Bad Ischl regnete es nochmals, wir schafften es aber noch relativ trocken bis zur Konditorei Zauner an der Esplanade, wo uns ein Eiskaffee die Wartezeit bis zum Ende des Regens verkürzte.

Die letzten Meter bis zum parkenden Auto waren dann wieder trocken und so die Erinnerung an diese Tour nur mehr positiv.
Auch diese Komoot-Aufzeichnung habe ich wieder für euch unten verlinkt.

Teilstück 3: Von St.Gilgen bis St.Wolfgang am See entlang

Das Wetter hielt was es versprach und obwohl es am späten Abend und in der Nacht noch ein Gewitter und einiges an Regen gab, wurde es schon in der Früh recht warm. So beschlossen wir, diesmal etwas kürzer zu fahren und von St.Gilgen über Strobl nach St.Wolfgang zu radeln.

Leider ist die Radwegverbindung zwischen Mondsee und Wolfgangsee über die Scharflinger Höhe nur auf der stark befahrenen Straße möglich. Dabei gab es noch 2017 vielversprechende Pläne (siehe die Links unten dazu), den Hüttensteintunnel der ehemaligen Bad Ischler Bahn dafür zu öffnen, aber anscheinend sind diese seither im Sand verlaufen. An der slowenischen Paranzena und im italienischen Kanaltal, aber auch im niederösterreichischen Ybbstal konnte man die ehemaligen Bahntunnel äußerst erfolgreich in die Radwege integrieren. Schade, daß das hier nicht möglich zu sein scheint.

Da wir keine begeisterten Straßenfahrer sind, musste das Auto herhalten und wir stiegen erst in St.Gilgen am Parkplatz bei der Zwölferhornbahn aufs Fahrrad um. Der Radweg führt dann recht abwechslungsreich durch die Orte am Seeufer und weiter durch Uferwälder und Moore mit einem kleinen Aussichtsturm im Blinklingmoos, teilweise auf der ehemaligen Bahntrasse und einem getrennten Radweg  neben der Bundesstraße um den Wolfgangsee herum bis ins Zentrum von St.Wolfgang.

Wir stellten unsere Räder vor der Pfarrkirche ab und statteten ihr einen Besuch ab, um den weltbekannten gotischen Pacher-Altar zu sehen. Die Kanzel stammt von Meinrad Guggenbichler, zu dem ich später noch kommen werde. Aber nicht nur deswegen strahlt die Kirche eine eigene Atmosphäre aus und lockt noch immer als Wallfahrtskirche tausende Pilger an.

Wenn man schon in St.Wolfgang ist, muß man natürlich auch ein weiteres Highlight des Ortes besuchen,  nämlich das von der Ralf Benazky Oper bekannte Hotel „Weisses Rössl“, wo wir uns auf der Terrasse eine nicht sehr günstige, dafür aber auch nicht besonders aufregende Melange gönnten. Der Platz auf der Seeterrasse entschädigte dafür. und, wie ich gerade entdeckte: „meine“ Papierhandlung ist auch nur mehr Geschichte ….

Zum Abschluss unserer Sightseeing-Tour im nächsten Touristen-Hotspot des Salzkammerguts mieteten wir ein Elektroboot um den Ort mit einer romantischen Seerunde auch von dort aus zu bewundern. Hitzebedingt und auch wegen unserer Neugier kürzten wir den Rückweg mit der Fahrradfähre nach Abersee an der engsten Stelle des Sees ab und mussten dann nur mehr gute 5 km zum Auto zurückradeln, nur noch unterbrochen durch einen Stopp beim St.Gilgener Seecafe für einen Eiskaffee, um dann so rasch wie möglich im Hotelpool zu landen.

Auch von dieser kürzeren Tour gibt es unten die GPX Daten von Komoot.

Teilstück 4: Eine halbe Mondseerunde

Für diesen Tag stand eine Schiffsrunde am Mondsee am Plan, daher fuhren wir mit den Rädern vom Hotel Eichingerbauer über den R2 auf kleinen Straßen bis zur wunderschönen Kirche von St.Lorenz unterhalb der Drachenwand und dann über Schwarzindien nach Mondsee.

Dazu unterquert man optimal die B154 (Mondsee-Straße), was an anderen Stellen bei dieser stark befahrenen Straße aus Sicherheitsgründen ebenfalls notwendig wäre.

Wir hatten noch Zeit genug bis zur Abfahrt des Schiffes und fuhren daher am Nordwestufer auf dem Radweg entlang des Sees weiter bis zum öffentlichen Badeplatz in Loibichl und dann wieder zurück zur Schiffsanlegestelle in Mondsee. Der Ausblick über den See zur Drachenwand hin ist unvergesslich und wenn man genau schaut, sieht man das acht Meter große Loch und die Reste der Ruine Wartenfels am benachbarten Schober.

Die Runde mit dem Schiff über den See war gemütlich und dabei habe ich auch die oben genannten Punkte gelernt. Wir entschieden uns dann, die Kirche Mariahilf hoch am Hang oberhalb von Mondsees anzusehen, eine sehr steile Straße hinter der Basilika führt hinauf, was aber mit dem E-Bike kein echtes Problem ist. Die Wallfahrtskirche selbst war und ist noch immer ein Anziehungspunkt für viele Pilger. Der Hochaltar gilt vor allem in seinem Aufbau als eine Meisterleistung des Bildhauers Meinrad Guggenbichler, der, – ein Schweiz-Bezug für meine Frau – in Einsiedeln geboren und in Mondsee verstorben ist. In der Mitte des Untergeschoßes hängt in einem verglasten Schrein das Gnadenbild – eine Kopie des Originals von Lukas Cranach dem Älteren, das sich in Innsbruck befindet.

Gleich neben der Kirche befindet sich das Freilichtmuseum Rauchhaus, auf jeden Fall ein Besuch wert, uns war es aber zu heiß. Wir setzten uns stattdessen am Hauptplatz vor der Basilika in den Schanigarten einer Konditorei und genossen als kleinen Snack statt eines Mittagessens einen „kleinen“ Brandteigkrapfen (Windbeutel) mit Eis und Früchten. Den Besuch der Basilika St.Michael, deren Dach gerade erneuert wird, haben wir nicht vergessen, wir waren dort bei unserem letzten Mondsee-Besuch.


So gestärkt ging es dann wieder zurück über Schwarzindien und St.Lorenz zum Hotel, wo der Pool schon auf uns wartete. Der Komoot-Link ist natürlich unten angeführt.

Teilstück 5: Zum Fahrradtunnel an der Kienbergwand

Eigentlich war ja eine Fahrt auf den Dachstein-Krippenstein geplant gewesen, aber ohne adäquate Kleidung für die Eishöhle einerseits und wegen des bedeckten Wetters andererseits entschieden wir uns zum Abschluss des Urlaubs nochmals für eine Radtour, diesmal am Südwestufer des Mondsees den Radweg an der B154 entlang bis zur Abzweigung nach St.Gilgen und dann weiter zum 2004 errichteten Fahrradtunnel.

Warum die Planer und Errichter von der Kreuzung Richtung St.Gilgen bis zum rund 500 m entfernten Tunnel den Radweg neben der stark befahrenen Straße „vergessen“ haben, entzieht sich bei den angefallenen Baukosten für Straßen- und Fahrradtunnel der Logik eines Außenstehenden, noch dazu, weil man dabei auf diesem kurzen Stück zweimal die Straßenseite wechseln muss.

Der 1168 m lange Tunnel ist asphaltiert und perfekt beleuchtet und dazwischen immer wieder zum See hin offen. So ist es es auch für etwas ängstlichere Menschen kein Problem durchzufahren und trotzdem nicht unspektakulär. Gleich am anderen Tunnelende befindet sich der Kreuzstein und der baulich getrennte Radweg endet hier auch schon wieder.

Der Rückweg ging auf der gleichen Strecke bis Schwarzindien, wo wir uns noch im Strandbad einen Eiskaffee gönnten und dann auf einer etwas abweichenden Route über den Hügel zurück zum Hotel fuhren. Unsere Energie war noch nicht ganz weg und so beschlossen wir statt der vom Hotel empfohlenen Wanderung am Helenenweg mit den Bikes zur sogenannten Erlachmühle zu fahren. In der letzten aktiven Mühle des Mondseelandes, die ausgesprochen idyllisch an der Zeller Ache liegt, wird aus dem eigenen Mehl in der Holzofenbäckerei Brot gebacken. Leider waren wir viel zu früh, da die angeschlossene Jausenstation auch erst um 14 Uhr öffnet. Den kurzen Abstecher über die Hügel hinter dem Hotel war es trotzdem auf jeden Fall wert und das Holzofenbrot haben wir dann am Heimweg im Supermarkt gekauft.

Damit klang der Tag ein letztes Mal am Pool aus. Den zugehörigen Link von Komoot findet ihr natürlich auch unten.

Fazit

Gleich vorweg, wir haben (fast) jeden Meter unserer Touren genossen. Mit E-Bike sind die manchmal recht kräftigen Steigungen kein Problem, auch nicht die relativ zahlreichen Schotterwege, im Zeitalter der Bodenverdichtung ist aus meiner Sicht der Asphalt wirklich nicht überall notwendig.
Was aber schon verwundert, sind die auch auf unseren ausgesuchten Strecken vorhandenen Teilstücke, die ohne bauliche Trennung auf stark befahrenen Straßen führen. Die Werbung des Salzkammergut-Tourismus suggeriert anderes und weist auch selten darauf hin.

Weitere Beispiele sind am Weg nach Hallstatt Streckenteile, die so schmal sind, daß entgegenkommende Fußgänger oder Radfahrer beinahe ins Gebüsch ausweichen müssen. In anderen Gebieten Österreichs wäre das kein Radweg, sondern eher ein Single-Trail. Über den Kienbergwand-Fahrradtunnel habe ich weiter oben geschrieben. Das eingeschlafene Projekt, den ehemaligen Bahntunnel unter der Scharflinger Höhe zu öffnen ist ein weiteres Beispiel, wo die Werbung der Realität nicht standhält. Vielleicht liegt es auch an länderübergreifenden Kompetenzen zwischen Oberösterreich und Salzburg, die sich hier im Weg sind? Schon klar, auch die Budgets dafür muß es geben, aber in anderen Bundesländern geht’s ja auch.

Unser Hotel

Wir hatten das Hotel Eichingerbauer im Jänner das erste Mal besucht und die Gastfreundschaft der Familie und des gesamten Personals genossen. Da es noch dazu praktisch in Sichtweite des Salzkammergut-Radwegs liegt, haben wir rasch beschlossen, im Sommer mit den Rädern wieder zu kommen. Auch diesmal war es wieder so, das Frühstücksbuffet und die mehrgängige Abendessen können wir nur empfehlen. Viele regionale Lieferanten sorgen für sehr gute Grundprodukte und der Hausherr legt auch besonderen Wert auf die österreichische Weinauswahl, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann.

Einziger kleiner Wermutstropfen: die Damen des ÖSV Speedteams, die einige Tage in der zum Hotel gehörigen Tennishalle trainiert hatten, waren bereits abgereist. Mehr dazu im Facebook-Link unten!

Links

https://www.ausflugstipps.at/oesterreich-tour/detail/100145/ostuferradweg-am-hallstaettersee.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pacher-Altar_(St._Wolfgang)
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ralph_Benatzky

https://www.bahntrassenradeln.de/details/at5_01.htm
https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/salzburger-grenzfall-ischlerbahntrasse-wird-zum-radweg-57149230
https://www.salzburgerland.com/de/magazin/das-blinklingmoos-in-strobl/
https://www.moorverein-wolfgangsee.at/hochmoor/

Irrsee: https://www.komoot.de/tour/1651107277?ref=aso
Hallstatt: https://www.komoot.de/tour/1653300078?ref=aso
Wolfgangsee: https://www.komoot.de/tour/1654904592?ref=aso
Mondsee halbe Runde: https://www.komoot.de/tour/1658512243?ref=aso
Fahrradtunnel und Erlachmühle: https://www.komoot.de/tour/1660257555?ref=aso

https://mondsee.salzkammergut.at/oesterreich-poi/detail/400984/wallfahrtskirche-maria-hilf.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Meinrad_Guggenbichler
https://mondsee.salzkammergut.at/oesterreich-poi/detail/400127/freilichtmuseum-mondseer-rauchhaus.html
https://www.schifffahrt-mondsee.at/

https://www.eichingerbauer.at/

https://www.facebook.com/Hotel.Eichingerbauer/posts/pfbid031mHL4CR1gw3sCvJB9oArSDzY4AMxuj2NnAFMSNdfMwLxN1VaL7PxS2cvSbY5Rigzl

Süddeutsche Automuseen mit viel Bezug zu meiner Heimat Baden bei Wien

Die Heimfahrt war einerseits geprägt von weniger Regen für mich persönlich, andererseits waren wegen der angespannten Hochwassersituation viele kilometerlange Umleitungen nötig. Waren es am Hinweg Kurven und Landschaft, so zogen mich am Rückweg die Automuseen in Stuttgart, Ingolstadt und Dingolfing in ihren Bann. Der Bezug zu meiner näheren Heimat ist ebenfalls spannend.

Tag 6 – Von Bad Herrenalb nach Stuttgart zu Porsche und Mercedes

Dieser Abschnitt ist mit rund 75 km die kürzeste Strecke meiner ganzen Tour. Daher brauchte ich mich auch nicht besonders beeilen, speziell weil es während des Frühstücks noch immer intensiv regnete. Aber während ich meinen Koffer fertig machte, hörte es anscheinend auf und ich beeilte mich um wegzukommen. Minütlich starteten die anderen aus der Tiefgarage und dann war ich auch bereit und fuhr los. Es sah gut aus, das Helmvisier blieb trocken, aber leider, nach einigen Minuten schon fing es an zu regnen und das hielt die nächsten 70 km bis kurz vor Stuttgart an.

Mythos Porsche

Mein Hotel lag nur einige Minuten Fußweg vom Porsche Museum, so konnte ich rasch in die Ausstellung gelangen. Gleich als eines der ersten Exponate entdeckte ich einen Porsche 356, den Ferdinand Porsche 1948/1949 im kärtnerischen Gmünd gebaut hatte. Ferdinand Porsche, war auch langjähriger Direktor der Austro-Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt. Er arbeitete auch bei Daimler in Stuttgart, worauf ich bei meinem  Mercedes Kapitel eingehe.

Mit diesem Österreich-Bezug möchte ich auch schon enden und euch nur mit einigen Bildern mitnehmen. Für Porsche- und Technikfans ist dieses Museum ein Muss, wo man die Geschichte, den Mythos und die sportlichen Erfolge dieser Marke modernst aufbereitet erleben kann. Sollte das nicht reichen, kann man auch sofort eines der neuesten Modelle zum Fahren buchen.

Mercedes – vom Benz Patent Motorwagen zur modernsten Antriebstechnik

In Stuttgart muss man aber genauso das Mercedes Museum gesehen haben, als fuhr ich mit dem Taxi ans andere Ende der Stadt. Bei der Fahrt im Starkregen meinte der Taxifahrer, daß er die Neckar seit mehr als 10 Jahren nicht so hoch gesehen habe.

In diesem Museum sind die Österreich-Bezüge und speziell zum südlichen Niederösterreich noch größer. Der in meinem Nachbarort Hirtenberg geborene geniale Mercedes-Benz Konstrukteur Béla Barényi ist einerseits der Vater der Sicherheitsfahrgastzelle, andererseits konnte Barényi nachweisen, dass er bereits in den 1920er Jahren das Konzept des Käfers detailliert dargelegt, aber nicht ausreichend durch Patente abgesichert hatte, woraufhin seine Urheberschaft am VW Typ 1 gerichtlich anerkannt wurde. Von 1955 bis zu seiner Pensionierung 1974 leitete Barényi die Vorentwicklung bei Daimler-Benz.

Ferdinand Porsche bei Daimler

Von 1906 bis 1923 stand Ferdinand Porsche an der Spitze der Daimler-Werke in Wiener Neustadt im südlichen Niederösterreich und verschaffte dem Begriff „Austro Daimler“ Weltgeltung. Er konstruierte benzin-elektrische (sic!) Automobile, aber auch Flugmotoren und schwere Zugwagen, die im Ersten Weltkrieg zum Ziehen der Mörser eingesetzt wurden. Von 1923 bis 1929 arbeitete Ferdinand Porsche bei Daimler in Stuttgart, wo er die Weiterentwicklung des Zweiliter-Mercedes-Kompressorwagens leitete und die „S“- und „SSK“-Sportwagen sowie Lastautos entwickelte.


Ursprung in Baden bei Wien

Damit aber nicht genug, hat der Markenname Mercedes ebenfalls seinen Ursprung bei uns in Niederösterreich. Der Diplomat und Händler Emil Jellinek  ließ in Baden bei Wien eine 50 -Zimmer-Villa bauen und nannte sie nach seiner Tochter „Villa Mercedes“. Leider ist heute davon bezeichnenderweise nur mehr die Garage erhalten.


Emil beschäftigte sich intensiv mit der Faszination Automobil und besaß bereits früh einen Benz, der ihn allerdings nicht überzeugte. 1896 bestellte er nicht nur seinen ersten Daimler-Wagen, sondern verkaufte sie in Folge auch selbst erfolgreich in für damalige Verhältnisse hohen Stückzahlen. Er fuhr unter dem Pseudonym seiner Tochter Autorennen und ließ dafür von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, den Mercedes 35 entwickeln, dieser gilt heute als erstes modernes Automobil.

1902 wurde der Name „Mercedes“ von der Daimler Motorengesellschaft als Warenzeichen angemeldet und gesetzlich geschützt. Jellinek ließ sogar seinen Familiennamen auf Jellinek-Mercedes ändern. Die Namensgeberin Mercedes Jellinek-Mercedes starb 1929 im Alter von 39 Jahren an Knochenkrebs und ist am Wiener Zentralfriedhof begraben.

Das Buch „Der Friedhofsgucker unterwegs“ von Dietmar und Elfi Holzinger enthält auf den Seiten 76-85 noch mehr Details und auch noch Geschichten über andere verstorbene Persönlichkeiten aus der Umgebung von Baden. Die Bezugsquelle findet ihr in den Links.

Der letzte Österreich-Bezug ist ein historischer Postbus, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Es gibt noch viele spannende Mercedes-Objekte, ein paar davon will ich euch noch zeigen.

Tag 7 – von Stuttgart nach Ingolstadt ins Audi Forum

Die Berichte in Fernsehen und Internet zeigten die schwierige Hochwassersituation um Donau und Inn mit vielen gesperrten Straßen und Umleitungen. Es war auch eher anzunehmen, daß sich die Lage eher noch verschlechtern wird. Ich beschloss daher, diesmal nur über die Autobahn zu fahren, die noch oder schon wieder frei befahrbar war. Die Wettervorhersage war auch nicht sehr vielversprechend, daher zwängte ich mich wieder in die Regenkombi, obwohl es beim Losfahren noch trocken war. So sollte es dann doch den ganzen Tag bleiben.
Vom Porsche-Museum zur A81 sind es nur wenige Kilometer, dort ging es weiter bis Höhe Heilbronn und dann über die A6 bis Nähe Nürnberg, das letzte Stück verlief dann Richtung Süden auf der A9 bis Ingolstadt und direkt zum Audi-Forum.

Das Museum Mobile: vom DKW Motorrad bis zum Rallyfahrzeug

Da zumindest ich bei Audi und den Vorgängermarken keinen Österreich-Bezug kenne, werde ich, um auch ein bisschen meinem Ansatz eines Motorrad-Blogs gerecht zu werden, mehr von den Motorrädern im Museum zeigen.

Zuerst die Audi Motorsport-Legenden

Doch das erste, was mir ins Auge stach, war ein über 4 Stockwerke gehender riesiger Paternoster. Wie ich erst zuhause herausfand,  ist er mit 14 Plattformen der weltweit größte seiner Art. Hier wird die 50-jährige Motorsport-Geschichte von Audi zum Beispiel mit dem Audi A4 DTM-Sieger von 2007, dem Audi Le Mans Prototyp R8 LMP von 2002, dem Audi A4 STW von 1996, einem Audi Sport quattro Rallye Gruppe B von 1985, dem NSU 1300 TT „Jägermeister“ von 1975 sowie einem  DKW F11/64 Tourenwagen von 1963 präsentiert. Der Audi Rallye quattro Gruppe 4 von 1980, den ich damals bei einem von mir veranstalteten Rodelrennen das erste Mal in Natura und nachträglich betrachtet recht zahm auf der glatten Schneefahrbahn unserer Rennstrecke erlebt hatte, stach mir natürlich besonders ins Auge.

Die Silberpfeile und die Hochgeschwindigkeitswagen der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts nehmen natürlich auch einen sehr prominenten Platz ein. Es ist fast nicht nachvollziehbar, daß schon in den 1930ern auf einem Stück der deutschen Reichsautobahn mit den damals extrem schweren und unhandlichen Reifen ein Geschwindigkeitsrekord von rund 400 km zustande kam.

DKW und Wanderer Motorräder waren gefragt und populär,  einige davon seht ihr hier.

Alltagsautos von den 1950ern bis in die 1970er

Ein besonderes Auto, das Kindheitserinnerungen weckt, ist der NSU Ro80 mit seinem Wankelmotor. Aber genauso der NSU Prinz oder TT gehörten zum damaligen Straßenbild.

Hochwasser an der Donau

Nach dem Museumsbesuch checkte ich in einem kleinen Hotel in der Nähe der Altstadt ein, so konnte ich zu Fuß trocken die Altstadt erkunden. Die Donau war bis auf den Rand voll, die Wege am Ufer standen unter Wasser, an manchen Stellen waren es weniger als ein halber Meter bis auf das Straßenniveau.

Ich entdeckte in der Fußgängerzone einen Braugasthof, wo ich mir neben einem guten Hellen eine Leberknödelsuppe und einen Schweinebraten mit Kartoffelknödel gönnte. Es war sehr gut und deftig, der Cholesterinspiegel schnellte sicher hinauf und mein Fußmarsch war mehr als egalisiert.

Tag 8 – Von Hans Glas und BMW zurück nach Österreich

Auch der Montag war wieder sonnig und ich verzichtete auf die Regenkombi, der Weg nach Dingolfing ins dortige Museum für Industriegeschichte war theoretisch nur runde 100 km und ich wollte daher auch möglichst wenig die Autobahn benutzen. Wegen des Hochwassers waren aber auch hier südlich der Donau und nördlich der Isar eine Reihe von Straßen im recht flachen Land gesperrt, was das Navi und meinen Orientierungssinn wieder herausforderte. So folgte ich einem Einheimischen kilometerweit über Feldwege vorbei an Hopfenfeldern und ersparte mir einen Riesenumweg.

Mittelalterlicher Stadtkern und das weltweit zweitgrößte BMW-Werk

Daß sich aus der kleinen Erzeugung für Landmaschinen des Hans Glas das zweitgrößte BMW-Werk entwickeln würde, war in den 1950er Jahren noch nicht absehbar. Diese Geschichte wird im Museum für Industriegeschichte erzählt. Ich war zu früh, da das Museum erst um 13 Uhr öffnet, daher spazierte ich durch alte Gassen vom Oberen Stadtplatz in die Untere Stadt, wo gerade Wochenmarkt war.

Was ist eine Jahreskrippe?

In der Stadtpfarrkirche entdeckte ich als Krippenfan etwas, das in Österreich sehr selten ist, aber in Bayern wieder eine Renaissance erfuhr, nämlich eine Jahreskrippe. Hier werden die Ereignisse des Kirchenjahres dargestellt und entsprechend umgebaut. Derzeit ist das Pfingstfest als Thema dargestellt.

Von der Milchzentrifuge zum BMW iX5

Gleich zu Beginn der Ausstellung im Museum für Industriegeschichte im 3.Stock entdeckte ich eine Milchzentrifuge, die mich an meine Kindheit erinnerte. Ich durfte auf einem solchen Gerät bei meinen Großeltern am Bauernhof noch in den späten 1960ern mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit drehen und so Rahm und Magermilch trennen. Ein weiteres landwirtschaftliches Gerät war die Dreschmaschine, die noch in den 1970er Jahren im Einsatz war.

Mit solchen Maschinen, wie auch einer Sähmaschine, startete Hans Glas seine industrielle Laufbahn. Sein Hauptintereresse galt aber rasch dem PKW und er entwickelte das allgemein bekannte Goggomobil in verschiedenen Varianten.

Unser erstes Auto

Der Glas Isar war 1963 das erste Auto meines Vaters. Umso mehr hat es mich gefreut,  daß genau ein solches Modell in Grau hier ausgestellt wurde.

Die Hans Glas GmbH wurde im Jahr 1966 von BMW gekauft, woraus sich dann im Lauf der Jahre eines der größten Autowerke entwickelte. Darum stellt BMW der Stadt Dingolfing und damit dem Technikmuseum immer wieder spezielle Fahrzeuge oder Fahrzeugmodelle zur Verfügung.

Schnittmodell eines Elektroautos

Als besonderer Blickfang präsentierte sich der zum ersten Mal auf der IAA 2021 gezeigte aufgeschnittene BMW iX xDrive50 mit seinen Lithium-Ionen-Akku, der im Unterboden zwischen den Achsen platziert ist und mit einer Netto-Kapazität von 105,2 kWh eine WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern ermöglicht.

Im Hof ist dann noch das Alu Space Frame genannte Auto-Skelett eines Rolls Royce Phantom, das ebenfalls in Dingolfing erzeugt wird, zu sehen.

Damit war mein Besuch in diesem interessanten Museum zu Ende und ich machte mich auf den Weg Richtung Österreich.

Eiskaffee, Bier und Kalbsbeuschel

Mein geplanter nächster Stopp wäre zuerst der am Weg gelegene Eberhofer-Kreisel bei Frontenhausen und dann Braunau am Inn gewesen, doch wegen einiger Hochwasser-bedingter Umleitungen landete ich weiter nördlich an der Innbrücke von Schärding. Nach einem stärkenden Eiskaffee am Stadtplatz machte ich mich auf den Weg quer durch Oberösterreich nach Kefermarkt, wo ich im Gebäude der Schlossbrauerei des Schloss Weinberg, das ein oberösterreichisches Erwachsenen- Bildungszentrum beherbergt, übernachten wollte. Das hier gebraute Bier musste natürlich verkostet und der Hunger nach dem langen Tag mit einem köstlichen Kalbsbeuschel mit Knödel gestillt werden.


Der sonnige Morgen rief nach einem Spaziergang, um die Umgebung und die Atmosphäre mit dem Fotoapparat zu erkunden.

Um 8 Uhr öffnete das Café Stöckl neben der Pfarrkirche, wo ich ein besonders liebevoll hergerichtetes Frühstück genoss.

Der Kefermarkter Flügelaltar

Danach wollte ich natürlich das eigentliche Juwel des Ortes besichtigen. Die Pfarrkirche beherbergt den Kefermarkter Flügelaltar, ein Ende des 15.Jahrhunderts aus Lindenholz gefertigter 13,5 m hoher Schrein mit überlebensgroßen Statuen des heiligen Petrus, des heiligen Wolfgang und des heiligen Christophorus. Dieser von einem unbekannten Künstler geschaffene Flügelaltar zählt zu den Hauptwerken der Gotik im deutschsprachigen Raum und zu den bekanntesten Altären Österreichs.

Das letzte Stück des Heimweges verlief unspektakulär in der Sonne über Perg, Grein und den Strudengau am linken Donauufer bis zur Donaubrücke Melk und dann über die Autobahn bis Alland und weiter ins untere Triestingtal.

Links und Quellen

https://www.porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum/aboutthemuseum/
https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/porsche/
https://www.fahrtraum.at/ferdinand-porsche-bei-daimler-mercedes-benz/
https://www.mercedes-benz.com/de/kunst-und-kultur/museum/
https://www.mercedes-benz.com/de/innovation/meilensteine/emil-jellinek/
https://www.spiegel.de/geschichte/der-erste-mercedes-a-946468.html
https://mbpassion.de/2021/10/wer-war-eigentlich-emil-jellinek/
https://www.kaiserhaus-baden.at/emil-1853-1918-und-raoul-fernand-1888-1939-jellinek-mercedes/
https://www.kral-verlag.at/item/Der_Friedhofsgucker/Dietmar_Holzinger/Elfi_Holzinger?isbn=9783991031468
https://www.mercedes-benz.com/de/kunst-und-kultur/museum/ausstellung/mythos-5/
https://www.audi.de/de/foren/de/audi-forum-ingolstadt/audi-museum-mobile.html
https://www.museum-dingolfing.de/museum/#industriegeschichte
https://www.auto.de/magazin/rolls-royce-das-skelett-kommt-aus-bayern/
https://www.stoeckl.cafe/
https://www.ausflugstipps.at/oesterreich-poi/detail/400422/fluegelaltar-kefermarkt.html

Anreise und Treffen mit Freunden

Warum ruft der Schwarzwald gerade jetzt?

Das ist eine längere Geschichte, die schon im Jahr 2012 begann. Damals fragte Freund U. mich und einige weitere Bekannte, ob wir ihn bei einem Bikertreffen seiner Firmenkollegen bei uns in Lindabrunn als Guide unterstützen möchten. Rund 100 Biker kamen, die meisten aus der Gegend um Hamburg, und wir zeigten ihnen, dass es im südlichen Niederösterreich und im Mariazeller Land auch viele schöne und kurvige Motorradtouren gibt.

Das wurde 2017 wiederholt und ich besuchte sie dazwischen auch noch in Mecklenburg-Vorpommern und an der Mosel. Seitdem war es zeitlich nicht mehr möglich, aber jetzt als Pensionist ist die Zeiteinteilung doch einfacher geworden. 2024 fand dieses Treffen in Bad Herrenalb im Schwarzwald statt.  So beschloss ich, beim Hinweg die Deutsche Alpenstraße zu erkunden und am Rückweg einige große Automuseen zu besuchen. Daher wurde aus einem Wochenende eine 9-Tagestour, an der ihr virtuell teilnehmen könnt.

Der erste Teil handelt von der Hinfahrt und vom Treffen in Bad Herrenalb,  im zweiten Teil erzähle ich von der Rückfahrt und den Stopps in einigen süddeutschen Automuseen.

Tag 1 – Von Enzesfeld nach Hallein

Den ersten Tag meiner viertägigen Fahrt in den Schwarzwald kann man getrost abhaken und beinahe den Mantel des Vergessens darüber breiten. Von den 320 km nach Hallein waren nur die ersten 50 bis kurz vor St.Pölten sonnig und trocken, ab da war die Regenkombi, die ich mir an einer Tankstelle in der Autowaschbox (dort war es trocken) angezogen habe, Gold wert.

Die Strecke bis Haag nahm ich auf der Autobahn, dann ging es weiter nach Steyr und dann nach Gmunden. Die Straße über die Großalmhöhe vorbei am Taferlklaussee brachte mich an den Attersee und von dort ging es weiter an den Mondsee, vorbei an St.Gilgen am Wolfgangsee an den Fuschlsee und dann von Faistenau über die schmale Straße durch die Strubklamm nach Hallein. Der Teil von Gmunden bis Hallein ruft nach Wiederholung bei besserem Wetter, ich denke da werde ich im nächsten Jahr eine 2-Tagesrunde dafür organisieren.

In Hallein war es dann trocken, daß ich nach meinem mexikanischen Abendessen im Hotelrestaurant Tepito noch eine Runde über die Pernerinsel und die Altstadt gehen konnte.

Tag 2 – Von Hallein nach Bad Tölz

Gleich nach dem Frühstück startete ich los und fuhr über den Dürrnberg vorbei am Salzbergwerk auf die Roßfeldpanoramastraße. Nach der Mautstelle führten die schön ausgebauten Kurven auf 1570 m Höhe wo ein herrlicher Rundblick über das gewaltige Bergmassiv des Hohen Göll, den Kehlstein, das Tennen- und Dachsteingebirge, den Untersberg sowie über das Berchtesgadener und Salzburger Land überwältigte.

Im Hans-Peter Porsche Traumwerk

Da die Strecke zwischen Berchtesgaden und Inzell wegen Bauarbeiten gesperrt war und ich nicht über das wohlbekannte kleine deutsche Eck fahren wollte, legte ich kurz nach Bad Reichenhall einen Zwischenstopp in Anger im Hans-Peter Porsche Traumwerk ein. Das ist ein Museum, das kleine und große Kinderherzen höher schlagen läßt.

Der erste Teil widmet sich dem Blechspielzeug, wo von Dampfmaschinen und Lokomotiven über Landschaften bis zu Schiffen alles gezeigt wird, was damals exklusiv und für den Durchschnittsbürger meist unerschwinglich war. Porsche und VW-Modelle dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Eine Modelleisenbahnanlage der besonderen Art

Im zweiten Teil fährt die Modellbahn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz in gut 2,7 Kilometern und in 17 Minuten durch einen Tag. Was mich als Niederösterreicher mit einer Schweizer Ehefrau besonders fasziniert hat, der Bahnhof Breitenstein am Semmering mit dem Viadukt bei der Kalten Rinne, unter dem man als Motoradfahrer im südlichen NÖ auf jeden Fall schon durchgefahren sein muss, liegt gleich neben dem Schweizer Gotthard-Massiv mit dem neuen Basistunnel, durch den wir schon mit der Bahn gefahren sind und der Tremola, die noch für Juli auf meinem Motorradtourplan steht.

Und doch noch Porsches

Der dritte Teil widmet sich den Porsches in Originalgröße, immer in Form einer Sonderausstellung, derzeit geht es einerseits um das Gaisberg-Rennen, das den 95. Geburtstag feiert, mit seinen Fahrzeugen und Fahrern und Fahrerinnen. Andererseits werden gerade die 60er Jahre mit ihren Designs und Erscheinungen vom Minirock und Flowerpower und natürlich dem 911er aus dieser Zeit vorgestellt.

Weiter auf Umwegen Richtung Westen

Nach einer Gulaschsuppe im gemütlichen Gastgarten ging es wieder weiter, wobei mich das Navi unbedingt auf die deutsche A8 bringen wollte, weil ich vergessen hatte, Autobahnen auszuschließen.

Nach einer weiteren Sperre bei Siegsdorf, die ich über winzige Bergsträßchen durch einen Ferienwohnpark umfuhr um wieder auf die Straße Richtung Inzell zu kommen, war mein Navi vollends verwirrt. Dabei war ich auch froh, daß mir die beiden Unimogs der Straßenbaufirma nicht in einer der engen Haarnadelkurven, sondern erst danach begegneten.

Nach Reit im Winkel und dem unscheinbaren Masererpass führte es mich noch korrekt nach Bernau am Chiemsee und dann nach Aschau. Bald danach fuhr ich aber an der Abzweigung Richtung Samerberg, wo ich sehr gerne gefahren wäre, vorbei und kämpfte mich dann irgendwie nach Unteraudorf durch, wo ich wieder auf meiner geplanten Route landete.

Übrigens, die Ortschaft am Schild im Bild unten ist die, bei der ich eigenartigerweise in den letzten Tagen aus allen Richtungen immer wieder vorbei kam.

Vom Tatzelwurm zum Tegernsee

Hier beginnt der mautfreie Teil der Tatzelwurmstraße, die sich in vielen kleinen Kurven bis zum Parkplatz beim Wasserfall hinaufwindet. Wenn man schon da ist, kann man mit ein paar Minuten Fußweg dieses Naturschauspiel bewundern.

Der anschließende Sudelfeldpass begann gleich mit einer 60er Geschwindigkeitsbeschränkung und Querstreifen, die einen rüttelnd daran erinnerten und so den Fahrspass in Grenzen hielten. Dafür ging es dann am Schliersee vorbei in einer kilometerlangen 50er Baustellen-Beschränkung ohne sichtbare Arbeiten, wobei mich dort trotz meiner eh recht großzügigen Auslegung des Limits ein deutscher Kollege locker mit der doppelten Geschwindigkeit überholte.

Am Tegernsee staute es sich dafür, bis ich durch den Kreisverkehr kam und ich gegen den Strom Richtung Südufer meiner Route folgen konnte. Nach Wildbad Kreuth ging es kurz über die österreichische Grenze und dann vorbei am Sylvensteinspeichersee über Lenggries zum Hotel in Bad Tölz, wo dann der Tag nach rund 360 Kilometern bei einem Burger für den kleinen Hunger endete.

Tag 3 – Von Bad Tölz nach Bludenz

Es schüttete um 6 Uhr am Morgen, um 7 Uhr regnete es so dahin und dann wieder stärker und hörte dann auf. Während ich mich nach dem Frühstück umzog, kam auf einmal die Sonne durch und innerhalb weniger Minuten war der Himmel strahlend blau. Ich packte die Regenkombi wieder ins Topcase und freute mich auf einige trockene Kilometer.

Den Kesselberg muss man gefahren sein

Bald erreichte ich den Kochelsee, wo es vorbei am Westufer zum Kesselberg geht, der ja irgendwie ein Mythos ist. In Kochel, vor der Abzweigung zum Pass, fand gerade die Fronleichnamsprozession statt, leider fand ich keinen guten Platz zum Stehenbleiben und Fotografieren. Aus einer Totalsperrung des Passes für Motorräder wurde eine Sperre von Montag bis Freitag von 15:00 bis 22:00, was das „Afterwork-Hatzerl“ unterbindet. Dabei gibt es noch eine 60er Beschränkung und in vielen Kurven eine Teilung der Straße mit Warnbaken, was den Fahrspass erheblich einschränkt. Der Blick über den Kochelsee war trotzdem grandios.

Sprungschanze, Schaukäserei, Lüftlmalerei und Passionsspiele

Vom Walchensee ging dann meine Tour weiter über Garmisch-Partenkirchen direkt neben der Sprungschanze vorbei Richtung Ettal mit der  berühmten Benediktinerabtei und der Schaukäserei nach Oberammergau, wo alle 10 Jahre, das nächste Mal 2030, die Passionsspiele stattfinden. Die berühmte Lüftlmalerei konnte ich auf einem kleinen Rundgang durch den Ort genauso bewundern wie die allgegenwärtige Schnitzkunst. So konnte ich auch meine Krippensammlung um ein kleines Stück aus Oberammergau ergänzen.

Nach einem Kaffee ging es noch immer bei Sonnenschein weiter Richtung Schwangau. Wenn man schon daran vorbeifährt, muß man der Burg Neuschwanstein natürlich auch einen Fotostopp gönnen, es war ja nur ein Mini-Umweg.

Dabei flitzte ein eigenartiger Fiat 500 mit stark verschmälerter Hinterachse vorbei, der meine Aufmerksamkeit erweckte. Es ist ein Umbau zu einem Quasi-Dreirad, das führerscheinfrei ab 16 Jahren gefahren werden kann. Mehr Details findet ihr im Link unten.

Im flachen Alpenvorland ging es dann weiter über Füssen, bis es zu regnen begann. Ich konnte mich in Nesselwang gerade noch unter das Dach einer Tankstelle retten, bevor ein Gewitter mit Donner und Blitz niederprasselte. Nach fast einer Stunde erst wurde der Regen weniger und ich schlüpfte in meine Regenkombi und startete wieder. Aber schon am Oberjoch wurde der Regen weniger und nach gut 40 Kilometern am Riedbergpass kam wieder die Sonne durch, der Asphalt dampfte und trocknete wieder auf und die Kurven machten ohne viel Verkehr Riesenspass.

Leider zu früh gefreut

Auf österreichischem Boden wurde der Regen leider wieder stärker und stärker, sodaß ich in Hittisau im tollen Gasthof Krone Pause machen wollte, aber auf einmal tröpfelte es nur noch und ich fuhr weiter, um mir das Heraus- und Hineinwinden in die Regenkombi zu ersparen. Leider leitete mich das Navi ins wunderschöne Bödele (oder ich bog einfach falsch ab), der Regen wurde stärker und ich sah auf einmal den Bodensee und stellte fest, daß ich statt in Bludenz oberhalb von Dornbirn landete. Da ich von nassen Kurven genug hatte, nahm ich den Weg über die Rheintalautobahn bis Bludenz, der mir im Regen mit dem Motorrad viel weiter vorkam als sonst mit dem Auto bei Schönwetter.

Das Hotel Löwen empfing mich mit einem großen Zimmer und einer heißen Dusche und ich konnte den Tag im Hotelrestaurant mit einer Vorarlberger Spezialität, nämlich Käsknöpfle in der Pfanne mit Salat mit einem ebenfalls lokalen Fohrenburger Bier und Panna Cotta entspannt beenden. Dabei kam die Sonne auch nochmals heraus und zeigte die Stadt von der schönsten Seite.

Tag 4 – Von Bludenz nach Bad Herrenalb

Es begann schon vor dem Frühstück mit Regen. Bei meinem kleinen Morgenspaziergang durch die Bludenzer Altstadt zeigten die Wolken, die an den Bergen um die Stadt hingen, daß sich daran auch nicht viel ändern würde. Ich zog mir daher gleich im Hotelzimmer die Regenkombi über und sollte bis zur Ankunft in Bad Herrenalb froh darüber sein, denn von den fast 360 Kilometern hatte es 280 nur geschüttet, wodurch Fotostopps obsolet und mein Tagesbericht umso kürzer wurden.

Der Abend und Tag 5 – Treffen mit Freunden

Ich war dann um 19:30 der letzte, der angekommen war, aber anscheinend auch der mit der längsten Anreise. Da schon alle im Speisesaal versammelt waren, schälte ich mich rasch aus Regenkombi und Goretex Jacke und Hose und verteilte alles im Zimmer zum Trocknen und stieß zu den anderen, um noch etwas vom Buffet zu ergattern, was überhaupt kein Problem war.

Nach einigem Suchen erkannte ich einige noch bekannte Gesichter, 7 Jahre sind in diesem Fall doch eine recht lange Zeit und es sind viele nicht mehr dabei und natürlich viele für mich neue Teilnehmer. Wir frischten Erinnerungen auf und genossen den Abend bei dem einen oder anderen Bier, für das das Orga-Team einen Sponsor in einer befreundeten Fima gefunden hatte.

Der Samstag ist der traditionelle Tourtag für alle, doch wetterbedingt entschieden sich einige, so auch ich, eine Pause einzulegen. Nach einem Gruppenfoto mit den Bikes am Rathausplatz starteten die Guides mit ihren Gruppen los.

Das Wetter war dann aber doch besser als angekündigt und so machte ich eine Runde zu Fuß durch das Klosterviertel und den Kurpark von Bad Herrenalb, bevor ich wieder im Hotel relaxte. Ein paar Bilder aus der Gegend des ehemaligen Zisterzienserstiftes, der Altstadt und des Kurparks will ich euch nicht vorenthalten.

Vor dem Abendessen versammelten wir uns nochmals in der Hotelhalle zu einem Gruppenfoto und freuten uns, dass alle wenn auch nass, aber heil zurück gekommen waren. Das Hotel hatte eine tolles Buffet vorbereitet und vom Getränkesponsor gab es anschließend nochmals ein Bier und einen Schnaps für alle.

Organisator B. ließ die letzten Tage nochmals Revue passieren und ließ mich als den Teilnehmer mit der weitesten Anreise hochleben. Ich nützte die Gelegenheit um alle Teilnehmer, die einmal in Lindabrunn dabei waren, um ein gemeinsames Foto zu bitten um Freund U., der hier nicht dabei sein konnte, damit zu überraschen. Es fanden sich noch rund 30 Bikerinnen und Biker dafür (ein paar waren zu spät, mit denen machte ich noch ein extra Selfie) und U. hatte sich sehr drüber gefreut.

Obwohl es meist nicht ganz einfach ist, fand dann B. mit der Unterstützung und den Überredungskünsten von Mastermind R.B. das Organisationsteam für das 25. Bikertreffen, das damit in Schleswig-Holstein stattfinden soll. Nach wichtigen Benzin- und Planungsgesprächen an der Hotelbar war es dann an der Zeit, sich zu verabschieden, der Heimweg am Sonntag versprach ja wieder sehr feucht zu werden und das Bikertreffen 2024 war damit zu Ende.

Links

https://www.salzkammergut.at/oesterreich-poi/detail/401537/strubklamm.html

https://www.rossfeldpanoramastrasse.de/de/

https://www.traumwerk.de/

https://www.traumwerk.de/triumpfe-am-berg-95-jahre-gaisberg-rennen/

https://www.motorradonline.de/ratgeber/streckensperrung-kesselberg-fahrverbot/

https://www.passionsspiele-oberammergau.de/de/startseite

https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2016/3/Lueftlmalerei_Mittenwald_Oberammergau.php

https://www.neuschwanstein.de/

https://www.fuessenaktuell.de/index.php/2018/03/dreirad-auto-16-jaehrige/

https://www.badherrenalb.de/de/freizeit/umgebung/das-klosterviertel-bad-herrenalb-id_161/

Wie aus meiner Wählerstimme ein Mandat wird

Das Jahr 2024 ist in Österreich durch eine Reihe von Wahlen geprägt, angefangen mit einigen Landtagswahlen über die Arbeiterkammerwahlen. Die EU-Wahl folgt im Juni und im September die Nationalratswahl. Dann folgen im Jänner 2025 für Niederösterreich noch die Gemeinderatswahlen.

Demokratie und Wahlen sind mit Arbeit verbunden

Die meisten von uns haben sich wahrscheinlich noch nie wirklich gefragt, was zwischen ihrer Stimmabgabe im Wahllokal und der Veröffentlichung des Endergebnisses passiert, und da andererseits immer wieder die Frage gestellt wird, ob es bei Wahlen mit rechten Dingen zugeht und wer das kontrolliert. Ich sage hier salopp, wir alle können das, es ist nur mit etwas persönlichem Einsatz als Mitglied einer Wahlbehörde verbunden.

Daher möchte ich in diesem Blog die österreichischen Wahlbehörden vorstellen und eine Lanze für ihre Aufgaben brechen. Ich bin seit kurz vor meiner Matura politisch aktiv und seit dieser Zeit, also rund 45 Jahre auch in den unterschiedlichsten Wahlbehörden vom Gemeindesprengel, bei Partei- und Betriebsratswahlen und jetzt in der Bezirkswahlbehörde tätig und diese alle möchte ich hier kurz beschreiben. Keine Angst, ich gehe nicht zu sehr ins Detail, das kann man aber gern in meinen weiterführenden Links nachlesen. Die Mitglieder der einzelnen Ebenen werden von den wahlwerbenden Parteien nach einem Schlüssel, der auf dem vorigen Wahlergebnis beruht, nominiert und für ihre Aufgabe vereidigt.

Bis zu 70.000 Menschen sind in den Wahlbehörden freiwillig tätig

Da es bei Bundeswahlen rund 10.000 Wahllokale gibt, werden bis zu geschätzt 70.000 Menschen benötigt, um Wahlen ordnungsgemäß durchführen zu dürfen. Hierfür kann sich jeder Bürger über eine politische Partei nominieren lassen, ein politisches Amt ist dafür nicht nötig. Normalerweise ist es umgekehrt, die Parteien suchen oft händeringend nach Menschen, die sich bereit erklären, diese Funktion am Wahltag für einige Stunden auszuüben. Die Abgeltung der Wahlbeisitzer wird ab dieser Wahl mit einer Staffelung nach Aufwand pauschal von 33 Euro bis 100 Euro vereinheitlicht. Bisher gab es sehr oft keine Entschädigung für den zeitlichen Aufwand.

Die Sprengelwahlbehörde

Die kleinste und erste Ebene bei Wahlen ist der Sprengel. Hier geben wir Wähler unsere Stimme ab, wenn wir nicht die Briefwahl bevorzugt haben. Diese Stimmen müssen nach dem Ende der Wahlzeit gezählt und verifiziert gemeldet werden. Wenn wir das Wahllokal betreten, fallen uns einige Menschen auf, die dort sitzen, stehen oder Listen ausfüllen oder abhaken. Das sind die Mitglieder der Sprengelwahlbehörde die aus einem Wahlleiter, den Stellvertretern, den Beisitzern und Wahlzeugen und Gemeindebediensteten als Helfern besteht.
Sie alle sind dafür verantwortlich, daß eine Wahl ordnungsgemäß abläuft und am Ende der Wahl das korrekte Sprengelergebnis an die Gemeindewahlbehörde übermittelt wird. Wahlleiter und Beisitzer sind berechtigt die Stimmen auszuzählen, die Wahlzeugen beobachten den Wahlvorgang und die Helfer erstellen die Protokolle.

Die Stimmenauszählung

Zuerst werden die ungeöffneten Kuverts gezählt, die dann mit der Anzahl der abgegebenen Stimme laut Liste übereinstimmen muss. Erst wenn das passt, werden die Kuverts geöffnet und nach Parteistimmen mit und ohne Vorzugsstimme und ungültigen Stimmen sortiert. Die Summe dieser Stimmen muß wieder mit den abgegebenen korrelieren. Über die ungültigen Stimmen wird nach den Regeln, die für jede Wahl gesetzlich festgesetzt sind, als Sprengelwahlbehörde befunden. Erst wenn alle einig sind, wird das Protokoll von allen stimmberechtigten Mitgliedern unterzeichnet und mit den aufgeteilten Stimmzetteln in einzelnen verschlossenen Kuverts an die Gemeindewahlbehörde übermittelt.

Die Gemeindewahlbehörde

Der Vorsitzende der Gemeindewahlbehörde ist der Bürgermeister. Er beruft nach klaren Regeln und einem Zeitplan, der aufgrund des Wahltermins vom Gesetzgeber festgesetzt ist, die Mitglieder ein. Diese werden auch hier nach oben genannten Regeln von den wahlwerbenden Parteien nominiert. Die Gemeindewahlbehörde beschließt die Wahlzeiten, die Anzahl der Sprengel, die besondere  („fliegende“) Wahlbehörde, behandelt Einsprüche zur Wählerevidenz, setzt eventuelle Sperrzonen fest und übermittelt die Namen der Mitglieder an die Bezirkswahlbehörde. Sie ist auch nach Beendigung des Wahlvorgangs dafür verantwortlich, daß das Gemeindewahlergebnis zuerst telefonisch und dann auch physisch zeitgerecht an die Bezirkswahlbehörde übermittelt wird.

Die Bezirkswahlbehörde

Der Vorsitzende ist der Bezirkshauptmann, in unserem Fall die Bezirkshauptfrau. Sie nominiert einen Stellvertreter und  lädt, wieder abgestimmt auf den Zeitplan, sprich dem Wahlkalender, der aufgrund des Wahltermins gesetzlich geregelt ist, die Mitglieder. Diese werden auch hier von den wahlwerbenden Parteien entsandt und in der konstituierenden Sitzung angelobt und damit vereidigt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft sind unterstützend tätig. Hier wird auch der Ablauf der Wahlhandlung auf Bezirksebene beschlossen und zu Schulungen der Mitglieder der Gemeinde- und Bezirkswahlbehörde geladen.
Am Wahltag nach Auszählung der Stimmen in den Gemeinden nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Ergebnisse entgegen und überprüfen die rechnerische und sachliche Richtigkeit und stellen sie sortiert nach Gemeinden der Bezirkswahlbehörde zur Verfügung.
Diese tritt am Abend zusammen, um das konsolidierte Bezirkswahlergebnis zu verifizieren und zu beschließen, damit es als vorläufiges Ergebnis an die Landeswahlbehörde weitergeleitet werden kann. Die Wahl ist damit aber noch nicht beendet. Je nach gesetzlichen Gegebenheiten müssen noch die Stimmen der Wahlkarten und/oder die Vorzugsstimmen ausgezählt werden, wenn sie nicht von einer untergeordneten Wahlbehörde gezählt werden müssen. Das kann noch je nach Anzahl bis zu zwei Tage, sprich Montag und Dienstag nach der Wahl in Anspruch nehmen. Dazu werden Teams aus Mitarbeitern der Bezirkshauptmannschaft und mehrehren Besitzern gebildet, die die Stimmen auszuzählen und sortieren. Das beschlossene und unterzeichnete Endergebnis wird dann an die Landeswahlbehörde übermittelt und physisch mit allen Unterlagen zugestellt.

Die Landeswahlbehörde

Der Vorsitzende der Landeswahlbehörde ist der Landeshauptmann oder im Fall von Niederösterreich die Landeshauptfrau oder ein von ihr nominierter Wahlleiter mit Stellvertreter. Die Landeswahlbehörde führt die Oberaufsicht über alle anderen Wahlbehörden. Im Rahmen dieses Aufsichtsrechtes kann die Landeswahlbehörde insbesondere rechtswidrige Entscheidungen und Verfügungen der nachgeordneten Wahlbehörden aufheben oder abändern. Entscheidungen der Wahlbehörden im Berichtigungs- und Beschwerdeverfahren gegen die Wählerverzeichnisse können aber von der Landeswahlbehörde nicht abgeändert werden. Sie übermittelt auch die konsolidierten und geprüften Ergebnisse aus den Bezirken des Bundeslandes an die Bundeswahlbehörde.

Die Bundeswahlbehörde

Die oberste Wahlbehörde ist die Bundeswahlbehörde, deren Vorsitzender ist der Innenminister. Er ist damit der Bundeswahl-Leiter. Alle im Nationalrat vertretenen wahlwerbenden Parteien sind mit zumindest einem Mitglied vertreten. Der Bundeswahlbehörde gehören auch zwei Richterinnen/Richter aus dem Dienst- oder Ruhestand an.

Sie wird anlässlich jeder Nationalratswahl neu gebildet und ist mit der Leitung und Durchführung der Nationalratswahl sowie während der darauffolgenden Legislaturperiode mit der Leitung und Durchführung von Bundespräsidentenwahlen, Europawahlen sowie von Volksabstimmungen, Volksbegehren und Volksbefragungen betraut.

Der Innenminister verkündet das Endergebnis von bundesweiten Wahlen nach Auszählung aller Stimmen, Briefwahlstimmen können je nach Wahl erst später, in den Tagen nach der Wahl ausgezählt werden und erst danach steht das amtliche Endergebnis fest.

Die Briefwahl

Falls du am Wahltag verhindert bist, kannst du per Briefwahl wählen. Du benötigst hierfür eine Wahlkarte. Diese kann bei der eigenen Gemeinde, mündlich oder schriftlich (im Postweg, per E-Mail, über eine Internetmaske, gegebenenfalls auch per Telefax) – beginnend mit dem Tag der Wahlausschreibung – beantragt werden. Auslandsösterreicherin/Auslandsösterreicher können  die Wahlkarte auch im Weg einer österreichischen Vertretungsbehörde im Ausland anfordern. 

Der Versand der Wahlkarte beginnt knapp drei Wochen vor dem Wahltag. Danach kannst du die Stimme sofort nach Erhalt der Wahlkarte abgeben und musst nicht bis zum Wahltag damit warten.

Die Wahlkarte ist ein verschließbares Kuvert. In der Wahlkarte befinden sich der amtliche Stimmzettel sowie ein blaues, ungummiertes Wahlkuvert. Auf der Wahlkarte findest du die Instruktionen zur Ausübung der Briefwahl. Weiters ist der Wahlkarte ein Informationsblatt angeschlossen. Du musst dafür sorgen, dass die Wahlkarte rechtzeitig bei der zuständigen Bezirkswahlbehörde einlangt, indem du die Wahlkarte ordnungsgemäß unterzeichnet z. B. in einen Briefkasten der Post einwirfst, auf einer Postgeschäftsstelle aufgibst oder bei der zuständigen Bezirkswahlbehörde direkt abgibst.
Es ist auch möglich, sofort am Gemeindeamt zu wählen, dafür wird eine Wahlzelle oder ein eigener Raum zur Verfügung gestellt. Dann kannst du die Wahlkarte gleich am Gemeindeamt abgeben. Diese Wahlkarten werden dann am 9. Juni über die jeweilige Wahlurne im Wahlsprengel den  Stimmzetteln hinzugefügt. Im Fall der heurigen Europawahlen und der Nationalratswahl leitet die Bezirkswahlbehörde alle anderen verschlossenen Wahlkarten an die jeweiligen Gemeinden weiter, wo sie dann wie oben in den Sprengeln mit ausgezählt werden.

Von der Stimme zum Mandat

In Österreich gilt das Verhältniswahlrecht, die Anzahl der Mandate pro Partei wird durch das sogenannte D’Hondt-Verfahren ermittelt. Die Anzahl der Mandate ist dabei auf jeder Vertretungsebene gesetzlich festgelegt. Die Anzahl der abgegebenen gültigen Stimmen wird durch diese Zahl der Mandate dividiert, daraus ergibt sich die Wahlzahl. Diese wird dann der Reihe nach auf die Anzahl der Stimmen jeder Partei aufgeteilt, bis alle Mandate vergeben sind. Ein Beispiel dieser sehr kompliziert klingenden, in der Praxis aber recht einfachen Methode kannst du in den Links nachlesen.

Klare Regeln und maximale Transparenz

Meine an manchen Stellen vereinfachte Darstellung zeigt, daß durch die Wahlbeisitzer, die Einigkeit über das Ergebnis in ihrer jeweiligen Wahlbehörde erzielen müssen, und die Wahlzeugen maximale Transparenz gegeben ist. Jede Abweichung von diesen Regeln wird gesetzlich geahndet und kann bis zur Wahlwiederholung führen, was auch schon vorgekommen ist. Es ist daher im Sinn von uns allen, dafür zu sorgen, daß alle Schritte gesetzeskonform ausgeführt werden.

Für alle, die in einer Wahlbehörde tätig sein werden: Diese Zusammenstellung ersetzt NICHT die Unterlagen und Schulungen, die ihr erhaltet oder erhalten habt!

Die Rolle der Vorzugstimmen und welche Rolle Kleinparteien spielen

Als Ergänzung zur aktuellen Nationalratswahl 2024 habe ich hier einen Artikel in der neusten Ausgabe der Niederösterreichischen Nachrichten angefügt, in dem die Politikwissenschafterin Katrin Praprotnik erklärt, wie man ins Hohe Haus kommt.

Links

https://www.oesterreich.gv.at/themen/transparenz_und_partizipation_in_der_demokratie/demokratie-und-wahlen/wahlen/1/Seite.320240.html
https://www.oesterreich.gv.at/lexicon/W/Seite.992454.html
https://www.rechteasy.at/wiki/dhondt-verfahren/
https://www.bmi.gv.at/412/start_Leichter_Lesen_2.aspx
https://www.bmi.gv.at/412/Europawahlen/Briefwahl.aspx

https://www.oesterreich.gv.at/Gesetzliche-Neuerungen/archiv-bgbl-2023/Wahlrechtsaenderungsgesetz-2023.html

https://www.meinbezirk.at/c-politik/diese-wahlen-stehen-heuer-in-oesterreich-an_a6451303

Alle Menschen werden Brüder oder 200 Jahre Beethovens 9. Symphonie

Das Jahr 2024 steht im Zeichen des 200. Jahrestages von Beethovens 9. Symphonie. Nur Wenige außerhalb unserer Bezirkshauptstadt Baden und Umgebung wissen, daß diese Symphonie von hier ihren Siegeszug durch die Welt angetreten hat. Die Uraufführung fand am 7. Mai 1824 am Kärntertortheater in Wien statt.

Sie ist seit dem Jahr 1972 die Hymne des Europarates. 1985 wurde sie in der Instrumentalfassung von den EU-Staats- und ‑Regierungschefs als offizielle Hymne der Europäischen Union angenommen. Im Jahr 2024 mit den Europawahlen sind wir aber leider weiter denn je entfernt von der Intention der „Ode an die Freude“ mit der Friedensbotschaft.

Beethoven komponierte auch in Baden

Ludwig van Beethoven verbrachte aus gesundheitlichen Gründen 15 Sommer in Baden bei Wien. Er bewohnte in der Kurstadt zahlreiche Wohnungen, davon in den Jahren 1821, 1822 und 1823 das heutige Beethovenhaus, das seit 1962 der Stadt Baden gehört. Seit 1965 gibt es darin die Beethoven-Gedenkstätte. Im Jahr 2014 wurde es als heutiges Beethoven-Haus eröffnet.

Bild: Carl Schlösser: Beethoven in seinem Heim (ca. 1811)
Quelle: https://www.baerenreiter.com

Die ausgestellten Möbelstücke sind nicht original, sondern stammen aus der Zeit Beethovens und geben die Atmosphäre wieder, in der er in diesem Haus gelebt hat. Auf dem Hammerklavier hat er aber schon einige Male selbst gespielt und heute werden darauf auch wieder Konzerte gegeben. Die Geschichte dazu findet ihr im Link unten.

200 Jahre 9. Symphonie

Derzeit widmet sich eine Sonderausstellung diesem Jubiläum und diesem Musikstück. Ein besonderes Highlight ist ein Brief, in dem Beethoven im September 1823 verspricht, die Partitur von op. 125 innerhalb der nächsten zwei Wochen zu liefern. Dieses Kleinod ist eine Leihgabe des Beethoven-Hauses in Bonn und beweist, daß diese wunderbare Melodie in Baden entstanden ist. Unten findet ihr den Link, wo man den Text des Schriftstücks sogar nachhören kann.

Die Sommerfrische in Baden lässt Beethoven kreativ sein

Nicht nur „Die Neunte“, sondern unter anderem auch „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ oder die „Missa solemnis“ sind zumindest teilweise in Baden entstandenen und können an eigenen Klangständen auch außerhalb der Sonderausstellung nachgehört werden.

Der absolute Höhepunkt der Ausstellung ist aber ein Video der Aufführung des vierten Satzes der Symphonie, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt, das nicht nur zu „hören“, sondern auch zu „sehen“ (als elektronische Darstellung der einzelnen Instrumente im Zusammenspiel) und zu „lesen“ (der Partitur) ist.

Fazit

Diese Sonderausstellung und auch das Beethoven-Haus an sich ist für alle Klassik-Begeisterten oder Geschichte-Interessierten ein Muss, wenn sie in der Nähe von Baden sind. Ein für viele eher trockenes Thema wird hier sehr zeitgemäß und informativ präsentiert. Sie ist noch bis 3.November 2024 geöffnet. Während dieser Zeit gibt es eine Reihe von Veranstaltungen und Konzerten, das genaue Programm könnt ihr der Homepage des Beethoven-Hauses und der Stadt Baden in den Links unten entnehmen.

Links

https://www.beethovenhaus-baden.at/
https://www.baden.at/Das_Beethoven-Klavier_ist_wieder_daheim_1
https://www.tourismus.baden.at/beethoven-2024-in-baden
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ludwig_van_Beethoven
https://european-union.europa.eu/principles-countries-history/symbols/european-anthem_de
https://www.beethoven.de/de/media/view/5108492276858880/Ludwig+van+Beethoven%2C+Brief+an+Franz+Christian+Kirchhoffer%2C+Baden%2C+5.+September+1823%2C+Autograph?fromArchive=5670237424844800
https://www.baerenreiter.com/themen/beethoven/klaviermusik/hans-joachim-hinrichsen-beethovens-klaviersonaten/

In der Südsteiermark

Das verlängerte Wochenende hat uns für einige Tage ins Hotel Mahorko an der südsteirischen Weinstraße geführt. Ein bisschen aktiv sein mit dem E-Bike, ein bisschen Wellness, Kulturgenuss der besonderen Art und natürlich Kulinarik stehen am Programm.

Vom Weingut zum Wellness- und Kulinarik-Hotel

Mir ist das Mahorko von einem Event unseres SAP-Teams bei Capgemini vor rund 15 Jahren noch in guter Erinnerung. Der Blick von der Terasse über die Weinberge Richtung Slowenien ist unvergesslich, die Umgebung lädt zu Erkundungen ein und der Wein war damals schon exzellent.
Heute kommt noch ein geheizter Infiniti-Pool dazu, der das Landschaftserlebnis noch toppt. Die Terrasse wurde ebenfalls vergrößert und um eine im wahrsten Sinn des Wortes herausragende Weinbar erweitert.

Vorbei an den Wasserbüffeln zum höchstgelegenen Weingut

Für einen eher unsportlichen Pensionisten wie mich und auch meine Frau wäre es unvorstellbar, dieses sehr hügelige Gegend mit einem „normalen“ Fahrrad zu erkunden. Die elektrische Unterstützung ist aber immer nur so stark, wie man selbst will, sodaß man etwas spürt und treten muß man ja sowieso selber, auch wenn das klassische Radler meist naserümpfend nicht glauben wollen, bis sie es selbst einmal versucht haben.

So aber macht es mir und meiner Frau noch viel mehr Spaß, die gar nicht geringen Steigungen hinauf und hinunter zu radeln. Direkt neben dem Hotel führt die alte Weinstraße ins Tal Richtung slowenische Grenze. Bald an der Strecke liegt die riesige Koppel der Wasserbüffel unserer Gastgeber. Nachdem ich erst einmal Wasserbüffel in Natura vor Jahren im indischen Goa erlebt habe, ist es schon eine Freude zu sehen, wie wohl sich diese Tiere auch im südsteirischen Hügelland fühlen können.

Beim slowenischen Grenzübergang und an schön renovierten Kapellen und Bildstöcken mit traumhaften Aussichten vorbei landen wir am höchstgelegenen Weingut Österreichs auf rund 700m, dem Gut Moser. Vor mehr als zehn Jahren waren wir hier mit meinem damaligen Motorrad, einer Honda Varadero und wenn mir da jemand gesagt hätte, dass ich in der Pension mit dem Fahrrad über diese kleinen kurvigen Bergstrassen herkommen würde, hätte ich ihn ausgelacht. So aber ist es einfach ein Erlebnis und viel Freude dabei.

Jause am Holzbrett und Frizzante zum Verkosten

Da zum Abendessen im Mahorko bereits ein Wasserbüffel-Steak wartet, stillen wir unseren kleinen Hunger mit einer exzellenten Hauswurst, einem Stück Stollenkäse aus dem Almenland und einem aufgebackenen Hausbrot zum Hineinknien, wie wir umgangssprachlich sagen. Auch wenn der Wein noch in bester Erinnerung ist (nein, auch damals nicht beim Motorrad fahren,  sondern der wurde erst zuhause wirklich genossen), trinken wir dazu einen Trauben-Apfelsaft, zu einer kleinen Kostprobe des ausgezeichneten Frizzante auf Einladung des Hausherren können wir aber doch nicht Nein sagen.

Serpentinen, Wald und unendlich weite Aussicht

Dann geht’s über die schmale kurvige Straße hinunter bis Leutschach und Schloßberg, von wo wir wieder steil durch den Wald hinauf und über einige Hügel zurück zum Hotel radeln.

Die Runde könnt ihr in Komoot nachsehen: https://www.komoot.de/tour/1566631166?ref=aso

Der Tag klingt mit einem vorzüglichen Abendessen aus

Nach einem kurzen Bad im Pool und einem Saunabesuch mit Ausblick wartet bereits das Abendessen. Das Wasserbüffel-Steak ist butterweich und zart, erinnert entfernt an junges Wild und harmoniert mit den Rosmarinkartoffeln und dem leicht asiatisch angehauchten Gemüse. Ein Glas Wein aus dem eigenen Weingut komplettiert den wunderschönen ersten Tag an der südsteirischen Weinstraße.

Auf einen Kaffee durch die Auen nach Mureck

Der Sonnenaufgang am Freitagmorgen beginnt idyllisch mit Vogelgezwitscher und dem Wettstreit aller Hähne zwischen Gamlitz und Laibach und verspricht wettertechnisch Sonne und blauen Himmel.

Nachdem wir im Vorjahr während unseres Kurzurlaubs in Straden bereits das Teilstück des Murradwegs von der Schiffsmühle in Mureck nach Bad Radkersburg und retour gefahren sind, haben wir diesmal die Strecke von Ehrenhausen nach Mureck in unserem Programm.

Wir starten am Bahnhof von Ehrenhausen, überqueren die Bahn und die Mur und sind schon am Radweg R2 / Eurovelo 9, der bei uns daheim als Thermenradweg entlang des Wr.Neustädter Kanals verläuft und hier noch direkt den Fluss entlang führt. Innerhalb kurzer Zeit durch den blühenden Auwald sind wir bereits nach einem Kraftwerk, das hier die Wassermassen der Mur nützt, bei der  Bahnunterführung in Spielfeld und bald darauf unter der Autobahn A9 durch.

Idylle mit Erinnerungen an die 60er des vorigen Jahrhunderts

Nach einer ehemaligen Wehr, bei dem man an den braunen Wassermassen erkennt, dass es in der Obersteiermark mehr geregnet haben muss, sind wir schon an einer verfallenen aber nicht verlassenen Mühle, die etwas abseits des Radwegs liegt, angelangt. Die beiden Dörfchen Oberschwarza und Unterschwarza erfreuen uns radfahrende Touristen mit fast schon kitschiger sehr gepflegter Idylle. Ein noch zumindest von außen originales Tiefkühlhaus weckt Kindheitserinnerungen, als die Tiefkühltruhe noch nicht selbstverständlich in jedem Haushalt war. Auch zwei hölzerne Wiegehäuschen, wo wahrscheinlich die Getreidesäcke der Bauern gewogen wurden, sind noch liebevoll erhalten.

Abwechslungsreiche Natura 2000-Landschaft und Rollfähre

Der Radweg führt nun abwechselnd vorbei an frisch ausgesäten Äckern, wo schon die ersten zarten Triebe erkennbar sind, und durch kühle Auwälder. Immer wieder laden Buschenschanken und Labestationen zu einem gemütlichen Halt ein, wir sind aber noch satt vom ausgiebigen Frühstück und fahren weiter.

In der Nähe von Weitersfeld befindet sich eine Fähre über die Mur, die gerade von einigen Radfahrern genutzt wird, um auf das slowenische Ufer zu gelangen. Wir fahren weiter über Felder und Auen und erreichen Mureck, wo uns am Ortsanfang der mit dem Holzbaupreis ausgezeichnete Kindergarten besonders auffällt. Vor lauter Schauen habe ich aber leider aufs Fotofgrafieren vergessen.

Gemütliche Schanigärten laden ein

Im Ortszentrum lädt der Schanigarten des Café Oswald mit dem freundlichen Chef ein, wo wir gemütlich unseren Cappuccino in der warmen Sonne genießen. Im Murkostladen kaufen wir noch Minimuscheln aus einer Teigwarenerzeugung in Mureck, die unsere Enkelsöhne so gern in der Suppe haben. Eine gerade ankommende Motorradgruppe aus Oberösterreich weckt schon die Vorfreude auf meine Tour in den Schwarzwald in gut zwei Wochen.

Rückweg mit Riesenbroten zum Abschluss

Wir fahren auch heuer bei der Schiffsmühle vorbei, das Foto ist aber von unserem letzten Besuch im Vorjahr, weil heuer einfach zu viele Leute dort sind, und dann geht’s durch den Auwald wieder auf den markierten Radweg zurück und weiter flussaufwärts. Kurz vor Spielfeld wollen wir den kleinen Hunger stillen und gönnen uns bei einer idyllischen Labestation mit Hase und Enten als Radlerjause ein belegtes und ein Verhackerts-Brot. Den flüssigen Radler, natürlich auch aus der Steiermark, habe ich nicht fotografiert, der ist ja eh Allgemeingut. Satter als geplant geht es dann zurück zu unserem Auto in Ehrenhausen.

Unsere Route ist eigentlich einfach, da sie praktisch nur dem R2/Eurovelo 9 folgt, aber der Vollständigkeit halber könnt ihr sie hier sehen:
https://www.komoot.de/tour/1569597440?ref=aso

Buschenschank mit optischer und geschmacklicher Überraschung

Ein Bad im Infiniti-Pool und ein Saunabesuch mit einem Bad an der Sonne, bis sie hinter dem Hügel verschwindet und es kühler wird, dürfen heute auch nicht fehlen. Wir wollen auch zum Abendessen deftiger weitermachen und besuchen eine wunderschöne Buschenschank, das Weingut Tschermonegg, wo wir gestern mit dem Rad vorbeigekommen sind. Wir bekommen noch den letzten Sonnenplatz auf der Terrasse und bestellen zu unseren vorzüglichen Weißweinen ein Hirschcarpaccio mit Spargel und Steirer-Tapas mit Käferbohnensalat. Für’s Auge lasse ich die Bilder sprechen, den köstlichen Geschmack muß ich euch leider vorenthalten.
Den Abschluss macht eine Germstraube, die noch flaumiger ist als die geschmacklich ähnlichen Bauernkrapfen, mit einem Glas Frizzante.

Ausgefülltes Samstagsprogramm

Heute wird die Radtour etwas kürzer, weil wir am Nachmittag noch eine Weinverkostung machen wollen und am Abend noch in Graz die chinesische Show Shen Yun besuchen werden.

Gleich nach dem Frühstück geht es los, wir wollen die Kreuzbergwarte besuchen. Die Navigation von Komoot will uns gleich nach gut einem Kilometer durch einen abgesperrten privaten Weingarten leiten, da schadet es nicht auch noch selbst ein bisschen die Orientierung und Richtung zu behalten und den Hügel von der anderen Seite zu umfahren. Die Foto-Hotspots, ob markiert oder nicht markiert, häufen sich, die Aussicht links und rechts ist einfach genial. Wir erreichen bald die Kreuzung mit der Bundesstraße am Karnerberg, wo ich mich daran erinnere, daß wir hier vor Jahren auch mit dem Motorrad Halt gemacht haben. Es geht noch ein paar Kilometer rauf und runter und am Ende rauf, bis die Warte, ein 30 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz und Stahl vor uns auftaucht. Da das Wetter sehr klar ist, kann man im Nordwesten sogar den schneebedeckten Hochschwab erkennen (wenn man durch die Tafeln am Turm geführt wird) und im Süden in die Berge Sloweniens.

Dann fahren wir den gleichen Weg zurück, bis meine Frau noch eine Straße entdeckt, die wir zumindest noch ein Stück rauf und runter erkunden. Leider führt sie eher weg von unserem Hotel und es gibt auch keine Möglichkeit in vernünftiger Zeit eine Strecke weiter dorthin zu finden. Wir drehen daher um und stärken uns dann noch kurz in der genialen Osteria Marco Del Vecchio mitten in den Weinbergen mit einem Espresso, bevor wir wieder zum Hotel zurückkehren. Wie meist hat Komoot die Strecke protokolliert:

https://www.komoot.de/tour/1572321732?ref=aso

Südsteirische Genüsse

Da es erst kurz nach 12 Uhr ist, rufen noch Pool und Sonnenliegen, bevor wir hungrig werden und nach Spargelsuppe und Backhendlsalat die Weine verkosten. Da wir beide eher genießende Weintrinker als Weinkenner sind, gebe ich hier keine Kommentare oder Empfehlungen ab, ich habe aber trotzdem zwei Sorten gefunden, die mit nach Hause kommen.

Farbenfroher chinesischer Tanz mit coolen digitalen Effekten, aber leider mit Sektenhintergrund

Am Abend ist ein spezieller Genuss in der Grazer Oper angesagt: Shen Yun, ein Ensemble aus New York tritt nach Salzburg nur noch in Graz auf. Zufällig entdeckt, daß das genau während unseres Kurzurlaubs in der Südsteiermark stattfindet und wir daher nicht sehr weit dafür fahren müssen.

Es zeigt chinesische Volkstänze und Tänze nationaler Minderheiten Chinas. 5000 Jahre Geschichte werden mit den typisch akropatischen Tänzen von der Musik des Orchesters begleitet, das westliche und chinesische Instrumente gemeinsam verwendet, damit es auch für westliche Ohren genießbar ist. Die Shen-Yun-Website übersetzt den Begriff „Shen Yun“ als „die Schönheit tanzender himmlischer Wesen“.

Was aber auch gesagt werden soll: Wenn man während der Aufführung einige Texte mit sehr fortschrittsverweigernden Aussagen liest und hört, erkennt man, daß“Shen Yun“ nicht nur das harmlose chinesische Konzert ist, für das man es auf den ersten Blick hält. Denn hinter der ganzen Organisation steht Falun Dafa, auch bekannt unter dem Namen Falun Gong, die eine chinesische Sekte und Heilslehre mit Exklusivitätsanspruch ist, wie ich erst nachher in meiner Internet-Recherche herausgefunden habe.

Bis heute werden Falun-Dafa-Anhängerinnen und -Anhänger in China verfolgt. „In westlichen Ländern nutzen sie diese Verfolgungssituation für eigene Werbezwecke. Falun Gong vertritt eine neureligiöse Heilslehre und Praxis – mit einem methodisierten Heilsweg unter der Autorität ihres Meisters Li Hongzhi“, erklärt Matthias Pöhlmann, Experte für Sekten, Psychogruppen, Neureligionen und Weltanschauungen bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern im Gespräch mit t-online. Mehr dazu könnt ihr auch im Link von T-online unten finden. Wenn man das mitberücksichtigt, kann man sich auf den Augen- und Ohrenschmaus trotzdem einlassen.

Vorm Heimfahren noch zur Herzerlstrasse

Diese Laune des Blickwinkels, das die Herzerlstrasse genau genommen ist, muß man sich ansehen, wenn man schon in der Nähe ist. Daher besteigen wir am letzten Tag vor dem Heimfahren nochmals die Räder und besuchen die Buschenschank auf slowenischem Gebiet, hinter der die Plattform zum Blick aufs Herzerl hinter einem Drehkreuz versteckt ist, das sich nur nach Einwurf von 5 Euro dem neugierigen Besucher öffnet. Auch wenn man diesen Eintritt dann im Hofladen einlösen kann, ist das doch ein recht heftiger Betrag für einen kurzen Blick, darum gibt’s auch nur ein Selfie von mir allein.

Komoot hätte uns zum nächsten Ziel, dem Grenztisch, durch einen verwachsenen Graben geführt, doch ein netter Einheimischer warnt uns kurz davor. So geht es die steile Straße wieder hoch und ein Stück weiter dafür umso schneller mit 17% Gefälle wieder hinunter, bis wir beim Grenztisch ankommen. Nach einem Fotostopp an dieser Stelle, die daran erinnert, dass hier bis 1918 gar keine Grenze war, fahren wir weiter steil hinunter vorbei an den schon erwähnten Wasserbüffeln und dann auf der anderen Seite an vielen äußerst gepflegten Bauernhöfen vorbei den Berg hinauf, bis wir wieder an der Weinstraße angelangt sind und dort nach etwas mehr als 10 Kilometern und 280 meist recht steilen Höhenmetern zurück zu unserem Hotel fahren.


Komoot hat uns aber nicht nur in die Irre leiten wollen, sondern die Runde auch aufgezeichnet: https://www.komoot.de/tour/1574884389?ref=aso

Nicht nur mit zwei, sondern auch mit vier Rädern elektrisch angetrieben

Nach einem Kaffee starten wir die Heimfahrt mit unserem Elektroauto mit den E-Bikes auf der Anhängerkupplung. Wenn wir nicht in Graz mit 120 km Zusatzstrecke gewesen wären, hätten wir die gut 400 km für Hin- und Rückfahrt wahrscheinlich ohne zusätzlichen Ladestopp geschafft. So aber haben wir als einzigen Minuspunkt beim Hotelaufenthalt die Lademöglichkeit vermisst, die es aber in kurzer Zeit geben soll. Wir haben uns deswegen bei 2 Schnell-Ladern herumgeärgert und zu viel Zeit dabei vergeudet, zum Thema E-Auto gibt es aber demnächst einen eigenen Blog.

Bis auf diesen kleinen Minuspunkt hat alles gepasst, vom Wetter über Hotel und Kulinarik bis zum sportlichen Spaß, daß eine Wiederholung im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich ist.

Disclaimer

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass alle Empfehlungen und Links meine persönlichen Entscheidungen nach meinen Erfahrungen sind und ich auch von niemandem einen Vorteil oder eine Unterstützung erhalte. Mein Blog dient rein meinem Mitteilungsbedürfnis und der Freude am Erzählen.

Links

https://mahorko.at/
https://www.komoot.de/tour/1566631166?ref=aso
https://www.gut-moser.at/
https://www.ausgeflogen.at/murradweg/#4
https://www.holzbaukarte.at/sehenswerte-holzbauten/?no_cache=1&tx_msholzbaumap_frontend%5Bholzbau%5D=176&tx_msholzbaumap_frontend%5Baction%5D=show&tx_msholzbaumap_frontend%5Bcontroller%5D=Holzbau&cHash=e8d95190b70b9a22dd659fed38433c49
https://de.shenyun.com/
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/buntes-kurioses/id_100367334/-shen-yun-hinter-chinesischer-tanzshow-steckt-ein-kult.html
https://www.tschermonegg.at/

Sizilien 11 Epilog – Sizilien ist mehr als eine Reise wert

Nach 1805 gefahrenen Kilometern rund um die Insel, laut Samsung Health insgesamt je rund 190.000 Schritten und unzähligen Stufen auf unzählige Kirchtürme, einigen Flaschen Wein, Pasta, Risotti, Fisch und Mehresfrüchten möchte ich mit euch diese Rundreise nochmals Revue passieren lassen.

Wir waren in der kurzen Zeit, in der wir auf der Insel sein durften, überwältigt von der Geschichte, von den Menschen und der Landschaft Siziliens. Ein paar Gedanken darüber und eine Reihe von Bildern möchte mit euch teilen.

Cosa Nostra und Sicherheit

Zuerst möchte ich ein generelles Fazit über unsere Rundreise machen. Man liest, sieht und hört sehr viel und hat eine Reihe von Vorurteilen, die wir aber dann fast nicht erlebt haben. Sizilien ist für Touristen nicht unsicherer als andere Länder und Regionen Europas. Wir hatten nie ungute oder gefährliche Situationen, es ist aber wie überall wichtig, seine Wertsachen nicht zur Schau zu stellen, bzw. sie gar nicht mitzunehmen. Die Cosa Nostra ist sicher im Hintergrund noch aktiv, auch wenn es viele Aktivitäten zur Bekämpfung gab und gibt, spielt aber für Touristen keine Rolle mehr. Wir haben uns zum Beispiel auf den Märkten Palermos, die früher sicherlich zu den kriminellen Hotspots gezählt haben,  weder am Tag oder Abend unwohl gefühlt.

Das Müllproblem ist hingegen noch immer fast allgegenwärtig

Für mitteleuropäische Augen ist das Müllproblem von Sizilien nicht nachvollziehbar. An den schönsten und unmöglichsten Orten liegt der Müll einfach herum, auch gefüllte Müllsäcke werden einfach irgendwo aus dem Auto geworfen oder abgelegt, speziell wenn schon etwas an dieser Stelle liegt. Dann kümmert sich scheinbar niemand mehr darum. Die Müllabfuhr ist zwar in den Städten aktiv und es wird teilweise auch sehr regelmäßig und getrennt gesammelt, aber das Bewusstsein der Bevölkerung ist noch nicht mit Mitteleuropa vergleichbar. Wir haben gefunden, daß das Problem im Süden der Insel noch größer ist, während viele Orte und Landstriche im Norden, selbst in Palermo recht sauber sind.

Die freundlichen Menschen Siziliens

Wir haben bisher selten so freundliche und hilfsbereite Menschen wie auf Sizilien getroffen. Es ist nicht die professionelle Freundlichkeit im Tourismus, sondern die  Einheimischen gehen auf die Urlauber zu, wollen helfen und haben immer wieder ein Lächeln übrig. Wir wurden mit Händen und Füßen darauf hingewiesen, wenn wir falsch parken wollten oder teilweise auch mit manchmal gebrochenen Deutsch ganz herzlich angesprochen, wenn wir irgendwann fragend geschaut haben. Die Kellnerinnen und Kellner der Restaurants speziell in den Touristenorten laden zwar ein, aber ein „Grazie, No“ wird immer akzeptiert.

Die Pflanzenwelt der Insel

Abgesehen von Zitronen- und Olivenplantagen im Süden der Insel haben wir beim Vorbeifahren auch ein Artischockenfeld entdeckt. Das Tal der Tempel ist von Mandelbäumen bewachsen, sozusagen Jahrtausende alte Kulturlandschaft. Der Ätna-Ginster ist ebenfalls eine Pflanze, die nur in bestimmten Teilen der Insel, eben rund um den Ätna wächst.

Auf Lipari habe ich neben der wilden Lilie eine Reihe anderer Planzen entdeckt, die ich aber nicht kenne, aber faszinierend gefunden habe und daher hier im Blog vorkommen.

Filme in Noto und Umgebung gedreht

Wenn man durch die Stadt Noto spaziert, fallen einem eine Reihe von Filmplakaten ins Auge, die ich euch ebenfalls nicht vorenthalten möchte. Alle diese Filme wurden zumindest teilweise in und um die Stadt Noto gedreht, die sich als Filmkulisse einen Namen gemacht hat.

Oldtimer

Als Oldtimer-Fan bin ich auf Sizilien auch auf meine Rechnung gekommen. Neben dem Fiat 500 der ersten Generation in jedem Qualitätszustand, habe ich alle möglichen anderen Fiats, Lancias, Alfas entdeckt, die ich hier auch gern zeige.

Last but not least – die Souvenirs

Normalerweise kaufen wir im Urlaub abgesehen von Gewürzen, Kräutern oder Honig selten Souvenirs, nur diesmal ist es einfach mehr geworden. Fast jede unserer Zwischenstationen hat uns verleitet, etwas mitzunehmen.

Diesmal wurde es ein Untersetzer aus Trapani mit den typischen Mustern der Fliesen in der Stadt. Unsere große Keramiksonne im Stiegenaufgang daheim bekommt Unterstützung durch einen kleinen Mond eines Künstlers aus Palermo. Das 3D-Bild stammt vom Markt ebenfalls aus Palermo. Der grüne Pinienzapfen mit seinen hundert Samen steht neben einem Willkommensgruß auch für Fruchtbarkeit und Wohlstand,  wir werden ja sehen. Und da wir über die Internetplattform „Crowdfarming“ jedes Jahr Bio-Zitronen und Orangen aus Sizilien bestellen, ist noch eine Zitronenseife dazu gekommen.



Da ich unter anderem Weihnachtskrippen aus aller Welt sammle, konnte ich nicht widerstehen auch einige auf Sizilien zu erwerben. Um meine Frage dazu aus dem  Palermo-Beitrag aufzulösen: Es wurde die Schweizer Krippe. Was mich zusätzlich freut, dass diese eigentlich aus Peru stammt, von wo ich vor einigen Jahren auch ein paar wunderschöne Exemplare mitgebracht habe. Sonst natürlich eine Fliese, eine Krippe aus Lavastein und eine mit Muschel, um den Meeresbezug herzustellen.

Wenn man schon in Sizilien ist, dürfen kulinarische Mitbringsel auf keinen Fall fehlen, Olivenöl von der Agricultura, wo wir Pizza essen waren, ein spezieller Likör aus Erice, Pesto trapanese und dazu natürlich die spezielle Teigware Busiate, Pistazienpesto und Pistaziencreme aus Brento, Meersalz aus den Salinen zwischen Trapani und Marsala und Schokolade aus Modica dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und zum Schluß, der Wein nicht zu vergessen, der kommt noch per Post vom Weingut bei Trapani, wo wir zwei Nächte verbringen durften.

Wie diese Reise zustande kam

Ich habe nach einem Vorschlag des Reisebüros mit meinem Navi eine ungefähre Route mit den Stopps, die wir gerne möchten, ausgearbeitet und Herr Boronich vom Reisebüro Aubora in Kottingbrunn hat uns dann die kleinen aber feinen Hotels vorgeschlagen. Wir können so eine private Rundreise in Sizilien nur empfehlen, man muss nur ewas abgehärtet im Autoverkehr sein.

Update 5.7.2024: Der Ätna spuckt wieder intensiv

Der Ätna ist nach den speziellen Rauchzeichen im April wieder stärker aktiv geworden, sodaß die Behörden die Warnstufe von Grün auf Gelb erhöht haben. Im Internet finden sich schon spektakuläre Bilder:

https://de.euronews.com/my-europe/2024/07/04/spektakularer-ausbruch-vulkan-atna-auf-sizilien-schickt-lavastrome-in-den-himmel

https://www.deutschlandfunk.de/aetna-und-stromboli-ausgebrochen-100.html

https://de.euronews.com/video/2024/07/05/vulkanausbruch-beeindruckende-bilder-vom-stromboli

Links

http://www.aubora.at