Mit dem Motorrad zum Renaissance-Schloss Schallaburg

Die Schallaburg in der Nähe von Melk an der Donau wird seit 50 Jahren als Ausstellungszentrum des Landes NÖ genutzt. Zu diesem Jubiläum besannen sich die Verantwortlichen der Wurzeln des Schloßes und richteten eine Ausstellung mit dem Thema „Renaissance einst, jetzt und hier“ ein.

Weil ich gerne mehrere schöne Dinge miteinander verbinde, nutzte ich das sonnige Wetter und fuhr mit dem Motorrad über den Wienerwald in das Gebiet südlich von St.Pölten, das äußere Pielachtal, ein bisschen Dunkelsteinerwald bis in die Nähe von Loosdorf mit Blick auf die imposante Schallaburg. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, daß wenige Tage später große Teile meiner Motorrad-Route im Hochwasser versinken sollten.

Geschichtsträchtige Gegenwart

Diese Ansicht kennen alle, die auf der Autobahn A1 Richtung Wien fahren und einige Kilometer nach dem Blick nach links zum Barockstift Melk rechts ein Schloß mit einem imposanten Turm am bewaldeten Hang entdecken.

Die Spuren der Renaissance in Niederösterreich sind an vielen Orten zu erkennen, von Krems über Wr.Neustadt bis eben zur Schallaburg. Diese Epoche von nicht ganz 200 Jahren ging aus dem hundertjährigen Krieg hervor und ist einerseits als Wiedergeburt der Antike und andererseits als eine erstmalige Emanzipation des Bürgertums von Adel und Klerus zu verstehen. Das zeigt sich nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wissenschaft und Bildung. All das wird in dieser sehenswerten Ausstellung, die noch bis 3.November 2024 läuft, thematisiert.

Der Innenhof der Schallaburg mit seiner Terrakotta-Verkleidung wurde zu ihrem Markenzeichen und zugleich zu einem Denkmal der Renaissance. Terrakotta war aber schon in der Antike ein beliebtes Material gewesen, beispielsweise bei der Herstellung der Tanagra-Figuren. Sie stammen aus der gleichnamigen Stadt in Zentralgriechenland und wurden in großen Mengen exportiert. 

Schattenprojektion – eine etwas andere Darstellung des Schloßes

Dieses Kunstobjekt soll auf die drei große Erzählbereiche aufmerksam machen: das Renaissanceschloss, das Menschenbild und die Lebenswelt der Renaissance.
Die Schallaburg wurde unter dem Adelsgeschlecht der Losensteiner zu einem prächtigen Renaissanceschloss ausgestaltet. Trotzdem ist heute von den Losensteinern nur mehr ein Schatten übrig.

Wirklichkeitstreue und Selbstsicht

In vielen Bildern von bekannten und auch namenlosen Personen schufen die Künstler der Renaissance oft  wirklichkeitsgetreue Abbilder von lebenden Personen, aber sie zeigten auch, wie Menschen sich selbst sahen und wie sie gesehen werden wollten.

Künstler wie Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., aber auch Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora als Beispiel des damaligen Verständnisses von Ehe und Familie, aber ebenso gänzlich Unbekannte wurden bildlich thematisiert. Aber nicht nur Bilder, sondern auch modische Objekte wie Highheels,  Münzen und Medaillen als, heute würde man sagen, Werbemittel sind zu sehen und geben Einblick in die Lebenswelt der Renaissance.

Was von den Losensteinern blieb

Heute sind die bildhaften Spuren der Familie äußerst spärlich: Kein Bild existiert von Christoph II., ein einziges Porträt von Hans Wilhelm. Ihre Frauen liegen gänzlich im Dunkeln. Gäbe es die so gut erhaltene Schallaburg nicht in der heutigen Form, wüssten wir noch weniger von ihnen, so ist sie aber zu ihrem zentralen Erinnerungsobjekt geworden. 

Bildung ist mehr als Wissen

Mit diesem Satz kann man den Bogen zum Heute spannen: Eigentlich gilt diese Aussage in einer Zeit umso mehr, wo nur mehr Detailwissen und Silodenken, die durch KI ohne menschliches Zutun zu einem vermeintlich Ganzen zusammengefügt werden.

Der Anspruch von Martin Luther,  daß Bildung allgemein zugänglich sein sollte, wurde durch die deutschsprachige Bibelübersetzung, die von der damaligen katholischen Kirche abgelehnt wurde, besonders unterstrichen.

Die von den Losensteinern gegründete hohe Schule von Loosdorf, nach heutigen Begriffen ein Gymnasium, ist ein beeindruckendes Beispiel für den Zugang zu gehobenen Bildungsansprüchen. Sie war sozial durchlässig und ermöglichte, wenn auch nur den männlichen Kindern armer Familien, den Zugang zur gehobenen Bildung. Der damalige Nachteil war die protestantische Ausrichtung und so wurde sie nach wenigen Jahren im Zug der Gegenreformation aufgelöst. Das Gebäude ist in der damaligen Form noch heute erhalten.

Weit sehen, aber auch gesehen werden

Die Schallaburg trug einst einen mittelalterlichen Bergfried, der sicher damals die Burg dominiert hatte. Er wurde abgebrochen und seine Steine als Fundament für den Renaissancetrakt verwendet. Statt eines Turms als Zeichen der Herrschaft gab es somit einen Neubau, der sich an der Residenz Ferdinands I. in Wien orientierte. Erst Hans Wilhelm ordnete die Errichtung des noch heute weithin sichtbaren Turms als symbolischen Ersatz an. Als Schloß brauchte es jetzt keinen Wehrturm mehr, sondern ein repräsentatives Zeichen der Herrschaft.

Auf den Hund gekommen

Die umfangreichen Bauprojekte sprengten allerdings die finanziellen Möglichkeiten. Es blieb einzig der Weg des Schuldenmachens. Die Schatztruhe war leer und man sah den darin am Boden aufgemalten Hund.

Und so musste Hans Wilhelms Neffe die Schallaburg schließlich an seinen Schwiegervater Georg den Älteren von Stubenberg überschreiben. Damit endete die über 150-jährige Geschichte der Losensteiner als Besitzer der Schallaburg.

Terrakotta-Figuren dokumentieren die Lebensphilosophie

Heute ist die Weltsicht der Renaissance nicht mehr so einsichtig wie vor rund 400 Jahren. Der damalige Anspruch, die Tugendhaftigkeit zu erreichen, erscheint uns als aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts recht aufgesetzt, war aber ein reales Lebensziel. Das noch vollflächig farbenfroh dargestellt ist uns nochmals fremd und wurde während einiger Renovierungen in Bildern visualisiert.

Von den Tugenddarstellungen über Herkules bis zu einer eigenartigen Fabel reichen die detaillierten Darstellungen und geben uns, wenn wir uns darauf einlassen, ein reichhaltiges Bild des damaligen Selbstverständnisses.

Die Kunst wie wir sie heute verstehen oder diskutieren unterscheidet sich grundsätzlich von der klaren Sichtweise der Antike und Renaissance. Die damaligen sieben freien Künste waren wissenschaftliche und technische Kunstfertigkeiten, die zum Bildungsziel freier Bürger wurden.

Mit dem Terrakotta-Portäts, die antiken Münzbildern nachempfunden sind, wollte man die Tugenden des Adels und die eigenen Verbindungen zum Kaiserhaus in Erinnerung rufen.

Libri Prohibiti oder: die Grenzen der Meinungsfreiheit

Die Erfindung der Druckerpresse und die Verbreitung der deutschsprachigen Luther-Bibel führte dazu, daß immer mehr Menschen lesen lernten. Das war nicht im Sinne der katholischen Kirche und daher wurden viele Bücher und Schriften konfisziert und im Stift Göttweig in einem gesonderten Raum versperrt.

Die Mönche hatten auf diese „Libri Prohibiti“ (verbotene Bücher) ursprünglich nur mit Erlaubnis des Papstes und später nur zu Studienzwecken Zugang. Man musste ja verstehen,  wogegen man ankämpfte. Diese Exemplare geben aber heute durch die handschriftlichen Notizen der jeweiligen Besitzer Auskunft über Ereignisse in der Familie wie Taufen oder Sterbefälle, aber genauso über Erdbeben oder Brandkatastrophen. So erfahren wir viel über das Leben der „gewöhnlichen“ Menschen der Renaissance im heutigen Gebiet von Niederösterreich.

Alchemie und Wissenschaft

Ein besonders interessantes Ausstellungsdetail sind einige Stücke der über 1000 Fundstücke des Alchemistenlabors aus dem Gut Oberstockstall jenseits der Donau. Sie dienten zu alchmistischen und pharmazeutischen Experimenten und ist nach Aussage von Fachleuten eines der besten Beispiele eines Laboratoriums auf der Schwelle zur neuzeitlichen Chemie.

Persönliches Fazit

Die Schallaburg prägt mein Interesse für Geschichte, bildende Kunst und Architektur schon seit meiner Schulzeit. Bereits bei der ersten Ausstellung 1974 „Renaissance in Österreich“ war ich einer der mehr als 320.000 Besucherinnen und Besucher und so begleitet mich dieses Schloß bis heute.

Die Schallaburg ist aber auch eng mit der Geschichte des niederösterreichischen Radios verbunden, von 1976 bis 1999 produzierte und moderierte der legendäre Willy Kralik das wöchentliche Hörfunkquiz „Turnier auf der Schallaburg“, das lange Zeit auch von mir immer wieder verfolgt wurde.

Mein kleiner Bericht von der Schallaburg, der hoffentlich keine sachlichen Fehler enthält und Appetit auf dieses Juwel machen soll ist damit zu Ende. Ich bin aber den an meinen Motorradtouren interessierten Lesern noch die Routen der Hin- und Rückfahrt schuldig und löse das hier ein.

Die Rückfahrt führte mich an der Wallfahrtskirche Maria Steinparz, wo man nebenan auch sehr gut essen kann, vorbei und weiter über Weinburg, Ochsenburg durch das Hügelland südlich von St.Pölten ins Laabental und dann über St.Corona am Schöpfl wieder ins Triestingtal-

Kurviger Links zum Download der Routen:

Zur Schallaburg | Kurviger

Von der Schallaburg | Kurviger

Links

https://www.schallaburg.at/de/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schallaburg
https://www.schallaburg.at/de/renaissance-2024/raum-1-de
https://www.derstandard.at/story/3000000215611/renaissance-schau-auf-der-schallaburg-aufbruch-und-selbsterkenntnis
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hohe_Schule_Loosdorf
https://www.kulturundwein.com/alchemist.htm?nocache=1377362337
https://noe.orf.at/stories/3251734/

Motorradwandern im südlichen Niederösterreich

Da ich jetzt schon seit fast einem Monat nicht mehr auf meiner Crosstourer gesessen bin, beschloss ich, der Hitze geschuldet, nur in der näheren Umgebung, daß heißt im südlichen Niederösterreich, das von unserem Tourismusmarketing auch als die „Wiener Alpen“ bezeichnet wird, ein bisschen herumzufahren.

Mit der schon manchmal erwähnten „Kurviger-App“ machte ich am Abend eine grobe Planung und so wurden es gute 130 km auf kleinen und kleinsten Straßen, die ich teilweise selbst noch nie gefahren war, immer wieder mit Blick auf den Schneeberg oder die Hohe Wand.

Ich weiß, es gibt auch in meinem Bekanntenkreis Menschen, die solche Strecken mit dem Biobike machen, wenn dabei auch rund 2600 Höhenmeter zusammenkommen. Das wäre mir ehrlicherweise auch mit dem E-Bike zu viel, aber mit dem Motorrad macht es Spaß.

Bekannte Strecken und unbekannte Abstecher

Zuerst ging es ins Triestingtal bis Pottenstein und über den Hals nach Pernitz, eine Strecke, die alle kennen die schon einmal auf einen „Topfinger“ in die Kalte Kuchl gefahren sind.

Dieses Bild eines Topfingers aus der Kalten Kuchl dient nur zur Erklärung und stammt aus meinem Archiv

Dort wollte ich aber nicht hin, sondern durchquerte in Pernitz das Piestingtal um über die Dörfer Neusiedl und Waidmannsfeld vorbei am Brandackerkreuz und die Ochsenheide zur L138 und hinaus nach Reichenthal wieder im Piestingtal zu landen.

Talauswärts ging es dann bis Waldegg, wo ich wieder rechts abbog und die kleine Straße nach Dürnbach und über die Dürnbacher Höhe, vorbei an Bergbauernhäusern nach Miesenbach fuhr.

Von Miesenbach führt die Straße über den Ascher nach Puchberg am Schneeberg, aber vorher hatte ich noch Lust auf zwei kleine Abstecher, die zuerst beide als Runde in Kurviger erschienen sind. Zuerst zweigte ich rechts ab Richtung Dürre Wand, wo die noch asphaltierte einspurige Straße gleich mit einigen Spitzkehren rasch Höhe gewann.
Nach einigen Häusern und einer Walddurchfahrt öffnete es sich und ein Bauernhof lag vor mir. Da endete aber auch die asphaltierte Straße.

Schotterfreuden bis an eine Sperre zwangen zur Umkehr

Eine Enduro will von Zeit zu Zeit auch etwas Schotter unter den Reifen und ich fuhr weiter, weil auch das Navi anzeigte,  daß es auf der anderen Seite wieder hinunter zur Hauptstraße gehen sollte. Nach einigen Haarnadelkurven durch den Wald lag am Bergrücken eine Almwiese mit traumhaftem Ausblick.

Der Forstweg schlängelte sich einige Kurven hinunter, dann war aber Schluß, der Weg ist wegen Schlägerungsarbeiten gesperrt. Hier müssen die 285 kg Leergewicht der Crosstourer in diesem Schotter-Sägespan Gemisch mehr oder weniger auf der Stelle umgedreht werden, in der Hoffnung dabei nicht umzufallen. Alles ging gut und beim Hinauffahren fiel mir auf, daß ich doch noch zu wenig Profi bin, um auch solche Situationen auch mit der Kamera festzuhalten.

Wieder unten an der Bundesstraße zweigte ich nach einigen hundert Metern auf die andere Seite des Tales ab, hier führte eine Straße hinauf Richtung Scheuchenstein, doch sie entpuppte sich oben als Privatstraße und ich musste umdrehen. Hier konnte ich aber vorher noch einige Bilder der imposanten Umgebung machen.

Fake-Bären und die längste Zahnradbahn Österreichs

Dann ging es die Bundesstraße weiter den Ascher hinauf, das ist die Straße, wo im Juni 2023 angeblich ein Bär neben der Fahrbahn gefilmt wurde was sich aber rasch als Fake herausstellte. Näheres dazu findet ihr in den Links. Die wunderschönen raschen Kurven führen den Pass hinauf und nach Puchberg am Schneeberg hinunter, wo ich mir im Kaffeehaus neben der Talstation der Schneebergbahn mit Blick auf die „Hatscherte Kathl“* einer der alten Dampfloks der Zahnradbahn, einen Eiskaffee gönnte.

Nach dieser um 9:30 schon notwendigen kulinarischen Abkühlung führte mich das Navi wie gestern programmiert hinaus nach Grünbach, wo die nächste kleine Straße wartete, diesmal übers Rosental und weiter über den Berg nach Gutenmann und danach auf die Bundesstraße B26 Richtung Neunkirchen.

Imposante Felsen der Flatzer Wand und der Hohen Wand

Hoch über dem Tal liegt die Burg Stixenstein, durch dessen Tor die Bundesstraße führt. Dahinter befindet sich einer der Eingänge in den Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand, einem empfehlenswerten Wandergebiet in den Gutensteiner Alpen.

Weiter ging es über Sieding, von wo es ebenfalls eine schöne kleine Verbindung Richtung Bürg und Priglitz gibt, durch St.Johann im Steinfeld bis Ternitz. Hier bog ich links Richtung Mahrersdorf und weiter nach Flatz ab.

Hinter der Kirche von Würflach, dem östlichen Eingang zur Johannesbachklamm, zeigten sich schon die Felsen der Hohen Wand. Kurz vor Willendorf öffnete sich der Blick nach vorne auf die Hohe Wand und rechts auf die „Neue Welt“, vereinfacht ist das die Ebene zwischen Hoher Wand und Wr.Neustadt.

Zwischen Maiersdorf und Stollhof ganz am Fuß der Hohen Wand fiel mein Blick hinauf über die Felswand zum Skywalk, über dem gerade zwei Paragleiter ihre Kreise im dunkelblauen Himmel zogen. An manchen Abenden mit der passenden Thermik können hier schon 15 bis 20 Gleitschirme in der Luft sein.

Vom letzten Babenberger bis zum Refugium experimenteller Kunst

Da es immer heißer wurde, wollte ich am kürzesten Weg heim und raus aus der heißen Motorradkluft, daher ging es über Muthmannsdorf nach Dreistetten, von wo man einen tollen Blick auf die Ruine Starhemberg hat. Sie war jahrelang hinter hohen Bäumen versteckt, aber jetzt hat es sich ein Verein zur Aufgabe gemacht, den ehemaligen Wohnsitz von Friedrich dem Streitbaren, des letzten Babenbergers, zu sanieren und möglichst sanft und nachhaltig öffentlich zugänglich zu machen.

Über Markt Piesting und den „Hart“ ging es einige Serpentinen hinauf und über die Kapelle des sog. Stadtkreuzes nach Aigen und weiter am Symposium Lindabrunn vorbei, einem ehemaligen Bildhauersymposium mit vielen Skulpuren in der Landschaft. Die heutige künstlerische Leitung befasst sich aber zeitgemäß mit experimenteller und digitaler Kunst.

Einige Bilder aus meinem Archiv vom Symposium Lindabrunn mit dem Tor der Erkenntnis

Entschleunigung beim Fahren ermöglicht den Blick auf die Schönheiten meiner näheren Heimat

Von Lindabrunn waren es dann nur mehr wenige Kilometer bis nachhause und ich rekapitulierte diese Morgenausfahrt.
Diesmal stand nicht der Kilometerfrass im Vordergrund, sondern eine Wanderung, wenn auch mit dem Motorrad, durch das südliche Niederösterreich mit einer Reihe von Naturschönheiten und historischen Punkten.

Neue Rekorddurchschnittsgeschwindigkeiten lassen sich so nicht aufstellen, aber der Blick dabei in die Landschaft entschädigt einen Pensionisten wie mich dafür mehr als genug.

Dem Wandern entsprechend sind die meisten Fotos direkt vom Rücken der Crosstourer gemacht worden, nur für einige wenige bin ich abgestiegen und einige sind aus meinem Archiv.
Wie meist, findet ihr die Route auf kurviger.de :
https://kurv.gr/f6fVJ

Natürlich macht die Route auch Spaß, wenn man sich nur auf die Kurven und Pässe konzentriert, anschauen kann man vieles ja extra auch!

* Die Hatscherte Kathl:

Für die nicht österreichisch sprechenden Freunde übersetzt: die gehbehinderte Katharina. Das ist der Spitzname der Dampflok der Schneebergbahn, der ihr wegen ihrer Bewegung auf der längsten Zahnradbahn Österreichs liebevoll gegeben wurde. Sie fährt derzeit noch immer an den Wochenenden mit 2 Waggons auf den Berg. An der Talstation ist ihr mit einer zweiten Lok ein Denkmal gesetzt.

Links

Zum Fake-Bären: https://noe.orf.at/stories/3212349/


https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schneebergbahn_(Zahnradbahn)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/N%C3%96SBB_Salamander
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Burg_Stixenstein
https://www.naturpark-sierningtal-flatzerwand.at/
https://neunkirchnerhaus.naturfreunde.at/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gutensteiner_Alpen
https://www.niederoesterreich.at/ausflugsziele/a-johannesbachklamm-wuerflach
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Neue_Welt_(Nieder%C3%B6sterreich)
https://www.wieneralpen.at/ausflugsziele-in-den-wiener-alpen-entdecken/a-naturpark-hohe-wand-skywalk
https://www.burgruine-starhemberg.at/willkommen
https://symposion-lindabrunn.at/

Schon wieder 6 Monate als mitteilungsbedürftiger Pensionist

Why do you blog?

Diese Frage habe ich mir eigentlich so nie gestellt. Bei meiner Pensionierung sind einige ehemalige Kollegen mit der Idee gekommen, daß ich sie irgendwie an meinen geplanten Erlebnissen mit dem Motorrad teilhaben lasse.

Nach ziemlich genau 6 Monaten und über 30 Beiträgen mit unterschiedlichsten Inhalten, von Urlaubserlebnissen auf Sizilien über Motorradtouren bei Schlechtwetter und Hitze, über Alpenpässe, durch die Dolomiten, E-Bike Touren gemeinsam mit meiner Frau oder über  diverse Ausstellungen und Museen und mein Elektroauto, bin ich überrascht vom Interesse an meinen Texten.

In diesen 6 Monaten hatte ich fast 3500 Zugriffe aus der halben Welt, obwohl ich keine besondere Werbung außer über Facebook und LinkedIn mache. Immer wieder werde ich von Bekannten, mit deren Interesse ich gar nicht gerechnet habe, angesprochen,  die sich jedes Mal auf das Mitlesen freuen.

Es ist zeitlich sehr viel aufwendiger als ursprünglich gedacht, aber das Schreiben, Fotografieren und Recherchieren, ja auch das ist notwendig, macht Spaß und hält geistig fit.

Weil es für mich Freude machen soll, sind die Themen auch nicht wirklich festgelegt und daher gibt es auch keine exakte Zielgruppe, für die ich schreibe. Ich habe und werde vermutlich auch nie Kooperationen haben, da das die Abhängigkeit und den Druck erhöht.

Genau das wollte ich aber nach dem Arbeitsleben nicht mehr haben, die Unabhängigkeit und Freiheit mit recht wenigen Einschränkungen ist mir sehr wertvoll.

Und so werde ich weiter schreiben,  was mich freut und bewegt. Wer daran interessiert ist, ist gerne weiter eingeladen, mitzulesen, was ein mitteilungsbedürftiger Pensionist loswerden will. Ein riesiges Danke natürlich an alle, die schon bisher mitlesen!

Zürcher Geheimtipp: Polizeiwache als Gesamtkunstwerk

Bild: http://www.zuerich.com/sites/default/files/web_zuerich_giacometti_halle_1280x960_28907.jpg

Die Regionalwache City der Zürcher Stadtpolizei ist wahrscheinlich das einzige Polizeigebäude auf der ganzen Welt, wo die Besucher sogar Eintritt zahlen würden, wenn sie müssten. So ist es aber nur notwendig, am Treffpunkt vor dem Gebäude zu warten, bis die Führerin die interessierten Besucherinnen und Besucher hineinführt und ein Zeitlimit von rund 15 Minuten setzt.

Wir wollten das schon seit Jahren sehen und bei unserem letzten Zürich-Besuch war es endlich soweit. Schon das Amtsgebäude ist von außen interessant. Es geht auf ein 1765 bis 1771 von Gaetano Matteo Pisoni erbautes Waisenhaus zurück. 1911 bis 1914 wurde dieses nach Plänen von Gustav Gull mit einem Querbau ergänzt und dient seither Verwaltungszwecken. Das Gebäude bildet mit den weiteren Amtshäusern ein prägendes Ensemble der Zürcher Innenstadt. Um Platz zu sparen, wurde das ehemalige Kellergewölbe zum Eingangsbereich umfunktioniert. 

Die Giacometti-Fresken in der „Blüemlihalle“

Da das Gewölbe auch für eine Polizeiwache recht düster war, startete die Stadt Zürich 1922 einen Wettbewerb zur Ausmalung der Eingangshalle. Augusto Giacometti (1877 – 1947) gewann den Wettbewerb mit Abstand. Sein Entwurf in warmen Rot- und Ockertönen wurde von 1923 bis 1925 in der Al-Fresco- und Al-Secco-Technik ausgeführt.

Mit diesem Fresko beherbergt die Regionalwache City der Zürcher Stadtpolizei eines der bedeutendsten Kunst- und Bau-Werke der Stadt. Die Decken- und Gewölbemalereien bestehend aus Blumenornamenten, die namesgebend für die Blüemlihalle sind, und geometrischen Mustern, an den Wänden sind arbeitende Menschen dargestellt: Steinhauer und Zimmerleute stehen für das Handwerk, Astronomen und Magier vertreten die Wissenschaft.

Nach der Renovierung 2019 und 2020 erstrahlen die Fresken wieder im originalen Glanz und locken tausende Besucher pro Jahr aus der ganzen Welt in die Eingangshalle der Polizeiwache.

Wenn draußen die Sonne scheint, erstrahlt das Kunstwerk nochmals farbenprächtiger und überwältigt die eintretenden Besucher. Neben dem Schauen und Staunen ist auch das private Fotografieren erlaubt und so halte auch ich die Eindrücke mit der Handykamera fest.

Wenn man an bildender Kunst oder ganz einfach an wunderschönen optischen Eindrücken interessiert ist, ist dieses Kleinod mehr als wert besucht zu werden und kann von uns nur empfohlen werden.

Details zum Künstler

Augusto Giacometti( (1877–1947) schuf 1933 die Chorfenster im Grossmünster sowie 1945 ein Kirchenfenster im Fraumünster in Zürich. Er entstammte der berühmten Malerdynastie Giacometti, welcher auch Giovanni Giacometti sowie der Bildhauer Alberto Giacometti angehörten.

Im Fraumünster hat sich noch ein weiterer bedeutender Künstler verewigt, dazu kommt später sicher noch ein extra Blog.

Links

https://www.stadt-zuerich.ch/pd/de/index/das_departement/giacometti_halle.html

https://openhouse-zuerich.org/orte/augusto-giacomettis-blueemlihalle-2/

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Augusto_Giacometti

Digitalisierung kann man nicht angreifen

Als ehemaligen IT Consultant lassen mich Digitalisierung und künstliche Intelligenz auch in der Pension nicht ganz los. Ich habe daher schon einige Beiträge zu verwandten Themen begonnen, an denen ich arbeite, wenn es mich freut und meine anderen Interessen es zulassen. Dabei genieße ich ehrlicherweise, daß ich nicht muß, sondern darf, ich bin ja in Pension.

Nur heute muß ich einfach sofort auf einen Artikel in der Badener Ausgabe der NÖN reagieren, aber dazu weiter unten. Zuerst möchte ich noch einige Begriffe hoffentlich allgemein verständlich erklären.

Digitalisierung von Objekten, eigentlich schon ein ziemlich alter Hut

Grundsätzlich und ursprünglich versteht man unter Digitalisierung die Umwandlung von analogen Informationen wie Schriftstücke, Zeichnungen, Pläne, Bilder, aber auch dreidimensionale Objekte in digitale Daten. Der Mikrofilm war aus meiner Sicht bereits eine Vorstufe, da die Indexierung der verfilmten Dokumente schon sehr lange IT-unterstützt erfolgte. Die vollständige Digitalisierung des Mikrofilms erfolgte aber recht rasch mit dem einerseits rasanten Wachstum und andererseits dem Preisverfall der Speichermedien.

Seit vielen Jahren ist aber nicht mehr zwingend ein analoges Objekt die Ausgangsbasis, sondern es existiert nur mehr die digitale Version. Auch das ist nicht neu, war aber vor gut 35 Jahren eine Revolution. Ich war damals mitten drin, als ich mich Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit dem sogenannten „Desktop-Publishing“ kurz selbständig gemacht habe. Das war damals eine echte Revolution, weil innerhalb weniger Jahre ganze Berufsbilder, wie die der Setzer und Metteure weg waren. In Deutschland verloren dadurch nach Gewerkschaftsangaben zwischen 1974 und 1982 rund 36.000 Menschen in der Branche ihren Arbeitsplatz. Durch den Innovationsschub in der Produktionstechnik mussten gleichzeitig Journalisten immer mehr technische Aufgaben übernehmen. Das führt mich zur nächsten Stufe, der Digitalisierung von Prozessen.

Digitalisierte Prozesse machen Abläufe sicherer und transparenter, das ist theoretisch auch bereits viele Jahre  umgesetzt

Die Digitalisierung von Prozessen bedeutet, dass manuelle Abläufe in einem Unternehmen durch automatisierte Abläufe (Workflows) ersetzt werden. Das Ziel ist es, den Arbeitsaufwand zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Durch die Digitalisierung können Fehler minimiert und die Qualität gesteigert werden. Außerdem wird der Zugriff auf Daten erleichtert und somit die Transparenz erhöht und gleichzeitig die Prozesse beschleunigt.

Das klingt hier in der Theorie sehr gut, nur haben viele Firmen zu Beginn vergessen, daß digitale Transformation nicht die 1:1 Umsetzung der alten Prozesse, sondern eine Anpassung und Weiterentwicklung der Abläufe sein muss. Das bringt mich zum nächsten Punkt, den ich noch (sehr) kurz abhandeln möchte, wo das ebenfalls notwendig ist.

Künstliche Intelligenz wird unsere Welt mehr verändern als wir noch wahrhaben wollen

Künstliche Intelligenz (KI) oder Artificial Intelligence (AI) gilt wahlweise als nächster Quantensprung der Digitalisierung, der unser Leben leichter, effizienter und sicherer macht, oder aber als Untergang der Menschheit, da sie uns alle eines Tages abschaffen wird.

Computersysteme mit ihren Programmen können mit (derzeit noch hauptsächlich) von Menschen programmierten Algorithmen große Datenmengen analysieren und daraus Schlüsse ziehen und Entscheidungen treffen. Das kann heute schon einerseits die Spracherkennung am Handy oder bei Alexa sein und andererseits die Auswertung von Satellitenbildern in der Landwirtschaft, Meteorologie, Militär usw. oder in der Medizin die Auswertung von Röntgenbildern oder MRTs sein. Dann kommt aber immer noch der Mensch, der dann auf dieser Basis die finale Entscheidung treffen oder die Diagnose stellen muß.

Von ChatGPT haben wir ja auch fast alle schon gehört oder es eventuell schon ausprobiert. Dabei kann man sich vom Märchen bis zu Visionen alles schreiben lassen, was man sich nur so wünscht. Ein Disclaimer fehlt aber meist, der darauf hinweist, daß dabei nicht alles richtig sein muß und der Mensch noch immer selbst für die geprüfte Richtigkeit verantwortlich ist. Trotzdem wird die KI in mehr Bereiche Einzug halten, als wir uns überhaupt vorstellen können. Aber dazu kommt irgendwann ein extra Blog.

Und so komme ich zu meinem ursprünglichen Thema, dass man Digitalisierung nicht angreifen kann.

Digitale Bildung kommt auch nicht aus der Steckdose

Warum dieser etwas schräge Titel? Die Badener Ausgabe der NÖN (Niederösterreiche Nachrichten) beschäftigt sich zum Ferienende mit den renovierten,  erweiterten und neu ausgestatteten Schulen im Bezirk. Der Artikel zeigt dankenswerterweise auf, wieviel in den einzelnen Schulen investiert wurde, um adäquate Einrichtungen für Schülerinnen, Schüler und natürlich auch für die Lehrpersonen zur Verfügung zu stellen. Ich möchte diese Leistung auch nicht schmälern, im Gegenteil, ich möchte aber für mich und euch einige Begriffe zurechtrücken.

Dabei stoße ich auf die markante Überschrift: „Steckdoseneinheit kann versenkt werden“

Versteht mich bitte nicht falsch, das Thema Strom an sich ist natürlich unverzichtbar und sollte unter anderem (Stichwort Blackout oder auch Nachhaltigkeit) auch Teil der Ausbildung sein.

Ausserdem verstehe ich die Freude des Direktors über die gute neue Ausstattung seiner Schule, aber versenkbare Steckdosen sind in der Privatwirtschaft oder auch in so manchem privaten Homeoffice seit vielen Jahren Standard und locken keine einzige Schülerin und keinen Schüler in einen der 9 Lehrsäle der Schule, die anscheinend auch noch immer als EDV-Säle bezeichnet werden.

Schon allein dieser Begriff EDV (Elektronische Datenverarbeitung) geht an der aktuellen Realität mit Digitalisierung, KI und Cloud vorbei, siehe auch den Link unten dazu.

Ohne eine Bildungsdebatte lostreten zu wollen, glaube ich trotzdem, daß mehr Neugier sicherlich durch die letzte Version von ChatGPT, Machine Learning oder GenAI von Microsoft und die Lehrerin oder die Lehrer, die die entsprechenden Kurse dafür auch besucht haben, ausgelöst wird.

Ich unterstelle jetzt, daß das oder ähnliches an dieser Handelsakademie sowieso gemacht wird. Aber dafür ein Bild einer versenkbaren Steckdose (für Strom und USB Ladekabel), die in der Welt von WLAN, Cloud und KI keine besondere Rolle in der Bildungsarbeit spielt, zu verwenden, ist eine glatte Themenverfehlung.

Hier zum selbst Nachlesen der vollständige Artikel in der NÖN:

Für alle die noch neugierig sind, möchte ich auch noch auf einige Studien meines ehemaligen Arbeitgebers Capgemini hinweisen, ihr findet sie in den letzten beiden Links.

Links

https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Vom-Bleisatz-zur-Elektronik-347244.html

https://x-works.at/prozesse-digitalisieren#:~:text=Was%20bedeutet%20es%2C%20Prozesse%20zu,und%20die%20Effizienz%20zu%20steigern.

https://www.tuev-nord.de/explore/de/entdeckt/was-ist-kuenstliche-intelligenz-einfach-erklaert/

https://www.suchhelden.de/lexikon/edv.php

https://www.giga.de/ratgeber/specials/edv-und-it-wo-ist-der-unterschied/

Studien von Capgemini

Die Digitale Transformation meistern

Studie IT-Trends

Ein Jahr mit E-Auto – ein sehr persönlicher Rückblick

Ende Juli 2023 haben wir unser Elektroauto, einen Skoda Enyaq 80, bekommen. Nach mehr als 10 Jahren mit Benzinern und rund 30 Jahren mit Dieselfahrzeugen begann eine neue Ära. Die Beweggründe für ein Elektroauto waren zum einen Umweltschutz-Gründe und zum Anderen auch Kostengründe.

Vorausschicken möchte ich, daß ich hier nur meine persönliche Meinung wiedergebe, die sicher nicht immer wissenschaftlich fundiert ist, aber einem Faktencheck standhalten sollte.

Gute Umweltbilanz, wenn erneuerbare Energie verwendet wird

Ich weiß, wir können ewig darüber diskutieren, ob die Umweltbilanz bei Elektroautos besser ist als bei Verbrennern, beides verbraucht Ressourcen und produziert CO2. Unterm Strich aber, natürlich nur mit erneuerbarer Energie,  verursachen Elektroautos bis zu 79 % weniger Treibhausgas-Emissionen als konventionelle Pkw mit Verbrennungsmotor. Auch wenn diese Aussage von der von den meisten geliebten Ministerin Gewessler stammt,  ist sie dennoch richtig. Außerdem gibt’s praktisch keine lokalen Emissionen und nur minimale Lärmentwicklung, was beides gerade im städtischen Umfeld nicht unwichtig ist.

Wenn weiters laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Fraunhofer Instituts nur mit erneuerbaren Energien geladen wird, hat dies einen sehr großen Einfluss auf die Umweltbilanz eines Elektroautos, da Treibhausgasemissionen bereits nach 20.000 gefahrenen Kilometern gegenüber herkömmlichen Verbrennen kompensiert werden.

E-Autos dürfen trotzdem kein Dogma sein

Nicht nur aus meiner Sicht hat das E-Auto seine Berechtigung, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, auch wenn ich trotzdem der Meinung bin, daß das nicht dogmatisch gesehen werden darf. Es gibt auch andere technische Möglichkeiten und die Forschung entwickelt sich rasant weiter, daher sollten Verbote einer bestimmten Technologie vermieden werden. Solche Verbote hindern die Entwicklung, Beispiele aus der Geschichte gibt es genug dazu: Hätten sich nicht ein Kupernikus und Galilei gegen damalige Denkvebote aufgelegt, würden wir möglicherweise noch immer glauben, die Erde sei eine Scheibe und der Mittelpunkt des Universums. Experten warnten im 19. Jahrhundert, dass Menschen ernsthaft Schaden nehmen, wenn sie mit der Eisenbahn schneller als 30 km/h fahren, eine spektakuläre Fehleinschätzung. Oder die Meinung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“.

E-Mobilität ist aus meiner Sicht in der Praxis leider noch nicht wirklich mehrheitstauglich

Aber Schluß jetzt mit dem anektotenhaften Ausflug in die Geschichte, die Jetztzeit ist interessant genug. Leider muß man sich ein Elektroauto noch recht teuer erkaufen und sich das auch leisten können. Außerdem sind die Rahmenbedingungen für E-Mobilität noch bei weitem nicht mehrheitstauglich. Natürlich gibt es auch derzeit noch für manche Autofahrer Konstellationen, die ein E-Auto nicht sinnvoll machen, z.B. für Außendienstmitarbeiter mit sehr hohen täglichen Kilometerleistungen.

Vieles davon spielt sich zwar im Kopf ab, weil wir Autofahrer glauben, daß wir gefühlt jeden zweiten Tag mindestens tausend Kilometer ohne Unterbrechung fahren müssen. Andererseits ist es (noch) für einen Großteil der Österreicherinnen und Österreicher nicht möglich, so nebenbei zu laden, wenn das Fahrzeug gerade herumsteht. Wir haben zwar rund 43% Einfamilienhaus-Besitzer, die theoretisch zuhause laden könnten, andererseits können auch nicht alle einfach am Arbeitsplatz laden. Fast alle anderen müssen an öffentlichen Ladestationen laden, die erstens selten direkt vor der Haustüre und meist auch noch recht teuer sind. Dazu kommt dann noch die Ladezeit, die dann meist zu Recht als verlorene Zeit empfunden wird.

Zuhause laden ist Voraussetzung für ein stressfreies Leben mit dem E-Auto

Das alles trifft auf mich fast nicht zu, daher ist das E-Auto im Normalfall stressfreier als ein Verbrenner. Meine erste Aktion noch vor der Lieferung des Autos war die Installation eines Starkstrom-Anschlusses und einer (mobilen) Wallbox im Carport, um mit den technisch möglichen 11 kWh laden zu können, was bei einem 80 kwh Akku ermöglicht,  über Nacht ohne Probleme bis zu 100% zu laden. Das macht man, um die Batterie zu schonen, aber sowieso nur im Ausnahmefall vor längeren Fahrten. Auf diese Art verbrauche ich zu 90% weniger Zeit als um einen Verbrenner zu tanken. Die mobile Wallbox erlaubt mir theoretisch, an jeder Starkstromdose, eventuell mit zugehörigem Adapter, zu laden. Ich habe das aber im vergangenen Jahr nur einmal genutzt.

Öffentliches Laden steckt noch immer in den Kinderschuhen

Theoretisch ist die öffentliche Ladeinfrastruktur in Österreich schon recht vernünftig ausgebaut, aber die Tücke liegt im Detail. Auf und nahe an den Autobahnen sind die Ladestationen in praktikablen Abständen, doch immer wieder kommt es vor, daß die Stationen ausgefallen sind, die Ladekarten nicht akzeptiert werden und Bankomat- oder Kreditkarte auch verweigert werden. Dann macht man sich, zwar mittels App und Autonavi, auf die Suche nach der nächsten Möglichkeit zu laden. Das ist schon unnötig zeitkonsumierend und erhöht dabei den Stresslevel aller Mitfahrenden.

Notwendige Verbesserungen, die die Akzeptanz erhöhen

Zusätzlich ist unverständlich, warum viele Stationen irgendwo im letzten Eck des Parkplatzes versteckt werden und man minutenlang zur Raststätte gehen muss, um zum Pausenkaffee zu kommen. Weiters entbehrt es jeder Logik, daß Tanksäulen selbstverständlich überdacht sind, E-Ladestellen aber nur im Ausnahmefall. Weiters sollte es dringend Standard werden, daß Hotels, Restaurants und ähnliche analog zu bereits recht vielen Supermärkten Ladestationen zur Verfügung stellen, nur so kann das Laden ohne zusätzlichen zeitlichen Aufwand die Akzeptanz erhöhen.

In Zeiten von künstlicher Intelligenz ist es unverständlich warum Auto und Ladesäulen noch immer nicht alle notwendigen Daten für die Bezahlung über das z.B. CCS Interface austauschen. Tesla mit den Superchargern kann das schon seit Jahren.

Ich höre schon wieder Security- und Datenschutz-Bedenken, aber das Fahrzeug muß ja nur die notwendigen Zahlungsinfos, die sonst über Lade- oder Kreditkarte kommen, an die Ladesäule übermitteln. Somit hat der Betreiber keine Personen- oder Fahrzeug-bezogenen zur Verfügung. Alle anderen Auswertungen können ja in der Fahrzeug-App erfolgen.

Erfahrungen nach einem Jahr und 20.000 Kilometern

Wir fahren unseren Skoda Enyaq bisher praktisch nur in Österreich, wenn man von einigen grenznahen Abstechern ohne Ladenotwendigkeit absieht. Dafür war für uns eine praxistaugliche Anhängerkupplung unbedingt Voraussetzung. Einer der Gründe dafür ist, daß wir jederzeit unsere Fahrräder mitnehmen können und zweitens einen Anhänger mit einigen 100 kg Last ziehen zu können. Beides haben wir oft gemacht, der Anhänger war mehr als 1000 km eingesetzt, ebenso waren wir mit dem Biketräger mehrmals durch halb Österreich unterwegs.

Jetzt ist sicher interessant, wie hoch der Verbrauch durchschnittlich über die 20.000 km ist. Das sind zum Zeitpunkt der Aufnahme 19,3 kwh je 100 km, einige 100 km später ist er schon auf 19,2 kwh weiter gesunken. Der Winter hatte den Verbrauch auf durchschnittlich 20,4 KWh in die Höhe getrieben, in den letzten Monaten ist er aber so stark gesunken, daß der Jahresdurchschnitt um rund 1 kwh gesunken ist. Und das bei rund 40% Autobahn und 60% Landstraße, der Stadtverkehr fällt praktisch nicht ins Gewicht.

Der Kostenvergleich dafür ist auch nicht uninteressant, wobei hier ein noch höherer Preis pro kwh  wirkt als derzeit, die Dieselpreise sind derzeit aber auch niedriger.

Fazit

Ich persönlich möchte das E-Auto nicht mehr missen. Es verführt zu einer gelasseneren Fahrweise, obwohl die Beschleunigung von unten heraus auch immer wieder Spaß macht und manchmal auch hilfreich ist. Die Ladeplanung der Fahrzeug-App ist so ok, daß man nicht überrascht wird, die Auswahl der Ladestation ist aber nicht immer nachvollziehbar, aber das kann man ja overrulen.

Auch wenn es nicht direkt mit Elektromobilität zu tun hat: Die Navi-Software ist gelinde gesagt stark verbesserungswürdig. Warum zeigt es in einem E-Auto Treibstoff-Tankstellen ohne Ladestationen an? Warum leitet es immer wieder auf eine bestimmte Route, obwohl man dieser schon mindestens 10 Mal nicht gefolgt ist? Das kann jedes Motorradnavi besser und billiger.

Der adaptive Tempomat ist an und für sich recht gut, am besten, wenn man einen Vordermann hat. Die Verkehrszeichenerkennung ist aber absolut unzuverlässig, es werden unvermutet Verkehrszeichen auf der parallelen Fahrbahn oder einer anderen Ebene (Unterführung) verwendet, was an manchen Stellen auf der Autobahn zu Bremsmanövern von 130 auf 80 oder gar 50 km führt. Oder umgekehrt im einer 100er Zone mit Section Control unvermittelt auf 130 kmh beschleunigt, obwohl kein Verkehrszeichen zu sehen ist. Hier liegt es wieder an der Datenintegrität der in den Kartendaten erfassten Verkehrszeichen, was eigentlich im 21.Jahrhundert kein Thema mehr sein dürfte, sonst braucht man über KI-Systeme gar nicht mehr weiter nachdenken. Die visuelle Verkehrszeichenerkennung sollte aus meiner Sicht eigentlich nur zur Verifizierung dienen.

Trotzdem, auch die Reichweite ist und bleibt ein wichtiges Thema, sowohl was Batteriekapazitäten als auch Ladezeiten angeht. Hier ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, was aber leider auf die Preissicherheit für gebrauchte E-Autos drückt.

Ich gehe davon aus, daß das alles auch noch in den nächsten Jahren ein kontroversielles Thema bleiben wird. Denk- und Verwendungsverbote für andere Technologien sind dabei aber die schlechteren Ansätze, diese Herausforderungen weiterzuentwickeln.

Links

https://www.gisquadrat.com/verkehrszeichenverwaltung/

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Car2x

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/autonomes-fahren/technik-vernetzung/aktuelle-technik/

https://www.bmk.gv.at/themen/mobilitaet/alternative_verkehrskonzepte/automatisiertesFahren/faq/hintergrund/vollautomatisiert.html

https://www.bmk.gv.at/themen/mobilitaet/alternative_verkehrskonzepte/elektromobilitaet/zahlen/oekobilanz.html

https://www.virta.global/de/blog/faktencheck-ist-die-umweltbilanz-bei-einem-elektroauto-wirklich-schlechter

https://www.tesla.com/de_at/support/supercharging-other-evs#pay-supercharging

https://blackout-news.de/geschichte/die-geschichte-der-elektroautos-sie-scheitern-an-den-gleichen-problemen-wie-vor-ueber-100-jahren/

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Combined_Charging_System
https://www.bmk.gv.at/themen/mobilitaet/alternative_verkehrskonzepte/elektromobilitaet/zahlen/oekobilanz.html#:~:text=Die%20Ergebnisse%20zeigen%2C%20dass%20Elektroautos,Pkw%20mit%20Verbrennungsmotor%20(%20ICE%20).

https://www.helvetia.com/de/web/de/ratgeber/fahrzeuge/e-car/technik-praxis/elektroauto-umweltschaedlich.html#:~:text=Denn%20E%2DAutos%20selbst%20sto%C3%9Fen,die%20anf%C3%A4nglichen%20hohen% 20Emissionen%20ausgeglichen.

https://www.virta.global/de/blog/faktencheck-ist-die-umweltbilanz-bei-einem-elektroauto-wirklich-schlechter
https://www.auto-motor-und-sport.de/ams-plus/?utm_source=consent_layer&utm_medium=abo_testen&utm_campaign=amsplus

Warum in die Ferne schweifen – mit dem Motorrad auf den Pretul!

Wenn man nur einige Stunden Zeit hat, muß man trotzdem nicht aufs Motorrad verzichten und kann auch etwas Neues entdecken. Letzten Mittwoch war es so weit, sich endlich wieder auf die Crosstourer zu schwingen.

Das Ziel sollte der Pretul sein, zu dessen Höhe eine kleine Panoramastrasse führt. Da es wieder heiß werden sollte, starte ich bereits vor 8 Uhr. Über Bad Fischau, Weikersdorf, Winzendorf und St.Egyden führt der erste Teil über teilweise kleine Strässchen durchs Steinfeld nach Neunkirchen. Weiter geht es dann etwas einfallsloser über die B17 bis Gloggnitz und dann übers Schlagl nach Otterthal und Trattenbach Richtung Feistritzsattel. Die Höhe markiert die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark und ist auch ein guter Einstieg für Wanderungen oder mit dem Mountainbike über die Wexltrails auf den Hochwechsel, wenn man nicht ganz so sportlich ist, um bereits in St. Corona zu starten.

Na ja, ist wieder etwas für meine ToDo Liste, aber da sind noch ein paar andere Radstrecken vorher dran.

Rauf auf den Pretul

Weiter geht’s vom Feistritzsattel hinunter bis nach Rettenegg, wo ich dank Naviplanung ohne lange Sucherei die Auffahrt zur Pretul Panoramastrasse finde. Jetzt geht’s einige Kilometer auf eine schmalen noch asphaltierten Straße bis zum Bauernhof „Hansl im Reith“. Hier beginnt die Mautstrasse, die freundliche Jungbäuerin kommt, kassiert 2,50 Euro (nur in bar!) für das Motorrad und öffnet dann händisch die Schranke.

Nach einigen Höhenmetern und einer Kurve nahe einem privaten Photovoltaikpark ist es vorbei mit dem Asphalt und die Schotterstraße beginnt. Sie ist sehr gut gepflegt und auch in den Serpentinen problemlos zu befahren. Die Kalbinnen auf der Alm sind Motorräder anscheinend gewohnt und so schlängle ich mich an einigen von ihnen in der letzten Kurve vorbei, sie stehen mitten am Weg und sehen mir stoisch zu, und lande am großen Parkplatz vor dem Roseggerhaus auf 1588m Seehöhe.

Das Roseggerhaus ist leider Dienstag und Mittwoch geschlossen, getränketechnisch bin ich aber eh gut versorgt. So genieße ich den Blick Richtung Süden übers Joglland, wo sich einige Nebelschwaden zusammenziehen.

Der Windpark kann rund 26.500 Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Energie versorgen

Hier auf dem Pretul betreiben die Österreichischen Bundesforste einen Windpark mit 18 Windrädern, vier davon sind erst im Februar 2024 dazu gekommen. Sie glänzen in der Sonne und, weil es immer wieder als Gegenargument kommt, sie stören meiner Meinung nach optisch überhaupt nicht, zumindest weniger als das eine oder andere Atomkraftwerk, das ich ebenfalls schon gesehen habe, vom Sicherheitsaspekt einmal abgesehen.

Traumhafter Rundumblick

Einige Minuten den Berg hinauf befindet sich die Peter Bergner Warte, die einmal der höchste Punkt hier war, aber jetzt von den Windrädern mit einer Nabenhöhe von je 78 Meter und einem Rotordurchmesser von je 82 Metern überragt werden. Der Blick hinunter nach Mürzzuschlag ist aber ebenfalls beeindruckend. Weitere rund 20 Minuten Fußweg entfernt liegt eine heute offene Almhütte, doch mit Motorradhose und Hüftschmerz macht das keinen Spaß, darum marschiere ich wieder zurück zum Motorrad beim Roseggerhaus.

Der Rückweg

geht dann die Schotterstraße hinunter bis zur netten Bäuerin, die nach einem kurzen Huper den Schranken öffnet. Weiter geht es nun nach Ratten, der zweiten Möglichkeit, zur Mautstraße zu kommen. Über Alpl, vorbei an Peter Roseggers Waldheimat fahre ich über die B72 ins Mürztal.

Kurz vor Krieglach biege ich rechts ab und fahre über Schwöbing auf der S6 Begleitstraße bis Mürzzuschlag und dann über den Semmering und Maria Schutz wieder ins Schwarzatal. Ich möchte noch einen kleinen Umweg über Puchberg am Schneeberg machen, daher nehme ich die Abzweigung nach Ternitz um ins Sierningtal zu kommen. Hier ist auf einmal ein Riesen Polizei- und Rettungskräfte-Aufgebot, das meinen Weg absperrt. Erst daheim erfahre ich den Grund: hier wurde der Terrorverdächtige verhaftet, der einen Anschlag auf ein Konzert von Taylor Swift in Wien geplant haben soll.

Ich umrunde das Viertel und genieße dann die Kurven im Sierningtal bis Puchberg. Weiter geht es über den Ascher und Miesenbach ins Piestingtal, wo ich dann in Wopfing nach Piesting abbiege. Über den Hart, der übrigens immer wieder Kulisse für Fahrzeug-Aufnahmen von diversen Motorsendungen im Fernsehen und auch Youtube ist, führt mich mein Weg dann nach Aigen und über Lindabrunn wieder heim. Eine schöne ca 210 km lange Motorrad-Tour ist wieder zu Ende.

Links


https://www.wexltrails.at/de/deine-wexl-trails/trailinfo/touren/hochwechsel-tour
https://www.steiermark.com/de/Oststeiermark/Urlaub-planen/Ausflugsziele/Mautstrasse-Pretul_isd_8719574
https://www.naturfreunde-huetten.at/steiermark/roseggerhaus/
https://www.bundesforste.at/leistungen/erneuerbare-energie/windkraft/windpark-pretul.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Peter_Rosegger

Kurviger Links

Hinfahrt: Pretul hin 7.8.2024 | Kurviger

Rückfahrt: Pretul Heimweg 7.8.2024 | Kurviger

In den Kulissen und dem Entstehungsort einer Schweizer Legende: die Heimat des Schellen-Ursli

Es gibt nicht nur die Heidi

Der Inbegriff einer Schweizer Kindergeschichte ist „Heidi“ von Johanna Spiry. Sie hat das erste Buch im Jahr 1879 veröffentlicht, mehrere weitere folgten. Wir kennen Heidi seit einem Film, der unter anderem mit Theo Lingen im Jahr 1953 in die österreichischen Kinos kam. Richtig berühmt wurde sie bei uns aber mit der Zeichentrickfilm-Serie, die ab 1974 im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

In der Schweiz mindestens genauso bekannt ist aber der Schellen-Ursli. Er wurde von Selina Chönz im Text und mit Alois Carigiet als Illustrator in Buchform im Jahr 1945 zum Leben erweckt.

Seitdem wurde das Buch in 14 Sprachen übersetzt und über 1 Million Mal verkauft und im Jahr 2015 verfilmt und ist noch immer aus vielen Schweizer Kinderzimmern nicht wegzudenken. Weitere Geschichten folgten in den Jahren danach.

Bittere Armut und altes Brauchtum als Basis für diese Geschichte

Die Geschichte vom Schellen-Ursli spielt in Guarda, einem Dorf im Unterengadin. Sie handelt vom Brauch des Chalandamarz, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. Die Tradition will, dass der Winter durch das laute Glockengeläut der Kinder ausgetrieben und der Frühling eingeläutet wird. Dafür erhalten alle Kinder eine Glocke von Onkel Gian.

Als der Ursli an die Reihe kommt, erhält er die letzte Glocke, was ja nicht das Schlimmste wäre, wäre sie nicht so klein, die Kleinste von allen! Alle lachen den Ursli aus und rufen ihm Schellen-Ursli nach. Er erinnert sich aber, daß auf der Alp eine große Glocke hängt und holt sie heimlich ins Dorf.

Mehr erzähle ich hier nicht, es ist jedenfalls wert, die Geschichte zu lesen und den Film anzuschauen, der derzeit in der 3Sat Mediathek noch bis 28.8.2024 zu sehen ist, siehe den Link unten.

Guarda ist das Heimatdorf des Schellen-Ursli

Alois Carigiet hat ein Haus in Guarda als Vorbild für seine Illustrationen genommen und ich habe es bei meinem Besuch unwissentlich fast aus der gleichen Perspektive fotografiert.

Wie schon mehrmals erwähnt, ist meine Frau Schweizerin und der Schellen-Ursli weckt daher natürlich bei ihr Kindheitserinnerungen. Daher war ich umso gespannter, wie das Dorf im Oberengadin aussieht, es liegt ja direkt auf meiner Route am Heimweg nach Österreich. Mehr dazu hier:
https://newretiredontheblog.com/2024/07/30/2-heimfahrt-aus-der-schweiz/

Zu Fuß erreiche ich nach wenigen Minuten die Dorfstraße mit den typischen wunderschönen Häusern mit ihren Engadiner Sgraffiti, die mir schon vor 2 Jahren bei meiner Fahrt über den Albulapass in La Punt aufgefallen sind.

Trotz ziemlicher Hitze,  die mit der Motorradhose noch einmal mehr schweisstreibend ist, macht es mir Spaß die teilweise recht steilen Gassen zu durchstreifen und zu fotografieren.

Filmkulisse, die noch mit echtem Leben erfüllt ist

Die reformierte Kirche Giarsun mit ihrer typischen Holztäfelung ist eine der Kulissen im Schellen-Ursli-Film, die meisten Aussenaufnahmen mit den typischen Engadinerhäusern wurden aber in der Nähe, in Sur En bei Ardez gedreht.

Das tut meinen Besichtigungen aber keinen Abbruch, das ganze Dorf ist einfach ein Schmuckstück. Sogar zwei Kinder sitzen so, wie wenn sie direkt dem Film entsprungen wären.


Einige der sieben Brunnen, welche früher Treffpunkt der Bevölkerung und Mittelpunkt des sozialen Lebens waren, habe ich ebenfalls fotografiert. Das Dorf lebt aber auch heute noch, obwohl die Abwanderung wie in vielen Schweizer Bergdörfern in den letzten 100 Jahren die Bevölkerung beinahe halbiert hat. Die meisten der 70 Häuser sind bewohnt, es leben noch rund 170 Personen hier.

Natürlich gibt es auch ein Schellen-Ursli Museum

Im oberen Dorf befindet sich das Hotel Meissner, das in einem Nebengebäude ein kleines Schellen-Ursli Museum eingerichtet hat. Hier werden neben Originalbildern von Alois Carigiet auch viele Gegenstände und Szenen präsentiert, die das karge Leben der Engadiner Bevölkerung in den Bergdörfern näher bringen sollen. Natürlich gibt es die Bücher von Selina Chönz und andere Erinnerungsgegenstände ebenfalls zu kaufen.

Engadiner Gemütlichkeit

In der netten Ustaria Crush Alba wird man freundlich auf Rätoromanisch begrüßt. Das Lokal ist einerseits Dorfbeiz mit gemütlichen Tischen vor dem Eingang und andererseits ein Feinschmecker-Restaurant, hier gönne ich mir noch einen Kaffee und einen Streuselkuchen, bevor ich wieder zu meinem Motorrad gehe.

Das schon mehrfach erwähnte, weil überall mit dem Dreiklang Posthorn „Dü-Da-Do“ hör- und sichtbare Postauto in der Bergstrassen-Ausführung begegnet mir zur Abrundung dieser schönen und interessanten Stunden auch noch.

Links

https://www.graubuenden.ch/de/graubuenden/allgemeine-informationen/brauchtum/chalandamarz
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Heidi_(1952)
https://www.engadin.com/de/das-unterengadin/menschen-kultur/engadinerhaeuser-sgraffito
https://www.engadin.com/de/drehorte-vom-schellen-ursli-film

https://www.engadin.com/de/sur-en-dardez
https://www.graubuenden.ch/de/schellen-ursli#:~:text=Die%20Geschichte%20vom%20Schellen%2DUrsli,und%20der%20Fr%C3%BChling%20eingel%C3%A4utet%20wird.
https://www.hotel-meisser.ch/
https://www.hotel-meisser.ch/meisser-resort/guarda/schellen-ursli/schellenursli-museum
Noch bis 28.8.2024: https://www.3sat.de/film/spielfilm/schellen-ursli-100.html

2: Heimfahrt aus der Schweiz

Fast hätte ich an mehreren Stellen meine geplante Route nicht passieren können

Im Nachhinein gesehen hatte ich mehrfaches Glück, daß ich meine geplante Route vom Zürichsee über den Flüelapass, die Reschenstrasse, das Timmelsjoch, den Jaufenpass und den Brenner ohne Probleme fahren konnte.

Es begann mit einer einzigen Meldung im Internet am Freitag vor meiner Abfahrt. Die Reschenstrasse in der Nähe von Tschupbach, nur wenige Kilometer vor meinem Quartier in Fiss, ist vermurt und es ist nicht sicher, ob am Samstag die Durchfahrt möglich ist. Daher über die neue App ORF Sound den Tiroler Verkehrsfunk in der Früh abhören und nochmals im Internet suchen: anscheinend Entwarnung, keine Meldung mehr über eine Sperrung,  die Straße sollte ab 6:30 offen sein. Also riskieren hinzufahren und hoffen auf einen Hinweis nach dem Flüelapass bei der Abzweigung nahe Susch. Falls die Sperre doch aufrecht ist, muss ich über das Val Müstair Richtung Schlanders und weiter nach Bozen fahren. Doch alles ok, die Straße ist offen und ich fahre wie geplant nach Fiss. Die meterhohen Geröllberge links und rechts der Straße bei Tschupbach sind aber nicht zu übersehen.

Ich komme dann überall problemlos ohne besondere Vorkommnisse und ohne Regen bis heim. Erst bei meiner nachträglichen Streckenrecherche für diesen Blog finde ich heraus, daß zur gleichen Zeit die Abfahrt vom Jaufenpass und die Brennerstaatstrasse an mehreren Stellen wegen Vermurungen gesperrt waren und ebenfalls erst am Samstag wieder befahrbar waren.

Da sind die Gedanken schon einerseits bei den Menschen, die innerhalb weniger Minuten ihr Hab und Gut verloren und andererseits bei den Helfern, Hilfsorganisationen und Straßendiensten, die beinahe Übermenschliches geleistet haben, sodass man als Tourist wie ich einen Tag später beim Durchfahren fast nichts mehr davon mitbekommt.

Tag 1: Vom Zürichsee über Davos ins Tiroler Oberinntal

Der Samstag startet nicht besonders optimal, es regnet am Morgen recht stark. Während des Frühstücks geht es dann doch in ein Nieseln über, was eigentlich nichts ist nach 900 km Regen vor einigen Wochen bei meiner Fahrt in den Schwarzwald, und so beschließe ich, ohne Regenkombi loszustarten.

Aber nach rund 30 Kilometern, die ich entlang des Sees Richtung Westen fahre, entschließe ich mich wegen des stärker werdenden Regens doch, die Regenkombi anzuziehen. Unter einem Carport neben der Straße wurstle ich mich eher unelegant in den Schutzoverall, es dauert seine Zeit, hält aber auch stundenlangem Regen stand. In der Zwischenzeit ist der Regen weniger geworden und hört nach einiger Zeit ganz auf. Ich lasse die Kombi aber vorsichtshalber weiter an, man weiß ja nie und das Ausziehen ist ja genauso anstrengend wie das Anziehen.

Die Straße schlängelt sich bald den Berg hinauf mit Blick auf den Walensee, der Blick hinunter aufs Wasser ist schon recht malerisch.

Da ich ja weiterhin keine Schweizer Autobahn-Vignette besitze, geht es auf der Bundesstraße H3 nach Bad Ragaz. Im Kurpark und anderen Grünanlagen präsentieren unter dem Motto „Gegenwart“  88 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bis Oktober im Rahmen der größten Freiluft-Skulpturenausstellung ihre Werke. Ich stoppe natürlich des Öfteren um zu fotografieren.

Kurz darauf habe ich ein Jubiläum am Motorrad: Meine Crosstourer hat 50.000 km gemeistert, außer Batterieproblemen und einem neuen Blinkerrelais gab es dabei in dem letzten 7 Jahren, seit ich sie habe, keine Probleme.

Weiter geht es dann nach Chur, wo ich falsch abbiege und im Stau Richtung Arosa stehe. Dabei habe ich das Glück, in der Haltestelle Chur-Altstadt einer Garnitur des Arosa Express zu begegnen, die hier wie eine Straßenbahn unterwegs ist. Sowohl der Bernina Express Richtung Poschiavo/Tirano, der Glacier Express Richtung Zermatt sowie die Arosabahn fahren direkt ab Chur.

Danach geht es bergan nach Lenzerheide, oftmaliger Austragungsort für das Alpinschi Weltcupfinale und 2025 sollen die Biathlon-Weltmeisterschaften hier stattfinden. Nachdem die Stadien dafür im Sommer nicht sehr aufregend sind, fahre ich ohne Halt weiter fast bis Tiefencastel, dabei fällt mein Blick links auf den Felssturz, der im Vorjahr die Evakuierung des Bergdorfes Brienz auslöste, aber knapp vor dem Schulhaus zum Stillstand kam. Die Zufahrt nach Brienz ist nur Einheimischen gestattet, darum gibt’s von mir nur einige Bilder von der Hauptstraße aus.

Das untenstehende Bild zeigt die Dramatik für dieses Dorf, nachzulesen im zugehörigen Link.

https://www.bauernzeitung.ch/artikel/landleben/dieser-umstand-bewahrte-das-bergdorf-brienz-vor-groesseren-schaeden-494216h

In Tiefencastel teilt sich die Straße, einerseits über den Albulapass, den ich vor 2 Jahren gefahren bin und andererseits die Straße nach Davos, die ich heuer nehme. Ich möchte noch unbedingt den berühmten Landwasserviadukt in der Nähe von Filisur sehen. Man sieht ihn zwar kurz von der Straße aus, leider geht hier ein Stopp nicht ganz einfach, ich habe daher ein Bild von damals genommen. Der Fußmarsch wäre vom einem Parkplatz zwar möglich, nur passt er nicht mehr in meinen Zeitplan. So bleibt etwas auf der Bucket List.

In Davos, wo ich nicht anhalte, geht es über den nächsten Pass, den 2383m hohen und 27 km langen Flüela. Hier wird derzeit die Fahrbahn auf der Bergabstrecke verbreitert, was zu erheblichen Staus führt. Als Biker hat man es etwas leichter, ich schlängle mich mit 2 deutschen Kollegen kilometerweit vor und gewinne mindestens eine halbe Stunde.

Ein Highlight wartet noch auf mich, der Schellen-Ursli in Guarda. Ja, es gibt nicht nur die Heidi von Johanna Spiry, sondern auch den Schellen-Ursli von Selina Chönz. Das Buch wurde in Guarda im Oberengadin verfilmt, daher gibt es in einem der Häuser auch ein kleines Museum. Detailliert erzähle ich später in einem eigenen Blog darüber.

Beim Hinunterfahren ins Tal begegnet mir fast klischeehaft das Postauto, das den Bahnhof im Tal mit dem Dorf verbindet.

Die österreichische Grenze ist nicht mehr weit und die Zollfreizone Samnaun ruft zum Tanken. Die Straße von Martina weg ist am Anfang recht harmlos und wird enger und enger und wird mit 2,3 m angegeben. Dabei kommen einige Felsentunnels die unbeleuchtet, nass und kurvig und gefühlt weniger als einspurig sind. Mit dem Motorrad an sich kein Problem, solange nichts entgegen kommt, aber trotzdem, da waren die Felsentunnel im Trentino fast wie Autobahnen dagegen. Ich habe Glück und keinen Gegenverkehr und stelle fest, dass ich vermutlich das letzte Mal zumindest durch den längeren durchgefahren bin. Die Tunnelbaustelle Val Alpetta ist fast fertig, der neue gut 600 m lange Tunnel soll im Sommer 2024, also demnächst eröffnet werden, die Verkehrszeichen sind schon montiert. Damit ist wieder ein gruseliger Tunnel Geschichte. In den nächsten Jahren sollen zwei weitere Tunnel errichtet werden, dann ist nichts Spannendes mehr von diesem engen kurvigen Strässchen übrig.

Ein Video, das zwar die Fahrt eines Porsche zeigt, gibt eine Vorstellung, wie das Feeling mit Motorrad auf dieser Strecke derzeit noch ist.

https://youtu.be/ESVRSph70nk?si=bPlbFrtP8Sp9Zvzj

Nach dem recht günstigen Tanken und Parfümeinkauf geht es harmlos die Straße Richtung Spiss ins Inntal hinunter. Der österreichische Zöllner winkt mich durch, ich sehe nicht aus wie ein Rolex-Käufer. Bald bin ich an der Stelle bei Tschupbach, die gestern noch vermurt war, hier türmen sich links und rechts der Straße die Geröllberge, der Vergleich mit dem Auto verdeutlicht das Ausmaß. Die Landesstrasse ist noch länger verschüttet und das Ganze ging nur knapp an den Häusern vorbei.

Die Kurven hinauf nach Fiss sind der richtige Abschluss des Tages, der Ausblick hinunter ins Inntal ist aber auch empfehlenswert. Nachdem ich zweimal an meinem Quartier, der Pension Truya-Hof vorbeifahre erkenne ich es bei dritten Mal. Der Hausherr begrüßt mich freundlich und zeigt mir die Garage, wo ich auch mein Motorrad einstellen darf. Nachdem ich schon hungrig bin, gehe ich zum Abendessen direkt ins Nachbarhaus, ins Hotel Montana und danach bald ins Bett.

Tag 2: Die großen Pässe rufen

Das Wetter ist in der Früh vielversprechend sonnig, so starte ich kurz nach dem Frühstück und fahre über Ladis mit der Burg Laudegg im Blick los hinunter ins Inntal.

Nach wenigen Kilometern geht’s in Prutz nicht ins Kaunertal, sondern den Kaunerberg hinauf und weiter auf die Pillerhöhe, wo immer wieder tolle Ausblicke den Blick von der Straße lenken. Durch Arzl im Pitztal, der Heimat von Benny Raich, führt mich das Navi hinein ins Ötztal über Sölden nach Hochgurgl bis zur Mautstation des Timmelsjochs.

Der Blick sowohl auf die österreichische als auch auf die italienische Seite des Passes ist beeindruckend, aber zuerst bin ich auf Europas höchstgelegenes Motorrad-Museum Top Mountain Crosspoint neugierig. Nach einem verheerenden Brand im Jänner 2021 wurde das Museum im November 2021 mit mehr Exponaten als zuvor wieder eröffnet. Mehr dazu gibt es in einem eigenen Blog zum Museum (eventuell noch nicht verfügbar).


Nach einer kühlen Stärkung und nach Bezahlung von 17 Euro an der Mautstation geht die Fahrt weiter zuerst hinauf auf die Passhöhe von 2474m und dann weiter 30 km hinunter bis St.Leonhard in Passeier. Hier verfranse ich mich etwas und fahre falsch aus dem Kreisverkehr. Dabei entdecke ich ein malerisches schmales Strässchen, wo mir relativ schnell klar wird, daß ich falsch bin. Weil es so schmal ist, kann ich erst bei der ersten Haarnadelkurve umdrehen. Kurz danach kommen mir einige italienische Biker entgegen, daher denke ich einen Insidertipp entdeckt zu haben, der auf jeden Fall wert ist gefahren zu werden.

Jetzt fahre ich die richtige Ausfahrt aus dem Kreisverkehr und durchs Ortsgebiet von St.Leonhard Richtung Jaufenpass. Hier geht’s mit bis zu 11,5% hinauf und dann in schönen Kurven aber mit schlechtem Straßenbelag nach Sterzing hinunter. Von der Vermurung von vor 2 Tagen bemerke zumindest ich nichts mehr.

Die Brennerstaatstrasse ist nicht besonders aufregend und Gott sei Dank trotz Ferienwochenende auch nicht besonders dicht befahren. So komme ich bis zur österreichischen Grenze auf der Passhöhe recht rasch voran und nach dem Grenzübergang rasch wieder hinunter Richtung Innsbruck. Beim ersten Blick auf die Europabrücke kann ich leider nicht halten, und so kann ich erst unter der Brücke fotographieren.

Für Österreich habe ich eine Autobahn-Vignette, daher will ich mir einige Tiroler Orts- und Stadtdurchfahrten ersparen und fahre bei der nächsten Auffahrt auf die Brennerautobahn A13 Richtung Innsbruck und dann weiter auf der A12 durchs Inntal bis Jenbach, wo ich wieder auf die Bundesstraße wechsle. Ein Tankstopp ist auch wieder notwendig und dann geht es weiter durch den Tunnel bei Rattenberg bis Wörgl. Das Navi mag wieder einmal einen kleinen aber sehenswerten Umweg über die Wildschönau machen und leitet mich dann mit einem herrlichen Ausblick hinunter nach Hopfgarten im Brixental. Leider gibt es genau dort (keine Möglichkeit zu halten und zu fotografieren, daher habe ich mir das Bild von der Homepage der Kitzbüheler Alpen geborgt.

Von Hopfgarten sind es auf der recht stark befahrenen B150 nur mehr 15 Kilometer bis zum vorletzten Quartier auf meiner Reise im 4* Hotel Alpen Glück Hotel „Kirchberger Hof“. An sich nehme ich eher niedrigere Kategorien bei meinen Solofahrten, aber hier habe ich über die Buchungsplattform anscheinend fürs letzte Zimmer einen Sonderpreis, somit passt es preislich zu den anderen Quartieren. Das Zimmer ist auch viel zu schön um nur eine Nacht zu bleiben, das Hallenbad nutze ich auch nicht, weil ich zu müde bin. Genossen habe ich das Hotel trotzdem.

Tag 3: Vom Kaisergebirge durch die kaiserliche Sommerfrische

Es macht schon Spaß, nach einem ausgiebigen Frühstück an einem sonnigen und noch nicht zu heißen Morgen direkt auf das Kaisergebirge zuzufahren und das herrliche Panorama zu genießen.

Über die Kitzbüheler Straße vorbei am Schloss Münichau fahre ich nach St.Johann in Tirol und Richtung Fieberbrunn, kurz davor biege ich aber ins Pillerseetal ab. Das Navi, oder eher die Kurviger-App, mit der ich meine Routen plane, hat wieder ein Gustostückerl einer kleinen versteckten Straße parat. In Straß biege ich in die Schwendt ab, einer kleinen Straße vorbei am Wiesensee bis Hochfilzen.

Dann bleibe ich auf der B164 durch Saalfelden, Maria Alm, den Dienter Sattel bis Bischofshofen, links immer mit dem Panorama des Hochkönig.

Hier machen die Bundesstraße und die Ortsdurchfahrten auch keinen Spaß, darum fahre ich die B311 bis zur A10 und dann bis zur Auffahrt Eben und dann weiter zu meinem Abstecher nach Radstadt. Nach einer erholsamen Mittagspause in einem schattigen Gastgarten bei einem riesigen Eiskaffee treffe ich zufällig 2 junge Motorradfahrer und eine Radfahrerin aus meiner ursprünglichen Heimat, dem Mostviertel. Die Biker wollen zum Dientener Sattel, von wo ich komme, die Radfahrerin fährt heimwärts in die Melker Gegend.

Mein nächstes Ziel ist die Postalm, daher geht’s zurück über Eben auf die B166 durchs Lammertal. Kurz nach Abtenau zweigt rechts die Straße Richtung Postalm ab. Hier ist Vorsicht angebracht, viele Streifen und Flecken sind ausgiebig frisch mit Rollsplit ausgebessert. Dann kommt bald die Mautstation und nach Bezahlung von 7 Euro für das Motorrad geht es über die 28,5 km lange Panoramastrasse über das größte zusammenhängende Almgebiet Österreichs nach Strobl am Wolfgangsee. Der Blick auf Dachstein und Bischofsmütze ist unvergleichlich.

Am Wolfgangsee waren wir erst vor einigen Wochen  bei unserem Salzkammergut-Radweg-Urlaub, darum fahre ich weiter vorbei an Bad Ischl nach Bad Goisern, wo im Supermarkt schon eine Wurstsemmel nach mir ruft.
Mit dem Fahrrad sind wir ja vor kurzem das linke Ufer des Hallstättersees entlang gefahren, darum nehme ich mit dem Motorrad die rechte Uferstrasse und biege dann, weil es noch so früh ist ab, um noch zum Gosausee zu fahren.

Leider sind dort die Motorrad-geeigneten Parkplätze weit weg und alles voll von Autos, Bussen und Touristen, heiß ist es dazu auch noch, so drehe ich um und fahre wieder an der Hallstättersee, vorbei an Hallstatt Richtung Koppenpass. Hier zwingt mich die Aussicht auf Loser und Trisselwand nochmals für einen Fotostopp.

Durch Bad Aussee geht es über die B145 vorbei an Bad Mitterndorf, Tauplitz und der Schiflugschanze am Kulm bis Trautenfels, wo es wieder Zeit ist zu tanken. Bis Liezen sind es dann nur mehr wenige Minuten und es geht schon die Pyrnpass-Bundesstrasse hinauf bis Spital am Pyrn, wo ich mein letztes Zimmer dieser Reise reserviert habe.

Der Blick auf Bosruck und den Großen Pyhrgas lässt das Herz höher schlagen, aber auch die zweitürmige ehemalige Stiftskirche ist ein architektonisches Meisterwerk, das aus einem Hospitz (Spital) hervorgegangen ist und auf eine tausendjährige Geschichte zurückblickt.

Die Hitze macht nicht besonders hungrig und so nehme ich im Gasthaus gegenüber der Kirche nur einen Wurstsalat und eine exzellente Limoncello-Torte und mache noch einen kleinen Rundgang durch den Ort, bevor der Abend wieder endet.

Tag 4: Über das heimische Mostviertel bis ins Triestingtal

Nach einem ausgiebigen Frühstück im schattigen Gastgarten fahre ich den Pyrnpass hinunter bis Windischgarsten und biege dort rechts in den Hengstpass ab. Obwohl nur 985m hoch, ist diese Straße zwischen Reichraminger Hintergebirge und den Haller Mauern nach Altenmarkt schon allein wegen der Aussicht wert zu fahren. 

Hier habe ich endlich einmal Zeit genug, eine der vielen Baustellen zu fotografieren, durch die ich während der letzten Tage gefahren bin.

Weiter geht es auf der Eisenstrasse B115 bis Weyer, wo ich gleich nach dem Innerberger Stadel, einem Speichergebäude aus dem Jahr 1654, das ursprünglich als Eisen- und Proviantspeicher diente, den Berg hinauf Richtung Hollenstein zur Pichlhöhe abbiegen möchte.

Die Straße existiert aber nicht mehr, denn seit gut einem Monat ist der erste kurze Tunnel der Umfahrung Weyer fertig und so fahre ich durch ihn in den noch nicht ganz fertigen Kreisverkehr, der einerseits in den zweiten langen Tunnel der Umfahrung führen wird, aber mich zur Pichlhöhe leitet.

Vorbei an den vertrauten ersten Mostviertler Bauernhöfen geht es hinunter ins Ybbstal, hier waren wir das letzte Mal vor 2 Jahren auf dem empfehlenswerten Ybbstal-Radweg zwischen Lunz und Waidhofen unterwegs. In Gstadt biege ich über die alte Strassenbrücke mit Blick auf die leider nicht im Radweg integrierte ehemalige Bahnbrücke, die sogenannte Fischbauchbrücke, nach Ybbsitz ab.

Kurz nach Ybbsitz biege ich in den Zogelsgraben Richtung Maria Sesal ab, fahre dann aber auf schmalen Güterwegen über den Schwarzenberg hinunter nach Ybbsbach zu meinem Elternhaus, wo ich meine Mutter besuche. Ich war schon jahrelang nicht auf diesem Berg und genieße daher den Blick auf Gresten, den Zürner und den Prochenberg besonders.

Nach einigen Stunden geht’s den letzten Abschnitt meiner Fahrt über Oberndorf an der Melk ins Pielachtal und weiter ins Traisental und dann über Hainfeld und den Gerichtsberg heim ins Triestingtal, wo ich am frühen Abend nach gut 2700 Kilometern am Motorrad sehr zur Freude meiner Frau unversehrt aber müde eintreffe.

Links

TAG 1
https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/nach-murenabgang-b-180-reschenstrasse-und-l-65-oberinntalstrasse-bis-auf-weiteres-gesperrt/
https://heidiland.com/de/informieren/regionen-orte/bad-ragaz/bad-ragartz.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Chur%E2%80%93Arosa
https://www.bauernzeitung.ch/artikel/landleben/dieser-umstand-bewahrte-das-bergdorf-brienz-vor-groesseren-schaeden-494216
https://www.engadin.com/de/unterengadin/schellen-ursli#:~:text=Schellen%2DUrsli%20Dorf.-,Guarda,%C3%BCber%20das%20Bergdorf%20im%20Unterengadin.
https://www.davos.ch/informieren/news-aktuelles/news/news/flueelapass-oeffnet-am-samstag
https://youtu.be/ESVRSph70nk?si=bPlbFrtP8Sp9Zvzj
https://www.samnaun.ch/de/news/ausbau-samnauner-strasse
https://www.gr.ch/DE/Medien/Mitteilungen/MMStaka/2022/Seiten/2022112402.aspx
https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/nach-murenabgang-b-180-reschenstrasse-und-l-65-oberinntalstrasse-bis-auf-weiteres-gesperrt/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Burg_Laudegg
https://www.merkur.de/welt/truemmerfeld-reschenstrasse-gesperrt-urlauber-in-der-falle-unwetter-verwandeln-tal-zum-brenner-in-93184950.html
https://www.truya-hof.com/


Tag 2
https://www.timmelsjoch.com/de/news-detail/Wiederer%C3%B6ffnung+des+TOP+Mountain+Motorcycle+Museums+/
https://www.gurgl.com/de/sommer/ausflugsziele/timmelsjoch-hochalpenstrasse.html
https://www.jaufenpass.eu/motorrad
https://kurvenkoenig.de/paesse/jaufenpass.html
Geheimtipp: St.Leonhard in Passeier: Braugasthof Brückenwirt die Via Pianlargo hinauf zum Gasthof Breiteben
https://maps.app.goo.gl/URdKekr1yH3kRiYi8?g_st=ac
https://www.kitzbueheler-alpen.com/de/hosa/hopfgarten.htm
https://www.kirchbergerhof.at/
https://www.bikerdream.de/highlight/it/highlight-poi-motorrad-reisen-touren-italien-dolomiten-jaufenpass.html

Tag3

https://postalm.abtenau-info.at/sommer/postalmstrasse/


TAG 4
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hengstpass
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Innerberger_Stadel_(Weyer)

https://www.land-oberoesterreich.gv.at/243994.htm
https://www.mostviertel.at/ybbstalradweg

In den Kulissen von „My Fair Lady“ bei den Seefestspielen Mörbisch

25 Meter ist er hoch, der „Big Ben“, der im Hintergrund die Kulissen der Seebühne in Mörbisch überragt und dann doch erst in der zweiten Hälfte der Aufführung wirklich zu sehen ist. Er wirkt so weit entfernt und fast wie ein Hologramm in seiner perspektivischen Darstellung.

Das ist aber nur eines der Highlights dieser Führung über die Seebühne vor der Aufführung des diesjährigen Musicals „My Fair Lady“. Alleine der Blick von der riesigen Bühne auf die Zuschauertribünen mit fast 6100 Sitzplätzen ist beeindruckend und vermittelt etwas von dem Gefühl hier von mehr als 12000 Augen beobachtet zu werden.

Zuerst erfuhren wir etwas zur Geschichte der Seefestspiele, die 1957 als relativ kleines Operettenfestival begannen und unter Harald Serafin von 1992 bis 2012 immer weiter ausgebaut wurde. Nach einigen turbulenten Intendantenwechseln ist seit Jänner 2021 Alfons Haider Generalintendant der Seefestspiele Mörbisch und hat sie erfolgreich aus Musicalspielstätte etabliert.

Dann ging es wegen der anhaltenden Hitze in den Schatten der Kulissen, die links, rechts und im hinteren Bereich der 3600 qm großen Bühne sozusagen zwischengeparkt sind.  Beeindruckend ist das Gewicht der Kulissenteile mit mehreren Tonnen, die von den Bühnenarbeitern und mindestens einer Bühnenarbeiterin manuell auf Rollen exakt auf ihren im Stück zugeteilten Platz geschoben werden.

Für die 60 Darsteller bleibt aber auch noch genügend Platz, denn rund 2500 qm Bühne können echt bespielt werden. Während wir uns durch die Kulissen fotografieren, kommt auch Intendant Alfons Haider mit einer Gruppe und einem Schmäh auf den Lippen vorbei.


Nach einem gemütlichen Cocktail vor dem Bühnengelände geht die Vorstellung bald los. Eigentlich wollte ich über die Aufführung nichts schreiben, da ich nichts davon verstehe und daher auch kein Kritiker sein kann.  Aber es hat uns begeistert und mitgerissen wie viele andere auch, daher doch ein paar Worte dazu.

Das Stück wurde modernisiert ins Jahr 2018 transferiert, Eliza Doolittle (Anna Rosa Döller) mit ihrem Dialekt aus „East Simmering“ begeisterte nicht nur uns. Oida, das war ein richtiges Vergnügen ihre Wandlung mitzuerleben. Mark Seibert verkörpert den Professor Higgins als richtigen Oasch und Herbert Steinböck wächst in der Rolle des Vaters Alfred P. Doolittle, der auch mit Hiphop-Anleihen übers Masl, das man braucht, singt. Für Dolly Schmidinger, wurde die geniale Rolle der Queen in diese Fassung hineingeschrieben, sie begeistert mit trockenen Sprüchen und sehr viel Augenzwinkern.

Das Ende bleibt, wie es uns schon in der Bühnenführung angekündigt wurde, offen. Nimmt sie Freddy Eynsford-Hill, der sie abgöttisch liebt, oder doch Professor Higgins oder bleibt sie mit ihrem Szene-Lokal die selbstbestimmte Frau, die sie eigentlich schon als Blumenverkäuferin war? Jeder kann sich seine Lieblingsversion am Heimweg noch vorstellen.

Alles in allem hat es viel Spaß gemacht und wir können es nur weiterempfehlen. Bis 17.August gibt es vielleicht noch die eine oder andere Restkarte. Und: die Bühnenführung um zusätzlich 7 Euro ist auf jeden Fall interessant.

Links

https://www.seefestspiele-moerbisch.at/
https://www.stadt-wien.at/kunst-kultur/musik/seefestspiele-moerbisch-alle-stuecke-seit-1957.html
https://www.seefestspiele-moerbisch.at/rund-um-die-seefestspiele/news/presse/artikel/london-calling/