Was haben Eier mit Ostern zu tun?
Sogar die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat sich mit der Herkunft des Ostereis beschäftigt und ein Historiker hat die relativ spärlichen Informationen zusammengestellt, um ein bisschen Licht hinter die bemalten Eier zu bringen.
Streng genommen durfte man in der Fastenzeit keine Eier essen, deshalb hat man sie ursprünglich hart gekocht und gefärbt. Um die gekochten von den rohen Eiern zu unterscheiden, wurde dem Kochwasser Pflanzenteile zum Färben beigegeben – also zunächst ein ganz praktischer Hintergrund für den Brauch des Eierfärbens.
Im Christentum wurde das Ei aber auch zum Symbol der Auferstehung. Der Kirchenvater Augustinus deutete es als Zeichen der Hoffnung – bei den Vögeln auf den Nachwuchs, bei Christen und Christinnen als Hoffnung auf das Zukünftige.
Eier färben
Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot – als Symbol für das Blut Christi. Heute steht meist die Dekoration im Vordergrund und man kann die gefärbten Eier fast das ganze Jahr im Supermarkt so fertig kaufen und das Färben in der Familie wird praktisch nur mehr mit kleinen Kindern gemacht.
Irgendwie war das Ostereierfärben in meiner Kindheit eine Art Hassliebe. Die Farben wurden in Kaffeehäferln in heißem Essigwasser angerührt und das gekochte Ei musste dann mit einem Suppenlöffel langsam hineingelassen werden. Das war ja noch spannend, aber dann hieß es gefühlt ewig warten, bis es gefärbt war. Dafür waren das Rot, Blau, Gelb und Grün damals noch besonders kräftig. Wenn die Schale einen Haarriss hatte, war auch das geronnene Eiweiß noch mitgefärbt. Nachdem die Eier trocken waren, wurden sie noch mit Abziehbildern verziert und mit einer Speckschwarte glänzend gerieben.

Eier ausblasen
In der Volksschule kam dann noch das Bemalen von ausgeblasenen Eiern hinzu. Schon das Anstechen oben und unten mit einer spitzen Nadel war eine Herausforderung und dann musste mit Gefühl und doch genug Puste das Eiklar und der Dotter herausgeblasen werden, ohne die Schale zu zerbrechen. Die Bemalung mit Filzstift oder Wasserfarben war dann die nächste Herausforderung, die ich wie die meisten Kinder gerne angenommen habe. Ich habe damals dafür sogar eine OE-MM gebastelt. Den Link zum Nachbasteln gibt es hier:
Heute findet man auf unserem Osterbaum noch die von unseren Töchtern bemalten Eier und seit neuestem auch schon von unseren Enkelkindern und auch so manches künstlerisch gestaltete Ei von den Ostermärkten unserer Umgebung und auch so einige aus anderen Ländern.
Der Osterbaum
Im Christentum steht der Osterbaum nicht nur für den Frühlingsbeginn. Er bezeichnet den Zeitpunkt von Tod und Auferstehung Jesu Christi. In vielen Häusern, so auch bei uns, steht einige Wochen vor Ostern eine Vase mit Zweigen vom Haselstrauch mit Korkenzieherweide und eventuell auch noch von der Forsythie, die dann mit den ausgeblasenen Eiern dekoriert werden.

Ostereier pecken
Der Volkskundler Franz Schönwerth aus der Oberpfalz beschreibt das lustige Spiel vor fast 130 Jahren so: „Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen.“
Das Eierpecken an sich hat keinen besonderen historischen oder kirchlichen Hintergrund, sondern ist mehr ein Gesellschaftsspiel in der Familie. Es hat aber sicherlich damit zu tun, dass es nach der Fastenzeit einfach viele gekochte Eier gab. Es geht einfach darum, wessen hartgekochtes Osterei bis zum Schluss unversehrt bleibt. So war es schon in unserer Kindheit und ist bei den Enkelkindern noch genauso. Wehe, ein Ei wird ohne Pecken geöffnet oder jemand scheint geschummelt zu haben, da konnten und können Tränen fließen.

Eiertütschen in der Schweiz
In den 1960er- und 70er-Jahren war das öffentliche Eiertütschen ein beliebter Osterbrauch – und das nicht nur bei Kindern, in manchen Gebieten ist es das bis heute geblieben. Die Regeln bei der Eiertütschete sind nicht anders als in Österreich, nur mit dem Unterschied, dass es oft neben dem Spaß in der Familie auch ein öffentliches Massenereignis ist.
Man schlägt mit seinem hartgekochten und vorzugsweise bunt bemalten Osterei auf das Ei seines Gegners und hofft, dass dessen Ei zerbricht. Zunächst „Füdle“ auf „Füdle“, dann „Spitz“ auf „Spitz“. Oder umgekehrt. Bleibt das eigene Ei auch nach der gegnerischen Attacke heil, gewinnt man das zerschlagene Ei des Verlierers. Dann sucht man in der Menge nach seinem nächsten Gegner, der wie man selbst noch ein Ei mit einem heilen „Füdle“, „Spitz“ oder sogar einem „Ganze“ hat. So kämpft man sich Ei um Ei weiter. Da üblicherweise bis zu hundert Menschen an diesem Osterbrauch teilnehmen, lohnt sich, mehr als nur ein Ei von zu Hause mitzubringen.
Eine weitere Taktik nicht nur in der Schweiz ist der richtige Winkel. Um das Ei des Gegners zu besiegen, muss man leicht seitlich statt direkt von oben „tütsche“. Das Ei ist an der Spitze am härtesten und bei einem zu direkten Spitze-auf-Spitze-Schlag riskiert man, dass auch das eigene Ei in die Brüche geht.
Damit an dieser Tradition auch Neulinge teilnehmen können, bringen die alten Hasen immer eine Packung sogenannte „Touristen-Eier“ mit. Doch üblicherweise hätten Touristen kein besonders glückliches Händchen im Eiertütschen, denn „Die hauen meist viel zu fest und zerschlagen ihre Eier.“
Das „Zwänzgerle“ auf dem Zürcher Lindenhof
In Zürich war das sogenannte „Zwänzgerle“ besonders populär. Dabei versuchen Erwachsene, ein Fünfzigrappenstück oder früher einen Zwanzigräppler (daher der Name) so auf ein hartgekochtes Ei zu werfen, dass es stecken bleibt. Gelingt das, gehört das Ei der werfenden Person – andernfalls darf das Kind, das das Ei hält, das Geld behalten. Besonders auf dem Zürcher Lindenhof versammelten sich früher Familien und Schaulustige zu diesem Osterbrauch.
Nicht ganz konfliktfreies Eiertütschete in Bern
Punkt zehn Uhr am Ostersonntag treffen sich Bernerinnen und Berner jeweils auf dem Kornhausplatz, um das stärkste Ei zu ermitteln. Die Eiertütschete wird hier Erzählungen zufolge seit über hundert Jahren gepflegt. Weil sich ein Restaurant daran störte, rief der Wirt im Vorjahr die Berner Kantonspolizei zu Hilfe, um die Leute von der Kornhaus-Laube zu vertreiben. Das berichtete «Bärn Today». Demnach wollte der Restaurant-Betreiber draussen Tische und Stühle aufstellen, konnte dies aufgrund des Osteranlasses aber nicht. Man habe miteinander geredet und schliesslich eine Lösung gefunden, hieß es bei der Polizei.
Eiertütschete im Wald
Auch in der Heimatgemeinde (diese hat nichts mit unserem Heimatort oder Geburtsort zu tun!) meiner Frau, in Huttwil im Aargau, organisiert der Burgerrat die alljährlich stattfindende Eiertütschete, aber bereits am Ostersamstag. Auch hier versammelt sich eine größere Menschenmenge von Jung bis Alt, dem Bild zufolge auf einer Waldlichtung.

Und woher kommt der Osterhase?
Im Jahr 1682 erwähnte ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein. Warum der Hase aber zum Osterhasen wurde, weiß keiner mehr ganz genau. Möglicherweise liegt es daran, dass sowohl Hasen als auch Eier Symbole für Fruchtbarkeit sind.
Übrigens, in einigen Teilen der Schweiz, etwa im Emmental, war noch im 19. Jahrhundert der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest.

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