Vom Ei zum Osterei

Vom Ei als Symbol der Auferstehung über das Markieren und Färben, um sie von frischen Eiern zu unterscheiden und sie dann nach der Fastenzeit rasch zu verbrauchen, bis zum Ausblasen, Bemalen mit der OE-MM und dem Pecken in Österreich oder Tütschen in der Schweiz reicht dieser Blog. Der Rolle des Osterhasen gehe ich auch auf den Grund.

Was haben Eier mit Ostern zu tun?

Sogar die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat sich mit der Herkunft des Ostereis beschäftigt und ein Historiker hat die relativ spärlichen Informationen zusammengestellt, um ein bisschen Licht hinter die bemalten Eier zu bringen.

Streng genommen durfte man in der Fastenzeit keine Eier essen, deshalb hat man sie ursprünglich hart gekocht und gefärbt. Um die gekochten von den rohen Eiern zu unterscheiden, wurde dem Kochwasser Pflanzenteile zum Färben beigegeben – also zunächst ein ganz praktischer Hintergrund für den Brauch des Eierfärbens.

Im Christentum wurde das Ei aber auch zum Symbol der Auferstehung. Der Kirchenvater Augustinus deutete es als Zeichen der Hoffnung – bei den Vögeln auf den Nachwuchs, bei Christen und Christinnen als Hoffnung auf das Zukünftige. 

Eier färben

Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot – als Symbol für das Blut Christi. Heute steht meist die Dekoration im Vordergrund und man kann die gefärbten Eier fast das ganze Jahr im Supermarkt so fertig kaufen und das Färben in der Familie wird praktisch nur mehr mit kleinen Kindern gemacht.

Irgendwie war das Ostereierfärben in meiner Kindheit eine Art Hassliebe. Die Farben wurden in Kaffeehäferln in heißem Essigwasser angerührt und das gekochte Ei musste dann mit einem Suppenlöffel langsam hineingelassen werden. Das war ja noch spannend, aber dann hieß es gefühlt ewig warten, bis es gefärbt war. Dafür waren das Rot, Blau, Gelb und Grün damals noch besonders kräftig. Wenn die Schale einen Haarriss hatte, war auch das geronnene Eiweiß noch mitgefärbt. Nachdem die Eier trocken waren, wurden sie noch mit Abziehbildern verziert und mit einer Speckschwarte glänzend gerieben.

Eier ausblasen

In der Volksschule kam dann noch das Bemalen von ausgeblasenen Eiern hinzu. Schon das Anstechen oben und unten mit einer spitzen Nadel war eine Herausforderung und dann musste mit Gefühl und doch genug Puste das Eiklar und der Dotter herausgeblasen werden, ohne die Schale zu zerbrechen. Die Bemalung mit Filzstift oder Wasserfarben war dann die nächste Herausforderung, die ich wie die meisten Kinder gerne angenommen habe. Ich habe damals dafür sogar eine OE-MM gebastelt. Den Link zum Nachbasteln gibt es hier:

Die Ostereier-Malmaschine

Heute findet man auf unserem Osterbaum noch die von unseren Töchtern bemalten Eier und seit neuestem auch schon von unseren Enkelkindern und auch so manches künstlerisch gestaltete Ei von den Ostermärkten unserer Umgebung und auch so einige aus anderen Ländern.

Der Osterbaum

Im Christentum steht der Osterbaum nicht nur für den Frühlingsbeginn. Er bezeichnet den Zeitpunkt von Tod und Auferstehung Jesu Christi. In vielen Häusern, so auch bei uns, steht einige Wochen vor Ostern eine Vase mit Zweigen vom Haselstrauch mit Korkenzieherweide und eventuell auch noch von der Forsythie, die dann mit den ausgeblasenen Eiern dekoriert werden.

Ostereier pecken

Der Volkskundler Franz Schönwerth aus der Oberpfalz beschreibt das lustige Spiel vor fast 130 Jahren so: „Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen.“

Das Eierpecken an sich hat keinen besonderen historischen oder kirchlichen Hintergrund, sondern ist mehr ein Gesellschaftsspiel in der Familie. Es hat aber sicherlich damit zu tun, dass es nach der Fastenzeit einfach viele gekochte Eier gab. Es geht einfach darum, wessen hartgekochtes Osterei bis zum Schluss unversehrt bleibt. So war es schon in unserer Kindheit und ist bei den Enkelkindern noch genauso. Wehe, ein Ei wird ohne Pecken geöffnet oder jemand scheint geschummelt zu haben, da konnten und können Tränen fließen.

Holz- und Alabastereier zur Deko am Ostertisch

Eiertütschen in der Schweiz

In den 1960er- und 70er-Jahren war das öffentliche Eiertütschen ein beliebter Osterbrauch – und das nicht nur bei Kindern, in manchen Gebieten ist es das bis heute geblieben. Die Regeln bei der Eiertütschete sind nicht anders als in Österreich, nur mit dem Unterschied, dass es oft neben dem Spaß in der Familie auch ein öffentliches Massenereignis ist.

Man schlägt mit seinem hartgekochten und vorzugsweise bunt bemalten Osterei auf das Ei seines Gegners und hofft, dass dessen Ei zerbricht. Zunächst „Füdle“ auf „Füdle“, dann „Spitz“ auf „Spitz“. Oder umgekehrt. Bleibt das eigene Ei auch nach der gegnerischen Attacke heil, gewinnt man das zerschlagene Ei des Verlierers. Dann sucht man in der Menge nach seinem nächsten Gegner, der wie man selbst noch ein Ei mit einem heilen „Füdle“, „Spitz“ oder sogar einem „Ganze“ hat. So kämpft man sich Ei um Ei weiter. Da üblicherweise bis zu hundert Menschen an diesem Osterbrauch teilnehmen, lohnt sich, mehr als nur ein Ei von zu Hause mitzubringen.

Eine weitere Taktik nicht nur in der Schweiz ist der richtige Winkel. Um das Ei des Gegners zu besiegen, muss man leicht seitlich statt direkt von oben „tütsche“. Das Ei ist an der Spitze am härtesten und bei einem zu direkten Spitze-auf-Spitze-Schlag riskiert man, dass auch das eigene Ei in die Brüche geht.

Damit an dieser Tradition auch Neulinge teilnehmen können, bringen die alten Hasen immer eine Packung sogenannte „Touristen-Eier“ mit. Doch üblicherweise hätten Touristen kein besonders glückliches Händchen im Eiertütschen, denn „Die hauen meist viel zu fest und zerschlagen ihre Eier.“

Das „Zwänzgerle“ auf dem Zürcher Lindenhof

In Zürich war das sogenannte „Zwänzgerle“ besonders populär. Dabei versuchen Erwachsene, ein Fünfzigrappenstück oder früher einen Zwanzigräppler (daher der Name) so auf ein hartgekochtes Ei zu werfen, dass es stecken bleibt. Gelingt das, gehört das Ei der werfenden Person – andernfalls darf das Kind, das das Ei hält, das Geld behalten. Besonders auf dem Zürcher Lindenhof versammelten sich früher Familien und Schaulustige zu diesem Osterbrauch.

Nicht ganz konfliktfreies Eiertütschete in Bern

Punkt zehn Uhr am Ostersonntag treffen sich Bernerinnen und Berner jeweils auf dem Kornhausplatz, um das stärkste Ei zu ermitteln. Die Eiertütschete wird hier Erzählungen zufolge seit über hundert Jahren gepflegt. Weil sich ein Restaurant daran störte, rief der Wirt im Vorjahr die Berner Kantonspolizei zu Hilfe, um die Leute von der Kornhaus-Laube zu vertreiben. Das berichtete «Bärn Today». Demnach wollte der Restaurant-Betreiber draussen Tische und Stühle aufstellen, konnte dies aufgrund des Osteranlasses aber nicht. Man habe miteinander geredet und schliesslich eine Lösung gefunden, hieß es bei der Polizei.

Eiertütschete im Wald

Auch in der Heimatgemeinde (diese hat nichts mit unserem Heimatort oder Geburtsort zu tun!) meiner Frau, in Huttwil im Aargau, organisiert der Burgerrat die alljährlich stattfindende Eiertütschete, aber bereits am Ostersamstag. Auch hier versammelt sich eine größere Menschenmenge von Jung bis Alt, dem Bild zufolge auf einer Waldlichtung.

Und woher kommt der Osterhase?

Im Jahr 1682 erwähnte ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein. Warum der Hase aber zum Osterhasen wurde, weiß keiner mehr ganz genau. Möglicherweise liegt es daran, dass sowohl Hasen als auch Eier Symbole für Fruchtbarkeit sind.

Übrigens, in einigen Teilen der Schweiz, etwa im Emmental, war noch im 19. Jahrhundert der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest.

Eigentlich wollten wir heute in Dubai sein

Sätze, die mit „Eigentlich“ beginnen, sind irgendwie verdächtig. Es war anders geplant, als es dann gekommen ist. In unserem Fall ist eigentlich nichts passiert. Wir können im sicheren Zuhause bleiben, auch wenn wir uns schon monatelang auf diesen Urlaub in Vietnam mit einer Zwischenlandung in Dubai gefreut hatten. Millionen anderer können das nicht.

Die Weltgeschichte in Form eines amerikanischen Präsidenten hat mit seinem epischen Zorn (Epic Fury) das Leben von Millionen Menschen durcheinander gewirbelt, unseres nur ganz wenig, aber das von anderen sehr kräftig. Ein unterdrücktes Volk hat Hoffnung auf Freiheit und Demokratie,  ein anderes Volk hat die Hoffnung, dass sie nicht mehr durch Raketen bedroht werden. Ein Präsident hat die Hoffnung, dass sein Land noch greater wird und dabei die eine oder andere Ölmilliarde für ihn oder sein Umfeld abfällt.

Eine Hoffnung des Präsidenten wird aber immer kleiner, nämlich die auf den Friedensnobelpreis. Aber im Zweifelsfall ist das auch nicht mehr wichtig, er kann ja eine Gegenorganisation zum Nobelpreis-Kommitee gründen, Supertrump-Kommitee wäre dafür sicher ein guter Name. Die würden dann jedes Jahr dem Vorsitzenden auf Lebeszeit die Supertrump-Statue übergeben. Und „The Logical Song“ ist die naheliegende Hymne. Dass diese von der Gruppe mit dem „a“ im Namen ist, stört dabei nicht.

Und die Hoffnungen auf eine friedlichere Welt, auf ein weiteres Anspringen der Konjunktur und mehr Zuversicht sind nach wenigen Tagen schon wieder vorbei. Ein Regimewechsel steht nicht mehr auf der Agenda, kein einziger Toter wird wieder lebendig, im Gegenteil, es werden wie beim letzten Angriff, alle, die nur die Möglichkeit gehabt hätten, irgendetwas an den amerikanischen oder israelischen Geheimdienst zu verraten, zum Tod verurteilt oder zumindest im Gefängnis landen. Und natürlich auch die, die dem zynischen Aufruf des amerikanischen Präsidenten gefolgt sind und bei Protesten mitgemacht haben. Für ihn sind das Kollateralschäden, wie auch die eigenen Soldaten. Seine Idee ist in der Zwischenzeit schon wieder ganz anders.

Und ob ein Schah von Trumps Gnaden mittel- und langfristig die Akzeptanz in der Bevölkerung finden und dabei nicht den Versuchungen der Korruption erliegt, ist auch alles andere als sicher. Wie er die Revolutionsgarden, wo ja viele auf persönliche Vorteile verzichten müssten, friedlich und ohne Bürgerkrieg auflösen könnte, steht ebenfalls auf einem anderen Blatt. Auch die religiösen Führer werden sich nicht ohne weiteres zurückziehen und einen säkularen Staat zulassen.

Und ob dieses Machtvakuum nicht den Konflikt zwischen saudi-arabischen Sunniten und iranischen Schiiten wieder stärker aufflammen läßt, ist auch alles andere als sicher. Der Beschuss einer saudi-arabischen Raffinerie durch den Iran könnte da schon ein Vorbote sein.

Es bleibt nur noch die Hoffnung, dass niemand in der arabischen Welt und in Europa auf die Nadelstiche der iranischen Mullahs in Form von Drohnen und Raketen falsch reagiert und den vom iranischen Regime gewollten Flächenbrand auslöst, der nicht mehr zu kontrollieren ist.

Die weitere Hoffnung der in der Region gestrandeten Urlauber wird hoffentlich bald erfüllt, dass sie rasch nachhause kommen können. Ob die Hoffnung aller dort Lebeneden auf ein baldiges Ende der Beschüsse durch Drohen und Raketen berechtigt ist, muss sich auch erst weisen.

Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in dieser Region müssen sehr wahrscheinlich alle Beteiligten und besonders die ungewollt Betroffenen wieder auf lange Zeit begraben.

Den Menschen dort wäre es zu wünschen, dass sie die Chance bekommen, rasch wieder in ein Stück Normalität zurückzukehren.

Wir und wahrscheinlich viele andere in Europa auch haben die Chance bekommen, später wieder den ursprünglichen Urlaubsplan zu verwirklichen. Zynismus von uns Europäern den Menschen im Nahen und Mittleren Osten gegenüber, die wieder der Spielball verschiedenster Interessen sind, ist daher nicht angebracht.

Austro-Daimler Fahrzeuge in und aus Wr.Neustadt

In meinem zweiten Blog zum Oldtimer-Museum Wiener Neustadt gehe ich detaillierter auf die Exponate der 8. Sonderausstellung ein, wo noch bis 29.März 2026 außergewöhnliche Exemplare der leider untergegangen österreichischen Automarke Austro-Daimler gezeigt werden und hinterfrage am Ende was aus der Neuauflage des Austro-Daimler Bergmeister geworden ist.

Automobilgeschichte ist Geschichte der lokalen Industrialisierung

Die Familie Fehr hat in Wr.Neustadt vor einigen Jahren ein gar nicht so kleines Oldtimer- Museum Fehrclassiccars eingerichtet, das die Technikgeschichte des österreichischen Automobilbaues auch mittels spezieller Ausstellungen pflegt. Die 8. Sonderausstellung in diesem Rahmen widmet sich noch bis 29. März 2026 der weltweit bekannten Wiener Neustädter Automobilbau-Firma „Austro-Daimler“. Dieser Streifzug durch die Geschichte und die Blütezeit des Automobilbaues bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt wurde von Lisl und Heinz Mesicek in enger Zusammenarbeit mit dem Team Fehr praktisch  direkt am ehemaligen Gelände der Austro-Daimler Werke geplant, organisiert und kuratiert.

Die Maschinenfabrik, Eisen- und Metallgießerei der Brüder Fischer an der Pottendorfer Straße östlich der heutigen Stadionstraße legte 1899 den Grundstein für die Ansiedlung von Daimler in Wiener Neustadt. Damit wurde Wiener Neustadt eines der wichtigsten Zentren der Schwerindustrie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Bilder des ehemaligen Werkes zur Verfügung gestellt von der Sektion Austrodaimler – austrodaimler.at

Für alle, die keine Zeit oder Gelegenheit haben, die Ausstellung in der Stadionstraße noch vor dem 29.März 2026 zu besuchen, zeige ich hier einige Bilder mit meinen dazu gesammelten Hintergrund-Informationen.

Der Austro-Daimler AD 6-17, Baujahr 1920

Der AD 6-17 wurde in den von Ferdinand Porsche geleiteten Austro-Daimler- Motorenwerken für ein Hotel in Südschweden erzeugt. Er galt 1920 als vornehmes und teures Auto, war als Schöpfung von Ferdinand Porsche der österreichische Beitrag in der international prosperierenden Luxuswagenklasse. Die österreichische Flugzeuggesellschaft (ÖFFAG) fertigte den charakteristischen Karosserie- aufbau komplett aus Holz. Der große 6 Zylinderwagen mit Königswellenantrieb, einem Hubraum von 4.400 ccm und 60 PS, war seinerzeit das Spitzenmodell aus Wiener Neustadt und kostete 13 Millionen Kronen, das wären heute rund 1,7 Mio Euro. Die mehr als 100 km/h Höchstgeschwindigkeit konnte er aber nur selten nutzen.

Der Austro-Daimler AD 14-32, Baujahr 1914

Ferdinand Porsche kam im Jahr 1905 zu Austro-Daimler als Technischer Direktor und wurde 1916 ihr Generaldirektor. Da Ehrendoktorat der Universität Wien erhielt er 1917 sicher auch wegen seiner herausragenden Arbeit bei Austro-Daimler. Der AD 14-32 gehörte da sicher auch dazu.

Der Austro-Daimler ADM Sport, Baujahr 1926

Ein 6-Zylinder Blockmotor mit 3 Liter Hubraum und 100 PS verlieh diesem außergewöhnlichen Auto eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Zeitschrift Europa Motor schrieb in der Ausgabe 4 von 1926: „Die Type ADM Sport Dreiliter ist für jene Kategorie Herrenfahrer gebaut, die einen schnellen Sportwagen haben wollen, der sich ohne besondere Adaptierungen nicht nur zur Teilnahme an sportlichen Konkurrenzen eignet, sondern auch als Tourenwagen verwendet wird, der also zugleich Renn- und Tourenwagen ist.“

Es gab eine 2-sitzige und eine 4-sitzige Variante, die auch ausgestellt ist. Europa Motor schreibt dazu weiter: „Der Viersitzer sieht gute Karossierungsmöglichkeiten vor und eignet sich gleich gut als schneller Tourenwagen mit sportlichem Charakter als auch zur Teilnahme an Tourenkonkurrenzen usw.“

Der Austro-Daimler ADR 6 Cabrio, Baujahr 1927

Das ausgestellte Exponat ist der älteste bekannte ADR, ein Köllnsperger K. Roadster und mit rund 2400 Fahrzeugen auch der meist gebaute AD.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, Baujahr 1925

Dieses Fahrzeug trägt noch das Originalkennzeichen der ersten Anmeldung in England und könnte damit mit einer gültigen Versicherung dort auch heute noch gefahren werden.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, oft als „kleiner Sport“ oder „Alpine“ bezeichnet, war ein exklusiver Sportwagen der 1920er Jahre, der von Ferdinand Porsche entworfen wurde. Ausgestattet mit einem 6-Zylinder-Reihenmotor (ca. 2,5–3 Liter), Leichtmetallblock und obenliegender Nockenwelle, bot er hohe Fahrleistungen und wurde durch sportliche Aufbauten mit Cantilever-Hinterradfederung bekannt.

Er ist ein seltenes Beispiel für österreichische Sportwagentechnik aus der Zeit vor der Übernahme durch Steyr. Von der ADM-Serie, einschließlich der Sportvarianten, wurden über 6 Jahre insgesamt ca. 500 Einheiten in Wiener Neustadt gefertigt. Die Bezeichnung 60/70 PS deutet auf die gesteigerte Motorleistung der Sportversion hin.

Der Austro-Daimler ADR 6, Baujahr 1928

Dieser Austro Daimler ADR 6 ist sicherlich kein gewöhnliches Automobil und ein weltweites Einzelstück. Nicht weil es als einziges übrig geblieben ist, nein, es wurde genau nur einmal gebaut.

Das Chassis wurde damals von dem Karosseriebaubetrieb Alexis Kellner – Berlin bestellt, um auf dem Fahrgestell einen Aufbau zu fertigen – und auf der IAA Berlin 1928 ein wirklich „besonderes“ Ausstellungsstück präsentieren zu können. Auf dem IAA-Stand vom Berliner Kellner, fälschlicherweise immer mit Kellner-Paris verwechselt, wurden auf verschiedenen Chassis basierende Cabriolets von Kellner gezeigt. So entstand die Bezeichnung „Kellner Cabrio“.

Der Austro Daimler galt dort als ein echter „Eyecatcher“, der vor allem die Enthusiasten anziehen sollte. Das lag auch an den zahlreichen glänzenden Anbauteilen – sicherlich eine Geschmacksfrage. Innen wurde die Polsterung mit Eidechsenleder bezogen, es könnte jedoch auch eine seltene Schlange gewesen sein.

Genauso besonders war das Verdeck des Cabriolets. Zum einen waren am hellen Verdeck keine Sturmstangen (außen) montiert, zum anderen konnte durch ein spezielles Feder- und Hebelwerk das Verdeck einhändig geöffnet werden. Dies war jedoch nicht die einzige technische Raffinesse. Ein Hebel hinter dem Fahrersitz ließ einen Deckel im Heck „aufspringen“, der den „Schwiegermuttersitz“ zum Vorschein brachte.

Die Austro-Daimler ADR 6 Limousine, Baujahr 1928

Die wunderschöne dunkelblaue Limousine aus der gleichen Typenfamilie ist dagegen kein Einzelstück, sondern war mit rund 2500 Stück sozusagen die Massenware. Das tut ihr aber keinen Abbruch, sie ist technisch am gleichen Level und mit 3 Liter Hubraum und 70 PS auch 120 km/h schnell, ein Spitzenwert für damalige Verhältnisse.

Das älteste und das jüngste Ausstellungsstück ist jeweils ein Feuerwehrauto, beide kommen aus Niederösterreich.

Der Austro Daimler AD 9/20, Baujahr 1912

Der Austro-Daimler AD 9/20 (oft als 20 PS Motorspritze oder Löschfahrzeug bezeichnet) wurde hauptsächlich im Jahr 1912 gebaut. Diese Fahrzeuge waren frühe Feuerwehr- Löschfahrzeuge und Motorspritzen, die in dieser Zeit unter der technischen Leitung von Ferdinand Porsche entstanden.

Das ausgestellte Fahrzeug wurde von 1920 bis 1950 in der Stadt Mödling verwendet und auch im 2.Weltkrieg als eines der wenigen Feuerwehr-Fahrzeuge eingesetzt.

Der Austro Daimler ADGR, Baujahr 1940

Heute gibt es insgesamt nur mehr ungefähr hundert Austro-Daimler, und nur diesen einzigen ADGR als Zeugen der späten Markengeschichte. Er landete nach unbekannter Kriegs-Geschichte zunächst arg ramponiert in Wien, dann übersiedelte er am 20. Juni 1947 zum Preis von 1.550 Schilling zur Freiwilligen Feuerwehr Aspang im südlichen Niederösterreich.

Der 2000 Liter fassende Wassertank und seine Halterungen wurden maßgeschneidert, der Seilwinden-Antrieb war ideal für die Löschwasserpumpe. Die erlaubt übrigens die Beimischung von Löschschaum, damals keine Selbstverständlichkeit. Der Schaum war „bio“, aus Eiweiß und mit entsprechendem Geruch.

Das Fahrzeug besitzt 7 Vorwärts- und 3 Rückwärtsgänge. Kurios ist das Baujahr 1940 – ein Austro-Daimler sieben Jahre nach dem Ende der Firma in Wiener Neustadt, und mitten in einer Zeit, in der „Austria“ äußerst unmodern war.

Austro Daimler D 5 P, Baujahr 1932

Ab 1932 produzierte Austro-Daimler-Puch eine mit einem 250cm³ Puch Motorradmotor ausgestattete Draisine. Sie hatte die Sitze noch hintereinander angeordnet, während das Nachfolgemodell ab 1938, von Draisinentypen der Deutschen Reichsbahn abgeleitet, die Sitze nebeneinander angeordnet hat und es entsteht die Type D 11V, vergleichbar mit der deutschen Bauart „Vorhölzer“.

Zur Vollständigkeit: Austro Daimler ADS R – Der Saschawagen, Baujahr 1922

Der Saschawagen war zwar nicht ausgestellt, ist aber untrennbar mit Wr.Neustadt verbunden, daher möchte ich ihn hier trotzdem vorstellen.

Der Austro-Daimler Sascha ist ein Sportwagen, den Ferdinand Porsche 1922 konstruierte. Den Namen Sascha wählte Porsche nach Alexander „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky, der den Wagen bestellt hatte.

Bei der TARGA FLORIO am 2. April 2022 nahmen insgesamt 4 Sascha-Wagen teil, damals rot lackiert, um für Italiener gehalten zu werden. Zur Unterscheidung waren sie mit Spielkartensymbolen markiert. Graf Kolowrat-Krakowsky schied aber aus, die anderen 3 waren beinahe unschlagbar. Sie belegten Platz 1 und 2, Alfred Neubauer auf dem 3.Sascha-Wagen konnte sogar in der größten Fahrzeugklasse mit dem absoluten Sieger mithalten und blieb über eine Zeit von 7 Stunden 49 Minuten nur 8 km hinter dem Sieger mit einem viermal stärkeren Fahrzeug zurück. Den Helden der Targa Florio wurde in den Österreichischen Daimler Motoren Aktiengesellschaft Werken in Wiener Neustadt ein jubelnder Empfang bereitet.

Die erste Gelegenheit, den Saschawagen zu sehen hatte ich 2019, als das Fahrzeug zur Landesausstellung „Welt in Bewegung“ für kurze Zeit nach Wr.Neustadt zurückkehrte. Das nächste Mal war es 2024 im Porschemuseum in Stuttgart. Leider habe ich in beiden Fällen kein besonderes Foto gemacht, daher muss ich hier beim zweiten Bild auf Wikipedia zurückgreifen.

Vom Oldtimer-Klassiker zum Steak-Leckerbissen

Die mittlerweile 8.Sonderausstellung ist ein Teil des Museums mit rund 70 immer wieder wechselnden Oldtimer-Leckerbissen, unter anderem von automobilen Legenden wie dem Bentley S3 Saloon aus dem Erstbesitz von Frank Sinatra oder dem Cadillac Fleetwood von Elvis Presley und auch dem Steyr 150, der in den Filmen „Der Bockerer“ zum Filmstar wurde.

Zum Abschluss als weiteren Leckerbissen ein Steak im angeschlossenen Restaurant Route 66 kann ich auch noch empfehlen.

Leider scheint das Comeback eines Austro-Daimler Bergmeister gescheitert

1931 wurde der letzte Austro Daimler gebaut. Eigentlich war es der vorletzte, denn es gab 2019 einen neuen engagierten Versuch der Neubelebung im Sinne der Sportwagentradition, den Austro-Daimler Bergmeister ADR 630 Shooting Grand. Das war ein ehrgeiziges Projekt eines niederösterreichischen Ingenieurs, der an die Intentionen von Ferdinand Porsche und die Tradition dieser Wiener Neustädter Marke anknüpfen wollte.

Er baute aus einem AMG-Sechszylinder zusammen mit einen 55-kWh-Akku und gleich drei Elektromotoren einen Hybrid mit 1214 PS Systemleistung, der in 2,5 Sekunden auf 100 beschleunigen sollte. Das Design als Verbindung aus klassischem Gran Turismo und dem Konzept des Shooting Brake wurde Shooting Grand genannt und ist zumindest auffällig und wäre möglicherweise auch richtungsweisend gewesen.

Es gab auch 2019 einige Präsentationen des fahrfähigen Prototypen vom Salon Privé Concours beim Blenheim Palace in England über den Concours d’Elegance an der Villa d’Este in Italien und das Museum Fahr(t)raum in Mattsee bis zur Planai Classic.

Die Homepage www.austrodaimler.com gibt es zwar auch noch aktualisiert im Jahr 2026, aber sonst scheint es seit 2019/2020 keine neuen Aktivitäten zu geben. Schade, das wäre auch 2026 adaptiert noch ein tolles Fahrzeug.

Digitaler Euro wird nur ausgedruckt akzeptiert?!?

In meiner Blogserie zu 100 Jahre Österreichischer Schilling 2025 habe ich ja auch schon zum digitalen Euro geschrieben. Es ist zwar nicht mehr Fasching, aber ich möchte euch trotzdem einen Artikel der Satire-Plattform „Die Tagespresse“ vom 29.Juni 2023 (!!) mit der Schlagzeile: „Österreichische Lösung: Digitaler Euro wird nur ausgedruckt akzeptiert“ nicht vorenthalten, noch dazu, weil auch ein Namensvetter von mir vorkommt. Um das Ganze trotzdem seriös zu machen, verlinke ich auch einen Faktencheck.

Auch Chat-GPT wollte nicht drucken

Gleich vorweg, sogar Chat-GPT hat sich zuerst aus guten rechtlichen Gründen geweigert, das in einer Illustration umzusetzen. Aber nach einigen Diskussionen, die sich gerade noch ohne Upgrade ausgegangen sind, haben wir gemeinsam, glaube ich zumindest, eine ganz gute Lösung zur Behübschung meines Blogs gefunden!

Die Tagespresse thematisiert damit die generelle Angst vor der Digitalisierung und besonders das Narrativ, dass uns in Europa und ganz besonders in Österreich das Bargeld weggenommen werden soll. Da helfen wiederholte Hinweise der Wirtschaft, Banken und Politiker nichts, manche vertrauen mehr den YouTube-Spezialisten und X-Expertinnen.

Bargeldzahlungen sind in Europa rechtlich abgesichert und in Artikel 128 des «Vertrags über die Arbeitsweise der EU» fest verankert

Der Faktencheck wurde von der Deutschen Presseagentur gemacht, ich weiß, die ist für viele auch nicht glaubwürdig, allein schon deshalb, weil sie sachlich Fakten festhält und die noch dazu an sie sogenannten Systemmedien weitergibt.

Dier EU arbeitet derzeit auch an der Gestaltung neuer, noch sicherer Euro-Banknoten, die ersten sollen noch 2026 vorgestellt werden. Also daher zuerst einmal der Faktencheck hier zum Nachlesen:

Abschaffung nicht geplant – EU setzt langfristig auf Bargeld

Und nun zur Satire

Da sorgt sich Daniel Wallner, Innovationsbeauftragter im Finanzamt darum, dass das mit der magischen Kraft des Stroms getriebene Internetz sich durchsetzen könnte, das auszudruckende Handyzertifikat, die Freude des Kanzlers über mehr Bürokratie und die Angst Bablers, er könnte sich am digitalen Euro elektrisieren. Besonders die FPÖ hat ein Dilemma: wie bekommt man den digitalen Euro in eine Sporttasche?

Also, nun viel Spaß beim Lesen:

Österreichische Lösung: Digitaler Euro wird nur ausgedruckt akzeptiert

Österreich, Land der (geistigen) Gartenzäune

Österreich war schon immer ein Land der Gartenzäune, an sich ein liebenswertes Attribut, das Heimatverbundenheit und Gemütlichkeit ausdrückt, aber auch Abschottung und Gestrigkeit bedeuten kann. Kantönligeist nennt man das bei den Nachbarn. Nur stellen in letzter Zeit unsere Bundesländer, aber nicht nur sie, diese Gartenzäune auf.

Gastpatienten, hohe Netzkosten, Spitalsbett-Odysee und Jugendschutz sind fast willkürliche Beispiele für diese anscheinend unüberwindbaren Gartenzäune in Österreich. In meinem neuen Blog gehe ich aus meiner persönlichen Perspektive darauf ein.

I haaß Karli, du haaßt Karli. Warum sogns` zu dir Gastpatient?

Die höchsten Zäune errichtet gerade das Bundesland Wien und vergisst dabei, dass es nebenbei noch eine weitere nicht ganz unbedeutende Funktion hat, nämlich die der Bundeshauptstadt. Meine an die Plakataktion gegen die Diskriminierung von Gastarbeitern „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns` zu dir Tschusch?“ von 1973 angelehnte Überschrift bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt.

Wien schottet sich gegen Gastpatienten aus fernen Ländern wie Niederösterreich und Burgenland ab. Es mag schon sein, dass der Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern das nicht vollständig berücksichtigt, dafür bekommt die Bundeshauptstadt aber für diese Funktion extra Gelder.

Besonders unverständlich ist, dass Menschen, die jahrelang in die Wiener Gebietskrankenkasse eingezahlt haben, aber nicht in Wien leben, abgewiesen werden. Ich wäre ein typisches Beispiel, da ich fast 45 Jahre meine Beiträge an die Wiener Kasse gezahlt habe, aber in Niederösterreich lebe. Ich finde zwar, dass man nicht aufrechnen sollte, aber die Praxis gegenüber Asylbewerbern, die nie etwas eingezahlt haben, ist eine ganz andere.

Hier hakt es aber weniger am Asylsystem, sondern daran wie Krankenanstalten verwaltet und finanziert werden. Damit stehe ich schon vor dem nächsten Zaun.

Odyssee der Betten- und OP-Platzsuche

Die Krankenhäuser haben schon seit Jahren ihre Gartenzäune gegenüber anderen Spitälern. Wir reden von Digitalisierung und raschem Datenaustausch, aber auch noch im Jahr 2026 muss eine Person durchtelefonieren, wenn im eigenen Spital kein Platz frei ist. Wertvolle Zeit geht verloren, um die simple Frage nach OP-Kapazität oder einem Bett in einem anderen Spital zu beantworten. Und das nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern zwischen den Spitälern untereinander.

Hier ist es mehr als überfällig, dass die IT Systeme vereinheitlicht werden oder zumindest in allen wichtigen Fragen eine gemeinsame Schnittstelle haben. Dann wäre es endlich auch möglich, klare Aussagen über Kapazitäten, Auslastung zu treffen.

Aber solange Daten in einen Computer eingegeben und dann ausgedruckt werden, um sie mit einem Boten woanders hinzubringen, um dort abgeschrieben und in ein anderes System eingegeben zu werden, sind wir meilenweit vom Punkt 2.3.5. „Once Only“ des Digital Austria Act (DAA) entfernt, der bereits am 1. Juni 2023 von der österreichischen Bundesregierung präsentiert wurde.

Aber zuerst gehören in dieser Causa die geistigen Gartenzäune um Spitäler und Bundesländer abgebaut.

Windstrom verschandelt die Umwelt und deshalb haben die anderen höhere Netzkosten

Für die Bundesländer Kärnten, Tirol und Vorarlberg scheint das die Grundeinstellung zu sein, deshalb stehen ihre Gartenzäune in diesem Bereich. Sie sichern sich damit gegen die häßlichen Windräder ab, die laut manchen Gruppen in diesen Bundesländern die Umwelt verschandeln. Dass der Windstrom genau dann am zuverlässigsten fließt, wenn die energiefressenden Schneekanonen und Schilifte den im Inland produzierten Strom brauchen würden, fällt dabei ja nicht ins Gewicht.

Dafür werden die anderen Bundesländer fast ausgelacht, weil ihre Netzgebühren mehr als bei ihnen steigen. Aber um noch mehr Energie zu verbrauchen, gibt es Ideen und Pläne in diesen Bundesländern, ganze Bergkuppen zu sprengen um Schigebiete miteinander zu verbinden.

Ich versuche hier einen positiven Blick: Bergkuppen blockieren die Aussicht und Weitsicht, also weg mit ihnen. Die Umwelt ist dadurch auch besser zu sehen, überhaupt, wenn kein Windrad die Sicht verstellt. Diese ironische Zusammenfassung bringt mich zum nächsten Gartenzaun.

Das österreichische Stromnetz ist so klein strukturiert wie das Schienennetz der Dampfeisenbahn in der Monarchie

Vor 150 Jahren hatte praktisch jede Eisenbahnlinie ihre eigene Lizenz und einen eigenen Besitzer. Heute hat praktisch jeder Stromerzeuger sein eigenes Netz in seinem Bereich. Es stimmt schon, es gibt die Austrian Power Grid als Übertragungsnetzbetreiber und die E-Control (Energie-Control Austria) als unabhängige Regulierungsbehörde für Strom und Gas in Österreich. Daneben gibt es aber noch immer 122 regionale Verteilnetzbetreiber im kleinen Strom-Schrebergarten Österreich. (Quelle: Verbund)

Das alles 27 Jahre nach dem dritten Energiemarkt-Liberalisierungspaket (2009) der EU, welches für Übertragungsnetzbetreiber die Entflechtung von ihrer Muttergesellschaft vorschreibt und für die Kleinen angeblich hohe Kosten verursacht.

Jetzt sind die Netzbetreiber zwar formell so unabhängig, dass wir Konsumenten zwei verschiedene Verträge benötigen, nämlich mit dem Netzbetreiber und dem Energielieferanten. Dabei sind die meisten Netze noch immer im Besitz des jeweils lokalen Energieversorgers, egal ob kleines lokales Stadtwerk oder EVN oder Wien Energie. Hier möchte keiner den Einflussbereich aufgeben, die Kosten für 122 Verwaltungseinheiten usw. tragen aber wir Kunden. Eigentlich wollte ich meinen Leserinnen und Lesern die Liste dieser aller verlinken, doch Stromliste.at ist laut eigener Darstellung am Stand von Februar 2015 (!!).

Ich habe diese formelle Unabhängigkeit schon vor vielen Jahren in Deutschland miterlebt, wo noch lange Zeit die Mitarbeiter des Versorgers und des Netzbetreibers Schreibtisch an Schreibtisch gesessen sind. Außerdem ist im Krisenfall ein kleiner Netzbetreiber meist physisch überfordert, wie wir Anfang Jänner 2026 beim Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz gesehen haben, nach dem die Stromversorgung von 45.000 Haushalten tagelang ausgefallen war. Hier unterstützten auch die umgebenden Stromversorger, dass so rasch wie möglich die Lage verbessert wurde. Ich habe auch eine Zahl für meine deutschen Leserinnen und Leser: normalerweise ist der Faktor 10 zwischen Österreich und Deutschland eine gute Benchmark, die hier beinahe auch gilt, hier sind es mehr als rund 1600 Netzbetreiber. Also gibt es auch recht hohe deutsche Gartenzäune.

Generell gilt als meiner Sicht, dass die Netze aus dem Einflussbereich der Versorger gelöst werden müssten, die ja nicht primär ein gutes und kostengünstiges Netz im Visier haben, sondern möglich viel Strom möglichst teuer verkaufen müssen. Hier ist möglicherweise auch die Anreizregulierung mit der Vorgabe der Sicherstellung der wirtschaftlichen Geschäftsgrundlage der regulierten Unternehmen mit ein Grund für hohe Netzkosten, da ja hier eher dem teuersten als dem billigsten Netzbetreiber gefolgt werden muss.

Und das bringt mich zum Auslöser dieses Blogs, einem Artikel zur Bilanz der EVN.

Der fehlende Gartenzaun bei der EVN

Zuerst eine Vorbemerkung zur Einordnung: Ich bin dafür, dass Unternehmen Gewinne machen um einerseits Arbeitsplätze abzusichern und Investitionen zu ermöglichen und andererseits auch den Investoren einen Grund zu geben, ein Unternehmen zu betreiben.

„Verluste mit den Stromkunden“, so titelte ein Presseartikel. Es wird beklagt, dass die EVN mit den privaten Stromkunden 360 Mio. Euro Verlust macht. In einem Nebensatz wird dann erwähnt, dass 40% des Gewinns aus Internet, Wasserversorgung, Energiegewinnung (Wind und Wasserkraft) und Netzkosten gemacht werden. Und hier beginnt die Krux. Mit der internen Weitergabe von hohen Erzeugerkosten werden auf der einen Seite Gewinne erzielt, die dann auf der anderen Seite Verluste und den Grund für hohe Konsumentenpreise rechtfertigen. Und wenn dann Gewinne aus den Netzkosten gegen die Verluste bei den Stromverkäufen gerechnet werden, beweist das, dass die Entflechtung zwischen Stromerzeuger und Netzbetreiber bei der EVN nicht einmal am Papier stattgefunden hat.

Und hier ist der erste Gartenzaun, den ich virtuell gerne aufbauen würde, um die Verbindung zwischen Erzeuger und Netzbetreiber auch in der Praxis umzusetzen und den Kunden möglicherweise niedrigere Netzkosten zu ermöglichen. Und möglicherweise geht meine Milchmädchenrechnung zwischen Windkraft-Erzeugerpreis und Einkaufspreis für die Konsumenten innerhalb einer Erzeugergesellschaft (z.B. der EVN) dabei auch noch auf.

Der föderale Gartenzaun ist der höchste und unüberwindlichste

Schon im Jahr 2007 fasst Philipp Aichinger in einem Artikel der Presse die komplexe Aufgabenverteilung zwischen den Ländern und dem Bund zusammen:

Abhängig vom jeweiligen Rechtsgebiet gelangen vier verschiedene Varianten zur Anwendung:
1.) Der Bund macht die Gesetze und vollzieht sie.
2.) Der Bund macht die Gesetze, vollzogen werden sie vom Land.
3.) Der Bund macht die Grundsatzgesetze, das Land die Ausführungsgesetze und die Vollziehung.
4.) Das Land macht die Gesetze und vollzieht sie.

Und er freute sich im Frühjahr 2007, dass in kurzer Zeit die Staats- und Verwaltungsreform mit der Reform der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern stehen sollte.

Seit dem sind eh erst 19 Jahre vergangen und das einzige was passiert ist, dass sowohl Bund als auch Länder ihre Gartenzäune noch höher gezogen haben. Ausserdem gibt es nur mehr wenige aktive Politikerinnen und Politiker, die damals dabei waren und noch wissen worum es gegangen wäre. Also ist das Ganze im besten Fall etwas fürs Geschichte(n)buch.

Und das Forstrecht bleibt weiterhin in Bundeskompetenz, während das Wild darin nach Landesrecht gejagt wird. Wir haben auch schon vor 45 Jahren nicht verstanden, warum die Jugendlichen diesseits und jenseits von Enns (Niederösterreich-Oberösterreich) oder Leitha (Niederösterreich-Burgenland) unterschiedlich geschützt werden müssen.

Aber jeder Patient muss doch klar verstehen, dass z.B. Salzburg und Tirol ihre Patienten nach anderen Regeln in den Spitälern behandeln, oder etwa doch nicht? Und deswegen klagen heute die Bundesländer einander, man investiert in unterschiedliche IT Infrastruktur um es ja möglichst intransparent erscheinen zu können und wundert sich über steigende Kosten.

Und die Sozialversicherungs-Gartenzäune sind ganz besondere. 2020 wurde aus 9 Länderkassen eine Gesundheitskasse, der hier unnötige Föderalismus schien überwunden. Aber 7 Jahre später gibt es noch immer Länderegelungen, die statt in einen einzigen Vertrag gegossen zu werden, mit 9 Landesärztekammern prolongiert werden. Dabei wird auf den breiten Rücken und die noch breitere Geldbörse der Patienten und Steuerzahler gehofft.

Dabei könnte mit dem Abreißen so mancher Zäune, oder, damit es nicht gar so weh tut, dem Einbau von Toren bei ganz unüberwindlichen Zäunen viel Vertrauen in die (seriöse) Politik zurückgewonnen werden. Nebenbei sollten dabei bei einigem guten Willen auch einige Einsparungen drin sein.

Auf zum Faschingsumzug

Von einigen Jugenderinnerungen an niederösterreichische Faschingsumzüge und von ein paar Eindrücken vom Rosenmontag in Köln schreibe ich in diesem Blog.

Geschichtliches zum Fasching in Niederösterreich

Im Mittelalter wurde man als Narr angesehen, wenn man die Zehn Gebote überschritten hatte, und deshalb beginnt die Faschingszeit am 11.11. um 11:11 Uhr. Ein weiterer Grund ist, dass die Winterfastenzeit damals am St. Martinstag, dem 11.11. begonnen hat und bis zum letzten Tag vor der Fastenzeit gedauert hatte. Da wurde die Welt noch einmal ordentlich „auf den Kopf gestellt“, so wie heute am Faschingsdienstag vor dem Aschermittwoch.

In Niederösterreich feiert man den Fasching zwar nicht ganz so ausgelassen wie in den westlichen Bundesländern, aber auch hier kommen Narren und Närrinnen auf ihre Kosten. Außerdem fanden und finden in manchen Orten noch immer im Jänner und Februar zahlreiche Faschingssitzungen und Maskenbälle (auch „Gschnas“ genannt) statt.

Erinnerungen an die Umzüge in meiner Jugend

Dabei sind in vielen Orten in Niederösterreich Faschingsumzüge eine jahrelange Tradition und wurden in meiner Kindheit und Jugend meistens am Faschingsdienstag durchgeführt. Während der Gymnasiumszeit habe ich oft einen Zwischenstopp in Scheibbs eingelegt, um den Faschingsumzug zu sehen. In der Oberstufe und später war der Purgstaller Umzug das Highlight, wo wir anschließend von Wirtshaus zu Wirtshaus zogen. An den Gaminger Faschingsumzug am Faschingssamstag kann ich mich nur ein oder zweimal erinnern, wo ich auf dem einen oder anderen Wagen ein Stück mitfuhr und so manches alkoholische Getränk konsumiert werden musste. 

In der neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn fand der vom Fremdenverkehrsverein veranstaltete Umzug in den 1990er Jahren ursprünglich noch am Faschingsdienstag statt. Erst nach einigen Jahren, wo die teilnehmenden Wagen und auch die Zuschauer immer weniger wurden, wurde er auf den Faschingssamstag verlegt. Er startete am Platz der Menschenrechte vor der Volksschule und zog dann langsam nach Lindabrunn. Traditionell teilnehmende Wagen waren und sind auch heute noch vom Weinbauverein, dem Musikverein Hirtenberg, der SPÖ, der Fleischerei Sunk und anderen Vereinen. Ab 2010 kam die Liste Schneider mit einem Wagen dazu. 

Ab dem Jahr, als die Junge ÖVP in Enzesfeld-Lindabrunn gegründet wurde, zogen sie ebenfalls jahrelang mit einem eigenen Wagen mit und veranstalteten zuerst in Lindabrunn im „Kirchberger-Keller“ und später in der Hofeinfahrt der Familie Hegenbart eine Faschingsparty. Auch wir mit der „alten“ ÖVP hatten einige Male einen eigenen Wagen. Am Abend ging es dann nahtlos beim Feuerwehrball im Gasthaus Glantschnig weiter.

Dabei habe ich auch meine Frau Evi kennengelernt, das wird aber in der Familiengeschichte erzählt, die nicht in meinem Blog erscheint. 

Und wie ist es bei den deutschen Nachbarn?

Bei uns in Niederösterreich beginnt die intensive Faschingszeit traditionell um den bzw. ab dem Faschingssamstag und endet relativ ausgelassen am Faschingsdienstag.

In Deutschland hingegen wird der Fasching, der bei unseren Nachbarn Karneval genannt wird, ja mehr auf den Rosenmontag verlegt, also den Montag vor dem Faschingsdienstag. Anders als der österreichische Fasching mit christlicher Tradition und Herkunft ist der deutsche „Karneval“ im Mittelalter als Reaktion auf gesellschaftliche Missstände entstanden und hält dem Staat und der Obrigkeit quasi den „Narrenspiegel“ vor.

Während meines beruflichen Aufenthaltes in Köln durfte ich auch am Rande den Rosenmontag miterleben, bei dem gefühlt alle Menschen mehr oder weniger verkleidet mit dabei sind. Bei uns in Niederösterreich geht hingegen der Fasching an vielen Menschen einfach vorbei.

Andererseits habe ich schon in der Früh noch noch nie so viele schlecht gelaunte Menschen in Kostümen gesehen wie in der Passage des Kölner Hauptbahnhofes, obwohl viele von ihnen bereits seit Monaten in  den jeweiligen Gilden mitarbeiteten.

Umgekehrt waren anscheinend wir Österreicher die einzigen in der ganzen Stadt, die an diesem Tag gearbeitet hatten.

Leider konnte ich daher aus Zeitgründen beim Rosenmontagszug nicht dabeisein oder einer der Karnevalssitzungen und mit Auftritten von Büttenrednern beiwohnen, die wir Österreicher ja nur aus dem Fernsehen kennen. Hier ist aber unser Villacher Fasching auf jeden Fall zu vergleichen.

Ich durfte Staatssekretär Alexander Pröll meinen ID Austria Blog vorstellen

Vor einigen Wochen habe ich bei einem Neujahrsempfang den Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll getroffen. Ich konnte ihm meinen Blog und speziell die Posts zur ID Austria präsentieren. Er war sehr daran interessiert, was die Generation Ü60 darüber denkt und wie sie mit dieser App umgehen kann.

Es sind für das Jahr 2026 bei der ID Austria noch eine Reihe von Verbesserungen geplant und natürlich wird es neue Funktionen geben, die ich zum Großteil bereits hier:

Was gibt es Neues? Die ID Austria im Jahr 2026

beschrieben habe. In einer serviceorientierten Verwaltung ist es unumgänglich, möglichst viele Vorgänge auch digital und unmittelbar 24 Stunden, 7 Tage in der Woche, unabhängig von Amtsstunden und Öffnungszeiten zugänglich zu machen.

Es muss aber aus meiner Ü60-Sicht bei vielen Amtswegen auch weiterhin der analoge Weg möglich sein. Für Menschen ohne Internetzugang muss für alle Vorgänge, die trotzdem nur mehr digital online möglich sind, in den Ämtern die notwendige Unterstützung angeboten werden.

Wie die aktuellen Diskussionen zu den geplanten Erweiterungen bei der E-card und der neuen Geräte-Retter-Prämie zeigen, müssen weniger Internet-affine Personen sehr niederschwellig abgeholt werden. Dabei wird sich rasch zeigen, dass die Hürden kleiner sind als viele befürchten. Nur so wird auch die Akzeptanz in der älteren Generation zunehmen und die Angst vor Neuerungen abgebaut werden.

Ich werde aber auch gern eure Wünsche und Kritikpunkte an Staatssekretär Alexander Pröll und sein Team weiterleiten und darüber auf meinem Blog berichten.

Eine neue Phishing-Masche: WhatsApp-Ghost-Pairing

Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt aktuell vor einer neuen Phishing-Masche, um an ihre Daten zu kommen, die sie möglicherweise erst so spät bemerken, dass ihre Daten schon abgegriffen sein könnten.

Titelbild erstellt mit dem Gratis-Bildgenerator von Chat-GPT

Das könnte Ihnen passieren:

Stellen sie sich folgendes Szenario vor: Sie bekommen über WhatsApp die Nachricht einer entfernten Bekannten, wo sie gebeten werden, ihre eigene Telefonnummer oder Identität zu bestätigen. Damit werden sie anschließend an WhatsApp weitergeleitet, um die offizielle Funktion „Gerät über Telefonnummer verknüpfen“ zu starten.

Sie freuen sich, dass Ihre Bekannte nach längerer Zeit wieder Kontakt aufnimmt. WhatsApp erzeugt daraufhin einen achtstelligen Kopplungscode. Parallel erscheint bei ihnen eine Kopplungsanfrage in der App, die sie zwar nicht ganz überzeugt, aber doch bestätigen.

Und was ist jetzt passiert? Zuerst sichtbar gar nichts. Nur das Konto ihrer Bekannten war gehackt, sie können das aber vordergründig nicht erkennen. Nach erfolgreicher Kopplung ist nun  ein fremdes Gerät dauerhaft mit ihrem  WhatsApp-Konto verbunden. Aber die Nachrichten, Bilder, Videos und Kontakte auf ihrem Handy sind schon in den Händen der Kriminellen. Und das besonders Dumme daran, WhatsApp funktioniert weiterhin scheinbar normal.

Der Angriff auf ihr Handy und damit auf ihre Daten bleibt daher über längere Zeit unentdeckt und das „Spiel“ läuft einfach weiter.

Eine Standard-Funktion von WhatsApp ist der Türöffner

Eine eigentlich legitime Option von WhatsApp, mit der zusätzliche Geräte an ein bestehendes Konto gekoppelt werden können, wurde bei dieser Phishing-Attacke genutzt,  um sie möglichst lange in Sicherheit zu wiegen, während ihre Kontakte schon längst mit ähnlichen Angriffen zu rechnen haben, oder deren Daten kriminell genutzt werden.

Mit dieser neuen Phishing-Methode, die unter dem Namen „Ghost Pairing“ bekannt ist, nutzen die Angreifer die offizielle WhatsApp-Funktion zur Geräteverknüpfung („Linked Devices“) aus. Über täuschend echt gestaltete Phishing-  Nachrichten, beispielsweise von bereits lange gespeicherten Kontakten, gehackten Accounts, im Namen von Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen, werden sie in Sicherheit gewogen.

Was können sie dagegen tun?

Der kritische Hausverstand hilft auch hier weiter. Das BSI rät, eingehende Nachrichten grundsätzlich zu prüfen. Und das auch dann, wenn sie scheinbar von bekannten Kontakten stammen. Kopplungsanfragen oder QR-Codes aus unbekannten oder unerwarteten Quellen sollten niemals bestätigt werden.

Zusätzlich empfiehlt die deutsche Behörde, regelmäßig die verknüpften Geräte in den WhatsApp-Einstellungen zu kontrollieren. Überprüfen sie dort die Liste der aktiven Sitzungen und melden sie sich von allen unbekannten Geräten ab. Dadurch werden alle Sitzungen entfernt, die durch die Betrüger und Betrügerinnen erstellt wurden.

Quellen

Hier geht’s zur offiziellen Warnung des BSI

Minikama erklärt das Ghost Pairing

Die Angst des Boomers bei der SB-Kasse

Ein Artikel zum Thema SB-Kassen im Internet und das immer mehr um sich greifende Bashing der „Boomer“ in den sozialen Medien hat mir den Titel dieses Blogs sozusagen aufgelegt. Und weil ich gerne mit Worten spiele, imitiere ich den Stil von Peter Handke ohne mir anzumaßen, dabei nur die Nähe des Nobelpreisträgers zu erreichen.

Titelbild erstellt mit dem Gratis-Bildgenerator von Chat-GPT

oder der Versuch, Peter Handke ins 21.Jahrhundert zu transferieren

Peter Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ handelt vom ehemaligen Fußballtorwart Josef Bloch, der nach seiner (vermeintlichen) Entlassung ziellos durch Wien irrt, eine Kinokassiererin grundlos ermordet und dann in ein Grenzdorf flüchtet, wo er sich immer mehr von der Welt entfremdet und seine Wahrnehmung der Realität verliert, was in der existenziellen Krise gipfelt, die sich auch in der titelgebenden Szene des Elfmeters widerspiegelt, in der er einem Zuschauer die Angst des Tormanns erklärt.

Peter Handkes Erzählung aus dem Jahr 1970 musste seither von Tausenden Schülerinnen und Schülern gelesen werden. Damals im Gymnasium konnte ich wenig damit anfangen, dass sich jemand von der Wirklichkeit und den Menschen so entfremdet, dass das auch in einem Mord gipfelt. Heute verstehe ich das eher, auch wenn ich es trotzdem nicht auf meine Person umlegen kann.

Ich maße mir natürlich nicht an, Peter Handke auch nur annähernd nachahmen zu können, aber ein Artikel zum Thema SB-Kassen im Internet und das immer mehr um sich greifende Bashing der „Boomer“ in den sozialen Medien hat mir den Titel dieses Blogs sozusagen aufgelegt.

Zur Begriffsdefinition: Ein „Boomer“ (m/w) wurde typischerweise zwischen 1946 und 1964 geboren und ist somit Teil der geburtenstarken Nachkriegszeit. In den sozialen Medien wird der Begriff auch oft sarkastisch für (männliche) ältere Menschen mit als veraltet empfundenen Ansichten verwendet.

Kindheitserinnerungen führen direkt zur SB-Kasse

Hans Bauer fährt gern mit dem Auto. Darum stört es ihn auch nicht besonders, dass er zum Einkaufen jedesmal ans andere Ende des Nachbarorts fahren muß, weil in seinem Wohnort es schon jahrelang schon kein Geschäft mehr gibt.

Gleich nach Corona hat auch das Kaffeehaus am Hauptplatz zugesperrt. Ihm ist das zuerst gar nicht aufgefallen, er hat sich ja im Lockdown daran gewöhnt, den Kaffee daheim zu trinken. Auch Isabella, seiner Bekannten, macht es nichts aus, so hat sie Hans für sich, wenn sie sich zweimal in der Woche treffen, einmal bei ihm, das andere Mal bei ihr.

Während er hinter dem Traktor herfährt und ihn nicht überholen kann, denkt er an seine Kindheit zurück. Hans ging gern mit seiner Mutter einkaufen. Nur 10 Minuten zu Fuß entfernt gab es zwei Gemischtwaren- handlungen, fast nebeneinander, eine war von „Spar“, die andere von „Adeg“. Und wie es sich in einem Arbeiterort gehörte, war da auch noch eine Filiale des „Konsum„. In allen drei gab es alles, was das Herz begehrte. Die Mutter konnte ein kleines Pläuschchen mit der Verkäuferin machen, während alles zusammentragen, zusammengerechnet und bezahlt wurde.

Der Traktor ist in der Zwischenzeit auf ein Feld abgebogen und Hans kommt zum ersten Kreisverkehr vor dem Nachbarort. Die lange versprochene Umfahrung wurde nicht gebaut und so fährt Hans durchs Ortszentrum, einmal hinter einer Fahrradfahrerin, die wackelig links abbiegen will, dann hinter einem Pensionisten mit Hut, der sich nicht entscheiden kann, wo er anhalten will. Muss der jetzt fahren, fragt Hans sich, bis ihm einfällt, dass er ja auch seit kurzem den Ruhestand angetreten hat. Also ein bisschen runter vom Gas, er ist ja auch nicht in Eile.

Während er das andere Ortsende erreicht, an dessen Kreisverkehr der Supermarkt liegt, hauptsächlich wegen der Autobahnabfahrt, die auch hier einmündet, schweifen seine Gedanken wieder ab. Schön gemütlich war das schon damals, beim Einkaufen. Gut, es gab nur das Wieselburger als einzige Biersorte für den Vater, eine Joghurtsorte, nämlich das NÖM-Mix und die Milch wurde in die mitgebrachte Flasche abgefüllt.

Aber man brauchte sich nicht mit Plastikkarten, Rabatt-Apps und Handyzahlen herumschlagen. Da war Bargeld noch richtig, der Vater brachte es zuerst noch jeden Freitag, später am Monatsende im Papiersackerl nach Hause. Die Mutter verwaltete das Geld, das Haushaltsgeld wurde zur Seite gelegt und eingeteilt, dass es sich bis zum Monatsende ausging. Vater bekam auch seinen Teil, für das Bier oder Achterl Wein nach der Arbeit mit den Kollegen. Und der Rest wurde gespart.

Dann auf einmal in den 1970er Jahren, musste der Vater ein Gehaltskonto eröffnen, wohin dann der Monatslohn überwiesen wurde. Und die Mutter hatte eine Zeitlang keinen Zugriff, nur der Vater als Haushaltsvorstand war berechtigt, Geld zu beheben. Und auf einmal war der Mutter die Finanzhoheit in der Familie genommen, sie musste fast um das Haushaltsgeld betteln.

Endlich war er mit dem Auto durch den Kreisverkehr und am Supermarkt-Parkplatz eingetroffen. Bei der Suche nach einer genehmen Parklücke kommt ihm der Supermarkt in der Bezirkshauptstadt in den Sinn. Das war jedes Mal ein Erlebnis, wenn ihn die Eltern mitnahmen. Die vielen Regalreihen mit noch mehr Dingen die er nicht kannte, beeindruckten ihn sehr und dann war da noch die Kassiererin die mit atemberaubender Geschwindigkeit die Preise in die Kasse hämmerte.

Beim Eingang holt er sich noch das Wagerl und ist froh, dass es nicht angehängt ist und er nach einem Euro kramen muß. Er geht durch die Gänge und legt fast automatisch die Dinge, die er braucht in den Einkaufswagen. Irgendwo hatte er gelesen, dass Karl Wlaschek schon 1953 seinen ersten „Billa“ in Wien eröffnet hatte. Das dauerte dann aber noch viele Jahre, bis sie auch am Land und in der Bezirkshauptstadt ankamen. Vorher vergrößerten noch die besser situierten Gemischtwarenhandlungen ihr Geschäft und die Chefin oder der Chef saß nur noch an der Kassa. Zum Tratschen hatten sie zwar keine Zeit mehr, aber dafür konnten wir Kunden uns aussuchen, was wir wollten, ohne gefragt zu werden wofür wir das bräuchten.

Während er darüber nachdenkt, wie fortschrittlich und modern das damals war, sieht er die beiden Schlangen an den offenen Kassen, da muss man wieder geduldig sein, aber das ist eigentlich nicht seine Stärke. Er schielt zur SB-Kasse hinüber, da ist die junge Frau gerade fertig, die vorhin hinter ihm das Brot aus dem Regal genommen hatte, sie hält ihre Karte an das Terminal und ist schon raus aus dem Geschäft. Und er steht noch in der Schlange und wartet.

Die Angst des Boomers bei der SB-Kasse

Eigentlich möchte er der Kassiererin die Arbeit nicht wegnehmen, das käme ihm fast wie ein Mord vor, aber das Warten geht ihm auch auf die Nerven. Und genau genommen haben sie ja sowieso zu wenige Kassiererinnen.

Vorne kramt ein Kunde noch im Geldbörsel, der sucht nach den fehlenden Cents, die nächste Kundin zappelt ungeduldig herum, aber es geht nichts weiter. Hans wird aber sicher irgend etwas falsch machen und dann steht er blöd vor der Supermarkt-Mitarbeiterin da. Andererseits, im Internet findet er auch fast alles, was er will.

Also nichts wie hinüber, der Bildschirm erklärt genau die nächsten Schritte, die paar Stücke über den Scanner gezogen und den Bezahlen-Button gedrückt, ist ja gar nicht so was besonderes, da ist das Bezahlen beim Online-Händler komplizierter. Den Zwanziger hineingeschoben, er will es nicht übertreiben und gleich die Bankomatkarte nehmen. Das Retourgeld scheppert und die zappelnde Kundin von vorhin drüben legt gerade ihre Waren aufs Förderband.

Während er zum Auto geht, ist er stolz ein Boomer zu sein. Seine Generation hat die Supermärkte eingeführt und das Internet erfunden, sonst gäbe es heute noch keine SB-Kassen. Die Shitstorms im Internet aber wahrscheinlich auch nicht.