Ich durfte Staatssekretär Alexander Pröll meinen ID Austria Blog vorstellen

Vor einigen Wochen habe ich bei einem Neujahrsempfang den Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll getroffen. Ich konnte ihm meinen Blog und speziell die Posts zur ID Austria präsentieren. Er war sehr daran interessiert, was die Generation Ü60 darüber denkt und wie sie mit dieser App umgehen kann.

Es sind für das Jahr 2026 bei der ID Austria noch eine Reihe von Verbesserungen geplant und natürlich wird es neue Funktionen geben, die ich zum Großteil bereits hier:

Was gibt es Neues? Die ID Austria im Jahr 2026

beschrieben habe. In einer serviceorientierten Verwaltung ist es unumgänglich, möglichst viele Vorgänge auch digital und unmittelbar 24 Stunden, 7 Tage in der Woche, unabhängig von Amtsstunden und Öffnungszeiten zugänglich zu machen.

Es muss aber aus meiner Ü60-Sicht bei vielen Amtswegen auch weiterhin der analoge Weg möglich sein. Für Menschen ohne Internetzugang muss für alle Vorgänge, die trotzdem nur mehr digital online möglich sind, in den Ämtern die notwendige Unterstützung angeboten werden.

Wie die aktuellen Diskussionen zu den geplanten Erweiterungen bei der E-card und der neuen Geräte-Retter-Prämie zeigen, müssen weniger Internet-affine Personen sehr niederschwellig abgeholt werden. Dabei wird sich rasch zeigen, dass die Hürden kleiner sind als viele befürchten. Nur so wird auch die Akzeptanz in der älteren Generation zunehmen und die Angst vor Neuerungen abgebaut werden.

Ich werde aber auch gern eure Wünsche und Kritikpunkte an Staatssekretär Alexander Pröll und sein Team weiterleiten und darüber auf meinem Blog berichten.

Eine neue Phishing-Masche: WhatsApp-Ghost-Pairing

Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt aktuell vor einer neuen Phishing-Masche, um an ihre Daten zu kommen, die sie möglicherweise erst so spät bemerken, dass ihre Daten schon abgegriffen sein könnten.

Titelbild erstellt mit dem Gratis-Bildgenerator von Chat-GPT

Das könnte Ihnen passieren:

Stellen sie sich folgendes Szenario vor: Sie bekommen über WhatsApp die Nachricht einer entfernten Bekannten, wo sie gebeten werden, ihre eigene Telefonnummer oder Identität zu bestätigen. Damit werden sie anschließend an WhatsApp weitergeleitet, um die offizielle Funktion „Gerät über Telefonnummer verknüpfen“ zu starten.

Sie freuen sich, dass Ihre Bekannte nach längerer Zeit wieder Kontakt aufnimmt. WhatsApp erzeugt daraufhin einen achtstelligen Kopplungscode. Parallel erscheint bei ihnen eine Kopplungsanfrage in der App, die sie zwar nicht ganz überzeugt, aber doch bestätigen.

Und was ist jetzt passiert? Zuerst sichtbar gar nichts. Nur das Konto ihrer Bekannten war gehackt, sie können das aber vordergründig nicht erkennen. Nach erfolgreicher Kopplung ist nun  ein fremdes Gerät dauerhaft mit ihrem  WhatsApp-Konto verbunden. Aber die Nachrichten, Bilder, Videos und Kontakte auf ihrem Handy sind schon in den Händen der Kriminellen. Und das besonders Dumme daran, WhatsApp funktioniert weiterhin scheinbar normal.

Der Angriff auf ihr Handy und damit auf ihre Daten bleibt daher über längere Zeit unentdeckt und das „Spiel“ läuft einfach weiter.

Eine Standard-Funktion von WhatsApp ist der Türöffner

Eine eigentlich legitime Option von WhatsApp, mit der zusätzliche Geräte an ein bestehendes Konto gekoppelt werden können, wurde bei dieser Phishing-Attacke genutzt,  um sie möglichst lange in Sicherheit zu wiegen, während ihre Kontakte schon längst mit ähnlichen Angriffen zu rechnen haben, oder deren Daten kriminell genutzt werden.

Mit dieser neuen Phishing-Methode, die unter dem Namen „Ghost Pairing“ bekannt ist, nutzen die Angreifer die offizielle WhatsApp-Funktion zur Geräteverknüpfung („Linked Devices“) aus. Über täuschend echt gestaltete Phishing-  Nachrichten, beispielsweise von bereits lange gespeicherten Kontakten, gehackten Accounts, im Namen von Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen, werden sie in Sicherheit gewogen.

Was können sie dagegen tun?

Der kritische Hausverstand hilft auch hier weiter. Das BSI rät, eingehende Nachrichten grundsätzlich zu prüfen. Und das auch dann, wenn sie scheinbar von bekannten Kontakten stammen. Kopplungsanfragen oder QR-Codes aus unbekannten oder unerwarteten Quellen sollten niemals bestätigt werden.

Zusätzlich empfiehlt die deutsche Behörde, regelmäßig die verknüpften Geräte in den WhatsApp-Einstellungen zu kontrollieren. Überprüfen sie dort die Liste der aktiven Sitzungen und melden sie sich von allen unbekannten Geräten ab. Dadurch werden alle Sitzungen entfernt, die durch die Betrüger und Betrügerinnen erstellt wurden.

Quellen

Hier geht’s zur offiziellen Warnung des BSI

Minikama erklärt das Ghost Pairing

Die Angst des Boomers bei der SB-Kasse

Ein Artikel zum Thema SB-Kassen im Internet und das immer mehr um sich greifende Bashing der „Boomer“ in den sozialen Medien hat mir den Titel dieses Blogs sozusagen aufgelegt. Und weil ich gerne mit Worten spiele, imitiere ich den Stil von Peter Handke ohne mir anzumaßen, dabei nur die Nähe des Nobelpreisträgers zu erreichen.

Titelbild erstellt mit dem Gratis-Bildgenerator von Chat-GPT

oder der Versuch, Peter Handke ins 21.Jahrhundert zu transferieren

Peter Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ handelt vom ehemaligen Fußballtorwart Josef Bloch, der nach seiner (vermeintlichen) Entlassung ziellos durch Wien irrt, eine Kinokassiererin grundlos ermordet und dann in ein Grenzdorf flüchtet, wo er sich immer mehr von der Welt entfremdet und seine Wahrnehmung der Realität verliert, was in der existenziellen Krise gipfelt, die sich auch in der titelgebenden Szene des Elfmeters widerspiegelt, in der er einem Zuschauer die Angst des Tormanns erklärt.

Peter Handkes Erzählung aus dem Jahr 1970 musste seither von Tausenden Schülerinnen und Schülern gelesen werden. Damals im Gymnasium konnte ich wenig damit anfangen, dass sich jemand von der Wirklichkeit und den Menschen so entfremdet, dass das auch in einem Mord gipfelt. Heute verstehe ich das eher, auch wenn ich es trotzdem nicht auf meine Person umlegen kann.

Ich maße mir natürlich nicht an, Peter Handke auch nur annähernd nachahmen zu können, aber ein Artikel zum Thema SB-Kassen im Internet und das immer mehr um sich greifende Bashing der „Boomer“ in den sozialen Medien hat mir den Titel dieses Blogs sozusagen aufgelegt.

Zur Begriffsdefinition: Ein „Boomer“ (m/w) wurde typischerweise zwischen 1946 und 1964 geboren und ist somit Teil der geburtenstarken Nachkriegszeit. In den sozialen Medien wird der Begriff auch oft sarkastisch für (männliche) ältere Menschen mit als veraltet empfundenen Ansichten verwendet.

Kindheitserinnerungen führen direkt zur SB-Kasse

Hans Bauer fährt gern mit dem Auto. Darum stört es ihn auch nicht besonders, dass er zum Einkaufen jedesmal ans andere Ende des Nachbarorts fahren muß, weil in seinem Wohnort es schon jahrelang schon kein Geschäft mehr gibt.

Gleich nach Corona hat auch das Kaffeehaus am Hauptplatz zugesperrt. Ihm ist das zuerst gar nicht aufgefallen, er hat sich ja im Lockdown daran gewöhnt, den Kaffee daheim zu trinken. Auch Isabella, seiner Bekannten, macht es nichts aus, so hat sie Hans für sich, wenn sie sich zweimal in der Woche treffen, einmal bei ihm, das andere Mal bei ihr.

Während er hinter dem Traktor herfährt und ihn nicht überholen kann, denkt er an seine Kindheit zurück. Hans ging gern mit seiner Mutter einkaufen. Nur 10 Minuten zu Fuß entfernt gab es zwei Gemischtwaren- handlungen, fast nebeneinander, eine war von „Spar“, die andere von „Adeg“. Und wie es sich in einem Arbeiterort gehörte, war da auch noch eine Filiale des „Konsum„. In allen drei gab es alles, was das Herz begehrte. Die Mutter konnte ein kleines Pläuschchen mit der Verkäuferin machen, während alles zusammentragen, zusammengerechnet und bezahlt wurde.

Der Traktor ist in der Zwischenzeit auf ein Feld abgebogen und Hans kommt zum ersten Kreisverkehr vor dem Nachbarort. Die lange versprochene Umfahrung wurde nicht gebaut und so fährt Hans durchs Ortszentrum, einmal hinter einer Fahrradfahrerin, die wackelig links abbiegen will, dann hinter einem Pensionisten mit Hut, der sich nicht entscheiden kann, wo er anhalten will. Muss der jetzt fahren, fragt Hans sich, bis ihm einfällt, dass er ja auch seit kurzem den Ruhestand angetreten hat. Also ein bisschen runter vom Gas, er ist ja auch nicht in Eile.

Während er das andere Ortsende erreicht, an dessen Kreisverkehr der Supermarkt liegt, hauptsächlich wegen der Autobahnabfahrt, die auch hier einmündet, schweifen seine Gedanken wieder ab. Schön gemütlich war das schon damals, beim Einkaufen. Gut, es gab nur das Wieselburger als einzige Biersorte für den Vater, eine Joghurtsorte, nämlich das NÖM-Mix und die Milch wurde in die mitgebrachte Flasche abgefüllt.

Aber man brauchte sich nicht mit Plastikkarten, Rabatt-Apps und Handyzahlen herumschlagen. Da war Bargeld noch richtig, der Vater brachte es zuerst noch jeden Freitag, später am Monatsende im Papiersackerl nach Hause. Die Mutter verwaltete das Geld, das Haushaltsgeld wurde zur Seite gelegt und eingeteilt, dass es sich bis zum Monatsende ausging. Vater bekam auch seinen Teil, für das Bier oder Achterl Wein nach der Arbeit mit den Kollegen. Und der Rest wurde gespart.

Dann auf einmal in den 1970er Jahren, musste der Vater ein Gehaltskonto eröffnen, wohin dann der Monatslohn überwiesen wurde. Und die Mutter hatte eine Zeitlang keinen Zugriff, nur der Vater als Haushaltsvorstand war berechtigt, Geld zu beheben. Und auf einmal war der Mutter die Finanzhoheit in der Familie genommen, sie musste fast um das Haushaltsgeld betteln.

Endlich war er mit dem Auto durch den Kreisverkehr und am Supermarkt-Parkplatz eingetroffen. Bei der Suche nach einer genehmen Parklücke kommt ihm der Supermarkt in der Bezirkshauptstadt in den Sinn. Das war jedes Mal ein Erlebnis, wenn ihn die Eltern mitnahmen. Die vielen Regalreihen mit noch mehr Dingen die er nicht kannte, beeindruckten ihn sehr und dann war da noch die Kassiererin die mit atemberaubender Geschwindigkeit die Preise in die Kasse hämmerte.

Beim Eingang holt er sich noch das Wagerl und ist froh, dass es nicht angehängt ist und er nach einem Euro kramen muß. Er geht durch die Gänge und legt fast automatisch die Dinge, die er braucht in den Einkaufswagen. Irgendwo hatte er gelesen, dass Karl Wlaschek schon 1953 seinen ersten „Billa“ in Wien eröffnet hatte. Das dauerte dann aber noch viele Jahre, bis sie auch am Land und in der Bezirkshauptstadt ankamen. Vorher vergrößerten noch die besser situierten Gemischtwarenhandlungen ihr Geschäft und die Chefin oder der Chef saß nur noch an der Kassa. Zum Tratschen hatten sie zwar keine Zeit mehr, aber dafür konnten wir Kunden uns aussuchen, was wir wollten, ohne gefragt zu werden wofür wir das bräuchten.

Während er darüber nachdenkt, wie fortschrittlich und modern das damals war, sieht er die beiden Schlangen an den offenen Kassen, da muss man wieder geduldig sein, aber das ist eigentlich nicht seine Stärke. Er schielt zur SB-Kasse hinüber, da ist die junge Frau gerade fertig, die vorhin hinter ihm das Brot aus dem Regal genommen hatte, sie hält ihre Karte an das Terminal und ist schon raus aus dem Geschäft. Und er steht noch in der Schlange und wartet.

Die Angst des Boomers bei der SB-Kasse

Eigentlich möchte er der Kassiererin die Arbeit nicht wegnehmen, das käme ihm fast wie ein Mord vor, aber das Warten geht ihm auch auf die Nerven. Und genau genommen haben sie ja sowieso zu wenige Kassiererinnen.

Vorne kramt ein Kunde noch im Geldbörsel, der sucht nach den fehlenden Cents, die nächste Kundin zappelt ungeduldig herum, aber es geht nichts weiter. Hans wird aber sicher irgend etwas falsch machen und dann steht er blöd vor der Supermarkt-Mitarbeiterin da. Andererseits, im Internet findet er auch fast alles, was er will.

Also nichts wie hinüber, der Bildschirm erklärt genau die nächsten Schritte, die paar Stücke über den Scanner gezogen und den Bezahlen-Button gedrückt, ist ja gar nicht so was besonderes, da ist das Bezahlen beim Online-Händler komplizierter. Den Zwanziger hineingeschoben, er will es nicht übertreiben und gleich die Bankomatkarte nehmen. Das Retourgeld scheppert und die zappelnde Kundin von vorhin drüben legt gerade ihre Waren aufs Förderband.

Während er zum Auto geht, ist er stolz ein Boomer zu sein. Seine Generation hat die Supermärkte eingeführt und das Internet erfunden, sonst gäbe es heute noch keine SB-Kassen. Die Shitstorms im Internet aber wahrscheinlich auch nicht.

Was gibt es Neues? Die ID Austria im Jahr 2026

Rund 4,8 Millionen Benutzerinnen und Benutzer geben dem Konzept der ID Austria recht, auch wenn es nicht immer ganz konfliktfrei ist. Auch 2026 kommen neue Möglichkeiten dazu. Die wichtigsten beschreibe ich in diesem Blogeintrag.

Titelbild Copyright: Gemeinde Zwischenwasser

Mehr Anlaufstellen für die Ausstellung der ID Austria

Seit Ende 2025 sind neben den Bezirkshauptmannschaften und Landespolizeidirektionen auch bereits 1.350 Gemeinden Anlaufstellen für die ID Austria. Ob ihre Gemeinde mit dabei ist, erfahren sie bei ihrem Gemeindeamt. Falls sie die ID Austria noch nicht besitzen, erfahren sie unter ID Austria registrieren genau, was sie dazu benötigen.

Erfolgsgeschichte digitaler Führerschein

Über eine Million digitale Führerscheine und mehr als eine Million digitale Zulassungsscheine sind derzeit bereits aktiv. Für viele Menschen in Österreich ersetzen sie über die App „eAusweise“ längst die Plastikkarte im Geldbörsel. Wie auch sie dazu kommen, können sie in der Hilfe zur App eAusweise nachlesen.

Zum Thema Datensicherheit mit diesen Apps folgt demnächst ein eigener Blog.

Weiter geht es 2026 mit dem digitalen Studierendenausweis

Im Laufe des Sommersemesters 2026 soll für rund 400.000 Studierende an öffentlichen Universitäten und Hochschulen in Österreich erstmals ein digitaler Studierendenausweis ebenfalls über die App „eAusweise“ zur Verfügung stehen. Ist jemand an mehreren Hochschulen inskribiert, werden etwa alle Studien in einem digitalen Ausweis angezeigt.

Und wann kommt der digitale Seniorenausweis?

Pensionistinnen und Pensionisten erhalten derzeit bei Pensionsantritt von der Pensionsversicherung (PVA) einen Ausweis zugesendet. Schön wäre es, wenn dieser auch automatisch in der ID Austria und unter „eAusweise“ hinterlegt wäre. Für viele würde das sicher die Akzeptanz dieses digitalen Services erhöhen.

Öffnung Richtung Wirtschaft

Neben Finanzamt und Gesundheitskasse bietet zum Beispiel A1 bereits die Möglichkeit, über die ID Austria sicher in das eigene Kundenkonto zu kommen. Staatssekretär Alexander möchte hier noch rund 200 Partner-Unternehmen dazugewinnen, wie das ORF-Radio berichtete.

Die Digitale Brieftasche EUDI

Geplant ist auch, die Europäische digitale Identität (EUDI) europaweit bis Ende 2026 umzusetzen. Hier ist Österreich mit Lettland Vorreiter, darum ist es von den anderen Staaten in der EU abhängig, wann diese die technische Umsetzung realisiert haben wird.

Wie ich ja auch weiter oben ausgeführt habe, werden öffentliche und private Dienstleistungen zunehmend online angeboten. Dadurch besteht immer mehr Bedarf nach sicherer digitaler Authentifizierung, ohne dabei Profiling und Überwachung befürchten zu müssen.

Darauf geht der oben verlinkte EU-Rahmen für die digitale Identität ein, nach dem wir als Bürger jederzeit die Kontrolle über unsere digitale Identität behalten müssen. Wir sollen dadurch aber auch unsere digitale Identität in der ganzen EU dabeihaben und ungehindert Grenzen überschreiten können, ohne jemals unsere Daten zu verlieren, wobei Datenschutz und Sicherheit an erster Stelle stehen.

Die deutsche Verbraucherzentrale hat eine sehr gute Zusammenfassung erstellt, die sie hier nachlesen können.

Fazit

Auch wenn es 2026 viele Neuerungen und Erweiterungen gibt, müssen wir Senioren dabei nicht den Anschluss verlieren. Viele Ämter und Behörden stehen dankenswerterweise immer öfter mit Rat und Hilfe zur Verfügung.

Brauchtum aus meinem Erleben und meinen Erinnerungen

Viele Bräuche, die in meiner Kindheit im Ötscherland begangen wurden, haben sich bis heute erhalten und werden in ähnlicher Form auch in meiner neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn gefeiert. Einige sind etwas abgewandelt und ein paar sind neu dazugekommen.

Osterfeuer beim Symposium Lindabrunn 2016

Österreichisches Brauchtum und Traditionen im Rückblick und aus meiner Sicht seit meiner Kindheit bis heute werde ich im Lauf des Jahres immer zum passenden Datum in dieser Blogserie behandeln. Die Idee dazu entstand im Zuge der Recherche zu unserer Familiengeschichte, wo im bäuerlichen Umfeld das Brauchtum immer eine Rolle gespielt hat.

Da es eine subjektive Sicht ist, fehlt manchen Lesern sicher das eine oder andere oder kennt es eventuell in etwas anderer Form. Es sind eben meine Erinnerungen oder Erzählungen von älteren Verwandten, die entweder wieder Erinnerungen geweckt haben oder mir dadurch interessant genug erschienen sind, um aufgezeichnet zu werden.

Die Bräuche im Jahreskreis

Hier findet ihr immer die aktuellen Links der Blogserie:

1 Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Hl. Drei Königen

Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Heiligen Drei Königen

Der Jahresanfang ist gleich mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen gefüllt. Nicht nur im ersten Eintrag meiner Blogserie erzähle ich von den Bräuchen aus meiner Erinnerung und von den Erzählungen meiner älteren Verwandten.

1. Jänner: Neujahrswünsche

Am 1. Jänner und in den Tagen danach sind im Mostviertel schon bald nach dem 2.Weltkrieg die kleineren Kinder zu den Nachbarbauernhöfen gegangen und haben „A guads neichs Joar“ gewünscht. Dafür gab es dann den einen oder anderen Groschen oder gar Schilling als kleines Trinkgeld.

In anderen Gegenden wurde das nicht nur von den Kindern praktiziert. Das „Anklöckeln“ war ein Brauch im Advent, bei dem verschiedene Gruppen von Haus zu Haus gingen und dabei Lebensmittel oder Geld erhofften. Damit es nicht zu offensichtlich war, sangen sie Weihnachtslieder und wünschten Glück und Segen.

5. Jänner: Frau Bercht und ihre Zoderwascherl

Am Vorabend des Dreikönigstages trippelten hinter der Frau Bercht in langer Reihe die armen, zarten „Zodawascherln“ einher, es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. Es war auch der Brauch, den ich eigentlich nur mehr von Erzählungen kannte, an diesem Abend nach dem Abendessen eine Schüssel voll Milch mit Semmelbröckerln für die Frau Bercht und ihre Kinder auf den gedeckten Tisch zu stellen. Die Löffel jedes Familienmitglieds wurden hineingelegt und ein Löffel dann umgedreht. In der Früh hat man dann den Kindern erzählt, dass die Bercht von dem umgedrehten Löffel gegessen hat.
Ich hatte als kleines Kind sehr viel Respekt vor diesen armen Seelen. Das ist auch einer der Bräuche, die in dieser Form erst im beginnenden 20. Jahrhundert wiederentdeckt oder neu erfunden wurden.

6. Jänner: Die Heiligen Drei Könige

Ich war zwar Ministrant, aber nie selbst einer der Sternsinger, die in den Tagen vor dem 6. Jänner von Haus zu Haus zogen. Erst später, als ich bei Herrn Pfarrer Zainzinger Mesner und Lektor in der Kienberger Filialkirche war, wanderte ich einige Jahre als Begleiter mit den 3 Königen Kaspar, Melchior und Balthasar und dem Sternträger in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming von Haus zu Haus. Das Geld, das wir sammelten, kommt damals wie heute der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar zugute, die damit Entwicklungshilfe- Projekte speziell für Kinder und Jugendliche unterstützt.

Die Filialkirche der Pfarre Gaming in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming (2014)

Da das im kalten Winter war und wir wirklich bei jedem Wetter unterwegs waren, wurden wir in manchen Häusern zum Aufwärmen eingeladen. Wir erhielten Wurstbrote, Weihnachtskekse und einen heißen Tee. Ich als Begleiter musste ihn, wie damals bei den Bauern im Mostviertel üblich, natürlich mit Schnaps trinken, was für einen 15–16-jährigen Buben nach einigen Häusern recht anstrengend wurde.

Ein Seitenblick zum Schnapstee

Noch bis in die 1990er war es bei den Bauern im Ötscherland üblich, dass im Winter jeder Besuch einen Schnapstee angeboten bekam. Heute wird er auch noch angeboten, es wird aber akzeptiert, wenn man ablehnt. Wobei das Wort Schnapstee wörtlich zu nehmen ist, es ist eben kein Tee mit Schnaps wie auf der Schihütte, sondern ein Getränk aus halb Schnaps und halb Tee. Der sehr starke Obstler oder Zwetschkerne wurde dabei auch noch kurz mitgekocht, was der Stärke des Getränkes aber nicht schadete.

Serviert wurde und wird er in einem dicken Glas mit Stiel, im täglichen Gebrauch meist unbemalt, zu festlichen Anlässen bemalt wie am Bild unten. Der Löffel ist dabei bereits im Glas und dient als Wärmeleiter, damit das Glas nicht springt. Einige Würfelzucker vervollständigten das für Ungeübte recht gefährliche Getränk. Dazu wurden Weihnachtskekse und Kletzenbrot serviert.

Der Alkohol fällt während des Trinkens nicht besonders auf und das verleitet dazu, mehr als einen zu trinken. Das wiederum rächt sich später an der frischen Luft.

Schnapstee mit Weihnachtskeksen und Kletzenbrot

Damals durften noch keine Mädchen Sternsingen, das änderte sich erst viele Jahre später. Ich habe das dann zur Jungscharzeit meiner beiden Töchter auch noch einmal in unserem neuen Heimatort Enzesfeld gemacht, wo ich mit ihnen und ihren Freundinnen von Haus zu Haus zog und Spenden sammelte. Die Zeiten hatten sich geändert und wir wurden nicht mehr überall freudig empfangen, so manche Tür blieb verschlossen, obwohl die Bewohner daheim waren. Die Kinder bildeten sich dadurch schon recht früh eine Meinung über manche Leute.

Das allgemein bekannte „C + M + B“ an unseren Eingangstüren bedeutet übrigens nicht Caspar+Melchior+Balthasar“ sondern „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

Wir freuen uns jedes Jahr auf den Besuch der Sternsinger-Kinder in Enzesfeld, aber leider finden sich nicht immer genügend Kinder um alle Haushalte zu besuchen.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter

Eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition in Scheibbs möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da ich mich als Kind erinnern kann, dass wir uns das auch angesehen hatten, weil unsere Mutter die Initiatoren noch aus der Schule kannte. Im Jahr 1947 veranstalteten die Brüder Wilhelm und Josef Beer sowie Alois Krenn den ersten Dreikönigsritt in Scheibbs. An fünf Stationen von der Kapuzinerkirche bis zur
mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche sangen sie hoch zu Ross das selbstgeschriebene Hirtenlied „Mir san die drei König“. Seit 1993 reiten nun die Söhne Andreas, Klemens und Alois Krenn als Kaspar, Melchior und Balthasar von der Klosterkirche zur Pfarrkirche und halten die weitum bekannte Tradition hoch, die es auch schon einige Male geschafft
hat, vom ORF gezeigt zu werden.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter (Foto zur Verfügung gestellt von Plopp Wieland)

Update am 2.1.2026

Wie die NÖN berichtet, macht der Dreikönigsritt im Jahr 2026 eine Pause. Die Heiligen Drei Könige Alois, Andreas und Klemens Krenn treten zurück und übergeben nach 32 Jahren die Kronen an die nächste Generation. Der jüngere Bruder von Alois, Willi, möchte nach einem Jahr Pause den Dreikönigsritt wieder vom Hause Krenn aus weiterführen.

Sternsinger-Spruch aus den 1970er/1980er/1990er Jahren:

Es zieh’n aus weiter Ferne drei Könige einher,
sie kamen von drei Bergen und fuhren übers Meer.

Das Kind liegt in der Krippe, so wunderlieb und klein, das schönste Kind auf Erden, im goldnen Himmelsschein.

Wir haben’s angebetet und Opfer dargebracht,
und zogen dann von dannen noch in derselben Nacht.

Lindabrunner Sternsinger mit Susanne Rappold-Schlägl und Altbürgermeister Franz Schneider

Eine kleine Kripperlroas durch meine Schätze aus der ganzen Welt

Seit vielen Jahren und in den letzten 20 Jahren immer intensiver, sammle ich kleine Weihnachtskrippen, die am Christbaum hängen können oder in der Adventzeit in einer Vitrine im Wohnzimmer präsentiert werden. Dafür muss in dieser Zeit sogar ein Teil meiner Modellautos auswandern. Einige dieser total unterschiedlichen Schätze möchte ich hier zeigen.

Bild: Kleine Krippen als Christbaumbehang

Mir geht es dabei nicht darum, etwas materiell Wertvolles zu sammeln, viel wichtiger ist, dass ich mit den meisten meiner Stücke eine Erinnerung oder Stimmung verbinde.

Aber zuerst etwas zur Geschichte der Weihnachtskrippe

Eine Weihnachtskrippe ist eine szenische Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte, die die Geburt Jesu Christi, traditionell aus dem Lukasevangelium, zeigt, zumindest mit den Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind in der Krippe. Ochs, Esel, Hirten und die Heiligen Drei Könige kamen später dazu.

Der „Erfinder“ soll Franz von Assisi im Jahr 1223  gewesen sein. In dieser Zeit konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben und so war die Idee, ähnlich wie bei den Fresken in den Kirchen, den Menschen bildlich die Weihnachtsgeschichte um die Geburt Jesu näher zu bringen. Er stellte daher mit Hilfe von Tieren und Menschen in der Nähe des Klosters Greccio eine lebendige Krippe dar.

Der Siegeszug bis heute war zwar möglicherweise gottgewollt, aber trotzdem nicht so selbstverständlich. Erst 1562 bauten die Jesuiten in Prag eine Weihnachtsszene mit Figuren auf und so die erste Krippe im heutigen Sinn. Speziell während der Gegenreformation wurden Weihnachtskrippen durch die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner gefördert.

„Das ganze ist so geschickt arrangiert, dass das Frömmigkeitsgefühl der Beschauer aufs lebhafteste erregt wird. Sie glauben dem wunderbaren Ereignis selbst beizuwohnen, mit eigenen Ohren das Wimmern des Kindes und die himmlische Musik zu hören, mit eigenen Händen die Windeln zu ertasten, und ein Schauer erfasst sie.“ – Philippe de Berlaymont, 1619 (Zitat aus Wikipedia)

So sollten damals die Menschen in den Bann gezogen werden und die Krippen waren in der Adventzeit ein wichtiger Teil der Verkündigung in der katholischen Kirche. Aber jede Bewegung schlägt irgendwann in die andere Richtung um.

Und wie so oft bewirken Verbote genau das Gegenteil  dessen was sie sollten. So wurden unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. die Weihnachtskrippen durch mehrere Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, also vor allem aus den Kirchen, verbannt. Aber erst dadurch erhielten die Weihnachtskrippen Einzug in den privaten Bereich und das blieb auch so, nachdem die Verbote nach recht kurzer Zeit wieder aufgehoben wurden.

Mehr Details bringe ich im nächsten Jahr zur geeigneten Zeit in einer Blogserie zu den Bräuchen im Jahreskreis, die ich in meiner Familie und Umgebung seit meiner Kindheit bis heute erlebt habe.

Eine Kripperlroas

Für meine nichtösterreichischen Leserinnen und Leser: Eine Kripperlroas („Krippen-Reise“) ist im österreichischen Alpenraum eine gemütliche Wanderung zu verschiedenen Weihnachtskrippen in einem Dorf. Hier in meinem Blog ist es mehr ein virtuelles „Kripperl-Hopping“, das aber nicht weniger besinnlich sein soll. Es führt fast durch die ganze Welt, aber es muss für nächstes Jahr auch noch etwas übrig bleiben.

Mallorca

Mallorca ist nicht nur der Ballermann, diese Insel im westlichen Mittelmeer hat auch sonst noch viele versteckte, nicht so bekannte oder doch von vielen besuchte Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist die Kathedrale von Palma, La Seu, dieser katalanische Ausdruck bedeutet „der Bischofssitz“. Neben einem der größten Rosettenfenster der Welt mit fast 14 Metern Durchmesser und dem beleuchteten Baldachin in Form einer Dornenkrone über dem Altar, der zumindest von Antonio Gaudi begonnen wurde, ist auch das Museum für sakrale Kunst einen Besuch wert. Dabei haben wir eine prachtvolle Krippe gekauft, die ich euch nicht vorenthalten will.

Sizilien

Sizilien ist neben Citrusfrüchten, Pistazien und dem Vulkan Ätna berühmt für seine farbenfrohen, handbemalten Keramikfliesen, besonders aus der Hochburg Caltagirone. Bei unserer Sizilien-Rundreise 2023 sind wir zwar dort nicht gewesen, ich habe aber eine besonders schöne Krippen-Fliese in Trapani gekauft.

Da das nicht die einzige geblieben ist, habe ich im Epilog meines damaligen Sizilien-Blogs auch alle gezeigt:

Sizilien 11 Epilog – Sizilien ist mehr als eine Reise wert

Peru

Diese Krippe, die zu meinen kleinsten gehört, stammt von den Urus auf ihren schwimmenden Inseln aus Totora-Schilf am Titicacasee, die wir im Zug unserer Perureise im Jahr 2019 besucht haben. Die 5 cm lange und 3 cm hohe Darstellung einer Uru-Familie mit zwei Schafen auf einer Strohinsel und zeigt in ihrer Einfachheit den Volksglauben dieses indigenen Stammes.

Österreich

Man muß nicht unbedingt in die weite Welt hinaus, auch ganz nah gibt es immer wieder Schätze zu entdecken. In meinem Heimatort Enzesfeld-Lindabrunn findet jedes Jahr an zwei Advent-Wochenenden ein stimmungsvoller Christkindlmarkt rund um die Spitalskirche statt. Neben den Hütten zum Essen und Trinken rund um die Kirche stellen im Inneren auch Hobbykünstlerinnen und -Künstler aus. Dabei haben wir vor einigen Jahren bei einer Bekannten eine moderne Krippe aus Zementguss entdeckt, die uns in ihrer Schlichtheit noch immer fasziniert.

Deutschland

Ein Miniaturformat einer Art Kasten- oder Fasskrippe habe ich 2024 auf meinem Weg mit dem Motorrad in den Schwarzwald entdeckt. Von meiner damaligen Fahrt erzähle ich hier:

Anreise und Treffen mit Freunden

Der Ort Oberammergau liegt an der Strecke der Deutschen Alpenstraße, daher konnte ich mir damals neben einer Eiskaffee-Pause gegenüber des Passionsspielhauses auch die berühmte Lüftlmalerei und die Krippenschnitzkunst ansehen. Dabei habe ich diese kleine geschnitzte Krippe am Bild unten gefunden.

Peanuts

Es gibt natürlich auch Krippen, die nicht so ernst zu nehmen sind, aber trotzdem viel Freude machen, wenn man sie mit einem Augenzwinkern betrachtet. Dazu gehört eine Krippe aus Peanuts Figuren, die ich im Online-Handel gekauft habe.

Mit diesen Bildern wünsche ich euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!

Markttag in Phuket

In meinem letzten Blog zu Thailand 2025 erzähle ich vom Walking Street Market in der Altstadt von Phuket, der nicht nur mit tollem Streetfood, sondern auch mit den wunderschön renovierten Häusern im sino-portugiesischen Stil punktet.

Genau genommen ist es kein Markttag, sondern ein Marktabend, denn jeden Sonntag Abend findet der Lard Yai Sunday Walking Street Market (auch Phuket Town Night Market), in der Altstadt von Phuket statt. Genau diesen wollten wir uns ansehen, nachdem wir vom Markt in Khaolak eher enttäuscht waren, der aus unserer Sicht dem Klischee eines Ramschmarktes für Touristen leider recht nahe kommt.

Darum buchten wir vom Hotel weg eine Fahrt nach Phuket mit dem Besuch eines Einkaufszentrums und anschließend den Sonntagabend-Markt in der Altstadt. Über die riesige Shopping Mall erzähle ich hier gar nichts, da sie sich nicht großartig von den Shoppingcentern in Bangkok unterscheidet.

Tempel, Streetfood und Architektur

Dafür war aber der Besuch in der Altstadt von Phuket viel interessanter. Unser Bus hielt direkt vor dem Wat Mongkol Nimit (Wat Klang), der ein bedeutender Thai-buddhistischer Tempel in der Dihuk Road ist. Interessanterweise darf man am Sonntag am Gelände des Tempels parken. Ich kann mir aber nicht vorstellen, hierher mit einem Auto zu fahren, da gehört mehr Geduld dazu als ich habe. Selbst mit einem Roller ist es mühsam durchzukommen und dann ist es angeraten auch damit nicht falsch zu parken, denn in Phukets Altstadt sollen sogar Roller „abgeschleppt“ werden.

Aber als Passagier eines Kleinbusses ist das uninteressant,  wir waren schon gespannt, was uns erwarten würde. Und so marschierten wir die kleine Soi Rommani Straße hinunter und die Atmosphäre hatte uns schon gefangen genommen. Jetzt weiß ich, wie sich ein Asiate in Hallstadt fühlt! Natürlich ist das sehr touristisch, aber es ist zumindest auf den ersten Blick kein Ramsch. Zwischen den kleinen Geschäften findet man ein Lokal nach dem anderen, aber wir wollten das Streetfood des Sonntagsmarktes kosten.

Und dann bogen wir um die Ecke in die Thalang Road und die Farben und Gerüche hatten uns voll erwischt. Wir mussten natürlich sofort Dumplings probieren, die wir bei einem der ersten Stände gesehen hatten.

Phukets Altstadt mit kolonialen Flair

Aber es ist nicht nur die Atmosphäre der Garküchen, die das alles ausmacht, es sind auch die farbenfrohen Fassaden der Häuser im sino-portugiesischen Stil, die speziell in der Abenddämmerung wirken. Es wird sehr rasch finster und so kamen die bruzelnden Woks, das bunte Obst und Gemüse und die Köchinnen und Köche an den beleuchteten Ständen besser zur Geltung. Wir probierten natürlich weiter, Pad Thai, ein Gericht aus Reisbandnudeln, in unserem Fall mit Hühnchen, geht immer, egal ob zum Frühstück oder hier am Abend von einer Garküche.

Sonst genossen wir beim Schlendern von Stand zu Stand die Eindrücke und wir bogen wieder um die Ecke und waren in der Phang Nga Road. Die Geschäfte links und rechts in den zweistöckigen bunten “Shop Houses” sind sauber und trotz der Menschenmassen, die sich durchdrängeln, aufgeräumt und sortiert, da haben wir sogar in europäischen Städten anderes erlebt. In den letzten Jahren wurden viele Häuser in diesem Teil renoviert und machen mit ihren grellbunten Fassaden den Flair aus. Einige Meter weiter am Ende der Phang Nga Road liegt eine Sehenswürdigkeit, auf die wir schon beim Herfahren aufmerksam gemacht wurden, nämlich der sonnengelbe Uhrturm, der vor gut 100 Jahren errichtet wurde und ebenso wie die Häuser der Umgebung neu renoviert wurde.

Aber nicht nur die Gebäude im sino-portugiesischen Stil sind wert genauer betrachtet zu werden, sondern auch die bemerkenswerte Street Art, die an allen möglichen und unmöglichen Stellen zu finden ist.

Wieder zurück auf unserem Rundgang in der Thalang Road hörten wir schon von weitem einen jungen Sänger, dessen bescheidene Sangeskünste vom Publikum aber mit riesigem Applaus bedacht wurde. Wie wir dann sahen, war der Auftritt für einen guten Zweck, um eine Tierschutzorganisation zu unterstützen. Gut, dafür kann man dann schon ein Auge zumachen oder besser die Ohren, und ihn mit einer kleinen Spende ermutigen, weiterzumachen.

Gleich dahinter über eine Brücke sahen wir eine weitere riesige goldene Figur, nämlich die Hai Leng Ong Statue (Golden Dragon Monument). Dieses überlebensgroße Drachen-Monument gilt in Phuket als Beschützer der Stadt. Im direkt angrenzenden Sirikit-Park war natürlich auch eine Trauerausstellung für die verstorbene Königin eingerichtet.

Eine Spezialität habe ich erst verstanden, nachdem ich im Hotel gegoogelt habe. A-Pong, ein spezieller Crepe, der aus Reismehl, Eigelb, Kokosmilch, Hefe, Wasser und Zucker hergestellt wird. Diese Zutaten werden zu einem Teig vermischt und dann in hauchdünne Schichten auf die heißen Töpfe gegossen, die wie bei einem Hütchenspiel ständig ausgetauscht werden, bis der A-Pong langsam knusprig wird. Verkostet haben wir es daher auch nicht, aber es muß ja einen Grund geben, wiederzukommen, um so mehr als das Lokal, wo die A-Pong während der Woche verkauft werden, es sogar in den Michelin Guide geschafft hat.

Honda-Legenden und Kaffee

An der Kreuzung mit der Thep Krasattri Road entdeckten wir zufällig das letzte Highlight unseres Phuket-Abends, das Cub House Phuket, das mein Honda-Herz höher schlagen ließ. Es ist eine Kombination aus einer Honda Werkstatt, einem Museum und Verkaufsraum für den Honda Cub 125 Roller mit einem Kaffeehaus. Von der Super Cub wurden in den letzten 60 Jahren über 100 Millionen Stück hergestellt. Ich wusste aber nicht, dass dieser legendäre Roller auch in Österreich zu kaufen ist. Neben einem wunderbaren Kaffee gab es auch eine Ausstellung zur Geschichte der Honda Monkey und natürlich konnte man auch Honda Souvenirs kaufen. Den Nachteil eines Walking Street Markets, nämlich bei allem hier stundenlang herumzulaufen, konnten wir bei den bequemen Sitzgelegenheiten auch ausgleichen.

Fazit

Natürlich ist der Yai Sunday Walking Street Market auch touristisch geprägt, doch er vermittelt trotzdem die Authentizität, die wir auch in Bangkoks Chinatown gefunden haben. Natürlich gibt es viele Souvenirläden, die speziell für Europäer eingerichtet sind, man kann dabei aber auch die spezielle chinesisch-portugisische Architektur bewundern. Und damit nicht zu vergessen, dass eben neben dem Streetfood die Altstadt von Phuket einen Besuch wert ist.

Das Moderne Bangkok: Mahanakhon Tower, CentralwOrld und der R Walk

Das moderne Bangkok ist ebenso faszinierend wie die buddhistischen Tempel, das Treiben in Chinatown oder das Leben an den Khlongs. All das zusammen ergibt die Mischung, die für uns Touristen die Stadt Bangkok ausmacht. Darüber berichte ich im bereits vierten Blog zu dieser beeindruckenden Stadt.

Wenn man in Bangkok ist, sollte man wie in jeder anderen asiatischen Großstadt, den modernen Teil nicht ganz vernachlässigen. In den zweieinhalb Tagen konnten wir drei Highlights, jedes für sich auf eine andere Art einzigartig, besichtigen.

Der Mahanakhon Tower mit seinem Skywalk auf 310 Metern

Wir bekamen den Tipp von der Schwester meiner Frau, das höchste Haus Bangkoks, den Mahanakhon Tower mit seinem Glasboden auf rund 310 Metern Höhe unbedingt anzusehen. Und so reservierten wir bereits einige Wochen vorher die Tickets und fuhren dann mit der Hochbahn zur Station Chong Nonsi, von wo aus man dieses markante Bauwerk gar nicht so leicht erkennt wie aus einigen Kilometern Entfernung, wo die markante  Architektur sofort heraussticht.

Das Ticket war zuerst für die Liftfahrt in das 74.Stockwerk reserviert mit einer tollen Rundumsicht, die hier aber hinter Glas war, wahrscheinlich zur Eingewöhnung an die außergewöhnliche Höhe, die man mit einer Geschwindigkeit von 480 m/min erreicht. Eine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes rundet das Bild ab.

Danach ging es zu Fuß über die Treppe in den 75.Stock, von wo uns ein runder Panoramalift in das 78.Stockwerk bringen sollte. Leider war dieser außer Betrieb und so stiegen wir über eine Wendeltreppe die restlichen 3 Stockwerke hoch, wo uns sofort der Blick über die ganze Stadt in Besitz nahm.

Dort gibt es einige Tischchen die man mit einer Mindestkonsumation von 1000 Bath (rund 27 Euro) pro Person reservieren könnte. Wir waren aber zu spät, der Blick von der Publikumstribüne über den Fluss Chao Phraya Richtung Sonnenuntergang war aber auch so beeindruckend genug. Leider war der Horizont etwas dunstig, so verschwand der rote Feuerball Sonne darin und war nicht ganz so spektakulär wie erhofft. Trotzdem können wir nur empfehlen, diesen Ausblick rechtzeitig zu reservieren und einen Zeitslot zum Sonnenuntergang, der speziell angeboten wird, zu nehmen.

Das nächste Highlight war dann nach Sonnenuntergang der Skywalk mit Glasboden mit Blick 310 m hinunter ins Leere. Bei einem kleinen Hochhaus in der Nachbarschaft zählte ich die Stockwerke. 20 waren es an der Zahl, in dieser Höhe war mein Office bei Capgemini in Wien im Millennium Tower. Aus dem 78. Stockwerk hier sah das wie ein Spielzeughaus aus.

In der Finsternis die rund 30 cm hohe Stufe auf das Glas hinunter zu steigen, war dann die größte Überwindung, aber wenn das geschafft war, war es einfach nur atemberaubend. Sogar meine Frau Evi wuchs über sich hinaus und genoss den Rundumblick und auch den Blick in die schwarze Tiefe.

Da das hungrig machte, fuhren wir nach dem Fußweg über die 3 Stockwerke mit dem Lift 74 Etagen nach unten, wahnsinnig schnell, aber überraschenderweise ohne etwas davon zu spüren. Wir stiegen in die Hochbahn und fuhren bis zur Station Saphan Taksin, von wo es nur wenige Schritte zur Schiffsanlegestelle Sathorn Pier sind.  Mit dem nächsten Boot kamen wir rasch zu unserem Restaurant direkt am Fluss bei der Station Ratchaprasong. Wie es dort war, könnt ihr hier in meinem Blog über das Essen in Bangkok nachlesen:

Essen in Bangkok: Mai ped oder Ped mak mak?

Die CentralwOrld Shopping Mall

Wir hatten zwar schon daheim geplant, auch in ein thailändischen Shopping Center zu gehen, aber dass wir dabei gleich die größte Shopping Mall Thailands und die Nummer 9, in anderen Quellen die Nummer 11 weltweit erwischen,  hat uns dann doch überrascht.

Auch dort, wie an vielen anderen Stellen in Bangkok und ganz Thailand wurde der am 24. Oktober 2025 im 93. Lebensjahr verstorbenen ehemaligen Königin Sirikit gedacht. Es folgt ein Jahr Trauer, bis sie im Oktober 2026 mit höchsten Ehren auf einem Sandelholz-Scheiterhaufen im Herzen von Bangkok eingeäschert werden wird.

Die CentralwOrld (kein Schreibfehler) liegt an einer der prestigeträchtigsten Adressen Bangkoks im Bezirk Ratchaprasong, nicht weit von unserem Hotel Renaissance entfernt, direkt am Weg zur Anlegestelle des Saen Saep Express Bootes, von dem ich im Blog zum Verkehr berichte:

Verkehr in Bangkok: Tuk-Tuk, Skytrain oder Khlong Express Boot

So beschlossen wir, am Rückweg zum Hotel ein paar Shops anzusehen. Man unterschätzt, auch wenn man die Shopping City Süd in Wien mit ihren fast 200.000 m² und rund 300 Shops kennt, die Ausmaße dieser gigantischen Mall. Hier könnt ihr im Exkursionsbericht der FH Wien zur Shopping City Süd einiges dazu nachlesen.

Mehr als 600 Stores sind auf 830.000 m² über 7 Stockwerke in der CentralwOrld verteilt, hier gibt’s alles in allen Preisklassen, wobei ich schon denke, dass es trotzdem auch für thailändische Verhältnisse keine wirkliche Billigware dort gibt, was natürlich das Publikum schon einschränkt, was aber in einer Stadt mit der Einwohnerzahl Bangkoks und zusätzlich den Touristinnen und Touristen kein Problem sein dürfte.

Wir haben es wie auch die anderen Aktivitäten in dieser Stadt in die Kategorie „Sightseeing “ eingeordnet und sind durch das Erdgeschoß und die ersten beiden Stockwerke gegangen und ich habe erst im Hotel herausgefunden, dass die 3. Etage, immerhin fast 100.000 m², nur für Elektronik und Mobilfunk reserviert ist.

Auch einigen österreichische und Schweizer Marken sind in den Shoppingcentern prominent vertreten.

Wir waren gesättigt von den Eindrücken der bekannten und weniger bekannten Brands und brachen nach gut zwei Stunden unsere Tour ab.

Dass die Asiaten Weihnachten lieben, war nicht zu übersehen, Riesenchristbäume und Weihnachtsschmuck waren Mitte November vor und in den Shoppingcentern überall zu finden. Für europäische Augen kann es nicht kitschig genug sein und es geht auch primär um den Verkauf, wie auch eine Doku im ORF zeigte, die ich nach unserer Rückkehr in Österreich sah.

Der R Walk (Ratchaprasong SkyWalk) als Verbindungsweg zwischen 9 Shopping Malls und einigen Hotels

Zurück zum Hotel nahmen wir den Weg über den R Walk (Ratchaprasong SkyWalk) der für sich schon ein Highlight des modernen Bangkok ist. Genauso wie beim BTS Skytrain wird auch hier der vorhandene Platz bestmöglich genutzt und der private, öffentliche und fußläufige Verkehr kann auf mehreren Ebenen stattfinden. Sowohl zu Hitzezeiten als auch in Zeiten des Regens kann man kreuzungsfrei einen der prosperierendsten Stadtteile Bangkoks, den Ratchaprasong District durchqueren. Wir konnten das in den zwei Tagen natürlich nicht überprüfen, aber wenn man dort ist, klingt es sehr glaubwürdig.

Neun Shopping Malls mit über 5500 Geschäften, Restaurants und Spas, 9 Luxushotels und 8 Tempel und Schreine werden so miteinander verbunden. Rauf und runter kommt man bequem, es gibt neben den Stiegen genügend Lifte und natürlich in den Shopping Malls auch die Rolltreppen. Auch den Erawan Schrein kann man so von oben bewundern und leicht erreichen. Öffentlich ist der Skywalk über die Stationen Chidlom und Siam der BTS auch sehr gut angebunden. Ins Big C oder Gaysorn Village Shoppingcenter zum Beispiel kann man direkt gehen, ins CentralwOrld muss man leider (oder zur Abwechslung Gott sei Dank) hinaus.

Fazit


Wenn man als Tourist in eine Stadt wie Bangkok kommt, sollte man sich nicht nur auf die alten Sehenswürdigkeiten konzentrieren, sondern auch die neuen Landmarks, die architektonisch und städtebaulich oft genauso interessant sind. Wert ist es beides, um die Gesamtheit besser zu verstehen.

Letzter Teil meiner Thailand-Serie

Markttag in Phuket