Wie ich in meinen Blogs schon mehrfach beschrieben habe, ist die ID Austria der Schlüssel zu digitalen Amtswegen in Österreich. Seit 1. Oktober 2025 ist der Einstieg in FinanzOnline nur noch mit der ID Austria oder mit Zwei-Faktor-Authentifizierung möglich. Ab sofort bekommen weniger IT-affine Seniorinnen und Senioren in Niederösterreich Unterstützung bei der Einrichtung.
Foto: ID Austria
Bei der finalen Einrichtung der ID Austria sind zwei Endgeräte, nämlich das persönliche Handy und ein PC oder Laptop erforderlich. Das stellt manche nicht so IT-affine Seniorin oder Senioren vor größere Herausforderungen.
Fertigstellung der Registrierung für die ID-Austria ist ab sofort bei Niederösterreichs Bezirkshauptmannschaften möglich
Wie verschiedene Medien wie z.B der ORF NÖ berichten, unterstützen ab sofort auf Initiative des Landesobmannes der NÖ Senioren, LT-Präs. Karl Wilfing, alle Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich bei der Fertigstellung der Registrierung der ID AUSTRIA auf Ihrem Mobiltelefon.
Diese Hilfestellung haben schon bisher manche Behörden angeboten, allerdings immer auf freiwilliger Basis. Auch datenschutzrechtliche Bedenken wurden jetzt ausgeräumt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bürgerbüros der Bezirkshauptmannschaften in NÖ dürfen die Hilfestellung leisten.
In anderen Bundesländern gibt es Veranstaltungen in den Bezirkshauptmannschaften, um Seniorinnen und Senioren fit für das digitale Amt zu machen.
Ein Termin, ihr Handy und ein Ausweis
Eine Terminvereinbarung bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft ist unbedingt vorab auszumachen. Das eigene Smartphone und ein gültiger Lichtbildausweis sind noch notwendig, dann steht der Einrichtung ihrer ID Austria nichts mehr im Wege. Weitere Details erhalten sie ebenfalls bei der Terminvereinbarung.
Die Einreichung auf Papier ist weiter möglich
Personen, die den digitalen oder elektronischen Weg trotzdem nicht gehen wollen, haben auch weiterhin die Möglichkeit, die Arbeitnehmerveranlagung auf Papier durchführen und sie per Post oder persönlich an das Finanzamt weiterzuleiten.
Der fünfte Teil meines Blogs zum 100-jährigen Jubiläum des Schilling handelt von der Umstellung auf den Euro bis zum Ausblick auf eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit mit einem digitalen Euro. Das Bargeld ist und bleibt dabei weiter genau so wichtig.
Um 200 Schilling gab es das Startpaket mit Münzen im Wert von 14,54 Euro. (Copyright: AP)
1 Euro war im Jahr 2002 13,7603 Schilling
Um die rechtlichen Voraussetzungen für die Teilnahme Österreichs an der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu schaffen, welche mit 1. Januar 1999 beginnen sollte, erfolgte im April 1998 die Novelle zum Nationalbankgesetz. Dadurch wurde für die Österreichische Nationalbank und ihre Beschlussorgane bei der Verfolgung der Ziele und Aufgaben des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) die Unabhängigkeit von Organen oder Einrichtungen der Europäischen Gemeinschaft sowie von Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft ausdrücklich festgeschrieben und auch der Weg zum Euro definiert.
Im Zuge dieser dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) wurde am 1. Jänner 2002 der Euro als Bargeld mit einem Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling zu einem Euro eingeführt.
Ich durfte dafür in meinem Job als Programmierer bei Agfa alle Programme und Schnittstellen schon vor 1999, dem Start des Euro als Buchwährung, durchforsten, um die sogenannte Doppelauszeichnung in Schilling und Euro überall korrekt darzustellen. Soweit ich mich erinnere, habe ich mehr als ein halbes Jahr daran gearbeitet und am Ende gab es keine Fehler. Der Umrechnungskurs hat sich bei mir und vielen anderen eingebrannt, auch wenn man heute damit nicht mehr rechnen soll, da die Inflation ja auch im Schilling mindestens in gleicher Weise weitergegangen wäre.
Ab Mitte Dezember 2001 wurden in den Banken sogenannte „Starter-Kits“ zum Preis von 200 Schilling ausgegeben, die Euro-Münzen im Nennwert von 14,54 Euro enthielten. Mit diesem Euro-„Vorverkauf“ sollten am 1. Jänner 2002 möglichst viele Euro- und Cent-Münzen in Umlauf sein. Nach Angaben der Österreichischen Nationalbank sollte für jeden Haushalt ein Startpaket bereitliegen. Die Geldausgabeautomaten spuckten ab dem Jahreswechsel 2001/2002 nur noch Euro-Geldscheine aus. Ich hatte damals wie die meisten von uns innerhalb von 2 Wochen nur mehr Euros in der Geldbörse.
Ausblick auf die nächste Phase
Es werden derzeit (2021-2025) neue Banknoten entwickelt, weil unsere künftigen Geldscheine noch sicherer, effizienter und nachhaltiger sein sollen. Der EZB-Rat hat Motive ausgewählt, mit denen die beiden Themen für die künftigen Euro-Banknoten illustriert werden. Beim Thema „Europäische Kultur“ geht es um gemeinsame Kulturstätten und herausragende Europäerinnen und Europäer. „Flüsse und Vögel“ befasst sich mit der Widerstandskraft und Vielfalt der Natur. Auf der Rückseite der Banknoten wären bei diesem Thema europäische Institutionen zu sehen.
Die Euro-Strategie der Europäischen Zentralbank
Hier einige Auszüge aus der Euro-Strategie:
Ziel unserer Bargeldstrategie: Euro-Bargeld soll auch in Zukunft weithin verfügbar und leicht zugänglich sein. Es soll weiter große Akzeptanz genießen, sowohl als Zahlungsmittel als auch als Mittel zur Wertaufbewahrung. Es wird auch künftig ein innovatives, sicheres und umweltfreundliches Zahlungsmittel sein.
Die meisten Menschen im Euroraum möchten bar bezahlen können. Voraussetzung hierfür ist, dass das Bargeld überall akzeptiert wird. So können alle frei wählen, wie sie bezahlen möchten, und Menschen ohne Zugang zu elektronischen Zahlungen werden nicht benachteiligt.
Privatpersonen und Unternehmen müssen auf ihr Geld zugreifen können. Das Eurosystem hilft den Banken dabei, die hierfür notwendigen Dienstleistungen bereitzustellen, etwa die Möglichkeit, Bargeld kostenlos oder gegen eine vertretbare Gebühr abheben zu können.
Die Euro-Banknoten sind durch modernste Technologien geschützt. Das macht sie sehr fälschungssicher. Sowohl Privatpersonen als auch Menschen, die beruflich viel mit Bargeld zu tun haben, können die Echtheit von Geldscheinen ganz leicht überprüfen.
Quelle: Österreichische Nationalbank
Der digitale Euro
Der Digitale Euro könnte das Bargeld ergänzen, aber keinesfalls ersetzen. Zusammen mit den nationalen Zentralbanken des Euroraums prüft die EZB die Einführung eines digitalen Euro. Dabei würde es sich um digitales Zentralbankgeld – ein elektronisches Gegenstück und eine Ergänzung zum Bargeld – handeln. Den Menschen stünde damit eine weitere Zahlungsmöglichkeit zur Auswahl.
In einer digitalen Welt ergänzt der digitale Euro das Euro-Bargeld. Die Möglichkeit, Bankguthaben nicht nur in Bargeld, sondern auch in digitales Zentralbankgeld zu tauschen, schafft Vertrauen in die Währung. In einer monetären Welt mit internationalen Central Bank Digital Currencies (CBDCs), wie es z.B. schon von China herausgegeben werden, würde der digitale Euro die strategische Autonomie des Euroraums stärken, um weiterhin eigenständig Geldpolitik betreiben zu können.
Da das ein äußerst sensibles Thema ist, hat die Österreichische Nationalbank auch einen Faktencheck zur möglichen Einführung des digitalen Euros erstellt, um bestehende Missverständnisse aufzuklären.
Noch mehr Details zum digitalen Euro habe ich im nächsten Blog zusammengestellt.
Manche iPhones haben aktuell Probleme beim Öffnen der ID Austria App. Hier gibt es einen Löungsweg.
Aktuell haben manche iPhones Probleme beim Öffnen der ID Austria App. Grund dafür ist eine Änderung in den Browsereinstellungen von Safari. Gewisse Pop-Ups werden blockiert und du wirst nicht weitergeleitet, kannst dich also nicht anmelden. Der ID-Austria, dem Kundendienst von Finanzonline und der Sozialversicherung ist dieser Fehler von Apple bekannt.
Ö3 hat recherchiert und alle Kundendienste abgefragt und einen relativ einfachen Lösungsweg zusammengestellt:
Prinzipiell ist so etwas nichts Besonderes, Einstellungen in der Handy-Software können sich immer wieder ändern, um den aktuellsten Anforderungen an Datensicherheit usw. zu entsprechen. Ähnliches kann natürlich auch bei anderen Apps auftreten, aber seriöse Provider haben meist rasch eine Lösung dafür.
Ab dem 1.Oktober 2025 ist es Wirklichkeit, der Zugang zu FinanzOnline ist nur mehr mit einer 2-Faktor-Authentifizierung möglich. Gemeinhin wird darunter die ID Austria verstanden, aber die ist doch nicht die einzige Möglichkeit.
Copyright: BMF.
Was versteht man unter einer 2-Faktor-Authentifizierung?
Bei der 2-Faktor-Authentifizierung werden drei gesetzlich vorgeschriebene Kategorien unterschieden: Wissen (z.B. ein Passwort oder ein PIN-Code), Besitz (z.B. Bankomatkarte, Smartphone) und Inhärenz: (z.B. Fingerabdruck, Gesichtsscann). Zwei Faktoren aus den genannten Kategorien müssen bei der Identifizierung verwendet werden.
Für Banken und ihre Online-Kunden ist das nichts neues, sie müssen wie alle weiteren Zahlungsdienstleister aufgrund einer EU-Regelung seit 2019 im Zahlungsverkehr eine sogenannte „2-Faktor-Authentifizierung“ durchführen. Welche das konkret sind, bleibt dem Zahlungsdienstleister selbst überlassen.
Ab dem 1.Oktober 2025 auch bei FinanzOnline
Jetzt macht das österreichische Finanzministerium ebenfalls ernst, ab dem 1.Oktober 2025 ist zum Online-Dienst der Finanzämter, FinanzOnline der Zugang nur mehr über eine 2-Faktor-Authentifizierung erlaubt und möglich. Spätestens beim nächsten Steuerausgleich kommt niemand darum herum. Die bekannteste Möglichkeit dafür, aber nicht die einzige, ist die ID Austria, über die ich schon mehrmals geschrieben habe.
Eine Möglichkeit: Die ID Austria
Sie ist die vom Finanzministerium empfohlene Variante für den sicheren Einstieg in FinanzOnline. Sie erfüllt sämtliche Anforderungen an eine moderne 2-Faktor-Authentifizierung und erfordert keine zusätzliche Registrierung in FinanzOnline. Außerdem kann die ID Austria für viele weitere elektronische Amtswege verwendet werden und wird noch weitere Funktionen dazu bekommen.
Auch Tools von privaten Anbietern:
Ausser diesem öffentlich entwickelten Identifizierungstool sind noch andere, nicht immer kostenlose Tools von privaten Anbietern wie z.B. Google Authenticator möglich.
Die Bürgerkarte muß umgestellt werden:
Mit der Einführung der ID Austria ist die alte Zugangsmöglichkeit mit der Bürgerkarte nicht mehr möglich, sie muss auf die ID Austria umgestellt werden, falls sie das noch nicht gemacht haben. Hier ist die ANLEITUNG dazu!
Einfach hingehen und den Antrag abgeben geht auch noch:
Es bleibt jedoch auch weiterhin möglich, offline mit dem Finanzamt in Kontakt zu treten und Steuerangelegenheiten mit den entsprechenden Formularen zu erledigen, um hier niemanden auszuschließen, wie der Finanzminister versichert.
Fazit
Auch wenn die ID Austria die wahrscheinlich bequemste Variante ist, wenn sie einmal am Handy installiert ist, gibt es noch einige andere Möglichkeiten. So haben alle Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin mehrere Tools bis zum persönlichen Gang zum Finanzamt, um auf die verschiedensten Gegebenheiten oder auch Ängste Rücksicht zu nehmen, nicht nur die einfachste und wahrscheinlich beste, die ID Austria.
Ende der 1940er Jahre begann im Westen Deutschlands ein dynamischer wirtschaftlicher Aufschwung, der ab 1953 im Prinzip auch in Österreich bis zur Ölpreiskrise im Jahr 1973 anhielt.
Es zeigte sich aber auch, dass der Schilling nicht losgelöst agieren kann, sondern von den internationalen Währungssystemen abhängig ist und eine entsprechende Einordnung notwendig wurde.
Der Schilling war bis zur Einführung des Euros am 1. Jänner 1999 die Währung und anschließend noch bis zum 28. Februar 2002 gesetzliches Zahlungsmittel in Österreich.
Wirtschaftswunder mit Startschwierigkeiten
Anders als die Währungsreform in Westdeutschland 1948 hat die zweite Währungsumstellung in Österreich im Dezember 1947 nicht zu einer Initialzündung der Wirtschaft geführt. Sie hat jedoch währungsseitig die Grundlagen zu einer Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Österreich gelegt, die parallel mit einem deutlichen Rückgang der Inflation ab Ende der 1940er-Jahre eintrat und dann in das österreichische Wirtschaftswunder nach 1953 mündete.
Einen wichtigen Beitrag zur Inflationsbekämpfung leisteten dabei die Sozialpartner. Die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigten sich im Sommer 1947 über die Festsetzung der Preise bei den wichtigsten Bedarfsartikeln sowie über die durch Preiserhöhungen notwendig gewordenen Lohnsteigerungen; so kam es zum ersten von insgesamt fünf Lohn-Preis-Abkommen der Sozialpartnerschaft.
Mit dem am 8. September 1955 beschlossenen Nationalbankgesetz erhielt die Notenbank ihre Unabhängigkeit, wenn auch mit der Einschränkung, dass sie bei der Beobachtung der Währungs- und Kreditpolitik auf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung Bedacht nehmen solle, was aber trotzdem nicht zu ständigen Interventionen von dort führte. Die Erfolgsgeschichte des Schillings nahm ihren Lauf.
Die beginnende materielle Sicherheit stärkte jene Kräfte, die nach einer neuen Identität des modernen Österreichs strebten. Aber die Flüchtlingswellen 1956 aus Ungarn und 1968 aus der Tschechoslowakei erinnerten daran, wie fragil der errungene Fortschritt war.
Für die nächsten Jahre zeigten die zentralen Indikatoren die hohe innere und äußere Stabilität der österreichischen Wirtschaft, die durch eine abgestimmte Fiskal- und Geldpolitik hohes Wachstum bei geringem Preisauftrieb und Vermeidung langfristiger außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte ermöglichte.
Integration Österreichs in der Welt und in Europa
Österreich beteiligte sich schon damals auch an der Europäischen Integration und trat 1960 der Europäischen Freihandelszone (EFTA) bei.
In der zweiten Hälfte der 1960er wurde dann immer deutlicher, dass das System von Bretton Woods, dem internationalen Währungssystem auf Gold-/Dollarkonvertibilität, das bereits 1944 im Rahmen der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen beschlossen wurde, auf Dauer nicht zu halten war.
1969 wollte Frankreich seine Dollarreserven in Gold einlösen, doch die Goldreserven der USA reichten nicht einmal aus, um die Forderungen dieses einen Mitgliedslandes zu erfüllen. Daraufhin kündigten die USA 1971 ihre Verpflichtung, Dollar in Gold einzulösen, was dem System von Bretton Woods die Basis entzog und damit dessen Ende bedeutete.
Zwei „Nebenprodukte“ von Bretton Woods blieben aber bis heute bestehen: der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank (ehemals Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), sie bildeten mit die währungs- und finanzpolitische Grundlage für den weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der 20-Schilling Blick am Semmering
Auf der Rückseite der vorletzten Ausgabe der 20-Schilling-Banknote aus dem Jahr 1967 war das Motiv ein Blick auf die Semmeringbahn. Diesen Blickplatz „20-Schiĺing-Blick“ erreicht man über den Bahnwanderweg entlang der Semmeringbahn, die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Der Blickplatz bietet eine besondere Aussicht auf das 184 Meter lange und 46 Meter hohe „Kalte Rinne“–Viadukt, unter dem ich immer wieder gerne mit dem Motorrad durchfahre.
Reformwille und Stabilitätsbewusstsein wurden im Österreich der siebziger Jahre auf eine harte Probe gestellt. Die Phasen raschen Wachstums fanden in der spürbaren Rezession 1975 eine jähe Unterbrechung. Trotz einer Reihe begleitender Maßnahmen erreichten Anfang der siebziger Jahre die Zuflüsse ausländischer Mittel ein Ausmaß, das mit den binnenwirtschaftlichen Stabilitätsabsichten unvereinbar war. Die vorübergehenden Freigaben des Schillingkurses mündeten schließlich in einer Strategie, die eine unabhängige Kursgestaltung innerhalb der „Schlange“ ausgewählter europäischer Währungen anstrebte. Dabei orientierte sich die österreichische Währungspolitik an einem Korb von „Indikatorwährungen“.
Nach dem ersten Ölpreisschock und dem dabei entstandenen Wachstumseinbruch wollten die damaligen Entscheidungsträger einen Kurs des vielfältig abgestimmten Instrumenteneinsatzes steuern. Eine aktivseitige Kreditkontrolle, zurückhaltende Lohnsteigerungen, Angebots- und Nachfrageseitige fiskalische Stimulierungen und der Versuch, vorübergehend eine eigenständige Niedrigzinspolitik zu betreiben, waren diese Mittel dazu.
Dabei wurde immer deutlicher, dass dieses Regulations- und Interventionssystem den notwendigen Strukturwandel spürbar behinderte und so musste der Versuch, die Zinssätze in Österreich autonom niedrig zu halten, 1979 endgültig aufgegeben werden.
Wiederholt sich die Geschichte?
Manche politische Entwicklungen und Ideen erinnern mich aktuell im Jahr 2025 an das Wiederauferstehen dieser vernünftigerweise damals aufgegebenen Versuche zu starker staatlicher Intervention. Preisbremsen sind nur kurzfristig scheinbare Hilfen, einerseits dämpfen sie die Bereitschaft zu Investitionen, andererseits, wenn sie geöffnet werden (müssen), erfolgt dann eine Beschleunigung der Steigerung, die bei Fahrzeugen gewollt, in der Wirtschaft für die Konsumenten aber fatal ist.
Österreich nützt die Ostöffnung als Chance
Die Stärkung der ökonomischen Leistungskraft auf der Basis eines wettbewerbsorientierten Leistungsvergleiches rückte in den Vordergrund gesellschaftspolitischer Reformüberlegungen der achtziger Jahre. Ende der 1980er sah sich Österreich durch die Ostöffnung aus der Randlagesituation befreit und nahm diese Chance an und wurde in vielen Bereichen die Drehscheibe zur wachsenden Wirtschaft in den ehemaligen Ländern des Warschauer Paktes.
Auch wenn es schon damals nicht immer konfliktfrei war, bot sich eine neue Chance zu einem Dialog, in dem die Partner auch Interessensgegensätze offen aussprechen konnten, um einen produktiven Ansatz für ein neues gemeinsames Haus Europa zu finden, von dem sich manche leider heute wieder entfernen möchten.
Die Erfahrungen der siebziger Jahre legten der österreichischen Währungspolitik nahe, den Schillingkurs an der DM auszurichten. Durch diese „stille Integration“ in das große Währungsgebiet des EWS wurde der Strukturwandel der österreichischen Wirtschaft zusätzlich angeregt und anhaltende Produktivitätssteigerungen konnten die Position österreichischer Unternehmen damals nachhaltig sichern. Die Geld- und Währungspolitik war dabei darauf ausgerichtet, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen.
Die österreichische Wirtschaft nahm diese Herausforderung im Laufe der achtziger Jahre an. Jedoch war diese Entwicklung auch von einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit begleitet, deren Abbau zunächst nicht gelang. Erst in der zweiten Hälfte der 1990er beschleunigte sich das reale Wachstum wieder und die Konkurrenzfähigkeit nahm zu, was auch in der Vermeidung größerer Leistungsbilanzungleichgewichte zum Ausdruck kam.
Österreich wird Mitglied der EU und des EWS
Die neunziger Jahre standen dann auch im Zeichen der Integration Österreichs in die Europäische Gemeinschaft. 1995 wurde Österreich, neben Schweden und Finnland, neues Mitglied der Europäischen Union (EU). Im selben Jahr trat Österreich auch dem Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems (EWS) bei, dem sie ja faktisch durch die damalige Bindung an die D-Mark bis dahin schon folgte.
Australien und die Neue Welt ist das übergreifende Thema des heuer schon zum achten Mal stattfindenden Festivals La Gacilly in Baden bei Wien. Man kann nur hoffen, dass diese Veranstaltung, die Tausende Gäste in die Stadt bringt, nicht dem Sparstift zum Opfer fällt.
Es geht auf die Initiative von Lois Lammerhuber, einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen Österreichs, zurück, der dieses Festival von La Gacilly, wo es schon seit 2004 stattfindet, nach Baden bei Wien gebracht hat. Wir sind seit 2018 praktisch jedes Jahr dabei, um dieses größte Outdoor-Fotofestival Europas zu genießen.
Der Start ist beim Besucherzentrum am Brusattiplatz, von wo man in 2 Routen, einmal durch die Stadt und einmal durch die Parks auf rund 7 Kilometern die rund 1500 Fotografien auf sich wirken lassen kann. Wie fast jedes Jahr teilten wir dabei unsere Wanderung auf diese beide Routen an zwei Tagen auf. In meinem Blog habe ich davon bereits 2024 von der damaligen Ausstellung unter dem Titel „Welt.Natur.Erbe“ berichtet.
Das heurige Motto der Ausstellung lautet „Australien und die Neue Welt“ und präsentiert vom kleinen Bild mit rund 50×70 cm bis zum 200 m2 großen Plakat Werke von rund 35 Künstlerinnen und Künstlern. „Das Ziel des Festivals ist, die Besucher einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen“, wie die Homepage der Ausstellung ausführt.
Ich bringe hier nur einige wenige beinahe willkürlich ausgewählte Bilder, die neben der künstlerischen Qualität auch das Vorhaben zeigen, die Natur mit ihrer Schönheit, die aber vom Menschen gequält und zerstört wird, zu präsentieren.
Dabei sind einerseits die Parks und andererseits die Plätze und Bauten Badens die Kulisse für die Bilder, die im Jahr 2024 über 320.000 Menschen in das größte Outdoor-Fotofestival Europas ins Herz des Wienerwaldes gebracht hatte.
Sogar Ludwig van Beethoven, der in Baden große Teile seiner 9.Symphonie komponiert hat, sieht aus dem Hintergrund zu. Von der Ausstellung im Jahr 2024 unter dem Titel „Der Weg der Neunten von Baden in die Welt“ habe ich ebenfalls berichtet.
Der Bogen der faszinierenden und oft aufwühlenden Bilder spannt sich von Werken australischer Künstlerinnen und Künstler, die ihre Heimat im Mittelpunkt haben, über Papua Neuguinea bis in die USA, die südamerikanischen Andenstaaten und Benin in Afrika. Europa ist mit Fotos aus der Bretagne und zum Thema Essensverschwendung mit Österreich vertreten. Wie immer runden einige Sonderausstellungen zu verschiedenen österreichischen Themen dieses Festival ab. Auch die Schulen Niederösterreichs und der Bretagne leisten jedes Jahr ihren Beitrag.
Sojabohnenerte in ArgentinienGemüseanbau in HollandDas werfen zwei österreichische Personen innnerhalb 4 Wochen weg (das harmloseste Bild der Ausstellung!)
Hoffentlich geht es weiter
Die wie immer sehenswerte Schau kann noch bei freiem Eintritt bis 12. Oktober 2025 besichtigt werden. Laut Medienberichten ist das Festival auch noch für das Jahr 2026 abgesichert. Es steht zu hoffen, dass Baden einen Weg findet, diese nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region beinahe nicht mehr wegzudenkende Ausstellung auch weiterhin zu ermöglichen. Über 300.000 Besucherinnen und Besucher, die sonst wahrscheinlich nicht kommen würden, sprechen dafür.
Kunst soll und kann zwar nicht immer ökonomisch gemessen werden, aber wenn jeder und jede von ihnen nur 10 Euro in der Stadt lässt, sind das pro Jahr 3 Millionen Euro an Wertschöpfung. Damit wird jeder Euro der derzeit an Förderungen fließt verzehnfacht.
Das sollten sich Stadt, Land und Wirtschaft nicht entgehen lassen und mit kreativen Ideen dafür sorgen, dass nicht nur das Geld, sondern auch die Besucherinnen und Besucher die Stadt beleben und Baden ihrem Ruf als Kulturstadt weiterhin gerecht wird.
Die Bucklige Welt mit dem Motorrad zu erkunden kann jedes Mal zum Erlebnis werden. Wenn man von Anfang an kein bestimmtes Ziel hat, nimmt man irgendeine Straße südöstlich von Wr.Neustadt. In kürzester Zeit gibt’s Kurven zum Abwinken und eine wunderschöne Aussicht, der man sich auch widmen kann. Aber nur getrennt, beides gleichzeitig könnte schiefgehen.
Einige Stunden bei strahlend blauem September-Himmel wollen für eine Motorradrunde genutzt werden. Diesmal hatte ich mir den äußersten Süden Niederösterreichs mit einem kleinen Abstecher ins Burgenland vorgenommen.
Nordöstlich vorbei an Wr.Neustadt fuhr ich über Lichtenwörth ins benachbarte Burgenland nach Pöttsching und den Kurort Bad Sauerbrunn. Bald kam die Abzweigung nach Wiesen, das einerseits vielen Altersgenossinnen und Altersgenossen mit seinen legendären Festivals ein Begriff ist, andererseits im Sommer mit Marillen und Ananas-Erdbeeren aufmerksam macht.
Mich haben aber eher die Kurven von Forchtenstein zur hoch über dem Ort thronenden Burg angelockt, zu Festivals und Obstkauf fahre ich eher nicht mit dem Motorrad, obwohl das auch schon vorgekommen ist.
Nach ein paar Fotos ging es die Kurven durch den Wald weiter hinauf Richtung Rosalia, wo ich das tolle Wetter nutzte und die wenigen Meter einen Hohlweg hinauf zur Rosalienkapelle marschierte.
Die kleine Anstrengung wurde durch den Blick ins weite Burgenland entschädigt, auch wenn es etwas zu dunstig war, um am Horizont den Neusiedlersee zu erkennen. Auf der anderen Seite des Hügels konnte ich dafür im Hintergrund Schneeberg und Rax erblicken.
Einige Kilometer weiter, wieder in Niederösterreich, bei der Kreuzung mit der L148 Richtung Wr.Neustadt oder Hochwolkersdorf ist das „Tor der Buckligen Welt“, das den Blick ins Pittental mit der Südautobahn und dahinter ins Semmering- und Wechselgebiet erlaubt.
Ich nahm die Straße weiter in die Bucklige Welt hinein über Hochwolkersdorf und Bromberg in die Gemeinde Lichtenegg, die gleich mit zwei Attraktionen aufwartet, nämlich dem am Horizont erkennbaren Windrad von Lichtenegg mit einer derzeit leider geschlossenen Aussichtskanzel und der auf rund 850m gelegenen weit sichtbaren Wallfahrtskirche Maria Schnee.
Auf dem Weg hinunter nach Grimmenstein blickte die namensgebende Burg vom gegenüberliegenden Hang. Für mich war es aber Zeit für den Rückweg und so nahm ich die Diritissima auf der B54 nach Wr.Neustadt und zurück nach Enzesfeld.
„Ein Gebot der bitteren Not“ steht auf dem Notgeld aus Scheibbs. Die Nachwirkungen des ersten Weltkrieges waren noch zu spüren, es herrschte Mangel an allen Gütern, sogar am Metall für Münzen und dazu gab es eine Hyperinflation. Das veranlasste Gemeinden und Länder dazu, ein Notgeld aus Papier herauszugeben, um dem zumindest teilweise entgegenzuwirken.
Ausgabe von Papier-Notgeld zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Donaumonarchie war – als eine der vielen Auswirkungen dieser Ereignisse – auch der Mangel an Rohstoffen, insbesondere an Buntmetallen, drastisch spürbar geworden. Auf den Kirchtürmen fehlten die Glocken und in den Geldbörsen das Metallkleingeld.
Als Ersatz für das zur Mangelware gewordene Kleingeld wurden in Österreich im Jahr 1920, in manchen Orten bereits früher, Notgeldscheine ausgegeben, deren Nennwert meist 10, 20 und 50 Heller je Serie betrug. Gemeinden, Private und die Bundesländer gaben massenhaft Notgeld mit begrenzter Umlaufzeit aus.
Die ersten negativen Erscheinungen auf dem Gebiet des Geldwesens nach dem Ersten Weltkrieg waren die Inflation, der Ersatz der Gold- und Silbermünzen, dann auch der Kupfer- und Nickelmünzen durch eisernes und papierenes Notgeld. Dieses ungeheure Anschwellen sowohl des Notenumlaufes als auch der Staatsschulden bis zum völligen Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen führte zur Entwertung im Verhältnis 1:14.400. Das nimmt sich allerdings gegenüber der deutschen Katastrophe mit einer Abwertung von 1:1 Billion bescheiden aus, führte aber ebenfalls an die Grenzen der wirtschaftlichen Vernichtung.
Vor diesem Hintergrund erschienen gleich nach Kriegsende die ersten Notgeldausgaben, z.B. in Wiener Neustadt am 15.11.1918, Wien am 4.10.1919 (dem Bedarf entsprechend in hoher Auflage), Stockerau am 3.12. oder in der Marktgemeinde Haag am 20.12.1919. Der Anstoß dazu kam von Deutschland, wo Notgeld seit 1914 im Umlauf war und bald auch fleißig gesammelt wurde.
Nirgendwo deutlicher als in den bunten Kassenscheinen spiegelt sich die politische Szene des Jahres 1920. Der verlorene Krieg, der Untergang der Donaumonarchie, die neue Konstellation in Europa, sie haben die politischen Gefühle der Massen aufgewühlt, die Wirtschaftskrise tat noch das ihre hinzu, man suchte nach Sündenböcken und glaubte sie gefunden zu haben: in den Siegermächten, Generälen, Kriegsprofiteuren und den Juden. Antisemitismus und Großdeutschtum machten sich breit, der Anschlussgedanke beherrschte weite Kreise der Bevölkerung.
Auch das Land Niederösterreich, die Gemeinden Gaming, Gresten, Enzesfeld und Lindabrunn hatten ihre eigenen Notgeldausgaben. Einige davon befinden sich auch in meiner Sammlung, siehe Bilder.
Bis 1. Oktober 1921 war das Notgeld im Umlauf, dann verlor es seine Gültigkeit. Bereits vorher wurden durch die damalige Hyperinflation diese Kleinstbeträge nicht mehr benötigt.
Im Link mit dem Abdruck des Buches Notgeld in Niederösterreich von Hans Hagen Hottenroth können sie noch viele weitere Details nachlesen.
Mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland wurde nicht nur Österreich, sondern auch der Schilling für Jahre ausgelöscht. Die Währungsreform nach dem Krieg verlangte zwar starke Einschnitte von der Bevölkerung, war aber die Basis für jahrzehntelange Stabilität.
Der Anschluss 1938
In der Zeit des „Anschlusses“ an das Deutsche Reich von 1938 bis 1945 wurde der Schilling ungültig und von der Reichsmark abgelöst. 1938 wurden 1,5 Schilling in 1 Reichsmark umgetauscht. Dieser „politische“ Wechselkurs von 3 Schilling = 2 Reichsmark wurde von Hitler höchstpersönlich gegen den Rat der Reichsbank festgelegt. Er bedeutete eine Aufwertung des Schillings und erhöhte so die österreichischen Realeinkommen – bei gleichzeitiger Beschlagnahme des Gold- und Devisenschatzes der Österreichischen Nationalbank. Dadurch konnten die völlig erschöpften Devisenreserven des nationalsozialistischen Staates wieder aufgefüllt werden.
Das Kriegsende 1945
Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht Anfang Mai 1945 und der anschließenden Besetzung Österreichs strebte die Alliierte Kommission umgehend einen Ersatz der Reichsmark durch die frühere Schilling-Währung an. Bereits am 28. Juni 1945 konnten auch neue, von den Alliierten gedruckte Schilling-Briefmarken ausgegeben werden.
Die alliierte Militärbehörde gab im Jahr 1945 Banknoten zu 50 Groschen, 1, 2, 5, 10, 20, 25, 50, 100 und 1.000 Schilling in den westlichen Besatzungszonen (Frankreich, Großbritannien, USA) aus. Der 25-Schilling-Schein kursierte aber nur in der britischen Zone. In der sowjetischen Zone wurden drei andere Banknoten vorbereitet. Allerdings wurde nur eine Banknote, nämlich die 1 Reichsmark-Note auch tatsächlich ausgegeben.
Das „Schillinggesetz“ vom 30. November 1945 regelte dann den Rücktausch restlicher Reichsmarkbestände im Verhältnis 1:1 zum Jahresende (max. 150 RM pro Kopf), der Rest kam auf ein Sperrkonto.
Von der Österreichischen Nationalbank konnten alte Schilling-Druckplatten der letzten Vorkriegsserie für die Banknotenproduktion reaktiviert werden.
Die Währungsreform 1947
Nach einer Wirtschaftskrise wurde im Jahr 1947 der „alte Schilling“ im Verhältnis 3:1 in den neuen Schilling umgewandelt und der Alpendollar war wiedergeboren.
Am 10. Dezember begann die zweiwöchige Umtauschfrist der Währungsreform von 1947, bei der der Schilling auf ein Drittel des Wertes abgewertet wurde, während von den Sparguthaben ein Teil vom Staat abgeschöpft wurde, um den Wiederaufbau zu ermöglichen. Unter Vorweis seiner Lebensmittelbezugskarte konnte jeder 150 Schilling in 150 neue Schilling umtauschen, darüberhinausgehende eingelieferte Geldbeträge wurden entsprechend dem Währungsschutzgesetz vom 19. November 1947 im Verhältnis 3:1 getauscht, das sehr schmerzhaft für die Bevölkerung war, aber einerseits eine Währungskrise und Inflation wie 1921 verhindern sollte und andererseits um das vorhandene Schwarzgeld aus dem Markt zu bekommen. Diese Reform war auch die Bedingung, um Mittel aus dem Marshall-Plan zu erhalten. Nur die Sowjetunion erhielt für ihre Zustimmung in der alliierten Kommission einen Wechselkurs von 1:1,75.
Auch auf dem Sparbuch unseres Urgroßvaters bei der Raiffeisenkasse Gresten aus den Jahren 1946 bis 1949 findet sich am 10.August 1948 genau eine solche Abbuchung von 290 Schilling, 42% des Guthabens laut §9 WSCHG auf ein Sperrkonto. Nach heutiger Kaufkraft entspricht das rund 425 Euro! Der auf dem Sparbuch verbleibende Rest von 400 S war von einem auf den anderen Tag nur mehr 1/3 wert.
Auch unsere Mutter Juliane war davon bereits als zehnjähriges Kind betroffen. Als Kriegswaise erhielt sie eine kleine Hinterbliebenenrente, die zum Teil auf ein Sparbuch eingezahlt wurde. Nach der Währungsreform blieb gerade soviel, dass sie dafür einen „Wetterfleck“ bekam.
Mit der Völkerbundanleihe 1922 sollte der Rahmen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Österreichs ermöglicht werden. Die strikte Sparpolitik führte zwar zu einem stabilen Schilling und zur Rettung vor dem Staatsbankrott, aber die Bevölkerung wurde dadurch auch von der Weltwirtschaftskrise besonders hart getroffen.
Der Schilling oder auch Alpendollar entstand
Nach dem Ersten Weltkrieg führte die schlechte Wirtschaftslage zu einer steigenden Arbeitslosigkeit und die hohe Inflation zu Preiserhöhungen für Lebensmittel, Kohle, Kleidung und vielem mehr. Durch Staatskredite nahm die in Umlauf gebrachte Geldmenge in Österreich zu. Das führte zur bereits im letzten Blogeintrag beschriebenen Geldentwertung und machte eine neue Geldpolitik notwendig.
Stabilität bildete – nach den Erfahrungen der Hyperinflation und des Währungszusammenbruchs – das oberste Prinzip der österreichischen Wirtschaftspolitik.
Die Währungsreform 1924/25
Bundeskanzler Ignaz Seipel gelang es in den sogenannten Genfer Protokollen, mit den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei eine Völkerbundanleihe in der Höhe von 650 Millionen Goldkronen für eine – wenn auch an zahlreiche schmerzhafte Bedingungen geknüpfte – Sanierung auszuhandeln.
Die Einführung der Schillingwährung wurde zu einem äußeren Symbol der beginnenden wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes.
Der Schilling wurde geboren
Am 1. Jänner 1925 trat das Schillingrechnungsgesetz in Kraft und ab dem 1. März 1925 konnte die alte Krone im Verhältnis 10.000 zu 1 in den Schilling umgewechselt werden. Er entwickelte sich zu einer der stabilsten Währungen Europas und wurde bald im Volksmund als „Alpendollar“ bezeichnet.
Regierungsvorlage für die Einführung des Schillings. Entschließungen. 1000 Schilling Schein, 1 Schilling Münze, 10 Groschen Münze Copyright: Parlamentsdirektion/Michael Buchner Aufnahmedatum: 19.03.2025 Bild ID: 20154731
Zur Erreichung dieser Stabilität setzte man auf eine Verminderung umlaufender Geldmengen sowie auf eine strikte und weitreichende Sparpolitik (unter anderem eine Bedingung der Genfer Protokolle von 1922). Dabei kamen die Investitionen zu kurz und immer mehr Menschen waren von Arbeitslosigkeit betroffen. Der leichte Aufschwung war aber nur kurz. So wurde die österreichische Bevölkerung von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 besonders hart getroffen.
Ab 1930 schnellte die Arbeitslosigkeit von 10% auf 23% hoch und 1933 war jeder dritte ohne Arbeit. Diese Massenarbeitslosigkeit führte zu Radikalisierung und Resignation, die auch den Boden für Bürgerkrieg und für den autoritären Ständestaat ebnete. Protektionismus sollte die Wirtschaft retten und die Arbeitslosigkeit senken, was aber nur sehr mäßig gelang, sie lag aber 1937 noch immer bei 22%.
Leider macht sich aktuell im Jahr 2025 in vielen Ländern der Protektionismus ebenfalls wieder breit, sei es durch Zollschranken oder rasch geschlossene bilaterale Abkommen. Das hat leider schon in den 1930ern nicht funktioniert und so werden auch heute damit eher Wachtumshemmnisse aufgebaut, was sich wieder negativ auf den Arbeitsmarkt auswirkt.
Der Schilling hatte zwar das Geldwesen in Österreich stabilisiert, konnte aber die wirtschaftlichen Probleme nicht lösen. Ein Monat nach dem Anschluß an Nazi-Deutschland März 1938 war auch der Schilling vorerst Geschichte.