Die Albertina war vor Klaus Albrecht Schröder eine altehrwürdige Sammlung von Druckgrafiken, die zum Großteil aus dem Besitz von Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen stammt. Das sicher berühmteste Bild daraus ist der sogenannte „Dürer-Hase“, den wahrscheinlich jedes Kind vom Zeichenblock kennt und der mich immer schon fasziniert hat. 2019 wurde er zum letzten Mal ausgestellt, ich habe ihn damals natürlich gesehen.
Die Sammlung Batliner
Eine weitere Anziehungskraft hat für mich die Sammlung Batliner, die seit 2007 als Dauerleihgabe Werke des Impressionismus und dem Postimpressionismus von Monet, Renoir und Cézanne bis zum Deutschen Expressionismus u.a. von Kokoschka und Böckl und als Draufgabe noch Bilder von Picasso zeigt. Ich sehe sie mir immer wieder einmal an, diesmal habe ich sie ausgelassen, weil mir sonst die Zeit für die anderen Ausstellungen gefehlt hätte.
Die finale Ausstellung von Klaus Albrecht Schröder nach 25 Jahren als Direktor der Albertina widmet sich dem Werk Marc Chagalls, der aus einer jüdisch-orthodoxen Arbeiterfamilie aus Witebsk stammt (damals im russischen Zarenreich, heute in Belarus), wo Chagall in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.
Die Bilder Chagalls zeigen die Umwälzungen in seinem Leben, von der Periode in Paris über die Zeit in der Heimat während der russischen Revolution und wieder in Paris, von wo er 1941 nach Amerika fliehen muss. Sie erzählen immer wieder auch Teile der Geschichte der osteuropäischen Juden, vom Leben im Schtedtl und seines eigenen damit untrennbar verbundenen seelischen Zustandes. Ab 1948 lebte Chagall in Südfrankreich und starb dort 1985 mit 97 Jahren.
Ich zeige euch hier nur ein paar Bilder aus den rund 100 ausgestellten Werken der verschiedensten Schaffensperioden, um Appetit auf die Ausstellung zu machen, die noch bis 9.Februar 2025 zu sehen ist.
Robert Longo
Die Präsentation der Bilder von Robert Longo (geboren 1953 in Brooklyn) genauso wie der von Gottfried Helnwein im letzten Jahr passen aus meiner Sicht ganz perfekt in die Tradition der Grafischen Sammlung Albertina.
Als ich im Untergeschoss ankomme, bin ich gleich vom ersten Werk überwältigt. Dieser Photorealismus in Schwarzweiß zieht nicht nur mich, sondern den Großteil der Menschen in der Ausstellung in ihren Bann. Auf den ersten Blick glaubt man ein Photo vor sich zu haben, auf den zweiten Blick denkt man an eine perfekte Kopie eines Photos und erst am dritten Blick erkennt man die Transformierung in eine überdimensionale Kohlezeichnung, wo das eigentliche Motiv des Bildes etwas ganz anderes ist als das auf den ersten Blick sichtbare.
„Die spannenden Licht- und Schatteneffekte der Zeichnungen betonen die Plastizität der Dinge und die Tiefe des Raumes. Sie lassen das Motiv ebenso real wie unwirklich erscheinen. Das satte Schwarz der in das Papier eingeriebenen Kohle verschlingt jegliches Licht.“ So beschreibt es der erklärende Text auf der Albertina-Homepage. Ich füge dem nichts mehr hinzu und lasse einige Bilder für sich sprechen, den Rest muss man gesehen haben und das geht noch bis 26.Jänner 2025.
Adrian Ghenie
Genauso ambivalent, wie ich vor den originalen Bildern Egon Schieles stehe, blicke ich in der Ausstellung im Erdgeschoß auf die Bilder von Adrian Ghenie.
Er beschäftigt sich mit Schieles verlorenen Werken, von denen es nur Schwarz-Weiß-Fotografien gibt. Adrian Ghenies eindringliche künstlerische Fähigkeit bringt diese verschollenen Kunstwerke in einer zumindest für mich eher verstörenden Art zurück. Die Figuren erinnern eher an Aliens, als an Menschen und versuchen so, die expressiven Empfindungen Schieles herauszuarbeiten.
Andrian Ghenie, 1977 in Rumänien Baia geboren und heute in Berlin lebend, erkundet Schieles expressive Empfindungen in seinem hier gezeigten Zyklus „Schattenbilder“ weniger in stilistischer Hinsicht, sondern in jener der inneren „Haltung“, wie der Künstler es ausdrückt.
Die eigenen Erkundungen der Ausstellung dazu sind noch bis 2.März 2025 möglich.
Heute, am ersten Montag meines neuen Pensionsjahres, möchte ich gerne meine Erfahrungen und Erfolge mit euch teilen. Interessanterweise fällt mit kein Misserfolg ein, als einzig Negatives habe ich die für mein Gefühl recht häufigen Arztbesuche in Erinnerung. Aber auch hier gibt es für mich Positives, weil jetzt mein Hüftproblem bald gelöst sein sollte.
Zum Pensionsantritt
Ich dachte mir, daß ich keine Abschiedsparty mache, sondern mich mit einem Heurigenumtrunk bei einigen Kolleginnen und Kollegen, die mich lange begleitet haben oder mit denen ich in letzter Zeit nahe zusammengearbeitet habe, an meinem ersten Pensionstag am 1. Dezember bedanke und so in die neue „Freiheit“ starte. So konnte ich mich von so manchen ehemaligen und aktuellen Managern und sowohl langjährigen als auch ganz jungen Kolleginnen und Kollegen verabschieden. Das gemeinsame Abschiedsgeschenk, ein Gutschein für einen Sturzhelm hat mich sehr gefreut und mich schon viele Kilometer und Stunden sicher begleitet.
Körperlich aktiv sein und werden
Hier muß ich vorausschicken, daß ich mein Leben lang ein Antisportler war. Die Basis dazu liegt schon in meiner Kindheit, wo ich aufgrund einer Gelenksentzündung immer Schmerzen bei sportlicher Betätigung hatte. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an Turnstunden im Gymnasium, wo das nicht anerkannt wurde und ich immer wieder froh war, wenn ich vom Turnen befreit war. Die richtige Bewegung wäre da schon wichtig gewesen, nur wurde mir die Freude daran leider schmerzhaft „ausgetrieben“.
Jetzt habe ich wieder gesundheitliche Gründe, mich zu bewegen. Mein Hüftgelenk schmerzt immer mehr und mein im Mai 2023 eingeklemmter Ischiasnerv mit Ausstrahlung im linken Bein beschäftigt mich auch nach meiner Kur im November 2023 noch immer. Bei dieser Kur in Bad Eisenkappel habe ich das Ergometer zum ersten Mal positiv erlebt und auch spät aber doch verstanden, daß es einfach notwendig ist, mehr regelmäßige Bewegung ins tägliche Leben zu integrieren.
Daher gehe ich seit dem 3.Dezember 2023, dem ersten Montag meiner Pension, wann immer möglich, dreimal in der Woche im Fitnessstudio. Aus einem fünfmonatigen Schnuppern wurden in der Zwischenzeit trotz rund 10 Wochen Abwesenheit 108 Besuche (das habe nicht ich, sondern der Zähler beim Zirkeltraining protokolliert) mit einer fixen Jahreskarte zum Pensionistenpreis. Kleine Erfolge stellen sich ein, so habe ich am Ergometer mit einer Distanz von rund 6,5 Kilometern in 20 Minuten begonnen und mittlerweile erreiche ich mit der gleichen Intensitätseinstellung meist mehr als 9 km in 22 Minuten.
Vorbild mit 91 Jahren
Eigentlich habe und hatte ich keine Vorbilder, aber hier schon. Ich treffe regelmäßig unseren 91-jährigen Senior-Feuerwehrhauptmann beim Ergometer, der hier seine Übung macht. Das habe ich mir auch zum Ziel gesetzt und werde dann davon berichten. Wer von euch neugierig ist, wie es mir bis dahin ergangen ist, setzt sich im Kalender einen Reminder im Dezember 2052.
Ich messe mich generell nicht gerne mit anderen, daher ist für mich auch das Zirkeltraining mit den auf meine Leistungsfähigkeit eingestellten Geräten optimal, die ich ganz einfach selbst elektronisch nachjustieren kann und so im Prinzip nur gegen mich selbst kämpfe.
Jetzt kann ich fast nicht aus meiner Projektmanagement-Vergangenheit heraus und möchte eine Tabelle mit den KPIs (*1) einbauen, ich lasse es aber und bleibe bei der Prosa.
Beim Start im Dezember 2023 habe ich dabei, um eine statistische Größe zu nennen, 4300 kg zu heben begonnen und jetzt überschreite ich meistens 8000 kg. Insgesamt habe ich in diesem Jahr 699046 kg im Zirkeltraining gehoben und 904,1 km virtuell auf dem Ergometer zurückgelegt.
Es ist nicht immer so leer, aber da nicht alle gerne fotografiert werden wollen…
Das E-Bike ist nicht nur ein sportliches Fortbewegungsmittel
Leider habe ich nur rund 1200 km am Fahrrad geschafft, obwohl ich neben unseren Fahrradurlauben in der Südsteiermark und im Salzkammergut doch recht oft in der näheren Umgebung unterwegs war und bin. Ich muß das Fahrrad aber noch mehr ins Alltagsleben integrieren.
Das Radfahren ist aber keineswegs Pflicht zur Bewegung, sondern für uns speziell mit dem E-Bike auch Spaß und Freude, weil wir mit dem gleichen körperlichen Einsatz wie ohne elektrische Unterstützung schneller weiterkommen und in Gegenden kommen, die sonst für uns mit dem Bike nicht möglich wären.
Natürlich gibt es viele, die weit mehr als ich machen, aber mit meiner Ausgangsbasis bin ich mit mir selbst zumindest halbwegs zufrieden.
Spaß mit meinen Motorradausfahrten
Die Geschichte mit meinen Motorrädern werde ich noch in einem eigenen Blogartikel erzählen, das würde diesen Eintrag sprengen. Die Vorfreude mit dem Pensionsantritt war sehr groß und so ist es mir gelungen, trotz recht vieler anderer Aktivitäten fast exakt 8000 km am Motorrad mit Fahrten über die Deutsche Alpenstraße in den Schwarzwald, die Dolomiten und in die Schweiz und leider gar nicht so vielen Tagesausfahrten in Österreich zu verbringen.
Meine Frau Evi muss noch einige Jahre arbeiten, daher finde ich es wichtig, möglichst viel der gemeinsamen Freizeit miteinander zu verbringen. Um das möglich zumachen, habe ich begonnen mich im Haushalt mehr einzubringen und ihr ein paar Arbeiten abzunehmen, die sie während meiner Vollzeitarbeit und beruflichen Abwesenheit alleine machen mußte, sei das der wöchentliche Einkauf oder Staubsaugen. So haben wir zumindest an den Abenden und Wochenenden mehr gemeinsame Freizeit.
Urlaube und verlängerte Wochenenden gab es ja früher auch, im letzten Jahr hatten sie aber für mich eine etwas andere Qualität bekommen, weil sie ja zumindest für mich nicht mehr primär der Erholung dienen mussten. Von manchen habe ich auch in meinem Blog erzählt.
Die Wochenenden mit den Enkelsöhnen sind immer Spaß und Freude mit vielen gemeinsamen Erlebnissen von gemeinsamen Spielen über den Fahrradparcours im Nachbarort und Museumsbesuchen bis zum Kürbisschnitzen und nicht zu vergessen die Edelsteinsuche beim Wochenurlaub in einem Kinderhotel in Donnersbachwald. Auch wenn wir die Enkelkinder immer wieder gerne zurückgeben, genießen wir trotzdem jede Sekunde mit den dreien.
Ausserdem gab es einige wunderschöne Familienfeiern und Besuche, die ich auch sehr genossen habe.
My home is my castle
Die erste Aufgabe, die ich mir vorgenommen habe, war der Umbau meines Bastelkellers. Zuerst war es „nur“ das Verlegen eines neuen Bodens, dadurch war es notwendig, alles auszuräumen und bei der Gelegenheit gleich aus- und umzusortieren. Der zumindest für mich (etwas weniger für meine Frau) nächste Schritt war der Bau eines neuen Arbeitstisches, der mein 20jähriges Provisorium ersetzen sollte. Da ich relativ viel Holz aus anderen Projekten oder demontieren Möbeln in meiner Sammlung hatte, musste ich außer den Vinylfliesen für die Arbeitsfläche praktisch nichts kaufen. Eine ebenfalls aus Resten gebaute fahrbare Holzkiste für die kleineren Reste, die unter den Tisch passt, erhöhte die Ordnung gewaltig. Ein selbstgebauter Zyklonsauger mit einem rund 50l Staubbehälter aus einem Blechbehälter ergänzt das.
Das rief natürlich nach weiteren Maßnahmen und so beschloss ich, ein sogenanntes French Cleat System zu bauen. Das ist ein Ordnungssystem auf hölzernen abgeschrägten Wandschienen, an denen maßgebastelte Halterungen für Werkzeuge, Geräte und diverse Materialien aufgehängt und so flexibel immer wieder neu plaziert werden können. Hier habe ich immer wieder Ideen zur Ergänzung, zum Beispiel einem selbst gebauten Frästisch mit Absaugung, weil bisher konnte ich wegen der Staubentwicklung Fräsarbeiten nur unter dem Carport durchführen, was recht aufwendig war.
Erledigte Aufgaben im Haushalt verlängern die gemeinsame Freizeit
Wie schon erwähnt, finde ich es wichtig, auch einige Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, um damit nicht die gemeinsame Zeit zu belasten. So gehört der Wocheneinkauf schon seit der Altersteilzeit zu meinen Aufgaben, genauso wie Staubsaugen und Putzen. Ein besonderer Punkt dabei ist, daß die Partnerin oder der Partner die Arbeitsweise des jeweils anderen grundsätzlich akzeptiert, sonst sind permanente Konflikte vorprogrammiert. Wir sind aber auch bei den meisten Themen einig und führen keine Grundsatzdiskussionen. Meine Frau kennt mich aber nach mehr als 20 Jahren sehr gut und weiß auch genau, daß ich ihr die Aufgaben sehr schnell überlassen würde, wenn sie hinterher arbeiten oder regelmäßig kritisieren würde.
Kochen macht Spaß
Das Kochen macht mir schon seit meiner Jugend Spaß und daher gehört auch das während der Woche zu meinen Tätigkeiten, an den Wochenenden gehört das zur gemeinsamen Quality Time. Meine Frau ist auch happy, wenn sie speziell an ihren Homeoffice-Tagen ein frisch gekochtes Mittagsmenü bekommt. Strudel, Kuchen und Kekse zu backen habe ich ebenfalls begonnen und bin dabei mit meinen Ergebnissen halbwegs zufrieden, aber hier ist trotzdem noch einige Luft nach oben.
Früchte verarbeiten
Marmelade und Sirup einzukochen gehört schon jahrelang zu meinen Hobbys, jetzt bin ich aber nicht mehr gezwungen, es sehr früh oder sehr spät oder am Wochenende zu machen. Die Ausbeute im letzten Jahr sind ca. 80 Gläser Marmelade aus den verschiedensten Früchten von der klassischen Erdbeere bis zu Ananas, Feigen oder Mango in den diversesten Kombinationen. Weiters noch 8 Flaschen Ingwer-Zitronen Shot für mich (die mag sonst niemand in der Familie) und rund 20 Flaschen Hollerblüten- und Kräutersaft. Darüber freuen sich auch unsere Töchter und Enkelsöhne.
Aus dem Hochbeet-Garten
Unsere beiden kleinen Hochbeete waren auch sehr ergiebig und so entstanden neben den frisch verarbeiteten oder sofort gegessenen Paradeisern noch 10 Tiefkühl-Portionen Paradeisersauce, einige Flaschen Tomatensaft und 8 Gläser Gurkensalat, und rund 10 Portionen tiefgekühlter Blattspinat. Die Fisolen waren heuer nicht so ergiebig und so ergaben sich neben den laufend verkochten Bohnen nur wenige Tiefkühl-Portionen daraus.
Spinat, Knoblauch und Frühlingszwiebeln sind die Wintersaat in den Hochbeeten, sie werden Ende Oktober, Anfang November gesät bzw. gesteckt und beim Spinat ab Februar/März laufend geerntet bzw. vor der Neuauspflanzung tiefgekühlt. Die Knoblauchernte war so gut, daß erst jetzt die letzte Knoblauchknolle verarbeitet wurde. Und das ganze auf weniger als 2 Quadratmetern!
Wie man sieht, ist jetzt, Ende November, schon einiges von Spinat, Frühlingszwiebeln und Knoblauch aufgegangen.
Geistige Fitness und Mitteilungsbedürfnis
Zu meinem Blog http://www.newretieredontheblog.com möchte ich hier gar nicht so viel sagen, nur soviel: in den letzten 8 Monaten sind mehr als 50 Beiträge entstanden. Dabei haben mich die 5100 Zugriffe von fast 2200 Besuchern doch sehr überrascht, obwohl ich fast keine Werbung mache und meine Artikel auch nicht wirklich Suchmaschinen (SEO)-optimiert sind. Die Anzahl der Abos ist aber noch recht überschaubar, daher freue ich mich, wenn meine treuen Leserinnen und Leser das eine oder andere Abo hier anfordern, ist eh formlos kündbar.
Bücher finde ich besser als Kindle
Leider habe ich in diesem Jahr nur zwei Bücher gelesen, wenn man Querlesen und Recherche nicht dazuzählt. Dabei habe ich in den letzten Jahren den Inhalt meiner Bibliothek in Hinblick auf die Pension erweitert (ja, mir ist die Haptik eines Buches sehr wichtig und der Kindle kommt beim mir gerade noch im Urlaub am Strand zum Einsatz) und geplant an die Leseleidenschaft meiner Jugend anzuschließen. Aber man braucht ja noch weitere Ziele. Dafür habe ich aber abseits meiner neu gewonnenen Blogger-Leidenschaft trotzdem zu viel Zeit in den sozialen Medien verbracht.
Kein Anzug mehr!
Als Consulter war es jahrelang ein Muß, Anzug und Krawatte zu tragen und bei den meisten Kunden einen Level besser angezogen zu sein. Das galt selbst für das Firmen-Office, wo nur der Freitag casual, sprich ohne Krawatte war. Später wurde es insofern gelockert, daß am Freitag auch Jeans akzeptiert wurden. Erst mit und nach Corona lockerte sich das neben vielen anderen festgefahrenen Prozessen und auf einmal trugen selbst die Herren im Topmanagement meist keine Krawatte. Der Anzug blieb aber weiterhin DAS Kleidungsstück. Jetzt habe ich einen Kasten voll mit Anzügen, habe aber im ganzen Jahr außer bei einigen leider unvermeidlichen Begräbnissen keinen Anzug mehr getragen. Nachdem ich ein Jahr gewartet habe, werde ich demnächst ausmustern und die Anzahl drastisch verringern. Wieder ein Symbol für mein Arbeitsleben weniger!
Back to the Roots
Kienberger-Treffen
Es ist mittlerweile schon Tradition, daß sich die näher und weiter weg lebenden ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner eines kleinen Ortsteiles meines Heimatortes, der im Jahr 2007 abgerissen wurde, alle 2 Jahre treffen. Aus dem ersten Treffen einiger weniger ist die Zusammenkunft von fast 100 Menschen geworden, die sich teilweise schon aus den Augen verloren hatten, von der Kindergartentante über den Briefträger, bis zu Arbeitskollegen der Eltern und Schulfreunden, die man sonst nicht so einfach treffen würde.
Diese Häuser, ehemalige Arbeiterwohnungen der ortsansässigen Fabrik wurden abgerissen und die wenigen noch verbliebenen Bewohner übersiedelten in andere Teile der Gemeinde.
Maturatreffen
Erst im Oktober fand mein 45-jähriges Maturatreffen statt, nach 5 Jahren haben sich wieder viele Absolventen der beiden Abschlußklassen des BG/BRG Wieselburg, diesmal in Ybbs getroffen. Dass wir alle älter werden, zeigt auch, daß diesmal keine Professorinnen oder Professoren mehr vorbeikommen konnten. Schön wars aber trotzdem.
Die Bezirkswahlbehörde
In diesem Jahr gab es in Österreich 2 Wahlen (Europa und Nationalrat), wo ich als Mitglied der Bezirkswahlbehörde dafür sorgte, daß alle Wahlergebnisse korrekt und zeitgerecht ausgezählt werden. Ein Teil davon wird noch von uns ausgezählt, bevor das finale Endergebnis an die Landeswahlbehörde weitergegen wird. Der zeitliche Aufwand pro Wahlereignis für die konstituierende Sitzung, eine Schulung, eine vorbereitende Sitzung am Freitag vor der Wahl, einer am Wahltag und dem Abschluss am Tag nach der Wahl beträgt auch rund 15 Stunden. Details dazu könnt ihr in meinem Blog dazu nachlesen:
Ich frage mich scherzhaft immer wieder, wie ich eigentlich Zeit hatte zu arbeiten. Ich bereue keine Minute, etwas früher die Pension in Anspruch genommen zu haben und vermisse nichts.
Mein letzter Tag im Kurs, um 17 Uhr habe ich mich von meinen Kollegen verabschiedet, es waren, denke ich, für alle interessante 2 Wochen. Auch wenn die Prozesse an sich für mich ganz klar sind, habe ich trotzdem sehr viel gelernt, auf der einen Seite von SAP SD auf der anderen Seite über Indien und seine Menschen. Natürlich bin ich wieder mit dem 3-Rad-Taxi zum Hotel gefahren.
Dann aber war noch ein sehr erlebnisreicher Abend, ich habe meinen Anzug geholt, der ist wirklich ganz toll, dann war ich noch in einem Shoppingcenter und habe noch ein paar Hemden und Krawatten gekauft.
Im Hotel wurde ich dann eingeladen, kurz eine hinduistische Verlobungsfeier zu besuchen. Der Onkel des Bräutigams hat mir erklärt, dass sich die beiden heute das erste Mal gesehen haben. Es war ganz feierlich, beide haben eigentlich recht zufrieden ausgesehen, waren auch beide hübsch. Danach aber gehen alle nach Hause und morgen feiern sie Hochzeit.
Zum Abschluss war ich noch in einem Restaurant in der Nähe, bin aber mit dem Rikschataxi hingefahren. Ich hätte auch laufen können, war aber schon zu faul dafür. Und dort habe ich nochmals die Stimmung mit Lärmen und Hupen auf der Dachterrasse genossen. Eine hinduistische Prozession ist auch vorbeigezogen mit Trommeln und Blasinstrumenten, die sind noch lauter als alle Hupen zusammen.
Die Gewürze habe ich ebenfalls kontrolliert, sie sind alle original verschlossen, Curry und noch ein paar andere Sachen, SEHR vorsichtig zu dosieren!
Morgen habe ich bis 16 Uhr Zeit, da werde ich mit einem Hotelauto in die Filmstadt hinausfahren und mir ansehen, wo die Bollywoodfilme gedreht werden. Da geht es schon nach 8 Uhr los, weil die Fahrt hin dauert ca 1 ½ Stunden.
Heute sind wir von unserem Kursleiter gelobt worden, er meinte wir wären diese Woche schon einen Tag weiter als geplant, wir haben Zeit genug, alles zu vertiefen. Unser Niveau sei zwar recht hoch, er wolle uns aber trotzdem nicht frustrieren, daher gibt es noch keinen Test, er traut uns momentan 65-69% zu, das ist natürlich zuwenig, aber zu diesem Zeitpunkt noch kein Problem. Er gibt uns aber sein Set von gesammelten Prüfungsfragen, die einer der Kollegen im Copyshop für alle kopieren lässt, rund 250 Kopien für 120 Rp., das sind etwas mehr als 2 Euro. Ich werde mir die heute im Hotel sicher NICHT ansehen. Mein Kollege und ich beschließen um ½ 6 Schluss zu machen, er nimmt mich wieder auf dem Moped mit zum Hotel, das macht Spaß!
Ich bin noch auf der Suche nach Gewürzen, daher schnell wieder raus auf die Straße, um etwas zu finden. Ich komme an einem Stoff- und Anzuggeschäft vorbei und beschließe, einmal zu fragen, was ein Maßanzug kostet und ob es sich bis Samstag überhaupt ausgehen würde. Es geht sich sogar bis Freitag abends aus, ich suche mir aus der Riesenauswahl einen edlen dunkelblauen Stoff aus. So kommt der Anzug dann auf umgerechnet gute 100 Euro. Der Schneidermeister kommt in der Zwischenzeit und nimmt Maß. Ich muss den Stoff gleich bezahlen, die Arbeit erst nach Lieferung, bin schon richtig gespannt drauf.
Auf dem Weg zurück zum Hotel suche ich nochmals einen Bananenhändler, leider sind schon alle weg, kann also erst morgen wieder welche kaufen.
Hunger hab ich keinen, daher fällt das Abendessen aus, ich beschließe aber später noch in die Hotelbar zu gehen und einmal ein Bier zu probieren. Ich nehme mir ein Kingfisher, da sieht die Flasche etwas größer aus. Es ist sehr kalt, fast wie alkoholfrei und ohne viel Geschmack, wenn es nicht eiskalt wäre, könnte man es nicht trinken, da reicht mir eines. Ich frage trotzdem den Kellner, ob ich mir die Flasche für meine Sammlung mitnehmen kann. Da lese ich dann, daß das ein Leichtbier mit weniger als 5% Alkohol ist, da ist mir alles klar.
Nach fast einem Jahr in Pension schadet es nicht, sich wieder an lang geübte Praktiken aus dem Beruf zu erinnern. Im Projektmanagement hieß eine davon „Lessons learned“. Das ist das Sammeln und Aufarbeiten von Erfahrungen und Ereignissen während eines Projektes um daraus Schlüsse zu ziehen und sie bei zukünftigen Projekten miteinzubeziehen. Ich weiß natürlich aus jahrelanger Erfahrung, daß die Erkenntnis das eine ist und die Umsetzung in der Zukunft das andere, aber man kann ja auch in der Pension eventuell noch klüger werden.
Als Ruhestand möchte ich meine Pension bewusst aber auch nicht bezeichnen, weil ich zwar meine beruflichen Verpflichtungen erfüllt habe, aber es nie mein Ziel war, mich nur auszuruhen. Am wichtigsten war und ist für mich, daß ich endlich (fast) nicht mehr fremdbestimmt bin. Zu diesem Thema gibt es sicher bald einen extra Blog.
Unruhestand ist für mich aber auch nicht die richtige Bezeichnung, da das für mich zu suchen und etwas hinterherzulaufen bedeutet, ohne sich selbst gefunden zu haben. Genau das aber sollte man bis zum Pensionsantritt schon erreicht haben, indem man versucht, sich selbst nicht nur über den Beruf zu definieren, sondern, falls man das noch nicht gemacht hat, herauszufinden, welche Interessen man haben könnte und welche Aktivitäten Spaß machen würden.
Wir Pensionisten wissen zu diesem Zeitpunkt ja alle, daß die Zeit vor uns auf jeden Fall kürzer sein wird, als die bereits erlebte. Darum ist es wichtig, in Zufriedenheit und Ausgeglichenheit diese Zeit bewußt zu leben. Mir ist schon klar, daß nicht alle von uns gesundheitlich und materiell halbwegs sorgenlos sind, aber auch hier ist der Blick auf das halbvolle Glas besser als auf das halbleere.
Es klingt banal, aber es ist wirklich so. Mit jedem Lebensjahr werden andere Dinge wichtiger. Es sind immer weniger die materiellen Dinge, sondern mehr der Augenblick, die gemeinsame Zeit mit den Menschen, die mir nahestehen, ein Theaterbesuch oder ein schönes Erlebnis in der Natur, die das Leben schön machen.
Auch darum habe ich für mich beschlossen, praktisch ohne Stress zu leben, obwohl die Tage mehr ausgefüllt sind, als ich dachte, aber trotzdem selten Zeitdruck dabei ist. Dabei nehme ich so wenig wie möglich Verpflichtungen von aussen an, da genau das Stress für mich bedeutet. Trotzdem erlaube ich mir Spontanität und kurzfristige Entscheidungen und einige, aber gar nicht so viele Faulenzertage sind auch dabei.
Ein bisschen umgehört habe ich mich auch, schon vor dem Zeitpunkt des Pensionsantritts, aber auch seither, wie das von anderen in meinem Alter gesehen wird. Die meisten von uns arbeiten ja gerne, egal in welchem Beruf, aber ab einem gewissen Alter mögen viele die Begleitmusik dazu immer weniger. Seien es die körperlichen Beschwerden, die jedes Jahr mehr werden oder auch der emotionale oder zeitliche Druck, der immer schwerer weggesteckt wird, sie machen es immer schwieriger ab einem bestimmten Zeitpunkt so zu arbeiten wie 10 Jahre vorher. Die Erholungsphasen am Wochenende werden ebenfalls immer länger, manchmal wird das Wochenende für den einen oder die andere von uns dazu auch zu kurz.
Sicher, wir Menschen zumindest in der westlichen Welt werden immer älter, was rein rechnerisch und sachlich ein höheres Pensionsantrittsalter rechtfertigt. Dabei nimmt einerseits die Altersarbeitslosigkeit zu und andererseits ist die aktuelle Arbeitswelt nicht dafür geeignet, einerseits möglichst gesund bis zur Pension durchzukommen und andererseits die Leistung älterer Mitarbeiter oder Kollegen entsprechend zu respektieren. Unser aller Ziel muß es aber sein, ohne größere Beschwerden möglichst lange das Älterwerden zu ermöglichen.
Dazu war die Altersteilzeit ein guter Einstieg, sich einerseits mit der neuen Situation eines nicht mehr so strukturierten Lebens und andererseits mit der neu gewonnenen Unabhängigkeit zu beschäftigen und sich daran zu gewöhnen.
So bin ich froh, bereits den Schritt in die Korridorpension gemacht zu haben und das erste Jahr schon (zum Zeitpunkt des Blogs fast) genossen zu haben. Was da alles so passiert ist, konntet ihr ja bei einigen Dingen mitlesen, wer es noch nicht getan hat, hat aber noch immer die Chance dazu! Ein etwas detaillierteres Resümee mache ich in meinem nächsten Blog. Vielleicht kann ich mit meinen Erfahrungen, den am Anfang genannten „Lessons learned“, dem einen oder der anderen zumindest einen Denkanstoß für den Einstieg in die Pension geben.
Übrigens habe ich zufällig mit einem Freund darüber gesprochen, daß ich praktisch nie nach dem Biken bei einem unserer Heurigen vorbeikomme, wie ich mir das eigentlich vor dem Pensionsantritt vorgestellt hatte. Er meinte, da hast du etwas zu lernen: du musst nächstes Jahr deine Routen anders legen! 🙂 Mit einem Erkenntnisgewinn in dieser Richtung habe ich aber am wenigsten gerechnet!
Links
Hier kommt noch ein Link zu einigen Gedabken von Melinda Gates zum Älterwerden:
Von gestern gibts nicht viel zu berichten, der Tag war lang im Kurs und anstrengend, Ich bin wieder mit meinem Kollegen am Moped heim, hab mir im Restaurant eine Spezialität von Hyderabad gegönnt, dann schlecht geschlafen und immer wieder wach geworden, bis um ungefähr 3 Uhr früh dis SMS von Evi gekommen ist, dass sie gut zuhause angekommen ist. Entsprechend müde war ich dann heute früh.
Heute war der Kurs richtig interessant, Customizing von Business transactions und Partner transactions. Ich bin ganz gut vorangekommen und mit meinen Übungen fast fertig. So beschließe ich Schluss zu machen, vielleicht kann ich noch was anderes unternehmen. Ach ja, hätte ich fast vergessen, ich hab heute meine Kamera eingeschmuggelt und konnte so alle meine Kollegen und unseren Kursleiter fotografieren. Das Hinausschmuggeln ist genauso wieder gut gegangen, ich habe fast ein schlechtes Gewissen, weil die beiden netten Wächter, ein Mann und eine Frau, mir schon vertrauen und nur sehr oberflächlich proforma kontrollieren, bei Anderen sind sie viel genauer.
Die Taxis streiken nicht mehr, ich habe innerhalb von ein paar Minuten einen 3-Wheeler, der mich zum Hotel bringt. Es ist nicht viel Verkehr, so sind wir recht rasch da. Vor dem Hotel steht ein Händler mit Bananen, ich kaufe 3 Stück, von der großen Traube (oder Dolde?) herunter geschnitten, meine ersten frischen Bananen.
Schnell meine Unterlagen loswerden und Hände waschen, dann wieder hinaus, einen 3-Wheeler anhalten und wieder zurück Richtung Hussain Sagar. Jetzt zahle ich 60 Rp, vorher habe ich 80 gezahlt für fast die gleiche Strecke, aber gar so übertreibe ich es auch nicht beim Handeln. Als ich dort beim Vergnügungspark Lumbini ankomme, wo auch die Boote anlegen sollen, sehe ich, dass in einer halben Stunde eine Lasershow beginnt. Karte um 30 Rp., gleicher Preis wie die Einheimischen, und Eintritt in den Vergnügungspark 5 Rp. gekauft. Es ist eine riesengroße Arena für sicher 2000 Leute, die sich schön langsam füllt. Als es dann mit zwei grünen Laserstrahlen zu „Also sprach Zarathustra“ anfängt, dachte ich noch, dass ich mir das sparen hätte können.
Dann wird’s aber gigantisch, eine Wasser- und Lichtshow, die mit laserprojizierten Bildern und Filmen die Geschichte von Hyderabad von der Gründungssage (ein moslemischer Prinz und ein Hindu-Prinzessin finden zueinander und gründen die Stadt) bis heute erzählt und eine Stunde fesselt. Die einzige Laser-Multimediashow von Indien wird jeden Abend zweimal vorgeführt, und anscheinend sind fast immer so viele Leute, wie bei dieser Aufführung.
Ohne Hektik und Drängelei geht’s dann raus und ich suche die Bootsanlegestelle. Am Straßenrand sitzt eine Frau und grillt Maiskolben in einer Schale mit Glut. Nachdem sich viele Inder das gönnen, kann ich auch nicht widerstehen und hole mir auch eine. Sie wird mit Zitrone und einem nicht erkennbaren Gewürz eingerieben und schmeckt wirklich gut.
Nachdem gerade ein beleuchtetes Boot hereinkommt, auf dem man Abendessen (das hat mir mein Fahrer am Sonntag erzählt) und Bollywoodähnlichen Tänzen zusehen kann (die Tänzer und Tänzerinnen tanzen weiter, als die Leute das Schiff schon verlassen haben, so sehe ich das auch), finde ich dann hin, gar nicht so einfach, weil die Leute auf meine Fragen nur sehr vage in eine Richtung deuten.
Unser Boot ist etwas kleiner, ich will ja auch nur zur Buddhastatue mitten im See und das geht nur mit diesem kleineren Boot. ich bin wieder einmal der einzige Europäer und werde wieder nach vorne gewinkt, damit ich nicht warten muss, das ist mir schon irgendwie peinlich. Die Gastfreundschaft und Höflichkeit ist gigantisch.
Das Wasser stinkt ziemlich und ist bräunlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass der See einmal als Trinkwasserreservoir angelegt wurde. Wir tuckern langsam hinaus, das dürfte ein interessanter Punkt sein, ältere Ehepaare sind genauso dabei wie eine Clique von ca. 17-jährigen Jugendlichen. Je näher wir kommen, desto imposanter sieht die Riesenbuddhastatue mit ihrer Beleuchtung in der Nacht aus. Unser Boot legt auf der Rückseite der kleinen Insel an, ich lasse die Eindrücke auf mich wirken und gehe langsam um ihn herum. Vorne kommt gleich ein Fotograf auf mich zu, er möchte ein Foto von mir gemeinsam mit dem Budhha (oder umgekehrt?) machen. Um 40 Rp bin ich dabei und gespannt wie er das macht, er meint, das dauere nur 2 Minuten. Da sehe ich am Rand des Platzes, unter einem Schirm hat er einen digitalen Fotoprinter aufgebaut und druckt die Fotos sofort aus. Meines ist zwar nicht überragend, aber zeigt der Nachwelt, dass ich wirklich da war.
Der Ausblick auf die beleuchtete Zwillingsstadt rund um den See, das Hindukloster Birla Mandir auf einem Hügel ganz in der Nähe, ist atemberaubend, das Hupen der Autos und Mopeds ist nur ganz leise zu hören, man kann aber nicht vergessen wo man ist.
Da sich alle wieder Richtung Boot in Bewegung setzen geh ich auch mit, mehr gibt’s eh nicht zu sehen und wir fahren wieder langsam zurück. In der Zwischenzeit ist es 21 Uhr und der Hunger meldet sich auch langsam. So sehe ich mich hier im Vergnügungspark um, ob es etwas Essbares gibt. Ich entdecke eine ganze Reihe von Fastfoodrestaurants, ich denke beim Subway kann nicht viel schief gehen und bestelle ein Sandwich. Extrem steril, mit frischem Einmalhandschuh wird der Sandwich fast genauso wie in Europa hergerichtet. Nur der frische Pfeffer ist auch da schärfer, wie ich dann beim Essen bemerke.
Der Subway ist nach dem McDonalds und KFC die dritte Fastfoodkette, die ich in Hyderabad sehe. Das ist Konkurrenz zu den Ausspeisungsständen an fast jeder Straßenecke, bei denen ich nicht um viel Geld etwas essen würde. Von diesen gibt’s in der ganzen Stadt laut Tourismusprospekt nur eine Straße wo man halbwegs unbedenklich was essen kann.
Dann geht’s wieder zurück zum Hotel, der will jetzt 140 Rp, Nachtzuschlag wie er mir erklärt, ich handle ihn auf 120 hinunter und es geht wieder hinein ins Getümmel. Es macht mir echt Spaß, den Verkehr so hautnah und doch etwas abgeschirmt zu erleben, nach 20 Minuten sind wir dann beim Hotel. Wie ich gerade hineingehen will, kommt mir der Fahrer nachgelaufen, er bringt mir das Kuvert mit meinem Buddhafoto, ich habs in seinem Fahrzeug vergessen. Ich freue mich sehr, weil damit habe ich nicht gerechnet.
Schnell noch ein paar Fotos von heute heim gemailt, dann schreib ich noch diese Zeilen, sonst vergesse ich zuviel – und es ist schon wieder fast Mitternacht.
Mein Taxi war heute natürlich nicht um 10 Uhr da, aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Im täglichen Umgang ist alles nicht ganz so genau wie bei uns, wenn man das akzeptiert, geht trotzdem alles sehr gut, da wirklich alle sehr freundlich sind (außer unser Kursleiter, wenn wir zuviel durcheinander quatschen).
Um ½ 11 war es dann so weit, ein großer Geländewagen mit ganz kleinem Fahrer steht bereit und wir machen uns auf den Weg. Als ich ihm als erste Sehenswürdigkeit den Metro Cash&Cary vorschlage ist er zwar verwundert, aber wir machen uns gemeinsam auf die Suche. Nach einigem Herumfragen und einer falschen Runde im Kreisverkehr finden wir die richtige Strasse, es geht stadtauswärts. Auf einmal ist fast mehr Verkehr als in der Rushhour unter der Woche. Mein Fahrer erklärt mir, dass viele Menschen aus Hyderabad am Sonntag hier herausfahren (das ist auch die Ausfahrtsstraße Richtung Bombay), da sie einkaufen wollen. Die Marktstände tauchen schon auf und der Verkehr wird immer chaotischer, dass sich sogar mein Fahrer manchmal wundert. Wir schlängeln uns im Schritttempo durch Fußgänger, Busse, Lastwagen und Mopeds durch, bis wir das Hinweisschild zum Metro sehen.
Er sieht ganz neu aus, ich mache ein paar Fotos, da kommt schon die Security und will es mir verbieten. Mein Fahrer erklärt ihm auf Hindi, was ich da will. Ich gehe hinein, da kommt schon der Manager auf mich zu und ich erkläre ihm, warum ich da bin. Er sagt mir, dass der Markt seit Ende November offen ist und sehr gut läuft, er scheint sehr stolz zu sein. Man sieht auch einen ziemlich vollen Parkplatz davor. Der Manager lädt mich ein, eine Runde durch den Markt zu machen, ich lehne dankend ab, weil er wirklich innen genau wie in Österreich aussieht, außen wirkt er aber viel moderner. Die Öffnungszeiten sind wie bei uns, 6-22 Uhr, nur halt 7x in der Woche.
Wir fahren zurück Richtung Stadt und kommen an einem ganz neuen Shoppingcenter vorbei, mein Fahrer schlägt mir vor, es anzusehen. Innen wirkt es fast europäisch, 5 Stock hoch, vom Geschirr über Kleidung bis Spielzeug gibt es alles, im 5.Stock ist sogar ein Kino.
Wir fahren dann weiter Richtung Charminar, dort möchte ich noch zum Laad Bazar und der Mecca Masjid, der größten Moschee von Hyderabad. Mein Fahrer schlängelt sich durch die Gassen, es ist wieder total beeindruckend dort hin zu kommen. Er sucht einen Parkplatz im angrenzenden Krankenhausgelände und ich mache mich auf den Weg in den Bazar. Sofort stürzen sich die Händler, das sind Jugendliche und Kinder, auf mich, ich bin total umringt. Sie zeigen mir jede Menge Bangles (Arm- und Halsbänder aus Perlen und Glas), ich kaufe zwei Armbänder für meine Girls, und jetzt geht’s erst richtig los. Im Endeffekt gehe ich dann mit weiteren 6 Armbändern und am Ende 6 Ketten Richtung Moschee. Steht ja auch im Reiseführer, dass man sicher mehr kauft als man eigentlich will.
Charminar Laad Bazar
Ein kleiner Junge folgt mir bis zum Eingang, ich glaube ich kann durchatmen, da kommt schon ein Moscheewächter auf mich zu und beginnt zu erklären, für mich auf eine irgendwie unangenehme Art. Er nötigt mich dann mehr oder weniger noch dazu, 2 Arbeitern je 500 Rp zu geben, da reicht es mir und ich beginne den Rückzug anzutreten, was gar nicht so leicht ist. Endlich bin ich wieder draußen und meine Klette in Form des kleinen Händlers ist schon wieder da. Ein kleines Mädchen schließt sich ihm an. Er kann nicht verstehen, warum ich nichts mehr kaufen will, ich habe aber das Gefühl, mehr als genug Geld dort ausgegeben zu haben.
Wir fahren durch die enge Basarstraße weiter und kommen nach kurzer Zeit zu einem imposanten Gebäude, dem Chowmahalla Palast. Leider ist wieder das Fotografieren verboten, allein der riesengroße Innenhof mit seinen traumhaft schönen Mangroven, Malven usw. wäre das wert. Ich wandere durch den weiten Komplex, es werden gerade weiß gedeckte Tische und mit weißen Hussen überzogenen Stühle und eine Bühne aufgebaut, schaut total nach Kolonialstil aus. Ich kann aber nicht herausfinden, was das genau wird. Der mittlere Teil des Palasts ist zugänglich, die Eingangshalle ist beeindruckend, mit den indischen Deckenmalereien und den Seidentapeten, wie in einer anderen, untergegangenen Welt. Drinnen eine Fotoausstellung der Khan Dynastie, die den Palast errichtet und bis in die 40er Jahre bewohnt hat. Dann gibt’s noch eine Waffenausstellung, mit allen Hellebarden und Schwertern und Säbeln, die man sich vorstellen kann.
Mein Fahrer erwartet mich bereits, er will mich zu den Qutb Shabi Thombs bringen, das sind die Mausoleen der 7 Könige und einer Königin, die während 167 Jahren im Golconda Fort regiert haben. Ein junger Führer erklärt mir alle Mausoleen, er ist ganz überrascht, dass ich mich noch an viele Dinge von meiner Führung im Golconda Fort am letzten Sonntag erinnern kann. Es ist imposant wie sich jeder König bereits zu Lebzeiten sein eigenes Mausoleum errichtet hat (bis zu 40 m hoch und sicher 30m Seitenlänge).
Zu jedem dieser Mausoleen gehört eine Minimoschee, die nur einmal, nämlich zum Begräbnis des Königs benutzt wurde. Daneben gibt es noch Grabmäler von ausgewählten Leibwächtern. Ein eigenes Gebäude zur Vorbereitung des Leichnams gibt’s auch, wieder mit Warm- und Kaltwasserleitung von rund 1 km entfernten Golconda Fort. Das hat man vor über 400 Jahren bereits geschafft! Beim Rausgehen mache ich noch ein Foto, eigentlich ist es hier auch verboten, aber irgendwie muss ich mir ja was zum Erinnern besorgen.
Ich schlage zum Abschluss vor, nochmals zum Birla Mandir Tempel hinaufzufahren, ich möchte dort noch ein paar Fotos machen. Der Kontrast zur Mecca Mashid ist überwältigend. Während man hier das Gefühl hat vom Marmorboden, schon vor dem Tempel, essen zu können, so sauber sieht das aus, habe ich mich beim Barfusslaufen in der Moschee nicht wohl gefühlt, alles war dreckig und von den Tauben abgeschissen.
Der Ausblick hinunter auf die Zwillingsstadt, wie Hyderabad und Secundarabad mit dem Hussain Sagar See in der Mitte auch genannt wird, ist atemberaubend schön. Ich kann doch noch einige Fotos machen, der Akku der Kamera hat sich wieder erholt.
Am Rückweg fahren wir den üblichen Weg Richtung Hotel, mein Fahrer erklärt mir, warum die Straße entlang des Sees Tank Bund Road heißt. Er zeigt mir einen Panzer (Tank) der auf einem Sockel neben der Straße steht. Vor rund 15 Jahren gab es Krieg zwischen Indien und Pakistan, der verrostete pakistanische Panzer soll als Mahnmahl daran erinnern.
Mein Fahrer zeigt mir noch ein Restaurant, da werde ich am Abend heute hingehen.
Ich war jetzt schon essen im „Paradise“, das ist am unteren Ende der SD Road, wo mein Hotel ist, zu Fuß ca. 20 Minuten, an einer richtig stark befahrenen Kreuzung. Ich bin gestern Früh diese Stecke schon gegangen, so ist sie auch jetzt im Dunklen nicht mehr ganz fremd.
Schaut wirklich hübsch aus, blau karierte Tischtücher, sehr groß, momentan noch nicht viel los. Ich bestelle zuerst einmal ein Flasche Wasser und ein Cola. Soviel Wasser wie hier hab ich schon lang nicht getrunken. Und damit Coca Cola auch da verdienen kann (oder man sicher ist, nicht angeschmiert zu werden und offenes Wasser in der Flasche zu bekommen) sollte man immer drauf schauen, ob die Kappe noch zu ist. Im Hotel hab ich das nie beachtet, hier schau ich drauf und prompt ist es schon offen.
Ich habs urgiert, der erste Kellner stellt sich unwissend, was ich meinen könnte, sein Chef weiß es sofort, und innerhalb von fast Sekunden (so schnell hab ich hier noch nie was bekommen), war eine original verschlossene Flasche da. Mein Essen kommt auch schon, Huhn mit einer indischen Soße, Name nicht zu merken und mit frischen Früchten, und dazu Reis. Das Huhn ist ein Stück Brust mit Knochen und eine Keule, wie esse ich das, der keine Knochen abknabbern mag, noch dazu ohne Messer?? Also säble ich das irgendwie runter mit Löffel und Gabel, der Kellner guckt mir immer über die Schulter und wundert sich wahrscheinlich, was ich da mache. Ich mich ehrlich gesagt auch. Dann fange ich an, es ist wirklich lecker und diesmal WIRKLICH nicht scharf. Kommt mir fast komisch vor, hier in diesem Restaurant, draußen hupt und lärmt es, ich bin noch in Hyderabad, aber es ist nicht scharf! Ich komme fast nicht dazu, aufzuschauen, schon ist der Kellner da und legt die zweite Portion nach, und ich esse alles auf. Dann bestelle ich als Nachspeise etwas mit schwarzen Beeren, ich bin einfach neugierig, es kommt eine Eistorte mit Schokoüberzug, die ist auch lecker. Gekostet hat das ganze um mehr als ein Drittel weniger als im Hotel.
Dann wieder raus auf die Straße in den Verkehr. Da sehe ich den ersten Unfall, ich habe schon gedacht, so was gibt’s nicht (obwohl in der Zeitung von Hyderabad fast täglich etwas von einem Verkehrstoten steht). Ist nur ein ganz kleiner Auffahrunfall mit leichtem Blechschaden. Der Polizist waltet schon seines Amtes, er jagt alle aus den beiden Autos raus, es sind ziemlich viele. Auf dem Rückweg gibt es dann nichts besonderes, zumindest nicht, wenn man schon einige Tage in Indien ist.
Bei einem Spaziergang durch die Züricher Innenstadt wurden wir zufällig auf einen besonderen Leckerbissen aufmerksam. Bis jetzt kannten wir Pop-up Cafés, Heurigen, Restaurants oder Stores, aber ein Museum war neu für uns.
140 Jahre Uhren-Premierien und Neuentwicklungen
Die Schweizer Luxus-Uhrenmarke Breitling lässt das interessierte Publikum unter dem Motto „140 Years Of Firsts“ mit einem Pop-up-Museum am Züricher Rennweg an den Highlights der spannenden Firmengeschichte teilhaben. Der Eintritt in diese seit Oktober gezeigte Schau ist übrigens frei, man muß sich nur mit seiner Email Adresse registrieren lassen. Die Ausstellung soll nur kurze Zeit ohne genaues Ende zu sehen sein, ein Pop-up eben.
Dazu wurde ein ehemaliges Geschäftslokal im Stil von Breitling adaptiert und zeigt mit vielen echten und seltenen Vintage-Uhren und Bild- und Videoinstallationen die innovativen Stationen dieser Traditionsmarke.
Auf drei Etagen werden die Aktivitäten in den drei Breitling-Universen Luft, Land und Wasser anhand der wichtigsten Meilensteine dargestellt. Ich möchte dabei nur ein paar Highlights eher willkürlich herausgreifen, weil die Fülle der Exponate und Geschichten einen Blog platzen ließe und es ja auch kein Ausstellungskatalog werden sollte.
Ein Chronograph als Lebensretter
So wurde zum Beispiel der Versuch der ersten Nonstop-Erdumrundung mittels Heissluftballon im Jahr 1999 von einer Breitling Emergency begleitet. Das ist die erste Uhr mit einem integrierten elektronischen Notfallsignal. Richard Branson sagte dazu: „Die Uhr rettete bei mehreren Gelegenheiten mein Leben. Ich denke, ich habe sie das letzte Mal verwendet, als nahe Tahiti mein Ballon über dem Pazifik an Höhe verlor. Ich bin ihr sehr dankbar.“
Ein mechanischer Chronograph für die italienische Fliegerstaffel
Auch die italienische Fliegerstaffel Frecce Tricolori suchte nach einem speziellen mechanischen Chronographen mit analoger Anzeige für seine Piloten. Ernest Breitling, der selbst Pilot war, verstand die Anforderung, einerseits in einem engen Cockpit auch mit Handschuhen einfach bedienbar zu sein und andererseits elegant genug sein, um auch zum Anzug getragen zu werden.
Das Uhrenglas der Piloten ging oft zu Bruch, was zur brillanten Lösung führte, das Glas in der Lünette leicht zurückzusetzen und mit vier umkehrbaren Reitern zu schützen.
Anfang der 1980er war aber noch kein Quarz-Chronographenwerk auf dem Markt erhältlich, so designete Ernest Breitling den Chronomat, einen grösseren mechanischen Chronographen, der 1984 zum hundertsten Geburtstag zum neuen Aushängeschild der Marke wurde.
Umrundung der Erde mit einer Breitling am Handgelenk
1962 zierte eine Breitling das Handgelenk des NASA-Astronauten Scott Carpenter, als dieser im Zuge der Mercury 7‑Mission die Erde dreimal umkreiste und Breitling dadurch zur ersten Schweizer Uhrenmarke im All machte.
Die erste Uhrenreparatur im All
Die Astronauten Scott Kelly und Sergey Volkov hatten ihre Breitlings mit bei ihrer Mission in der Raumstation ISS. Scott Kelly musste sogar den Chronographen von Sergey Volkov reparieren und bekam dafür ein Reparaturkit zugesendet. Ob das von Amazon geliefert wurde, konnte ich nicht klären. Auf jeden Fall war es die erste Reparatur einer Uhr in der Schwerelosigkeit, was einen Eintrag ins Buch der Rekorde brachte.
Breitling für die Celebrities
Natürlich hatten und haben auch viele weitere Promis eine Breitling getragen. So sind zum Beispiel die Hochzeits-Uhren von Mick und Bianca Jagger und die Uhr, die Raquel Welch 1967 im Spionagethriller „Feuerdrache“ trug, ausgestellt.
Auch im Sport setzt Breitling Maßstäbe
Die Surflegende Kelly Slater trug eine speziell von ihm und für ihn entwickelte Version der Superocean, dem ersten Taucher-Chronographen der Welt. Diese Uhr ist einer Taucheruhr des Vaters von Kelly mit orangem Zifferblatt nachempfunden und auch als relativ günstige Limited Edition aufgelegt.
Fazit
Das sind nur einige Highlights dieser Ausstellung, sie war wirklich eine spannende Abwechslung bei unserem Besuch der Bahnhofstraße in Zürich. Dort kamen wir danach auch am Breitling-Shop vorbei, wo ich trotzdem nichts gekauft habe, obwohl die günstigsten Varianten ja eh schon unter 10.000 Franken zu haben wären!
Am besten betrachtet man die Bahnhofstraße als Ganzes einfach als Museum, sonst steht man vor dem Dilemma, kaufe ich auf der einen Straßenseite eine Breitling oder auf der anderen einen elektrischen SUV von Cadillac.
Auch wenn es sehr nach Werbung aussieht, ich habe und werde keine speziellen Vorteile aus diesem Blog bekommen. Wie gesagt, ich betrachte die Züricher Bahnhofstraße als Museum!
Heute ist Samstag, wir machen „nur“ ein paar Stunden Trainingssession. Mein Kollege will mich um ½ 11 mit dem Moped abholen. Ich möchte mich vorher ein bisschen umsehen, was man so einkaufen könnte. Die Shops haben noch alle zu, so beschließe ich, die Straße hinunter zu gehen und zu fotografieren. Muss mir die Fotos noch ansehen, es sind sicher einige gute Eindrücke dabei, dabei ist es noch gar nicht so voll und hektisch wie an den Wochentagen. Ein paar Männer sitzen an einer Straßenecke und sehen mir beim Fotografieren zu, sie holen mich zu Ihnen, einer möchte fotografiert werden, er ist sichtlich stolz, dass ich es mache. Ein anderer erklärt mir, dass er ein ich weiß nicht was sei, ein Faktotum ist er sicherlich.
Am Rückweg finde ich einen Shop, wo man Nummerntafeln kaufen kann. Ich lasse mir von einem der Händler erklären, dass die Fahrzeughändler bei ihnen die Nummern kaufen, man kann dabei zwischen 3 Qualitäten aussuchen. Weiter vorne ist dann ein Schuh-Shop, bei uns würde man Standl sagen, sie lassen mich Lederschlapfen probieren, ich kaufe sie dann auch, hab aber sicher zu wenig mit dem Preis gehandelt- von 375 auf 350 Rp. (das sind ungefähr 6 Euro), weil er sofort ja gesagt hat. Muss sie morgen gleich ausprobieren.
Strassenbettler
Dann geh ich noch ein Stück zu einer stark befahrenen Kreuzung, ich möchte dort auch noch ein paar Fotos machen. Am Rückweg betteln mich gleich 3 Frauen an, es ist gar nicht so leicht, sie beginnen zu zupfen und ich muss energischer werden, als ich eigentlich will, damit ich sie wieder loswerde.
Mein Kollege verspätet sich, er hat verschlafen, macht nix, die Leute auf der Strasse zu beobachten ist noch immer interessant. Der Verkehr bringt mich gar nicht mehr wirklich aus der Ruhe, aber es gibt doch wieder was Neues. Ich sehe das erste Mal Kühe auf der Strasse liegen, hier mitten in der Stadt. Viele scheint es aber nicht mehr zu geben, zumindest in der Stadt.
Ich spreche mit einem Kollegen über das Betteln, er meint, wenn ihn jemand anbettelt, fragt er ihn ob er zu ihm mitkommt, dann ist er schnell weg. Und die Frauen mit Baby sind sehr oft ein Trick. Er meint, eigentlich müsste niemand betteln, aber ganz so sicher bin ich da auch wieder nicht.
Vegetarisches Mittagsbuffet
Unser Buffet im Kurs im Siemens-Gebäude möchte ich auch noch beschreiben. Es gibt immer etwas Vegetarisches mit Reis, das wird anscheinend von irgendwoher geholt und von einem Angestellten vorbereitet. das ist, obwohl scharf, doch immer lecker. Hier prallen aber auch die Welten noch aufeinander. Obwohl in der Küche eine Einbauanrichte da ist, hockt der Angestellte mit den Töpfen um ihn herum am Boden und richtet das Buffet an. Unsere Kursteilnehmer essen alle „westlich“ mit Gabel oder Löffel, die Hausangestellten essen aber alles mit den Fingern, genauso wie ich es auch vom Hotelzimmer aus auf den benachbarten Hausdächern beobachten kann.
Tägliches Leben am Dach
Die Frauen schrubben dort die Wäsche am Betonboden, eine Familie hat am Dach einen kleinen „Ofen“, das ist eigentlich nur ein ganz winziger Metallkasten, wo das Wasser erwärmt oder am Abend das Fladenbrot gebacken wird. Das spielt sich auch am Fußboden ab und alles sieht irgendwie unordentlich aus. Unsauber ist es nicht, der Boden wird mehrmals täglich gekehrt. Anderseits läuft auf einem anderen Dach ein junges Mädchen herum und telefoniert ewig mit dem Handy, kein Unterschied zu uns.
Dass sich die Sitten und die Einstellung zum Leben ändern, habe auch einige Kollegen besprochen. Sie wundern sich auch über die neue Freizügigkeit, meinen aber andererseits, dass man niemandem dreinreden solle, wie er sein Leben gestaltet. Ein Kollege erzählt, in seiner Firma gäbe es ein Callcenter, gemischt Männer und Frauen. Eines Tages ist die Trinkwasserleitung ausgefallen, es kam kein Wasser mehr. Der Installateur machte sich auf die Suche und entdeckte, dass der Trinkwassertank am Dach zur Entsorgung der gebrauchten Kondome verwendet wurde.
Um 16 Uhr reicht es mir, ich mache Schluss, ich möchte mir auch noch etwas ansehen. Der Hussain Sagar, der große See mit seiner Buddha-Statue in der Mitte ist sicher am Abend noch schön. Zuerst muss ich aber ins Hotel, die Unterlagen loswerden und die Kamera holen, die darf ich ja in den Kurs nicht mitbringen, die sind da sehr streng. Die Taxifahrer streiken noch immer, ich versuche es wieder im Hotel daneben, die haben aber diesmal auch nichts. Ich rufe daher in meinem Hotel an, die können mich Gott sei Dank abholen lassen. Dabei sehe ich ein Schreiben eingerahmt neben der Rezeption, wo sich der George W. Bush für seinen Aufenthalt im April 2006 bedankt.
Beim Warten an der Straße geht eine muslimische Frau mit Hijab, in Schwarz, nur mit Augenschlitz an mir vorbei. Sie sieht mich mit großen wunderschönen Augen an und sieht auch nicht weg als ich zurückschaue, ich fühle mich richtig verschlungen. Ich bin sicher, sie weiß genau, dass sie sich das nur mit ihrer Kleidung leisten kann. Bei manchen dieser Frauen hier habe ich das Gefühl, dass da sehr viel Selbstbewusstsein dahinter versteckt ist und die Vermummung auch als Schutz gesehen wird.
Perlenstadt Hyderabad
Ich möchte gleich ein Taxi für nachher bestellen, das geht aber nicht, es ist einfach keines zu bekommen. Also ordere ich für morgen Sonntag eines gleich für den ganzen Tag, um 10 Uhr geht’s los. Muss mir noch anschauen, was ich so alles sehen will.
Nachdem Sightseeing nicht geht, schaue ich mir das Shoppingcenter für Perlen, Juwelen und Kleidung in unserem Haus an. Ich finde für meine Damen sicher etwas dort. Gleich werde ich höflich von allen Seiten gefragt, was ich suche. Nachdem ich erkläre, nur einmal schauen zu wollen, lässt man mich aber in Ruhe. Es gibt Stoffe, Saris (die besten kommen aus Italien!) und natürlich Schmuck. Hyderabad ist für seine Perlenverarbeitung bekannt, ich suche ein bisschen und habe schon bald etwas für meine Girls gefunden. Die Perlen sind aus China, die Silber- und Goldfassungen dazu werden hier in Hyderabad gemacht. Ich bin sicher, es wird ihnen gefallen.
Abendessen wie immer im Blue Fox, ich bin wirklich zu faul, in das Restaurant zu laufen, das mir mein Kollege empfohlen hat, es ist mehr als eine halbe Stunde Fußweg in einer Richtung. Ich fürchte mich zwar wirklich nicht, aber andererseits muss ich auch nicht unbedingt in der Nacht so weit herumlaufen.
Mein Name ist Reinhold und ich bin mittlerweile fast ein Jahr in Pension und habe vieles so gemacht wie ich es mir vorgenommen habe, vieles anders und manches gar nicht. Ein Resümee dazu wird es in den Beiträgen unter der Rubrik „Pension“ auch noch geben.
Die Entstehung eines Blog-Artikels macht mir Spaß
Was mir immer mehr Spaß macht, ist das Schreiben und dazu die Recherchen, das Ganze fast ohne Zeitdruck. Ich habe zwar den Aufwand absolut unterschätzt, aber ich habe bzw. ich nehme mir die Zeit, in Themen tiefer hineinzuschnuppern, für die ich bisher zu wenig Zeit oder Muße hatte.
Der Erfolg meines Blogs ist auch größer als ich je zu träumen gewagt habe, aber ich bin froh, nicht davon leben zu müssen, das würde trotzdem nicht funktionieren. Mir geht’s aber mehr als zu Beginn darum, einfach darüber zu schreiben, was mich berührt oder bewegt hat (manchmal im wahrsten Sinn des Wortes), ob mit Motorrad oder E-Bike, oder von kulturellen Ereignissen und Museumsbesuchen. Meine Heimwerker-Tätigkeit ist bisher nicht so interessant gewesen, daß daraus ein Blogartikel hätte werden können, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Was noch kommen wird
Geplante Themen neben meinen Ausfahrten mit Motorrad oder E-Bike oder manche Urlaube werden sicher weitere Tagebucheinträge meines Aufenthalts in Indien sein, meine 40 Jahre mit der Entwicklung von der EDV über die IT bis zur AI sollen auch, eher aus Hardware-Sicht behandelt werden, dabei werden sich sicher manche wiederfinden. Kulturelle Themen aus der Sicht eines interessierten Dilletanten werden immer wieder vorkommen und das Leben in und mit der Pension wird auch den einen oder anderen Artikel auslösen.
Wenn euch meine Themen und mein Stil als mitteilungsbedürtiger Pensonist gefallen, freut es mich sehr und wenn daraus die eine oder andere Abo-Anfrage wird, freue ich mich doppelt!