Quer durch Österreich über den Drehort der „Bergretter“ bis zum Fuß des Großglockners verlief die erste Tagesetappe auf meinem Weg in die Schweiz. Was ich dabei gesehen und erlebt habe, erzähle ich im ersten Teil dieser Blog-Serie.
Von Enzesfeld bis Fusch an der Glocknerstraße
Ursprünglich hatte ich ja meine Reise in die Schweiz von Dienstag bis Samstag geplant und freute mich schon, dass es nicht so heiß wie in der Woche davor sein sollte. Als aber der Sonntagabend mit einem Gewitter begann und der Starkregen auch am Montag nicht enden wollte, beschloss ich den Start auf Mittwoch zu verschieben.
Booking.com ließ mich bis auf ein Hotel im Trentino alle umbuchen und jetzt weiß ich, dass ich in Zukunft auf Storno bis zum letzten Tag achten werde. Das ist zwar Lehrgeld, daß weh tut, aber andererseits hatte ich die Chance, am Mittwoch nicht mehr nass zu werden. Und diese Chance nützte ich.
Im Lauf des Dienstags, der komplett verregnet war, kamen dann die Nachrichten von 30 cm Neuschnee am Stelvio (Stilfser Joch) und dann auch noch vom Großglockner mit 20 cm. Den sollte ich dann von meinem Quartier in Fusch an der Glocknerstraße am Mittwoch Abend auch noch sehen.
Aber alles der Reihe nach. Der Regen hatte daheim in der Nacht aufgehört und so waren die Straßen zumindest trocken. Um der Baustelle auf der Autobahn auszuweichen, fuhr ich bis Neunkirchen die gewohnten kleinen Straßen und von dort auf der Semmering-Schnellstraße bis Mürzzuschlag und dann über Neuberg an der Mürz und das Niederalpl bis Gußwerk. Hier bog ich ins Salzatal auf der Hochschwab-Bundesstraße Richtung Wildalpen ab. Diese Straße ist allen zu empfehlen, die gerne flotte langgezogene Kurven in einer wunderschönen Landschaft fahren.
Nach einem kurzen Stück auf der B25 bog ich nach Palfau ab, den Autos folgend, die dort die Rafter und Paddler aus der Salza wieder aufnahmen. Weiter ging es über den Erbsattel bis kurz vor St.Gallen links die Burgruine Gallenstein herunterblickte. Sie war vom 13. bis Ende des 19. Jahrhunderts Fluchtburg und Verwaltungssitz de 1074 gegründeten Stiftes Admont. Um die Dachsteuer einzusparen, wurde wie bei vielen anderen Burgen, z. B. auch der Burgruine Rauhenstein in Baden, 1832 das Kupferdach abgedeckt und die Burg dem Verfall überlassen. So entstand die jüngste Burgruine der Steiermark.
Weiter ging es über den Buchauer Sattel und dem Vorschlag der Kurviger App auf der Passhöhe einer kleinen Seitenstraße folgend hinunter Richtung Benediktinerstift und der größten Klosterbibliothek der Welt, für das ich heute keine Zeit hatte.
Auf der Gesäusestraße, wo von weitem die Wallfahrtskirche Frauenberg herunterblickte, die ich 2016 besucht hatte, fuhr ich weiter nach Liezen. Von damals stammen auch die vier nachfolgenden Fotos.
Um der eintönigen und stark befahrenen Ennstal-Bundesstraße auszuweichen, fuhr ich in Liezen links weg, vorbei am Fliegerhorst Fiala Fernbrugg in Aigen über kleine Landesstraßen bis Prüggern. Kurz vor Haus im Ennstal ging es dann gleich wieder weg und hinauf Richtung Ramsau am Dachstein. Direkt an der Straße, auf der Gemeindegrenze Haus–Ramsau, steht der Trutstein, ein etwa 10 m hoher isolierter Felsturm.
Bald danach befindet sich seit 1434 die älteste die älteste Lodenwalke der Welt, die sicher auch interessant zu besichtigen gewesen wäre. Ramsau am Dachstein ist auch seit 2009 der Hauptschauplatz und Drehort für die ZDF-Fernsehserie „Die Bergretter“. Es ist aber auch der Einstieg in die Dachstein Südwand und Talstation der Panoramagondel auf den Dachstein.
Der nächste Ort Filzmoos liegt bereits im Bundesland Salzburg. Von dort ist es nicht mehr weit nach Eben im Pongau, von wo die landschaftlich recht schöne B99 bis Bischofshofen führt.
Nach einem Tankstopp leitete mich mein Navi entgegen meiner Planung am PC daheim, auf die B311 und St.Johann im Pongau statt über Mühlbach am Hochkönig und Dienten. Aber wer weiß, wofür es gut war,es begann nämlich nun wirklich zu regnen und ich war froh, auf dem schnellsten Weg noch trocken mein Quartier in Fusch an der Glocknerstraße zu erreichen.
Dem Bergweltklischee folgend gab es nach einem kleinen Fußmarsch in den Ort zum Abendessen im Hotel Römerhof noch ein Wildererpfandl.
Wunderschöne Ortschaften mit Traditionen bis ins Mittelalter, die trotz Zerstörung durch das Erdbeben 1976 wiederaufgebaut und zu neuem Leben erweckt wurden, prägen diese Route. Aber auch die im Vergleich zu den anderen Tagen nicht immer optimalen Streckenabschnitte bleiben in Erinnerung.
Die ersten Kilometer dieser Etappe sind entlang der SS13, nicht auf einem baulich getrennten Bereich und auch leider nicht auf einem Radweg, bis die Abzweigung in den Ort Venzone diesen relativ gefährlichen Weg verlässt.
Venzone ist einer der Orte, die beim Erdbeben 1976 fast vollständig zerstört wurden. Die ursprüngliche Idee, den Ort modern neu aufzubauen, wurde von der Bevölkerung verhindert und so wurde er so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Heute bezeichnet Venzone sich selbst als „eines der schönsten Dörfer Italiens“. Die einzige befestigte Ortschaft aus dem 14. Jahrhundert, die noch erhalten ist, wurde restauriert und das Selbstverständnis der Bevölkerung blieb erhalten.
Die Idee, nach einem ähnlichen Erdbebenunglück auf dem Reissbrett einen optimalen und künstlerisch gestalteten Ort neu aufzubauen, ist auf Sizilien für den Ort Gibellina gescheitert. Wer neugierig ist, kann meinen Eindruck davon in meinem Sizilien-Blog vom April 2024 nachlesen. Eine ähnliche Diskussion wird aktuell nach dem Erdrutsch, der das Dorf Blatten im Schweizer Wallis am 28.Mai 2025 vollständig zerstört hatte, geführt.
Das Ergebnis gibt Venzone recht, das kulturelle Leben scheint ausgeprägt zu sein und das gesamte Ensemble ist mehr als sehenswert.
Auch der wenige Kilometer weiter auf einem Berghang liegende Ort Gemona del Friuli hatte ein ähnliches Schicksal und wurde wie Venzone restauriert und wiederaufgebaut. Wir radelten den Berg bis ins historische Zentrum hinauf, wo kurz vor einem Tunnel der Ausblick über das gesamte Tal beinahe atemberaubend ist.
Der im 14. Jahrhundert errichtete Dom Santa Maria Assunta mit seinen romanisch-gotischen Stilelementen erhebt sich am Rand der Altstadt und ist die kleine Anstrengung mit dem Fahrrad auf jeden Fall wert. Im dreischiffigen Innenraum sind die durch das Erdbeben 1976 schiefen Säulen eine Besonderheit. Der vollständig zerstörte Campanile mit dem quadratischem Grundriss ebenfalls aus dem 14.Jahrhundert wurde komplett neu aufgebaut.
Besonders beeindruckend ist Statue des Heiligen Christophorus, dem Beschützer der Wanderer und damit auch von uns Radfahrern, an der Fassade. Sie ist rund sieben Meter hoch und aus sechs Sandsteinblöcken zusammengesetzt.
Nachdem wir den Berg flott wieder hinabgefahren sind, wechselte die vom Veranstalter vorgeschlagene Route vom FVG1 auf den FVG3, der hier als Variante des CAAR nach Osoppo.
Der Weg führte nach der Stadt zuerst praktisch durch eine staubige Schottergrube und dann durch Wiesen und Wälder am Ufer des Tagliamento und weiter an einer riesigen Forellenzucht vorbei über Rivoli. Stellenweise war der Weg wegen des Mixes aus Schotter und altem Beton trotz der breiten Reifen unserer E-Bikes extrem ruppig.
In San Floreano liegt direkt am Radweg die Osteria Miami di Baldassi Barbara und lud uns fast zur Mittagszeit zu einer kleinen Pause ein. Die Chefin Barbara persönlich schaukelte das Geschäft mit der kleinen Terrasse ganz alleine, daher war klar: „Due Rigatoni al Ragù“, sonst gibt’s nichts. Wenn wir eine italienische Nona gehabt hätten, dann wären damit die Erinnerungen an sie geweckt worden, so gut war es. Nicht einmal Zeit für ein Foto mit einer kompletten Portion ist geblieben…
Frisch gestärkt ging es nun wieder auf dem FVG1 weiter, meist auf kleinen Nebenstraßen vorbei und durch viele kleine Dörfer wie Buje, Treppo Grande und Treppo Piccolo, Felletano und Laipacco, mitten drin auf einmal ein Single Trail. Das ist fast so, wie wenn gleich nach der Autobahnabfahrt ein Feldweg kommt.
Wir näherten uns Udine immer mehr und so beschlossen wir, am Stadtrand, genau genommen im Cafe Al Baronetto beim Park in der Via Udine von Felleto Umberto noch einen Kaffee zu trinken. Gestärkt und erholt starteten wir auf die letzten Kilometer, durch den botanischen Garten Parco del Cormor vorbei am Blueenergy Stadion bis zum Rand der Altstadt auf den Piazzale Gio Batta Cella, wo wir dann unser Hotel San Giorgio fanden.
Funfact: Im Hinterhof des Hotels ist die Polizia di Stato di Udine einquartiert. So gut bewacht waren unsere Räder noch nie, während man ja klischeehaft dort eher eine Spielhölle oder die Mafia erwartet.
Die Lage des Hotels war optimal, der Weg ins Zentrum war nur ungefähr 10 Minuten. So konnten wir in kurzer Zeit die Sehenswürdigkeiten der Stadt, vom Dom und dahinter als Geheimtipp, das Oratorio della Purità mit seinen Fresken von Giovanni Battista Tiepolo und mit Gold hinterlegten Wandbildern von dessen Sohn Giandomenico Tiepolo besichtigen. Auch die Piazza della Libertà mit dem Casa Cavazzini und der Porticato di San Giovanni sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Nur den Berg zur Burg hinauf wollten wir nach fast 70 km Radfahren nicht mehr gehen.
Schon am Rückweg, gar nicht mehr in der Fußgängerzone, haben wir dann auch noch den idealen Platz zum Abendessen gefunden: das Ristorante Pizzeria Al Gelso mit seinem gemütlichen Innenhof, leider ohne den namensgebenden Maulbeerbaum.
Tunnels, Brücken, Wasserfälle und ehemalige Gebäude der alten Pontebanna-Bahnlinie prägen diesen Abschnitt des Alpe Adria Radweges, den wir am zweiten Tag unserer Tour absolvierten.
Nach dem Frühstück im Hotel platzierten wir wie am Tag vorher unser Gepäck, das dann vom Veranstalter zum nächsten Hotel transportiert wurde. Das ist ein Service, der wirklich angenehm und praktisch ist, weil man nicht so viel Gewicht am Rad hat und daher auch nicht auf jedes Gramm achten muss.
Am Ende des Ortes ging es mit zwei Serpentinen hinauf zum Radweg, wo wir nach einigen Kilometern den höchsten Punkt des CAAR, zumindest in Italien, erreichten. Wir haben es nicht bemerkt, erst auf der von mir aufgezeichneten Komoot-Route war dieser Punkt markiert. Die weitere Strecke folgte der alten Pontebanna-Bahnlinie. Es ging abwechslungsreich durch mehr als 20 Tunnels in unterschiedlicher Länge, meist gut beleuchtet, aber man sollte trotzdem das Licht am Bike eingeschaltet haben, um nicht übersehen zu werden.
In Pontebba wird der Bereich des Bahnhofs von der neuen Bahnlinie benutzt, wodurch der Radweg unter der Autobahn und auf der Straße direkt durch den Ort führt, wo einige Cafés von den Radlern gestürmt werden. Wir hatten aber ein anderes Ziel, den ehemaligen Bahnhof Chiusaforte.
Neben den Tunnels sind die Brücken immer wieder eine Attraktion, besonders hervorheben muss man die Ponte di Ferro-Chiusaforte, die das Tal mit dem Fluss der Fella überspannt und gleich in einen Tunnel mündet.
Beispielhaft für die Wasserfälle links und rechts des Tales möchte ich den Cascata Cadramazzo mit seinem spektakulären 85m-Sturz erwähnen, die untenstehenden Bilder zeigen aber auch einige andere. Nicht umsonst wird Chiusaforte auch der Ort der 13 Wasserfälle genannt.
Der Bahnhof Chiusaforte wurde zum Bistro umgebaut und hat sich zum Hotspot entwickelt. Viele Radler inklusive uns nutzten das schöne Eisenbahnambiente zu einer Rast mit einem Kaffee. Auf den ehemaligen Schienen sind Kräuterbeete angelegt, aber man kann hier auch noch ein ganz kleines Stückchen der Original-Schienen erkennen.
Etwas weiter den Radweg entlang erreichten wir den Bahnhof Resiutta mit seiner originalen Zuggarnitur. Das Ambiente war zwar sehr schön, das Essen ließ aber leider viele Wünsche offen.
Das Tal wurde hier immer weiter, daß Flussbett breiter und das Wasser schmaler. Bald erreichten wir den kleinen Ort Carnia, namensgebend für die Region und auch die umgebenden Karnischen Alpen. Auf der Ortsstraße ging es hinaus auf die SS13 wo wir auf einer Geraden, scheinbar „in the middle of nowhere“ unser Hotel, das Alma Living Hotel al Girarrosto, erreichten. Das riesige Zimmer, eigentlich ein Appartement, und das Abendessen, das anscheinend auch von den Einheimischen rege genutzt wird, entschädigten aber für die Lage.
Nach 4 Tagen am Rad und nach 250 Kilometern fasse ich in diesem Blog unsere Erfahrungen zusammen.
Möglicherweise rümpft der eine oder andere Hardcore-Biker die Nase ob unserer Leistung von gut 250 Kilometern in vier Tagen. Für meine Frau und mich war es ein erster gemeinsamer Test, ob wir das schaffen, weil einige einzelne Tagestouren in dieser Größenordnung haben wir ja schon öfters gemacht.
Zuerst einmal komme ich zur Organisation, weil auch das war für uns Neuland. Wir sind beide nicht besonders gut dafür geeignet, mit einem Tross von anderen Menschen etwas zu unternehmen. Da ist uns das Konzept des Veranstalters entgegen gekommen, die Hotels, die Radrouten und den Gepäcktransport anzubieten und sonst die Routen ohne Reiseleitung abzufahren.
Spezialisten für Radreisen
Die Oberösterreich Touristik ist spezialisiert für solche Radurlaube, wie uns auch andere Reisende bestätigt haben, die schon mehrmals verschiedene Reisen dort gebucht hatten. Sie hatte für uns das beste Angebot und im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass der eigentliche Touranbieter Fun Active Tours aus Toblach ein Profi für Touren in Südtirol, Kärnten und den Karnischen Alpen ist.
Angenehme Hotels in praktischer Lage
Die angebotenen Hotels hatten alle Dreistern-Niveau, was für jeweils eine einzige Übernachtung mehr als ausreichend ist. Mindestens so wichtig ist die Sauberkeit und Freundlichkeit, die überall perfekt war. Wir hatten nur im Alma Living Hotel al Girarrosto, dem Hotel „in the middle of nowhere“ in Carnia auch zu Abend gegessen, auch das war vom Service und von den Speisen so gut, dass auch viele Einheimische dieses Lokal frequentieren. Sonst wollten wir die Umgebung eben auch kulinarisch erkunden, was von Villach bis Grado auch immer gepasst hatte. Auch dafür gab es Vorschläge in den Reiseunterlagen, die aber zumindest wir nicht in Anspruch genommen hatten.
Radfahren mit Komplettservice
Zum Schluß noch das Wichtigste, das Radfahren. Die Streckenabschnitte waren so gewählt, dass es von durchschnittlichen Radfahrern ohne Probleme zu bewältigen war. Wir hatten unsere eigenen E-Bikes mit, es gibt aber auch die Möglichkeit, ein passendes Fahrad mitzubuchen.
Die Route des Alpe Adria Radweges führt in unterschiedlichen Varianten meist durch ruhige Landschaften, nur in der Gegend von Carnia muss man wenige Kilometer über die stark befahrene SS13 fahren.
Der Veranstalter Fun Active Tours stellte auch eine App mit den täglichen Streckenabschnitten zur Verfügung, angenehm, weil man sich darum nicht wirklich kümmern musste. Die App am Handy lud zwar manchmal recht langsam, funktionierte aber alles in allem zuverlässig. Ein „Roadbook“ mit gedruckten Karten und einigen Hinweisen lag ebenfalls im ersten Hotel für uns bereit.
Die Route führt sehr lange an verschiedenen Flüssen entlang, durch Wälder, auf der Bahntrasse der ehemaligen Pontebanna- Bahnlinie, über Wiesen, Felder und durch Weinrieden. Der kleine Abstecher zu den Lagi di Fusine ist ebenfalls zu empfehlen, auch wenn es etwas mehr ansteigt als am Rest der Strecke.
Wenn man mag, kommt auch das Sightseeing nicht zu kurz
Udine, Palmanova und Aquileia hätten sich noch mehr Aufmerksamkeit verdient, aber eigentlich waren wir ja zum Radfahren da.
Positiv überrascht hat mich der letzte Tag, da immer wieder von der eintönigen schnurgeraden Strecke Richtung Grado erzählt wurde. Tatsächlich ist der Radweg stellenweise schnurgerade, führt aber recht abwechslungsreich durch Ortschaften und neben den römischen Ausgrabungen auch an einem kleinen Jachthafen vorbei. Ein Stück auf der ehemaligen Bahnline Cervignano–Pontile per Grado erinnert auch stark an den Eurovelo 9 entlang des Wr.Neustädter Kanals.
Und zum Schluß Erholung am Strand
Wenn man die oberitalienischen Badeorte mag, ist Grado sicherlich ein Highlight. Die Altstadt ist wunderschön, viele Lokale laden ein, die Fußgängerzone ist voll von Geschäften und schönen Bauten. Der sehr flache Sandstrand ist offen, nur kosten zwei Liegen mit Sonnenschirm schon 40 Euro pro Tag. Im Hotel kann man sie zwar etwas günstiger buchen, das schlägt aber trotzdem noch die Preise von Kreta oder Rhodos.
In der Nähe des Campingplatzes gibt es aber auch ein Stück Strand, wo man kostenlos sein Badetuch ausbreiten kann, den Sonnenschirm muss man aber auch selbst mitbringen und bis ins etwas tiefere Wasser muss man schon ein Stück marschieren.
Die Rückfahrt von Grado nach Villach nach zwei Zusatznächten klappte auch perfekt. Wir wurden pünktlich im Hotel abgeholt und von einem jungen slowenischen Taxiunternehmer mit seinem VW-Bus mit Radanhänger bis zu unserem Parkplatz in Villach gebracht, ein zweites Paar wurde von ihm weiter nach Salzburg gefahren.
Fazit
Alles in allem ist diese Tour allen zu empfehlen, die gerne in schöner und abwechslungsreicher Landschaft, hier vom Gebirge bis zum Meer, radfahren. Man kann sich natürlich von den Hotels bis zum Rücktransport auch alles selbst organisieren, aber das Komplettservice des Veranstalters erleichtert den Radurlaub ungemein.
Disclaimer:
Wir haben die Reise selbst bezahlt und weder vom Veranstalter oder einem Hotel eine Vergünstigung erhalten. Die Empfehlungen mache ich aufgrund unserer guten Erfahrungen.
Vom venezianisch geprägten Udine über das Palmanova des Mittelalters und Napoleons vorbei am römischen Aquileia bis in den Kurort der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, nach Grado, führt uns der vierte Tag unserer Radtour.
Das Navi leitete uns vom Hotel San Giogio fast im Stadtzentrum zur vorgegebenen Route, meist auf dem getrennten Fahrradstreifen über die Viale Europa Unita, bis zum Verkehrsknoten bei der Porta Aquileia von Udine und beim ersten Schild für den FVG1 Richtung Grado rechts Richtung Süden. Bald wich die Route auf ruhigere Straßen ab und verlief am Rand der Stadt dann über wenn auch nur geschotterte Feldwege.
Hier gibt es nicht so viel zu erzählen, außer dass wir bei Merlana unabsichtlich die Originalroute verlassen haben. Einen weiteren kleinen Umweg haben wir dann noch in Clauiano gemacht, was dazu geführt hat, dass wir über Sottoselva und die Viale Speroni von Osten durch die gerade in Renovierung befindliche Porta Cividale in die Stadt Palmanova gekommen sind, statt auf dem CAAR über die Borgo Udine das westliche Stadttor, die Porta Udine zu nehmen.
Dazu muss man erklären, wie Palmanova aussieht. Die Stadt wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Planstadt mit dem ihr typischen sternförmigen Grundriss mit nur drei Toren angelegt. Als Festungsstadt der Republik Venedig gedacht, war die riesengrosse Piazza Grande als Exerzierplatz geplant, von dem die Soldaten über für damalige Verhältnisse breiten Straßen die Stadt verlassen konnten. Der weiße Duomo del Santissimo Redentore liegt unübersehbar ziemlich genau an der Nordseite des Piazza Grande.
Man könnte hier viele Stunden verbringen, die geschichtsträchtigen Gebäude zu erkunden, aber es ist heiß und so machten wir nur einen Rundgang um diesen riesigen Platz. Nach einem Eiskaffee haben wir dann die Stadt wie geplant durch das dritte Tor, die Porta Aquileia im Süden verlassen. Der Radweg geht nach dem Stadttor unmittelbar in einen Singletrail über, dessen Sinn eigentlich nur darin liegen kann, nochmals einen schönen Blick auf das Tor mit dem Wall und den Graben um die Stadt zu bekommen.
Dann ging es neben der Straße und dann auf einem Feldweg bis zu einer kleinen Unterführung der Autobahn A4, der Autostrada Serenissima von Venedig nach Triest. Ab hier führt der Radweg bald wieder über die Felder und Weinrieden bis Cervignano del Friuli.
Ab hier benutzt der Radweg wieder eine ehemalige Bahntrasse, die von 1910 bis 1942 bis an den Rand der Lagune von Grado führte. Stellenweise erinnerte es uns hier an den Radweg am Wr.Neustädter Kanal (Teil des Eurovelo 9) in der Heimat im südlichen Niederösterreich.
Die Strecke war schnurgerade, nur bei Aquileia wich die Bahn und damit heute auch der Radweg dem Ort aus. Die ersten Ausgrabungen liegen direkt vor dem Ortseingang, das teilweise rekonstruierte Forum Romanum kann hier gratis besichtigt werden. Aquileia war bald nach seiner Gründung 181 v.Chr. der größte Hafen des Mittelmeers und eine der größten und reichsten Städte des gesamten Römischen Reichs, so dass man es das „zweite Rom“ nannte.
Auch modernere Gebäude werden renoviert, so soll der Bahnhof der Bahnlinie Ferrovia Cervignano-Aquileia-Pontile per Grado zum Museum als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs umgebaut werden und an die Abfahrt des Leichnams des unbekannten Soldaten vom Bahnhof Aquileia am 29. Oktober 1921 erinnern, der dann auf dem Altar des Vaterlandes in Rom begraben wurde.
Auch das UNESCO-Weltkulturerbe Aquileia wäre einen Aufenthalt von mehreren Stunden auf jeden Fall wert, um z.B. den riesigen Binnenhafen mit der Via Sacra oder den Fondo Cal mit den berühmten Mosaiken oder auch die Basilika Santa Maria Assunta zu besichtigen, deren ursprüngliche Struktur auf die Jahre nach 313 n. Chr. zurückgeht.
Uns zog es aber bald auf dem neu asphaltierten Radweg weiter Richtung Süden und so erreichten nach wenigen Kilometern den Damm durch die Lagune von Grado. Der Radweg verläuft neben der Straße vorbei an der kleinen Aussichtsplattform mit dem „Welcome to Grado – Baum“ bis zur Brücke vor Grado, wo leider noch ein Stück auf der recht stark befahrenen Straße zu bewältigen ist.
Wir hatten noch zwei zusätzliche Nächte in Grado gebucht und genossen neben dem Strand auch die Bars und Restaurants der Altstadt.
Die Insel Barbana
Am Samstag wollten wir noch die Insel Barbana mit der berühmten Wallfahrtskirche Beata Vergine Maria besuchen. Auch einige Wallfahrergruppen nahmen das erste Fähreboot und so fuhren wir begleitet von Rosenkranzgebeten zur Insel.
Die Insel ist seit jeher das Ziel von Pilgerfahrten. So gibt es seit 1237 an jedem ersten Sonntag im Juli eine Prozession, den „Perdòn di Barbana“ auf festlich geschmückten Booten, um das alte Gelübde an die Madonna erneuern, die das Dorf vor der schrecklichen Pestepidemie gerettet haben soll.
Leider kann neben der Kirche und dem Restaurant nur rund ein Drittel der Insel besichtigt werden, der größere Teil gehört zum Klostergelände und ist nicht frei zugänglich.
Falls es jemand in der Fülle der Nachrichten nicht mitbekommen hat: Das Digitale Amt gibt es nicht mehr, seit 20.Juni 2025 gibt es nur mehr die ID Austria App! Mein Blog gibt einen Überblick dazu.
Ich habe es bereits in meinem letzten Blog zur ID Austria zu diesem Thema angekündigt und es ist jetzt schneller gegangen. Und das ist ganz unbemerkt passiert, die App wurde automatisch geändert und alle bestehenden Daten in die neue App übernommen.
Vereinfachte, barrierearme Anmeldung
Die überarbeitete Applikation kann jetzt nicht nur mit dem Fingerprint, sondern auch mit dem Gerätepasswort oder einem Pincode geöffnet werden. Für manche Mitbürger war das anscheinend eine Hürde, die sie in der Verwendung behinderte.
Push-Benachrichtigungen für relevante Informationen
Eine Verbesserung, die ich schon in meinem ersten Blog dazu im Vorjahr eingefordert habe, ist die einfache Verlängerung der Berechtigung, an die man nun mit Push-Benachrichtigungen ohne Notwendigkeit, persönlich zur Registrierungsstelle zu gehen.
Ein Erinnerungsservice wurde über oesterreich.gv.at eingerichtet und kann dort wie die Push-Benachrichtigungen aktiviert werden:
Die digitale Signatur als zentrale Funktion
In der neuen App ID Austria findet man offene Signaturen einfacher, was besonders für die Benutzer wichtig ist, die das nicht regelmäßig nutzen (müssen).
Die ID Austria ist nun wirklich mobil
Eine auf mobile Nutzung optimierte Benutzeroberfläche soll möglichst viele vergrämte Benutzer wieder positiv abholen.
Die zentrale Plattform für Public Services und immer mehr Anwendungen in der Wirtschaft
Laut Eigendefinition wird oesterreich.gv.at als zentrale Plattform für Bürgerinnen und Bürger ausgebaut und einen einfacheren Zugang zu mehr als 1000 Services bieten. Die verbesserte Benutzerfreundlichkeit für den Einsatz am Smartphone wird auch hier in den Vordergrund gestellt.
Die ID Austria ist nun europaweit sicher und rechtsgültig einsetzbar
Die Anforderungen der eIDAS 2,0 – Verordnung müssen natürlich auch umgesetzt sein und damit kann die ID Austria auch europaweit rechtsgültig mit allen europäischen Sicherheitsauflagen eingesetzt werden.
Übrigens kann die App ID Austria auch von Nicht-Österreicherinnen und Nicht-Österreichern beantragt werden. Es muss nur ein Österreich-Bezug wie z.B. ein Wohnsitz oder Arbeitsplatz nachgewiesen werden.
Dafür ist aber im Gegensatz zu Inländern, die das über die Bezirksverwaltungsbehörden und Registrierungsstellen (z.B. manche Gemeinden) erledigen können, das Finanzamt oder die Landespolizeidirektion zuständig.
Fazit
Ich bin gespannt, ob diese Initiative, die neben den notwendigen rechtlichen Vorgaben sehr viele Wünsche und Beschwerden berücksichtigt, die Vorschusslorbeeren auch erfüllt. Falls es Neuigkeiten gibt, werde ich darüber berichten.
Der erste Tag unserer Radtour von Villach nach Grado schien verregnet zu werden, es blieb aber doch trocken und wir konnten den Abstecher zum Lago di Fusine auch noch dazu nehmen.
Den ersten Abend verbrachten wir in Villach mit einem kleinen Stadtrundgang und nochmals einem „kärntnerischen“ Abendessen mit Semmelknödel-Carpaccio, Kärtner Nudelteller und Kalbsrindbraten, bevor wir am Rückweg zum Hotel noch ordentlich nass wurden. Wir übernachteten im Boutique-Hotel „Goldenes Lamm“ und nach einem hervorragenden Frühstück setzten wir uns auf die Räder. Das Gepäck hatten wir bereits deponiert, es sollte zum nächsten Hotel in Tarvis gebracht werden.
Die Unwetter-warnungen waren exakt dort, wo wir am Montag starteten, aber ab 9 Uhr sollte es schön sein, so die Vorhersage des Regenradars. Und genauso war es, der nächtliche Regen hat um 8 Uhr aufgehört.
Bei der Bahnhofstraße mit der Draubrücke nahmen wir wie in der App des Reiseanbieters empfohlen, den Drau-Radweg R1, über den hier auch der Alpe Adria Radweg (CAAR – Ciclovia Alpe Adria) verläuft, verwirrenderweise flussabwärts. Bei der Friedensbrücke über die Drau trafen wir eine Gruppe netter Italiener und wir fotografierten uns gegenseitig auf der von ihnen so genannten „Golden Gate Bridge“.
Damit wechselten wir auf den Gailtalradweg R3, den wir schon vor einigen Jahren zwischen Hermagor und Villach gefahren sind. Nach dem Stadtgebiet verläuft dieser Radweg wunderschön am Ufer oder in den Auen und nahen Wäldern der Gail entlang.
Kurz vor Erlendorf wechselten wir über die Gail und jetzt war es endgültig nur mehr der CAAR. Dieser verläuft hier die meiste Zeit baulich getrennt der B83 entlang, bis wir in Arnoldstein einen kleinen Abstecher zum weithin sichtbaren 57m hohen Schrotturm machten. Dieser wurde, wie ich erst in meiner kleinen Internet-Recherche lernte, von meinem Namensvetter, dem Schrothändler Simon Wallner errichtet. Er diente dazu, um flüssiges Blei aus großer Höhe durch ein Sieb ins Wasser fallen zu lassen und so Schrotkugeln zu erzeugen.
Bis zur Grenze in Thörl-Maglern ging es unspektakulär weiter vorbei am Greisslermuseum der Straße entlang. Ab hier begannen hinter den Grenzgebäuden mit dem kleinen (am Montag geschlossenen) Zollmuseum die stärksten Steigungen dieses Abschnittes.
Der CAAR verläuft bald hoch über dem Tal in den Wäldern toll ausgebaut, wie in Italien gewohnt, mit einer Mittellinie. Beim Tunnel von Coccau (Goggau), wo hoch oben die Kirche San Nicolò di Coccau thront, wird die alte Strecke der Via Friuli um den Berg genutzt.
Nur einige Kilometer weiter, nach dem Lost Place Bahnhof Tarvisio Centrale, beim Bivio ciclabile Tarvisio zweigt der Radweg Richtung Slowenien und vorher zu den Lagi di Fusine ab. Da die heutige Strecke mit 37 km recht kurz gewesen wäre und das Wetter auch hielt, beschlossen wir, uns diese auch anzusehen. Auf der alten Trasse der Kronprinz-Rudolf-Bahn ging es gleich über eine Brücke, die Ponte del Diavolo über die Schlucht der Gailitz.
Da ich nicht in der Schlucht unten war, habe ich das Bild ausgeborgt: Foto von Ivo H., Google Maps
Stetig ansteigend, wo man sich manchmal fragt, wie das damals der Zug mit der Dampflok geschafft hatte, führt dieser Weg bis ins slowenische Kranjska Gora. Wir zweigten aber zu den Lagi di Fusine ab und bereuten diesen Abstecher nicht. Der erste See liegt malerisch eingebettet in die Berge der Julischen Alpen. Gleich auf der anderen Seite in Slowenien befindet sich das Nordische Zentrum Planica.
Retour ging es dann flott und bequem abwärts wieder zur Abzweigung nach Tarvis, wo wir kurz nach der alten Bahnstation Tarvisio Citta in den Ort hinauf zu unserem Hotel abbogen.
Gleich nach der Ankunft begann es wieder zu schütten, wir genossen aber lieber die Dusche im Hotelzimmer. Bald war es aber wieder vorbei und wir genehmigten uns zum Abschluss nach einem kleinen Rundgang noch eine köstliche Pizza.
Nicht die Akropolis mit ihren 156 Metern über dem Meer ist der höchste Punkt Athens, sondern der nordwestlich davon liegende Lycabettus Hügel mit seinen 277 Metern.
Uns ist dieser Berg bereits von der Akropolis aus aufgefallen, mit einer markanten Kirche ganz auf der Spitze. Und so beschlossen wir, auch diesen zu besuchen. Es gibt zwei Möglichkeiten hinaufzukommen: zu Fuß über einen Weg mit vielen Stufen, die an den erst vor kurzem von uns besuchten Grazer Schlossberg erinnern, oder mit der Standseilbahn.
Wir entschieden uns für ein Mittelding, nämlich gleich am Morgen zuerst den Zentralmarkt Varvakeios zu besuchen und dann die gut 1,5 km zu Fuß zur Station der Standseilbahn zu gehen.
Varvakeios Agora, der Zentralmarkt der Stadt
Die 1886 eingeweihte Markthalle liegt im Zentrum der Stadt an der Odos Athinas Nr. 42 und ist in rund 15 Minuten zu Fuß vom Syntagma-Platz zu erreichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten ist er das geblieben, wofür er errichtet wurde, nämlich der Markt für die Bevölkerung der Innenstadt für Fisch, Fleisch, Gemüse und Gewürze.
Versuche, die Halle wie z.B. in Lissabon, Amsterdam oder auch am Wiener Naschmarkt in eine Delikatessenmeile zu verwandeln oder den traditionellen Handel auszulagern, scheiterten zumindest bisher am Widerstand der Händler. Vielleicht auch deshalb ist sie noch nicht von Touristenmassen überlaufen.
Der Fischmarkt im Zentrum des Gebäudes ist nicht zu übersehen und stinkt zumindest bei den Temperaturen während unseres Besuches im Mai bei weitem nicht so stark, wie es in manchen Internet-Foren bemängelt wird. Die Fische und Meeresfrüchte kommen frisch von den Inseln Naxos, Paros, Skyros, Kalymnos oder Symi.
In den gedeckten Gassen Armodiou, Aristogitonos und Filopimenos wird Fleisch angeboten, wobei hier an vielen Ständen die aufgehängten Lämmer-, Schweins- und Rinderhälften vor den Augen der Kunden und Besucher fachgerecht aufgeteilt werden.
In den Läden ausserhalb dominieren Nüsse, Trockenfrüchte und Gewürze. Gegenüber liegt der Obst- und Gemüsemarkt, wo man alle mediterranen Arten von frischen Tomaten, Melanzani, Granatäpfel, Paprika, und Hülsenfrüchte bekommt. Aber auch Wurstwaren, Käse und regionale Spezialitäten wie z.B. Honig werden hier angeboten.
Übrigens gab es während unseres Besuches im Mai auch einen Bauernmarkt am Syntagma-Platz, der sich aber primär an die Touristen richten dürfte. Wir haben dort direkt vom Produzenten aus Kreta ein Spitzen-Olivenöl zu einem unschlagbaren Preis gekauft. Auch unsere geliebten Haselnüsse mit Honig und Sesam haben wir hier gefunden. Das alles bekommt man natürlich auch in den Delikatessen-Läden in der Plaka, aber das ist trotzdem nicht das Gleiche, auch zu einem anderen Preis.
Mit der Standseilbahn auf den Berg Lycabettus
Schon einige hundert Meter hinter dem Parlament steigen die Gassen schon recht stark an und wir waren froh, dass es im Mai noch nicht so heiß war.
Die Standseilbahn brachte uns in 3 Minuten unterirdisch ca. 210m den Berg hinauf und von der Bergstation sind es dann nur wenige Stufen zur Aussichtsterrasse um die kleine Sankt-Georgs-Kapelle (Ágios Geórgios) mit ihrem Glockenturm. Der Rundum-Blick auf das gesamte Stadtgebiet Athens ist atemberaubend, viele Sehenswürdigkeiten sind zu finden, auf der einen Seite sind hohe Berge erkennbar und auf der anderen Seite fällt der Blick auf den dunkelblauen Saronischen Golf.
Stärken kann man sich dort oben auch, einfach in der Cafeteria, wie wir es gemacht haben, oder in einem Restaurant der gehobenen Preisklasse namens Orizontes das auch als „die Terrasse Athens“ bezeichnet wird.
Und doch ist der Lycabettus noch fast ein Geheimtipp und trotz seiner umwerfenden Aussicht nicht so von Touristen überlaufen wie andere Sehenswürdigkeiten Athens.
Begriffe aus dem Jahr 1854 wie die „Stempelgebühren“ sind auch im digitalen Zeitalter noch immer gültig, die Bedienerfreundlichkeit der öffentlichen Apps wird beinahe von jedem kleinen Webshop besser gelöst und kleine Zwänge erhöhen auch nicht die Akzeptanz der Benutzer. Davon spreche ich in diesem Blog.
Die Handysignatur gibt es genau genommen seit 5.Dezember 2023 nicht mehr und wurde von der ID Austria ersetzt, die App dazu heißt Digitales Amt und die soll 2026 durch die EU Digital Identity Wallet abgelöst werden. Und noch heuer wird die App auch umbenannt und heißt dann ebenfalls ID Austria. Die eAusweise gibt es auch noch als Draufgabe. Wer bisher nicht verwirrt war, ist es möglicherweise jetzt.
Während der Begriff „Handysignatur“ noch immer herumgeistert, hat die Bundesregierung beschlossen, die App „Digitales Amt“, die dann ja schon „ID Austria“ heißt, weiterzuentwickeln und die vielen derzeit noch kostenpflichtigen Services, die über die guten alten Stempelgebühren eingehoben werden, kostenlos zu machen.
Diese Nachricht erscheint derzeit beim Aufruf der App „Digitales Amt“
Stempelgebühren in der ID Austria – Begriff und Gesetz scheinen aus der Zeit gefallen zu sein
Das verlockt mich zu einem kleinen geschichtlichen Exkurs: Auch wenn Österreich digitaler Vorreiter ist, aber es dabei trotzdem nicht in die Top 8 der Welt geschafft hat, ist es zumindest begrifflich irgendwie in der Kaiserzeit stecken geblieben. Österreich führte als erster Staat 1854 das System der Stempelmarke ein, was damals den Amtsweg beschleunigte, zuvor mussten Dokumente tatsächlich am eigens dafür eingerichteten Stempelamt abgestempelt werden. Mit der Stempelmarke, die überall erhältlich war, konnte das Dokument direkt bei der behandelnden Behörde vergütet werden. Die letzten physischen Stempelmarken-Verwendungen wurden 2002 anlässlich der Umstellung von Schilling- auf Euro-Bargeld abgeschafft.
Stempel-Marke Kais. Kön. Österr. 1 Gulden von 1885Stempelmarke bis 2002Quelle: Wikipedia
Seitdem erfolgt die Entrichtung dieser Gebühren durch Einzahlung bei der Amtskassa oder Überweisung auf ein Konto der Behörde. Das Gesetz dazu ist das Gebührengesetz 1957, in dem der § 14 auch in der Fassung vom 30.6.2025 (!!) noch immer „Tarife der festen Stempelgebühren für Schriften und Amtshandlungen“ heißt.
Solange diese Begriffe noch immer gelten, ist es in vielen Köpfen sicherlich ein Problem, den digitalen Umstieg zu akzeptieren oder zu verstehen.
Bedienerfreundlichkeit und Hilfestellung
Die Bedienerfreundlichkeit der derzeitigen App „Digitales Amt“ ist eher grenzwertig und oft für nicht IT-affine Menschen fast unüberwindbar. So wird z.B. die Fehleingabe des Kennwortes mit der Meldung „Zertifikat abgelaufen“ versehen, mit dem Zusatzhinweis, dass nach dem zehnten Mal das Zertifikat dauerhaft gesperrt werde. Google und nicht etwa die App selbst raten in diesem Fall zur Kontaktaufnahme mit dem Helpdesk des „Digitalen Amtes“. Täglich sind hier wochentags zwischen 8 und 16 Uhr unter +43 50 233770 freundliche Mitarbeiter persönlich zu sprechen. Sie helfen gerne und kompetent weiter, lassen sich aber auf keinen Fall auf Grundsatzdiskussionen zur App ein.
Den Chatbot „Mona“ gebe ich hier nur der Vollständigkeit halber an, ich als wenn auch nicht ganz blinder „Non-Digital Native“, habe aber bisher von keinem dieser digitalen Angebote eine vernünftige hilfreiche Auskunft bekommen, die über das Wissen von Google und Wikipedia hinausgeht.
Die Bedienerfreundlichkeit wird von vielen bemängelt
Hier werden aus meiner Sicht die wichtigsten Grundregeln der Bedienerfreundlichkeit nicht oder nur eingeschränkt befolgt, wie z.B. Selbstbeschreibungsfähigkeit, Fehlertoleranz, Einfachheit und Selbsterklärung. Mir ist schon klar, dass an diese App spezielle Sicherheitsauflagen gestellt werden müssen, aber das schließt einfache und verständliche Fehlermeldungen ja nicht aus. Hier herrscht noch riesengroßer Aufholbedarf, wenn die Schwelle für die Verwendung niedrig sein soll und eine große Akzeptanz erwartet wird.
Aber das Versprechen von Staatssekretär Alexander Pröll ist, auch das zu verbessern.
FinanzOnline in Zukunft nur mit Zwei-Faktor-Authentifizierung
Da mutet es für viele nicht so mit IT-Systemen vertraute Bürgerinnen und Bürger fast schon als gefährliche Drohung an, dass ab 1.Oktober 2025 der Zugang zu FinanzOnline nur noch mit Zwei-Faktor-Authentifizierung möglich sein wird. Besonders empfohlen wird hier die Umstellung auf die ID Austria.
Die Alternative zur ID Austria, nämlich eine sogenannte Authenticator-App zu verwenden, machen es den nicht affinen Benutzern auch nicht wirklich einfach. Seit Februar 2025 sind zwar solche alternative 2FA-Lösungen über sogenannte Authenticator-Apps wie Google Authenticator oder Microsoft Authenticator möglich und amtlich erlaubt, die theoretisch direkt in FinanzOnline eingerichtet werden können, ein gewisses Basiswissen schadet aber auch dabei nicht.
Die PDF-Signatur
Ein an sich praktisches Tool der ID Austria ist die PDF-Signatur. Für viele Unternehmen ist leider noch immer bereits die Spitze der Digitalisierung ein per Mail verschicktes PDF, das natürlich eindeutig als unterschrieben gekennzeichnet und druckertauglich sein muss. Von einer amtlichen Workflow-Lösung, die so etwas zum Beispiel ersetzen könnte, habe ich aber noch nie gelesen oder gehört. Aber OK, ich drucke ja auch noch manches ganz gern aus.
Und dann gibt es noch die App „eAusweise“
Diese funktioniert nur in Verbindung mit dem „Digitalen Amt“ (oder bald hoffentlich endgültig „ID Austria“) und beinhaltet derzeit vom digitalen Führerschein über den Zulassungsschein auch den Identitäts- und Altersnachweis. Genau das könnten eigentlich automatische Nebenprodukte bei bestehenden und neuen Nachweisen sein, ohne wieder extra darum fragen zu müssen.
Warum das nur auf Ansuchen umständlich in einer extra App geschieht, bei der man sich gesondert anmelden muss, erschließt sich aber weder dem Durchschnittsbenutzer noch den IT-Menschen. Steht zu hoffen, dass das alles ein integriertes Service der neuen „ID Austria“ sein wird.
Von der Wiege bis zur Bahre: keine Formulare, sondern die ID Austria
Das Ziel der Regierung ist ja recht ambitioniert, so soll bis 2030 jede Person in Österreich über die ID Austria verfügen und darum bereits bei der Geburt ausgestellt werden. Ein bisschen Zwang wie für FinanzOnline kommt auch noch dazu, was aber die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht erhöht.
Die ID Austria ist noch nicht in der Privatwirtschaft angekommen
Die meisten Geldinstitute vertrauen auf ihre Eigenbau-Lösungen, statt die staatliche und rechtlich eindeutige ID Austria zu verwenden. Zutrittssyteme für Gäste von vielen Firmen könnten die ID Austria zur Authentifizierung nutzen, aber es wird noch oft nicht einmal der digitale Ausweis oder Zulassungsschein akzeptiert.
Der Datenschutz sollte keine Hürde sein, sondern Vertrauen schaffen
Eine amtliche App wie die ID Austria ist aus Datenschutzsicht auf jeden Fall mindestens so sicher wie jede private Lösung, bei der für die Benutzer nicht immer klar ist, welche Daten wo und wie gespeichert werden. Solange das aber nicht transparent vermittelt wird, werden auch die angepeilten 9 Millionen Benutzer noch länger zurückhaltend mit der Verwendung sein.
Eine europäische Lösung die Sinn macht: die Eudi-Wallet
Spätestens im Sommer 2026 sollen alle EU-Mitgliedsstaaten eine digitale Brieftasche (EUDI-Wallet) anbieten, die mindestens die Vorgaben für eine europäische elektronische Identität (EUid) erfüllen muss. Die weiterentwickelte ID Austria soll das jedenfalls tun, um damit EU-weit und eIDAS-konform Amtsgeschäfte durchführen zu können, wie zum Beispiel sich auszuweisen, Online-Banking und -Shopping abzuwickeln oder auch eine SIM-Karte zu registrieren.
Die deutschen Nachbarn sind mit dem elektronischen Führerschein ja gescheitert und haben deswegen einen dreizehnmonatigen Innovationswettbewerb ausgeschrieben, der Ende Mai 2025 zu Ende gegangen ist. Österreich entwickelt eben die ID Austria weiter.
So ist der Lösungszugang jedem Land selbst überlassen, am Ende müssen die Systeme aber so transparent sein, dass einerseits auch durch eIDAS keine Überwachung und Abhörung des Webverkehrs möglich ist und andererseits jeder EU-Bürger europaweit seine elektronischen Geschäfte und Transaktionen sicher abwickeln kann.
Bleibt nur abzuwarten, ob das alle teilnehmenden Staaten termingerecht schaffen.
Auch wir Pensionisten verwenden immer mehr verschiedene Apps und Internetfunktionen, zum Banking oder für Reisebuchungen und ähnlichem. Umso wichtiger ist es, immer wieder zu hinterfragen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Einige Tipps dazu gebe ich in diesem Blog, ganz aktuell auch zu einem neuen Betrugsversuch mit A1 SMS:
Es ist ja schon fast eine Binsenweisheit, dass die Frage nach Passwörtern und Kontodaten per Mail niemals von seriösen Anbietern gestellt wird. Alle Banken und andere Einrichtungen, genau wie staatliche Stellen weisen immer wieder darauf hin, doch immer wieder tappen Benutzer in diese Falle.
Aber auch die Betrüger werden immer gefinkelter. Internetauftritte werden immer besser nachgeahmt, Logos sind täuschend echt und auf das bekannte Erkennungszeichen einer falschen Grammatik oder von Rechtschreib- fehlern kann man sich auch nicht mehr verlassen.
Aus aktuellem Anlass: Betrugsversuche mit A1 SMS
Seit Ende Mai gibt es wieder eine neue Betrugsmasche: es werden gefälschte SMS des Mobilfunkanbieters A1 versendet. Sie suggerieren, dass Teuepunkte verfallen und verweisen auf eine gefälschte Internetseite.
Auf dieser können die Punkte vermeintlich gegen attraktive Prämien eingetauscht werden. Für die Bezahlung der Versandkosten werden die Kreditkartendaten abgefragt. So bekommen die Betrüger Zugang zu ihrem Konto.
Auf der A1 Security Seite können sie diese und andere Sicherheits-Informationen nachlesen. A1 versendet auch nebenstehende Warnung per SMS von A1 Security. Auch die Polizei warnt eindringlich vor dieser Betrugsmasche und rät zu einigen Vorsichtsmaßnahmen, um sich vor solchen Angriffen zu schützen:
• Achtung bei Angeboten unter Zeitdruck: Lasst euch Zeit und überprüft Mitteilungen und Angebote auf ihre Richtigkeit. • Schützt eure persönlichen Daten: Egal wie echt und vertrauenswürdig eine Nachricht erscheint, gebt keinesfalls sensible Daten per Mail oder über dubiose Links preis. • Im Zweifel Vorsicht walten lassen: Solltet ihr euch nicht sicher sein, ob eine Nachricht echt oder gefälscht ist, kontaktiert am besten telefonisch den genannten Anbieter.
(Quelle: A1 und SALZBURG24.at)
Beachte die Mailadresse und prüfe Links
Noch ist die Mailadresse meist ein Indiz dafür, ob eine Mail echt oder betrügerisch ist. Ist ein eigenartiger Suffix (Wortbestandteil, der an das Ende der sonst vertrauten Mailadresse angehängt ist) oder Präfix (das Gleiche am Anfang) zu erkennen, müssen sofort alle Alarmglocken leuten. Links kann man überprüfen, indem man mit der Maus darüber fährt, ohne darauf zu klicken. Ist dieser kryptisch oder sieht er eigenartig aus, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht.
Hinterfrage den Grund der Mails kritisch
Erstens sollte man den Inhalt des Mails kritisch hinterfragen, ohne darin verwendete Links anzuklicken. Die Frage, warum diese Informationen gerade jetzt von mir abgefragt werden, sollte man sich ebenfalls sofort stellen. Gibt es dafür keine schlüssige oder eventuell sogar eine zu einfache Erklärung, auf keinen Fall direkt antworten.
Ist das offensichtlich, dann löschen sie die Mail ohne weitere sonstige Aktionen sofort. Ist es nicht ganz so eindeutig, gehen sie zuerst ihre bekannten Wege.
Die betrügerischen Anfragen werden immer persönlicher
Die Betrüger werden aber immer besser in ihren Methoden. Wie die Schweizer Zeitung „Blick“ berichtet, werden derzeit speziell in der Schweiz Mails mit an sich harmlosen Fragen, angeblich von der Bank, zur „Compliance-Aktualisierung“ versendet. Die verlinkte Website wirkt echt, verlangt aber nur scheinbar ungefährliche Daten: Name, Telefonnummer, Vertragsnummer. Keine Passwörter, keine Kreditkartendaten werden angefragt.
In diesem Fall kommt dann wenige Tage später ein Anruf vorgeblich von der Bank (im beschriebenen Fall von der UBS). Sie werden persönlich angesprochen und mit den vor wenigen Tagen preisgegebenen Informationen in Sicherheit gewogen. Dann folgt Stufe 2: Eine verdächtige Überweisung müsse blockiert werden, behaupten sie. Ein QR-Code, gescannt mit der E-Banking-App, soll das Konto «absichern». In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall: Die Kriminellen missbrauchen hier die Zwei-Faktor-Authentifizierung und verschaffen sich unerlaubt Zugriff auf das Bankkonto.
Keine Bank verlangt per Mail irgendwelche persönliche Daten, solche Abfragen bekommen sie direkt in der jeweiligen App beim nächsten Aufruf!
Darum zuerst bekannte Kanäle zur Verifizierung verwenden
Ersuchen sie in solchen Fällen um Namen und Telefonnummer, die sie zwecks Überprüfung rückrufen können. Möglicherweise ist das Gespräch hier schon zu Ende, oder Sie bekommen wirklich diese Daten. Sind das keine ihnen bekannten Kontakte, sind auch diese mit Vorsicht zu behandeln. Eine Bemerkung von ihnen, dass sie dazu mit der Polizei in Kontakt sind, könnte das Gespräch aber auch rasch beenden.
Im Normalfall haben sie ja eine ihnen bekannte und immer verwendete Internetseite, die sie normalerweise verwenden, oder eine persönliche Kontaktperson oder es gibt eine Support-Funktion auf der von Ihnen normalerweise verwendeten Seite. Vergewissern Sie sich dort, ob die Anfrage richtig ist. Meist werden Sie die Bestätigung bekommen, dass es sich um ein Fake oder eine Phishingmail handelt.
Meldestellen und Informationsquellen zur Internetkriminalität
Viele Institutionen haben auch bereits eine Supportfuntion, an die man solche Mails weiterleiten kann. Die Firmen sind dankbar über diese Informationen. Es gibt aber auch öffentliche Anlauf- und Meldestellen, die man unbedingt nutzen sollte. Ich liste einige davon mit ihrem Link auf:
Beides sind ebenfalls gute Helfer. Wenn nur der geringste Zweifel auftaucht, sofort die vorhin angeführten Möglichkeiten nutzen und kritisch hinterfragen. So haben Sie zumindest eine gute Chance, diesen Betrugsversuchen zu entkommen.
Warum wir trotzdem immer wieder in diese und ähnliche Fallen tappen, beschreibt der unten verlinkte Artikel. Um es salopp auf den Punkt zu bringen: Der Mensch selbst mit seiner Gier und Neugier ist das unsicherste Interface.