Austro-Daimler Fahrzeuge in und aus Wr.Neustadt

In meinem zweiten Blog zum Oldtimer-Museum Wiener Neustadt gehe ich detaillierter auf die Exponate der 8. Sonderausstellung ein, wo noch bis 29.März 2026 außergewöhnliche Exemplare der leider untergegangen österreichischen Automarke Austro-Daimler gezeigt werden und hinterfrage am Ende was aus der Neuauflage des Austro-Daimler Bergmeister geworden ist.

Automobilgeschichte ist Geschichte der lokalen Industrialisierung

Die Familie Fehr hat in Wr.Neustadt vor einigen Jahren ein gar nicht so kleines Oldtimer- Museum Fehrclassiccars eingerichtet, das die Technikgeschichte des österreichischen Automobilbaues auch mittels spezieller Ausstellungen pflegt. Die 8. Sonderausstellung in diesem Rahmen widmet sich noch bis 29. März 2026 der weltweit bekannten Wiener Neustädter Automobilbau-Firma „Austro-Daimler“. Dieser Streifzug durch die Geschichte und die Blütezeit des Automobilbaues bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt wurde von Lisl und Heinz Mesicek in enger Zusammenarbeit mit dem Team Fehr praktisch  direkt am ehemaligen Gelände der Austro-Daimler Werke geplant, organisiert und kuratiert.

Die Maschinenfabrik, Eisen- und Metallgießerei der Brüder Fischer an der Pottendorfer Straße östlich der heutigen Stadionstraße legte 1899 den Grundstein für die Ansiedlung von Daimler in Wiener Neustadt. Damit wurde Wiener Neustadt eines der wichtigsten Zentren der Schwerindustrie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Bilder des ehemaligen Werkes zur Verfügung gestellt von der Sektion Austrodaimler – austrodaimler.at

Für alle, die keine Zeit oder Gelegenheit haben, die Ausstellung in der Stadionstraße noch vor dem 29.März 2026 zu besuchen, zeige ich hier einige Bilder mit meinen dazu gesammelten Hintergrund-Informationen.

Der Austro-Daimler AD 6-17, Baujahr 1920

Der AD 6-17 wurde in den von Ferdinand Porsche geleiteten Austro-Daimler- Motorenwerken für ein Hotel in Südschweden erzeugt. Er galt 1920 als vornehmes und teures Auto, war als Schöpfung von Ferdinand Porsche der österreichische Beitrag in der international prosperierenden Luxuswagenklasse. Die österreichische Flugzeuggesellschaft (ÖFFAG) fertigte den charakteristischen Karosserie- aufbau komplett aus Holz. Der große 6 Zylinderwagen mit Königswellenantrieb, einem Hubraum von 4.400 ccm und 60 PS, war seinerzeit das Spitzenmodell aus Wiener Neustadt und kostete 13 Millionen Kronen, das wären heute rund 1,7 Mio Euro. Die mehr als 100 km/h Höchstgeschwindigkeit konnte er aber nur selten nutzen.

Der Austro-Daimler AD 14-32, Baujahr 1914

Ferdinand Porsche kam im Jahr 1905 zu Austro-Daimler als Technischer Direktor und wurde 1916 ihr Generaldirektor. Da Ehrendoktorat der Universität Wien erhielt er 1917 sicher auch wegen seiner herausragenden Arbeit bei Austro-Daimler. Der AD 14-32 gehörte da sicher auch dazu.

Der Austro-Daimler ADM Sport, Baujahr 1926

Ein 6-Zylinder Blockmotor mit 3 Liter Hubraum und 100 PS verlieh diesem außergewöhnlichen Auto eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Zeitschrift Europa Motor schrieb in der Ausgabe 4 von 1926: „Die Type ADM Sport Dreiliter ist für jene Kategorie Herrenfahrer gebaut, die einen schnellen Sportwagen haben wollen, der sich ohne besondere Adaptierungen nicht nur zur Teilnahme an sportlichen Konkurrenzen eignet, sondern auch als Tourenwagen verwendet wird, der also zugleich Renn- und Tourenwagen ist.“

Es gab eine 2-sitzige und eine 4-sitzige Variante, die auch ausgestellt ist. Europa Motor schreibt dazu weiter: „Der Viersitzer sieht gute Karossierungsmöglichkeiten vor und eignet sich gleich gut als schneller Tourenwagen mit sportlichem Charakter als auch zur Teilnahme an Tourenkonkurrenzen usw.“

Der Austro-Daimler ADR 6 Cabrio, Baujahr 1927

Das ausgestellte Exponat ist der älteste bekannte ADR, ein Köllnsperger K. Roadster und mit rund 2400 Fahrzeugen auch der meist gebaute AD.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, Baujahr 1925

Dieses Fahrzeug trägt noch das Originalkennzeichen der ersten Anmeldung in England und könnte damit mit einer gültigen Versicherung dort auch heute noch gefahren werden.

Der Austro-Daimler ADM 60/70, oft als „kleiner Sport“ oder „Alpine“ bezeichnet, war ein exklusiver Sportwagen der 1920er Jahre, der von Ferdinand Porsche entworfen wurde. Ausgestattet mit einem 6-Zylinder-Reihenmotor (ca. 2,5–3 Liter), Leichtmetallblock und obenliegender Nockenwelle, bot er hohe Fahrleistungen und wurde durch sportliche Aufbauten mit Cantilever-Hinterradfederung bekannt.

Er ist ein seltenes Beispiel für österreichische Sportwagentechnik aus der Zeit vor der Übernahme durch Steyr. Von der ADM-Serie, einschließlich der Sportvarianten, wurden über 6 Jahre insgesamt ca. 500 Einheiten in Wiener Neustadt gefertigt. Die Bezeichnung 60/70 PS deutet auf die gesteigerte Motorleistung der Sportversion hin.

Der Austro-Daimler ADR 6, Baujahr 1928

Dieser Austro Daimler ADR 6 ist sicherlich kein gewöhnliches Automobil und ein weltweites Einzelstück. Nicht weil es als einziges übrig geblieben ist, nein, es wurde genau nur einmal gebaut.

Das Chassis wurde damals von dem Karosseriebaubetrieb Alexis Kellner – Berlin bestellt, um auf dem Fahrgestell einen Aufbau zu fertigen – und auf der IAA Berlin 1928 ein wirklich „besonderes“ Ausstellungsstück präsentieren zu können. Auf dem IAA-Stand vom Berliner Kellner, fälschlicherweise immer mit Kellner-Paris verwechselt, wurden auf verschiedenen Chassis basierende Cabriolets von Kellner gezeigt. So entstand die Bezeichnung „Kellner Cabrio“.

Der Austro Daimler galt dort als ein echter „Eyecatcher“, der vor allem die Enthusiasten anziehen sollte. Das lag auch an den zahlreichen glänzenden Anbauteilen – sicherlich eine Geschmacksfrage. Innen wurde die Polsterung mit Eidechsenleder bezogen, es könnte jedoch auch eine seltene Schlange gewesen sein.

Genauso besonders war das Verdeck des Cabriolets. Zum einen waren am hellen Verdeck keine Sturmstangen (außen) montiert, zum anderen konnte durch ein spezielles Feder- und Hebelwerk das Verdeck einhändig geöffnet werden. Dies war jedoch nicht die einzige technische Raffinesse. Ein Hebel hinter dem Fahrersitz ließ einen Deckel im Heck „aufspringen“, der den „Schwiegermuttersitz“ zum Vorschein brachte.

Die Austro-Daimler ADR 6 Limousine, Baujahr 1928

Die wunderschöne dunkelblaue Limousine aus der gleichen Typenfamilie ist dagegen kein Einzelstück, sondern war mit rund 2500 Stück sozusagen die Massenware. Das tut ihr aber keinen Abbruch, sie ist technisch am gleichen Level und mit 3 Liter Hubraum und 70 PS auch 120 km/h schnell, ein Spitzenwert für damalige Verhältnisse.

Das älteste und das jüngste Ausstellungsstück ist jeweils ein Feuerwehrauto, beide kommen aus Niederösterreich.

Der Austro Daimler AD 9/20, Baujahr 1912

Der Austro-Daimler AD 9/20 (oft als 20 PS Motorspritze oder Löschfahrzeug bezeichnet) wurde hauptsächlich im Jahr 1912 gebaut. Diese Fahrzeuge waren frühe Feuerwehr- Löschfahrzeuge und Motorspritzen, die in dieser Zeit unter der technischen Leitung von Ferdinand Porsche entstanden.

Das ausgestellte Fahrzeug wurde von 1920 bis 1950 in der Stadt Mödling verwendet und auch im 2.Weltkrieg als eines der wenigen Feuerwehr-Fahrzeuge eingesetzt.

Der Austro Daimler ADGR, Baujahr 1940

Heute gibt es insgesamt nur mehr ungefähr hundert Austro-Daimler, und nur diesen einzigen ADGR als Zeugen der späten Markengeschichte. Er landete nach unbekannter Kriegs-Geschichte zunächst arg ramponiert in Wien, dann übersiedelte er am 20. Juni 1947 zum Preis von 1.550 Schilling zur Freiwilligen Feuerwehr Aspang im südlichen Niederösterreich.

Der 2000 Liter fassende Wassertank und seine Halterungen wurden maßgeschneidert, der Seilwinden-Antrieb war ideal für die Löschwasserpumpe. Die erlaubt übrigens die Beimischung von Löschschaum, damals keine Selbstverständlichkeit. Der Schaum war „bio“, aus Eiweiß und mit entsprechendem Geruch.

Das Fahrzeug besitzt 7 Vorwärts- und 3 Rückwärtsgänge. Kurios ist das Baujahr 1940 – ein Austro-Daimler sieben Jahre nach dem Ende der Firma in Wiener Neustadt, und mitten in einer Zeit, in der „Austria“ äußerst unmodern war.

Austro Daimler D 5 P, Baujahr 1932

Ab 1932 produzierte Austro-Daimler-Puch eine mit einem 250cm³ Puch Motorradmotor ausgestattete Draisine. Sie hatte die Sitze noch hintereinander angeordnet, während das Nachfolgemodell ab 1938, von Draisinentypen der Deutschen Reichsbahn abgeleitet, die Sitze nebeneinander angeordnet hat und es entsteht die Type D 11V, vergleichbar mit der deutschen Bauart „Vorhölzer“.

Zur Vollständigkeit: Austro Daimler ADS R – Der Saschawagen, Baujahr 1922

Der Saschawagen war zwar nicht ausgestellt, ist aber untrennbar mit Wr.Neustadt verbunden, daher möchte ich ihn hier trotzdem vorstellen.

Der Austro-Daimler Sascha ist ein Sportwagen, den Ferdinand Porsche 1922 konstruierte. Den Namen Sascha wählte Porsche nach Alexander „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky, der den Wagen bestellt hatte.

Bei der TARGA FLORIO am 2. April 2022 nahmen insgesamt 4 Sascha-Wagen teil, damals rot lackiert, um für Italiener gehalten zu werden. Zur Unterscheidung waren sie mit Spielkartensymbolen markiert. Graf Kolowrat-Krakowsky schied aber aus, die anderen 3 waren beinahe unschlagbar. Sie belegten Platz 1 und 2, Alfred Neubauer auf dem 3.Sascha-Wagen konnte sogar in der größten Fahrzeugklasse mit dem absoluten Sieger mithalten und blieb über eine Zeit von 7 Stunden 49 Minuten nur 8 km hinter dem Sieger mit einem viermal stärkeren Fahrzeug zurück. Den Helden der Targa Florio wurde in den Österreichischen Daimler Motoren Aktiengesellschaft Werken in Wiener Neustadt ein jubelnder Empfang bereitet.

Die erste Gelegenheit, den Saschawagen zu sehen hatte ich 2019, als das Fahrzeug zur Landesausstellung „Welt in Bewegung“ für kurze Zeit nach Wr.Neustadt zurückkehrte. Das nächste Mal war es 2024 im Porschemuseum in Stuttgart. Leider habe ich in beiden Fällen kein besonderes Foto gemacht, daher muss ich hier beim zweiten Bild auf Wikipedia zurückgreifen.

Vom Oldtimer-Klassiker zum Steak-Leckerbissen

Die mittlerweile 8.Sonderausstellung ist ein Teil des Museums mit rund 70 immer wieder wechselnden Oldtimer-Leckerbissen, unter anderem von automobilen Legenden wie dem Bentley S3 Saloon aus dem Erstbesitz von Frank Sinatra oder dem Cadillac Fleetwood von Elvis Presley und auch dem Steyr 150, der in den Filmen „Der Bockerer“ zum Filmstar wurde.

Zum Abschluss als weiteren Leckerbissen ein Steak im angeschlossenen Restaurant Route 66 kann ich auch noch empfehlen.

Leider scheint das Comeback eines Austro-Daimler Bergmeister gescheitert

1931 wurde der letzte Austro Daimler gebaut. Eigentlich war es der vorletzte, denn es gab 2019 einen neuen engagierten Versuch der Neubelebung im Sinne der Sportwagentradition, den Austro-Daimler Bergmeister ADR 630 Shooting Grand. Das war ein ehrgeiziges Projekt eines niederösterreichischen Ingenieurs, der an die Intentionen von Ferdinand Porsche und die Tradition dieser Wiener Neustädter Marke anknüpfen wollte.

Er baute aus einem AMG-Sechszylinder zusammen mit einen 55-kWh-Akku und gleich drei Elektromotoren einen Hybrid mit 1214 PS Systemleistung, der in 2,5 Sekunden auf 100 beschleunigen sollte. Das Design als Verbindung aus klassischem Gran Turismo und dem Konzept des Shooting Brake wurde Shooting Grand genannt und ist zumindest auffällig und wäre möglicherweise auch richtungsweisend gewesen.

Es gab auch 2019 einige Präsentationen des fahrfähigen Prototypen vom Salon Privé Concours beim Blenheim Palace in England über den Concours d’Elegance an der Villa d’Este in Italien und das Museum Fahr(t)raum in Mattsee bis zur Planai Classic.

Die Homepage www.austrodaimler.com gibt es zwar auch noch aktualisiert im Jahr 2026, aber sonst scheint es seit 2019/2020 keine neuen Aktivitäten zu geben. Schade, das wäre auch 2026 adaptiert noch ein tolles Fahrzeug.

Auf zum Faschingsumzug

Von einigen Jugenderinnerungen an niederösterreichische Faschingsumzüge und von ein paar Eindrücken vom Rosenmontag in Köln schreibe ich in diesem Blog.

Geschichtliches zum Fasching in Niederösterreich

Im Mittelalter wurde man als Narr angesehen, wenn man die Zehn Gebote überschritten hatte, und deshalb beginnt die Faschingszeit am 11.11. um 11:11 Uhr. Ein weiterer Grund ist, dass die Winterfastenzeit damals am St. Martinstag, dem 11.11. begonnen hat und bis zum letzten Tag vor der Fastenzeit gedauert hatte. Da wurde die Welt noch einmal ordentlich „auf den Kopf gestellt“, so wie heute am Faschingsdienstag vor dem Aschermittwoch.

In Niederösterreich feiert man den Fasching zwar nicht ganz so ausgelassen wie in den westlichen Bundesländern, aber auch hier kommen Narren und Närrinnen auf ihre Kosten. Außerdem fanden und finden in manchen Orten noch immer im Jänner und Februar zahlreiche Faschingssitzungen und Maskenbälle (auch „Gschnas“ genannt) statt.

Erinnerungen an die Umzüge in meiner Jugend

Dabei sind in vielen Orten in Niederösterreich Faschingsumzüge eine jahrelange Tradition und wurden in meiner Kindheit und Jugend meistens am Faschingsdienstag durchgeführt. Während der Gymnasiumszeit habe ich oft einen Zwischenstopp in Scheibbs eingelegt, um den Faschingsumzug zu sehen. In der Oberstufe und später war der Purgstaller Umzug das Highlight, wo wir anschließend von Wirtshaus zu Wirtshaus zogen. An den Gaminger Faschingsumzug am Faschingssamstag kann ich mich nur ein oder zweimal erinnern, wo ich auf dem einen oder anderen Wagen ein Stück mitfuhr und so manches alkoholische Getränk konsumiert werden musste. 

In der neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn fand der vom Fremdenverkehrsverein veranstaltete Umzug in den 1990er Jahren ursprünglich noch am Faschingsdienstag statt. Erst nach einigen Jahren, wo die teilnehmenden Wagen und auch die Zuschauer immer weniger wurden, wurde er auf den Faschingssamstag verlegt. Er startete am Platz der Menschenrechte vor der Volksschule und zog dann langsam nach Lindabrunn. Traditionell teilnehmende Wagen waren und sind auch heute noch vom Weinbauverein, dem Musikverein Hirtenberg, der SPÖ, der Fleischerei Sunk und anderen Vereinen. Ab 2010 kam die Liste Schneider mit einem Wagen dazu. 

Ab dem Jahr, als die Junge ÖVP in Enzesfeld-Lindabrunn gegründet wurde, zogen sie ebenfalls jahrelang mit einem eigenen Wagen mit und veranstalteten zuerst in Lindabrunn im „Kirchberger-Keller“ und später in der Hofeinfahrt der Familie Hegenbart eine Faschingsparty. Auch wir mit der „alten“ ÖVP hatten einige Male einen eigenen Wagen. Am Abend ging es dann nahtlos beim Feuerwehrball im Gasthaus Glantschnig weiter.

Dabei habe ich auch meine Frau Evi kennengelernt, das wird aber in der Familiengeschichte erzählt, die nicht in meinem Blog erscheint. 

Und wie ist es bei den deutschen Nachbarn?

Bei uns in Niederösterreich beginnt die intensive Faschingszeit traditionell um den bzw. ab dem Faschingssamstag und endet relativ ausgelassen am Faschingsdienstag.

In Deutschland hingegen wird der Fasching, der bei unseren Nachbarn Karneval genannt wird, ja mehr auf den Rosenmontag verlegt, also den Montag vor dem Faschingsdienstag. Anders als der österreichische Fasching mit christlicher Tradition und Herkunft ist der deutsche „Karneval“ im Mittelalter als Reaktion auf gesellschaftliche Missstände entstanden und hält dem Staat und der Obrigkeit quasi den „Narrenspiegel“ vor.

Während meines beruflichen Aufenthaltes in Köln durfte ich auch am Rande den Rosenmontag miterleben, bei dem gefühlt alle Menschen mehr oder weniger verkleidet mit dabei sind. Bei uns in Niederösterreich geht hingegen der Fasching an vielen Menschen einfach vorbei.

Andererseits habe ich schon in der Früh noch noch nie so viele schlecht gelaunte Menschen in Kostümen gesehen wie in der Passage des Kölner Hauptbahnhofes, obwohl viele von ihnen bereits seit Monaten in  den jeweiligen Gilden mitarbeiteten.

Umgekehrt waren anscheinend wir Österreicher die einzigen in der ganzen Stadt, die an diesem Tag gearbeitet hatten.

Leider konnte ich daher aus Zeitgründen beim Rosenmontagszug nicht dabeisein oder einer der Karnevalssitzungen und mit Auftritten von Büttenrednern beiwohnen, die wir Österreicher ja nur aus dem Fernsehen kennen. Hier ist aber unser Villacher Fasching auf jeden Fall zu vergleichen.

Brauchtum aus meinem Erleben und meinen Erinnerungen

Viele Bräuche, die in meiner Kindheit im Ötscherland begangen wurden, haben sich bis heute erhalten und werden in ähnlicher Form auch in meiner neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn gefeiert. Einige sind etwas abgewandelt und ein paar sind neu dazugekommen.

Osterfeuer beim Symposium Lindabrunn 2016

Österreichisches Brauchtum und Traditionen im Rückblick und aus meiner Sicht seit meiner Kindheit bis heute werde ich im Lauf des Jahres immer zum passenden Datum in dieser Blogserie behandeln. Die Idee dazu entstand im Zuge der Recherche zu unserer Familiengeschichte, wo im bäuerlichen Umfeld das Brauchtum immer eine Rolle gespielt hat.

Da es eine subjektive Sicht ist, fehlt manchen Lesern sicher das eine oder andere oder kennt es eventuell in etwas anderer Form. Es sind eben meine Erinnerungen oder Erzählungen von älteren Verwandten, die entweder wieder Erinnerungen geweckt haben oder mir dadurch interessant genug erschienen sind, um aufgezeichnet zu werden.

Die Bräuche im Jahreskreis

Hier findet ihr immer die aktuellen Links der Blogserie:

1 Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Hl. Drei Königen

2 Auf zum Faschingsumzug

3 Vom Ei zum Osterei

Vom Neujahrsgruß zu den Zoderwascherln, Schnapstee und den Heiligen Drei Königen

Der Jahresanfang ist gleich mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen gefüllt. Nicht nur im ersten Eintrag meiner Blogserie erzähle ich von den Bräuchen aus meiner Erinnerung und von den Erzählungen meiner älteren Verwandten.

1. Jänner: Neujahrswünsche

Am 1. Jänner und in den Tagen danach sind im Mostviertel schon bald nach dem 2.Weltkrieg die kleineren Kinder zu den Nachbarbauernhöfen gegangen und haben „A guads neichs Joar“ gewünscht. Dafür gab es dann den einen oder anderen Groschen oder gar Schilling als kleines Trinkgeld.

In anderen Gegenden wurde das nicht nur von den Kindern praktiziert. Das „Anklöckeln“ war ein Brauch im Advent, bei dem verschiedene Gruppen von Haus zu Haus gingen und dabei Lebensmittel oder Geld erhofften. Damit es nicht zu offensichtlich war, sangen sie Weihnachtslieder und wünschten Glück und Segen.

5. Jänner: Frau Bercht und ihre Zoderwascherl

Am Vorabend des Dreikönigstages trippelten hinter der Frau Bercht in langer Reihe die armen, zarten „Zodawascherln“ einher, es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. Es war auch der Brauch, den ich eigentlich nur mehr von Erzählungen kannte, an diesem Abend nach dem Abendessen eine Schüssel voll Milch mit Semmelbröckerln für die Frau Bercht und ihre Kinder auf den gedeckten Tisch zu stellen. Die Löffel jedes Familienmitglieds wurden hineingelegt und ein Löffel dann umgedreht. In der Früh hat man dann den Kindern erzählt, dass die Bercht von dem umgedrehten Löffel gegessen hat.
Ich hatte als kleines Kind sehr viel Respekt vor diesen armen Seelen. Das ist auch einer der Bräuche, die in dieser Form erst im beginnenden 20. Jahrhundert wiederentdeckt oder neu erfunden wurden.

6. Jänner: Die Heiligen Drei Könige

Ich war zwar Ministrant, aber nie selbst einer der Sternsinger, die in den Tagen vor dem 6. Jänner von Haus zu Haus zogen. Erst später, als ich bei Herrn Pfarrer Zainzinger Mesner und Lektor in der Kienberger Filialkirche war, wanderte ich einige Jahre als Begleiter mit den 3 Königen Kaspar, Melchior und Balthasar und dem Sternträger in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming von Haus zu Haus. Das Geld, das wir sammelten, kommt damals wie heute der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar zugute, die damit Entwicklungshilfe- Projekte speziell für Kinder und Jugendliche unterstützt.

Die Filialkirche der Pfarre Gaming in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming (2014)

Da das im kalten Winter war und wir wirklich bei jedem Wetter unterwegs waren, wurden wir in manchen Häusern zum Aufwärmen eingeladen. Wir erhielten Wurstbrote, Weihnachtskekse und einen heißen Tee. Ich als Begleiter musste ihn, wie damals bei den Bauern im Mostviertel üblich, natürlich mit Schnaps trinken, was für einen 15–16-jährigen Buben nach einigen Häusern recht anstrengend wurde.

Ein Seitenblick zum Schnapstee

Noch bis in die 1990er war es bei den Bauern im Ötscherland üblich, dass im Winter jeder Besuch einen Schnapstee angeboten bekam. Heute wird er auch noch angeboten, es wird aber akzeptiert, wenn man ablehnt. Wobei das Wort Schnapstee wörtlich zu nehmen ist, es ist eben kein Tee mit Schnaps wie auf der Schihütte, sondern ein Getränk aus halb Schnaps und halb Tee. Der sehr starke Obstler oder Zwetschkerne wurde dabei auch noch kurz mitgekocht, was der Stärke des Getränkes aber nicht schadete.

Serviert wurde und wird er in einem dicken Glas mit Stiel, im täglichen Gebrauch meist unbemalt, zu festlichen Anlässen bemalt wie am Bild unten. Der Löffel ist dabei bereits im Glas und dient als Wärmeleiter, damit das Glas nicht springt. Einige Würfelzucker vervollständigten das für Ungeübte recht gefährliche Getränk. Dazu wurden Weihnachtskekse und Kletzenbrot serviert.

Der Alkohol fällt während des Trinkens nicht besonders auf und das verleitet dazu, mehr als einen zu trinken. Das wiederum rächt sich später an der frischen Luft.

Schnapstee mit Weihnachtskeksen und Kletzenbrot

Damals durften noch keine Mädchen Sternsingen, das änderte sich erst viele Jahre später. Ich habe das dann zur Jungscharzeit meiner beiden Töchter auch noch einmal in unserem neuen Heimatort Enzesfeld gemacht, wo ich mit ihnen und ihren Freundinnen von Haus zu Haus zog und Spenden sammelte. Die Zeiten hatten sich geändert und wir wurden nicht mehr überall freudig empfangen, so manche Tür blieb verschlossen, obwohl die Bewohner daheim waren. Die Kinder bildeten sich dadurch schon recht früh eine Meinung über manche Leute.

Das allgemein bekannte „C + M + B“ an unseren Eingangstüren bedeutet übrigens nicht Caspar+Melchior+Balthasar“ sondern „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

Wir freuen uns jedes Jahr auf den Besuch der Sternsinger-Kinder in Enzesfeld, aber leider finden sich nicht immer genügend Kinder um alle Haushalte zu besuchen.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter

Eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition in Scheibbs möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da ich mich als Kind erinnern kann, dass wir uns das auch angesehen hatten, weil unsere Mutter die Initiatoren noch aus der Schule kannte. Im Jahr 1947 veranstalteten die Brüder Wilhelm und Josef Beer sowie Alois Krenn den ersten Dreikönigsritt in Scheibbs. An fünf Stationen von der Kapuzinerkirche bis zur
mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche sangen sie hoch zu Ross das selbstgeschriebene Hirtenlied „Mir san die drei König“. Seit 1993 reiten nun die Söhne Andreas, Klemens und Alois Krenn als Kaspar, Melchior und Balthasar von der Klosterkirche zur Pfarrkirche und halten die weitum bekannte Tradition hoch, die es auch schon einige Male geschafft
hat, vom ORF gezeigt zu werden.

Die Scheibbser Dreikönigsreiter (Foto zur Verfügung gestellt von Plopp Wieland)

Update am 2.1.2026

Wie die NÖN berichtet, macht der Dreikönigsritt im Jahr 2026 eine Pause. Die Heiligen Drei Könige Alois, Andreas und Klemens Krenn treten zurück und übergeben nach 32 Jahren die Kronen an die nächste Generation. Der jüngere Bruder von Alois, Willi, möchte nach einem Jahr Pause den Dreikönigsritt wieder vom Hause Krenn aus weiterführen.

Sternsinger-Spruch aus den 1970er/1980er/1990er Jahren:

Es zieh’n aus weiter Ferne drei Könige einher,
sie kamen von drei Bergen und fuhren übers Meer.

Das Kind liegt in der Krippe, so wunderlieb und klein, das schönste Kind auf Erden, im goldnen Himmelsschein.

Wir haben’s angebetet und Opfer dargebracht,
und zogen dann von dannen noch in derselben Nacht.

Lindabrunner Sternsinger mit Susanne Rappold-Schlägl und Altbürgermeister Franz Schneider

„Curated Woods“ oder: Wie man aus Abstraktem Konkretes werden lässt

Mit diesem Blog bleibe ich in meinem Heimatort Enzesfeld-Lindabrunn und beschäftige mich das erste Mal mit einem lokalen Künstler von internationalem Format und einem kleinen aber umso feineren Ausschnitt aus seinem Werk.

Wie meine regelmäßigen Leserinnen und Leser wissen, schreibe ich neben anderen Themen gerne über Ausstellungen, die ich in Wien, Zürich, Dresden oder sonstwo besucht habe. Dabei ist bisher ein Kleinod durch den Rost gefallen. Mein Freund Prof. Christian Kvasnicka macht immer wieder spannende Aktionen oder lässt mich einfach in sein Atelier bei uns in Enzesfeld sehen, aber ich habe noch nie davon berichtet.

Christian Kvasnicka mit einem seiner Werke in der Spitalskirche

Diesmal war es ähnlich, er machte in diversen Foren und WhatsApp-Gruppen bekannt, dass er in einem weiteren Kleinod in unserem Ort, in der Spitalskirche, die ihm auch sehr am Herzen liegt, eine Bilderserie ausstellt. Mit dem beigefügten Foto war mir sofort klar, dass ich diese Bilder schon vor Jahren am Symposion Lindabrunn gesehen habe.

Schon damals, im September 2010, hatten mich die 10 Bilder unter dem Titel „Curated woods“ im Format 200 x 95 cm fasziniert und so habe ich auch eine Fotoserie davon gemacht, die die Wechselwirkung zwischen Bildern, Bäumen und den Steinskulpturen zeigen sollten.

Der Künstler selbst bezeichnet seine Werke als gestische Synapsen der Sinne. Die scheinbar abstrakten Bilder ergeben laut ihm durch den synaptischen Einfluss Informationen an das Gehirn, das daraus seine eigenen realen Bildwelten zu formen beginnt. Es entstehen dabei immer mehr Traumtänzer, Echsen, Fische und Pflanzen, die sich immer wieder neu definieren und strukturieren.

Ich habe ohne Genehmigung von Christian ein kleines Experiment gestartet und zwei seiner Bilder an jeweils einer Stelle bis ins kleinste Detail seziert und genau das gefunden, was er oben beschreibt.

Das erste Objekt, zuerst am ersten Foto im rechten Teil, habe ich in drei Stufen herausgearbeitet. Ich will euch als Betrachter keine Antwort vorgeben, nur ist das aus meiner Sicht sicher keine Fee. Was ihr aber seht, sei euren Augen und Synapsen überlassen.

Die zweite Serie beginnt ebenfalls mit dem Gesamtbild aus dem Wald. Das rechte Werk am Foto habe ich für mein Experiment genommen, um nach drei Vergrößerungen etwas ganz anderes als beim ersten Mal zu finden, aber doch wieder in die Richtung der Intention des Künstlers zu gehen scheint.

Auch hier gilt: „Ein jeder soll sich daraus selbst ein Bild machen“.

Natürlich ist mein „Experiment“ weder technisch noch fachlich und schon gar nicht künstlerisch fundiert, aber mir macht es immer wieder Spaß, mit etwas Augenzwinkern an ein Kunstwerk heranzugehen, ich hoffe,  Christian, du verzeihst mir!

Der Kraft, die speziell im originalen Umfeld in den Bäumen des Symposions Lindabrunn von diesen Werken ausgegangen ist, wenn man sich dort darauf eingelassen hat, tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil.

Abseits des künstlerischen Wertes hat mich interessiert, wie eine Leinwand ohne Schaden und Farbveränderung die wochenlange Präsentation im Freien bei Wind und Wetter überstehen kann und auch 15 Jahre später keine sichtbaren Veränderungen zeigt. Was für mich dabei spannend ist, dass durch die Tinktur, die Christian verwendete, die Leinwand sehr dicht, aber trotzdem weich und relativ geschmeidig geblieben ist und die Acrylfarben darauf auch nach langer Zeit nicht gebrochen sind.

Und sie zeigt für mich nur eine kleine Facette des Künstlers Christian Kvasnicka, der neben seinem persönlichen künstlerischen Schaffen auch viel Geld für das Rote Kreuz mit der genialen Idee auf die Beine gestellt hat, indem er 25 Jahre lang bedeutende österreichische Maler von Attersee bis Nitsch überzeugte, mit Druckgrafiken leistbare Werke höchster künstlerischer und technischer Qualität zu schaffen und sie dem Art Collectors Club des Wiener Roten Kreuzes zur Verfügung zu stellen.

Sein Engagement in der Gemeinde, wo er unter anderem immer wieder Kinder animiert, zu zeichnen und zu malen ist ebenfalls nicht wegzudenken.

Ich aber werde wieder über Christian berichten, wenn ich meinen Blog zur Schule des Sehens von Oskar Kokoschka schreibe und seine Verbindung dazu erläutern möchte.

Auf der Diretissima durch Niederösterreich ins Winterquartier

Die heurige Motorrad-Saison ist wieder viel zu schnell zu Ende gegangen und so musste Mitte Oktober meine Crosstourer ins Winterquartier. Der nasse Weg dorthin führte quer durch Niederösterreich.

Vom Wienerwald über die  „Wiener Alpen“, das Ötscherland, das Steirische Almenland bis ins slowenische Bled, die Dolomiten, den Tessin und über die Tremola auf den Gotthardpass und nach Graubünden führten mich meine Ausfahrten im Jahr 2025, nachzulesen in meinen Beiträgen zu meinen Motorraderlebnissen (siehe obige Links oder im Menü). Einige Pläne gingen dann aber doch nicht und so musste ich schweren Herzens mein Bike einwintern.

Aus zeitlichen Gründen fuhr ich um 6:30, noch in der Finsternis, aber ohne Regen daheim in Enzesfeld los, aber schon wenige Kilometer weiter begann es zu nieseln. Und so blieb es auf der B18 durch das gesamte Triestingtal bis über den Gerichtsberg ins Traisental. Mein weiterer immer nasser werdende Weg führte mich über Eschenau und die Tradigist ins Pielachtal und die B39. Von dort ging es talaufwärts bis „Kreuztanne“ an der Kreuzung mit der B28 und dann hinunter nach St. Anton an der Jessnitz und  Neubruck zur B25. Erst hier wurde der Regen wieder schwächer und bis zu meinem Grestner Winterquartier war die Straße wieder trocken.

Und so ging die Motorrad-Saison 2025 nasser als geplant zu Ende. Auch wenn es auch heuer gar nicht so wenige einzelne feuchte Erlebnisse gab, überwiegen die Erinnerungen an die trockenen und sonnigen Strecken.

Die Route

KURVIGER: https://kurv.gr/dwyuB

Senioren in Niederösterreich bekommen Unterstützung bei der Einrichtung der ID Austria

Wie ich in meinen Blogs schon mehrfach beschrieben habe, ist die ID Austria der Schlüssel zu digitalen Amtswegen in Österreich. Seit 1. Oktober 2025 ist der Einstieg in FinanzOnline nur noch mit der ID Austria oder mit Zwei-Faktor-Authentifizierung möglich. Ab sofort bekommen weniger IT-affine Seniorinnen und Senioren in Niederösterreich Unterstützung bei der Einrichtung.

Foto: ID Austria

Bei der finalen Einrichtung der ID Austria sind zwei Endgeräte, nämlich das persönliche Handy und ein PC oder Laptop erforderlich. Das stellt manche nicht so IT-affine Seniorin oder Senioren vor größere Herausforderungen.

Fertigstellung der Registrierung für die ID-Austria ist ab sofort bei Niederösterreichs Bezirkshauptmannschaften möglich

Wie verschiedene Medien wie z.B der ORF NÖ berichten, unterstützen ab sofort auf Initiative des Landesobmannes der NÖ Senioren, LT-Präs. Karl Wilfing, alle Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich bei der Fertigstellung der Registrierung der ID AUSTRIA auf Ihrem Mobiltelefon.

Diese Hilfestellung haben schon bisher manche Behörden angeboten, allerdings immer auf freiwilliger Basis. Auch datenschutzrechtliche Bedenken wurden jetzt ausgeräumt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bürgerbüros der Bezirkshauptmannschaften in NÖ dürfen die Hilfestellung leisten.

In anderen Bundesländern gibt es Veranstaltungen in den Bezirkshauptmannschaften, um Seniorinnen und Senioren fit für das digitale Amt zu machen.

Ein Termin, ihr Handy und ein Ausweis

Eine Terminvereinbarung bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft ist unbedingt vorab auszumachen. Das eigene Smartphone und ein gültiger Lichtbildausweis sind noch notwendig, dann steht der Einrichtung ihrer ID Austria nichts mehr im Wege. Weitere Details erhalten sie ebenfalls bei der Terminvereinbarung.

Die Einreichung auf Papier ist weiter möglich

Personen, die den digitalen oder elektronischen Weg trotzdem nicht gehen wollen, haben auch weiterhin die Möglichkeit, die Arbeitnehmerveranlagung auf Papier durchführen und sie per Post oder persönlich an das Finanzamt weiterzuleiten.

Natur, Schönheit und die Zerstörung durch den Menschen: Badener Photofestival 2025

Australien und die Neue Welt ist das übergreifende Thema des heuer schon zum achten Mal stattfindenden Festivals La Gacilly in Baden bei Wien. Man kann nur hoffen, dass diese Veranstaltung, die Tausende Gäste in die Stadt bringt, nicht dem Sparstift zum Opfer fällt.

Es geht auf die Initiative von Lois Lammerhuber, einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen Österreichs, zurück, der dieses Festival von La Gacilly, wo es schon seit 2004 stattfindet, nach Baden bei Wien gebracht hat. Wir sind seit 2018 praktisch jedes Jahr dabei, um dieses größte Outdoor-Fotofestival Europas zu genießen.

Der Start ist beim Besucherzentrum am Brusattiplatz, von wo man in 2 Routen, einmal durch die Stadt und einmal durch die Parks auf rund 7 Kilometern die rund 1500 Fotografien auf sich wirken lassen kann. Wie fast jedes Jahr teilten wir dabei unsere Wanderung auf diese beide Routen an zwei Tagen auf. In meinem Blog habe ich davon bereits 2024 von der damaligen Ausstellung unter dem Titel „Welt.Natur.Erbe“ berichtet.

Denkanstöße zum Umgang mit Mensch und Umwelt in der größten Freiluft-Fotoausstellung Europas

Das heurige Motto der Ausstellung lautet „Australien und die Neue Welt“ und präsentiert vom kleinen Bild mit rund 50×70 cm bis zum 200 m2 großen Plakat Werke von rund 35 Künstlerinnen und Künstlern. „Das Ziel des Festivals ist, die Besucher einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen“, wie die Homepage der Ausstellung ausführt.

Ich bringe hier nur einige wenige beinahe willkürlich ausgewählte Bilder, die neben der künstlerischen Qualität auch das Vorhaben zeigen, die Natur mit ihrer Schönheit, die aber vom Menschen gequält und zerstört wird, zu präsentieren.

Dabei sind einerseits die Parks und andererseits die Plätze und Bauten Badens die Kulisse für die Bilder, die im Jahr 2024 über 320.000 Menschen in das größte Outdoor-Fotofestival Europas ins Herz des Wienerwaldes gebracht hatte.

Sogar Ludwig van Beethoven, der in Baden große Teile seiner 9.Symphonie komponiert hat, sieht aus dem Hintergrund zu. Von der Ausstellung im Jahr 2024 unter dem Titel „Der Weg der Neunten von Baden in die Welt“ habe ich ebenfalls berichtet.

Alle Menschen werden Brüder oder 200 Jahre Beethovens 9. Symphonie

Der Bogen der faszinierenden und oft aufwühlenden Bilder spannt sich von Werken australischer Künstlerinnen und Künstler, die ihre Heimat im Mittelpunkt haben, über Papua Neuguinea bis in die USA, die südamerikanischen Andenstaaten und Benin in Afrika. Europa ist mit Fotos aus der Bretagne und zum Thema Essensverschwendung mit Österreich vertreten. Wie immer runden einige Sonderausstellungen zu verschiedenen österreichischen Themen dieses Festival ab. Auch die Schulen Niederösterreichs und der Bretagne leisten jedes Jahr ihren Beitrag.

Hoffentlich geht es weiter

Die wie immer sehenswerte Schau kann noch bei freiem Eintritt bis 12. Oktober 2025 besichtigt werden. Laut Medienberichten ist das Festival auch noch für das Jahr 2026 abgesichert. Es steht zu hoffen, dass Baden einen Weg findet, diese nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region beinahe nicht mehr wegzudenkende Ausstellung auch weiterhin zu ermöglichen. Über 300.000 Besucherinnen und Besucher, die sonst wahrscheinlich nicht kommen würden, sprechen dafür.

Kunst soll und kann zwar nicht immer ökonomisch gemessen werden, aber wenn jeder und jede von ihnen nur 10 Euro in der Stadt lässt, sind das pro Jahr 3 Millionen Euro an Wertschöpfung. Damit wird jeder Euro der derzeit an Förderungen fließt verzehnfacht.

Das sollten sich Stadt, Land und Wirtschaft nicht entgehen lassen und mit kreativen Ideen dafür sorgen, dass nicht nur das Geld, sondern auch die Besucherinnen und Besucher die Stadt beleben und Baden ihrem Ruf als Kulturstadt weiterhin gerecht wird.

Mit dem Motorrad in die Bucklige Welt

Die Bucklige Welt mit dem Motorrad zu erkunden kann jedes Mal zum Erlebnis werden. Wenn man von Anfang an kein bestimmtes Ziel hat, nimmt man irgendeine Straße südöstlich von Wr.Neustadt. In kürzester Zeit gibt’s Kurven zum Abwinken und eine wunderschöne Aussicht, der man sich auch widmen kann. Aber nur getrennt, beides gleichzeitig könnte schiefgehen.

Einige Stunden bei strahlend blauem September-Himmel wollen für eine Motorradrunde genutzt werden. Diesmal hatte ich mir den äußersten Süden Niederösterreichs mit einem kleinen Abstecher ins Burgenland vorgenommen.

Nordöstlich vorbei an Wr.Neustadt fuhr ich über Lichtenwörth ins benachbarte Burgenland nach Pöttsching und den Kurort Bad Sauerbrunn. Bald kam die Abzweigung nach Wiesen, das einerseits vielen Altersgenossinnen und Altersgenossen mit seinen legendären Festivals ein Begriff ist, andererseits im Sommer mit Marillen und Ananas-Erdbeeren aufmerksam macht.

Mich haben aber eher die Kurven von Forchtenstein zur hoch über dem Ort thronenden Burg angelockt, zu Festivals und Obstkauf fahre ich eher nicht mit dem Motorrad, obwohl das auch schon vorgekommen ist.

Nach ein paar Fotos ging es die Kurven durch den Wald weiter hinauf Richtung Rosalia, wo ich das tolle Wetter nutzte und die wenigen Meter einen Hohlweg hinauf zur Rosalienkapelle marschierte.

Die kleine Anstrengung wurde durch den Blick ins weite Burgenland entschädigt, auch wenn es etwas zu dunstig war, um am Horizont den Neusiedlersee zu erkennen. Auf der anderen Seite des Hügels konnte ich dafür im Hintergrund Schneeberg und Rax erblicken.

Einige Kilometer weiter, wieder in Niederösterreich, bei der Kreuzung mit der L148 Richtung Wr.Neustadt oder Hochwolkersdorf ist das „Tor der Buckligen Welt“, das den Blick ins Pittental mit der Südautobahn und dahinter ins Semmering- und Wechselgebiet erlaubt.


Ich nahm die Straße weiter in die Bucklige Welt hinein über Hochwolkersdorf und Bromberg in die Gemeinde Lichtenegg, die gleich mit zwei Attraktionen aufwartet, nämlich dem am Horizont erkennbaren Windrad von Lichtenegg mit einer derzeit leider geschlossenen Aussichtskanzel und der auf rund 850m gelegenen weit sichtbaren Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Auf dem Weg hinunter nach Grimmenstein blickte die namensgebende Burg vom gegenüberliegenden Hang. Für mich war es aber Zeit für den Rückweg und so nahm ich die Diritissima auf der B54 nach Wr.Neustadt und zurück nach Enzesfeld.

Die Route

Kurviger Route: Durch die Bucklige Welt

100 Jahre Österreichischer Schilling – Das Notgeld

„Ein Gebot der bitteren Not“ steht auf dem Notgeld aus Scheibbs. Die Nachwirkungen des ersten Weltkrieges waren noch zu spüren, es herrschte Mangel an allen Gütern, sogar am Metall für Münzen und dazu gab es eine Hyperinflation. Das veranlasste Gemeinden und Länder dazu, ein Notgeld aus Papier herauszugeben, um dem zumindest teilweise entgegenzuwirken.

Ausgabe von Papier-Notgeld zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Donaumonarchie war – als eine der vielen Auswirkungen dieser Ereignisse – auch der Mangel an Rohstoffen, insbesondere an Buntmetallen, drastisch spürbar geworden. Auf den Kirchtürmen fehlten die Glocken und in den Geldbörsen das Metallkleingeld.

Als Ersatz für das zur Mangelware gewordene Kleingeld wurden in Österreich im Jahr 1920, in manchen Orten bereits früher, Notgeldscheine ausgegeben, deren Nennwert meist 10, 20 und 50 Heller je Serie betrug. Gemeinden, Private und die Bundesländer gaben massenhaft Notgeld mit begrenzter Umlaufzeit aus.

Die ersten negativen Erscheinungen auf dem Gebiet des Geldwesens nach dem Ersten Weltkrieg waren die Inflation, der Ersatz der Gold- und Silbermünzen, dann auch der Kupfer- und Nickelmünzen durch eisernes und papierenes Notgeld. Dieses ungeheure Anschwellen sowohl des Notenumlaufes als auch der Staatsschulden bis zum völligen Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen führte zur Entwertung im Verhältnis 1:14.400. Das nimmt sich allerdings gegenüber der deutschen Katastrophe mit einer Abwertung von 1:1 Billion bescheiden aus, führte aber ebenfalls an die Grenzen der wirtschaftlichen Vernichtung.

Vor diesem Hintergrund erschienen gleich nach Kriegsende die ersten Notgeldausgaben, z.B. in Wiener Neustadt am 15.11.1918, Wien am 4.10.1919 (dem Bedarf entsprechend in hoher Auflage), Stockerau am 3.12. oder in der Marktgemeinde Haag am 20.12.1919. Der Anstoß dazu kam von Deutschland, wo Notgeld seit 1914 im Umlauf war und bald auch fleißig gesammelt wurde.

Nirgendwo deutlicher als in den bunten Kassenscheinen spiegelt sich die politische Szene des Jahres 1920. Der verlorene Krieg, der Untergang der Donaumonarchie, die neue Konstellation in Europa, sie haben die politischen Gefühle der Massen aufgewühlt, die Wirtschaftskrise tat noch das ihre hinzu, man suchte nach Sündenböcken und glaubte sie gefunden zu haben: in den Siegermächten, Generälen, Kriegsprofiteuren und den Juden. Antisemitismus und Großdeutschtum machten sich breit, der Anschlussgedanke beherrschte weite Kreise der Bevölkerung.

Auch das Land Niederösterreich, die Gemeinden Gaming, Gresten, Enzesfeld und Lindabrunn hatten ihre eigenen Notgeldausgaben. Einige davon befinden sich auch in meiner Sammlung, siehe Bilder.

Bis 1. Oktober 1921 war das Notgeld im Umlauf, dann verlor es seine Gültigkeit. Bereits vorher wurden durch die damalige Hyperinflation diese Kleinstbeträge nicht mehr benötigt.

Im Link mit dem Abdruck des Buches Notgeld in  Niederösterreich von Hans Hagen Hottenroth können sie noch viele weitere Details nachlesen.