1 – Bis zum Glockner und dann doch nicht drüber

Quer durch Österreich über den Drehort der „Bergretter“ bis zum Fuß des Großglockners verlief die erste Tagesetappe auf meinem Weg in die Schweiz. Was ich dabei gesehen und erlebt habe, erzähle ich im ersten Teil dieser Blog-Serie.

Von Enzesfeld bis Fusch an der Glocknerstraße

Ursprünglich hatte ich ja meine Reise in die Schweiz von Dienstag bis Samstag geplant und freute mich schon, dass es nicht so heiß wie in der Woche davor sein sollte. Als aber der Sonntagabend mit einem Gewitter begann und der Starkregen auch am Montag nicht enden wollte, beschloss ich den Start auf Mittwoch zu verschieben.

Booking.com ließ mich bis auf ein Hotel im Trentino alle umbuchen und jetzt weiß ich, dass ich in Zukunft auf Storno bis zum letzten Tag achten werde. Das ist zwar Lehrgeld, daß weh tut, aber andererseits hatte ich die Chance, am Mittwoch nicht mehr nass zu werden. Und diese Chance nützte ich.

Im Lauf des Dienstags, der komplett verregnet war, kamen dann die Nachrichten von 30 cm Neuschnee am Stelvio (Stilfser Joch) und dann auch noch vom Großglockner mit 20 cm. Den sollte ich dann von meinem Quartier in Fusch an der Glocknerstraße am Mittwoch Abend auch noch sehen.

Aber alles der Reihe nach. Der Regen hatte daheim in der Nacht aufgehört und so waren die Straßen zumindest trocken. Um der Baustelle auf der Autobahn auszuweichen, fuhr ich bis Neunkirchen die gewohnten kleinen Straßen und von dort auf der Semmering-Schnellstraße bis Mürzzuschlag und dann über Neuberg an der Mürz und das Niederalpl bis Gußwerk. Hier bog ich ins Salzatal auf der Hochschwab-Bundesstraße Richtung Wildalpen ab. Diese Straße ist allen zu empfehlen, die gerne flotte langgezogene Kurven  in einer wunderschönen Landschaft fahren.

Nach einem kurzen Stück auf der B25 bog ich nach Palfau ab, den Autos folgend, die dort die Rafter und Paddler aus der Salza wieder aufnahmen. Weiter ging es über den Erbsattel bis kurz vor St.Gallen links die Burgruine Gallenstein herunterblickte. Sie war vom 13. bis Ende des 19. Jahrhunderts Fluchtburg und Verwaltungssitz de 1074 gegründeten Stiftes Admont. Um die Dachsteuer einzusparen, wurde wie bei vielen anderen Burgen, z. B. auch der Burgruine Rauhenstein in Baden, 1832 das Kupferdach abgedeckt und die Burg dem Verfall überlassen. So entstand die jüngste Burgruine der Steiermark.

Weiter ging es über den Buchauer Sattel und dem Vorschlag der Kurviger App auf der Passhöhe einer kleinen Seitenstraße folgend hinunter Richtung Benediktinerstift  und der größten Klosterbibliothek der Welt, für das ich heute keine Zeit hatte.

Auf der Gesäusestraße, wo von weitem die Wallfahrtskirche Frauenberg herunterblickte, die ich 2016 besucht hatte, fuhr ich weiter nach Liezen. Von damals stammen auch die vier nachfolgenden Fotos.

Um der eintönigen und stark befahrenen Ennstal-Bundesstraße auszuweichen, fuhr ich in Liezen links weg, vorbei am Fliegerhorst Fiala Fernbrugg in Aigen über kleine Landesstraßen bis Prüggern. Kurz vor Haus im Ennstal ging es dann gleich wieder weg und hinauf Richtung Ramsau am Dachstein. Direkt an der Straße, auf der Gemeindegrenze Haus–Ramsau, steht der Trutstein, ein etwa 10 m hoher isolierter Felsturm.

Bald danach befindet sich seit 1434 die älteste die älteste Lodenwalke der Welt, die sicher auch interessant zu besichtigen gewesen wäre. Ramsau am Dachstein ist auch seit 2009 der Hauptschauplatz und Drehort für die ZDF-Fernsehserie „Die Bergretter“. Es ist aber auch der Einstieg in die Dachstein Südwand und Talstation der Panoramagondel auf den Dachstein.

Der nächste Ort Filzmoos liegt bereits im Bundesland Salzburg. Von dort ist es nicht mehr weit nach Eben im Pongau, von wo die landschaftlich recht schöne B99 bis Bischofshofen führt.

Nach einem Tankstopp leitete mich mein Navi entgegen meiner Planung am PC daheim, auf die B311 und St.Johann im Pongau statt über Mühlbach am Hochkönig und Dienten. Aber wer weiß,  wofür es gut war,es begann nämlich nun wirklich zu regnen und ich war froh, auf dem schnellsten Weg noch trocken mein Quartier in Fusch an der Glocknerstraße zu erreichen.

Dem Bergweltklischee folgend gab es nach einem kleinen Fußmarsch in den Ort zum Abendessen im Hotel Römerhof noch ein Wildererpfandl.

Die erste Tagesetappe mit der Pässeliste

Niederalpl

Erbsattel

Buchauer Sattel

Kurviger-Route: Enzesfeld-Fusch/Glocknerstraße

Und hier geht es zum zweiten Tag:

Der Tag der nicht gefahrenen Straßen

Fazit nach 4 Tagen am Alpe Adria Radweg

Nach 4 Tagen am Rad und nach 250 Kilometern fasse ich in diesem Blog unsere Erfahrungen zusammen.

Möglicherweise rümpft der eine oder andere Hardcore-Biker die Nase ob unserer Leistung von gut 250 Kilometern in vier Tagen. Für meine Frau und mich war es ein erster gemeinsamer Test, ob wir das schaffen, weil einige einzelne Tagestouren in dieser Größenordnung haben wir ja schon öfters gemacht.

Zuerst einmal komme ich zur Organisation, weil auch das war für uns Neuland. Wir sind beide nicht besonders gut dafür geeignet, mit einem Tross von anderen Menschen etwas zu unternehmen. Da ist uns das Konzept des Veranstalters entgegen gekommen, die Hotels, die Radrouten und den Gepäcktransport anzubieten und sonst die Routen ohne Reiseleitung abzufahren.

Spezialisten für Radreisen

Die Oberösterreich Touristik ist spezialisiert für solche Radurlaube, wie uns auch andere Reisende bestätigt haben, die schon mehrmals verschiedene Reisen dort gebucht hatten. Sie hatte für uns das beste Angebot und im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass der eigentliche Touranbieter Fun Active Tours aus Toblach ein Profi für Touren in Südtirol, Kärnten und den Karnischen Alpen ist.

Angenehme Hotels in praktischer Lage

Die angebotenen Hotels hatten alle Dreistern-Niveau, was für jeweils eine einzige Übernachtung mehr als ausreichend ist. Mindestens so wichtig ist die Sauberkeit und Freundlichkeit, die überall perfekt war. Wir hatten nur im Alma Living Hotel al Girarrosto, dem Hotel „in the middle of nowhere“ in Carnia auch zu Abend gegessen, auch das war vom Service und von den Speisen so gut, dass auch viele Einheimische dieses Lokal frequentieren. Sonst wollten wir die Umgebung eben auch kulinarisch erkunden, was von Villach bis Grado auch immer gepasst hatte. Auch dafür gab es Vorschläge in den Reiseunterlagen, die aber zumindest wir nicht in Anspruch genommen hatten.

Radfahren mit Komplettservice

Zum Schluß noch das Wichtigste, das Radfahren. Die Streckenabschnitte waren so gewählt, dass es von durchschnittlichen Radfahrern ohne Probleme zu bewältigen war. Wir hatten unsere eigenen E-Bikes mit, es gibt aber auch die Möglichkeit, ein passendes Fahrad mitzubuchen.

Die Route des Alpe Adria Radweges führt in unterschiedlichen Varianten meist durch ruhige Landschaften, nur in der Gegend von Carnia muss man wenige Kilometer  über die stark befahrene SS13 fahren.

Der Veranstalter Fun Active Tours stellte auch eine App mit den täglichen Streckenabschnitten zur Verfügung, angenehm, weil man sich darum nicht wirklich kümmern musste. Die App am Handy lud zwar manchmal recht langsam, funktionierte aber alles in allem zuverlässig. Ein „Roadbook“ mit gedruckten Karten und einigen Hinweisen lag ebenfalls im ersten Hotel für uns bereit.

Die Route führt sehr lange an verschiedenen Flüssen entlang, durch Wälder, auf der Bahntrasse der ehemaligen Pontebanna- Bahnlinie, über Wiesen, Felder und durch Weinrieden. Der kleine Abstecher zu den Lagi di Fusine ist ebenfalls zu empfehlen, auch wenn es etwas mehr ansteigt als am Rest der Strecke.

Wenn man mag, kommt auch das Sightseeing nicht zu kurz

Udine, Palmanova und Aquileia hätten sich noch mehr Aufmerksamkeit verdient, aber eigentlich waren wir ja zum Radfahren da.

Positiv überrascht hat mich der letzte Tag, da immer wieder von der eintönigen schnurgeraden Strecke Richtung Grado erzählt wurde. Tatsächlich ist der Radweg stellenweise schnurgerade, führt aber recht abwechslungsreich durch Ortschaften und neben den römischen Ausgrabungen auch an einem kleinen Jachthafen vorbei. Ein Stück auf der ehemaligen Bahnline Cervignano–Pontile per Grado erinnert auch stark an den Eurovelo 9 entlang des Wr.Neustädter Kanals.

Und zum Schluß Erholung am Strand

Wenn man die oberitalienischen Badeorte mag, ist Grado sicherlich ein Highlight. Die Altstadt ist wunderschön, viele Lokale laden ein, die Fußgängerzone ist voll von Geschäften und schönen Bauten. Der sehr flache Sandstrand ist offen, nur kosten zwei Liegen mit Sonnenschirm schon 40 Euro pro Tag. Im Hotel kann man sie zwar etwas günstiger buchen, das schlägt aber trotzdem noch die Preise von Kreta oder Rhodos.

In der Nähe des Campingplatzes gibt es aber auch ein Stück Strand, wo man kostenlos sein Badetuch ausbreiten kann, den Sonnenschirm muss man aber auch selbst mitbringen und bis ins etwas tiefere Wasser muss man schon ein Stück marschieren.

Die Rückfahrt von Grado nach Villach nach zwei Zusatznächten klappte auch perfekt. Wir wurden pünktlich im Hotel abgeholt und von einem jungen slowenischen Taxiunternehmer mit seinem VW-Bus mit Radanhänger bis zu unserem Parkplatz in Villach gebracht, ein zweites Paar wurde von ihm weiter nach Salzburg gefahren.

Fazit

Alles in allem ist diese Tour allen zu empfehlen, die gerne in schöner und abwechslungsreicher Landschaft, hier vom Gebirge bis zum Meer, radfahren. Man kann sich natürlich von den Hotels bis zum Rücktransport auch alles selbst organisieren, aber das Komplettservice des Veranstalters erleichtert den Radurlaub ungemein.

Disclaimer:

Wir haben die Reise selbst bezahlt und weder vom Veranstalter oder einem Hotel eine Vergünstigung erhalten. Die Empfehlungen mache ich aufgrund unserer guten Erfahrungen.

Tag 1: Von Villach bis Tarvis

Der erste Tag unserer Radtour von Villach nach Grado schien verregnet zu werden, es blieb aber doch trocken und wir konnten den Abstecher zum Lago di Fusine auch noch dazu nehmen.

Den ersten Abend verbrachten wir in Villach mit einem kleinen Stadtrundgang und nochmals einem „kärntnerischen“ Abendessen mit Semmelknödel-Carpaccio, Kärtner Nudelteller und Kalbsrindbraten, bevor wir am Rückweg zum Hotel noch ordentlich nass wurden. Wir übernachteten im Boutique-Hotel „Goldenes Lamm“ und nach einem hervorragenden Frühstück setzten wir uns auf die Räder. Das Gepäck hatten wir bereits deponiert, es sollte zum nächsten Hotel in Tarvis gebracht werden.

Die Unwetter-warnungen waren exakt dort, wo wir am Montag starteten, aber ab 9 Uhr sollte es schön sein, so die Vorhersage des Regenradars. Und genauso war es, der nächtliche Regen hat um 8 Uhr aufgehört.

Bei der Bahnhofstraße mit der Draubrücke nahmen wir wie in der App des Reiseanbieters empfohlen, den Drau-Radweg R1, über den hier auch der Alpe Adria Radweg (CAAR –  Ciclovia Alpe Adria) verläuft, verwirrenderweise flussabwärts. Bei der Friedensbrücke über die Drau trafen wir eine Gruppe netter Italiener und wir fotografierten uns gegenseitig auf der von ihnen so genannten „Golden Gate Bridge“.

Damit wechselten wir auf den Gailtalradweg R3, den wir schon vor einigen Jahren zwischen Hermagor und Villach gefahren sind. Nach dem Stadtgebiet verläuft dieser Radweg wunderschön am Ufer oder in den Auen und nahen Wäldern der Gail entlang.

Kurz vor Erlendorf wechselten wir über die Gail und jetzt war es endgültig nur mehr der CAAR. Dieser verläuft hier die meiste Zeit baulich getrennt der B83 entlang, bis wir in Arnoldstein einen kleinen Abstecher zum weithin sichtbaren 57m hohen Schrotturm machten. Dieser wurde, wie ich erst in meiner kleinen Internet-Recherche lernte, von meinem Namensvetter, dem Schrothändler Simon Wallner errichtet. Er diente dazu, um flüssiges Blei aus großer Höhe durch ein Sieb ins Wasser fallen zu lassen und so Schrotkugeln zu erzeugen.

Bis zur Grenze in Thörl-Maglern ging es unspektakulär weiter vorbei am Greisslermuseum der Straße entlang. Ab hier begannen hinter den Grenzgebäuden mit dem kleinen (am Montag  geschlossenen) Zollmuseum die stärksten Steigungen dieses Abschnittes.

Der CAAR verläuft bald hoch über dem Tal in den Wäldern toll ausgebaut, wie in Italien gewohnt, mit einer Mittellinie. Beim Tunnel von Coccau (Goggau), wo hoch oben die Kirche San Nicolò di Coccau thront, wird die alte Strecke der Via Friuli um den Berg genutzt.

Nur einige Kilometer weiter, nach dem Lost Place Bahnhof Tarvisio  Centrale, beim Bivio ciclabile Tarvisio zweigt der Radweg Richtung Slowenien und vorher zu den Lagi di Fusine ab. Da die heutige Strecke mit 37 km recht kurz gewesen wäre und das Wetter auch hielt, beschlossen wir, uns diese auch anzusehen. Auf der alten Trasse der Kronprinz-Rudolf-Bahn ging es gleich über eine Brücke, die Ponte del Diavolo über die Schlucht der Gailitz.

Da ich nicht in der Schlucht unten war, habe ich das Bild ausgeborgt: Foto von Ivo H., Google Maps

Stetig ansteigend, wo man sich manchmal fragt, wie das damals der Zug mit der Dampflok geschafft hatte, führt dieser Weg bis ins slowenische Kranjska Gora. Wir zweigten aber zu den Lagi di Fusine ab und bereuten diesen Abstecher nicht. Der erste See liegt malerisch eingebettet in die Berge der Julischen Alpen. Gleich auf der anderen Seite in Slowenien befindet sich das Nordische Zentrum Planica.

Retour ging es dann flott und bequem abwärts wieder zur Abzweigung nach Tarvis, wo wir kurz nach der alten Bahnstation Tarvisio Citta in den Ort hinauf zu unserem Hotel abbogen.

Gleich nach der Ankunft begann es wieder zu schütten, wir genossen aber lieber die Dusche im Hotelzimmer. Bald war es aber wieder vorbei und wir genehmigten uns zum Abschluss nach einem kleinen Rundgang noch eine köstliche Pizza.

Die Komoot-Route

Die Komoot-Route: Von Villach nach Tarvis

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