Welche veraltete Technologie vermisst du am meisten und warum?

Ich vermisse die alten IT Technologien nicht wirklich, doch dieser „Daily Prompt“ von WordPress hat mich animiert, mich an meine Anfänge in der IT, die damals vor 45 Jahren noch EDV hieß, zurückzuerinnern und Lochstreifen und Lochkarte Revue passieren zu lassen.

Which outdated technology do you miss the most, and why?

Der Übergang von Analog zu Digital

Im Jahr 1980, kurz nach meiner Matura, starteten ich meine Karriere in der EDV. Der Begriff EDV (Elektronische Datenverarbeitung) war noch bis in die 1990er geläufig. Erst mit dem Aufkommen von Personal Computern (PCs) ab Mitte der 1980er und dem weltweiten Siegeszug des Internets setzte sich der englische Begriff Information Technology bzw. die Abkürzung IT durch.

Mein erstes Zusammentreffen mit der EDV hatte ich an meinem ersten Arbeitsplatz im Rechenzentrum einer großen österreichischen Bank in Wien im August 1980. In den fünf Monaten, die ich dort arbeitete, habe ich dabei fast einen Quantensprung in der EDV miterlebt.

Der Lochstreifen

Eine meiner Aufgaben als „Computeroperator“ war, die Lochstreifen aus den einzelnen Filialen der Bank von Wien und Niederösterreich in das  Computersystem IBM 360-20 einzulesen. So stand ich täglich nach jeweils einigen Stunden in einem Berg von abgespulten Lochstreifen, die mit dem Ende mit Tixo an den Computer geklebt wurden und die dann wieder, am besten in umgekehrter Reihenfolge, aufgerollt werden mussten.

Es gab zwei verschiedene Formate von Lochstreifen, die von den damaligen Computern verarbeitet werden konnten. Der damals in den Banken gebräuchliche und auch von mir verarbeitetee Lochstreifen hatte eine Breite von 17,4 mm und verfügte über 5 parallele Datenlochpositionen plus einem kleineren Führungsloch, das zwischen Datenloch 3 und 4 lag. Die Datenlöcher waren in einem quadratischen Raster von 2,54 mm (1/10 Zoll) angeordnet. Die später hauptsächlich in der Computertechnik verbreiteten Lochstreifen hatten eine Breite von 25,4 mm und verfügen über 8 Datenlochpositionen.

Für mich symbolisiert der Lochstreifen den Übergang von analoger zu digitaler Datenspeicherung, da er beides in sich vereint.

Die Daten werden durch Löcher, die in einem bestimmten Algorithmus in den Streifen gestanzt und so digital (ein Loch/kein Loch entspricht der binären Darstellung von 1 und 0) dargestellt. Andererseits können sie notfalls mit bloßem Auge, also analog, gelesen werden und noch dazu manuell korrigiert werden.

5-Bit-Lochstreifen, ca. 1976, wie ich sie noch 1980 verwendet habe (Quelle: Wikipedia)

Für einzelne zu korrigierende Zeichen konnte man mit einer Handstanze einzelne Löcher hinzufügen oder mit einem bestimmten Code (alle 5 Löcher) das Zeichen eliminieren, allerdings nur in seltenen Fällen durch ein anderes Zeichen ersetzen. Für größere Änderungen musste man nur in vernünftigen Abständen Sequenzen von reiner Transportlochung einfügen, was normalerweise einem nicht benutzten Code „null“ entsprach. Dann konnte man in diesen Stellen mit einer Schere schneiden und ein korrigiertes Stück per Klebung mit schwarzem Klebeband (für optische Abtastung) einfügen. Alles was man dazu benötigte, war eine gerade Papierschere, schwarzes Klebeband und ein Filzschreiber zum Beschriften des fertigen Lochstreifens. Das durchsichtige Tixo tat auch dann gute Dienste, wenn man unvorsichtigerweise einen Lochstreifen abriss.

Die Lochkarte

Die Verarbeitung erfolgte über die sogenannte JCL (Job Control Language) auf Lochkarten. Mit einer Lochkarte konnten 80 Zeichen dargestellt werden, die ähnlich wie der Lochstreifen lesbar waren. Die Korrektur erfolgte aber durch Austausch einer Karte.

In die Lochkarte konnten in 80 Spalten und in 12 Zeilen Löcher gestanzt werden. Ursprünglich war nur ein Loch pro Spalte erlaubt, was eine Ziffer bedeutete. Später war ein zweites Loch erlaubt, was dann Großbuchstaben beschrieb; eine dritte Lochung fügte Sonderzeichen hinzu. Mit Verwendung des EBCDIC-Codes seit 1964 wurden bis zu 6-fach-Lochungen definiert (das machte 256 verschiedene Zeichen möglich). Dabei entsprach eine Karte einer Zeile Text und eine Spalte der Karte einer Zeichenposition der Zeile. Eine Lochkarte hatte somit ein Fassungsvermögen von 80 Byte.

Ein Stapel Lochkarten ergab dann die JCL. Diesen Stapel musste man mit einem geübten Griff aus einer Box in das Kartenlesegerät einlegen. Mit etwas Geschick konnte dieser Stapel schon 30 bis 50 cm breit sein und aus mehreren 100 Karten bestehen. Rutschte er aber aus den Händen, mussten die nummerierten Karten manuell sortiert werden, was recht zeitintensiv und stressig werden konnte.

80spaltige Lochkarte aus dem Bestand der Fa. FAUN GmbH, produziert v. GIZEH, etwa 1975 (Quelle: Wikipedia)

Mit einem Endlos-Zeilendrucker wurden die Kontoauszüge der Kunden mit Durchschlag gedruckt, dann getrennt und geschnitten und mit Boten zur jeweiligen Kassenfiliale zurückgeschickt.

Die konsolidierte Ausgabe erfolgte auf Magnetbänder, die IBM 360-20 hatte damals noch keine Magnetplattenspeicher.

Die Diskette

Ich war aber auch Zeuge einer Zeitenwende, als die erste Bank-Filiale ihre Daten mit einer 8-Zoll Diskette lieferte. Sie hatte ursprünglich eine Kapazität von 3000 Lochkarten, also etwa 80 Kilobyte (KB), später 256 KB und zum Schluß 1184 KB.

Dieser Datenträger konnte viel rascher und sicherer verarbeitet werden als eine große Anzahl von Lochstreifen oder Lochkarten mit der gleichen Datenmenge. Damit war der Sprung ins digitale Zeitalter vollzogen, aber noch lange nicht abgeschlossen.

8-Zoll, 5,25-Zoll und 3,5-Zoll Disketten (Quelle: Wikipedia)

Das Titelbild habe ich daher zeitgemäß mit dem Chatgpt Bildgenerator erstellt.