100 Jahre Österreichischer Schilling – Der Euro löst den Schilling ab

Der fünfte Teil meines Blogs zum 100-jährigen Jubiläum des Schilling handelt von der Umstellung auf den Euro bis zum Ausblick auf eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit mit einem digitalen Euro. Das Bargeld ist und bleibt dabei weiter genau so wichtig.

Um 200 Schilling gab es das Startpaket mit Münzen im Wert von 14,54 Euro. (Copyright: AP)

1 Euro war im Jahr 2002 13,7603 Schilling

Um die rechtlichen Voraussetzungen für die Teilnahme Österreichs an der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu schaffen, welche mit 1. Januar 1999 beginnen sollte, erfolgte im April 1998 die Novelle zum Nationalbankgesetz. Dadurch wurde für die Österreichische Nationalbank und ihre Beschlussorgane bei der Verfolgung der Ziele und Aufgaben des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) die Unabhängigkeit von Organen oder Einrichtungen der Europäischen Gemeinschaft sowie von Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft ausdrücklich festgeschrieben und auch der Weg zum Euro definiert.

Im Zuge dieser dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) wurde am 1. Jänner 2002 der Euro als Bargeld mit einem Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling zu einem Euro eingeführt.

Ich durfte dafür in meinem Job als Programmierer bei Agfa alle Programme und Schnittstellen schon vor 1999, dem Start des Euro als Buchwährung, durchforsten, um die sogenannte Doppelauszeichnung in Schilling und Euro überall korrekt darzustellen. Soweit ich mich erinnere, habe ich mehr als ein halbes Jahr daran gearbeitet und am Ende gab es keine Fehler. Der Umrechnungskurs hat sich bei mir und vielen anderen eingebrannt, auch wenn man heute damit nicht mehr rechnen soll, da die Inflation ja auch im Schilling mindestens in gleicher Weise weitergegangen wäre.

Ab Mitte Dezember 2001 wurden in den Banken sogenannte „Starter-Kits“ zum Preis von 200 Schilling ausgegeben, die Euro-Münzen im Nennwert von 14,54 Euro enthielten. Mit diesem Euro-„Vorverkauf“ sollten am 1. Jänner 2002 möglichst viele Euro- und Cent-Münzen in Umlauf sein. Nach Angaben der Österreichischen Nationalbank sollte für jeden Haushalt ein Startpaket bereitliegen. Die Geldausgabeautomaten spuckten ab dem Jahreswechsel 2001/2002 nur noch Euro-Geldscheine aus. Ich hatte damals wie die meisten von uns innerhalb von 2 Wochen nur mehr Euros in der Geldbörse.

Ausblick auf die nächste Phase

Es werden derzeit (2021-2025) neue Banknoten entwickelt, weil unsere künftigen Geldscheine noch sicherer, effizienter und nachhaltiger sein sollen.
Der EZB-Rat hat Motive ausgewählt, mit denen die beiden Themen für die künftigen Euro-Banknoten illustriert werden. Beim Thema „Europäische Kultur“ geht es um gemeinsame Kulturstätten und herausragende Europäerinnen und Europäer. „Flüsse und Vögel“ befasst sich mit der Widerstandskraft und Vielfalt der Natur. Auf der Rückseite der Banknoten wären bei diesem Thema europäische Institutionen zu sehen.

Die Euro-Strategie der Europäischen Zentralbank

Hier einige Auszüge aus der Euro-Strategie:


Ziel unserer Bargeldstrategie: Euro-Bargeld soll auch in Zukunft weithin verfügbar und leicht zugänglich sein. Es soll weiter große Akzeptanz genießen, sowohl als Zahlungsmittel als auch als Mittel zur Wertaufbewahrung. Es wird auch künftig ein innovatives, sicheres und umweltfreundliches Zahlungsmittel sein.


Die meisten Menschen im Euroraum möchten bar bezahlen können. Voraussetzung hierfür ist, dass das Bargeld überall akzeptiert wird. So können alle frei wählen, wie sie bezahlen möchten, und Menschen ohne Zugang zu elektronischen Zahlungen werden nicht benachteiligt.

Privatpersonen und Unternehmen müssen auf ihr Geld zugreifen können. Das Eurosystem hilft den Banken dabei, die hierfür notwendigen Dienstleistungen bereitzustellen, etwa die Möglichkeit, Bargeld kostenlos oder gegen eine vertretbare Gebühr abheben zu können.

Die Euro-Banknoten sind durch modernste Technologien geschützt. Das macht sie sehr fälschungssicher. Sowohl Privatpersonen als auch Menschen, die beruflich viel mit Bargeld zu tun haben, können die Echtheit von Geldscheinen ganz leicht überprüfen.

Quelle: Österreichische Nationalbank

Der digitale Euro

Der Digitale Euro könnte das Bargeld ergänzen, aber keinesfalls ersetzen. Zusammen mit den nationalen Zentralbanken des Euroraums prüft die EZB die Einführung eines digitalen Euro. Dabei würde es sich um digitales Zentralbankgeld – ein elektronisches Gegenstück und eine Ergänzung zum Bargeld – handeln. Den Menschen stünde damit eine weitere Zahlungsmöglichkeit zur Auswahl.

Quelle: https://www.oegfe.at/policy-briefs/wozu-wird-am-digitalen-euro-gearbeitet/

In einer digitalen Welt ergänzt der digitale Euro das Euro-Bargeld. Die Möglichkeit, Bankguthaben nicht nur in Bargeld, sondern auch in digitales Zentralbankgeld zu tauschen, schafft Vertrauen in die Währung. In einer monetären Welt mit internationalen Central Bank Digital Currencies (CBDCs), wie es z.B. schon von China herausgegeben werden, würde der digitale Euro die strategische Autonomie des Euroraums stärken, um weiterhin eigenständig Geldpolitik betreiben zu können.

Da das ein äußerst sensibles Thema ist, hat die Österreichische Nationalbank auch einen Faktencheck zur möglichen Einführung des digitalen Euros erstellt, um bestehende Missverständnisse aufzuklären.

Noch mehr Details zum digitalen Euro habe ich im nächsten Blog zusammengestellt.

Natur, Schönheit und die Zerstörung durch den Menschen: Badener Photofestival 2025

Australien und die Neue Welt ist das übergreifende Thema des heuer schon zum achten Mal stattfindenden Festivals La Gacilly in Baden bei Wien. Man kann nur hoffen, dass diese Veranstaltung, die Tausende Gäste in die Stadt bringt, nicht dem Sparstift zum Opfer fällt.

Es geht auf die Initiative von Lois Lammerhuber, einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen Österreichs, zurück, der dieses Festival von La Gacilly, wo es schon seit 2004 stattfindet, nach Baden bei Wien gebracht hat. Wir sind seit 2018 praktisch jedes Jahr dabei, um dieses größte Outdoor-Fotofestival Europas zu genießen.

Der Start ist beim Besucherzentrum am Brusattiplatz, von wo man in 2 Routen, einmal durch die Stadt und einmal durch die Parks auf rund 7 Kilometern die rund 1500 Fotografien auf sich wirken lassen kann. Wie fast jedes Jahr teilten wir dabei unsere Wanderung auf diese beide Routen an zwei Tagen auf. In meinem Blog habe ich davon bereits 2024 von der damaligen Ausstellung unter dem Titel „Welt.Natur.Erbe“ berichtet.

Denkanstöße zum Umgang mit Mensch und Umwelt in der größten Freiluft-Fotoausstellung Europas

Das heurige Motto der Ausstellung lautet „Australien und die Neue Welt“ und präsentiert vom kleinen Bild mit rund 50×70 cm bis zum 200 m2 großen Plakat Werke von rund 35 Künstlerinnen und Künstlern. „Das Ziel des Festivals ist, die Besucher einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen“, wie die Homepage der Ausstellung ausführt.

Ich bringe hier nur einige wenige beinahe willkürlich ausgewählte Bilder, die neben der künstlerischen Qualität auch das Vorhaben zeigen, die Natur mit ihrer Schönheit, die aber vom Menschen gequält und zerstört wird, zu präsentieren.

Dabei sind einerseits die Parks und andererseits die Plätze und Bauten Badens die Kulisse für die Bilder, die im Jahr 2024 über 320.000 Menschen in das größte Outdoor-Fotofestival Europas ins Herz des Wienerwaldes gebracht hatte.

Sogar Ludwig van Beethoven, der in Baden große Teile seiner 9.Symphonie komponiert hat, sieht aus dem Hintergrund zu. Von der Ausstellung im Jahr 2024 unter dem Titel „Der Weg der Neunten von Baden in die Welt“ habe ich ebenfalls berichtet.

Alle Menschen werden Brüder oder 200 Jahre Beethovens 9. Symphonie

Der Bogen der faszinierenden und oft aufwühlenden Bilder spannt sich von Werken australischer Künstlerinnen und Künstler, die ihre Heimat im Mittelpunkt haben, über Papua Neuguinea bis in die USA, die südamerikanischen Andenstaaten und Benin in Afrika. Europa ist mit Fotos aus der Bretagne und zum Thema Essensverschwendung mit Österreich vertreten. Wie immer runden einige Sonderausstellungen zu verschiedenen österreichischen Themen dieses Festival ab. Auch die Schulen Niederösterreichs und der Bretagne leisten jedes Jahr ihren Beitrag.

Hoffentlich geht es weiter

Die wie immer sehenswerte Schau kann noch bei freiem Eintritt bis 12. Oktober 2025 besichtigt werden. Laut Medienberichten ist das Festival auch noch für das Jahr 2026 abgesichert. Es steht zu hoffen, dass Baden einen Weg findet, diese nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region beinahe nicht mehr wegzudenkende Ausstellung auch weiterhin zu ermöglichen. Über 300.000 Besucherinnen und Besucher, die sonst wahrscheinlich nicht kommen würden, sprechen dafür.

Kunst soll und kann zwar nicht immer ökonomisch gemessen werden, aber wenn jeder und jede von ihnen nur 10 Euro in der Stadt lässt, sind das pro Jahr 3 Millionen Euro an Wertschöpfung. Damit wird jeder Euro der derzeit an Förderungen fließt verzehnfacht.

Das sollten sich Stadt, Land und Wirtschaft nicht entgehen lassen und mit kreativen Ideen dafür sorgen, dass nicht nur das Geld, sondern auch die Besucherinnen und Besucher die Stadt beleben und Baden ihrem Ruf als Kulturstadt weiterhin gerecht wird.

Mit dem Motorrad in die Bucklige Welt

Die Bucklige Welt mit dem Motorrad zu erkunden kann jedes Mal zum Erlebnis werden. Wenn man von Anfang an kein bestimmtes Ziel hat, nimmt man irgendeine Straße südöstlich von Wr.Neustadt. In kürzester Zeit gibt’s Kurven zum Abwinken und eine wunderschöne Aussicht, der man sich auch widmen kann. Aber nur getrennt, beides gleichzeitig könnte schiefgehen.

Einige Stunden bei strahlend blauem September-Himmel wollen für eine Motorradrunde genutzt werden. Diesmal hatte ich mir den äußersten Süden Niederösterreichs mit einem kleinen Abstecher ins Burgenland vorgenommen.

Nordöstlich vorbei an Wr.Neustadt fuhr ich über Lichtenwörth ins benachbarte Burgenland nach Pöttsching und den Kurort Bad Sauerbrunn. Bald kam die Abzweigung nach Wiesen, das einerseits vielen Altersgenossinnen und Altersgenossen mit seinen legendären Festivals ein Begriff ist, andererseits im Sommer mit Marillen und Ananas-Erdbeeren aufmerksam macht.

Mich haben aber eher die Kurven von Forchtenstein zur hoch über dem Ort thronenden Burg angelockt, zu Festivals und Obstkauf fahre ich eher nicht mit dem Motorrad, obwohl das auch schon vorgekommen ist.

Nach ein paar Fotos ging es die Kurven durch den Wald weiter hinauf Richtung Rosalia, wo ich das tolle Wetter nutzte und die wenigen Meter einen Hohlweg hinauf zur Rosalienkapelle marschierte.

Die kleine Anstrengung wurde durch den Blick ins weite Burgenland entschädigt, auch wenn es etwas zu dunstig war, um am Horizont den Neusiedlersee zu erkennen. Auf der anderen Seite des Hügels konnte ich dafür im Hintergrund Schneeberg und Rax erblicken.

Einige Kilometer weiter, wieder in Niederösterreich, bei der Kreuzung mit der L148 Richtung Wr.Neustadt oder Hochwolkersdorf ist das „Tor der Buckligen Welt“, das den Blick ins Pittental mit der Südautobahn und dahinter ins Semmering- und Wechselgebiet erlaubt.


Ich nahm die Straße weiter in die Bucklige Welt hinein über Hochwolkersdorf und Bromberg in die Gemeinde Lichtenegg, die gleich mit zwei Attraktionen aufwartet, nämlich dem am Horizont erkennbaren Windrad von Lichtenegg mit einer derzeit leider geschlossenen Aussichtskanzel und der auf rund 850m gelegenen weit sichtbaren Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Auf dem Weg hinunter nach Grimmenstein blickte die namensgebende Burg vom gegenüberliegenden Hang. Für mich war es aber Zeit für den Rückweg und so nahm ich die Diritissima auf der B54 nach Wr.Neustadt und zurück nach Enzesfeld.

Die Route

Kurviger Route: Durch die Bucklige Welt

100 Jahre Österreichischer Schilling – Das Notgeld

„Ein Gebot der bitteren Not“ steht auf dem Notgeld aus Scheibbs. Die Nachwirkungen des ersten Weltkrieges waren noch zu spüren, es herrschte Mangel an allen Gütern, sogar am Metall für Münzen und dazu gab es eine Hyperinflation. Das veranlasste Gemeinden und Länder dazu, ein Notgeld aus Papier herauszugeben, um dem zumindest teilweise entgegenzuwirken.

Ausgabe von Papier-Notgeld zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Donaumonarchie war – als eine der vielen Auswirkungen dieser Ereignisse – auch der Mangel an Rohstoffen, insbesondere an Buntmetallen, drastisch spürbar geworden. Auf den Kirchtürmen fehlten die Glocken und in den Geldbörsen das Metallkleingeld.

Als Ersatz für das zur Mangelware gewordene Kleingeld wurden in Österreich im Jahr 1920, in manchen Orten bereits früher, Notgeldscheine ausgegeben, deren Nennwert meist 10, 20 und 50 Heller je Serie betrug. Gemeinden, Private und die Bundesländer gaben massenhaft Notgeld mit begrenzter Umlaufzeit aus.

Die ersten negativen Erscheinungen auf dem Gebiet des Geldwesens nach dem Ersten Weltkrieg waren die Inflation, der Ersatz der Gold- und Silbermünzen, dann auch der Kupfer- und Nickelmünzen durch eisernes und papierenes Notgeld. Dieses ungeheure Anschwellen sowohl des Notenumlaufes als auch der Staatsschulden bis zum völligen Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen führte zur Entwertung im Verhältnis 1:14.400. Das nimmt sich allerdings gegenüber der deutschen Katastrophe mit einer Abwertung von 1:1 Billion bescheiden aus, führte aber ebenfalls an die Grenzen der wirtschaftlichen Vernichtung.

Vor diesem Hintergrund erschienen gleich nach Kriegsende die ersten Notgeldausgaben, z.B. in Wiener Neustadt am 15.11.1918, Wien am 4.10.1919 (dem Bedarf entsprechend in hoher Auflage), Stockerau am 3.12. oder in der Marktgemeinde Haag am 20.12.1919. Der Anstoß dazu kam von Deutschland, wo Notgeld seit 1914 im Umlauf war und bald auch fleißig gesammelt wurde.

Nirgendwo deutlicher als in den bunten Kassenscheinen spiegelt sich die politische Szene des Jahres 1920. Der verlorene Krieg, der Untergang der Donaumonarchie, die neue Konstellation in Europa, sie haben die politischen Gefühle der Massen aufgewühlt, die Wirtschaftskrise tat noch das ihre hinzu, man suchte nach Sündenböcken und glaubte sie gefunden zu haben: in den Siegermächten, Generälen, Kriegsprofiteuren und den Juden. Antisemitismus und Großdeutschtum machten sich breit, der Anschlussgedanke beherrschte weite Kreise der Bevölkerung.

Auch das Land Niederösterreich, die Gemeinden Gaming, Gresten, Enzesfeld und Lindabrunn hatten ihre eigenen Notgeldausgaben. Einige davon befinden sich auch in meiner Sammlung, siehe Bilder.

Bis 1. Oktober 1921 war das Notgeld im Umlauf, dann verlor es seine Gültigkeit. Bereits vorher wurden durch die damalige Hyperinflation diese Kleinstbeträge nicht mehr benötigt.

Im Link mit dem Abdruck des Buches Notgeld in  Niederösterreich von Hans Hagen Hottenroth können sie noch viele weitere Details nachlesen.

100 Jahre Österreichischer Schilling – Der Schilling wird ungültig und Neubeginn nach dem 2.Weltkrieg

Mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland wurde nicht nur Österreich, sondern auch der Schilling für Jahre ausgelöscht. Die Währungsreform nach dem Krieg verlangte zwar starke Einschnitte von der Bevölkerung, war aber die Basis für jahrzehntelange Stabilität.

Der Anschluss 1938

In der Zeit des „Anschlusses“ an das Deutsche Reich von 1938 bis 1945 wurde der Schilling ungültig und von der Reichsmark abgelöst. 1938 wurden 1,5 Schilling in 1 Reichsmark umgetauscht. Dieser „politische“ Wechselkurs von 3 Schilling = 2 Reichsmark wurde von Hitler höchstpersönlich gegen den Rat der Reichsbank festgelegt. Er bedeutete eine Aufwertung des Schillings und erhöhte so die österreichischen Realeinkommen – bei gleichzeitiger Beschlagnahme des Gold- und Devisenschatzes der Österreichischen Nationalbank. Dadurch konnten die völlig erschöpften Devisenreserven des nationalsozialistischen Staates wieder aufgefüllt werden.

Das Kriegsende 1945

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht Anfang Mai 1945 und der anschließenden Besetzung Österreichs strebte die Alliierte Kommission umgehend einen Ersatz der Reichsmark durch die frühere Schilling-Währung an. Bereits am 28. Juni 1945 konnten auch neue, von den Alliierten gedruckte Schilling-Briefmarken ausgegeben werden.

Die alliierte Militärbehörde gab im Jahr 1945 Banknoten zu 50 Groschen, 1, 2, 5, 10, 20, 25, 50, 100 und 1.000 Schilling in den westlichen Besatzungszonen (Frankreich, Großbritannien, USA) aus. Der 25-Schilling-Schein kursierte aber nur in der britischen Zone. In der sowjetischen Zone wurden drei andere Banknoten vorbereitet. Allerdings wurde nur eine Banknote, nämlich die 1 Reichsmark-Note auch tatsächlich ausgegeben.


Das „Schillinggesetz“ vom 30. November 1945 regelte dann den Rücktausch restlicher Reichsmarkbestände im Verhältnis 1:1 zum Jahresende (max. 150 RM pro Kopf), der Rest kam auf ein Sperrkonto.

Von der Österreichischen Nationalbank konnten alte Schilling-Druckplatten der letzten Vorkriegsserie für die Banknotenproduktion reaktiviert werden.

Die Währungsreform 1947

Nach einer Wirtschaftskrise wurde im Jahr 1947 der „alte Schilling“ im Verhältnis 3:1 in den neuen Schilling umgewandelt und der Alpendollar war wiedergeboren.

Am 10. Dezember begann die zweiwöchige Umtauschfrist der Währungsreform von 1947, bei der der Schilling auf ein Drittel des Wertes abgewertet wurde, während von den Sparguthaben ein Teil vom Staat abgeschöpft wurde, um den Wiederaufbau zu ermöglichen. Unter Vorweis seiner Lebensmittelbezugskarte konnte jeder 150 Schilling in 150 neue Schilling umtauschen, darüberhinausgehende eingelieferte Geldbeträge wurden entsprechend dem Währungsschutzgesetz vom 19. November 1947 im Verhältnis 3:1 getauscht, das sehr schmerzhaft für die Bevölkerung war, aber einerseits eine Währungskrise und Inflation wie 1921 verhindern sollte und andererseits um das vorhandene Schwarzgeld aus dem Markt zu bekommen. Diese Reform war auch die Bedingung, um Mittel aus dem Marshall-Plan zu erhalten. Nur die Sowjetunion erhielt für ihre Zustimmung in der alliierten Kommission einen Wechselkurs von 1:1,75.

Auch auf dem Sparbuch unseres Urgroßvaters bei der Raiffeisenkasse Gresten aus den Jahren 1946 bis 1949 findet sich am 10.August 1948 genau eine solche Abbuchung von 290 Schilling, 42% des Guthabens laut §9 WSCHG auf ein Sperrkonto. Nach heutiger Kaufkraft entspricht das rund 425 Euro! Der auf dem Sparbuch verbleibende Rest von 400 S war von einem auf den anderen Tag nur mehr 1/3 wert.

Auch unsere Mutter Juliane war davon bereits als zehnjähriges Kind betroffen. Als Kriegswaise erhielt sie eine kleine Hinterbliebenenrente, die zum Teil auf ein Sparbuch eingezahlt wurde. Nach der Währungsreform blieb gerade soviel, dass sie dafür einen „Wetterfleck“ bekam.

Mit dem Historischen Währungsrechner hinter diesem Link lässt sich die damalige Kaufkraft etwas mehr erahnen.

100 Jahre Österreichischer Schilling – Die Geburt einer neuen Währung

Mit der Völkerbundanleihe 1922 sollte der Rahmen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Österreichs ermöglicht werden. Die strikte Sparpolitik führte zwar zu einem stabilen Schilling und zur Rettung vor dem Staatsbankrott, aber die Bevölkerung wurde dadurch auch von der Weltwirtschaftskrise besonders hart getroffen.

Der Schilling oder auch Alpendollar entstand

Nach dem Ersten Weltkrieg führte die schlechte Wirtschaftslage zu einer steigenden Arbeitslosigkeit und die hohe Inflation zu Preiserhöhungen für Lebensmittel, Kohle, Kleidung und vielem mehr. Durch Staatskredite nahm die in Umlauf gebrachte Geldmenge in Österreich zu. Das führte zur bereits im letzten Blogeintrag beschriebenen Geldentwertung und machte eine neue Geldpolitik notwendig.

Stabilität bildete – nach den Erfahrungen der Hyperinflation und des Währungszusammenbruchs – das oberste Prinzip der österreichischen Wirtschaftspolitik.

Die Währungsreform 1924/25

Bundeskanzler Ignaz Seipel gelang es in den sogenannten Genfer Protokollen, mit den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei eine Völkerbundanleihe in der Höhe von 650 Millionen Goldkronen für eine – wenn auch an zahlreiche schmerzhafte Bedingungen geknüpfte – Sanierung auszuhandeln.

Die Einführung der Schillingwährung wurde zu einem äußeren Symbol der beginnenden wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes.

Der Schilling wurde geboren

Am 1. Jänner 1925 trat das Schillingrechnungsgesetz in Kraft und ab dem 1. März 1925 konnte die alte Krone im Verhältnis 10.000 zu 1 in den Schilling umgewechselt werden. Er entwickelte sich zu einer der stabilsten Währungen Europas und wurde bald im Volksmund als „Alpendollar“ bezeichnet.

Regierungsvorlage für die Einführung des Schillings. Entschließungen. 1000 Schilling Schein, 1 Schilling Münze, 10 Groschen Münze
 Copyright: Parlamentsdirektion/Michael Buchner
Aufnahmedatum: 19.03.2025
Bild ID: 20154731

Zur Erreichung dieser Stabilität setzte man auf eine Verminderung umlaufender Geldmengen sowie auf eine strikte und weitreichende Sparpolitik (unter anderem eine Bedingung der Genfer Protokolle von 1922). Dabei kamen die Investitionen zu kurz und immer mehr Menschen waren von Arbeitslosigkeit betroffen. Der leichte Aufschwung war aber nur kurz. So wurde die österreichische Bevölkerung von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 besonders hart getroffen.

Ab 1930 schnellte die Arbeitslosigkeit von 10% auf 23% hoch und 1933 war jeder dritte ohne Arbeit. Diese Massenarbeitslosigkeit führte zu Radikalisierung und Resignation, die auch den Boden für Bürgerkrieg und für den autoritären Ständestaat ebnete. Protektionismus sollte die Wirtschaft retten und die Arbeitslosigkeit senken, was aber nur sehr mäßig gelang, sie lag aber 1937 noch immer bei 22%.

Leider macht sich aktuell im Jahr 2025 in vielen Ländern der Protektionismus ebenfalls wieder breit, sei es durch Zollschranken oder rasch geschlossene bilaterale Abkommen. Das hat leider schon in den 1930ern nicht funktioniert und so werden auch heute damit eher Wachtumshemmnisse aufgebaut, was sich wieder negativ auf den Arbeitsmarkt auswirkt.

Der Schilling hatte zwar das Geldwesen in Österreich stabilisiert, konnte aber die wirtschaftlichen Probleme nicht lösen. Ein Monat nach dem Anschluß an Nazi-Deutschland März 1938 war auch der Schilling vorerst Geschichte.

100 Jahre Österreichischer Schilling

Bei der Recherche zu unserer Familiengeschichte bin ich auf das Jubiläum des Österreichischen Schillings gestoßen. Vieles kannte ich und manche Ereignisse waren mir unbekannt und riefen meine Neugier hervor. Die Ergebnisse wollte ich schließlich nicht nur in die Familiengeschichte einbauen, sondern breiter zugänglich machen.

Das Bild wurde mit ChatGPT erstellt

Vorwort

Am 1. Jänner 1925 trat das Schillingrechnungsgesetz in Kraft und ab dem 1. März 1925 konnte die alte Krone im Verhältnis 10.000 zu 1 in den Schilling umgetauscht werden. Dieser schmerzhafte Prozess stand am Anfang der mit Unterbrechungen rund 70 Jahre, in der der Schilling das Zahlungsmittel in Österreich war.

Meine Blogreihe geht auf diese Geschichte ein und gibt einige Einblicke vom vorangegangenen Notgeld und der Hyperinflation über die Umstellung zur Reichsmark bis zu einer der am Ende stabilsten Währungen der Welt. Die Umstellung auf den Euro wird ebenfalls thematisiert und ein Ausblick auf einen eventuellen digitalen Euro als zusätzliches Zahlungsmittel gegeben.

Auch das Österreichische Staatsarchiv widmete im November 2024 der Einführung des Schillings eine Veröffentlichung mit vielen interessanten Details und weiteren Links zu den Schilling-Banknoten und Münzen. (Update vom 25.9.2025)

Einige persönliche Bemerkungen runden diese Zusammenfassung vieler Internet-Quellen ab, die praktisch alle auch direkt aus den fünf Blogs aufgerufen werden können.

Das sind die Kapitel, die ich schon veröffentlicht habe und noch veröffentlichen werde:

1 – Das Notgeld
2 – Die Geburt einer neuen Währung
3 – Durch den Anschluss wird der Schilling ungültig
4 – Vom Nachkriegs-Wirtschaftswunder bis zur Jahrtausendwende

5 – Der Euro löst den Schilling ab

6 – Der digitale Euro und das Bargeld

Eine Motorradtour mit Freunden ins Almenland

Ich organisiere seit fast 20 Jahren im Frühjahr und im Frühherbst eine Motorrad-Ausfahrt für Freunde und Bekannte. Dabei ist das Ziel meist ein gemütlicher Gasthof mit guter Küche, wobei genau genommen ja der Weg dorthin an sich schon das Ziel ist.

Die von mir geplante Herbstausfahrt 2025 sollte uns ins Steirische Almenland bringen, genauer in den kleinen Ort St.Kathrein am Offenegg. Die Gruppe war diesmal klein, aber Werner, Christian, Kurt und Reinhard vertrauten auch diesmal meiner Routenplanung.

Wie immer ging es auf eher kleinen kurvigen Straßen hinaus aus Enzesfeld und Richtung Aigen bei Hernstein und von dort über den Hart im größten zusammenhängenden Schwarzföhrengebiet Mitteleuropas. Hier begann bereits der Fahrspaß, denn solche Serpentinen vermutet man nicht so nahe der Bundeshauptstadt Wien. Die Straße brachte uns hinunter ins Piestingtal, das nicht nur bei Motorradfahrern, sondern genauso bei Wanderern und Radfahrern beliebt ist.

Man könnte hier über Gutenstein und Rohr am Gebirge bis in die Kalte Kuchl fahren, wir bogen aber bereits nach wenigen Kilometern links Richtung Miesenbach ab. Die Kurven des Ascher führen hinunter nach Puchberg am Schneeberg, von wo es weiter auf der B26 vorbei an der Burg Stixenstein mit der markanten Tordurchfahrt bis Sieding ging.

Wer neugierig ist, kann noch mehr über dieses Gebiet in meinem Blog zum Motorradwandern im südlichen Niederösterreich nachlesen:

Motorradwandern im südlichen Niederösterreich

Wer mich kennt oder schon einige meiner Motorrad-Blogs gelesen hat, weiß, dass ich gerne kleine Sträßchen erkunde, darum fuhren wir hier rechts weg von der Bundesstraße und den einspurigen Ambachweg hinauf nach Bürg und dort rechts weiter auf der L4163 zum Gut Gasteil, das ein Künsterehepaar mit dem Projekt „Kunst in der Landschaft“ seit vielen Jahren bekannt gemacht hat. Ein paar nette Kurven weiter kamen wir schon nach Priglitz, von wo ich normalerweise geradeaus weiter nach Auf der Wiese hinunter nach Schlöglmühl fahre.

Wir sollten aber pünktlich in unserem Gasthof sein, damit wir noch vor der angesagten Hochzeitstafel bestellen könnten. Darum war die Route optimiert und so leitete ich meine kleine Gruppe den kürzeren Weg durch den Stuppachgraben hinunter nach Gloggnitz.

Gleich beim Bahnhof gäbe es ein Highlight für alle Schokofans, nämlich das Lindt Factory Outlet. Als Mann einer Schweizerin kenne ich natürlich auch das Original Lindt Home of Chocolate in Kilchberg am Zürisee, aber zur Not hilft der Shop hier am ehemaligen Hofbauer-Standort auch gegen eventuelle Entzugserscheinungen.

Wir fuhren aber weiter durch die Stadt und hinauf über die Schlaglstraße nach Otterthal. Hier geht es links ins ebenfalls empfehlenswerte Wechselgebiet, wir nahmen aber die Abzweigung nach rechts Richtung Feistritzsattel, wo auf der Passhöhe die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark liegt. Von hier kann man zu Fuß oder mit dem Mountainbike über die „Wexltrails“ den Hochwechsel erreichen.

Der Weg hinunter nach Rettenegg und weiter nach Ratten mit den langgezogenen Kurven verleitet zum Cruisen durch die waldige Landschaft. Im Hintergrund tauchten die ersten Windräder am Pretul auf, auf den ich im Vorjahr über die Panoramastraße gefahren bin.

Warum in die Ferne schweifen – mit dem Motorrad auf den Pretul!

Weiter ging es durch das Feistritztal auf der B72 bis Birkfeld im Herz des Jogllandes. Zum Abschluss kam dann noch die kurvige Strecke über Haslau hinauf nach Heilbrunn und die Brandlucken, bevor wir St.Kathrein am Offenegg erreichten.

Unser Ziel das Restaurant des Landhotels Spreizhofer liegt nochmals ein Stück den Berg hinauf mit einer tollen Aussicht auf die gegenüberliegende Sommeralm, die mit der Teichalm zum größten zusammenhängenden Niedrigalmweidegebiet Europas gehört.

Das Essen an sich wäre schon die Anreise wert gewesen, für uns fünf war auch die Strecke durch das niederösterreichische Semmering-Gebiet und das steirische Joglland ein Genuss.

Die Fahrt zurück hatte ich ursprünglich nach Birkfeld und Vorau noch durch die Bucklige Welt geplant. Nachdem uns aber bald nach der Abfahrt der Regen ordentlich durchnässte, kürzten wir den Rückweg ab und fuhren auf der Wechselbundesstraße B54 direkt bis kurz vor Wr.Neustadt, wo uns nochmals der Regen erwischte und wir auch den Abschlusskaffee ausfallen ließen, weil jeder von uns froh war, die nasse Motorradkluft los zu werden.

Anscheinend sollte ich das Joglland bei meinen geführten Ausfahrten meiden, weil das schon das mindestens dritte Mal war, wo uns der Regen überraschte. Ich verspreche Besserung!

Unsere Route

https://kurv.gr/B776T

9 – Von der Bierstadt über das Mostviertel in die Weinregion

Die Stecke des vierten und letzten Tages war natürlich nicht so spektakulär wie in den Dolomiten oder so manchem Schweizer Pass. Aber wir wir müssen uns auch in Ostösterreich nicht verstecken. Der Sölkpass war da ein besonderes Highlight.

Murau-Gaming-Enzesfeld

Nun war unsere letzte Etappe gekommen. Meine Freunde mussten heim ins Ötscherland und ich begleitete sie noch auf meinem Weg in die niederösterreichische Thermenregion, die ja auch ein wichtiges Weinbaugebiet ist.

Wir starteten nach dem Frühstück in unserem Murauer Hotel und machten schon nach wenigen Kilometern, kurz nach der Abzweigung von der B97 bei Rottenmann Richtung Sölkpass, einen kleinen Zwischenstop bei einem Teich, aus dem ein hölzerner Kirchturm herausschaute. Nein, das ist nicht der kleine Bruder des Kirchturms im Reschensee, der an das in den 1950ern versunkene Dorf Graun erinnert, als das Wasser im damals neuen Stausee immer höher stieg.

Hier in der Steiermark soll der Kirchturm im Rottenmanner Teich daran erinnern, dass das benachbarte Ranten einst eine reiche Stadt war, wo aber die Menschen immer ausschweifender lebten, bis ein kleines Männchen dem frevelhaften Leben ein Ende bereitete und die ganze Stadt Ranten in einem See versinken ließ. Heute gibt es nur mehr einen wunderschönen Landschaftsteich mit dem hölzernen Kirchturm, der an diese Sage erinnern sollte.

Wir aber wollten weiter auf den Sölkpass, der das obere Murtal im Süden mit dem Ennstal im Norden verbindet. Die Straße führt durch ein Almgebiet, daher ist immer wieder mit Rindern und Kuhfladen auf der Fahrbahn zu rechnen. Das tut dem Fahrspaß aber keinen Abbruch, sowohl fahrerisch als auch landschaftlich ist dieser Pass von beiden Seiten immer wieder ein Genuss und auf jeden Fall zu empfehlen.
Bei wunderschönem Wetter mit blauem Himmel machten natürlich auch wir auf der 1784m hohen Passhöhe einen obligatorischen Halt, auch wenn der Blick in die Ferne hier nicht ganz so gut wie in manchen Kurven weiter unten ist.

Es gäbe hier einige Almhütten entlang der Straße, die zu einer Pause einladen, wir kamen aber direkt vom Frühstück und so fuhren wir durch bis hinunter ins Ennstal. In Stein an der Enns bogen wir in die parallel zur Ennstal-Bundesstraße verlaufende Landesstraße ab und vermieden so den Schwerverkehr und die immer wieder auftretenden Staus in Irdning und fuhren erst bei Döllach Richtung Liezen, wo wir dann durch die Stadt auf die Pyrnpass-Bundesstraße B138 wechselten.

Fahrerisch ist der Pyrnpass uninteressant, aber der Blick aufs Tote Gebirge links und die Haller Mauern rechts ist trotzdem beeindruckend. Unser Ziel war aber Windischgarsten, von wo wir auf den Hengstpass fahren wollten. Genau genommen wollten wir dort zur Karlhütte, die bisher für eine kulinarische Pause immer gut war. Aber leider, wie  so viele andere Gasthäusern in Österreich, ist sie seit heuer (2025) geschlossen und steht zum Verkauf. So blieb uns nur, die Strecke zu genießen und dann in Altenmarkt einzukehren. Aber auch da waren wir nicht erfolgreich, genau an diesem Dienstag hatte der örtliche Gasthof seinen Ruhetag.

Aber geeichte Motorradfahrer kennen ja praktisch überall gute Einkehrmöglichkeiten, auch wenn das, wie wir gerade gesehen hatten, heute keine Garantie mehr ist, dass das tolle Lokal vom letzten Jahr noch existiert. So machten wir einen kleinen Umweg und fuhren statt wie geplant über Weyer und den Saurüssel ins niederösterreichische Ybbstal, in südlicher Richtung, die Enns aufwärts bis Großreifling, wo wir links nach Palfau abbogen und dort nach einigen Kilometern doch noch beim Stiegenwirt Pause machen konnten. Wenn man wie wir auf regionale Gastlichkeit Wert legt, ist es auf jeden Fall empfehlenswert, auch so wie wir einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen.

So gestärkt ging es für meine Freunde auf die letzten Kilometer und in Gaming, übrigens auch einem Bierort mit dem Erzbräu am Grubberg, das ja praktisch jedem Motorradfahrer, der schon über den Grubberg gefahren ist, ein Begriff ist und dem Kartausenbräu, verließ uns Freund Werner mit seiner Frau Gerti als erster.

In Neubruck, an der Abzweigung der B28 von der B25 praktisch unterhalb des längsten Aquädukts der 2. Wiener Hochquellenwasserleitung, liegt das Zapfwerk, eine einzigartige Kombination aus Tankstelle, Kaffeehaus und Friseur.

Copyright: Zapfwerk

Hier verabschiedete ich mich noch von den letzten beiden Freunden, Franz und seine Frau Anni fuhren heimwärts nach Purgstall und ich die letzten rund 100 Kilometer durch das Pielachtal und dann über die Geiseben nach Eschenau und weiter durch das Traisental und über den Gerichtsberg ins heimatliche Triestingtal.

In Berndorf, über dem Guglzipf mit seiner Aussichtswarte, wurde der Himmel finster wie wenn jeden Moment ein Gewitter aufkommen wollte und an der Ortseinfahrt von Enzesfeld fielen die ersten Regentropfen, die aber dann doch nicht mehr wurden. Das war ein passender Abschluss von fast genau 3.000 Kilometern über besondere und weniger auffällige Pässe, durch wunderschöne Täler, vorbei an den schönsten Seen Mitteleuropas, durch Österreich, Italien und die Schweiz.

Fazit nach 9 Tagen durch 3 Länder

Auch wenn ich vom Gotthard hinunter zuerst aussen und dann wegen der Hitze unter der Regenkombi nass wurde, am Reschenpass gar keine Chance hatte, mich rechtzeitig vor dem Platzregen für die letzten 10 Kilometer bis zum Hotel umzuziehen und wir die Turracher Höhe im Regen, aber geschützt durch unsere Kombis, hinunterfuhren, waren es für mich an 9 Fahrtagen nicht mehr als insgesamt rund 2 Stunden bei echtem Regen.

Der große Rest war ungetrübter Fahrspaß.

Pässeliste und die Route des 9. und letzten Fahrtages

Sölkpass

Pyrnpass

Hengstpass

Grubberg

Geiseben

Gerichtsberg

8 – Durch Osttirol, Kärnten und die Steiermark Kurven und Landschaft genießen

Vom Mölltaler Gletscher sahen wir bei der vierten Etappe meines Heimwegs nicht viel, dafür fuhren wir durch eine geteilte Kirche und über die Kuppen der Nockberge bis in die Bierstadt Murau.

Vom Kals bis Murau

Nachdem es in der Nacht nochmals geregnet hatte, war zwar alles feucht, doch schon nach dem Frühstück war der Himmel über Kals blau mit wenigen Wolken.

So waren wir zuversichtlich, dass wir zumindest die nächsten Stunden unserer Tagesetappe im Trockenen schaffen würden. Die drei Motorräder waren gepackt und so fuhren wir hinunter ins Tal auf die Felbertauernstraße nach Lienz. Dort hielt uns zwar der übliche Stau etwas auf, aber gleich am Stadtausgang verließen wir den Kreisverkehr Richtung Iselsberg. Auf der Passhöhe zweigt zwar die Großglockner-Hochalpenstraße ab, wir wollten aber weiter ins Mölltal. Wir bogen daher rechts auf die B106 und genehmigten uns in einem Kaffeehaus an einer Tankstelle eine kleine Kaffeepause, gleich daneben präsentierte ein Reisebus seinen Montagsgruß.

Eigentlich wollten wir kurz vor dem Autobahnkreuz bei Seeboden, in Lendorf über Hühnersberg fahren, es wurde dann aber eine kleine Landesstraße, der wir bis kurz nach Trebesing folgten. Den Großteil dieser Strecke bis Gmünd in Kärnten kannte ich vom Radfahren, sie war aber auch mit den Motorrädern eine gute Alternative zur verkehrsreichen und eintönigen Katschberg-Bundesstraße B99.

Kurz nach Gmünd machten wir einen kurzen Abstecher zu einer etwas kurioseren Sehenswürdigkeit, der „Geteilten Kirche„.

Die B99 mit dem Blick immer wieder hinauf zur Tauernautobahn war dann bis Kremsbrücke unsere weitere Wahl. Dort kam der erste Wegweiser für das nächste Ziel, die Nockberge. Weg von der großen Bundesstraße waren die Kurven wieder mehr motorradgerecht, sprich kürzer und knackiger, bis die Abzweigung, nun wieder Richtung Süden auf die Nockalmstraße, die 1981 primär als touristische Panoramastraße eröffnet wurde. Auf einer Länge von 35 Kilometern schlängelt sie sich die über 52 Kehren (Reidn) zwischen Innerkrems und Reichenau über die charakteristische Landschaft der „Nockis“. Die Tageskarte kostet 2025 für Motorradfahrer 18 Euro, was zwar kein Geschenk ist, aber den Fahrspaß auf jeden Fall wert ist. Leider wurden die Wolken immer finsterer und so gab es nur einen Fotostopp.

Je weiter wir hinunter kamen, desto heller wurde es und wir dadurch zuversichtlicher, dass wir unser nächstes Ziel, die Passhöhe der Turrach trocken erreichen können. So war es dann auch und wir parkten bei Sonnenschein vor dem nicht nur bei Motorradfahrern bekannten Hotel Kornock ein.

Leider begann es hier während des Mittagessens zu tröpfeln und die Wolken wurden immer dunkler. Das hieß für uns: lieber rein in die Regenkombi und bald weiter. Unser Tagesziel Murau war gar nicht mehr sehr weit entfernt, die längere Strecke über Tamsweg wären 70 Kilometer gewesen, aber in Anbetracht des Regens bogen wir doch in Predlitz rechts auf den um fast 30 Kilometer kürzeren Weg  ab. Ob es wirklich die bessere Wahl war, sei dahingestellt. Nach einer ewig langen Rotlichtphase hatten wir eine kilometerlange Baustelle mit Sand und Schotter, wodurch unsere Bikes entsprechend verdreckt waren, obwohl es in der Zwischenzeit zu regnen aufgehört hatte. Darum ließen wir die Ehefrauen meiner Freunde beim Hotel einchecken und wir fuhren gleich zum Waschplatz bei der nächsten Tankstelle.

Nach einer kleinen Ruhepause mussten wir uns die Beine vertreten und entdeckten beim Rundgang durch die recht malerische Altstadt das „Open Space„, eine Tagesbar mit mutiger Architektur und genialem Ausblick über die Mur. Ein wunderschöner Regenbogen rundete neben guten Cocktails den Nachmittag ab.

Wenn man schon in der Bierstadt Murau ist, muß man natürlich dem Brauhaus einen Besuch abstatten. Und so bekam ich neben ein paar guten Bieren auch noch die Würstel mit Saft, auf die ich mich schon so gefreut hatte.

Pässeliste und die Route des dritten Heimreise-Tages

Iselsbergpass

Nockalmstraße

Turacherhöhe

Kurviger-Route: Kals-Murau