Viele Bräuche, die in meiner Kindheit im Ötscherland begangen wurden, haben sich bis heute erhalten und werden in ähnlicher Form auch in meiner neuen Heimat Enzesfeld-Lindabrunn gefeiert. Einige sind etwas abgewandelt und ein paar sind neu dazugekommen.
Osterfeuer beim Symposium Lindabrunn 2016
Österreichisches Brauchtum und Traditionen im Rückblick und aus meiner Sicht seit meiner Kindheit bis heute werde ich im Lauf des Jahres immer zum passenden Datum in dieser Blogserie behandeln. Die Idee dazu entstand im Zuge der Recherche zu unserer Familiengeschichte, wo im bäuerlichen Umfeld das Brauchtum immer eine Rolle gespielt hat.
Da es eine subjektive Sicht ist, fehlt manchen Lesern sicher das eine oder andere oder kennt es eventuell in etwas anderer Form. Es sind eben meine Erinnerungen oder Erzählungen von älteren Verwandten, die entweder wieder Erinnerungen geweckt haben oder mir dadurch interessant genug erschienen sind, um aufgezeichnet zu werden.
Die Bräuche im Jahreskreis
Hier findet ihr immer die aktuellen Links der Blogserie:
Der Jahresanfang ist gleich mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen gefüllt. Nicht nur im ersten Eintrag meiner Blogserie erzähle ich von den Bräuchen aus meiner Erinnerung und von den Erzählungen meiner älteren Verwandten.
1. Jänner: Neujahrswünsche
Am 1. Jänner und in den Tagen danach sind im Mostviertel schon bald nach dem 2.Weltkrieg die kleineren Kinder zu den Nachbarbauernhöfen gegangen und haben „A guads neichs Joar“ gewünscht. Dafür gab es dann den einen oder anderen Groschen oder gar Schilling als kleines Trinkgeld.
In anderen Gegenden wurde das nicht nur von den Kindern praktiziert. Das „Anklöckeln“ war ein Brauch im Advent, bei dem verschiedene Gruppen von Haus zu Haus gingen und dabei Lebensmittel oder Geld erhofften. Damit es nicht zu offensichtlich war, sangen sie Weihnachtslieder und wünschten Glück und Segen.
5. Jänner: Frau Bercht und ihre Zoderwascherl
Am Vorabend des Dreikönigstages trippelten hinter der Frau Bercht in langer Reihe die armen, zarten „Zodawascherln“ einher, es sind dies die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder. Es war auch der Brauch, den ich eigentlich nur mehr von Erzählungen kannte, an diesem Abend nach dem Abendessen eine Schüssel voll Milch mit Semmelbröckerln für die Frau Bercht und ihre Kinder auf den gedeckten Tisch zu stellen. Die Löffel jedes Familienmitglieds wurden hineingelegt und ein Löffel dann umgedreht. In der Früh hat man dann den Kindern erzählt, dass die Bercht von dem umgedrehten Löffel gegessen hat. Ich hatte als kleines Kind sehr viel Respekt vor diesen armen Seelen. Das ist auch einer der Bräuche, die in dieser Form erst im beginnenden 20. Jahrhundert wiederentdeckt oder neu erfunden wurden.
6. Jänner: Die Heiligen Drei Könige
Ich war zwar Ministrant, aber nie selbst einer der Sternsinger, die in den Tagen vor dem 6. Jänner von Haus zu Haus zogen. Erst später, als ich bei Herrn Pfarrer Zainzinger Mesner und Lektor in der Kienberger Filialkirche war, wanderte ich einige Jahre als Begleiter mit den 3 Königen Kaspar, Melchior und Balthasar und dem Sternträger in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming von Haus zu Haus. Das Geld, das wir sammelten, kommt damals wie heute der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar zugute, die damit Entwicklungshilfe- Projekte speziell für Kinder und Jugendliche unterstützt.
Die Filialkirche der Pfarre Gaming in meinem Heimatort Kienberg bei Gaming (2014)
Da das im kalten Winter war und wir wirklich bei jedem Wetter unterwegs waren, wurden wir in manchen Häusern zum Aufwärmen eingeladen. Wir erhielten Wurstbrote, Weihnachtskekse und einen heißen Tee. Ich als Begleiter musste ihn, wie damals bei den Bauern im Mostviertel üblich, natürlich mit Schnaps trinken, was für einen 15–16-jährigen Buben nach einigen Häusern recht anstrengend wurde.
Ein Seitenblick zum Schnapstee
Noch bis in die 1990er war es bei den Bauern im Ötscherland üblich, dass im Winter jeder Besuch einen Schnapstee angeboten bekam. Heute wird er auch noch angeboten, es wird aber akzeptiert, wenn man ablehnt. Wobei das Wort Schnapstee wörtlich zu nehmen ist, es ist eben kein Tee mit Schnaps wie auf der Schihütte, sondern ein Getränk aus halb Schnaps und halb Tee. Der sehr starke Obstler oder Zwetschkerne wurde dabei auch noch kurz mitgekocht, was der Stärke des Getränkes aber nicht schadete.
Serviert wurde und wird er in einem dicken Glas mit Stiel, im täglichen Gebrauch meist unbemalt, zu festlichen Anlässen bemalt wie am Bild unten. Der Löffel ist dabei bereits im Glas und dient als Wärmeleiter, damit das Glas nicht springt. Einige Würfelzucker vervollständigten das für Ungeübte recht gefährliche Getränk. Dazu wurden Weihnachtskekse und Kletzenbrot serviert.
Der Alkohol fällt während des Trinkens nicht besonders auf und das verleitet dazu, mehr als einen zu trinken. Das wiederum rächt sich später an der frischen Luft.
Schnapstee mit Weihnachtskeksen und Kletzenbrot
Damals durften noch keine Mädchen Sternsingen, das änderte sich erst viele Jahre später. Ich habe das dann zur Jungscharzeit meiner beiden Töchter auch noch einmal in unserem neuen Heimatort Enzesfeld gemacht, wo ich mit ihnen und ihren Freundinnen von Haus zu Haus zog und Spenden sammelte. Die Zeiten hatten sich geändert und wir wurden nicht mehr überall freudig empfangen, so manche Tür blieb verschlossen, obwohl die Bewohner daheim waren. Die Kinder bildeten sich dadurch schon recht früh eine Meinung über manche Leute.
Das allgemein bekannte „C + M + B“ an unseren Eingangstüren bedeutet übrigens nicht Caspar+Melchior+Balthasar“ sondern „Christus mansionem benedicat“, übersetzt „Christus segne dieses Haus“.
Wir freuen uns jedes Jahr auf den Besuch der Sternsinger-Kinder in Enzesfeld, aber leider finden sich nicht immer genügend Kinder um alle Haushalte zu besuchen.
Die Scheibbser Dreikönigsreiter
Eine mittlerweile fast 80-jährige Tradition in Scheibbs möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, da ich mich als Kind erinnern kann, dass wir uns das auch angesehen hatten, weil unsere Mutter die Initiatoren noch aus der Schule kannte. Im Jahr 1947 veranstalteten die Brüder Wilhelm und Josef Beer sowie Alois Krenn den ersten Dreikönigsritt in Scheibbs. An fünf Stationen von der Kapuzinerkirche bis zur
mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche sangen sie hoch zu Ross das selbstgeschriebene Hirtenlied „Mir san die drei König“. Seit 1993 reiten nun die Söhne Andreas, Klemens und Alois Krenn als Kaspar, Melchior und Balthasar von der Klosterkirche zur Pfarrkirche und halten die weitum bekannte Tradition hoch, die es auch schon einige Male geschafft
hat, vom ORF gezeigt zu werden.
Die Scheibbser Dreikönigsreiter (Foto zur Verfügung gestellt von Plopp Wieland)
Update am 2.1.2026
Wie die NÖN berichtet, macht der Dreikönigsritt im Jahr 2026 eine Pause. Die Heiligen Drei Könige Alois, Andreas und Klemens Krenn treten zurück und übergeben nach 32 Jahren die Kronen an die nächste Generation. Der jüngere Bruder von Alois, Willi, möchte nach einem Jahr Pause den Dreikönigsritt wieder vom Hause Krenn aus weiterführen.
Sternsinger-Spruch aus den 1970er/1980er/1990er Jahren:
Es zieh’n aus weiter Ferne drei Könige einher, sie kamen von drei Bergen und fuhren übers Meer.
Das Kind liegt in der Krippe, so wunderlieb und klein, das schönste Kind auf Erden, im goldnen Himmelsschein.
Wir haben’s angebetet und Opfer dargebracht, und zogen dann von dannen noch in derselben Nacht.
Lindabrunner Sternsinger mit Susanne Rappold-Schlägl und Altbürgermeister Franz Schneider
Seit vielen Jahren und in den letzten 20 Jahren immer intensiver, sammle ich kleine Weihnachtskrippen, die am Christbaum hängen können oder in der Adventzeit in einer Vitrine im Wohnzimmer präsentiert werden. Dafür muss in dieser Zeit sogar ein Teil meiner Modellautos auswandern. Einige dieser total unterschiedlichen Schätze möchte ich hier zeigen.
Bild: Kleine Krippen als Christbaumbehang
Mir geht es dabei nicht darum, etwas materiell Wertvolles zu sammeln, viel wichtiger ist, dass ich mit den meisten meiner Stücke eine Erinnerung oder Stimmung verbinde.
Aber zuerst etwas zur Geschichte der Weihnachtskrippe
Eine Weihnachtskrippe ist eine szenische Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte, die die Geburt Jesu Christi, traditionell aus dem Lukasevangelium, zeigt, zumindest mit den Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind in der Krippe. Ochs, Esel, Hirten und die Heiligen Drei Könige kamen später dazu.
Der „Erfinder“ soll Franz von Assisi im Jahr 1223 gewesen sein. In dieser Zeit konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben und so war die Idee, ähnlich wie bei den Fresken in den Kirchen, den Menschen bildlich die Weihnachtsgeschichte um die Geburt Jesu näher zu bringen. Er stellte daher mit Hilfe von Tieren und Menschen in der Nähe des Klosters Greccio eine lebendige Krippe dar.
Der Siegeszug bis heute war zwar möglicherweise gottgewollt, aber trotzdem nicht so selbstverständlich. Erst 1562 bauten die Jesuiten in Prag eine Weihnachtsszene mit Figuren auf und so die erste Krippe im heutigen Sinn. Speziell während der Gegenreformation wurden Weihnachtskrippen durch die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner gefördert.
„Das ganze ist so geschickt arrangiert, dass das Frömmigkeitsgefühl der Beschauer aufs lebhafteste erregt wird. Sie glauben dem wunderbaren Ereignis selbst beizuwohnen, mit eigenen Ohren das Wimmern des Kindes und die himmlische Musik zu hören, mit eigenen Händen die Windeln zu ertasten, und ein Schauer erfasst sie.“ – Philippe de Berlaymont, 1619 (Zitat aus Wikipedia)
So sollten damals die Menschen in den Bann gezogen werden und die Krippen waren in der Adventzeit ein wichtiger Teil der Verkündigung in der katholischen Kirche. Aber jede Bewegung schlägt irgendwann in die andere Richtung um.
Und wie so oft bewirken Verbote genau das Gegenteil dessen was sie sollten. So wurden unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. die Weihnachtskrippen durch mehrere Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, also vor allem aus den Kirchen, verbannt. Aber erst dadurch erhielten die Weihnachtskrippen Einzug in den privaten Bereich und das blieb auch so, nachdem die Verbote nach recht kurzer Zeit wieder aufgehoben wurden.
Mehr Details bringe ich im nächsten Jahr zur geeigneten Zeit in einer Blogserie zu den Bräuchen im Jahreskreis, die ich in meiner Familie und Umgebung seit meiner Kindheit bis heute erlebt habe.
Eine Kripperlroas
Für meine nichtösterreichischen Leserinnen und Leser: Eine Kripperlroas („Krippen-Reise“) ist im österreichischen Alpenraum eine gemütliche Wanderung zu verschiedenen Weihnachtskrippen in einem Dorf. Hier in meinem Blog ist es mehr ein virtuelles „Kripperl-Hopping“, das aber nicht weniger besinnlich sein soll. Es führt fast durch die ganze Welt, aber es muss für nächstes Jahr auch noch etwas übrig bleiben.
Mallorca
Mallorca ist nicht nur der Ballermann, diese Insel im westlichen Mittelmeer hat auch sonst noch viele versteckte, nicht so bekannte oder doch von vielen besuchte Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist die Kathedrale von Palma, La Seu, dieser katalanische Ausdruck bedeutet „der Bischofssitz“. Neben einem der größten Rosettenfenster der Welt mit fast 14 Metern Durchmesser und dem beleuchteten Baldachin in Form einer Dornenkrone über dem Altar, der zumindest von Antonio Gaudi begonnen wurde, ist auch das Museum für sakrale Kunst einen Besuch wert. Dabei haben wir eine prachtvolle Krippe gekauft, die ich euch nicht vorenthalten will.
Sizilien
Sizilien ist neben Citrusfrüchten, Pistazien und dem Vulkan Ätna berühmt für seine farbenfrohen, handbemalten Keramikfliesen, besonders aus der Hochburg Caltagirone. Bei unserer Sizilien-Rundreise 2023 sind wir zwar dort nicht gewesen, ich habe aber eine besonders schöne Krippen-Fliese in Trapani gekauft.
Da das nicht die einzige geblieben ist, habe ich im Epilog meines damaligen Sizilien-Blogs auch alle gezeigt:
Diese Krippe, die zu meinen kleinsten gehört, stammt von den Urus auf ihren schwimmenden Inseln aus Totora-Schilf am Titicacasee, die wir im Zug unserer Perureise im Jahr 2019 besucht haben. Die 5 cm lange und 3 cm hohe Darstellung einer Uru-Familie mit zwei Schafen auf einer Strohinsel und zeigt in ihrer Einfachheit den Volksglauben dieses indigenen Stammes.
Österreich
Man muß nicht unbedingt in die weite Welt hinaus, auch ganz nah gibt es immer wieder Schätze zu entdecken. In meinem Heimatort Enzesfeld-Lindabrunn findet jedes Jahr an zwei Advent-Wochenenden ein stimmungsvoller Christkindlmarkt rund um die Spitalskirche statt. Neben den Hütten zum Essen und Trinken rund um die Kirche stellen im Inneren auch Hobbykünstlerinnen und -Künstler aus. Dabei haben wir vor einigen Jahren bei einer Bekannten eine moderne Krippe aus Zementguss entdeckt, die uns in ihrer Schlichtheit noch immer fasziniert.
Deutschland
Ein Miniaturformat einer Art Kasten- oder Fasskrippe habe ich 2024 auf meinem Weg mit dem Motorrad in den Schwarzwald entdeckt. Von meiner damaligen Fahrt erzähle ich hier:
Der Ort Oberammergau liegt an der Strecke der Deutschen Alpenstraße, daher konnte ich mir damals neben einer Eiskaffee-Pause gegenüber des Passionsspielhauses auch die berühmte Lüftlmalerei und die Krippenschnitzkunst ansehen. Dabei habe ich diese kleine geschnitzte Krippe am Bild unten gefunden.
Peanuts
Es gibt natürlich auch Krippen, die nicht so ernst zu nehmen sind, aber trotzdem viel Freude machen, wenn man sie mit einem Augenzwinkern betrachtet. Dazu gehört eine Krippe aus Peanuts Figuren, die ich im Online-Handel gekauft habe.
Mit diesen Bildern wünsche ich euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!
Mit diesem Blog bleibe ich in meinem Heimatort Enzesfeld-Lindabrunn und beschäftige mich das erste Mal mit einem lokalen Künstler von internationalem Format und einem kleinen aber umso feineren Ausschnitt aus seinem Werk.
Wie meine regelmäßigen Leserinnen und Leser wissen, schreibe ich neben anderen Themen gerne über Ausstellungen, die ich in Wien, Zürich, Dresden oder sonstwo besucht habe. Dabei ist bisher ein Kleinod durch den Rost gefallen. Mein Freund Prof. Christian Kvasnicka macht immer wieder spannende Aktionen oder lässt mich einfach in sein Atelier bei uns in Enzesfeld sehen, aber ich habe noch nie davon berichtet.
Christian Kvasnicka mit einem seiner Werke in der Spitalskirche
Diesmal war es ähnlich, er machte in diversen Foren und WhatsApp-Gruppen bekannt, dass er in einem weiteren Kleinod in unserem Ort, in der Spitalskirche, die ihm auch sehr am Herzen liegt, eine Bilderserie ausstellt. Mit dem beigefügten Foto war mir sofort klar, dass ich diese Bilder schon vor Jahren am Symposion Lindabrunn gesehen habe.
2010 am Symposion Lindabrunn 2025 in der Spitalskirche Enzesfeld
Schon damals, im September 2010, hatten mich die 10 Bilder unter dem Titel „Curated woods“ im Format 200 x 95 cm fasziniert und so habe ich auch eine Fotoserie davon gemacht, die die Wechselwirkung zwischen Bildern, Bäumen und den Steinskulpturen zeigen sollten.
Der Künstler selbst bezeichnet seine Werke als gestische Synapsen der Sinne. Die scheinbar abstrakten Bilder ergeben laut ihm durch den synaptischen Einfluss Informationen an das Gehirn, das daraus seine eigenen realen Bildwelten zu formen beginnt. Es entstehen dabei immer mehr Traumtänzer, Echsen, Fische und Pflanzen, die sich immer wieder neu definieren und strukturieren.
Ich habe ohne Genehmigung von Christian ein kleines Experiment gestartet und zwei seiner Bilder an jeweils einer Stelle bis ins kleinste Detail seziert und genau das gefunden, was er oben beschreibt.
Das erste Objekt, zuerst am ersten Foto im rechten Teil, habe ich in drei Stufen herausgearbeitet. Ich will euch als Betrachter keine Antwort vorgeben, nur ist das aus meiner Sicht sicher keine Fee. Was ihr aber seht, sei euren Augen und Synapsen überlassen.
Die zweite Serie beginnt ebenfalls mit dem Gesamtbild aus dem Wald. Das rechte Werk am Foto habe ich für mein Experiment genommen, um nach drei Vergrößerungen etwas ganz anderes als beim ersten Mal zu finden, aber doch wieder in die Richtung der Intention des Künstlers zu gehen scheint.
Auch hier gilt: „Ein jeder soll sich daraus selbst ein Bild machen“.
Natürlich ist mein „Experiment“ weder technisch noch fachlich und schon gar nicht künstlerisch fundiert, aber mir macht es immer wieder Spaß, mit etwas Augenzwinkern an ein Kunstwerk heranzugehen, ich hoffe, Christian, du verzeihst mir!
Der Kraft, die speziell im originalen Umfeld in den Bäumen des Symposions Lindabrunn von diesen Werken ausgegangen ist, wenn man sich dort darauf eingelassen hat, tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil.
Abseits des künstlerischen Wertes hat mich interessiert, wie eine Leinwand ohne Schaden und Farbveränderung die wochenlange Präsentation im Freien bei Wind und Wetter überstehen kann und auch 15 Jahre später keine sichtbaren Veränderungen zeigt. Was für mich dabei spannend ist, dass durch die Tinktur, die Christian verwendete, die Leinwand sehr dicht, aber trotzdem weich und relativ geschmeidig geblieben ist und die Acrylfarben darauf auch nach langer Zeit nicht gebrochen sind.
Und sie zeigt für mich nur eine kleine Facette des Künstlers Christian Kvasnicka, der neben seinem persönlichen künstlerischen Schaffen auch viel Geld für das Rote Kreuz mit der genialen Idee auf die Beine gestellt hat, indem er 25 Jahre lang bedeutende österreichische Maler von Attersee bis Nitsch überzeugte, mit Druckgrafiken leistbare Werke höchster künstlerischer und technischer Qualität zu schaffen und sie dem Art Collectors Club des Wiener Roten Kreuzes zur Verfügung zu stellen.
Sein Engagement in der Gemeinde, wo er unter anderem immer wieder Kinder animiert, zu zeichnen und zu malen ist ebenfalls nicht wegzudenken.
Ich aber werde wieder über Christian berichten, wenn ich meinen Blog zur Schule des Sehens von Oskar Kokoschka schreibe und seine Verbindung dazu erläutern möchte.
Die heurige Motorrad-Saison ist wieder viel zu schnell zu Ende gegangen und so musste Mitte Oktober meine Crosstourer ins Winterquartier. Der nasse Weg dorthin führte quer durch Niederösterreich.
Vom Wienerwald über die „Wiener Alpen“, das Ötscherland, das Steirische Almenland bis ins slowenische Bled, die Dolomiten, den Tessin und über die Tremola auf den Gotthardpass und nach Graubünden führten mich meine Ausfahrten im Jahr 2025, nachzulesen in meinen Beiträgen zu meinen Motorraderlebnissen (siehe obige Links oder im Menü). Einige Pläne gingen dann aber doch nicht und so musste ich schweren Herzens mein Bike einwintern.
Aus zeitlichen Gründen fuhr ich um 6:30, noch in der Finsternis, aber ohne Regen daheim in Enzesfeld los, aber schon wenige Kilometer weiter begann es zu nieseln. Und so blieb es auf der B18 durch das gesamte Triestingtal bis über den Gerichtsberg ins Traisental. Mein weiterer immer nasser werdende Weg führte mich über Eschenau und die Tradigist ins Pielachtal und die B39. Von dort ging es talaufwärts bis „Kreuztanne“ an der Kreuzung mit der B28 und dann hinunter nach St. Anton an der Jessnitz und Neubruck zur B25. Erst hier wurde der Regen wieder schwächer und bis zu meinem Grestner Winterquartier war die Straße wieder trocken.
Und so ging die Motorrad-Saison 2025 nasser als geplant zu Ende. Auch wenn es auch heuer gar nicht so wenige einzelne feuchte Erlebnisse gab, überwiegen die Erinnerungen an die trockenen und sonnigen Strecken.
Wie ich in meinen Blogs schon mehrfach beschrieben habe, ist die ID Austria der Schlüssel zu digitalen Amtswegen in Österreich. Seit 1. Oktober 2025 ist der Einstieg in FinanzOnline nur noch mit der ID Austria oder mit Zwei-Faktor-Authentifizierung möglich. Ab sofort bekommen weniger IT-affine Seniorinnen und Senioren in Niederösterreich Unterstützung bei der Einrichtung.
Foto: ID Austria
Bei der finalen Einrichtung der ID Austria sind zwei Endgeräte, nämlich das persönliche Handy und ein PC oder Laptop erforderlich. Das stellt manche nicht so IT-affine Seniorin oder Senioren vor größere Herausforderungen.
Fertigstellung der Registrierung für die ID-Austria ist ab sofort bei Niederösterreichs Bezirkshauptmannschaften möglich
Wie verschiedene Medien wie z.B der ORF NÖ berichten, unterstützen ab sofort auf Initiative des Landesobmannes der NÖ Senioren, LT-Präs. Karl Wilfing, alle Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich bei der Fertigstellung der Registrierung der ID AUSTRIA auf Ihrem Mobiltelefon.
Diese Hilfestellung haben schon bisher manche Behörden angeboten, allerdings immer auf freiwilliger Basis. Auch datenschutzrechtliche Bedenken wurden jetzt ausgeräumt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bürgerbüros der Bezirkshauptmannschaften in NÖ dürfen die Hilfestellung leisten.
In anderen Bundesländern gibt es Veranstaltungen in den Bezirkshauptmannschaften, um Seniorinnen und Senioren fit für das digitale Amt zu machen.
Ein Termin, ihr Handy und ein Ausweis
Eine Terminvereinbarung bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft ist unbedingt vorab auszumachen. Das eigene Smartphone und ein gültiger Lichtbildausweis sind noch notwendig, dann steht der Einrichtung ihrer ID Austria nichts mehr im Wege. Weitere Details erhalten sie ebenfalls bei der Terminvereinbarung.
Die Einreichung auf Papier ist weiter möglich
Personen, die den digitalen oder elektronischen Weg trotzdem nicht gehen wollen, haben auch weiterhin die Möglichkeit, die Arbeitnehmerveranlagung auf Papier durchführen und sie per Post oder persönlich an das Finanzamt weiterzuleiten.
Der fünfte Teil meines Blogs zum 100-jährigen Jubiläum des Schilling handelt von der Umstellung auf den Euro bis zum Ausblick auf eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit mit einem digitalen Euro. Das Bargeld ist und bleibt dabei weiter genau so wichtig.
Um 200 Schilling gab es das Startpaket mit Münzen im Wert von 14,54 Euro. (Copyright: AP)
1 Euro war im Jahr 2002 13,7603 Schilling
Um die rechtlichen Voraussetzungen für die Teilnahme Österreichs an der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu schaffen, welche mit 1. Januar 1999 beginnen sollte, erfolgte im April 1998 die Novelle zum Nationalbankgesetz. Dadurch wurde für die Österreichische Nationalbank und ihre Beschlussorgane bei der Verfolgung der Ziele und Aufgaben des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) die Unabhängigkeit von Organen oder Einrichtungen der Europäischen Gemeinschaft sowie von Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft ausdrücklich festgeschrieben und auch der Weg zum Euro definiert.
Im Zuge dieser dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) wurde am 1. Jänner 2002 der Euro als Bargeld mit einem Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling zu einem Euro eingeführt.
Ich durfte dafür in meinem Job als Programmierer bei Agfa alle Programme und Schnittstellen schon vor 1999, dem Start des Euro als Buchwährung, durchforsten, um die sogenannte Doppelauszeichnung in Schilling und Euro überall korrekt darzustellen. Soweit ich mich erinnere, habe ich mehr als ein halbes Jahr daran gearbeitet und am Ende gab es keine Fehler. Der Umrechnungskurs hat sich bei mir und vielen anderen eingebrannt, auch wenn man heute damit nicht mehr rechnen soll, da die Inflation ja auch im Schilling mindestens in gleicher Weise weitergegangen wäre.
Ab Mitte Dezember 2001 wurden in den Banken sogenannte „Starter-Kits“ zum Preis von 200 Schilling ausgegeben, die Euro-Münzen im Nennwert von 14,54 Euro enthielten. Mit diesem Euro-„Vorverkauf“ sollten am 1. Jänner 2002 möglichst viele Euro- und Cent-Münzen in Umlauf sein. Nach Angaben der Österreichischen Nationalbank sollte für jeden Haushalt ein Startpaket bereitliegen. Die Geldausgabeautomaten spuckten ab dem Jahreswechsel 2001/2002 nur noch Euro-Geldscheine aus. Ich hatte damals wie die meisten von uns innerhalb von 2 Wochen nur mehr Euros in der Geldbörse.
Ausblick auf die nächste Phase
Es werden derzeit (2021-2025) neue Banknoten entwickelt, weil unsere künftigen Geldscheine noch sicherer, effizienter und nachhaltiger sein sollen. Der EZB-Rat hat Motive ausgewählt, mit denen die beiden Themen für die künftigen Euro-Banknoten illustriert werden. Beim Thema „Europäische Kultur“ geht es um gemeinsame Kulturstätten und herausragende Europäerinnen und Europäer. „Flüsse und Vögel“ befasst sich mit der Widerstandskraft und Vielfalt der Natur. Auf der Rückseite der Banknoten wären bei diesem Thema europäische Institutionen zu sehen.
Die Euro-Strategie der Europäischen Zentralbank
Hier einige Auszüge aus der Euro-Strategie:
Ziel unserer Bargeldstrategie: Euro-Bargeld soll auch in Zukunft weithin verfügbar und leicht zugänglich sein. Es soll weiter große Akzeptanz genießen, sowohl als Zahlungsmittel als auch als Mittel zur Wertaufbewahrung. Es wird auch künftig ein innovatives, sicheres und umweltfreundliches Zahlungsmittel sein.
Die meisten Menschen im Euroraum möchten bar bezahlen können. Voraussetzung hierfür ist, dass das Bargeld überall akzeptiert wird. So können alle frei wählen, wie sie bezahlen möchten, und Menschen ohne Zugang zu elektronischen Zahlungen werden nicht benachteiligt.
Privatpersonen und Unternehmen müssen auf ihr Geld zugreifen können. Das Eurosystem hilft den Banken dabei, die hierfür notwendigen Dienstleistungen bereitzustellen, etwa die Möglichkeit, Bargeld kostenlos oder gegen eine vertretbare Gebühr abheben zu können.
Die Euro-Banknoten sind durch modernste Technologien geschützt. Das macht sie sehr fälschungssicher. Sowohl Privatpersonen als auch Menschen, die beruflich viel mit Bargeld zu tun haben, können die Echtheit von Geldscheinen ganz leicht überprüfen.
Quelle: Österreichische Nationalbank
Der digitale Euro
Der Digitale Euro könnte das Bargeld ergänzen, aber keinesfalls ersetzen. Zusammen mit den nationalen Zentralbanken des Euroraums prüft die EZB die Einführung eines digitalen Euro. Dabei würde es sich um digitales Zentralbankgeld – ein elektronisches Gegenstück und eine Ergänzung zum Bargeld – handeln. Den Menschen stünde damit eine weitere Zahlungsmöglichkeit zur Auswahl.
In einer digitalen Welt ergänzt der digitale Euro das Euro-Bargeld. Die Möglichkeit, Bankguthaben nicht nur in Bargeld, sondern auch in digitales Zentralbankgeld zu tauschen, schafft Vertrauen in die Währung. In einer monetären Welt mit internationalen Central Bank Digital Currencies (CBDCs), wie es z.B. schon von China herausgegeben werden, würde der digitale Euro die strategische Autonomie des Euroraums stärken, um weiterhin eigenständig Geldpolitik betreiben zu können.
Da das ein äußerst sensibles Thema ist, hat die Österreichische Nationalbank auch einen Faktencheck zur möglichen Einführung des digitalen Euros erstellt, um bestehende Missverständnisse aufzuklären.
Noch mehr Details zum digitalen Euro habe ich im nächsten Blog zusammengestellt.
Australien und die Neue Welt ist das übergreifende Thema des heuer schon zum achten Mal stattfindenden Festivals La Gacilly in Baden bei Wien. Man kann nur hoffen, dass diese Veranstaltung, die Tausende Gäste in die Stadt bringt, nicht dem Sparstift zum Opfer fällt.
Es geht auf die Initiative von Lois Lammerhuber, einem der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen Österreichs, zurück, der dieses Festival von La Gacilly, wo es schon seit 2004 stattfindet, nach Baden bei Wien gebracht hat. Wir sind seit 2018 praktisch jedes Jahr dabei, um dieses größte Outdoor-Fotofestival Europas zu genießen.
Der Start ist beim Besucherzentrum am Brusattiplatz, von wo man in 2 Routen, einmal durch die Stadt und einmal durch die Parks auf rund 7 Kilometern die rund 1500 Fotografien auf sich wirken lassen kann. Wie fast jedes Jahr teilten wir dabei unsere Wanderung auf diese beide Routen an zwei Tagen auf. In meinem Blog habe ich davon bereits 2024 von der damaligen Ausstellung unter dem Titel „Welt.Natur.Erbe“ berichtet.
Das heurige Motto der Ausstellung lautet „Australien und die Neue Welt“ und präsentiert vom kleinen Bild mit rund 50×70 cm bis zum 200 m2 großen Plakat Werke von rund 35 Künstlerinnen und Künstlern. „Das Ziel des Festivals ist, die Besucher einzuladen, sich auf herausfordernde Themen unserer Zeit auf sinnliche Weise einzulassen und dank der Bilder großartiger Fotokünstler:innen in Staunen versetzen zu lassen“, wie die Homepage der Ausstellung ausführt.
Ich bringe hier nur einige wenige beinahe willkürlich ausgewählte Bilder, die neben der künstlerischen Qualität auch das Vorhaben zeigen, die Natur mit ihrer Schönheit, die aber vom Menschen gequält und zerstört wird, zu präsentieren.
Dabei sind einerseits die Parks und andererseits die Plätze und Bauten Badens die Kulisse für die Bilder, die im Jahr 2024 über 320.000 Menschen in das größte Outdoor-Fotofestival Europas ins Herz des Wienerwaldes gebracht hatte.
Sogar Ludwig van Beethoven, der in Baden große Teile seiner 9.Symphonie komponiert hat, sieht aus dem Hintergrund zu. Von der Ausstellung im Jahr 2024 unter dem Titel „Der Weg der Neunten von Baden in die Welt“ habe ich ebenfalls berichtet.
Der Bogen der faszinierenden und oft aufwühlenden Bilder spannt sich von Werken australischer Künstlerinnen und Künstler, die ihre Heimat im Mittelpunkt haben, über Papua Neuguinea bis in die USA, die südamerikanischen Andenstaaten und Benin in Afrika. Europa ist mit Fotos aus der Bretagne und zum Thema Essensverschwendung mit Österreich vertreten. Wie immer runden einige Sonderausstellungen zu verschiedenen österreichischen Themen dieses Festival ab. Auch die Schulen Niederösterreichs und der Bretagne leisten jedes Jahr ihren Beitrag.
Sojabohnenerte in ArgentinienGemüseanbau in HollandDas werfen zwei österreichische Personen innnerhalb 4 Wochen weg (das harmloseste Bild der Ausstellung!)
Hoffentlich geht es weiter
Die wie immer sehenswerte Schau kann noch bei freiem Eintritt bis 12. Oktober 2025 besichtigt werden. Laut Medienberichten ist das Festival auch noch für das Jahr 2026 abgesichert. Es steht zu hoffen, dass Baden einen Weg findet, diese nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region beinahe nicht mehr wegzudenkende Ausstellung auch weiterhin zu ermöglichen. Über 300.000 Besucherinnen und Besucher, die sonst wahrscheinlich nicht kommen würden, sprechen dafür.
Kunst soll und kann zwar nicht immer ökonomisch gemessen werden, aber wenn jeder und jede von ihnen nur 10 Euro in der Stadt lässt, sind das pro Jahr 3 Millionen Euro an Wertschöpfung. Damit wird jeder Euro der derzeit an Förderungen fließt verzehnfacht.
Das sollten sich Stadt, Land und Wirtschaft nicht entgehen lassen und mit kreativen Ideen dafür sorgen, dass nicht nur das Geld, sondern auch die Besucherinnen und Besucher die Stadt beleben und Baden ihrem Ruf als Kulturstadt weiterhin gerecht wird.
Die Bucklige Welt mit dem Motorrad zu erkunden kann jedes Mal zum Erlebnis werden. Wenn man von Anfang an kein bestimmtes Ziel hat, nimmt man irgendeine Straße südöstlich von Wr.Neustadt. In kürzester Zeit gibt’s Kurven zum Abwinken und eine wunderschöne Aussicht, der man sich auch widmen kann. Aber nur getrennt, beides gleichzeitig könnte schiefgehen.
Einige Stunden bei strahlend blauem September-Himmel wollen für eine Motorradrunde genutzt werden. Diesmal hatte ich mir den äußersten Süden Niederösterreichs mit einem kleinen Abstecher ins Burgenland vorgenommen.
Nordöstlich vorbei an Wr.Neustadt fuhr ich über Lichtenwörth ins benachbarte Burgenland nach Pöttsching und den Kurort Bad Sauerbrunn. Bald kam die Abzweigung nach Wiesen, das einerseits vielen Altersgenossinnen und Altersgenossen mit seinen legendären Festivals ein Begriff ist, andererseits im Sommer mit Marillen und Ananas-Erdbeeren aufmerksam macht.
Mich haben aber eher die Kurven von Forchtenstein zur hoch über dem Ort thronenden Burg angelockt, zu Festivals und Obstkauf fahre ich eher nicht mit dem Motorrad, obwohl das auch schon vorgekommen ist.
Nach ein paar Fotos ging es die Kurven durch den Wald weiter hinauf Richtung Rosalia, wo ich das tolle Wetter nutzte und die wenigen Meter einen Hohlweg hinauf zur Rosalienkapelle marschierte.
Die kleine Anstrengung wurde durch den Blick ins weite Burgenland entschädigt, auch wenn es etwas zu dunstig war, um am Horizont den Neusiedlersee zu erkennen. Auf der anderen Seite des Hügels konnte ich dafür im Hintergrund Schneeberg und Rax erblicken.
Einige Kilometer weiter, wieder in Niederösterreich, bei der Kreuzung mit der L148 Richtung Wr.Neustadt oder Hochwolkersdorf ist das „Tor der Buckligen Welt“, das den Blick ins Pittental mit der Südautobahn und dahinter ins Semmering- und Wechselgebiet erlaubt.
Ich nahm die Straße weiter in die Bucklige Welt hinein über Hochwolkersdorf und Bromberg in die Gemeinde Lichtenegg, die gleich mit zwei Attraktionen aufwartet, nämlich dem am Horizont erkennbaren Windrad von Lichtenegg mit einer derzeit leider geschlossenen Aussichtskanzel und der auf rund 850m gelegenen weit sichtbaren Wallfahrtskirche Maria Schnee.
Auf dem Weg hinunter nach Grimmenstein blickte die namensgebende Burg vom gegenüberliegenden Hang. Für mich war es aber Zeit für den Rückweg und so nahm ich die Diritissima auf der B54 nach Wr.Neustadt und zurück nach Enzesfeld.
„Ein Gebot der bitteren Not“ steht auf dem Notgeld aus Scheibbs. Die Nachwirkungen des ersten Weltkrieges waren noch zu spüren, es herrschte Mangel an allen Gütern, sogar am Metall für Münzen und dazu gab es eine Hyperinflation. Das veranlasste Gemeinden und Länder dazu, ein Notgeld aus Papier herauszugeben, um dem zumindest teilweise entgegenzuwirken.
Ausgabe von Papier-Notgeld zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Donaumonarchie war – als eine der vielen Auswirkungen dieser Ereignisse – auch der Mangel an Rohstoffen, insbesondere an Buntmetallen, drastisch spürbar geworden. Auf den Kirchtürmen fehlten die Glocken und in den Geldbörsen das Metallkleingeld.
Als Ersatz für das zur Mangelware gewordene Kleingeld wurden in Österreich im Jahr 1920, in manchen Orten bereits früher, Notgeldscheine ausgegeben, deren Nennwert meist 10, 20 und 50 Heller je Serie betrug. Gemeinden, Private und die Bundesländer gaben massenhaft Notgeld mit begrenzter Umlaufzeit aus.
Die ersten negativen Erscheinungen auf dem Gebiet des Geldwesens nach dem Ersten Weltkrieg waren die Inflation, der Ersatz der Gold- und Silbermünzen, dann auch der Kupfer- und Nickelmünzen durch eisernes und papierenes Notgeld. Dieses ungeheure Anschwellen sowohl des Notenumlaufes als auch der Staatsschulden bis zum völligen Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen führte zur Entwertung im Verhältnis 1:14.400. Das nimmt sich allerdings gegenüber der deutschen Katastrophe mit einer Abwertung von 1:1 Billion bescheiden aus, führte aber ebenfalls an die Grenzen der wirtschaftlichen Vernichtung.
Vor diesem Hintergrund erschienen gleich nach Kriegsende die ersten Notgeldausgaben, z.B. in Wiener Neustadt am 15.11.1918, Wien am 4.10.1919 (dem Bedarf entsprechend in hoher Auflage), Stockerau am 3.12. oder in der Marktgemeinde Haag am 20.12.1919. Der Anstoß dazu kam von Deutschland, wo Notgeld seit 1914 im Umlauf war und bald auch fleißig gesammelt wurde.
Nirgendwo deutlicher als in den bunten Kassenscheinen spiegelt sich die politische Szene des Jahres 1920. Der verlorene Krieg, der Untergang der Donaumonarchie, die neue Konstellation in Europa, sie haben die politischen Gefühle der Massen aufgewühlt, die Wirtschaftskrise tat noch das ihre hinzu, man suchte nach Sündenböcken und glaubte sie gefunden zu haben: in den Siegermächten, Generälen, Kriegsprofiteuren und den Juden. Antisemitismus und Großdeutschtum machten sich breit, der Anschlussgedanke beherrschte weite Kreise der Bevölkerung.
Auch das Land Niederösterreich, die Gemeinden Gaming, Gresten, Enzesfeld und Lindabrunn hatten ihre eigenen Notgeldausgaben. Einige davon befinden sich auch in meiner Sammlung, siehe Bilder.
Bis 1. Oktober 1921 war das Notgeld im Umlauf, dann verlor es seine Gültigkeit. Bereits vorher wurden durch die damalige Hyperinflation diese Kleinstbeträge nicht mehr benötigt.
Im Link mit dem Abdruck des Buches Notgeld in Niederösterreich von Hans Hagen Hottenroth können sie noch viele weitere Details nachlesen.