Süddeutsche Automuseen mit viel Bezug zu meiner Heimat Baden bei Wien

Die Heimfahrt war einerseits geprägt von weniger Regen für mich persönlich, andererseits waren wegen der angespannten Hochwassersituation viele kilometerlange Umleitungen nötig. Waren es am Hinweg Kurven und Landschaft, so zogen mich am Rückweg die Automuseen in Stuttgart, Ingolstadt und Dingolfing in ihren Bann. Der Bezug zu meiner näheren Heimat ist ebenfalls spannend.

Tag 6 – Von Bad Herrenalb nach Stuttgart zu Porsche und Mercedes

Dieser Abschnitt ist mit rund 75 km die kürzeste Strecke meiner ganzen Tour. Daher brauchte ich mich auch nicht besonders beeilen, speziell weil es während des Frühstücks noch immer intensiv regnete. Aber während ich meinen Koffer fertig machte, hörte es anscheinend auf und ich beeilte mich um wegzukommen. Minütlich starteten die anderen aus der Tiefgarage und dann war ich auch bereit und fuhr los. Es sah gut aus, das Helmvisier blieb trocken, aber leider, nach einigen Minuten schon fing es an zu regnen und das hielt die nächsten 70 km bis kurz vor Stuttgart an.

Mythos Porsche

Mein Hotel lag nur einige Minuten Fußweg vom Porsche Museum, so konnte ich rasch in die Ausstellung gelangen. Gleich als eines der ersten Exponate entdeckte ich einen Porsche 356, den Ferdinand Porsche 1948/1949 im kärtnerischen Gmünd gebaut hatte. Ferdinand Porsche, war auch langjähriger Direktor der Austro-Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt. Er arbeitete auch bei Daimler in Stuttgart, worauf ich bei meinem  Mercedes Kapitel eingehe.

Mit diesem Österreich-Bezug möchte ich auch schon enden und euch nur mit einigen Bildern mitnehmen. Für Porsche- und Technikfans ist dieses Museum ein Muss, wo man die Geschichte, den Mythos und die sportlichen Erfolge dieser Marke modernst aufbereitet erleben kann. Sollte das nicht reichen, kann man auch sofort eines der neuesten Modelle zum Fahren buchen.

Mercedes – vom Benz Patent Motorwagen zur modernsten Antriebstechnik

In Stuttgart muss man aber genauso das Mercedes Museum gesehen haben, als fuhr ich mit dem Taxi ans andere Ende der Stadt. Bei der Fahrt im Starkregen meinte der Taxifahrer, daß er die Neckar seit mehr als 10 Jahren nicht so hoch gesehen habe.

In diesem Museum sind die Österreich-Bezüge und speziell zum südlichen Niederösterreich noch größer. Der in meinem Nachbarort Hirtenberg geborene geniale Mercedes-Benz Konstrukteur Béla Barényi ist einerseits der Vater der Sicherheitsfahrgastzelle, andererseits konnte Barényi nachweisen, dass er bereits in den 1920er Jahren das Konzept des Käfers detailliert dargelegt, aber nicht ausreichend durch Patente abgesichert hatte, woraufhin seine Urheberschaft am VW Typ 1 gerichtlich anerkannt wurde. Von 1955 bis zu seiner Pensionierung 1974 leitete Barényi die Vorentwicklung bei Daimler-Benz.

Ferdinand Porsche bei Daimler

Von 1906 bis 1923 stand Ferdinand Porsche an der Spitze der Daimler-Werke in Wiener Neustadt im südlichen Niederösterreich und verschaffte dem Begriff „Austro Daimler“ Weltgeltung. Er konstruierte benzin-elektrische (sic!) Automobile, aber auch Flugmotoren und schwere Zugwagen, die im Ersten Weltkrieg zum Ziehen der Mörser eingesetzt wurden. Von 1923 bis 1929 arbeitete Ferdinand Porsche bei Daimler in Stuttgart, wo er die Weiterentwicklung des Zweiliter-Mercedes-Kompressorwagens leitete und die „S“- und „SSK“-Sportwagen sowie Lastautos entwickelte.


Ursprung in Baden bei Wien

Damit aber nicht genug, hat der Markenname Mercedes ebenfalls seinen Ursprung bei uns in Niederösterreich. Der Diplomat und Händler Emil Jellinek  ließ in Baden bei Wien eine 50 -Zimmer-Villa bauen und nannte sie nach seiner Tochter „Villa Mercedes“. Leider ist heute davon bezeichnenderweise nur mehr die Garage erhalten.


Emil beschäftigte sich intensiv mit der Faszination Automobil und besaß bereits früh einen Benz, der ihn allerdings nicht überzeugte. 1896 bestellte er nicht nur seinen ersten Daimler-Wagen, sondern verkaufte sie in Folge auch selbst erfolgreich in für damalige Verhältnisse hohen Stückzahlen. Er fuhr unter dem Pseudonym seiner Tochter Autorennen und ließ dafür von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, den Mercedes 35 entwickeln, dieser gilt heute als erstes modernes Automobil.

1902 wurde der Name „Mercedes“ von der Daimler Motorengesellschaft als Warenzeichen angemeldet und gesetzlich geschützt. Jellinek ließ sogar seinen Familiennamen auf Jellinek-Mercedes ändern. Die Namensgeberin Mercedes Jellinek-Mercedes starb 1929 im Alter von 39 Jahren an Knochenkrebs und ist am Wiener Zentralfriedhof begraben.

Das Buch „Der Friedhofsgucker unterwegs“ von Dietmar und Elfi Holzinger enthält auf den Seiten 76-85 noch mehr Details und auch noch Geschichten über andere verstorbene Persönlichkeiten aus der Umgebung von Baden. Die Bezugsquelle findet ihr in den Links.

Der letzte Österreich-Bezug ist ein historischer Postbus, den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Es gibt noch viele spannende Mercedes-Objekte, ein paar davon will ich euch noch zeigen.

Tag 7 – von Stuttgart nach Ingolstadt ins Audi Forum

Die Berichte in Fernsehen und Internet zeigten die schwierige Hochwassersituation um Donau und Inn mit vielen gesperrten Straßen und Umleitungen. Es war auch eher anzunehmen, daß sich die Lage eher noch verschlechtern wird. Ich beschloss daher, diesmal nur über die Autobahn zu fahren, die noch oder schon wieder frei befahrbar war. Die Wettervorhersage war auch nicht sehr vielversprechend, daher zwängte ich mich wieder in die Regenkombi, obwohl es beim Losfahren noch trocken war. So sollte es dann doch den ganzen Tag bleiben.
Vom Porsche-Museum zur A81 sind es nur wenige Kilometer, dort ging es weiter bis Höhe Heilbronn und dann über die A6 bis Nähe Nürnberg, das letzte Stück verlief dann Richtung Süden auf der A9 bis Ingolstadt und direkt zum Audi-Forum.

Das Museum Mobile: vom DKW Motorrad bis zum Rallyfahrzeug

Da zumindest ich bei Audi und den Vorgängermarken keinen Österreich-Bezug kenne, werde ich, um auch ein bisschen meinem Ansatz eines Motorrad-Blogs gerecht zu werden, mehr von den Motorrädern im Museum zeigen.

Zuerst die Audi Motorsport-Legenden

Doch das erste, was mir ins Auge stach, war ein über 4 Stockwerke gehender riesiger Paternoster. Wie ich erst zuhause herausfand,  ist er mit 14 Plattformen der weltweit größte seiner Art. Hier wird die 50-jährige Motorsport-Geschichte von Audi zum Beispiel mit dem Audi A4 DTM-Sieger von 2007, dem Audi Le Mans Prototyp R8 LMP von 2002, dem Audi A4 STW von 1996, einem Audi Sport quattro Rallye Gruppe B von 1985, dem NSU 1300 TT „Jägermeister“ von 1975 sowie einem  DKW F11/64 Tourenwagen von 1963 präsentiert. Der Audi Rallye quattro Gruppe 4 von 1980, den ich damals bei einem von mir veranstalteten Rodelrennen das erste Mal in Natura und nachträglich betrachtet recht zahm auf der glatten Schneefahrbahn unserer Rennstrecke erlebt hatte, stach mir natürlich besonders ins Auge.

Die Silberpfeile und die Hochgeschwindigkeitswagen der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts nehmen natürlich auch einen sehr prominenten Platz ein. Es ist fast nicht nachvollziehbar, daß schon in den 1930ern auf einem Stück der deutschen Reichsautobahn mit den damals extrem schweren und unhandlichen Reifen ein Geschwindigkeitsrekord von rund 400 km zustande kam.

DKW und Wanderer Motorräder waren gefragt und populär,  einige davon seht ihr hier.

Alltagsautos von den 1950ern bis in die 1970er

Ein besonderes Auto, das Kindheitserinnerungen weckt, ist der NSU Ro80 mit seinem Wankelmotor. Aber genauso der NSU Prinz oder TT gehörten zum damaligen Straßenbild.

Hochwasser an der Donau

Nach dem Museumsbesuch checkte ich in einem kleinen Hotel in der Nähe der Altstadt ein, so konnte ich zu Fuß trocken die Altstadt erkunden. Die Donau war bis auf den Rand voll, die Wege am Ufer standen unter Wasser, an manchen Stellen waren es weniger als ein halber Meter bis auf das Straßenniveau.

Ich entdeckte in der Fußgängerzone einen Braugasthof, wo ich mir neben einem guten Hellen eine Leberknödelsuppe und einen Schweinebraten mit Kartoffelknödel gönnte. Es war sehr gut und deftig, der Cholesterinspiegel schnellte sicher hinauf und mein Fußmarsch war mehr als egalisiert.

Tag 8 – Von Hans Glas und BMW zurück nach Österreich

Auch der Montag war wieder sonnig und ich verzichtete auf die Regenkombi, der Weg nach Dingolfing ins dortige Museum für Industriegeschichte war theoretisch nur runde 100 km und ich wollte daher auch möglichst wenig die Autobahn benutzen. Wegen des Hochwassers waren aber auch hier südlich der Donau und nördlich der Isar eine Reihe von Straßen im recht flachen Land gesperrt, was das Navi und meinen Orientierungssinn wieder herausforderte. So folgte ich einem Einheimischen kilometerweit über Feldwege vorbei an Hopfenfeldern und ersparte mir einen Riesenumweg.

Mittelalterlicher Stadtkern und das weltweit zweitgrößte BMW-Werk

Daß sich aus der kleinen Erzeugung für Landmaschinen des Hans Glas das zweitgrößte BMW-Werk entwickeln würde, war in den 1950er Jahren noch nicht absehbar. Diese Geschichte wird im Museum für Industriegeschichte erzählt. Ich war zu früh, da das Museum erst um 13 Uhr öffnet, daher spazierte ich durch alte Gassen vom Oberen Stadtplatz in die Untere Stadt, wo gerade Wochenmarkt war.

Was ist eine Jahreskrippe?

In der Stadtpfarrkirche entdeckte ich als Krippenfan etwas, das in Österreich sehr selten ist, aber in Bayern wieder eine Renaissance erfuhr, nämlich eine Jahreskrippe. Hier werden die Ereignisse des Kirchenjahres dargestellt und entsprechend umgebaut. Derzeit ist das Pfingstfest als Thema dargestellt.

Von der Milchzentrifuge zum BMW iX5

Gleich zu Beginn der Ausstellung im Museum für Industriegeschichte im 3.Stock entdeckte ich eine Milchzentrifuge, die mich an meine Kindheit erinnerte. Ich durfte auf einem solchen Gerät bei meinen Großeltern am Bauernhof noch in den späten 1960ern mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit drehen und so Rahm und Magermilch trennen. Ein weiteres landwirtschaftliches Gerät war die Dreschmaschine, die noch in den 1970er Jahren im Einsatz war.

Mit solchen Maschinen, wie auch einer Sähmaschine, startete Hans Glas seine industrielle Laufbahn. Sein Hauptintereresse galt aber rasch dem PKW und er entwickelte das allgemein bekannte Goggomobil in verschiedenen Varianten.

Unser erstes Auto

Der Glas Isar war 1963 das erste Auto meines Vaters. Umso mehr hat es mich gefreut,  daß genau ein solches Modell in Grau hier ausgestellt wurde.

Die Hans Glas GmbH wurde im Jahr 1966 von BMW gekauft, woraus sich dann im Lauf der Jahre eines der größten Autowerke entwickelte. Darum stellt BMW der Stadt Dingolfing und damit dem Technikmuseum immer wieder spezielle Fahrzeuge oder Fahrzeugmodelle zur Verfügung.

Schnittmodell eines Elektroautos

Als besonderer Blickfang präsentierte sich der zum ersten Mal auf der IAA 2021 gezeigte aufgeschnittene BMW iX xDrive50 mit seinen Lithium-Ionen-Akku, der im Unterboden zwischen den Achsen platziert ist und mit einer Netto-Kapazität von 105,2 kWh eine WLTP-Reichweite von bis zu 630 Kilometern ermöglicht.

Im Hof ist dann noch das Alu Space Frame genannte Auto-Skelett eines Rolls Royce Phantom, das ebenfalls in Dingolfing erzeugt wird, zu sehen.

Damit war mein Besuch in diesem interessanten Museum zu Ende und ich machte mich auf den Weg Richtung Österreich.

Eiskaffee, Bier und Kalbsbeuschel

Mein geplanter nächster Stopp wäre zuerst der am Weg gelegene Eberhofer-Kreisel bei Frontenhausen und dann Braunau am Inn gewesen, doch wegen einiger Hochwasser-bedingter Umleitungen landete ich weiter nördlich an der Innbrücke von Schärding. Nach einem stärkenden Eiskaffee am Stadtplatz machte ich mich auf den Weg quer durch Oberösterreich nach Kefermarkt, wo ich im Gebäude der Schlossbrauerei des Schloss Weinberg, das ein oberösterreichisches Erwachsenen- Bildungszentrum beherbergt, übernachten wollte. Das hier gebraute Bier musste natürlich verkostet und der Hunger nach dem langen Tag mit einem köstlichen Kalbsbeuschel mit Knödel gestillt werden.


Der sonnige Morgen rief nach einem Spaziergang, um die Umgebung und die Atmosphäre mit dem Fotoapparat zu erkunden.

Um 8 Uhr öffnete das Café Stöckl neben der Pfarrkirche, wo ich ein besonders liebevoll hergerichtetes Frühstück genoss.

Der Kefermarkter Flügelaltar

Danach wollte ich natürlich das eigentliche Juwel des Ortes besichtigen. Die Pfarrkirche beherbergt den Kefermarkter Flügelaltar, ein Ende des 15.Jahrhunderts aus Lindenholz gefertigter 13,5 m hoher Schrein mit überlebensgroßen Statuen des heiligen Petrus, des heiligen Wolfgang und des heiligen Christophorus. Dieser von einem unbekannten Künstler geschaffene Flügelaltar zählt zu den Hauptwerken der Gotik im deutschsprachigen Raum und zu den bekanntesten Altären Österreichs.

Das letzte Stück des Heimweges verlief unspektakulär in der Sonne über Perg, Grein und den Strudengau am linken Donauufer bis zur Donaubrücke Melk und dann über die Autobahn bis Alland und weiter ins untere Triestingtal.

Links und Quellen

https://www.porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum/aboutthemuseum/
https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/person/porsche/
https://www.fahrtraum.at/ferdinand-porsche-bei-daimler-mercedes-benz/
https://www.mercedes-benz.com/de/kunst-und-kultur/museum/
https://www.mercedes-benz.com/de/innovation/meilensteine/emil-jellinek/
https://www.spiegel.de/geschichte/der-erste-mercedes-a-946468.html
https://mbpassion.de/2021/10/wer-war-eigentlich-emil-jellinek/
https://www.kaiserhaus-baden.at/emil-1853-1918-und-raoul-fernand-1888-1939-jellinek-mercedes/
https://www.kral-verlag.at/item/Der_Friedhofsgucker/Dietmar_Holzinger/Elfi_Holzinger?isbn=9783991031468
https://www.mercedes-benz.com/de/kunst-und-kultur/museum/ausstellung/mythos-5/
https://www.audi.de/de/foren/de/audi-forum-ingolstadt/audi-museum-mobile.html
https://www.museum-dingolfing.de/museum/#industriegeschichte
https://www.auto.de/magazin/rolls-royce-das-skelett-kommt-aus-bayern/
https://www.stoeckl.cafe/
https://www.ausflugstipps.at/oesterreich-poi/detail/400422/fluegelaltar-kefermarkt.html

Alle Menschen werden Brüder oder 200 Jahre Beethovens 9. Symphonie

Das Jahr 2024 steht im Zeichen des 200. Jahrestages von Beethovens 9. Symphonie. Nur Wenige außerhalb unserer Bezirkshauptstadt Baden und Umgebung wissen, daß diese Symphonie von hier ihren Siegeszug durch die Welt angetreten hat. Die Uraufführung fand am 7. Mai 1824 am Kärntertortheater in Wien statt.

Sie ist seit dem Jahr 1972 die Hymne des Europarates. 1985 wurde sie in der Instrumentalfassung von den EU-Staats- und ‑Regierungschefs als offizielle Hymne der Europäischen Union angenommen. Im Jahr 2024 mit den Europawahlen sind wir aber leider weiter denn je entfernt von der Intention der „Ode an die Freude“ mit der Friedensbotschaft.

Beethoven komponierte auch in Baden

Ludwig van Beethoven verbrachte aus gesundheitlichen Gründen 15 Sommer in Baden bei Wien. Er bewohnte in der Kurstadt zahlreiche Wohnungen, davon in den Jahren 1821, 1822 und 1823 das heutige Beethovenhaus, das seit 1962 der Stadt Baden gehört. Seit 1965 gibt es darin die Beethoven-Gedenkstätte. Im Jahr 2014 wurde es als heutiges Beethoven-Haus eröffnet.

Bild: Carl Schlösser: Beethoven in seinem Heim (ca. 1811)
Quelle: https://www.baerenreiter.com

Die ausgestellten Möbelstücke sind nicht original, sondern stammen aus der Zeit Beethovens und geben die Atmosphäre wieder, in der er in diesem Haus gelebt hat. Auf dem Hammerklavier hat er aber schon einige Male selbst gespielt und heute werden darauf auch wieder Konzerte gegeben. Die Geschichte dazu findet ihr im Link unten.

200 Jahre 9. Symphonie

Derzeit widmet sich eine Sonderausstellung diesem Jubiläum und diesem Musikstück. Ein besonderes Highlight ist ein Brief, in dem Beethoven im September 1823 verspricht, die Partitur von op. 125 innerhalb der nächsten zwei Wochen zu liefern. Dieses Kleinod ist eine Leihgabe des Beethoven-Hauses in Bonn und beweist, daß diese wunderbare Melodie in Baden entstanden ist. Unten findet ihr den Link, wo man den Text des Schriftstücks sogar nachhören kann.

Die Sommerfrische in Baden lässt Beethoven kreativ sein

Nicht nur „Die Neunte“, sondern unter anderem auch „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ oder die „Missa solemnis“ sind zumindest teilweise in Baden entstandenen und können an eigenen Klangständen auch außerhalb der Sonderausstellung nachgehört werden.

Der absolute Höhepunkt der Ausstellung ist aber ein Video der Aufführung des vierten Satzes der Symphonie, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt, das nicht nur zu „hören“, sondern auch zu „sehen“ (als elektronische Darstellung der einzelnen Instrumente im Zusammenspiel) und zu „lesen“ (der Partitur) ist.

Fazit

Diese Sonderausstellung und auch das Beethoven-Haus an sich ist für alle Klassik-Begeisterten oder Geschichte-Interessierten ein Muss, wenn sie in der Nähe von Baden sind. Ein für viele eher trockenes Thema wird hier sehr zeitgemäß und informativ präsentiert. Sie ist noch bis 3.November 2024 geöffnet. Während dieser Zeit gibt es eine Reihe von Veranstaltungen und Konzerten, das genaue Programm könnt ihr der Homepage des Beethoven-Hauses und der Stadt Baden in den Links unten entnehmen.

Links

https://www.beethovenhaus-baden.at/
https://www.baden.at/Das_Beethoven-Klavier_ist_wieder_daheim_1
https://www.tourismus.baden.at/beethoven-2024-in-baden
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ludwig_van_Beethoven
https://european-union.europa.eu/principles-countries-history/symbols/european-anthem_de
https://www.beethoven.de/de/media/view/5108492276858880/Ludwig+van+Beethoven%2C+Brief+an+Franz+Christian+Kirchhoffer%2C+Baden%2C+5.+September+1823%2C+Autograph?fromArchive=5670237424844800
https://www.baerenreiter.com/themen/beethoven/klaviermusik/hans-joachim-hinrichsen-beethovens-klaviersonaten/

Montreux im März

Ich muss vorausschicken, dass meine Frau Schweizerin ist und wir daher einige Male im Jahr dort zu Besuch sind. Dabei ergibt sich auch immer die eine oder andere Sightseeing-Aktion. Diesmal soll es Montreux sein.

Schweizerdeutsche Begriffe und Abkürzungen werden am Ende erklärt!

Anreise mit Zmorge in der SBB

Wir starten wie immer in der Nähe von Zürich und fahren über Bern, Freiburg und Lausanne nach Montreux. Im Zug haben wir Zeit genug und geniessen im Speisewagen ein Zmorge mit Brot, Gipfeli, Konfi, Butter und einem Chäsplättli.

Von Lausanne bis Montreux führt die Strecke am Genfersee entlang, der aber noch fast vollständig im Nebel versunken ist, nur die schneebedeckten Berge der Schweizer und französischen Alpen leuchten in der Sonne.

Bekannte Persönlichkeiten wurden und werden vom See angezogen

Eine Vielzahl von Künstlern, Schriftstellern und Reisenden hatte und hat sich in der Region niedergelassen, wie zum Beispiel Charlie Chaplin, Igor Strawinsky, Kaiserin Sissi, Lord Byron, Vladimir Nabokov und Freddie Mercury. Dem ehemaligen Heim von Charlie Chaplin wollen wir einen Besuch abstatten.

In der Chaplin’s World

Vom Bahnhof geht es mit der Buslinie 201 bis zur Endstation Vevey Funi und dann mit einem Shuttlebus bis zum Chaplin-Museum. Wir haben die Eintrittskarten (Standard 30 CHF pro Person, mit fixem Datum bis zu 8 CHF günstiger / März 2023) schon vorab im Internet bestellt, darum gehen wir ohne Wartezeit direkt hinein und sehen einen kurzen Film über das Leben von Chaplin.

Danach hebt sich die Leinwand und wir befinden uns direkt im Museum, das vielen bekannten und weniger bekannten Filmkulissen nachempfunden ist. Nicht nur Charlie Chaplin, auch viele seiner Kolleginnen und Kollegen begegnen uns wie mitten in den Dreharbeiten als lebensgrosse Figuren.

Nach einem Kaffee im Café „The Tramp“ wollen wir wieder mit dem Shuttle zurück zum Ausgangspunkt bei der Talstation „Vevey Funiculaire“ der Standseilbahn. Leider macht der aber Mittagspause und so marschieren wir eben eine gute Viertelstunde zu Fuß hinunter.

Funiculaire auf den Mont-Pèlerin

Wir werden aber dadurch entschädigt, daß wir fast ohne Wartezeit mit der Standseilbahn duch die Weinberge an Chardonne vorbei hinauf auf den Mont-Pèlerin fahren können. Dort gönnen wir uns ein auch für Schweizer Verhältnisse überteuertes Mittagessen, aber der Ausblick entschädigt dafür. Da in der Zwischenzeit der Nebel teilweise aufgerissen hat, ist der Genfersee mit Vevey, Montreux und den umliegenden Bergen ein Genuß für unsere Augen.

Und noch eine weitere berühmte Persönlichkeit

Nach der Talfahrt geht es mit dem Bus zurück bis zur Station Montreux Marche, wo wir noch einen weiteren berühmten Gast besuchen. Freddie Mercury, der Sänger der Rockgruppe Queen, liess sich in Montreux nieder, weil er die Beschaulichkeit des Ortes liebte und erwarb hier ein Aufnahmestudio, wo er sein letztes Album mit der Gruppe Queen produzierte: „Made in Heaven“. Die Statue direkt an der Seepromenade haben wir natürlich besucht, für das Museum in den ehemaligen Queen-Studios war es uns aber zu spät.

Abschluss eines schönen Tages

Wir machen uns auf die Suche nach einem Café mit Patisserie, was sich als schwieriger als gedacht herausstellte. Erst direkt vor dem Bahnhof haben wir Glück und bekommen zum sehr guten Kaffee auch eine Süßigkeit, die unseren Wünschen nahekam.

Die unspektakuläre Rückfahrt haben wir uns mit einem Picollo Prosecco verkürzt und dabei diesen wirklich schönen Tag Revue passieren lassen.

Schweizer Begriffe

  • SBB – Schweizer Bundesbahn
  • Zmorge – Frühstück
  • Gipfeli – Butterkipferl
  • Konfi – Marmelade
  • Chäsplättli – Käseplatte