Kelten, Ritter und ein riesiges Wasserfass – was man bei einer Motorradtour so alles entdeckt…

In diesem Blog schreibe ich über eine kürzere Tour mit trotzdem spannenden Kurven und Zwischenstationen im südlichen Niederösterreich und dem angrenzenden Burgenland.

Ich bin eigentlich Schönwetterfahrer und bin weder bei Regen als auch bei Hitze nicht gern unterwegs. Hier widersprechen wahrscheinlich die, die meinen Blog zu meiner Tour in den Schwarzwald gelesen haben. Trotzdem habe ich mich erst wieder am ersten nicht so heißen Tag nach der Sardinien-Tour aufs Motorrad gesetzt um eine Runde über die Rosalia zu fahren.

Bei der Bezeichnung Rosaliengebirge lächlen die Freunde aus dem Westen Österreichs, die anderes gewohnt sind. Aber hier gibt es genauso wie in der direkt anschließenden Buckligen Welt viele Straßen und Sträßchen, die auf einigen kurvigen Touren erkundet werden können, ohne sich dabei zu sehr zu wiederholen.

Die Burg Forchtenstein stand am Plan, aber an der Kreuzung beim Tor der Buckligen Welt stand eine schwarze Wolke und so bog ich nicht links ab, sondern fuhr weiter Richtung Hochwolkersdorf. Dann war es nicht mehr weit bis zu den Serpentinen von Schwarzenbach.

Am Burgberg gegenüber war der Aussichtsturm zu sehen und so beschloss ich, dem Keltendorf einen Besuch abzustatten. Es war ja sicher schon 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal dort war. Das Dorf war gewachsen und am Weg zum Museumsturm tummelte eine Herde Zwergziegen auf der falschen Seite des Zaunes herum, während auf der anderen Seite einige neugierige, frisch geschorene Alpakas und Straussen herüberlugten.

Also fuhr ich lieber weiter Richtung Süden bis Kobersdorf. Dort finden seit vielen Jahren die Schloss-Spiele unter der Intendanz von Wolfgang Böck statt. Neben den immer wieder besonderen und heiteren Stücken macht der begeisterte Mororradfahrer auch eine gemeinsame Fahrt für Biker vom Mattersburger Pappelstadion bis zum Schloss Kobersdorf. Einige Jahre waren wir auch dabei und fuhren mit mehr als hundert Bikes gemeinsam mit Wolfgang Böck praktisch direkt in die Vorstellung. Das Bild unten mit ihm stammt aus dem Jahr 2015.

Aber heute war keine Vorstellung und so ging es weiter über Lindgraben Richtung Süden, bis die Straße nach Westen in die Bucklige Welt abzweigte. Nach einigen flott zu fahrenden Kurven bog eine kleine Straße zur Ruine Landsee, einer der größten Burgruinen Mitteleuropas, ab. Neben dem geschichtsträchtigen Gemäuer ist der Rundumblick über das südliche Burgenland auf jeden Fall eine Pause wert. Die Bilder stammen aber von meinem letzten Besuch im Herbst 2021.

Waren es in Schwarzenbach die Kelten aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr., so sind es auf der Burg Landsee die Ritter aus dem 15.Jahrhundert, die das Geschehen bestimmten.

Bald danach führte mich die Crosstourer wieder Richtung Norden vorbei am Pauliberg, unserem jüngsten Vulkan, der vor 11 Millionen Jahren erloschen ist und auch schön vom Schwarzenbacher Museumsturm zu sehen ist.

In Wismath wollte ich wieder hinunter von den Höhen der Buckligen Welt und fuhr über Hollenthon und dem heute höchsten Punkt der Tour bei Wiesfleck auf 850m Seehöhe bis Krumbach auf die B55 und vorbei an der Kreuzung beim Weissen Kreuz, wo man schon fast beim Eis-Greissler ist. Über Edlitz und weiter über Scheiblingkirchen und links über die Natschbacher Straße ging es nach Neunkirchen hinüber ins Schwarzatal.

Am Kreisverkehr an der Blätterstraße bei Neusiedl am Steinfeld kann ich das Rätsel vom überdimensionalen Wasserfass auflösen. Hier befindet sich schon seit den 1950er Jahren einer  der imposantesten Wasserbehälter und mit 600 Millionen Liter Trinkwasser einer der größten Europas. Der Behälter ist in das Gefälle der Ersten Wiener Hochquellenleitung eingebunden und dient zur Trinkwasserabsicherung ohne zusätzliche Pumpen für die Stadt Wien.

Dieser wird auf einer riesigen Baustelle bis 2036 zum größten geschlossenen „Wasserfass“ Europas mit einem Fassungsvermögen von rund einer Milliarde Liter erweitert. Auch wenn es nicht so aussieht, von dort sorgt das Gefälle dafür, dass das Wasser ohne Pumpen direkt bis in die Millionenstadt Wien fließen kann.

Das letzte Stück meiner mit rund 180 Kilometern eher kürzeren Tour führte dann über Bad Fischau und Steinabrückl zurück zum Ausgangspunkt in Enzesfeld. Es zeigte sich, Fahrer und Motorrad sind in bester Verfassung und gut vorbereitet für die nächste Tour in die Schweiz.

Route: https://kurv.gr/GJFPT