5 – Die Tremola als Höhepunkt und Abschluss

Meine Motorrad-Reise in die Schweiz war nach 5 Tagen und 1466 Kilometern zu Ende. Die ehemalige Straße aus dem Tessin auf den Gotthard, die gepflasterte Tremola, war dabei der krönende Abschluss, die man als Motorradfahrer zumindest einmal gefahren sein sollte.

Von Flims bis Thalwil

Es war noch recht frisch, als ich kurz vor 8 Uhr in Flims mein Motorrad für die letzte Tagestour meiner Fahrt in die Schweiz startete. Aber der Schi- und Wanderort liegt ja auch auf rund 1000 m Seehöhe, hoch über der Rheinschlucht, durch die ich 2024 gefahren bin. Er gehört auch zum UNESCO-Weltnaturerbe Sardona Flims Laax.

Mein heutiger Weg sollte mich aber noch in ganz andere Höhen bringen. In Disentis/Mustér mit der imposanten Benediktinerabtei führt die Hauptstrasse 19 aus Chur zum Lukmanier- und zum Oberalppass. Ich habe mich diesmal für den zweiten entschieden und der „Lukmanier“ bleibt auf meiner Bucketlist.

Hier endet auch die Vorderrhein- oder Sursevallinie der Rhätischen Bahn, die ich im Vorjahr bei meiner Fahrt durch die Rheinschlucht beobachtet hatte und mit der ich zu meinem 50er auch mitfahren durfte. HIER könnt ihr in meinem Blog von 2024 dazu bei der 4.Tagesetappe nachlesen.

Aber mein nächstes Ziel sollte der Oberalppass mit seinen 2044 Metern Höhe sein. Etwas außergewöhnlich ist der 10 mit hohe Leuchtturm auf der Passhöhe, der auf die Quelle des Vorderrheins aufmerksam machen soll.

Nach einem kurzen Stopp fuhr ich aber die Serpentinen hinunter nach Andermatt im Kanton Uri, um diesmal die bereits 2024 geplante Pässerunde Furka-Grimsel-Nufenen-Gotthard zu schaffen. Damals haben mir ja Regen, Nebel und Schnee meine Pläne durchkreuzt. Aber das könnt ihr ebenfalls im oben verlinkten Blog nachlesen. Heuer war zumindest bisher die Sonne meine Freundin und so war es ein Genuss, die Serpentinen zur Passhöhe auf 2429 m Seehöhe hochzufahren.

Am Weg hinunter war dann natürlich das legendäre, aber seit 2015 geschlossene Hotel Belvedere das nächste Highlight. Der ursprüngliche Höhepunkt, der gegenüber liegende Rhonegletscher ist aber schon seit Jahren von hier nicht mehr zu sehen. Man könnte ihn aber auf einem rund halbstündigen Fußweg mit der Gletschergrotte erreichen, was ich aber ebenfalls ausließ. So fuhr ich die Serpentinen hinunter nach Gletsch, wo die Straße auf den Grimselpass abzweigt. Die Sonne spielte immer noch mit und so konnte ich diesmal die Auffahrt ohne Nebel und Regen genießen, sogar ein Foto des Rhonegletschers ließ sich machen.

Rascher als gedacht erreichte ich die Passhöhe von 2164 m, fuhr aber vorerst noch ein Stück weiter, um die beiden Stauseen und den Blick Richtung Haslital zu sehen. Hier hatte ich auch endlich die Chance, die extreme Porsche-Dichte am Furka und Grimsel zu dokumentieren.

Nach einem Kaffee beim See auf der Passhöhe fuhr ich wieder hinunter und bog in Gletsch rechts Richtung Süden ab. Auf den Serpentinen hinunter ins Tal der noch recht kleinen Rhone stieg auf einmal Rauch auf, die Furka-Dampfbahn bereitete sich auf die Einfahrt in den Scheiteltunnel vor. Hier gab es eine Möglichkeit, mit dem Motorrad stehen zu bleiben und so konnte ich dieses Schauspiel beobachten und fotografieren.

Bald war Obergoms und in Ullrichen die Abzweigung Richtung Nufenenpass erreicht. Ich war überrascht von der landschaftlichen Schönheit dieses 2480 m hohen Passes, der im Internet eher stiefmütterlich behandelt wird, obwohl es die höchste ganz in der Schweiz gelegene Passstrasse ist. Die Kurven im oberen Bereich machten ebenfalls Spaß bevor es etwas einfacher hinunter nach Airolo im Tessin ging.

Ich habe mich mit viel Respekt an die Tremola herangemacht und ein Jahr mehr gewartet, da mir ja im Vorjahr das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Aber heuer passte alles, das Wetter war schöner als die Apps noch in der Früh versprochen hatten und vollgetankt habe ich zur Sicherheit direkt vor der Auffahrt auch noch.

Der Gesamtanstieg der Tremola beträgt rund 930 Meter, die Strecke von Airolo bis zum Gipfel knapp 16 km, die Steigung beträgt maximal 12 % und es gibt 37 Haarnadelkurven. Der legendärste Abschnitt der Tremola überwindet auf einer Länge von vier Kilometern in 24 Haarnadelkurven 300 Höhenmeter. Dieser Teil ist zwar mit Granitsteinen gepflastert, aber so gut gepflegt, dass das Motorradfahren überhaupt keine Schwierigkeiten macht.

Hier könnte sich die Wiener Höhenstraße ein Beispiel nehmen, die in einem traurigen Zustand war, zumindest als ich sie das letzte Mal vor einigen Jahren gefahren war. Die Haarnadelkurven sind alle extrem breit und im Vergleich zu anderen Passstraßen flach. Oder bin ich nur in den letzten Tagen etwas abgehärtet worden? Ich erinnere an die Fahrt über den Splügenpass und an die Umleitung nach dem Molvenosee in vorigen Abschnitten meiner heurigen Tour.

Während ich so vor mich hinfuhr und nachdachte, kamen Nebelschwaden und einige Regentropfen auf, anscheinend ist der Gotthard ohne Nebel nicht denkbar. Aber schon tauchte links das Hospiz und gerade voraus das Adlerdenkmal aus dem Nebel auf, ich hatte die Tremola bezwungen.

Während ich eine Cervelat gegessen habe, lichtete sich der Nebel, dafür kamen immer mehr Regentropfen, sodass ich beschloss, rasch aufzubrechen und ins Tal hinunter zu fahren. Leider war der Regen gleich schnell wie ich und so war ich in Andermatt schon recht nass. Ich parkte beim Bahnhof und schlüpfte in der Ankunftshalle in meinen Regenoverall. So konnte ich weiter ins Tal fahren, an der Teufelsbrücke vorbei, in der Autokolonne die Serpentinen hinunter nach Göschenen und Wassen. Hier lichtete sich der Regen und in Altdorf am südlichsten Zipfel des Vierwaldstätter Sees war ich von der Sonne und vom Fahrtwind schon wieder fast trocken.

Obwohl der Regen vorbei war, schälte ich mich nicht mehr aus dem Regengewand, die letzten eineinhalb Stunden bis an den Zürisee sollten auch so möglich sein. Es wurden dann aber doch mehr als zwei Stunden, zuerst den Vierwaldstätter See entlang bis Schwyz und dann hinüber zum Ägerisee und weiter nach Sihlbrugg. Ich durfte ja ohne Schweizer Vignette nicht auf die Autobahn. Der Hirzel, über den ich zum Zürisee fahren wollte, war wegen eines Unfalls gesperrt und so musste ich durch das Sihltal mit seinen mindestens fünf Baustellenampeln fahren, bis endlich nach mehr als einer halben Stunde Stopp and Go in Langnau nach Thalwil abbiegen konnte.

Meine fünftägige Reise war nach 1466 Kilometern zu Ende und ich war jetzt bei den herrschenden 31 Grad innen genauso nass, wie wenn es geregnet hätte. Schön war es aber trotzdem.

Meine Route und die Pässeliste

Oberalppass

Furkapass

Grimselpass

Nufenenpass

Gotthardpass

Kurviger Route: Flims – Thalwil

Hier folgt der Bericht vom ersten Rückreisetag

6 – Viele Seen und noch mehr Kurven

4 – Vom Comosee über den Splügenpass an den Rhein

Die vierte Etappe führte mich trotz meiner verwirrten Navi-Susi von Edolo an den Comosee und über den Splügenpass bis zum Beginn des „echten“ Rheins.

Von Edolo bis Flims

Hinter dem ganz unscheinbaren Eingang in die Bäckerei und Pasticceria, gar nicht wie beim Motorrad-Treffpunkt gegenüber, verbirgt sich ein modernes Lokal das La Bella Edolo, typisch lombardisch, wir würden eher sagen italienisch mit sagenhaft gutem Gebäck und Kaffee, genau der richtige Ort für mein Frühstück. Ich bin sicher, hier muß ich beim nächsten Mal wieder einen Stopp einlegen.

So gestärkt, ging es dann auf den Passo Aprica, der den Namen „Pass“ von der Ostseite von Edolo aus eigentlich nicht verdient. Nur die Mischung aus vielen Kurven mit 2 Bussen, einem LKW und einigen PKWs zerrt dann doch an den Nerven und es dauerte einige Kilometer, bis ich alle zusammen in fast schon italienischer Manier überholt hatte.
Aprica, wo auch der Scheitel des Passes liegt, war noch festlich geschmückt, da einige Tage vorher die zweite Etappe des Giro Italia der Damen hier halt machte.

Am Ende ging es dann doch noch mit einigen richtigen Serpentinen hinunter ins Valtellina mit der Provinzhauptstadt Sondrio.

Hier muss man sich dann nicht besonders aufhalten, sondern folgt von Tresenda bis Trivio Fuentes zügig der SS38. Heute war sie in dieser Richtung gar nicht so stark befahren wie die letzten Male, sodass ich praktisch ohne Stau rasch durchkam. Dann ging es weiter auf der SS36 Richtung Chiavenna, wo ich aber bald nach der Brücke über die Adda einen Abstecher nach links machte, um an den Comosee zu gelangen. Das Eis und der Cappuccino auf der Terrasse direkt am See gab dann die Kraft für den Splügenpass.

Der Kreisverkehr in Chiavenna, der einerseits zum Malojapass und andererseits zum Splügenpass führt, war aber auch heuer ein Nadelöhr, durch das man sich mit den Seitenkoffern am Motorrad gar nicht so einfach durchschwindeln konnte. Bald begannen die ersten der insgesamt 52 Tornanti (Haarnadelkurven) auf italienischer Seite, wobei es am besten ist, keinen Gegenverkehr in einer dieser Spitzkehren zu haben, denn wenn man auch selbst meist auf der eigenen Fahrbahnhälfte bleiben kann, ist das bei entgegenkommenden Fahrzeugen nicht immer so. Sogar ein Schweizer youtube-Autotester spricht vom „Wendekreis des Wahnsinns„, den ein Auto am Splügenpass haben muss.

Dann war es wieder so weit, vor einem Tunnel kam ein längerer Stau und nichts ging mehr. Ich fuhr vor zum Tunneleingang, wo schon viele Biker einen Halt eingelegt hatten. Hier am Punto Panoramico wartete ich mit ihnen ab, bis der Stau sich auflöste. Dabei lernte ich zwei Australier kennen, die schon 6 Wochen in den Alpen mit dem Auto unterwegs waren.

Anscheinend war ein Motorradfahrer im Tunnel gestürzt und hatte sich verletzt. Später dürften dann noch einige Motorräder am entstandenen Ölfleck ausgerutscht sein. Ich konnte aber ohne nennenswerte Schwierigkeiten bis zur Passhöhe hinauf fahren. Die Übung mit den vielen kleinen Sträßchen und Kurven am Vortag (hier nochmals zum Nachlesen) hatte sich bezahlt gemacht und dem Splügenpass den Schrecken genommen.

Die Schweizer Seite hinunter ist besser ausgebaut und auch breiter, so konnte ich die rund 20 Tornanti auch recht zügig durchfahren, wenn ich nicht gerade durch einen ängstlichen oder zumindest bergungeübten Autofahrer gebremst wurde.

Photostopps sind auch hier schwierig bis beinahe unmöglich mit einem Motorrad, speziell mit DSG, wo man keinen Gang hat, der das Fahrzeug im Stehen hält. Die Handbremse ist dabei auch keine wirkliche Hilfe. Darum habe ich mir einige Bilder aus dem Netz ausgeborgt.

Dann erreichte ich schon das Dorf Splügen, das aus verschiedensten Gründen seinen originalen Dorfkern aus Waldner Holzhäusern und eleganten italienischen Palazzi erhalten konnte und machte Halt für eine Mittagspause.

Anschließend folgte ich der alten Splügenstraße B13 talabwärts, die mehr oder weniger parallel zur A13 vom San Bernardino hinunter bis Thusis führt. Sie wird und wurde an vielen Stellen ausgebaut und neu asphaltiert und kann daher meist flott durchfahren werden. Dann sah ich links eine kleine Holz-Hängebrücke, die ich mir ansehen wollte. Ich musste aber einige Kilometer weiter fahren um umdrehen zu können. Es hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt. Tief unten tost der Vorderrhein und ein gar nicht so kleiner Hangrutsch hat einen Teil des Waldes weggerissen.

Das Bild von Matteo aus Komoot zeigt noch den unversehrten Baumbestand.

Den nächsten geplanten Stopp hatte ich dann bei der Viamala-Schlucht. Diese wird von der alten und neuen Steinbrücke überquert. So wie ich von oben kommend, sieht man zwischen den bis zu 300 m hohen Felswänden nur die neue Brücke aus dem Jahr 1935, aber gleich dahinter liegt die alte nach ihrem Baumeister benannte Wildener-Brücke aus dem Jahr 1735. Man könnte von dort auch über 359 Stufen in die Schlucht hinuntersteigen, aber so viel Zeit hatte ich doch nicht und die Motorradkluft ist dafür auch nicht adäquat.

Die B13 führt dann weiter nach Thusis und Bonaduz wo bald bei Tamins die Abzweigung auf die B19 Richtung Flims folgte. Dabei überquerte ich eine Brücke über den Rhein, wo mir der Blick vom Motorrad aus schon gefiel. Da gleich danach ein kleiner Parkplatz lag, konnte ich gut stehen bleiben und auf die Brücke gehen. Dabei entdeckte ich, dass genau hier der Vorder- und Hinterrhein zusammentreffen und als „Alpenrhein“ den „richtigen“ Rhein bilden, der dann nach rund 1200 Kilometern in Holland in die Nordsee fließt. Im Hintergrund führt auch die Brücke der Rhätischen Bahn vorbei. Diese Strecke durfte ich zu meinem 50. Geburtstag mit dem Glacier-Express von Zermatt bis St.Moritz und dann weiter mit dem Bernina-Express bis Tirano fahren.

Nur wenige Kilometer weiter liegt Flims, wo ich im Hotel Bellevue übernachten wollte. Auf den letzten Kilometern habe ich mein Navi, ein Garmin Zumo XT mit der von mir „Susi“ getauften Computerstimme endgültig verwirrt. Es stellte sich wieder einmal heraus, dass das exakte Setzen der Zwischenziele oder Shapping-Points das Leben von Susi und mein Leben als Fahrer ungemein erleichtern. Susi weist ewig und mit Engelsgeduld zurück auf einen ungenau gesetzten Punkt, bis der nächste erreicht ist. Auf dieser Route war ich einige Male ungenau und so war Susi den Großteil der Strecke beschäftigt, mich auf den ihrer Meinung nach richtigen Weg zu bringen. Nur bei meinem ungeplanten Abstecher an den Comosee war sie auf einmal wenige Kilometer weit überraschend still, bis sie sich wieder gefasst hatte.

Der letzte Punkt meiner Tagesetappe war von mir nicht beim Hotel in der Via Nova in Flims gesetzt, sondern auf einem Berg in der Umgebung. Und so forderte mich Susi im Tunnel vor Flims mehrmals nachdrücklich auf, die Straße zu verlassen und zeigte das auch am Display durch viele neue Fähnchen an. Jetzt war mir klar, dass man als Fahrer schon sehr gefestigt sein muss, um nicht Susi blind zu folgen und dann auf einer Schipiste, einem Wanderweg einer Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit oder in meinem Fall in einer Tunnelwand zu landen, was ja immer wieder vorkommt. So erreichte ich nach Aufbietung aller meiner mentalen Kräfte um Susi zu widerstehen, doch noch mein Hotel in Flims.

Pässeliste und die vierte Etappe

Passo Aprica
Splügenpass

Kurviger-Route: Edolo-Flims

3 – Und wenn du glaubst, mehr geht nicht…

Durch die Durchfahrt im unteren Bild links fährt man vom Passo Tonale kommend hinein nach Edolo. Bis dorthin bin ich mit meinem Motorrad über kurvige Pässe, kleine Sträßchen, Feldwege, Kieselstein-Pflaster, vorbei an einem, zumindest für Österreicher, See-Geheimtipp und (unten) durch einen weltbekannten Schiort gefahren. Davon berichte ich im 3. Teil dieser Serie.

Von Panchià nach Edolo

Nach dem Frühstück erkundete ich mit einem Spaziergang noch den kleinen Ort Panchia, da ich ja dann wieder einige Stunden am Motorrad sitzen würde. Die Häuser im Zentrum oberhalb der Kirche sind noch sehr ursprünglich erhalten, wie man sich als Tourist es sich im oberen Trient vorstellt. Der deutsche Name des Dorfes lautet Weißbach, was wieder an den den Berg herunter fliessenden Fluss Rio Bianco erinnert. Auch mein Hotel ist danach benannt.

Nach dem Packen des Motorrads fuhr ich auf der Provinzstraße am Berghang oberhalb des Fleimstals entlang bis Cavalese, wo ich dann wieder auf die SP232 wechselte.


Entlang des Lago di Stramentizzo ging die Fahrt weiter und über den Croce delle Serre Pass hinunter ins Etschtal. In Mezzolombardo hatte ich nicht mehr an den 3740m langen Tunnel Galeria Rupe gedacht und konnte nicht mehr auf die geplante Bergstrecke abbiegen. Meine Navi-Susi geleitete mich aber am Ende sicher um den Tunnel zurück und so kam ich doch noch in den Genuss der empfehlenswert kurvigen SP64 über den Sella di Andalo zum Molvenosee.

Nicht ohne Grund wurde bereits zum 9. Mal dem Molvenosee der Titel „Schönster See Italiens“ verliehen. Der 4,4 km lange und 1,5 km breite Molvenosee ist der größte natürliche Alpensee über einer Meereshöhe von 800 m und verschiedenen Farbschattierungen von Türkis bis Dunkelblau und ist ein Paradies für Segler, Taucher, Gleitschirmflieger und Biker. Dadurch entwickelt er sich immer mehr zum Geheimtipp als Alternative zum Gardasee.

Ich marschierte zuerst ein Stück die Uferpromenade entlang, wo viele die Sonnenstrahlen auf der Liegewiese genossen. Wie immer war auch hier wieder meine Zeit zu knapp dafür. Eventuell sollte ich mir die doppelte Zeit gönnen, nachdem ich bei jeder meiner letzten 3 Touren in die Schweiz um einen Tag verlängert habe und mittlerweile bei 5 Tagen in einer Richtung liege? Der Hunger wurde aber auch größer und so ging ich zum Hotel Fontanella, dessen Restaurant mit Seeblick mir beim Googeln ins Auge gestochen war. Ich wurde nicht enttäuscht, die Pasta war gemeinsam mit dem Ausblick ein Gedicht.

Frisch gestärkt konnte ich nun meine Tour entlang des Sees fortsetzen. Meine Euphorie und mein Motorrad wurden jäh durch eine Straßensperre am Ende des Sees gebremst, der italienische Hinweis auf eine Umleitung lenkte mich nach links auf eine schmale Forststraße, die anfänglich asphaltiert und dazwischen ein paar Mal sandig und lehmig war. Aber weil mir immer wieder ein Auto oder Motorrad entgegenkam, war für mich alles in Ordnung. Die Straße war aber zeitweise so eng und am Hang, dass es unmöglich gewesen wäre, dass ein Auto und ich mit den Seitenkoffern am Motorrad aneinander vorbeifahren hätten können.

Dann öffnete sich das Tal und eine schöne Kirche tauchte auf. Die Straße ging leicht bergab, war aber mit großen runden Kieseln gepflastert. Stehenbleiben war keine Option und ich hoffte, dass der Weg nach der Kirche flacher weiterging. Es war aber das Gegenteil, die nächsten 100 m waren noch steiler und laut meiner Navi-Susi kam dann eine Haarnadelkurve. Glücklicherweise gab es an der Kurve eine kleine halbwegs flache Wiese, wo ich mit dem Motorrad gefahrlos umdrehen konnte. Dann ging es nochmals ein Stück recht steil und holpernd hinunter, ich sah aber schon den flacher werdenden Weg, der sogar asphaltiert war.

Dann wurde es lustig. Der enge, zumindest asphaltierte Weg führte wieder bergab in den Wald hinein, wo dann eine Gruppe Pfadfinder verteilt am Wegrand saß und mich mit Rufen und Winken den Berg hinunter geleitete. Unten angekommen, sah ich ein malerisches kleines Dorf, Moline, mit einer uralten steinernen Brücke über den Rio Bondai. Die Fotos dazu habe ich mir in Komoot von Attilo, Syrio und Sandy ausgeborgt.

Im Google Maps sieht man diesen Weg vorbei an der Santuario Madonna Di Caravaggio und Moline gar nicht, im Kurviger kann man ihn zumindest erahnen.

Eine kleine Anmerkung zur Kirche, was ich im Internet dazu gefunden habe: Die Kapelle Santuario Madonna Di Caravaggio ist ein Marienwallfahrtsort und liegt wirklich sehr idyllisch in einer einmalig schönen Umgebung, überall grüne Hügel und in einiger Entfernung dann die felsigen Dolomitengipfel.

Das untenstehende Bild ist aus dem oben verlinkden Blog der Familie Sterr, danke dass ich es verwenden darf!

Santuario Madonna Di Caravaggio (Copyright: http://www.Familie-Sterr.eu)

Der weitere Weg war dann vergleichsweise flach und führte ins Dorf San Lorenzo Dorsino, wo ich nach einigen engen kurvigen Gässchen und rund 7 km im wahrsten Sinn über Stock und Stein wieder die Staatsstrasse erreichte. Obwohl dieser Umweg wirklich schön war, war ich doch froh, ohne Sturz oder zumindest Umfaller mit meiner ohne mich fast 300 kg schweren Crosstourer durchgekommen zu sein.

In Ponte Arche erinnerte mich ein Blick auf die Armaturen, dass ich bald tanken sollte, schön dass gleich eine Tankstelle an der Kreuzung lag. Und weiter ging es, jetzt bald wieder Richtung Norden, hinauf nach Madonna di Campiglio und seinen Umfahrungstunnel.

Bald erreichte ich Dimaro, wo ich vor 3 Jahren bei der Heimfahrt übernachtete, aber für mich ging es weiter auf den Passo Tonale. Die Straßen nicht nur dieses Passes wurden seit dem Vorjahr an vielen Stellen neu asphaltiert, was den Fahrspaß signifikant verbesserte.

Interessanterweise fielen mir diesmal verschiedene Dinge auf, die ich bei meinen letzten Touren nicht gesehen habe, dabei sind die drei Hochhäuser in Passo Tonale nicht zu übersehen, „die hauen einem das Auge ein“ wie man in Österreich salopp formuliert. Das umstrittene Projekt Torri del Tonale (deut. Tonaletürme) stellte einen drastischen Einschnitt für das Landschaftsbild dar und symbolisiert die zügellose touristische Entwicklung in der Provinz Trient der 1970er Jahre. Von den ursprünglich fünf geplanten Hochhäusern wurden am Ende nur drei gebaut, aber auch das reicht.

Copyright: sulamaca.it

Natürlich macht man am Passo Tonale auch einen Fotostopp, aber dann ging es in schönen Kurven hinunter und nach wenigen Kilometern erreichte ich mein Tagesziel Edolo. Wenn mein erstes Quartier in Fusch eher die Jugendherberge war, entsprach meine Unterkunft hier eher einem Seniorenheim. Aber was solls, das Zimmer war groß und das Bett angenehm, so schlief ich nach mehr als 900 Kilometern am Motorrad und meiner kleinen Stadtrunde mit einer Stärkung in einer kleinen lombardischen Trattoria ziemlich rasch und tief.

Die dritte Etappe mit der Pässeliste

Croce delle Serre
Passo Santel
Sella di Andalo
Passo Campo Carlo Magno
Passo del Tonale

Kurviger-Route: Panchia-Edolo

Hier geht’s zum vierten FahrtagEdolo-Flims

2 – Der Tag der nicht gefahrenen Straßen

Beim Motorradfahren ist ja im Prinzip der Weg das Ziel. Wenn man aber an einem Tag gleich mehrere Straßen nicht fahren kann, ist es doch frustrierend. Wie es dazu kam, beschreibe in der zweiten Folge dieser Serie.

Von Fusch im Land Salzburg bis Panchia im Trentino

Am am Morgen zeigten die Kameras am Großglockner Nebel und eine Temperatur von 1 Grad. Der Schnee lag zwar nicht auf den Straßen, aber Glatteisgefahr bestand trotzdem und so war die Sperre für Motorräder noch nicht aufgehoben. So blieb mir als Alternative nur der Felbertauern mit seinem Scheiteltunnel. Die Möglichkeit auf der anderen Seite, die Bahnverladung zwischen Gastein und Mallnitz, bestand auch noch nicht. Diese wurde erst am Wochenende darauf nach den wochenlangen Revisionsarbeiten geöffnet.

Und so dachte ich da noch, dass die Großglockner-Hochalpenstraße die einzige sein würde, die ich an diesem Tag nicht wie geplant befahrenen konnte. So startete ich über die da noch nicht so stark befahrene B168 nach Mittersill, von wo die B108 über den Felbertauern führt. Dabei hatte ich einen wunderbaren Blick auf das von der Morgensonne angeleuchtete Kitzsteinhorn und konnte bis zum Tunneleingang noch ein paar Fotostopps einlegen. Die Maut von 12 Euro für ein Motorrad (2025) ist nach dem 5313 m langen Tunnel auf Osttiroler Seite zu bezahlen. Dann führt die Straße mit vielen langgezogenen Kurven über Matrei hinunter bis zur Bezirkshauptstadt Lienz.

Mein nächstes geplantes Highlight des Tages sollte die Pustertaler Höhenstraße sein. Wenige Kilometer nach Lienz, bei Leisach weist ein Schild rechts auf die gut 35 km lange Panoramastraße, die in vielen meist gut ausgebauten Kurven bis auf rund 1500 m hinauf führt. Der Ausblick auf die gegenüberliegenden Lienzer Dolomiten und die Durchfahrt durch die kleinen Dörfchen macht diese Strecke so reizvoll.

Doch wenige Kilometer bevor die Straße in Abfaltersbach wieder in die B100 einmündet, ging nichts mehr, Totalsperre wegen Bauarbeiten. Also umdrehen und rund die Hälfte zurück, bis die St.Justiana Landesstraße hinunter ins Tal nach Mittewald führt. Aber für den Motorradfahrer ist ja eh der Weg das Ziel und ich dachte, dass das die letzte nicht vollständig gefahrene Straße für diesen Tag sein sollte.

Kurz vor der Grenze bei Silian füllte ich noch den Tank meiner Crosstourer auf, um nicht gleich in Italien tanken zu müssen und fuhr danach bei Toblach auf der SS51, der Strada d’Alemagna, Richtung Süden bis Schluderbach. Schon in der Provinz Venetien, wollte ich die Mautstraße zur Auronzohütte bei den Drei Zinnen hinauf fahren. Gleich zu Beginn gibt es zwei Serpentinen, wo ich warten musste, weil gerade zwei Busse herunter fuhren und dabei reversieren mussten. Dann ging es vorbei an einem kleinen Bergsee, dem Lago Antorno weiter bis sich das Tal mit einem großen Parkplatz öffnete und die 3 Zinnen genau vor mir standen.

Der Schranken der Mautstraße weiter zur Auronzohütte blieb mir aber verschlossen, seit Sommer 2025 braucht man ein vorreserviertes Online-Ticket. Leider wusste das die Homepage vor einigen Monaten noch nicht und so war meine Überraschung perfekt. Jetzt war das die dritte Straße an einem Tag, die ich nicht so fahren konnte wie ich wollte.

Bevor ich wieder hinunter zur SP49 fuhr, machte ich beim Lago Antorno Halt für einen Cappuccino und einen Apfelstrudel und natürlich für einige Fotos.

Weiter ging es den Misurinapass hinunter und weiter über den Passo Tre Croci Richtung Cortina di Ampezzo, wo es wieder die dort üblichen Staus gab. Nach längerem Schritttempo und einigem Durchschlängeln erreichte ich am westlichen Ende der Stadt die Auffahrt zum Passo Giau. Der Ausblick von der Passhöhe über die Marmolada, Sellagruppe, Drei Zinnen, Nuvolau, Cristallo, Tofane usw. ist fast nicht mehr zu toppen.

Der Passo di Valles mit seinen etwas mehr als 2000 Metern Höhe ist gemütlich zu fahren und führt hinab nach  Predazzo, wo bald das Schisprung-Stadion für die Olympiade 2026 fertig werden sollte.

Da ich leider nicht so einfach stehenbeliben konnte: Die Bauststelle für das Schispungstadion in Predazzo für die Olympiade 2026 im März 2025, Copyright: http://berkutschi.com

Nur noch wenige Kilometer weiter im Val di Fiemme liegt mein Tagesziel Panchia, wo ich direkt an der Hauptstraße im Hotel Rio Bianco mein Zimmer reserviert hatte. Das Zimmer war ruhig und sauber, das Steakhaus, das zum Hotel gehört, ist meiner Meinung nach sogar einen kleinen Umweg wert.

Die zweite Tagesetappe und die Pässeliste

Felbertauern

Pustertaler  Höhenstraße

Mautstraße zur Auronzohütte

Passo Tre Croci

Misurinapass

Passo Giau

Passo di Valles

Kurviger Route: Fusch – Panchia

Und hier geht’s zum dritten Fahrtag:

Von Panchia nach Edolo

1 – Bis zum Glockner und dann doch nicht drüber

Quer durch Österreich über den Drehort der „Bergretter“ bis zum Fuß des Großglockners verlief die erste Tagesetappe auf meinem Weg in die Schweiz. Was ich dabei gesehen und erlebt habe, erzähle ich im ersten Teil dieser Blog-Serie.

Von Enzesfeld bis Fusch an der Glocknerstraße

Ursprünglich hatte ich ja meine Reise in die Schweiz von Dienstag bis Samstag geplant und freute mich schon, dass es nicht so heiß wie in der Woche davor sein sollte. Als aber der Sonntagabend mit einem Gewitter begann und der Starkregen auch am Montag nicht enden wollte, beschloss ich den Start auf Mittwoch zu verschieben.

Booking.com ließ mich bis auf ein Hotel im Trentino alle umbuchen und jetzt weiß ich, dass ich in Zukunft auf Storno bis zum letzten Tag achten werde. Das ist zwar Lehrgeld, daß weh tut, aber andererseits hatte ich die Chance, am Mittwoch nicht mehr nass zu werden. Und diese Chance nützte ich.

Im Lauf des Dienstags, der komplett verregnet war, kamen dann die Nachrichten von 30 cm Neuschnee am Stelvio (Stilfser Joch) und dann auch noch vom Großglockner mit 20 cm. Den sollte ich dann von meinem Quartier in Fusch an der Glocknerstraße am Mittwoch Abend auch noch sehen.

Aber alles der Reihe nach. Der Regen hatte daheim in der Nacht aufgehört und so waren die Straßen zumindest trocken. Um der Baustelle auf der Autobahn auszuweichen, fuhr ich bis Neunkirchen die gewohnten kleinen Straßen und von dort auf der Semmering-Schnellstraße bis Mürzzuschlag und dann über Neuberg an der Mürz und das Niederalpl bis Gußwerk. Hier bog ich ins Salzatal auf der Hochschwab-Bundesstraße Richtung Wildalpen ab. Diese Straße ist allen zu empfehlen, die gerne flotte langgezogene Kurven  in einer wunderschönen Landschaft fahren.

Nach einem kurzen Stück auf der B25 bog ich nach Palfau ab, den Autos folgend, die dort die Rafter und Paddler aus der Salza wieder aufnahmen. Weiter ging es über den Erbsattel bis kurz vor St.Gallen links die Burgruine Gallenstein herunterblickte. Sie war vom 13. bis Ende des 19. Jahrhunderts Fluchtburg und Verwaltungssitz de 1074 gegründeten Stiftes Admont. Um die Dachsteuer einzusparen, wurde wie bei vielen anderen Burgen, z. B. auch der Burgruine Rauhenstein in Baden, 1832 das Kupferdach abgedeckt und die Burg dem Verfall überlassen. So entstand die jüngste Burgruine der Steiermark.

Weiter ging es über den Buchauer Sattel und dem Vorschlag der Kurviger App auf der Passhöhe einer kleinen Seitenstraße folgend hinunter Richtung Benediktinerstift  und der größten Klosterbibliothek der Welt, für das ich heute keine Zeit hatte.

Auf der Gesäusestraße, wo von weitem die Wallfahrtskirche Frauenberg herunterblickte, die ich 2016 besucht hatte, fuhr ich weiter nach Liezen. Von damals stammen auch die vier nachfolgenden Fotos.

Um der eintönigen und stark befahrenen Ennstal-Bundesstraße auszuweichen, fuhr ich in Liezen links weg, vorbei am Fliegerhorst Fiala Fernbrugg in Aigen über kleine Landesstraßen bis Prüggern. Kurz vor Haus im Ennstal ging es dann gleich wieder weg und hinauf Richtung Ramsau am Dachstein. Direkt an der Straße, auf der Gemeindegrenze Haus–Ramsau, steht der Trutstein, ein etwa 10 m hoher isolierter Felsturm.

Bald danach befindet sich seit 1434 die älteste die älteste Lodenwalke der Welt, die sicher auch interessant zu besichtigen gewesen wäre. Ramsau am Dachstein ist auch seit 2009 der Hauptschauplatz und Drehort für die ZDF-Fernsehserie „Die Bergretter“. Es ist aber auch der Einstieg in die Dachstein Südwand und Talstation der Panoramagondel auf den Dachstein.

Der nächste Ort Filzmoos liegt bereits im Bundesland Salzburg. Von dort ist es nicht mehr weit nach Eben im Pongau, von wo die landschaftlich recht schöne B99 bis Bischofshofen führt.

Nach einem Tankstopp leitete mich mein Navi entgegen meiner Planung am PC daheim, auf die B311 und St.Johann im Pongau statt über Mühlbach am Hochkönig und Dienten. Aber wer weiß,  wofür es gut war,es begann nämlich nun wirklich zu regnen und ich war froh, auf dem schnellsten Weg noch trocken mein Quartier in Fusch an der Glocknerstraße zu erreichen.

Dem Bergweltklischee folgend gab es nach einem kleinen Fußmarsch in den Ort zum Abendessen im Hotel Römerhof noch ein Wildererpfandl.

Die erste Tagesetappe mit der Pässeliste

Niederalpl

Erbsattel

Buchauer Sattel

Kurviger-Route: Enzesfeld-Fusch/Glocknerstraße

Und hier geht es zum zweiten Tag:

Der Tag der nicht gefahrenen Straßen

Mit dem Motorrad zu Cremeschnitten und Bojen

Das slowenische Bled mit dem schönen See mit der Kirche auf einer Insel stand schon längere Zeit auf meiner Wunschliste. Nun hat sich kurzfristig die Gelegenheit ergeben, gemeinsam mit einigen Freunden dorthin zu fahren. Sie hatten eine größere Tour geplant, ich musste aber aus Zeitgründen am 2. Tag wieder zurück. Davon erzähle ich in diesem Blog.

Das sollte dem Spaß keinen Abbruch tun und so wurde das Treffen in einem Kaffeehaus in St.Michael in der Obersteiermark vereinbart. Der Ort ist den Autofahrern und den Hörern des Ö3 Verkehrsdienst als Knoten St.Michael bekannt.

Die Freunde kamen aus dem Ötscherland über Eisenerz und den Präbichl, ich über den Semmering und das Murtal. Die Wettervorhersagen der verschiedenen Apps waren sich einig, es würde am Vormittag regnen und wir würden früher oder später auf jeden Fall einmal naß werden.

Der Regen schien der Begleiter des Tages zu werden

Ich startete in der Früh bei Sonnenschein, aber bei Neunkirchen war der Semmering hinter einer grauen Wand verschwunden. So beschloss ich, bei einem Supermarkt in Voraussicht in die Regenkombi zu schlüpfen. Nach einigen Minuten Herumwursteln ging es weiter auf die Semmering-Schnellstraße und ich wollte in der Tunnelkette so viele Kilometer wie möglich im Trockenen absolvieren. Je näher ich zu Gloggnitz kam, desto mehr kam der Berg aus den Wolken heraus und so beschloss ich, doch über den Semmering zu fahren.

Ich hatte recht, es regnete am Weg hinauf nicht, aber hinunter wurde das Nieseln stärker und ich fuhr in Steinhaus wieder auf die Autobahn auf und gleich in den ersten Tunnel ein. Nach der Tunnelkette bis Mürzzuschlag war es schon wieder fast trocken und so beschloss ich, in Bruck an der Mur wieder auf die Bundesstraße zu wechseln und das letzte Stück wieder mehr zu genießen.

Ich war dann früher als geplant am Treffpunkt in St.Michael, weil ich mehr Autobahnkilometer als ursprünglich geplant hatte. Auch meine Kleidung war schon wieder komplett trocken. Jetzt entdeckte in unserer WhatsApp-Gruppe die Nachricht, dass die Freunde wegen des starken Regens im Ötscherland erst eine Stunde später losgefahren sind. So verkürzte ich mir die Wartezeit neben Kaffee auch mit den aktuellen Tageszeitungen.

Trocken durch die Steiermark und Kärnten

Dann trafen die Freunde ein und waren froh, die Regenkombis ausziehen und sich anwärmen zu können. Sie sind bis kurz vor unserem Treffpunkt im Regen gefahren, es hat bis weit nach dem Präbichl noch geregnet. Nach einem Kaffee war die Welt aber wieder in Ordnung und es konnte weitergehen.

Wir fuhren jetzt in einer Gruppe von 4 Motorrädern weiter gegen Süden bis wir kurz vor Judenburg auf die B78 über den Obdacher Sattel umschwenkten. Weiter ging es dann auf der B70 durch Wolfsberg bis Völkermarkt, wo wir dann endlich am Hauptplatz ein Café ansteuerten und sich alle über den Kaffee und ein Eis freuten.

Von der Altstadt sind es nur ein paar Serpentinen den Berg hinunter zur Brücke über den Völkermarkter Drau-Stausee und zur B82 ins Vellachtal und Bad Eisenkappel, wo wir 2023 auf Kur waren. Bald nach dem Kurhotel stieg die Straße an und die wirklich genialen Kurven neben dem rauschenden Wildbach wurden mehr und mehr bis hinauf zur Grenze zu Slowenien am Seeberg-Sattel, wo natürlich ein Photostopp notwendig war.

Einige Blicke in den Himmel auf slowenischer Seite und dann ein Blitz mit Donner machten uns rasch klar, dass die Regenkombis auf jeden Fall notwendig sein würden. Aus dem Gewitter wurde dann zwar nichts, aber der Regen allein genügte auch.

Wir konnten die Serpentinen der slowenischen Seebergseite gar nicht wirklich genießen, da es einfach notwendig war, entsprechend langsam zu fahren. Und so dauerte es noch gut eineinhalb Stunden, bis wir unsere „Penzion Union“ im Zentrum von Bled erreichten. Die Motorräder konnten wir in der Tiefgarage parken und rasch die einfachen, aber sehr sauberen Zimmer beziehen und nach einer heißen Dusche marschierten wir die gut 150 Meter hinunter zum See.

Bled süß und mit Aussicht

Und weil wir so brav gefahren waren, riss die Wolkendecke dann immer mehr auf und sogar die Sonne kam nochmals heraus, wenn es auch relativ kühl blieb und wir unser Steak im Restaurant „Kavarna Park“ direkt am See dann doch lieber im Innenbereich genossen. Die berühmten Bleder Cremeschnitten am originalen Entstehungsort ließen wir uns dann auch nicht entgehen.

Fußmarsch um den See

Die Abendstimming war malerisch und wir wollten nach den vielen Kalorien einerseits unser Gewissen beruhigen und andererseits nach einem doch recht langen Motorradtag noch etwas Bewegung machen. Da passte die Runde um den See sehr gut.

Die berühmte Insel Blejski otok mit der Kirche der Muttergottes am See ist auf dem rund 6 km langen Rundweg von fast überall gut zu sehen und natürlich ein wichtiges Fotomotiv.

Es fielen uns aber auch zwei Bojenreihen auf, die wir scherzhaft als Markierungen für den Pfarrer auf seinem Weg zur Inselkirche bezeichneten. Sie haben aber einen profaneren Sinn, weil am See das slowenische Ruder-Leistungszentrum beheimatet ist. Die zugehörige Ruderwettkampfstrecke ist mit dem sogenannten Albano-System aus einer Bojenkette im Abstand von rund 10 Metern ausgestattet.

Abschied von den Freunden und Rückfahrt

Nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege, die Freunde fuhren weiter Richtung Italien, während ich nochmals einen Fotostopp am See einlegte, bevor ich wieder die Heimfahrt antrat. Dabei entdeckte ich die Pletna, ein Holzboot mit einer Art Markise, dessen Name sich von den Plätten im Salzkammergut ableitet.

Die Basilika Maria Hilf in Brezje

Nach einem kurzer Tankstopp außerhalb von Bled fuhr ich auf der Bundesstraße mehr oder weniger parallel zur Autobahn noch ein Stück gegen Süden um zur Kreuzung zum Loiblpass zu kommen. Dabei tauchte an einem Kreisverkehr die Basilika Maria Hilf in Brezje an der linken Seite auf. Dieses slowenische Nationalheiligtum wollte ich mir noch kurz ansehen. Die rechte Seitenkapelle in der Basilika, ist die eigentliche Kapelle zur Muttergottes und damit der Mittelpunkt des Wallfahrtsorts Brezje. 

Ich kam gerade in die Kirche, als dort eine Andacht für Pilger abgehalten wurde und so konnte ich nur einige wenige Fotos machen. Papst Johannes Paul II., dessen Statue vor der Kirche auffällt, weihte die Kirche des hl. Veit im Jahr 1988 zur Basilika. Auf das angeschlossene angeblich interessante Krippenmuseum musste ich leider verzichten, da es nur am Wochenende geöffnet ist.

Zurück nach Österreich über den Loiblpass

Ich erreichte nach weniger als einer halben Stunde und einigen kurzen Serpentinen die Einfahrt zum Scheiteltunnel des Loiblpasses und machte noch einen Blick zurück auf die imposante slowenische Bergwelt. Dieser Tunnel wurde unter unmenschlichen Bedingungen im 2.Weltkrieg mehrheitlich von KZ-Häftlingen aus Mauthausen errichtet, an die ein Denkmal beim ehemaligen Lager auf slowenischer Seite kurz vorher erinnert.

Beim österreichischen Grenzübergang kurz nach dem 1570m langen Tunnel hatte ich die erste Passkontrolle innerhalb der EU seit vielen Jahren und durfte einreisen. Ein Stück weiter betreibt das Bundesheer eine Grenzsicherungsstelle am Zugang zu einer ehemals geheimen Bunkeranlage.

Auf der weiteren Strecke Richtung Ferlach befindet sich die etwa 2km lange Tscheppaschlucht mit ihrem 26 Meter hohen Wasserfall. In Ferlach fuhr ich an der Fabrik der Glock Pistolen vorbei Richtung Zell-Pfarre und weiter zum Schaida-Sattel, den ich bereits bei meinem Kuraufenthalt 2023 kennengelernt hatte.

Bald danach kam rechts die Abzweigung z6r Trögerner Klamm, durch die wir damals mit den Fahrrädern bis zur sehenswerten Trögener Kirche fuhren. Beim Gasthaus Kovac musste ich mir natürlich wieder den Kärntner Nudelteller gönnen, der mir bereits 2023 so geschmeckt hatte. Eine weitere Spezialität sind die Obir-Forellen, die eine Radlergruppe am Nebentisch genoss.

Kunst- Hängebrücke und Museum direkt an der Strecke

Weiter führte mich dann mein Weg durch die Ebriach-Schlucht hinaus nach Bad Eisenkappel und bis Sittersdorf, wo die B82 Richtung Lavamünd abzweigte. Auf ungefähr halber Strecke zwischen Bleiburg und Lavamünd steht die Hängebrücke Santa Lucia, die ich gerade noch rechtzeitig beim Vorbeifahren entdeckt hatte. Hier können Radfahrer in den vorbeiführenden Drau-Radweg oder den 23km langen Kunst-Radweg einsteigen. So könnten eine Reihe von Kunstwerken besichtigt werden, mir genügten vorerst die Brücke, die Skulptur „Landmark“ und die „Himmelstiege“ am anderen Ufer des Feistrizbachgrabens. Dieser wird in 60m Höhe mit einer Spannweite der Brücke von 140m überquert. Der Name der Brücke ist von der nahe gelegenen Kirche St.Luzia abgeleitet.

Rund 5km weiter gab es gleich das nächste Highlight an der Strecke. Der futuristische Bau des Museum Liaunig mit einer riesigen privaten Kunstsammlung lag direkt links fast über der Straße, für mich wurde es aber zeitlich zu knapp, hier nochmals mindestens eine Stunde zu halten, das wäre ein Minimum für mich in einem solchen Museum. So habe ich wieder ein Ziel für eine weitere Ausfahrt mit dem Motorrad oder während einer Radtour an diesem Teil des Drauradweges.

Ab in die Steiermark

Gleich nach Lavamünd zweigt die B69 ab, das ist die österreichische Version der „Route 69“ in den USA und führt von Lavamünd in Kärnten über die Soboth in die Steiermark bis nach Bad Radkersburg. Nun ging es hinauf auf den Lorenzenberg, wo ich bei der kleinen Kirche zur Hl.Helena und Maria Magdalena einfach stehen bleiben musste. Die Aussicht hinunter ins Lavanttal bei St.Paul ist zu  wunderschön.

Die Kurven brachten mich dann hinunter und wieder hinauf auf die 1350m hohe Soboth, so macht Motorradfahren Spaß. Bald kam ich am Soboth Stausee vorbei, über dessen Stauwall die Straße weiter nach Eibiswald führt.

Leibniz an der Umleitung

Dort verließ ich die B69 und es ging quer durch das Südsteirische Weinland über Gleinstätten recht unspektakulär und mit gar nicht so viel Verkehr vorbei am Sulmsee und dann auf einmal hinein in eine Umleitung, im Schritttempo hinter einem Autobus über und um den Seggauberg. Kaum war ich erleichtert wieder auf der Hauptstraße, kam die nächste Umleitung, jetzt durch das Ortszentrum von Leibniz. Hier kam die Rettung in Form des Gastgartens eines Kaffeehauses am Hauptplatz. Mit dem Motorrad kann man ja recht problemlos direkt vor dem Eingang parken. Ein Eiskaffee im Schatten entschädigte jetzt für das kilometerlange Schritttempo.

Alte Autos und eine Hexenburg

Frisch gestärkt schlängelte ich mich aus der Stadt hinaus, unter der Autobahn A9 bei Gralla durch nach Wolfsberg im Schwarzautal und Gnas bis auf die B66, wo ich kurz vor Feldbach an der Nostalgiewelt Posch, einem privaten Oldtimer-Museum, vorbeikam. Und wieder kommt ein weiterer Punkt auf der Bucketlist dazu…

Nach Feldbach schwang ich mich über kleine Sträßchen, bis die Riegersburg in voller Pracht im abendlichen Sonnenlicht auftauchte. Ein kleiner Stopp für ein paar Fotos war hier nochmals angesagt.

Dann fuhr ich weiter bis Ilz, wo ich den Motorradtank nochmals auffüllte und in Anbetracht der Zeit auf die Südautobahn auffuhr und so die letzten 100km über den Wechsel ohne Umwege absolvierte.

Kurviger-Link: https://kurv.gr/F8PRU

Schlussbetrachtungen

Ein schöner Kurztrip mit immerhin fast 800 Kilometern ging so zu Ende, mit ein bisschen Neid auf die Freunde, die in den Tagen danach neben der Slowenischen Grenzkammstraße im Regen noch das Frizzante-Dorf Valdobbiadene, die Schauderterrasse in Tremosine oberhalb des Gardasees und die Kaiserjägerstraße besuchten. Ich habe mich trotzdem sehr gefreut, dass ich ein Stück mitfahren durfte!

Vorsicht ist am Motorrad nicht nur die Mutter der Porzellankiste

Gleich die erste kleine Motorradrunde zeigte auf, was so an Vorkommnissen möglich ist. So geballt kommt es Gott sei Dank nicht immer.

Die erste Ausfahrt von rund 120 km mit dem Motorrad am Karsamstag war genau genommen nur die Überstellung vom Winterquartier ins heimatliche Carport, daher freute ich mich schon auf eine richtige Ausfahrt.

Ich hatte einige Stunden und so startete ich wie fast jedes Jahr von Hernstein über den „Hart“ Richtung Piesting. Das ist nicht nur meine erste Teststrecke im Jahr, um zu sehen, ob die Haarnadelkurven und Serpentinen noch funktionieren.

Sie wird auch von diversen Motorredaktionen für Autotests und von der Crew von 1000PS immer wieder für Motorrad-Videos genutzt.

Schon auf den ersten 20 Kilometern kam fast alles vor, was in einem Motorradjahr so passieren kann. Den Beginn machte gleich ein Auto im Schritttempo, wo nicht klar war, bleibt es stehen, oder biegt es links oder rechts ab, ein typischer Fall, wo man erraten muß, was der Fahrer will und um dann den Zeitpunkt ohne Gegenverkehr sofort nutzen zu können.

Das nächste war ein Reh, das 100 Meter vor mir bei einer Walddurchfahrt über die Straße wechselte. Ein weiteres folgte dann aber doch nicht, wobei es hilfreich ist, daran zu denken, daß es doch so sein könnte.

Am Ortseingang von Piesting war dann eine Baustelle mit roter Ampel, was an sich nichts Besonderes ist. Nur hängt dort die Straße relativ stark nach rechts, was in ähnlichen Situationen in den letzten Jahren wegen meiner kaputten linken Hüfte etwas Planung erforderte, damit ich nicht das volle Gewicht auf den linken Fuß bekam. Nun ist das mit dem neuen Hüftgelenk kein Problem mehr, einfach den linken bergseitigen Fuß runterstellen ohne Schmerz, das Leben kann schön und einfach sein! Den rechten Fuß zuerst hinunter zu stellen, wäre fatal, der geht in so einer Situation in Leere, dabei sind schon manche umgefallen.

Dann fuhr ich auf der kurvenreichen Bundesstraße mit viel Gegenverkehr bald auf eine lange Autokolonne hinter einem LKW-Zug auf, der trotz seines extrem geringen Tempos von den Autos nur sehr schwer zu überholen war. Hier habe ich mir sicher bei den Autofahrern nicht nur Freunde gemacht, wenn ich mich beim nach vorne Hüpfen hineingezwängt habe, aber es klappte dann doch und ich war noch vor der nächsten Ortstafel vor dem LKW.

Dann freute ich mich schon auf die schmale enge Straße über die Haselrast, die zwischen Gutenstein und Rohr am Gebirge landschaftlich wunderschön eingebettet ist. Ich stellte aber im steileren Teil rasch fest, daß noch recht viel Sand auf dem Asphalt lag, was ja mit etwas Gefühl mit einem immer wieder zuckenden Hinterrad zu bewältigen ist. Wenn aber das Vorderrad in den Kurven dabei ein Eigenleben entwickeln will, zwingt es doch zu langsamerer Fahrweise. Das haben zwei entgegenkommende Kollegen anscheinend bei der Talfahrt noch mehr gespürt.

Und dann dachte ich, einige Ölflecken an einer weiteren Baustelle wären dann nur mehr die letze Draufgabe, bis ein Kleinbus in einer nicht einsehbaren Rechtskurve zu einem Drittel über der Mittellinie daher kam und die Regel, speziell an unübersichtlichen Stellen möglichst in der rechten Hälfte des eigenen Fahrstreifens zu bleiben, wieder unter Beweis stellte.

Fazit

Schön war es trotzdem und Spaß haben die rund 145 Kilometer dieser Runde (hier in Kurviger) auch gemacht, die nach einem kleinen Abstecher über die Höllentalstraße durch Schwarzau noch durchs Klostertal zurück nach Gutenstein, den Ascher und entlang der Hohen Wand über Stollhof und Dreistetten vorbei an der Ruine Starhemberg wieder ins Piestingtal und in der anderen Richtung über den Hart nach Hause führte.

Und doch: Vorsicht ist nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern auch die Versicherung eines Biker-Lebens. Wir müssen immer die Chance haben, die Fehler der anderen Verkehrsteilnehmer zu korrigieren und rechtzeitig darauf zu reagieren. Ich habe darum speziell am Motorrad für mich beschlossen, lieber einmal zu oft den Vertrauensgrundsatz nicht anzuwenden.

Auch das Lesen des Fahrbahnbelages vor uns hilft, genauso wie ein regelmäßiger Blick links und rechts neben die Straße, Gefahrensituationen zu begegnen, weil sie uns nicht mehr so leicht überraschen.

ÖAMTC Aktiv Training

Auch wenn die Haarnadelkurven schon wieder fast so gut funktionieren, wie sie sollen habe ich mich nach einigen Jahren wieder einmal zum Motorrad-Aktiv-Training beim ÖAMTC angemeldet und mit viel Spaß und manchem Aha-Erlebnis am 1.Mai am Fahrtechnikzentrum Teesdorf absolviert. Unser Instruktor Philipp hat uns dabei mit viel Engagement wieder zu aufmerksamen, die eigenen Grenzen erkennenden Bikern erzogen, die viele Situationen mit der wieder aufgefrischten Fahrtechnik besser meisten sollten. Daß wir am Schluss die neuesten Honda-Modelle testen konnten, war eine schöne Draufgabe.

Bloggen aus Leidenschaft

Mein Name ist Reinhold und ich habe als Pensionist diesen Blog gestartet. Warum das auch ein Jahr später noch Spaß macht und ich euch mitnehmen möchte, erkläre ich euch hier mit einem kleinen Ausblick.

Anfang April 2025

Mittlerweile ist es mehr als ein Jahr her, daß ich meine neue „Karriere“ als Blogger gestartet habe. In dieser Zeit ist mein Respekt für professionelle Influencerinnen und ihre männlichen Pendants fast ins Unermessliche gestiegen, weil ich jetzt weiß, wieviel Aufwand dahinter steckt.

WordPress, mit dem ich meine Seite hier gestalte, ist per se kein so schnelles Medium wie Instagram oder TikTok, was mir mehr entspricht, weil ich genau diese Reaktionsgeschwindigkeit nach 20 Jahren Consulting-Berufsleben nicht mehr möchte. Und da ich meine Stimme nicht hören mag und mich in Filmen und seien sie noch so kurz, auch nicht sehen mag, fallen diese für die Kürze noch aufwendigeren Medien für mich ja weg.

Spaß schließt Qualität nicht aus

Ich habe seit meinem Start am 11.März 2024 rund 100 Blogs geschrieben (für die, die nachzählen: Anfang April 2025 waren es 91 veröffentlichte und rund 10 in der Entwurfsphase) und der Aufwand ist größer als ich zu Beginn dachte. Aber wenn man den Anspruch an ein gewisses Niveau hat und ohne KI auskommen will (ja, diese Option gibt es noch immer), ist man auch als „Nano-Influencer“ ohne finanzielle Interessen recht beschäftigt.

Dann braucht es auch eine gewisse Zeit, die Dinge vorher zu erleben, über die ich dann schreibe (oder auch nicht), und ein bisschen Recherche schadet dem Inhalt auch nicht. Was ich aber versprechen kann, daß die Bilder in den Beiträgen zu 99% nicht nachbearbeitet sind, weil es mir einerseits zu aufwendig ist und andererseits so authentischer bleibt.

Ausblick auf die nächsten Inhalte und Themen

Die Themen werden sich auch im zweiten Jahr nicht ändern, meine Palette ist ja sowieso recht groß, wie ihr in den Drop-Down Menüs sehen könnt. Das entspricht zwar nicht immer den Regeln eines erfolgreichen Blogs, aber ich möchte mich da nicht einschränken, auch um zu zeigen, daß Pensionisten oder Rentner breite Interessen haben können, wenn sie wollen.

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist meine Operation für ein neues Hüftgelenk. Hier möchte ich mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen helfen, Ängste und Vorbehalte abzubauen. Den Blog dazu gibt es nach Ostern zu lesen.

Die Indien-Tagebücher aus dem Jahr 2007 werden mit Ende April/Anfang Mai 2025 zu Ende sein, dafür wird etwas später unter dem Motto „Vom Lochstreifen zur KI “ eine Serie zu meinen mehr als 40 Jahren in der Welt der Computer kommen.

Kleine Verbesserungen gibt es natürlich auch: Die Links werden wo immer möglich, direkt in den Text eingebaut, so erspart man sich das fortführende Suchen.

Nicht nur für Pensionstinnen und Pensionisten

Auch wenn es der Blogname suggeriert, schreibe ich nicht nur für Pensionstinnen und Pensionisten, sondern für alle, die interessiert an neuen Orten sind, egal ob mit Motorrad oder E-Bike erreicht, gerne ins Museum oder eine Ausstellung mitgenommen werden oder so manche Gedanken nachverfolgen mögen.

In diesem Sinn freue ich mich über viele Followerinnen und Follower, noch mehr Leserinnen und Leser und auch Abonnentinnen und Abonnenten, frei nach dem Motto der Mel in den Videos von Wolf im Youtube-Channel Wolfs Bike on Tour TV: „Es kost‘ nix und den Reinhold freut’s!“

Und über den einen oder anderen Kommentar freue ich mich natürlich auch!

Einfach unten die E-Mail Adresse eingeben und auf Abonnieren drücken, oder hier den NEWSLETTER anfordern!

2: Resümee nach einem Jahr Pension

Heute, am ersten Montag meines neuen Pensionsjahres, möchte ich gerne meine Erfahrungen und Erfolge mit euch teilen. Interessanterweise fällt mit kein Misserfolg ein, als einzig Negatives habe ich die für mein Gefühl recht häufigen Arztbesuche in Erinnerung. Aber auch hier gibt es für mich Positives, weil jetzt mein Hüftproblem bald gelöst sein sollte.

Zum Pensionsantritt

Ich dachte mir, daß ich keine Abschiedsparty mache, sondern mich mit einem Heurigenumtrunk bei einigen Kolleginnen und Kollegen, die mich lange begleitet haben oder mit denen ich in letzter Zeit nahe zusammengearbeitet habe, an meinem ersten Pensionstag am 1. Dezember bedanke und so in die neue „Freiheit“ starte. So konnte ich mich von so manchen ehemaligen und aktuellen Managern und sowohl langjährigen als auch ganz jungen Kolleginnen und Kollegen verabschieden. Das gemeinsame Abschiedsgeschenk, ein Gutschein für einen Sturzhelm hat mich sehr gefreut und mich schon viele Kilometer und Stunden sicher begleitet.

Körperlich aktiv sein und werden

Hier muß ich vorausschicken, daß ich mein Leben lang ein Antisportler war. Die Basis dazu liegt schon in meiner Kindheit, wo ich aufgrund einer Gelenksentzündung immer Schmerzen bei sportlicher Betätigung hatte. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an Turnstunden im Gymnasium, wo das nicht anerkannt wurde und ich immer wieder froh war, wenn ich vom Turnen befreit war. Die richtige Bewegung wäre da schon wichtig gewesen, nur wurde mir die Freude daran leider schmerzhaft „ausgetrieben“.

Jetzt habe ich wieder gesundheitliche Gründe, mich zu bewegen. Mein Hüftgelenk schmerzt immer mehr und mein im Mai 2023 eingeklemmter Ischiasnerv mit Ausstrahlung im linken Bein beschäftigt mich auch nach meiner Kur im November 2023 noch immer. Bei dieser Kur in Bad Eisenkappel habe ich das Ergometer zum ersten Mal positiv erlebt und auch spät aber doch verstanden, daß es einfach notwendig ist, mehr regelmäßige Bewegung ins tägliche Leben zu integrieren.

Daher gehe ich seit dem 3.Dezember 2023, dem ersten Montag meiner Pension, wann immer möglich, dreimal in der Woche im Fitnessstudio. Aus einem fünfmonatigen Schnuppern wurden in der Zwischenzeit trotz rund 10 Wochen Abwesenheit 108 Besuche (das habe nicht ich, sondern der Zähler beim Zirkeltraining protokolliert) mit einer fixen Jahreskarte zum Pensionistenpreis. Kleine Erfolge stellen sich ein, so habe ich am Ergometer mit einer Distanz von rund 6,5 Kilometern in 20 Minuten begonnen und mittlerweile erreiche ich mit der gleichen Intensitätseinstellung meist mehr als 9 km in 22 Minuten.

Vorbild mit 91 Jahren

Eigentlich habe und hatte ich keine Vorbilder, aber hier schon. Ich treffe regelmäßig unseren 91-jährigen  Senior-Feuerwehrhauptmann beim Ergometer, der hier seine Übung macht. Das habe ich mir auch zum Ziel gesetzt und werde dann davon berichten. Wer von euch neugierig ist, wie es mir bis dahin ergangen ist, setzt sich im Kalender einen Reminder im Dezember 2052.

Ich messe mich generell nicht gerne mit anderen, daher ist für mich auch das Zirkeltraining mit den auf meine Leistungsfähigkeit eingestellten Geräten optimal, die ich ganz einfach selbst elektronisch nachjustieren kann und so im Prinzip nur gegen mich selbst kämpfe.

Jetzt kann ich fast nicht aus meiner Projektmanagement-Vergangenheit heraus und möchte eine Tabelle mit den KPIs (*1) einbauen, ich lasse es aber und bleibe bei der Prosa.

Beim Start im Dezember 2023 habe ich dabei, um eine statistische Größe zu nennen, 4300 kg zu heben begonnen und jetzt überschreite ich meistens 8000 kg. Insgesamt habe ich in diesem Jahr 699046 kg im Zirkeltraining gehoben und 904,1 km virtuell auf dem Ergometer zurückgelegt.

Es ist nicht immer so leer, aber da nicht alle gerne fotografiert werden wollen…

Das E-Bike ist nicht nur ein sportliches Fortbewegungsmittel

Leider habe ich nur rund 1200 km am Fahrrad geschafft, obwohl ich neben unseren Fahrradurlauben in der Südsteiermark und im Salzkammergut doch recht oft in der näheren Umgebung unterwegs war und bin. Ich muß das Fahrrad aber noch mehr ins Alltagsleben integrieren.

Das Radfahren ist aber keineswegs Pflicht zur Bewegung, sondern für uns speziell mit dem E-Bike auch Spaß und Freude, weil wir mit dem gleichen körperlichen Einsatz wie ohne elektrische Unterstützung schneller weiterkommen und in Gegenden kommen, die sonst für uns mit dem Bike nicht möglich wären.

Natürlich gibt es viele, die weit mehr als ich machen, aber mit meiner Ausgangsbasis bin ich mit mir selbst zumindest halbwegs zufrieden.

Spaß mit meinen Motorradausfahrten

Die Geschichte mit meinen Motorrädern werde ich noch in einem eigenen Blogartikel erzählen, das würde diesen Eintrag sprengen. Die Vorfreude mit dem Pensionsantritt war sehr groß und so ist es mir gelungen, trotz recht vieler anderer Aktivitäten fast exakt 8000 km am Motorrad mit Fahrten über die Deutsche Alpenstraße in den Schwarzwald, die Dolomiten und in die Schweiz und leider gar nicht so vielen Tagesausfahrten in Österreich zu verbringen.

Hier zum Nachlesen:

Familie und Partnerschaft

Meine Frau Evi muss noch einige Jahre arbeiten, daher finde ich es wichtig, möglichst viel der gemeinsamen Freizeit miteinander zu verbringen. Um das möglich zumachen, habe ich begonnen mich im Haushalt mehr einzubringen und ihr ein paar Arbeiten abzunehmen, die sie während meiner Vollzeitarbeit und beruflichen Abwesenheit alleine machen mußte, sei das der wöchentliche Einkauf oder Staubsaugen. So haben wir zumindest an den Abenden und Wochenenden mehr gemeinsame Freizeit.

Urlaube und verlängerte Wochenenden gab es ja früher auch, im letzten Jahr hatten sie aber für mich eine etwas andere Qualität bekommen, weil sie ja zumindest für mich nicht mehr primär der Erholung dienen mussten. Von manchen habe ich auch in meinem Blog erzählt.

Die Wochenenden mit den Enkelsöhnen sind immer Spaß und Freude mit vielen gemeinsamen Erlebnissen von gemeinsamen Spielen über den Fahrradparcours im Nachbarort und Museumsbesuchen bis zum Kürbisschnitzen und nicht zu vergessen die Edelsteinsuche beim Wochenurlaub in einem Kinderhotel in Donnersbachwald. Auch wenn wir die Enkelkinder immer wieder gerne zurückgeben, genießen wir trotzdem jede Sekunde mit den dreien.

Ausserdem gab es einige wunderschöne Familienfeiern und Besuche, die ich auch sehr genossen habe.

My home is my castle

Die erste Aufgabe, die ich mir vorgenommen habe, war der Umbau meines Bastelkellers. Zuerst war es „nur“ das Verlegen eines neuen Bodens, dadurch war es notwendig, alles auszuräumen und bei der Gelegenheit gleich aus- und umzusortieren. Der zumindest für mich (etwas weniger für meine Frau) nächste Schritt war der Bau eines neuen Arbeitstisches, der mein 20jähriges Provisorium ersetzen sollte. Da ich relativ viel Holz aus anderen Projekten oder demontieren Möbeln in meiner Sammlung hatte, musste ich außer den Vinylfliesen für die Arbeitsfläche praktisch nichts kaufen. Eine ebenfalls aus Resten gebaute fahrbare Holzkiste für die kleineren Reste, die unter den Tisch passt, erhöhte die Ordnung gewaltig. Ein selbstgebauter Zyklonsauger mit einem rund 50l Staubbehälter aus einem Blechbehälter ergänzt das.

Das rief natürlich nach weiteren Maßnahmen und so beschloss ich, ein sogenanntes French Cleat System zu bauen. Das ist ein Ordnungssystem auf hölzernen abgeschrägten Wandschienen, an denen maßgebastelte Halterungen für Werkzeuge, Geräte und diverse Materialien aufgehängt und so flexibel immer wieder neu plaziert werden können. Hier habe ich immer wieder Ideen zur Ergänzung, zum Beispiel einem selbst gebauten Frästisch mit Absaugung, weil bisher konnte ich wegen der Staubentwicklung Fräsarbeiten nur unter dem Carport durchführen, was recht aufwendig war.

Erledigte Aufgaben im Haushalt verlängern die gemeinsame Freizeit

Wie schon erwähnt, finde ich es wichtig, auch einige Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, um damit nicht die gemeinsame Zeit zu belasten. So gehört der Wocheneinkauf schon seit der Altersteilzeit zu meinen Aufgaben, genauso wie Staubsaugen und Putzen. Ein besonderer Punkt dabei ist, daß die Partnerin oder der Partner die Arbeitsweise des jeweils anderen grundsätzlich akzeptiert, sonst sind permanente Konflikte vorprogrammiert. Wir sind aber auch bei den meisten Themen einig und führen keine Grundsatzdiskussionen. Meine Frau kennt mich aber nach mehr als 20 Jahren sehr gut und weiß auch genau, daß ich ihr die Aufgaben sehr schnell überlassen würde, wenn sie hinterher arbeiten oder regelmäßig kritisieren würde.

Kochen macht Spaß

Das Kochen macht mir schon seit meiner Jugend Spaß und daher gehört auch das während der Woche zu meinen Tätigkeiten, an den Wochenenden gehört das zur gemeinsamen Quality Time. Meine Frau ist auch happy, wenn sie speziell an ihren Homeoffice-Tagen ein frisch gekochtes Mittagsmenü bekommt. Strudel, Kuchen und Kekse zu backen habe ich ebenfalls begonnen und bin dabei mit meinen Ergebnissen halbwegs zufrieden, aber hier ist trotzdem noch einige Luft nach oben.

Früchte verarbeiten

Marmelade und Sirup einzukochen gehört schon jahrelang zu meinen Hobbys, jetzt bin ich aber nicht mehr gezwungen, es sehr früh oder sehr spät oder am Wochenende zu machen.
Die Ausbeute im letzten Jahr sind ca. 80 Gläser Marmelade aus den verschiedensten Früchten von der klassischen Erdbeere bis zu Ananas, Feigen oder Mango in den diversesten Kombinationen. Weiters noch 8 Flaschen Ingwer-Zitronen Shot für mich (die mag sonst niemand in der Familie) und rund 20 Flaschen Hollerblüten- und Kräutersaft. Darüber freuen sich auch unsere Töchter und Enkelsöhne.

Aus dem Hochbeet-Garten

Unsere beiden kleinen Hochbeete waren auch sehr ergiebig und so entstanden neben den frisch verarbeiteten oder sofort gegessenen Paradeisern noch 10 Tiefkühl-Portionen Paradeisersauce, einige Flaschen Tomatensaft und 8 Gläser Gurkensalat, und rund 10 Portionen tiefgekühlter Blattspinat. Die Fisolen waren heuer nicht so ergiebig und so ergaben sich neben den laufend verkochten Bohnen nur wenige Tiefkühl-Portionen daraus.

Spinat, Knoblauch und Frühlingszwiebeln sind die Wintersaat in den Hochbeeten, sie werden Ende Oktober, Anfang November gesät bzw. gesteckt und beim Spinat ab Februar/März laufend geerntet bzw. vor der Neuauspflanzung tiefgekühlt. Die Knoblauchernte war so gut, daß erst jetzt die letzte Knoblauchknolle verarbeitet wurde. Und das ganze auf weniger als 2 Quadratmetern!

Wie man sieht, ist jetzt, Ende November, schon einiges von Spinat, Frühlingszwiebeln und Knoblauch aufgegangen.

Geistige Fitness und Mitteilungsbedürfnis

Zu meinem Blog http://www.newretieredontheblog.com möchte ich hier gar nicht so viel sagen, nur soviel: in den letzten 8 Monaten sind mehr als 50 Beiträge entstanden. Dabei haben mich die 5100 Zugriffe von fast 2200 Besuchern doch sehr überrascht, obwohl ich fast keine Werbung  mache und meine Artikel auch nicht wirklich Suchmaschinen (SEO)-optimiert sind.
Die Anzahl der Abos ist aber noch recht überschaubar, daher freue ich mich, wenn meine treuen Leserinnen und Leser das eine oder andere Abo hier anfordern, ist eh formlos kündbar.

Bücher finde ich besser als Kindle

Leider habe ich in diesem Jahr nur zwei Bücher gelesen, wenn man Querlesen und Recherche nicht dazuzählt. Dabei habe ich in den letzten Jahren den Inhalt meiner Bibliothek in Hinblick auf die Pension erweitert (ja, mir ist die Haptik eines Buches sehr wichtig und der Kindle kommt beim mir gerade noch im Urlaub am Strand zum Einsatz) und geplant an die Leseleidenschaft meiner Jugend anzuschließen. Aber man braucht ja noch weitere Ziele. Dafür habe ich aber abseits meiner neu gewonnenen Blogger-Leidenschaft trotzdem zu viel Zeit in den sozialen Medien verbracht.

Kein Anzug mehr!

Als Consulter war es jahrelang ein Muß, Anzug und Krawatte zu tragen und bei den meisten Kunden einen Level besser angezogen zu sein. Das galt selbst für das Firmen-Office, wo nur der Freitag casual, sprich ohne Krawatte war. Später wurde es insofern gelockert, daß am Freitag auch Jeans akzeptiert wurden. Erst mit und nach Corona lockerte sich das neben vielen anderen festgefahrenen Prozessen und auf einmal trugen selbst die Herren im Topmanagement meist keine Krawatte. Der Anzug blieb aber weiterhin DAS Kleidungsstück. Jetzt habe ich einen Kasten voll mit Anzügen, habe aber im ganzen Jahr außer bei einigen leider unvermeidlichen Begräbnissen keinen Anzug mehr getragen. Nachdem ich ein Jahr gewartet habe, werde ich demnächst ausmustern und die Anzahl drastisch verringern. Wieder ein Symbol für mein Arbeitsleben weniger!

Back to the Roots

Kienberger-Treffen

Es ist mittlerweile schon Tradition,  daß sich die näher und weiter weg lebenden ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner eines kleinen Ortsteiles meines Heimatortes, der im Jahr 2007 abgerissen wurde, alle 2 Jahre treffen. Aus dem ersten Treffen einiger weniger ist die Zusammenkunft von fast 100 Menschen geworden, die sich teilweise schon aus den Augen verloren hatten, von der Kindergartentante über den Briefträger, bis zu Arbeitskollegen der Eltern und Schulfreunden, die man sonst nicht so einfach treffen würde.

Diese Häuser, ehemalige Arbeiterwohnungen der ortsansässigen Fabrik wurden abgerissen und die wenigen noch verbliebenen Bewohner übersiedelten in andere Teile der Gemeinde.

Maturatreffen

Erst im Oktober fand mein 45-jähriges Maturatreffen statt, nach 5 Jahren haben sich wieder viele Absolventen der beiden Abschlußklassen des BG/BRG Wieselburg, diesmal in Ybbs getroffen. Dass wir alle älter werden, zeigt auch, daß diesmal keine Professorinnen oder Professoren mehr vorbeikommen konnten. Schön wars aber trotzdem.

Die Bezirkswahlbehörde

In diesem Jahr gab es in Österreich 2 Wahlen (Europa und Nationalrat), wo ich als Mitglied der Bezirkswahlbehörde dafür sorgte, daß alle Wahlergebnisse korrekt und zeitgerecht ausgezählt werden. Ein Teil davon wird noch von uns ausgezählt, bevor das finale Endergebnis an die Landeswahlbehörde weitergegen wird. Der zeitliche Aufwand pro Wahlereignis für die konstituierende Sitzung, eine Schulung,  eine vorbereitende Sitzung am Freitag vor der Wahl, einer am Wahltag und dem Abschluss am Tag nach der Wahl beträgt auch rund 15 Stunden. Details dazu könnt ihr in meinem Blog dazu nachlesen:

Fazit

Ich frage mich scherzhaft immer wieder, wie ich eigentlich Zeit hatte zu arbeiten. Ich bereue keine Minute, etwas früher die Pension in Anspruch genommen zu haben und vermisse nichts.

Links

(*1) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Key-Performance-Indicator

Turn 60 Next Month. Here’s How I Feel About Getting Older.
https://www.linkedin.com/pulse/i-turn-60-next-month-heres-how-feel-getting-older-french-gates-h1mle?utm_source=share&utm_medium=member_android&utm_campaign=share_via

https://www.sortwall.de/anleitung/#:~:text=French%20Cleat%20zeichnet%20sich%20dadurch,an%20verschiedenen%20Stellen%20eingehakt%20werden.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Suchmaschinenoptimierung

Mit dem Motorrad zum Renaissance-Schloss Schallaburg

Die Schallaburg in der Nähe von Melk an der Donau wird seit 50 Jahren als Ausstellungszentrum des Landes NÖ genutzt. Zu diesem Jubiläum besannen sich die Verantwortlichen der Wurzeln des Schloßes und richteten eine Ausstellung mit dem Thema „Renaissance einst, jetzt und hier“ ein.

Weil ich gerne mehrere schöne Dinge miteinander verbinde, nutzte ich das sonnige Wetter und fuhr mit dem Motorrad über den Wienerwald in das Gebiet südlich von St.Pölten, das äußere Pielachtal, ein bisschen Dunkelsteinerwald bis in die Nähe von Loosdorf mit Blick auf die imposante Schallaburg. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, daß wenige Tage später große Teile meiner Motorrad-Route im Hochwasser versinken sollten.

Geschichtsträchtige Gegenwart

Diese Ansicht kennen alle, die auf der Autobahn A1 Richtung Wien fahren und einige Kilometer nach dem Blick nach links zum Barockstift Melk rechts ein Schloß mit einem imposanten Turm am bewaldeten Hang entdecken.

Die Spuren der Renaissance in Niederösterreich sind an vielen Orten zu erkennen, von Krems über Wr.Neustadt bis eben zur Schallaburg. Diese Epoche von nicht ganz 200 Jahren ging aus dem hundertjährigen Krieg hervor und ist einerseits als Wiedergeburt der Antike und andererseits als eine erstmalige Emanzipation des Bürgertums von Adel und Klerus zu verstehen. Das zeigt sich nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wissenschaft und Bildung. All das wird in dieser sehenswerten Ausstellung, die noch bis 3.November 2024 läuft, thematisiert.

Der Innenhof der Schallaburg mit seiner Terrakotta-Verkleidung wurde zu ihrem Markenzeichen und zugleich zu einem Denkmal der Renaissance. Terrakotta war aber schon in der Antike ein beliebtes Material gewesen, beispielsweise bei der Herstellung der Tanagra-Figuren. Sie stammen aus der gleichnamigen Stadt in Zentralgriechenland und wurden in großen Mengen exportiert. 

Schattenprojektion – eine etwas andere Darstellung des Schloßes

Dieses Kunstobjekt soll auf die drei große Erzählbereiche aufmerksam machen: das Renaissanceschloss, das Menschenbild und die Lebenswelt der Renaissance.
Die Schallaburg wurde unter dem Adelsgeschlecht der Losensteiner zu einem prächtigen Renaissanceschloss ausgestaltet. Trotzdem ist heute von den Losensteinern nur mehr ein Schatten übrig.

Wirklichkeitstreue und Selbstsicht

In vielen Bildern von bekannten und auch namenlosen Personen schufen die Künstler der Renaissance oft  wirklichkeitsgetreue Abbilder von lebenden Personen, aber sie zeigten auch, wie Menschen sich selbst sahen und wie sie gesehen werden wollten.

Künstler wie Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., aber auch Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora als Beispiel des damaligen Verständnisses von Ehe und Familie, aber ebenso gänzlich Unbekannte wurden bildlich thematisiert. Aber nicht nur Bilder, sondern auch modische Objekte wie Highheels,  Münzen und Medaillen als, heute würde man sagen, Werbemittel sind zu sehen und geben Einblick in die Lebenswelt der Renaissance.

Was von den Losensteinern blieb

Heute sind die bildhaften Spuren der Familie äußerst spärlich: Kein Bild existiert von Christoph II., ein einziges Porträt von Hans Wilhelm. Ihre Frauen liegen gänzlich im Dunkeln. Gäbe es die so gut erhaltene Schallaburg nicht in der heutigen Form, wüssten wir noch weniger von ihnen, so ist sie aber zu ihrem zentralen Erinnerungsobjekt geworden. 

Bildung ist mehr als Wissen

Mit diesem Satz kann man den Bogen zum Heute spannen: Eigentlich gilt diese Aussage in einer Zeit umso mehr, wo nur mehr Detailwissen und Silodenken, die durch KI ohne menschliches Zutun zu einem vermeintlich Ganzen zusammengefügt werden.

Der Anspruch von Martin Luther,  daß Bildung allgemein zugänglich sein sollte, wurde durch die deutschsprachige Bibelübersetzung, die von der damaligen katholischen Kirche abgelehnt wurde, besonders unterstrichen.

Die von den Losensteinern gegründete hohe Schule von Loosdorf, nach heutigen Begriffen ein Gymnasium, ist ein beeindruckendes Beispiel für den Zugang zu gehobenen Bildungsansprüchen. Sie war sozial durchlässig und ermöglichte, wenn auch nur den männlichen Kindern armer Familien, den Zugang zur gehobenen Bildung. Der damalige Nachteil war die protestantische Ausrichtung und so wurde sie nach wenigen Jahren im Zug der Gegenreformation aufgelöst. Das Gebäude ist in der damaligen Form noch heute erhalten.

Weit sehen, aber auch gesehen werden

Die Schallaburg trug einst einen mittelalterlichen Bergfried, der sicher damals die Burg dominiert hatte. Er wurde abgebrochen und seine Steine als Fundament für den Renaissancetrakt verwendet. Statt eines Turms als Zeichen der Herrschaft gab es somit einen Neubau, der sich an der Residenz Ferdinands I. in Wien orientierte. Erst Hans Wilhelm ordnete die Errichtung des noch heute weithin sichtbaren Turms als symbolischen Ersatz an. Als Schloß brauchte es jetzt keinen Wehrturm mehr, sondern ein repräsentatives Zeichen der Herrschaft.

Auf den Hund gekommen

Die umfangreichen Bauprojekte sprengten allerdings die finanziellen Möglichkeiten. Es blieb einzig der Weg des Schuldenmachens. Die Schatztruhe war leer und man sah den darin am Boden aufgemalten Hund.

Und so musste Hans Wilhelms Neffe die Schallaburg schließlich an seinen Schwiegervater Georg den Älteren von Stubenberg überschreiben. Damit endete die über 150-jährige Geschichte der Losensteiner als Besitzer der Schallaburg.

Terrakotta-Figuren dokumentieren die Lebensphilosophie

Heute ist die Weltsicht der Renaissance nicht mehr so einsichtig wie vor rund 400 Jahren. Der damalige Anspruch, die Tugendhaftigkeit zu erreichen, erscheint uns als aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts recht aufgesetzt, war aber ein reales Lebensziel. Das noch vollflächig farbenfroh dargestellt ist uns nochmals fremd und wurde während einiger Renovierungen in Bildern visualisiert.

Von den Tugenddarstellungen über Herkules bis zu einer eigenartigen Fabel reichen die detaillierten Darstellungen und geben uns, wenn wir uns darauf einlassen, ein reichhaltiges Bild des damaligen Selbstverständnisses.

Die Kunst wie wir sie heute verstehen oder diskutieren unterscheidet sich grundsätzlich von der klaren Sichtweise der Antike und Renaissance. Die damaligen sieben freien Künste waren wissenschaftliche und technische Kunstfertigkeiten, die zum Bildungsziel freier Bürger wurden.

Mit dem Terrakotta-Portäts, die antiken Münzbildern nachempfunden sind, wollte man die Tugenden des Adels und die eigenen Verbindungen zum Kaiserhaus in Erinnerung rufen.

Libri Prohibiti oder: die Grenzen der Meinungsfreiheit

Die Erfindung der Druckerpresse und die Verbreitung der deutschsprachigen Luther-Bibel führte dazu, daß immer mehr Menschen lesen lernten. Das war nicht im Sinne der katholischen Kirche und daher wurden viele Bücher und Schriften konfisziert und im Stift Göttweig in einem gesonderten Raum versperrt.

Die Mönche hatten auf diese „Libri Prohibiti“ (verbotene Bücher) ursprünglich nur mit Erlaubnis des Papstes und später nur zu Studienzwecken Zugang. Man musste ja verstehen,  wogegen man ankämpfte. Diese Exemplare geben aber heute durch die handschriftlichen Notizen der jeweiligen Besitzer Auskunft über Ereignisse in der Familie wie Taufen oder Sterbefälle, aber genauso über Erdbeben oder Brandkatastrophen. So erfahren wir viel über das Leben der „gewöhnlichen“ Menschen der Renaissance im heutigen Gebiet von Niederösterreich.

Alchemie und Wissenschaft

Ein besonders interessantes Ausstellungsdetail sind einige Stücke der über 1000 Fundstücke des Alchemistenlabors aus dem Gut Oberstockstall jenseits der Donau. Sie dienten zu alchmistischen und pharmazeutischen Experimenten und ist nach Aussage von Fachleuten eines der besten Beispiele eines Laboratoriums auf der Schwelle zur neuzeitlichen Chemie.

Persönliches Fazit

Die Schallaburg prägt mein Interesse für Geschichte, bildende Kunst und Architektur schon seit meiner Schulzeit. Bereits bei der ersten Ausstellung 1974 „Renaissance in Österreich“ war ich einer der mehr als 320.000 Besucherinnen und Besucher und so begleitet mich dieses Schloß bis heute.

Die Schallaburg ist aber auch eng mit der Geschichte des niederösterreichischen Radios verbunden, von 1976 bis 1999 produzierte und moderierte der legendäre Willy Kralik das wöchentliche Hörfunkquiz „Turnier auf der Schallaburg“, das lange Zeit auch von mir immer wieder verfolgt wurde.

Mein kleiner Bericht von der Schallaburg, der hoffentlich keine sachlichen Fehler enthält und Appetit auf dieses Juwel machen soll ist damit zu Ende. Ich bin aber den an meinen Motorradtouren interessierten Lesern noch die Routen der Hin- und Rückfahrt schuldig und löse das hier ein.

Die Rückfahrt führte mich an der Wallfahrtskirche Maria Steinparz, wo man nebenan auch sehr gut essen kann, vorbei und weiter über Weinburg, Ochsenburg durch das Hügelland südlich von St.Pölten ins Laabental und dann über St.Corona am Schöpfl wieder ins Triestingtal-

Kurviger Links zum Download der Routen:

Zur Schallaburg | Kurviger

Von der Schallaburg | Kurviger

Links

https://www.schallaburg.at/de/
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schallaburg
https://www.schallaburg.at/de/renaissance-2024/raum-1-de
https://www.derstandard.at/story/3000000215611/renaissance-schau-auf-der-schallaburg-aufbruch-und-selbsterkenntnis
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hohe_Schule_Loosdorf
https://www.kulturundwein.com/alchemist.htm?nocache=1377362337
https://noe.orf.at/stories/3251734/